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Über die Situation in Burma und ihre Hintergründe

 
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Über die Situation in Burma und ihre Hintergründe
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minino
Admin-Dog


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Beitrag Über die Situation in Burma und ihre Hintergründe Antworten mit Zitat
Seit einigen Tagen füllen Schlagzeilen über die Aufstände in Burma sämtliche Zeitungen. Überall finden sich Berichte über den Aufstand der Mönche, die Brutalität des in Burma herrschenden Militärregimes oder Aung San Suu Kyi, der opositionellen Führerin der NLD (National League for Democracy). Bilder von Mönchen, die sich barfuss und nur in ein oranges Tuch gehüllt durch Tränengas kämpfen. Bilder von Kindersoldaten, die ängstlich gegen die Aufständischen vorgehen sollen. Was steckt jedoch hinter der Situation in Burma? Wieso geniesst der Schauplatz Burma solche mediale Aufmerksamkeit?

Schon einmal wurden in Burma Massenproteste ausgelöst. So fand 1988 in Burma ein grosser Studentenprotest statt, der blutig niedergemetzelt wurde. Auslöser des damaligen Protestes war eine Abwertung der burmesischen Währung. Doch nicht nur damals war eine wirtschaftliche Krise der Auslöser für die Massenproteste. Auch die jetzigen Massenproteste in Burma, dieses mal von Mönchen angeführt, entspringen einer Wirtschafskrise: Diesmal geht es um eine Erhöhung der Benzinpreise. Der machthabende Diktator der burmesischen Militärjunta Tan Shwe hatte diese verdoppeln lassen. Antwort darauf ist der momentane Massenprotest, der – wie damals schon – blutig und gewalttätig niedergeschlagen wird.

Burma, eine rentable Quelle zur Mehrwertproduktion

Burma, auch Birma oder Myanmar genannt, ist eigentlich ein sehr reiches Land; zumindest reich an Erdgasvorkommnissen, Edelsteinen und anderen Rohstoffen. Trotzdem lebt der Grossteil der burmesichen Bevölkerung in unglaublicher Armut und in unvorstellbarem Elend.

Energiekonzerne wie „Total“, der amerikanische Konzern „Unocal“ oder das thailändische Energieunternehmen „PTTEP“ gehören zu den Hauptinvestoren Burmas und machen auch nicht davor Halt die Menschen unter Zwangsarbeit und unter miserablen Bedingungen arbeiten zu lassen. Auch die Militärregierung selbst, die SLORC (State Law and Order Restoration Council), ist tüchtig an der ausbeuterischen Mehrwertproduktion beteiligt. Öffentliche sowie private Strassen werden grösstenteils von Kindern oder vertriebenen Familien, die in höchstem Elend vor sich hin vegetieren, gegen einen Hungerlohn gebaut. Manchmal wird auch einfach zur Zwangsarbeit gegriffen und die Militärs holen sich Kinder und alte Frauen und Männer, legen sie in Ketten und lassen sie die Arbeit verrichten.

Auch die Karen, eine ethnische Minderheit in Burma, die seit Jahrzehnten gejagt und verfolgt wird, werden oft von den Militärs verschleppt und zur Arbeit in Steinbrüchen gezwungen, oder zum Bau von Strassen und anderen Sachen. Auch Drogen und Frauenhandel (junge Frauen werden als Sexsklavinnen verkauft) floriert in Burma und füllt die nationale Staatskasse der Militärjunta. Kinderarbeiter und auch Kindersoldaten können den Familien - wegen der unglaublichen Armut - vom Staat leicht gegen ein paar Säcke Reis „abgekauft“ werden.

Die besitzlosen Arbeiterfamilien, die oft auf der Strasse oder auf den Müllhalden zu (über)leben versuchen, sind dazu gezwungen ihre Arbeitskraft für einen Hungerlohn zu verkaufen: Entweder dem eigenen Staat, oder einem ausländischen Konzern. Viele Angehörige der untersten Schichten und Klassen, welche nichts anderes besitzen als ihre Arbeitskraft, fliehen nach Thailand um dort als billige Fabrikarbeiter ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Während die Mehrzahl der burmesischen Bevölkerung vor sich hin vegetiert und in höchstem Elend leben muss, füllen sich die Staatskassen mit dem Profit, der durch den Mehrwert erzeugt wird. Diese Ausbeutung, ob sie von Grosskonzernen oder dem eigenen Staat ausgeht, entspringt nicht der Bosheit des Staates und der Grosskonzerne, sondern sie ist notwendiges Produkt der kapitalistischen Logik und der Krisensituation in der sich Burma befindet. Jede Kritik der Situation in Burma muss daher auch bei dieser Logik beginnen.

Sanktionen und Menschenrechte – Eine eigentümliche Sackgasse

Die weltweiten Reaktionen auf die Zusammenhänge in Burma lassen zu fragen übrig. Das Vorgehen der Militärjunta gegen die Protestbewegung wird zwar allerseits von den „demokratischen Staaten“ harsch kritisiert, jedoch handelt es sich nicht um eine wirkliche Kritik.

Kritisiert wird nicht der Zustand in Burma, oder das, was ihn geschaffen hat. Es wird nur kritisiert wie diese Zustände ablaufen und durchgesetzt werden. Es wird kritisiert, dass die SLORC die von der UNO festgelegten Menschenrechtskonvention nicht einhält. Konkret heisst das, dass an und für sich gar nichts an der Ausbeutung und Unterdrückung in Burma kritisiert wird, sondern nur das Ausmass und die Form der Ausbeutung und Unterdrückung. Folge davon ist, dass man der burmesischen Regierung mit Sanktionen droht und von allen Seiten her wird an Burma appelliert die Menschen- und Bürgerrechte einzuhalten. Bei diesen Forderungen geht es nicht wirklich um eine Änderung der Situation in Burma, denn diese ist bedingt durch den Kapitalismus und seine Krisenhaftigkeit selbst. Es geht lediglich um die Abdämpfung der kapitalistischen Verhältnisse; um die Verhinderung des Schlimmsten.

Von anderen Seiten her wird von der burmesischen Militärjunta mehr „Respekt gegenüber der Protestbewegung und ihren Aktivitäten“ gefordert. Bei solchen Forderungen merkt man schnell, wie wenig Kritik überhaupt an der Sache selbst geäussert wird. Kritisiert wird nicht, dass es Ausbeutung, Elend, Unterdrückung und eine SLORC gibt, und als Resultat daraus deren Abschaffung und Überwindung angezielt und gefordert. Kritisiert wird, dass die Militärjunta ohne Respekt ausbeutet und unterdrückt, das heisst die Militärregierung selbst wird indirekt legitimiert und nur die Respektlosigkeit gegenüber den Ausgebeuteten und Unterdrückten angeprangert.

Es handelt sich bei solchen Forderungen und Sanktionsdrohungen um politische Sackgassen, die langfristig rein gar nichts an der miserablen Lage in Burma ändern können, sondern die makaber hervortretenden Klassenverhältnisse nur zeitweise und begrenzt abfedern, nicht aber überwinden können.

Burma als medialer Schauplatz zur Reproduktion der kapitalistischer Ideologie

Die ganze mediale Diskussion über die Situation in Burma hat sich in eine rein ideologische Schönrederei des westlichen demokratischen Systems verwandelt. In einem ständigen Vergleich wird die „böse Militärjunta“ gegen die „gute westliche Demokratie“ abgewogen und ein positiver Bezug zur kapitalistischen Demokratie hergestellt. Die Protestbewegung wird als „Demokratiebewegung“ bezeichnet, die sich legitim gegen die böse Militärdiktatur aufwenden würde. Eine „Schwarz-Weiss-Malerei“, welche nur noch den Zweck hat die Demokratie als politischen Ausdruck des Kapitalismus zu legitimieren.

Als Teil der kapitalistischen Gesellschaft sind die bürgerlichen Medien auch notwendig Träger von Ideologie; sie spiegeln die kapitalistische Ideologie wieder. Daher sind solche Schauplätze wie Burma ein optimales und auch notwendiges Mittel zur Reproduktion der kapitalistischen Ideologie. Durch die delegitimation der Militärjunta und deren Vorgehensweise wird gleichzeitig auch gezielt die Demokratie mit all ihren „Vorzügen und Freiheiten“ legitimiert und verfestigt.

Nicht nur in Militärregimen leben die Menschen auf Müllhalden. In Brasilien lebt beispielsweise ein grosser Teil der Bevölkerung in Slums und holt sich sein Essen im Müll. Und nicht nur in Burma werden Proteste mit Tränengas und Schlagstöcken beendet, dies geschieht sogar in der „höchst demokratischen“ Schweiz. Eine Demokratisierung von Burma, die so oft gefordert wird, bringt noch lange keine Verbesserungen mit sich. Auch wenn Burma demokratisch ist leben die Menschen nicht plötzlich in Palästen. Nur: Wenn Burma demokratisch ist, dann ist die Armut und das Elend legitim. Dann ist es menschliche Armut, akzeptierte Armut, demokratische Armut.

Das Elend beenden!
Kapitalismus abschaffen - nicht nur in Burma - überall!


LAO - Libertäre Aktion Ostschweiz

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Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!
08. Oktober 2007, 14:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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Wohnort: süsch no was?!

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Mittwoch, 10. Oktober 2007 um 20:00 Uhr
Kasama, Militärstr. 87a, Zürich

BURMA UNTER DEM TERROR DER GENERÄLE
Film und Vortrag
mit der Filmemacherin Irene Marty und Ashin Kovida (aus Burma)

Seit über 40 Jahren wird Burma durch die eiserne Hand der Generäle geführt. Die Dokumentarfilmerin Irene Marty und der buddhistische Mönch Ashin Kovida (aus Burma) berichten über die aktuelle Lage in Burma, die Militärjunta und die soziale Rebellion der buddhistischen Mönche und der breiten Bevölkerung gegen die Diktatur der Generäle. Sie informieren über die Hintergründe der Proteste, die Bewegung der Mönche und dem alltäglichen Terror der Militärs gegen die Zivilbevölkerung.

Im ersten Teil der Veranstaltung zeigen wir den Dokumentarfilm «Im Schatten der Pagoden». Eine eindrückliche Dokumentation über den vergessenen Genozid an ethnischen und religiösen Minderheiten im Burma.

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Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
09. Oktober 2007, 11:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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kann mir ne privat message schreiben. dann können wir uns zusammentun.

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Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
09. Oktober 2007, 11:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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