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Kritik an Massenfestnahmen in Kopenhagen

 
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Kritik an Massenfestnahmen in Kopenhagen
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rEVOLution



Anmeldedatum: 16.09.2009
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Wohnort: eine zerstörte Welt

Beitrag Kritik an Massenfestnahmen in Kopenhagen Antworten mit Zitat
Zitat:
Nach den Massenfestnahmen am Rande der Klima-Grossdemonstration in Kopenhagen haben die Veranstalter der dänischen Polizei «Verletzung von Menschenrechten» vorgeworfen. Die Beamten hätten wahllos hunderte Demonstranten festgenommen.


Nach Angaben des Zusammenschlusses von Umweltaktivisten, Climate Justice Action, wurden bis zum Samstagabend rund hundert Menschen trotz der grossen Kälte weiterhin in den Strassen der dänischen Hauptstadt festgehalten, «gefesselt und in sitzender Position aufgereiht».

Beinahe 1000 Festnahmen

Nach Angaben der Polizei wurden nach Ausschreitungen insgesamt 968 Menschen festgenommen. Die meisten von ihnen seien aus dem Ausland gekommen, rund 400 seien Mitglieder des «gewaltbereiten Schwarzen Blocks».

Nach ersten Steinwürfen habe sie sich zu der «vorbeugenden» Massnahme entschlossen, um eine Eskalation zu verhindern, erklärte die Polizei weiter. Etwa 150 Festgenommene kamen den Angaben zufolge nach ihrem Verhör am Abend wieder auf freien Fuss.

«Demonstrationen sind grosser Erfolg»

Zur Halbzeit des Weltklimagipfels hatten am Samstag mehrere zehntausend Menschen für besseren Umweltschutz demonstriert. Die Polizei sprach von 30'000 Teilnehmern, die Organisatoren schätzten ihre Zahl auf 100'000. Auch in anderen Teilen der Welt gab es Kundgebungen.

Die dänische Vorsitzende des Klimagipfels, Connie Hedegaard, bezeichnete die Demonstrationen als grossen Erfolg. Angesichts der wachsenden weltweiten Mobilisierung der Menschen für mehr Klimaschutz sei der «politische Preis» eines Scheiterns inzwischen so hoch, dass sich die «politischen Führer sorgfältig überlegen werden, ob sie diesen Preis zu zahlen bereit sein werden», sagte sie auf einer Pressekonferenz.

(sda/buet)


SF Tagesschau: http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2009/12/13/international/klimakonferenz/kritik_an_massenfestnahmen_in_kopenhagen

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Die grösste Erkenntnis, deren wir fähig sind, ist der Irrtum.
13. Dezember 2009, 13:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Diese Nacht wurde die Freistadt Christiania von der Polizei angegriffen.

http://de.indymedia.org/2009/12/268876.shtml
http://de.indymedia.org/2009/12/268873.shtml

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
16. Dezember 2009, 16:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
minino
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Krasse Sache, was da in Kopenhagen abgeht. Medien berichten fast nichts drüber question

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Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!
16. Dezember 2009, 17:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Spliff



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16. Dezember 2009, 21:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Cjarner
Board Messias


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kann ich mir nicht ansehen, da wird mir übel von...

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Übrigens, das möcht ich noch loswerden, versteh ich nicht warum ums Klauen im Allgemeinen so ein riesen Bohei und Schwanzvergleich gemacht wird. Hab auch schon Leute erlebt, die Klauen für das coolste der Welt halten, dies bei jeder Gelegenheit kundtun und dann auch noch dumme Sprüche loslassen, wenn einer was bezahlt. Wozu? Klauen oder sein lassen. Das coolste der Welt ist eh Punkrock.
16. Dezember 2009, 22:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Pressluftpinocchio
Schraubenverdreher


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Hass, Hass, wie noch nie, all cops are bastards, A.C.A.B.!!!

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16. Dezember 2009, 23:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Savo



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übel

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
16. Dezember 2009, 23:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
Admin-Dog


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Das Video oben ist aber vom 11. August 09:

Zitat:
der folgende Video zeigt die dänischen Bullen beim eingasen und zusammenkloppen einer Sitzblockade(!)gegen die Räumung eines Kirchenasyls.

zumindest den dänischen Genossenmüsste das ja bekannt gewesen sein.

warum jetzt über die Widerwärtigkeit der dänischen Bullen alle so erstaunt sind, erstaunt mich wiederum.

Warnung: das ding geht 9 minuten und ist nix für sensible gemüter. die Faschisten schlagen reihenweise am Boden Sitzende aus dem bürgerlichen und linken spekrtrum kaputt und besprühen sie aus z.T. 10 cm mit Gas direkt in die Augen.

am nächsten Tag waren 15000 Menschen in Kopenhagen wegen dieser Brutalität auf der strasse.

Natürlich änderts nichts an der Bullenbrutalität, nur um den Zusammenhang richtigzustellen.

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17. Dezember 2009, 00:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



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ich muss nach ner minute aufhören zu schauen.. zu viel dafür, dass ich erst 'ne stunde wach bin..

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"Es wird immer schwerer, normal zu sein"
17. Dezember 2009, 12:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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alle erschiessen. leider hilft das nur kurzfristig.

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17. Dezember 2009, 14:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
q.mar
dog day afternoon


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far hat Folgendes geschrieben:
alle erschiessen. leider hilft das nur kurzfristig.


aber es wäre ein anfang....

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"Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben. Ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikt mit den vorhandenen Mächten."
- Marx -
17. Dezember 2009, 14:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Beiträge: 3051

Beitrag Antworten mit Zitat
ja

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
17. Dezember 2009, 14:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Cjarner
Board Messias


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wenn man sonen schlagstockbulle mit sowas überraschen könnte wäre schon ganz witzig:



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Übrigens, das möcht ich noch loswerden, versteh ich nicht warum ums Klauen im Allgemeinen so ein riesen Bohei und Schwanzvergleich gemacht wird. Hab auch schon Leute erlebt, die Klauen für das coolste der Welt halten, dies bei jeder Gelegenheit kundtun und dann auch noch dumme Sprüche loslassen, wenn einer was bezahlt. Wozu? Klauen oder sein lassen. Das coolste der Welt ist eh Punkrock.
17. Dezember 2009, 15:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
gero



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Das ist etwa das gleiche, wie wenn man sich am ersten Mai in Zürich darüber aufregt, wie die Polizei kesselt und Gummischrot verschiesst.
Wenn man eine Sitzblockade macht, muss man mit sowas doch einfach rechnen. Und wenn Leute vor einem reihenweise verprügelt werden sollte man sich fragen, ob die Sitzblockade noch das richtige Mittel ist oder ob man sein Konzept überarbeiten sollte.

Und ja, ich mag die Polizei auch nicht.

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Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.
17. Dezember 2009, 15:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ibrahim al Assy



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Beiträge: 130

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Das habe ich mir auch gedacht, ganz schön bescheuert einfach in der Reihe zu sitzen und zu warten bis man "drankommt".
Trotzdem sind das krasse Bilder, insbesondere für Leute die an Verhältnismässigkeit, Demokratie und den Osterhasen glauben.
17. Dezember 2009, 15:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Pressluftpinocchio
Schraubenverdreher


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Ibrahim al Assy hat Folgendes geschrieben:
Das habe ich mir auch gedacht, ganz schön bescheuert einfach in der Reihe zu sitzen und zu warten bis man "drankommt".
Trotzdem sind das krasse Bilder, insbesondere für Leute die an Verhältnismässigkeit, Demokratie und den Osterhasen glauben.


Gibts dich auch noch?

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17. Dezember 2009, 15:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Beiträge: 5481

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Mich macht sowas immer betroffen. Schliesslich könnten dort Freunde von mir sitzen oder ich selber weil ich mich dazu überreden liess (wie bei der Massenverhaftung im Vögelipärkli Luzern). Sicher sind Sitzblockaden keine geniale Idee. Und es macht auch einen Unterschied ob man sich in Deutschland oder Dänemark/der Schweiz in den Weg setzt. Wo man bei ersterem wohl mehr Erfolg hätte als in Lausanne während dem G8 wo die Bullen ins Camp kamen. Da gings ähnlich zu und her inkl. Liveübertragung ins Fernsehen. Die Bullen hatten trotz der geringen Anzahl Leute und ihrem gewaltätigen Einsatz ganz schön Probleme. Denen geht das ganz schön an die Nerven, weshalb sie auch so aggressiv werden. Es ist krass zu sehen wie die Bullen schwitzen, lärmen und sich selbst vergessen nur um ihren Befehl auszuführen, die drehen richtig ab. Da wird sich schon manche Bullensau im Nachhinein den Kopf zerbrochen haben. Sich solidarisch zu setzen und Ketten zu bilden um denen den Job noch mehr zur Hölle zu machen ist wohl kaum verkehrt. 50 entschlossene Leute kosten sehr viel Zeit um sie dort wieder weg zu haben.

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Zuletzt bearbeitet von far am 17. Dezember 2009, 20:25, insgesamt einmal bearbeitet
17. Dezember 2009, 16:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
gero



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Alter, natürlich macht mich sowas auch betroffen. Aber das macht mich der ganz alltägliche Wahnsinn auch.- Nochmal: wer sich für eine Sitzblockade entscheidet, sollte sich über die möglichen Folgen im klaren sein.

Und wenn man sieht wie die reihen vor einem auseinander genommen werden, sollte man seine Aktionsform überdenken und gegebenfalls zu einer aktiveren Form übergehen oder den Rückzug antreten.
Das ist ähnlich wie in Genua die Leute mit den Weiss bemalten händen. Natürlich ist es krank, dass die Polizei gegen solche Leute so brutal vorgeht. Aber hey, das ist die verfickte Staatsmacht - und wenn du gegen sie aufbegehrst ist es einfach naiv zu denken, sie werde dich normal behandeln.

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17. Dezember 2009, 16:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beiträge: 1069

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den hab ich grad auf nem blog aufgeschnappt: "Demokratische Grundrechte werden nicht länger mit Füßen getreten, denn es gibt ja Schlagstöcke!"

ugly lol

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argumentum ad baculum
17. Dezember 2009, 17:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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19. Dezember 2009, 11:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Zitat:
In Kopenhagen ist ein deutscher Aktivist und Gipfel-Gegendemonstrant verhaftet worden. Für seine Haftverlängerung wurden offenbar auch abgehörte Telefonate und abgefangene SMS verwendet. Demonstranten werfen den dänischen Behörden Kommunikationsüberwachung im großen Stil vor.

Sie tanzten gegen die Kälte, gegen den Frust - und um sich Mut zu machen. Drei Dutzend Umweltaktivisten haben am vergangenen Abend noch einmal einen verzweifelten Versuch gemacht, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Eine wichtige Waffe im Arsenal der Protestierenden ist ihr Durchhaltevermögen - eine andere waren bislang ihre Handys, mit denen sich scheinbar spontane Protestaktionen blitzschnell koordinieren lassen. Doch die dänischen Sicherheitsbehörden fangen offenbar Telefonate und SMS zwischen Demonstranten ab.
Die Mitglieder einer Protestgruppe haben ein Klima-Camp aufgeschlagen, drei kleine Zelte unter der großen Weltkugel auf dem Rathausmarkt von Kopenhagen. "Freiheit für die politischen Gefangenen", fordern sie und meinen damit die Anführer ihrer noch jungen Bewegung "Climate Action Now".
Die meisten ihrer Köpfe hat die dänische Polizei festgenommen, allen voran Tadzio Müller, einen Berliner Aktivisten. Der 33-jährige ist überall dabei, wo es gegen die Mächtigen und ihr in seinen Augen zerstörerisches Werk geht: Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm, beim Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg. Doch seit diesem Mittwoch sitzt er in Haft. Zivilpolizisten führten ihn direkt nach einer Pressekonferenz im Kongresszentrum Kopenhagens ab, wo er zu "zivilem Ungehorsam" und der Erstürmung des Klimagipfels "mit friedlichen Mitteln" aufrief.

Verhandlung hinter verschlossenen Türen

Am darauf folgenden Tag machte ihm die dänische Justiz einen kurzen Prozess und verlängerte den Haftbefehl bis Samstag. "Müller wird vorgeworfen, als Koordinator Aktionen vorbereitet zu haben, die nach dänischem Recht eine Reihe von Straftatbeständen erfüllen", erklärt Staatsanwältin Eva Louise Paduan gegenüber SPIEGEL ONLINE. Ob für die Anklageerhebung auch Material verwendet wurde, das abgehörten Telefonaten oder abgefangenen SMS entstammt, wollte Paduan auf Nachfrage nicht kommentieren.

Die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt. Begründung der Ankläger: Es würde Beweismaterial vorgelegt werden, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Dabei handelt es sich offenbar um aufgezeichnete Handy-Telefonate, Textnachrichten. Sogar der E-Mail-Verkehr der Klima-Aktivisten soll abgefangen worden sein. Dänische Zeitungen jedenfalls gehen fest davon aus, dass die Sicherheitsbehörden in ihrem Land zur Kontrolle der Protestierenden auch auf solche Mittel zurückgreifen.

"Das ist die Art von Umgang, an dem wir uns seit geraumer Zeit gewohnt haben", klagt Tom Kucharz, einer der Sprecher von Climate Justice Now!, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Die Aktivisten gehen davon aus, dass die dänischen Behörden von ihren deutschen Kollegen tatkräftig unterstützt werden. "Die EU-Gesetze sehen diese grenzübergreifende Zusammenarbeit ja genau vor", kritisiert Kucharz, der auch für den letzten Tag wieder Überraschungsaktionen rund um den Klimagipfel vorbereitet.

Rückzugsgebiet: "Freistaat Christiania"

Als öffentliche Plattform dient den Protestierenden, die seit Tagen vom Klimagipfel ausgeschlossen sind, ein Konferenzzentrum unweit des Kopenhagener Hauptbahnhofs, das als Versammlungsort der Nichtregierungsorganisationen eingerichtet wurde. Ihr eigentliches Basislager ist der sogenannte "Freistaat Christiania", eine Kommune östlich des Stadtzentrums. Die dänischen Polizeikräfte betreten das Areal einer alten Kaserne nur selten. Entweder, wenn sie es stürmen, oder geheim mit Hilfe von Zivilbeamten.

Tadzio Müller verfügte über ein Prepaid-Handy. Mit denen hatten sich die Aktivisten schon im Vorfeld eingedeckt. Wie die Beamten in Besitz seiner Telefonnummer kamen, ist unbekannt. Auf Pressekonferenzen hatte Müller die Nummer an Umstehende verteilt - die Demonstranten mutmaßen nun, dass darunter auch ein eifriger dänischer Polizeibeamter war.

"Das hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts mehr zu tun", empört sich die Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter von der Partei Die Linke, die Mitglied des Umweltausschusses ist und als Beobachterin des Klimagipfels in Kopenhagen weilt. "Es muss auch emotionalisiert werden dürfen", sagt sie zu den bunten Protesten rund um die Tagung. "Die Polizei hier hat allerdings wahnsinnige Angst vor den Demonstranten."

Mit ihrer Überwachung reagieren die Ermittlungsbehörden auf die mobile Aufrüstung der Protestbewegung. Die Aktivisten werden dank Handys extrem flexibel und unberechenbarer - nicht nur in Kopenhagen.

In den USA sorgte in der Anti-Globalisierungsbewegung der Fall eines 41-jährigen Aktivisten aus dem New Yorker Stadtteil Queens für Empörung. 16 Stunden lang durchsuchte das FBI im Oktober das Haus des Aktivisten. Die Behörden werfen ihm vor, Protestierende am Rande des G-20-Gipfels im September in Pittsburgh über auf Handys empfangbare Nachrichten so geleitet zu haben, dass sie sich einer Verhaftung entziehen konnten. Der Mann soll von einem Hotelzimmer aus über Twitter Informationen über die Polizeitaktik weitergegeben haben.

Inwieweit Social Networks und Nachrichtendienste wie Twitter von US-Sicherheitsbehörden überwacht und ausgewertet werden, will die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation derzeit mit Anfragen an CIA, FBI und Co. klären - und mit einer flankierenden Beschwerde vor Gericht.

Vor dem Kongresszentrum des Klimagipfels verabredete sich vor wenigen Stunden eine deutsche Protestgruppe mit dem Namen "Die Klimapiraten". Sie griffen zu einem ungewöhnlichen Kommunikationsmittel: Rasierapparaten. Damit schoren sie sich kurzerhand die Köpfe kahl. Henrike Wegener, 29, sagte, ein Plakat mit der Aufschrift "Klima-Schande" hochhaltend: "Das ist die einzige Möglichkeit, wie ich meine Frustration über den Gipfel ausdrücken kann."

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,667974,00.html

edit: zu Tadzio Müller: http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?t=3915

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
19. Dezember 2009, 11:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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