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[Vortrag] Macht die Schule dumm? Donnerstag | 09.09. | Bern

 
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[Vortrag] Macht die Schule dumm? Donnerstag | 09.09. | Bern
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ratatoskr



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Beitrag [Vortrag] Macht die Schule dumm? Donnerstag | 09.09. | Bern Antworten mit Zitat
[Vortrag] Wieso? Weshalb? Warum? Macht die Schule dumm?

Donnerstag | 09.09.2010 | 20 Uhr | Bern | Hotel Bern (Lage)

Ausbildung macht dumm. Das steht nicht für ein Versagen von Schule und Universität, sondern das gehört zu den Aufträgen des hiesigen Bildungssystems. Dummheit, was ist das? Es fällt nicht unter Dummheit, wenn man die Rechtschreibung nicht beherrscht, nur schlecht lesen und rechnen kann oder die Nebenflüsse des Rheins nicht kennt. Das ist fehlendes Wissen, das kann man sich aneignen. Besser: das könnte man sich aneignen, wenn das Schulwesen tatsächlich das Anliegen verfolgen würde, den Nachwuchs solide in die „Kulturtechniken“ einzuführen und ihm gediegenes Wissen über Natur und Gesellschaft zu vermitteln. Tut es aber nicht.

Unter Dummheit fällt dagegen ziemlich viel von dem was man lernt, und zwar als Volksschüler wie als Gymnasiast und als Student. Es fällt darunter die Ausstattung der Jugend mit einer Fülle falscher Urteile über Gott und die Welt. Das liegt nicht daran, dass sich Schulbuchverfasser und Lehrer einfach nur irren, wenn sie die Schüler mit ihren Lehren über Demokratie und Faschismus, über Geld und Markt, über Familie und Staat traktieren. Das tun sie auch. Aber das trifft nicht die Sache. Dafür sind die Dummheiten viel zu resistent gegen Argumente und haben bereits zu viele Jahrzehnte in Schulbüchern überdauert. Die frühzeitige Aneignung einer gehörigen Portion Dummheit braucht es vielmehr für die geistige Ausstattung des mündigen Bürgers. Gefordert ist sie für Leistungen, die hierzulande ständig gefordert sind: nämlich für die freiwillige Unterordnung unter alle Zwänge und Sachzwänge dieser Gesellschaft. Dummheit ist parteiliches Denken. Zugleich belehren die Dummheiten den erzogenen Mensch darüber, wie er alle sich Beschränkungen seiner Interessen, das „das Leben“ bringt, zu verarbeiten hat und zugleich dabei brav bleiben kann. Dummheit ist also eine wahre Produktivkraft im und für den Kapitalismus.

Referent Freerk Huisken ist emeritierter Professor der Universität Bremen. Er ist Politologie, Psychologe und Erziehungswissenschaftler

[Workshop] Schule und Universität

Samstag | 11.9.2010 | 13:00 Uhr | Bern | Gewerkschaftshaus | Monbijoustrasse 61

Wir vertiefen das Donnerstags-Thema und schauen uns genauer das Bildungssystem in Schule und Universität an.

Referent: Freerk Huisken

http://www.unia-jugend-bern.ch/
29. August 2010, 16:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Vortrag nun online Antworten mit Zitat
Der Vortrag wurde aufgezeichnet und kann unter folgendem Link angehört werden:
http://www.unia-jugend-bern.ch/?page_id=193
06. Oktober 2010, 13:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rude e
Mad Dog


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Beiträge: 251

Beitrag Antworten mit Zitat
Auch in diesem Vortrag (den ich jetzt zugegebenermassen nur zur Hälfte gehört habe) wird deutlich, was mich schon bei der Lektüre seines Buches "Erziehung im Kapitalismus" gestört hat.

Erstens konstruiert er sich zu Beginn holzschnittartig eine Realität, die seinen weiteren Ausführungen dienlich ist, so aber hinterfragt werden müsste. Das erste Beispiel aus dem Vortrag: Kinder leben vor der Schule in einer Borniertheit, die sie in der Wahrnehmung der Welt nur zwischen Dingen unterscheiden lässt, welche ihr Wohlbefinden fördern, und Dingen, welche sie, bäh, ablehnen. Natürlich stimmt diese Wahrnehmung in der Tendenz. Doch schon vor der Schule entwickeln die Kinder eine differenziertere Wahrnehmung der Welt und sich selbst in der Welt. Indem Huisken das gar nicht in Erwägung zieht, wissen wir nicht, ob man zu anderen Schlüssen käme, wenn man es täte. Das führt gleich zum nächsten Punkt.

Zweitens verzichtet er im Vortrag auf eine "Preisgabe des methodischen Bezugsrahmen", wie er dies auch in der Einleitung zu seinem Buch mit kindlichem Stolz (oder Trotz) betont. Er kritisiert also ein diffuses Gebilde von Pädagogik, welches sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es nicht seine Theorie ist. Damit macht er sich's wieder sehr einfach, weil er einfach wild herumzitieren kann, ohne auf den Zusammenhang des Zitierten eingehen zu müssen, auch ohne es verstanden haben zu müssen. Er betont im Buch sogar, dass er damit Dinge auch aus dem Zusammenhang reisse und dass gerade darin seine Genialität bestünde. Aber dann ist jeder Bürgi genial, der mit der Toleranzkeule kommt und sagt: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Das hat mir mein Gotti ins Poesiealbum geschrieben und das hat Rosa Luxemburg gesagt, die war selbst eine rote Socke."

Weiter zitiert er im Vortrag "aus einem deutschen Grundschullesebuch": "Morgens geht der Vater zur Arbeit in die Fabrik. Dort verdient er Geld. Und mit dem Geld versorgt uns die Mutter. Sie geht dabei sparsam mit dem Geld um."
Damit illustriert er, wie die Schule die Kinder für den Kapitalismus fit macht. Denn schliesslich nehme das Kind selbst die Welt anders wahr, der Vater gehe in die Fabrik nicht um Geld zu verdienen, sondern um Autos zu bauen und so weiter. Doch die Schule prügle dem Kind, im Zuge des Lesenlernens, die kapitalismuskonforme Sicht der Dinge ein. Ich streite nicht ab, dass dieser Satz genau diesen Zweck verfolgt. Doch hätte Huisken nicht schon 1967 aufgehört zu unterrichten, wüsste er vielleicht, das solche Sätze nur noch höchst selten in Schulbüchern stehen. Heute sind die Sätze nicht mehr derart offensichtlich ideologisch aufgeladen. Und trotzdem, und das wäre doch interessant für eine Untersuchung, erfüllen sie denselben Zweck genau so gut. Drittens kann man Huisken also vorwerfen, dass er Banalitäten gross aufbauscht und dabei die interessanten Fragen nicht stellt. In diesem Falle: Wie hat sich die kapitalistische Zurichtung in der Schule seit den 68ern verändert? Moderne Schulbücher funktionieren heute nach einem "moderaten Konstruktivismus". Das Kind soll möglichst viel selber entdecken, sich die Erkenntnis selbst aufbauen. Wo liegen also die Elemente in diesem moderaten Konstruktivismus und im Schulsystem, die sicherstellen, dass die Kinder die Schule in einem Akt konstruktivistischer Erleuchtung nicht niederbrennen? Doch solche Fragen stellt Huisken nicht, denn dazu müsste er seine mit dem grossen Löffel gefressene Wahrheit wieder mit der Realität abgleichen, und dazu hat er offensichtlich keine Lust.

_________________
Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison. In diesem Jahr hat es mir einer verboten. Aber ich lasse mir nichts verbieten. Ich werde tanzen, und zwar mit einer wundervollen Partnerin.

Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet Ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann.
07. Oktober 2010, 10:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Wohnort: walhall

Beitrag Antworten mit Zitat
Ich habe Huiskens Buch (noch) nicht gelesen, finde aber, dass deine Kritik am Vortrag nicht trifft. Huisken "konstruiert" keine Realität, er beschreibt und kritisiert die Realität an den Schulen. Und das tut er - wie er im Vortrag selber sagt - Elementar. Das "holzschnittarige" ist dem Faktor Zeit geschuldet. Huisken hat aber angeboten das Thema am Samstag nach dem Vortrag in einem Teach-in zu vertiefen.

Dass Kinder bereits vor der Schule lernen die Umwelt differenzierter wahrzunehmen - zumal mit Hilfe z.B. der Familie - wird Huisken nicht abstreiten, nur war das Thema des Vortrages halt "Schule". Und damit ist auch klar worauf Huisken Bezug nimmt.

Mit dem Zitieren ist das so eine Sache: Das heisst ja gerade, dass man etwas aus einem Text nimmt, also aus dem Zusammenhang reisst und für sich betrachtet. Da müsste man darüber diskutieren ob Huisken schwindelt, solche Sätze also gar nicht in Schulbüchern stehen. Das streitest du aber garnicht ab, sagst aber, dass solche offensichtlich ideologischen Sätze nur noch höchst selten in Schulbüchern stehen. Da kann ich dir nicht recht geben: Im besagten Teach-in wurden aktuelle Schulbücher aus der Schweiz unter die Lupe genommen, die waren voll mit solchem Zeug.

Der Zweck der Schule ist der gleiche geblieben. Selektion und Brauchbarmachung der Kinder für den kapitalistischen Alltag. Da hilft es auch nicht, wenn das Kind möglichst viel selber entdeckt, denn die Lehrer werden schon darauf achten, dass der Nachwuchs auf die gewünschten Antworten kommt und im Test werden dann die letzten Zweifel ausgeräumt.

Huiskens Vortrag stellt in diesem Sinne genau die interessanten Fragen: Was ist der reale Zweck des Schulsystems im Kapitalismus und was haben wir davon? Die Antworten darauf sind vielleicht der erste Schritt um den ganzen Laden samt seinen Schulen - ich sags mal mit deinen Worten - niederzubrennen.
10. Oktober 2010, 11:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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