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Ein paar Anmerkungen zum uG-Kongress

 
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Ein paar Anmerkungen zum uG-Kongress
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narodnik



Anmeldedatum: 09.06.2008
Beiträge: 110

Beitrag Ein paar Anmerkungen zum uG-Kongress Antworten mit Zitat
Wenn man die Revolution nicht organisieren möchte, bleibt sie aus.

Der letzte uG-Kongress (Dezember 2010) stellt die Theoretisierung der Antifa-Politik dar.

Für diese nämlich soll der Kongress ganz instrumentell die Theorie liefern: als abstrakte Negation
von Staat, Nation und Kapital, wie es programmatisch heißt.

Lässt man sich aber in der eigenen Aktion nahezu vollständig vom wirklichen oder vermeintlichen
Gegner bestimmen, dann gibt man das, was man einmal die "kulturrevolutionäre Gesamtaufgabe"
genannt hat, auf. Die Rest-Linke nutzt den politischen Raum nur defensiv; entweder pseudo-handgreiflich
gegen Neonazi-Rackets oder symbolisch gegen die Nation schlechthin, wie am Tage der Wiedervereinigung in Bremen.

Eine solche Linke verunmöglicht eine sozialistische Praxis aus Furcht vor den Massen. Sie fahndet stets
nach ideologischen Momenten (Nationalismus, Antisemitismus, Sexismus...), kennt einen ganzen Kanon
dessen, was sie nicht will, zeigt sich aber unfähig, die Dialektik der "temporären Trennung" (Dutschke) von
radikalen Minderheiten und Bevölkerung in eine organisatorisch gangbare Verlaufsform zu bringen.

Der ganze radical chic der gegenwärtigen linken Theorie ist eine einzige Absage an die Dringlichkeit
der praktischen Aufklärung. Nahezu transzendentalphilosophisch ergründet man ideologiekritische Schranken
der Emanzipation, wie "Antisemitismus, Nationalismus oder Deutsch-Sein schlechthin". Diese Phänomene
begründen sich aber allein aus dem unbegriffenen Praxiszusammenhang, in dem die Menschen stehen und
zu dem sich diese Leute auch verhalten. Im Falle des Nationalismus stiftet die reelle Abhängigkeit der Lohnarbeiter
von den Garantien des Staates die Identifizierung des Einzelnen mit dem großen Ganzen, in dem alle Deutschen
gleich sind. Diese Abstraktion gehört praktisch kritisiert, indem man den Schein der Gemeinschaftlichkeit und seine
ökonomischen Gründe aufdeckt.

Die Negation kann nun aber nicht sein, dass man der imaginären Gemeinschaft ideell abschwört und die
Vokabel "deutsch" zum Gegner sich erwählt. Gescheit wäre allein die bestimmte Negation, welche die
ersten Schritte hin zur Selbsttätigkeit der Produzenten angibt, die sich jenseits von nationalen Abstrakta
gemeinschaftlich organisieren.

Ein weiterer Fehler ist die eigentümliche Besprechung der kapitalistischen Krise als "Möglichkeit der Kritik"; ersteinmal:
aus der Krise folgt noch überhaupt keine Kritik. Es ist eine alte linke Unsitte, ständig nach Tendenzen zu forschen, ohne
selbsttätig dafür zu sorgen, dass sich die Subversion verbreitert.

Dazu kommt die alte Leier: Organisation versus Spontaneität. Dazu meine ich: das ist ein verkehrter Gegensatz. Die Organisierung
muss vielmehr so strukturiert sein, dass sie Selbsttätigkeit ermöglicht. Ihr Telos ist ja gerade die Kritik der Fremdbestimmung
des eigenen Lebens durchs Kapital.

Der uG-Kongress bot an Panorama der radikalen Linken im Jahre 2010. Viel mehr als eine Selbstbeweihräucherung steckt
nicht dahinter.
01. März 2011, 02:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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