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Amadeo Bordiga – Mord an den Toten

 
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Amadeo Bordiga – Mord an den Toten
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Amadeo Bordiga – Mord an den Toten Antworten mit Zitat
Ein Text Bordigas zum Katarstrophen-Kapitalismus. Ein paar anregende Auszüge, hab aber selber nicht alles aus dem Text verstanden:

Zitat:
(...)
Der durch eine Katastrophe ausgelöschte Reichtum steht für eine in Jahrhunderten akkumulierte Arbeit. Um die Folgen einer Katastrophe zu beseitigen, ist eine große Masse gegenwärtiger, lebendiger Arbeit notwendig. Wenn wir ihn nicht abstrakt, sondern konkret und gesellschaftlich fassen, erscheint der Reichtum als das Recht gewisser, der herrschenden Klasse angehörenden Individuen sich lebendige Arbeit anzueignen. Dadurch dass wieder Arbeit in Bewegung gesetzt wird, werden neue Einkommen und Reichtümer geschaffen. Die kapitalistische Ökonomie verfügt über keinerlei Mittel, anderenorts akkumulierten Reichtum „umzuschichten“, z.B. um die auf Sardinien oder in Venetien entstandene Lücke zu füllen, ebenso wenig wie die Dämme am Tiber Stück für Stück abgetragen werden können, um damit die vom Po abgetragenen wieder aufzubauen.
(...)
Alle durch Arbeit produzierten Dinge, die nicht direkt, sondern im weiteren Produktionsprozess verarbeitet werden (man nennt das heute Produktionsgüter), bilden das konstante Kapital.
(...)
Dies gilt für die Roh- und Hilfsstoffe, für die Maschinen und für jede andere Anlage, die sich fortlaufend abnutzt: Der Verlust durch Verschleiß, der ersetzt werden muss, erfordert vom Kapitalisten eine weitere Masse konstanten Kapitals anzulegen – was die herkömmliche Ökonomie Amortisierung nennt. Die rasche Amortisierung ist das höchste Ideal dieser nekrophilen Ökonomie.
(...)
Obwohl das konstante Kapital gleich Null gesetzt wird, bleibt der sich auftürmende kapitalistische Profit bestehen. Das gleiche kann man auch so sagen: Der Unternehmerprofit bleibt auch dann, wenn das Kapital der Mühe, das konstante Kapital zu erhalten, enthoben wird.

Diese Hypothese ist im heutigen Staatskapitalismus real geworden.

Das Kapital an den Staat zu überführen bedeutet, das konstante Kapital gleich Null zu setzen. Am Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter ändert sich dadurch nicht das Geringste, denn dieses Verhältnis hängt nur von zwei Größen ab: dem variablen Kapital und dem Mehrwert.
(...)
In den USA ist die Automobilproduktion gewaltig, obwohl alle oder fast alle Familien schon ein Auto haben: Es könnte schnell zum Versiegen der Nachfrage kommen. Also ist es besser, wenn das Auto nicht lange hält. Um das zu erreichen, wird es zunächst einmal schlecht und mit allerlei Pfuschteilen zusammengebaut. Wenn die Benutzer sich dann häufiger das Genick brechen, macht nichts: Man hat zwar einen Kunden verloren, doch gibt es ein Fahrzeug zu ersetzen. Zudem macht man sich mit breiter Unterstützung der verblödenden Werbung die Mode zunutze, dass alle das letzte Modell haben wollen, wie solche Frauen, die sich in Grund und Boden schämen, wenn sie ein Kleid „vom letzten Jahr“ tragen, selbst wenn es völlig in Ordnung ist. Die Dummköpfe beißen an, und es ist nicht wichtig, ob ein Ford, Baujahr 1920, länger hält als ein Wagen, der 1951 zusammengekloppt wurde. Und schlussendlich werden die veralteten Autos noch nicht einmal als Alteisen verwendet, sondern auf den Autofriedhof geschmissen.
(...)
Einfach gesagt: Geben wir alles für Löhne aus, und wenn das Unternehmen kein anderes Werkzeug als Schaufeln hat, wird man den „commendatore“ [12] überzeugen müssen, wie nützlich eine einfache „Abtragung der Erde“ wäre: zuerst wird alles von hier nach dort geschaufelt, und gleich darauf alles von dort nach hier.

Wenn der „commendatore“ zögern sollte, kann das Unternehmen auf die Gewerkschaft zählen: Eine Demonstration der Tagelöhner – unter dem Fenster des Ministers, Schaufeln über der Schulter – schon ist alles klar. Dann erscheint der Erfinder auf der Bildfläche und überwindet Marx: Die Schaufeln, bloßes konstantes Kapital, haben Mehrwert erzeugt.
(...)
Unsere Väter warnten vergeblich, dass es nur noch wenige naturbelassene Wälder gebe, die ohne den Eingriff menschlicher Arbeit auskommen. Die Forstwirtschaft wird also beinahe „Menschenwerk“, trotz des minimalen Betriebskapitals. Der Hochstammwald jedoch, der für die Forstwirtschaft wichtigste Wald, braucht sehr viel Zeit bevor er ein nennenswertes Produkt hervorbringt. Obschon die Forstwissenschaft gezeigt hat, dass der günstigste Zeitpunkt für das Fällen eines Baumes nicht sein höchstmögliches Lebensalter ist, sondern das Jahr, in dem das normale Wachstum mit dem durchschnittlichen Wachstum zusammenfällt, muss man z.B. bei einem Eichenwald 80, 100 oder gar 150 Jahre warten. Minimaler Kapitaleinsatz; Wartezeit seines Rückflusses 150 Jahre! Di Vittorio und Pastore [14] hätten das Fachbuch, wenn sie es je aufgeschlagen hätten, aus dem Fenster geworfen.
(...)


http://raumgegenzement.blogsport.de/2011/03/21/amadeo-bordiga-mord-an-den-toten-1951/

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
22. März 2011, 19:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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