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Petition an den Zaren / 9. Januar 1905

 
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Petition an den Zaren / 9. Januar 1905
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Petition an den Zaren / 9. Januar 1905 Antworten mit Zitat
Herrscher!
Wir, Arbeiter und Einwohner der Stadt Sankt Petersburg verschiedener Stände, unsere Frauen und Kinder und unsere hilflosen greisen Eltern sind auf der Suche nach Wahrheit und Schutz zu Dir, Herrscher, gekommen. Wir sind verelendet, wir werden unterdrückt, mit übermäßiger Arbeit belastet, man schmäht uns, man erkennt uns nicht als Menschen an, man behandelt uns als Sklaven, die ihr bittres Los erdulden und schweigen müssen.
Wir haben geduldet, aber wir werden immer tiefer in den Sumpf der Armut, der Rechtlosigkeit und Unwissenheit gestoßen, werden von Despotie und Willkür gewürgt, und wir ersticken. Wir halten es nicht länger aus, Herr. Die Geduld hat ihre Grenze erreicht. Für uns ist jener furchtbare Augenblick eingetreten, wo der Tod besser ist als die Fortdauer der unerträglichen Leiden."


Die Situation der ArbeiterInnen im ganzen Land war schlecht und gab es Überlegungen zu einer Aktion. In der ArbeiterInnenschaft von Petersburg wurde ein Streik und die Übergabe einer Petition an den Zaren überlegt. Am 9. Januar 1905 war es soweit, die ArbeiterInnen wollten zum Winterpalais marschieren, um die Petition zu übergeben. Die Regierung hatte aber schon beschlossen die ArbeiterInnen auf keinem Fall zum Palais durchkommen zu lassen. Als sich die ArbeiterInnen in Bewegung setzten stießen sie überall auf Truppen und Polizeisperren, die auf sie ein Trommelfeuer eröffnete. Aber der Druck dieser kompakten Menschenmasse, die von Minute zu Minute anwuchs, war so stark, dass die Menschen auf allen möglichen Umwegen trotzdem unaufhaltsam in Richtung auf dem Platz weiterströmte und dabei die angrenzenden Straßen füllte und verstopfte. Tausende von Menschen, die durch das Feuer der Polizeiketten auseinandergetrieben worden waren, strömte auf Umwegen beharrlich ihrem Ziel zu, vorwärtsgedrängt von der Begeisterung, der Neugier, dem Zorn und dem dringenden Verlangen, ihre Wut und ihre Abscheu hinauszuschreien. Doch der Zar erschien nicht, nahm die Petition nicht entgegen. Hunderte von Männern, Frauen und Kindern kamen an diesem Tag in Petersburg um. Die Ereignisse des 9. Januars erregten im ganzen Land ungeheures Aufsehen. Im hintersten Winkel erfuhr die Bevölkerung mit entrüstetem Stauen, dass der Zar dem Volk, das sich friedlich vor dem Platz versammelt hatte, um über seine Nöte zu berichten, nicht etwa gnädig zugehört hatte, sondern kaltblütige Order gab, die Volksmenge niederzuschießen. Am nächsten Tag, dem 10. Januar, war keine Fabrik in Petersburg in Betrieb, dies war der erste revolutionäre Streik der russischen ArbeiterInnen – der ArbeiterInnenstreik von Petersburg. Diese revolutionären Ereignisse in Petersburg ist auch die Geburtsstunde der „Sowjets“. Der erste Arbeitersowjet entstand und andere Städte orientierten sich an Petersburg und so entstanden im Jahre 1905 eine Reihe von „Sowjets“.
http://deu.anarchopedia.org/Russische_Revolution_1905

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
22. Mai 2011, 14:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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