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Individualisierung: Die Ideologie der Vereinzelung

 
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Individualisierung: Die Ideologie der Vereinzelung
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far



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Beitrag Individualisierung: Die Ideologie der Vereinzelung Antworten mit Zitat
Zitat:
Thesen zu Individualisierung, Ideologie und Klassen

Der Begriff der Individualisierung wird in den bürgerlichen Sozialwissenschaften - und zwar insbesondere in der Soziologie - als Trend der „modernen“ Gesellschaft verstanden. Gemeint ist die Entwicklung und Loslösung der Menschen von sozialen Verhältnissen und Bindungen wie Klassen, Schichten und Geschlechterrollen hin zu freien gesellschaftlichen Subjekten, die selbst Herren ihrer sozialen Realität und allgemein ihres Lebens sind. Der Begriff der Individualisierung ist unter anderem in bürgerlichen Theorien wie der Systemtheorie von Luhmann und Parsons an zu treffen und spielt dort eine zentrale Rolle. Dort gilt der Mensch im Bezug auf sein soziales Umfeld nicht als Teil gesellschaftlicher Verhältnisse, die als objektive „Macht“ das Leben der einzelnen bestimmt und determiniert sondern als frei handelndes Subjekt, das aus freien Stücken und aus eigenen Interessen in Interaktion mit verschiedenen gesellschaftlichen Systemen tritt.

In der individualisierten Gesellschaft muss der einzelne entsprechend bei Strafe seiner permanenten Benachteiligung lernen, sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in Bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen. (Irgendein Soziologe)

Im Folgenden werde ich drei kritische Thesen zum Begriff der Individualisierung formulieren und zur Diskussion stellen. Es handelt sich dabei nicht um eine „wissenschaftliche“ Auseinandersetzung mit dem Begriff, dessen Entstehung und Bedeutung. Es sollen einige Ansatzpunkte und Gedanken vorgelegt werden, die als Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung und Diskussion des Begriffs aus kommunistischer Perspektive dienen können.

1. Individualisierung ist der bürgerliche Begriff für Vereinzelung und Atomisierung. Einerseits ist der Begriff Ausdruck der Ohnmacht und Vereinzelung der entfremdeten Arbeitersubjekte in der kapitalistischen Klassengesellschaft. Andererseits handelt es sich um einen Begriff, der Ausdruck des im Kapitalismus herrschenden Konkurrenzverhältnisses ist, von dem jeder als Einzelner betroffen ist. Im Zwang der Konkurrenz ist jeder auf sich selbst gestellt: Die Lohnarbeit stellt die tägliche Reproduktion der eigenen Entfremdung dar und ist gleichzeitig Ausdruck des Kampfes um das tägliche Brot.

2. Individualisierung ist das begriffliche und bürgerliche Gegenstück zum Begriff der Klassengesellschaft. Insofern handelt es such um einen rein ideologischen Begriff, der schlussendlich darauf abzielt die realen Klassenverhältnisse zu verschleiern. Mit der Bildung von Nationalstaaten und der ideologischen und formellen Herausbildung des „gleichgestellten“ Staatsbürgers als Verschleierung von Klassenverhältnissen, erscheinen die einzelnen ArbeiterInnen nicht als Angehörige einer Klasse sondern als frei handelnde, warentauschende Subjekte.

3. Der Begriff der Individualisierung geht Hand in Hand einher mit dem bürgerlichen Begriff der Freiheit. Die doppelte Freiheit des Lohnarbeiters besteht darin über seine eigene Arbeitskraft zu verfügen und diese verkaufen zu können und andererseits frei von anderen Gütern und Ertragsquellen - also besitzlos - zu sein. Ein so genannter „Trend zur Individualisierung“ kann nichts anderes bedeuten als eine Perfektion dieser doppelten Freiheit. Durch den Begriff der Individualisierung erhält der Begriff der bürgerlichen Freiheit seine verschleiernde Krönung.

Diese drei Thesen sollen wie bereits erwähnt nur als Eckpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Individualisierung dienen. Es gibt sicherlich noch weitere Ansatzpunkte und eine Vielzahl von weiteren Thesen, die im Zusammenhang mit dem Begriff der Individualisierung und dessen Bedeutung für die kapitalistische Klassengesellschaft formuliert werden könnten. Da es sich hier jedoch nur um einen Blogeintrag handelt, denke ich dass diese drei Thesen für den Anfang von meiner Seite her genügen.


Kritisches Tagebuch: http://kritik.blogsport.de/

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
23. Februar 2009, 21:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Muoit



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Die Kritik am Individualismus ist zumindest teilweise auch eine notwendige Kritik am «antiautoritären Denken», welches eben den Einzelnen ins Zentrum seiner Überlegungen stellt. Es gibt dazu einen guten Artikel im «Revolutionären Funken» Nr. 9. Wenn ich dazu komme, tipp ich die wichtigsten Stellen mal ab. Wens brennend interessiert, der kann mir ne PN schicken, ich leih das gerne auch aus.

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Power to the Pöbel!
23. Februar 2009, 22:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Der unaufhörliche Dualismus des bürgerlichen Denkens pendelt so ständig zwischen der Abstraktion der Gesellschaftlichkeit und der Abstraktion der Privatheit des Individuums hin und her und kann beides nicht miteinander versöhnen und vermitteln, obwohl es sich um eine vermittelte Identität seiner selbst handelt, die in sich und mit sich zerfallen ist. Je nachdem wird entweder die abstrakte Gesellschaftlichkeit bzw. ihre Institutionen wie Recht, Staat, Nation usw. gegen die Freiheit des einzelnen Individuums als dessen notwendige Begrenzung ins Feld geführt oder umgekehrt im Namen eben dieser Freiheit des Individuums den Institutionen der Krieg erklärt, die doch nur Ausdruck ein und desselben Prozesses sind, der dieses Individuum selbst erst hervorgebracht hat.
Die unbewältigten und unbewältigbaren Schmerzen rühren offenbar daher, dass es sich eben um ein abstraktes Individuum im Zusammenhang einer abstrakten Gesellschaftlichkeit handelt. Die Entfesselung der Warenproduktion und damit die Verwandlung der menschlichen Arbeitskraft selber in eine Ware hat gegenüber den rohen, traditionellen Produktionsweisen wie dem Feudalismus einen ungeheuren Vergesellschaftungsschub ausgelöst; die Menschen sind zunehmend weniger dem unmittelbaren Naturzusammenhang ausgeliefert und sie reproduzieren ihr Leben zunehmend weniger in einem kleinen hauswirtschaftlich-dörflichen Zusammenhang auf der Basis einer agrarischen Produktionsweise. Lohnarbeit, Ausdehnung der Märkte, Herstellung des Weltmarktes und damit verbunden di9e Industrialisierung haben, um es mit einem heute geläufigen Terminus zu sagen, einen weltweiten „Vernetzungszusammenhang“ menschlicher Arbeit und Reproduktion hergestellt. Dies ist in der kapitalistischen Hülle ein historischer Prozess der Vergesellschaftung., jedoch einer sozusagen nur halben, nämlich abstrakten. Abstrakt deshalb, weil die Menschen diesen zunehmenden Vernetzungszusammenhang ihrer gesellschaftlichen Arbeit nicht direkt über ihre gesellschaftlichen Institutionen gemeinschaftlich planen und regeln nach Gesichtspunkten der konkreten Nützlichkeit, sondern die gesellschaftliche Vernetzung in der Form der entfalteten, auf Lohnarbeit basierenden Warenproduktion, für die gesellschaftliche Praxis der Menschen bloß indirekt und von den konkreten Bedürfnissen entkoppelt abgewickelt wird. Medium dieser abstrakten Vergesellschaftung ist ein äußerliches Ding, das Geld. Das Geld ist als „allgemeine Ware“ ein abstraktes, inhaltsleeres Ding als Ausdruck der gesellschaftlichen Arbeit, die es von ihrem konkreten Inhalt völlig lostrennt. Geld stinkt bekanntlich nicht, man sieht es ihm nicht an, ob es Ausdruck einer zerstörerischen oder einer nützlichen Verausgabung gesellschaftlicher Arbeit ist. Für die Vermehrung des vorgeschossenen Geldes als dem bekannten Selbstzweck kapitalistischer Produktion spielt deshalb der Gesichtspunkt der konkreten Nützlichkeit an sich keine Rolle.
Das moderne Individuum, entstanden erst in der Ablösung von der Enge der traditionellen Produktionsweisen, ist daher ein abstraktes gesellschaftliches Individuum, d.h. ein bloßes Geld-Subjekt. In der Abwandlung des bekannten Satzes von Descartes müsste es von sich sagen: „Ich verdiene Geld, also bin ich.“ Der Antiautoritarismus mag die von der abstrakten Vergesellschaftung des Geldes hervorgetriebenen modernen Institutionen bekämpfen, er mag moralisch den Tanz ums goldene Kalb verurteilen, hierin der christlichen Salbaderei dann nicht ganz unähnlich, aber er ist leider nicht antiautoritär genug, um sich nicht doch letztendlich dieser unbegriffenen, dinglichen Autorität des Geldes zu unterwerfen, weil er sich seiner eigenen unbegriffenen Gesellschaftlichkeit nicht entziehen kann. Das Geld, obwohl der abstrakte, leere Selbstzweck entfesselter Warenproduktion, erscheint dem abstrakten Individuum, dem „nichts über sich“ geht, sogar als das bewusstlos vorausgesetzte Mittel, mit dem es sein Ich zur Geltung bringen muss. Der Antiautoritarismus oder die Ideologie des autonomen Individuums ist so nichts, als der bewusstlose Reflex der bürgerlichen Subjekt-Entwicklung, der hoffnungslose Aufstand der abstrakten Geld-Subjektivität gegen sich selbst. Und doch liegt in diesem rebellischen Reflex noch ungetrennt ein emanzipatorisches Verlangen, das sich keinen adäquaten Ausdruck zu geben weiß. In jeder neuen Krisen-Epoche bürgerlicher, geldvermittelter Vergesellschaftung tritt daher auch die antiautoritäre Ideologie von neuem hervor, ohne doch je aus dem Gefängnis der warenlogischen Kategorien ausbrechen zu können, solange keine Transformation in eine konkrete Kritik der Warenform selber stattfindet. Wie war es historisch möglich, dass die Idee einer Befreiung des Individuums dennoch bis heute nicht über den Antiautoritarismus bzw. die abstrakte „Autonomie“ hinausgekommen ist.

Fragen beantworte ich gerne

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Power to the Pöbel!
24. Februar 2009, 19:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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Ihr geht hier auf den Bürgerlichen Begriff der Indualisierung ein. (wie im Blog geschrieben: Der Begriff der Individualisierung ist unter anderem in bürgerlichen Theorien wie der Systemtheorie von Luhmann und Parsons an zu treffen und spielt dort eine zentrale Rolle.) Ich kenne die beiden leider nicht. (Oder vieleicht auch zum Glück?)

Wie stehts aber mit dem Autor des Buches: »Ich hab' Mein' Sach' auf Nichts gestellt.«?
Kaspar Schmidt alias Max schreibt ja auch unter anderem: "Mein Verkehr mit der Welt besteht darin, dass Ich sie und in ihr Mich selbst genieße. Nichts von Beruf, Bestimmung, Aufgabe, Ideal! Bange nicht um das Leben, grübele nicht darüber, sondern genieße es! Nicht »der Mensch« ist, sondern Ich bin das Maß aller Dinge, keinem dienstbar als meiner eigenen Kritik."

wie im Blogeintrag steht: "3. Der Begriff der Individualisierung geht Hand in Hand einher mit dem bürgerlichen Begriff der Freiheit."

Stirner dann zur Freiheit (Auch schon Thema hier im Forum, fragt mich jetztnicht bei welcher Diskussion?!):

"Nicht Freiheit ist das erstrebenswerte Ziel - der »Freie« ist im Grunde nur der Freiheitssüchtige -, sondern Eigenheit; der »Eigene« ist der geborene Freie. Das Gewissen macht zum Schwächling. Suchet Euch selbst, werdet Egoisten, laßt Euere törichte Sucht, etwas anderes zu sein, als Ihr seid! Nehmt Euch die Freiheit selbst, anstatt sie zu verlangen oder sie Euch schenken zu lassen! Betragt Euch als Mündige, als Freie! Auch das »Recht« ist nur »ein Sparren, erteilt von einem Spuk«. Ich bin zu allem berechtigt, was Ich vermag. Ich kenne keine Pflicht und kein Gesetz. An die Stelle des Staates muß ein »Verein von Egoisten« treten, in dem jeder tut, was er will. Dass darum nicht alles drunter und drüber geht, dafür wird jedes einzelne Ich schon sorgen, indem es sich nichts gefallen läßt. Alles »Heilige« ist ein Band, eine Fessel. Weg mit der Familie, dem Volke, der Partei, der Strafe, weg auch mit dem neuen Ideal des »freien Menschen«!

Können die beiden Begriffe des Induvidualismus überhaupt verglichen werden? Meint Stirner damit "antiautoritäres Denken" wenn er den Begriff Individualismus gebraucht?

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Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.

Zuletzt bearbeitet von Danger Mines!! am 24. Februar 2009, 20:22, insgesamt einmal bearbeitet
24. Februar 2009, 20:43 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Cjarner
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Ansich ist die Individualisierung eigentlich das übergeordnete Ziel aller sich "links" nennenden Menschen: Jede/r tut, lässt und macht worauf er/sie gerade jetzt in diesem Moment an diesem Ort Lust hat: Lustprinzip!

Das von far becshriebene Phänomen der "bürgerlichen individualisierung" verstehe ich im zusammenhang, dass die moderne Ökonomie davon ausgeht, dass jeder Mensch sich selbst als Kapital hat. Diese Philosophie greift zusehends auf den Arbeitsmarkt über. Der Mensch als Produktionsmittel.

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Übrigens, das möcht ich noch loswerden, versteh ich nicht warum ums Klauen im Allgemeinen so ein riesen Bohei und Schwanzvergleich gemacht wird. Hab auch schon Leute erlebt, die Klauen für das coolste der Welt halten, dies bei jeder Gelegenheit kundtun und dann auch noch dumme Sprüche loslassen, wenn einer was bezahlt. Wozu? Klauen oder sein lassen. Das coolste der Welt ist eh Punkrock.
24. Februar 2009, 20:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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@ Muoit: gehen wir auf die Frage ein sie erscheint mir sehr interessant: "Wie war es historisch möglich, dass die Idee einer Befreiung des Individuums dennoch bis heute nicht über den Antiautoritarismus bzw. die abstrakte „Autonomie“ hinausgekommen ist. "

Kann es sein, dass der Begriff Freiheit von den Massen noch nie richtig verstanden worden ist? Ist Freiheit für die arbeitende Klasse von heute nicht einfach nur die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen?

oder beim Thema Liebe. Ist Liebe nicht komplett falsch ausgelegt worden und absolut krank in der heutigen Welt? Liebe hat heute viel mit "Besitz des/der anderen Zuneigung" (ich nenn es mal so!) zu tun.

Ich füge wieder Max an der sagt: "Dein Vermögen ist, was Du vermagst. Liebe ist gewiß schön, aber sie darf nicht zum Gebot erhoben werden, sondern ist, wie jedes meiner Gefühle, mein Eigentum. Unzähliges, selbst mein Leben und meine Freiheit, will Ich dem Anderen mit Freuden opfern, nur nicht Mich selbst. Ich liebe die Menschen, weil es Mich glücklich macht."

Antiautoritär ist, wer versucht ganz ohne Autorität zu leben. Auch meiner eigenen Autorität darf ich mich dann nicht unterordnen. Ich liege nie falsch, auch wenn ichs später vieleicht sehe, dass ich falsch lag. Ich akzeptiere keine Autorität. Dies kann doch nicht gut kommen...

Die Befreiung meiner Individualität auf jedenfall stelle ich mir anders vor... Ich kenne mich selber als Autorität an ebenso wie ich "spezialisten" eines Fachs als Autorität auf diesem Fach anerkenne. Sind wir darum nie weitergekommen als über das "Antiautoritäre" hinaus?

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24. Februar 2009, 20:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Danger: Grundsätzlich hast du recht. Ich finde ja auch, dass die Herausbildung des Individuums und die Befreiung des Einzelnen von seiner Familie/Sippe ein Fortschritt ist. Auch halte ich es für eine vernünftige Haltung seine Interessen ohne Rücksicht auf Nation oder Beruf zu verfolgen. Allerdings muss man sich halt bewusst sein, dass die Vorstellung, dass es einen Einzelnen/Individuum losgelöst von der Gesellschaft gibt eine urbürgerliche Vorstellung ist (vermittelt wird der Einzelnen bloss über den Wert bzw. im praktischen Umgang über das Geld). Unter den herrschenden Umständen - ich vereinfach jetzt - bildet sich natürlich auch ein entsprechendes Bewusstsein, welches das Individuum und das Kollektiv (oder die Gesellschaft) als zwei unversöhnliche Pole wahrnimmt: Entweder man schränkt den Einzelnen ein um der Gesellschaft zu nutzen, oder aber man lässt dem Einzelnen möglichst viel Freiheit. In den aktuellen Verhältnissen, in welchen wir alle als Konkurrenzen zueinander auftreten müssen, ist diese Freiheit und die Verfolgung der egoistischen Interessen aber halt immer auch in gewissem Sinne ein Schaden oder eine Einschränkung der anderen. Beispiel: Man erobert einen Arbeitsplatz oder eine Frau/Mann, die dann den anderen nicht mehr zur Verfügung sind. Die Zentrierung auf das Individuum ist also eigentlich immer auch eine Bejahung der Konkurrenz! Stattdessen müsste es doch gerade darum gehen in einer solidarischen Gesellschaft die Produktion und Verteilung gemeinsam zu organisieren. Auf einer derart radikal veränderten Grundlage würde auch die Spannung zwischen Individuum und Kollektiv nicht mehr in der Weise hergestellt wie heute und das Beweusstsein über dieses Verhältnis würde sich änderen.

Canjer:
Darin liegt übrigens auch schon eine Kritik an deinem Hochhalten des Hedonismus. Ich versuche auch möglichst wenig zu Arbeiten und möglichst viel Genuss zu haben. Aber unter den gegebenen Umständen ist der Hedonismus immer bezogen auf das eigene Ich ohne die Verstrickung ins gesellschaftliche Ganze mitzudenken. Marcuse hat in seiner notwendigen Kritik am Hedonismus (der heute in der BRD-Antifa-Linken grassiert) geschrieben: "Dem Hedonismus bleibt das Glück ein ausschliessend Subjektives; das besondere Interesse des einzelnen wird so, wie es ist, als das wahre Interesse behauptet und gegen jede Allgemeinheit gerechtfertigt. Das ist die Grenze des Hedonismus, seine Gebundenheit an den Individualismus der Konkurrenz. Sein Glücksbegriff kann nur durch die Abstraktion von der Allgemeinheit gewonnen werden. Das abstrakte Glück entspricht der abstrakten Freiheit des monadischen Individuums."

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25. Februar 2009, 17:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Danger Mines!! hat Folgendes geschrieben:
Können die beiden Begriffe des Induvidualismus überhaupt verglichen werden? Meint Stirner damit "antiautoritäres Denken" wenn er den Begriff Individualismus gebraucht?

Stirner als Individualist zu bezeichnen mag vielleicht umgangssprachlich zutreffend sein, stimmt trotz allem genau genommen nicht.
Seine Konzeption war nicht das Individuum sondern der Einzige.
Während das Individuum schlussendlich eine Illusion ist, da die Menschen sehr wohl ein Dividuum sein können. Und ein Individuum zu sein ist auch bedingt wünschenswert, da dies eine Hohe zentralisierung innerhalb des Bewusstseins benötigt, und eine hohe Einschränkung der Persönlichkeit wäre, da alles was über die Individualität hinausginge verworfen würde. Die Menschen sind nicht einfach eine Einheit sondern sehr wohl vielfältig, und in verschiedenen situationen auch anders. Das Individuum ist von jeglicher Situation losgelöst und immer gleich.
Stirner propagierte das Menschen so sein sollen wie sie sind. Sich so zu akzeptieren wie sie sind, mit ihren Trieben etc, und diese nicht zu unterdrücken.
Das was Stirner als wünschenswert ansah war der Eigner, der vor nichts mit heiliger Scheu zurückweicht, der macht was er will.
Und eben, Umgangssprachlich kann man Individuum zwar als einziger übersetzen, aber sobald man den Begriff genauer betrachtet ist das Individuum effektiv eine Bürgerliche Konzeption...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
07. August 2010, 21:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Zitat:
Stirner propagierte das Menschen so sein sollen wie sie sind. Sich so zu akzeptieren wie sie sind, mit ihren Trieben etc, und diese nicht zu unterdrücken.


Was heisst das denn konkret?
Glaubst du denn, dass es "Triebe" etc. gibt, die nicht bereits gesellschaftlich präformiert sind?

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08. August 2010, 02:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Muoit hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Stirner propagierte das Menschen so sein sollen wie sie sind. Sich so zu akzeptieren wie sie sind, mit ihren Trieben etc, und diese nicht zu unterdrücken.


Was heisst das denn konkret?
Glaubst du denn, dass es "Triebe" etc. gibt, die nicht bereits gesellschaftlich präformiert sind?


Tut mir Leid, der erste Satz ist wohl falsch geschrieben.
Das die Menschen so sind wie sie sind ist ja sowieso klar... aber nebensache, darauf beziehst du dich ja nicht

Also, ein Mensch hat viele Bedürfnisse und die werden von unserer Gesellschaft unterdrückt, und da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die Person wehrt sich, oder sie nimmt die gesellschaftlichen Werte an und reproduziert diese mit einem Über-Ich.
Dass die Menschen Triebe haben die unterdrückt werden lässt sich klar sagen, und diese sind auch schon vor seiner gesellschaftlichen Beeinflussung da. Das kann man daran sehen, dass Kinder trotzig sind etc, wenn ihre grundsätzlichen Charaktertriebe misshandelt werden...

Die Triebe sind ab dann "gesellschaftlich präformiert" wo der Wille des jeweiligen Menschen gebrochen wurde, und drückt sich von nun an in einem unterdrückerischen Wesen von diesem aus. "Sado-masochistisch" (Dem Chef in den Arsch kriechen und jeden "Schwächeren" zerstören). Diese deformierten Triebe sind charakterlich für die Menschen in unserer kranken Gesellschaft. Diese Menschen haben den status quo akzeptiert und füllen ihren Alltag mit Ersatzhandlungen (Warengesellschaft halt), bis sie eines Tages den Betrug an ihrem innersten Wesen bemerken (da zum Beispiel die Möglichkeiten zu ihrer jeweiligen Ersatzhandlung fehlt (Entlassung zB)) und nur noch umbringen können was aus ihnen geworden ist... headie
(kein Witz, in Ländern in denen die kapitalistische Zivilisation (und deren CHarakterverkrüppelung) besonders ausgeprägt ist, bringen sich auch die meisten Menschen selber um (zB Schweizerland))

Wenn eine Person sich nicht unterkriegen lässt und sich keinen Charakterpanzer/kein Über-Ich überstülpen lässt, dann nimmt es die Unterdrückung ihrer Triebe wahr und stellt sich gegen all jene die ihre Triebe unterdrücken wollen, diese Personen, je nach dem wie gut sie mit psychologischem Druck umgehen können, können nur noch agressiv sein wenn sie ihre Bedürfnisse gar nicht befriedigen können (ausser das nach Aggression, was oft als einziges übrig bleibt) oder sie schaffen es sie zu befriedigen und sind dann meist höchst soziale Wesen, da grundsätzlich gesund...

(Die Menschen die die heutige Erziehung allen Widerständen zum trotz besiegt haben, können meistens herzlich wenig mit der kapitalistischen Warenwelt und dem Spektakel anfangen, da dieses in seiner Art nur die Ersatztriebe/-Bedürfnisse der "Zivilisierten" (nenn sie einfach mal so) befriedigen kann bzw. soll (es ist reiner Zufall falls eine Ausnahme eintritt))

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08. August 2010, 02:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Muoit hat Folgendes geschrieben:
Unter den herrschenden Umständen - ich vereinfach jetzt - bildet sich natürlich auch ein entsprechendes Bewusstsein, welches das Individuum und das Kollektiv (oder die Gesellschaft) als zwei unversöhnliche Pole wahrnimmt: Entweder man schränkt den Einzelnen ein um der Gesellschaft zu nutzen, oder aber man lässt dem Einzelnen möglichst viel Freiheit.


Die Problematik deiner Theorie ist, dass die Gesellschaft und das Kollektiv als das gleiche dargestellt wird.
Das Kollektiv, so wie Ich es verstehe ist im Idealfall eine Kommune (und der Verein der Egoisten Stirners ist nichts anderes als das), zumindest aber der "Raum" in dem man gemeinsam handelt.
Die Gesellschaft allerdings, ist zumindest heute, eine Abstraktion. Die Gesellschaft als Kollektiv gibt es heute nicht.

Denn zwischen den Menschen heute gibt es weniger den je etwas gemeinsames, allerhöchstens äusserlich, aber als gemeinsame Welt, in der sie nicht isoliert alleine dastehen gibt es nichts, dass einzige was die Menschen heute gemeinsam haben, ist ihre Einsamkeit.
Ihre Einsamkeit als Individuen, als sogar sich selbst (als ganzes Wesen) fremde.

Und die Einzelwesen stehen "der Gesellschaft", als diese Massen in Einsamkeit durchaus feindlich gegenüber, da diese ihnen eben ihre Einsamkeit bringt. Was aber schlicht nicht heisst das die Menschen ein Widerspruch zur Gemeinschaft sind, sondern nur dass sie ein Widerspruch zur Gesellschaft sind.
Als einzelner steht man in seiner Ablehnung der Gesellschaft meist erst alleine da und verliert mit seinem Aufbegehren auch noch die letzte rein äusserliche objektive Gemeinschaft, allerdings mit denen, mit denen ihn niemal etwas verbunden hat, ausser rein äusserliches, aber niemals gab es innerliche Gemeinschaft, wo sich die Menschen als einzigartigkeiten gegenübertreten, sondern nur als fremde.
Dies lässt den Einzelnen seine Einsamkeit erst spüren, allerdings ist diese Gefühl, Einsamkeit, und zwar gewollte Einsamkeit, zu fühlen durchaus angenehmer als gar nichts zu fühlen, es ist angenehmer nur sich selbst zu haben, als niemanden zu haben.

Was allerdings so schwer zu finden ist in unserer Welt, die Gemeinschaft, die sucht jeder vereinsamte "Individualist" (wie man's umgangssprachlich nennt), nur will er echte Gemeinschaft, und nicht rein äusserlich bürgerliche Geschäftswelts-Gemeinschaft.

Was es aufzubauen gilt ist nicht eine gute Gesellschaft, weil diese immer eine Masse ist, und mit einer Masse gibt es keine Gemeinschaft. Was es zu tun gilt, ist Gemeinschaften aufzubauen, Kommunen. Das ist die Lösung für die, die sich nicht anpassen wollen, die tun wollen was sie wollen. Denn Gesellschaft bedeutet immer Anpassung, falsche Einheit.


Muoit hat Folgendes geschrieben:
Dem Hedonismus bleibt das Glück ein ausschliessend Subjektives; das besondere Interesse des einzelnen wird so, wie es ist, als das wahre Interesse behauptet und gegen jede Allgemeinheit gerechtfertigt.

Glück ist etwas rein subjektives. Objektives Glück ist unmöglich.
Die Allgemeinheit ist eine Abstraktion. Die Allgemeinheit ist eine Ansammlung von Menschen die subjektiv empfinden.
Die Abstraktion der Allgemeinheit ist die Abstraktion der Demokratie, der Herrschaft der rein grösseren Zahl. Als wäre damit etwas über die Qualität gesagt. Man sieht ja wie das demokratische Projekt in die Hose gegangen ist.
Die Feindschaft besteht zwischen den Menschen, wie sie effektiv sind/sein wollen, und zwischen dem Kapitalismus, der irgendwelche Subjektivitäten Objektivisieren will, Der eine Einheit des Feindlichen herrstellt.

Der Hedonismus wird oft missverstanden, selbst von seinen Vertretern. Jeder der tut was er will, ist Hedonist.
Und ja, das ist subjektiv. Was ist das schon nicht?
Die Behauptung etwas seie subjektiv beinhaltet noch nichts über die Wahrheit von etwas.

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08. August 2010, 03:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Zitat:
Die Problematik deiner Theorie ist, dass die Gesellschaft und das Kollektiv als das gleiche dargestellt wird. (...) Denn Gesellschaft bedeutet immer Anpassung, falsche Einheit.


Das ist nicht ganz richtig. Es kann und soll durchaus Kollektive in Stadtteilen, Fabriken oder Regionen geben, die die konkreten Anliegen des jeweiligen Bereichs gemeinsam Organisieren. Aber es geht hier eben schon um das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft. Deine Utopie ist halt auch nicht wesentlich mehr als eine auf dem Kollektiv fussende Gesellschaft der Konkurrenz und des freien Warenverkehrs. Faktisch eines Kapitalismus auf Grundlage der Kommunen. Oder sollen die einzelnen Kommunen autark funktionieren und gänzlich von der gesellschaftlichen Realität entkoppelt sein? Da müsstest du doch auch einfach eine Vorstellung davon haben, wie die Vermittlung zwischen dem Einzelnen, den Kommunen und der Gesellschaft geleistet wird. Sonst steht das gänzlich windschief in der Gegend rum.

Warum sollte «meine» Gesellschaft falsche Einheit bedeuten? Da kann man doch ganz konkret sich vorstellen, dass die Produktion und Reproduktion nach den Bedürfnissen der Einzelnen in Eines fällt mit der Reproduktion der Gesellschaft. Das ist doch keine Zauberei. Das wäre eine Produktion nach Bedürfnissen. Deine Gemeinschaften, die du bloss abstrakt-poetisch umschreibst, wären sonst ja auch nicht weniger als kleine Gesellschaften in denen sich der Einzelne zugunsten des Ganzen zurücknehmen muss. Da muss doch auch ein Vermittlungsmodus zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft gefunden werden. Aus dieser Problematik hilft auch die poetische Sprache nicht hinaus. Sie verschleiert meines Erachtens mehr, als dass sie offen legt.

Zitat:
Die Allgemeinheit ist eine Abstraktion. Die Allgemeinheit ist eine Ansammlung von Menschen die subjektiv empfinden.


Das mag richtig sein. Das ist im Kapitalismus als einer wertvermittelten Totalität mit Sicherheit so.
Aber: In einer Gesellschaft in der die Reproduktion des Einzelnen zu grossen Teilen deckungsgleich ist mit der Reproduktion der Gemeinschaft und der Gesellschaft ist die Allgemeinheit mehr als eine reine wertvermittelte Abstraktion. Die Allgmeinheit und der Einzelne stehen in einem anderen Verhältnis als es heute der Fall ist. Ich kann da leider auch nicht viel mehr dazu sagen, weil ich in dieser Gesellschaft geboren und grossgezogen wurde und mir einen anderen Vermittlungsmodus schlicht nicht vorstellen kann. Aber nochmals: Der Hedonismus und Individualismus ist gerade der Ausdruck einer absoluten Dichtomie von Gesellschaft und Individuum. Ganz so als sei das eigene Glück von der Gesellschaft völlig losgelöst und könne da keine Vermittlung hergestellt werden.

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08. August 2010, 19:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
Na Danger, du hast gar nichts verpasst bei Luhman und Parsons, beides soziologische Systemtheoretiker (Luhmann ist so etwas wie das Ende jeder soziologischen Systemtheorie) und als solche geben sie nur Schwachsinn von sich. Sie beschreiben den Kapitalismus als Ansammlung kommunizierender Systeme, so der Ameisenhaufenblick, Menschen mit Urteilen und Zwecken gibt es bei denen nicht. Vielleicht hab ich noch Bücher von denen aus meiner Zeit als Sozdödel falls du dir das antun willst, ich wüsste zwar nicht warum.

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09. August 2010, 09:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Man muss ja Luhmann und Parsons nicht gut finden. Doch das muss die Kritik an ihnen nicht zwangsweise intelligent machen.
Es gibt bei ihnen nicht "keine Menschen mit Urteilen und Zwecken". Es geht darum, dass Absicht nicht beobachtbar ist. Wenn also zum Beispiel ein Mensch, den du kennst, auf der anderen Strassenseite vorbei geht ohne zu grüssen, weisst du nicht, ob er dich nicht gesehen hat und deshalb nicht grüsst, oder ob er dich nicht grüssen will. Diese Entscheidung triffst schlussendlich du. Damit wird das Bild von der Kommunikation als ein Übermitteln von Informationspäckchen über den Haufen geworfen. Kommunikation ist nun ein Entscheidungsprozess beim "Empfänger" oder der "Empfängerin" der Information (wobei er oder sie eigentlich ein Konstrukteur oder eine Konstrukteurin von Information ist). Interpretierst du das Nicht-Grüssen des erwähnten Menschen als Gemeinheit, scheisst du ihn zusammen. Das nennt man dann Anschlusskommunikation. Die Anschlusskommunikation könnte aber auch aus einer Handlung bestehen. Nun ist es für das gesellschaftliche Zusammenleben ziemlich wichtig, dass gewisse Anschlusskommunikationen wahrscheinlich werden. Dazu dienen unter anderem so genannte symbolisch generalisierte Kommunikationsmittel, zum Beispiel Geld. Der Kapitalismus könnte nicht funktionieren, wenn die Menschen in die Warenhäuser gingen und dort einfach die Produkte mitnehmen würden, welche sie für ihr tägliches Leben oder eine geplante Grillparty mit Freundinnen und Freunden brauchten. Unser Zusammenleben funktioniert nur in kapitalistischen Bahnen, wenn für diese Produkte an der Kasse ein gewisser Geldbetrag abgedrückt wird. In seinem Aufsatz über Geld beschreibt Luhmann sehr schön, dass der Kapitalismus nur funktioniert, weil das Geben oder Bekommen von Geld eine bestimmte Anschlusskommunikation sehr wahrscheinlich macht. Es ist also nicht das Geld, welches die Menschen eines würdigen Daseins beraubt, sondern die Kommunikation der Menschen, sprich: die Gesellschaft sorgt selbst dafür, dass diese beschissene Form des Zusammenlebens weiterbesteht (dieser sinnlose ständige Reproduktion der Verhältnisse, in denen wir vegetieren, nennt sich Autopoiesis). Dass Luhmann schreibt, es sei kaum sinnvoll (jedoch nicht unmöglich), das Kommunikationssystem Wirtschaft (also den Kapitalismus) zu kippen, liegt nicht an seiner Theorie, sondern daran, dass er ein bürgerlicher Depp ist.
Mit Verlaub: Zu bemängeln, Luhmanns-Theorie führe zu so einem Ameisenhaufen-Blick, erinnert mich an die Autobiographie von Bhaktivedanta Swami Prabhupada, in der er die Theorie eines Philosophen als untauglich abtut, weil darin an keiner Stelle Krischna erwähnt werde (oder so ähnlich, ich habe die Biographie verständlicherweise nur einmal gelesen, und das ist schon etwas her).

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09. August 2010, 12:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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"Nun ist es für das gesellschaftliche Zusammenleben ziemlich wichtig, dass gewisse Anschlusskommunikationen wahrscheinlich werden"

Fällt dir nicht auf wie abstrakt solches Denken ist? Dass eine Anschlusskommunikation wahrscheinlich wird heisst doch folgendes. Man kennt die Zwecke der anderen (beim grüssen: hallo ich bin auch ein anständiger bürger), beim supermarkt (verkaufen, lohnarbeit kassierer). Das wird ausgeschmückt als unpersönliches System-funktionieren, als wäre das Subjekt nicht der Schöpfer sondern eben die Ameise, die nach systemerfordernissen funktioniert. Die Systemtheorie ist eben genau jene Abstraktion auf die Phänomenologie, die keine Erkenntnis über Zwecke und Urteile mehr zulässt und bei Luhmann auf der end-abstrakten Systemtheorie-Ebene ankommt wo Wille und Bewusstsein des Subjekts nicht mehr vorkommen.

Noch zu Stirner: Ich habe Stirner nie als Theoretiker des Individualismus gelesen, sondern als radikalen Aktivisten des Nihilismus. Er spottet ja auch über Feuerbach und die Atheisten und das scheint mir sein wichtigstes Thema zu sein: Die Ablehnung alles nicht-materiellen, übersinnlichen, auch der falschen Postulate des Atheismus. Er stellte auch die These auf, dass im Staatsbürger die göttliche Gewalt des Staates manifestiert, in seinem Aufsatz "Über das Religionsbekenntnis jedes Staatsbürgers" (oder so ähnlich heisst der). Im Einzigen flucht er aber über die Moralität und die Werte überhaupt sowie ich das in Erinnerung habe, gegen alle Heiligkeit, um die sich ja auch heute noch der Papst bemüht, wenn er irgendwelche Nonnen heilig spricht zeugt das von Bedürfnis nach Über-menschlichen der bürgerlichen Gesellschaft.

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09. August 2010, 12:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Rude e:
Ich habe ehrlich gesagt etwas Mühe damit, das Geld als "symbolisch generalisierte Kommunikationsmittel" zu bezeichnen. Geld ist doch Ausdruck eines gesellschaftlichen Verhältnisses und dieses wird staatlicherseits sanktioniert. Das heisst: Eine mögliche "Anschlusskommunikation" beim Kauf und Verkauf ist nicht bloss "zu erwarten", sondern sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Du kannst nicht einfach in den Laden gehen und dir nehmen was dir gefällt und im Gegenzug kann der Verkäufer an der Kasse nicht einfach dein Geld einbehalten ohne dir die Ware auszuhändigen. Die Konsequenzen die beide zu erwarten hätten sind bekannt. Die Menschen schaffen zwar (ich würde da übrigens ganz orthodox Praxis statt Kommunikation sagen) die Gesellschaft täglich selbst, aber sie werden von dem Geschaffenen gleichzeitig beherrscht: Die Menschen (re)produzieren durch ihre alltägliche Praxis das Kapital als Zwangszusammenhang, der sie wiederum beherrscht. Diesem Zwang kann sich der Einzelne nicht entziehen. Er ist gezwungen unter den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen sein Dasein zu fristen und noch der grösste und schärfste Kritiker der Zustände kommt kaum drum herum sich an dieser Gesellschaft zu beteiligen. Diesen als Naturgesetze erscheinenden Zwänge ist schlicht jeder ausgeliefert. Die ökonomischen Formen sind selbstverständlich keine «aussermenschlichen» Formen, sondern werden von den Menschen geschaffen. Gleichzeitig zeigt Marx aber, dass diese ökonomischen Verhältnisse fetischisierte Formen annehmen, dass also die Beziehungen zwischen den Menschen zu Beziehungen zwischen Sachen werden(!) und sich dem Blick der Menschen insofern entziehen, als dass die Waren dann als Träger der sozialen Eigenschaften erscheinen obwohl sie nur Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse sind. Das Kapital ist eine verzwickte Sache: Es wird von den Menschen in gesellschaftlicher Praxis geschaffen, beherrscht den Einzelnen aber wiederum. Eine kommunistische Revolution hätte gerade die Änderung dieser gesellschaftlichen Praxis zum Inhalt.

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09. August 2010, 21:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Zitat:
Ich habe ehrlich gesagt etwas Mühe damit, das Geld als "symbolisch generalisierte Kommunikationsmittel" zu bezeichnen



im system eines systemtheoretikers ist der staatliche zwang wie auch allerlei sonst, am besten alles, immer aufgelöst in sachliche notwendigkeit und jede handlung in einen diese sachnotwendigkeit erfüllenden prozess wie der binärcode einer software. das macht die systemtheorie so fein für konservative, die denken sich auch gerne die gesellschaftsordnung als ausführung von sachnotwendigkeiten schlechthin. luhmann zum beispiel mag "kommunikation" zu allem möglichen sagen wenn systemeinheiten zusammen prozesse verrichten.

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09. August 2010, 22:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rude e
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Ich bin einige Texte von Luhmann jetzt noch einmal am Lesen, damit ich vielleicht auch ein paar konkrete Textbeispiele bringen kann. Doch zuweilen muss ich sozusagen noch etwas freihändig schreiben. Und weil ich versuche, schlüssig und verständlich zu bleiben, und möglichst noch passende Zitate zu bringen, gibt's jetzt wahrscheinlich eine ziemliche Textlawine.

@ Muoit
Ich habe versucht, die Begrifflichkeit der Kommunikation, wie Luhmann sie benutzt, zu erklären, weil seine ganze Theorie ziemlich wesentlich auf diesem Begriff beruht. Der Mensch funktioniert ja nicht nur (wahrscheinlich aber auch) nach einem Reiz-Reaktions-Schema und auch unter Zwang ist nicht voraussehbar, wie er dann wirklich reagiert. Der Mensch besitzt weiter die Fähigkeit, sich vorzustellen, dass die anderen Menschen in ihrem Denken und in ihren Intentionen ihm selbst ähnlich sind.* Daraus folgt, dass er davon ausgeht, dass hinter den Handlungen der anderen Menschen, gleich wie bei ihm selbst, bestimmte Absichten stecken. Die Absichten kann er aber nie direkt wahrnehmen (das wäre Telepathie), sondern sie nur unterstellen. Hier kommen die Begriffe der doppelten Kontingenz und der Wahrscheinlichkeit ins Spiel. Ersteres bedeutet, dass bei den Menschen immer ungewiss ist, wie der eine agiert und der andere reagiert. Daraus folgt Zweites, dass es nämlich gewisse Mittel gibt, eine gewisse Handlung, also Anschlusskommunikation, wahrscheinlicher zu machen. Das wichtigste ist die Sprache. Wenn jemand spricht, ist es sehr wahrscheinlich, dass er damit eine Mitteilung machen will**. Und mit der Sprache ist es Person B möglich, das Gesagte von Person A weiterzuführen (nachfragen, antworten, analysieren, abstreiten etc.) Dabei bleibt aber der Witz bestehen, dass auch bei der Sprache nur eine bestimmte Absicht unterstellt werden kann, die Ebene der Wahrscheinlichkeit also nicht verlassen wird. Denn eine Absicht kundzutun ist nicht dasselbe, wie eine Absicht zu haben. Die Kommunikation, und damit das Zusammenleben der Menschen im Unterschied zu dem der Tiere, kann aber dank der Kommunikationsmittel viel komplexer werden.

Zum Geld:
"Soziale Systeme entstehen nur unter der Bedingung doppelter Kontingenz. [...] Auf beiden Seiten der Beziehung weiß man, daß beide Seiten im erwünschten Sinne und auch anders handeln können. [...] Sie [Alter und Ego] fungieren als Ausgangspunkt ihrer Beobachtung und als beobachtetes Objekt des beobachteten Anderen. Sie können aber nicht wirklich in die Beobachtungsweise des Anderen eintreten; denn sie können nur das sehen, was sie selbst sehen. [...] Für die Überbrückung dieser letzten unüberbrückbaren Divergenz dienen Symbole und im besonderen Falle: generalisierte Kommunikationsmedien."

Und so ein generalisiertes Kommunikationsmedium ist seiner Theorie nach Geld. Geld ist ein Mittel, um eine immer unwahrscheinlicher werdende Anschlusskommunikation möglich zu machen. Mit Geld muss erreicht werden, dass Alter so handelt, wie es der Intention von Ego entspricht, für Alter muss also gleichzeitig auch eine Motivation vorliegen. Und es ist ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmittel, weil das Geld selbst ja noch nicht die Erfüllung der unterschiedlichen Absichten oder Bedürfnisse von Alter und Ego bedeutet, aber sowohl Alter als auch Ego ihre Bedürfnisse in Geld kalkulieren können.

"Beide Seiten einer Tauschbeziehung, in der Geld benutzt wird, müssen sich ihre Leistung monetarisiert vorstellen können, und das heißt, daß alles, was überhaupt auf wirtschaftliche Verwendung hin angesehen wird, auf einen Geldausdruck reduziert wird. Auch wenn man sein Haus oder sein Auto, das Familiensilber, das Klavier, die Bilder gar nicht verkaufen will, hat man doch eine ungefähre Vorstellung ihres Geldwertes, und wenn man es nicht von selbst weiß, klärt einen die Versicherung darüber auf."

Und jetzt hat Luhmann wohl Angst vor seiner eigenen Theorie oder der Bürgi drückt in ihm durch. Er schreibt nämlich:

"Die Beschränkung der Käuflichkeit ist die Bedingung ihrer moralischen Freistellung als einer rein wirtschaftlichen Angelegenheit."

Gehe nämlich eine Gemeinschaft in einen funktional differenzierten Zustand über, fände zum Beispiel Freundschaft oder politische Macht keinen monetären Ausdruck mehr. Es sei zu unterscheiden zwischen einer symbolischen Generalisierung und einer diabolischen Generalisierung. Das finde natürlich auch ich lächerlich. Später im Text benutzt er die Begriffe dann auch gleichzeitig, symbolisch für diejenigen, die an der Kommunikation teilhaben, diabolisch für jene, welche die Kommunikation nur beobachten können.

Geld lässt folgende Codifizierung zu: Zahlung/Nichtzahlung. Bei Zahlung erfolgt eine Anschlusskommunikation, Nichtzahlung ermöglicht die Reflexion, wo die nächste Zahlung stattfindet.

"Mit Hilfe des Kommunikationsmediums Geld wird ein Wirtschaftssystem ausdifferenziert, das alle eigenen Operationen an der Übertragung von Geldeigentum, also an der Differenz von Zahlung und Nichtzahlung jeweils durch Preise bestimmter Geldsummen orientiert."

Ob eine Zahlung stattfindet wird durch ein Zusammenspiel von Fremd- und Selbstreferenz bestimmt. Mit Fremdreferenz ist gemeint, dass auf andere Systeme Bezug genommen wird (zum Beispiel Politik oder Markt), mit Selbstreferenz, dass nur eine Zahlung stattfinden kann, wenn auch Geld vorhanden ist (Liquidität), das also der Bezug auf das eigene System nicht einfach ausgeschaltet werden kann.

"Im Vergleich zu anderen Medien hat es das Geld mit einem besonderen Problem zu tun, auf dessen Behandlung es spezialisiert ist, mit dem Problem der Knappheit. [...] Knappheit ist der soziale Katalysator, der unter geeigneten Umständen wie zum Beispiel Größe des Marktes und Ungleichheit der Eigentumsverteilung die Entstehung von Geld ermöglicht. Als Katalysator wirkt Knappheit auch insofern, als sie durch die Entstehung von Geld nicht verbraucht wird. Das Problem Knappheit wird durch Geld nicht gelöst in dem Sinne, daß es nicht mehr besteht, wenn Geld geschaffen wird; es wird nur in eine andere Form gebracht, die mit höherer Komplexität kompatibel ist: in die Form von Geldknappheit.
Das Problem der Knappheit ist ein zeitlich/sachlich/soziales Problem, wie man seit eh und je weiß. Unter welchen »natürlichen« Bedingungen immer: es entsteht, wenn jemand im Interesse der eigenen Zukunft andere vom Zugriff auf Ressourcen ausschließt. Die Frage ist: Wann und wie darf er das? Das hatte zu langwierigen naturrechtlichen Debatten Anlaß gegeben. Die Antwort, die das Kommunikationsmedium Geld ermöglicht, lautet: wenn er zahlt."

Das praktische an Geld ist, dass man das Geld selbst nicht brauchen kann. Man muss es ausgeben, womit es immer reichlich vorhanden ist, es verschwindet nicht.*** Gleichzeitig ist es immer knapp, da in unserer Gesellschaft ja die Bedürfnisse der meisten Leute unbefriedigt bleiben. Und das führt zur grossen Frage.

"Auf der Basis der Tauschvorstellung, also auf der Basis eines generalisierten Interaktionsmodells, hatte denn auch die liberale Ideologie ihre Triumphe gefeiert: sie konnte den Tausch anbieten als dasjenige Interaktionsmodell, das wie von selbst seligiert, was für beide Seiten von Vorteil ist; und der Fehlschluß war dann: für beide, also für alle."

Aber:

"Wer zahlt, bekommt, was er wünscht. Wer nicht zahlt, muß dies beobachten. Die Wirtschaft reguliert das, was sie an Umwelt einbezieht und als Bedürfnis erkennt und befriedigt, am Zahlungsvorgang. Sie kann sowohl Zahlungen als auch Nichtzahlungen vollziehen und die Effekte von beidem am Markt beobachten. Ihre symbolische Kosmologie mag dann suggerieren, daß dies, diese Einheit aus Zahlung und Nichtzahlung, das Ganze, das Eine, das Gute sei. Wie der Teufel will, ist dies jedoch nicht der Fall. Es gibt Leute, die nicht zahlen können. Und wie bei allen Funktionssystemen gilt auch hier: Die Inklusion ist zugleich Exklusion."

Es muss also der Schluss gezogen werden, dass es im Wirtschaftssystem nicht interessiert, wer sich am Entscheidungsprozess Zahlung/Nichtzahlung beteiligen kann. Im Wirtschaftssystem interessiert, welche Entscheidungen bezüglich Zahlung/Nichtzahlung getroffen werden. Für alles andere ist das System blind.

Fazit:
Ich finde gerade die Abstraktion die Stärke des luhmannschen Modells. Ein System ist nichts moralisch aufgeladenes, es funktioniert einfach nach gewissen Regeln. Das bedeutet, dass jedes System seine blinden Flecken hat. Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist also nicht besonders gemein, wenn es dazu führt, dass ein grosser Teil der Leute verhungert oder ein beschissenes Leben führen muss, sondern es ist das kapitalistische Wirtschaftssystem. Deshalb muss es nicht sozialer werden, sondern weg. Luhmann formuliert das natürlich nicht als Imperativ, da er ja persönlich gar nicht wollte, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem weggefegt wird. Er schreibt:
"Vielmehr ist es die unauflösliche Einheit von Symbolik und Diabolik, die die Inklusion in die Gesellschaft strukturiert - mag sie nun, wie im Falle des Geldes, über die Wirtschaft laufen oder über andere Funktionssysteme. Und damit ist kein »Widerspruch« angezeigt, der letztlich auf eine »dialektische« Synthese hoffen ließe, sondern eine strukturgebende Differenz, deren Aufhebung nur bewirken könnte, daß man dann eben ohne diese Struktur auskommen, also ohne Geld wirtschaften muß."

Die Zitate stammen aus "Die Wirtschaft der Gesellschaft", genauer aus "Geld als Kommunikationsmedium". Habe ich hier online gefunden.
Mir ist klar, dass ich Muoits und Kiffs Einwände damit noch nicht behandelt habe. Aber es ist sicher sinnvoll, zuerst einmal die Theorie etwas genauer anzuschauen, um davon ausgehend Kritik zu üben.

Nur kurz:
@ Mouit
Die Systemtheorie verleitet viele dazu, so zu tun, also könne man tatsächlich einzelne Systeme isoliert betrachten, um die gesamte Gesellschaft zu verstehen. Das ist natürlich falsch. So gibt es in der Systemtheorie zum Beispiel keine Vertreter des Wirtschaftssystems. Es handelt sich ja um Funktionssysteme, dass heisst, der einzelne Mensch existiert als soziales (und damit nach Luhmann als kommunizierendes) Wesen in verschiedenen Systemen gleichzeitig. Würde er an der Kasse nicht bezahlen, handelte er nicht im Funktionssystem der Wirtschaft, sondern zum Beispiel im Funktionssystem Recht (legal/illegal/scheissegal). Nur im Zusammenwirken aller Systeme wird eine Gesellschaft draus.
@ Kiff
Ich finde auch, dass der von dir beschriebene Sachverhalt die Systemtheorie attraktiv macht für Konservative. So beschreibt sie ja, wie ein System funktioniert, ohne einen dazu zu nötigen, darüber nachzudenken, was das für die konkreten Menschen (als psychologische, organische und kommunizierende Systeme in einem) bedeutet. Interessant fände ich, wenn die Systemtheoretikerinnen und Systemtheoretiker mehr darüber schreiben würden, wie ein System kollabiert. Das tun sie, zumindest immanent, schon, doch ist natürlich der Diskurs, wie meines Wissens überhaupt der universitäre Diskurs, nicht darauf ausgelegt, die Welt zu verändern, im Gegenteil.
Nichts desto Trotz finde ich es ziemlich lächerlich, wenn du schreibst, "Luhmann zum Beispiel mag "Kommunikation" zu allem möglichen sagen, wenn Systemeinheiten zusammen Prozesse verrichten." Damit weiss ich nicht, was daran falsch ist, dass Luhmann zu allem Kommunikation sagt, schon gar nicht verstehe ich dann, weshalb er zu allem Kommunikation sagt. Ich weiss dann einfach, dass du Luhmann nicht gut findest. Ich zum Beispiel finde Rosenkohl nicht gut.

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10. August 2010, 16:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Ich habe mir das jetzt durchgelesen und meine einigermassen verstanden zu haben, was Luhmann sagen will. Ein Einwand gegen mein oben Geschriebenes ist das allerdings - wie du ja auch selber schreibst - nicht und so will ich nochmals ausführen, was eigentlich meine Einwände sind. Ich glaube nämlich, dass die bürgerliche Bornierung Luhmanns nicht einfach ein Denkfehler von ihm ist, den man einigermassen isoliert betrachten könnte, sondern dass diese Bornierung in seiner Theorie selbst wenn nicht angelegt ist, so doch zumindest offen gelassen wurde. Man kann an dieser Stelle zumindest mal festhalten, dass revolutionäre Theorie gerade auch dadurch ausgezeichnet wird, dass sie eben keinen Standpunkt des Schmetterlingsammlers einnimmt, sondern im positiven Sinne parteiisch ist. Dass sie also die Gesellschaft von der Perspektive ihrer Aufhebung her analysiert. Das ist bei Luhmann nicht der Fall. Im Gegenteil ist seine Perspektive eine zutiefst technokratische und dem Inhalt gegenüber weitgehend beliebige. Lysis hat dazu mal was auf seinem Blog geschrieben auf welchem sich auch ein interessantes Video befindet: http://lysis.blogsport.de/2007/10/13/reaktionaer-luhmann/

Ich verzichte jetzt darauf hier die marxsche Kritik an diesem Laden nochmals in seinen Grundzügen (in Bezug auf das Geld) auszuführen, da ich glaube dass du das selber gelesen hast. Die marxsche Vorgehensweise widerspricht aber einer Zergliederung der Gesellschaft in Systeme und Subsysteme grundlegend. Es gibt darin nämlich einen zentralen Begriff: den der Totalität. Georg Lukacs hat mal etwas überpointiert gesagt, es gebe im Kapitalismus kein Problem, welches sich nicht in letzter Instanz auf den Wert zurückführen lasse. Ich teile diese Auffassung weitgehend (auch wenn ich gewisse Sachen davon ausnehme). Das Wesentliche was dabei herausschaut, ist, dass das "System Recht" nicht einfach in kommunikativem Austausch neben dem "System Wirtschaft" steht, sondern dass sie Ausdruck derselben Totalität sind. Sprich: Die Rechtsform ist überhaupt die Entsprechung der Warenform auf juristischer Ebene. Bei Marx gibt es einen Primat der Ökonomie, der in dieser Totalität eine besondere Rolle spielt. Bei Luhmann existieren halt nur noch gleichwertige Subsysteme in einer ausdifferenzierten Gesellschaft. Womit er dann aber eben auch den Überblick so verliert, dass er die Sache die in einem reellen logischen Zusammenhang stehen neu als Systeme zusammendenken muss (wobei dann eben auch keine hirarchischen Verhältnisse existieren) -> Luhmann sagt ja dann auch, dass die Systeme keine reellen physischen Grenzen haben, sondern bloss "Sinngrenzen".

Und nochmals: Geld als Kommunikationsmittel zu betrachten ist nicht bloss falsch, sondern verharmlost den gesellschaftlichen Zwangszusammenhang der im Geld seinen Ausdruck findet. Hier zeigt sich eben genau, dass Luhmann gegenüber dem konkreten Inhalt eines Dings recht uninteressiert scheint und die einzelnen konkreten Gegenstände lieber in seine Systeme einbaut. Würde er sich mal mehr um den Inhalt kümmern, könnte er vielleicht auch, statt Geld nur auf den Tauschakt beschränkt wahrzunehmen, etwas über die gleichzeitige Funktion der Geldes als Kapital sagen.

Zur Entstehung des Geldes schreibt Luhmann: „Knappheit ist der soziale Katalysator, der unter geeigneten Umständen wie zum Beispiel Größe des Marktes und Ungleichheit der Eigentumsverteilung die Entstehung von Geld ermöglicht.“ Ich halte es da mit Karl Marx, der im ersten Band des Kapitals ziemlich stringent darlegt, wie sich das Geld als allgemeines Äquivalent logisch für die Generalisierung des Tauschprinzips entwickeln muss. Ich weiss auch gar nicht, was das konkret bedeuten soll: Ist das eine logische Ableitung des Geldes oder ist das eine Enstehungsgeschichte? Und wenn Luhmann die Knappheit voraussetzt, dann muss er ja fast einen Begriff der Klassen haben (den er meines Wissens nicht hat) sonst macht das wenig Sinn (wenn nicht auf Seiten der Proleten eine Knappheit vorhanden wäre), gerade heute ist ja ein Problem der Kapitalverwertung, dass eine Überakkumulation herrscht, also zuviel Geld in Form von Kapital vorhanden ist.

Das soll für’s erste mal reichen. Vielleicht entwickelt sich da ja eher eine Debatte, wenn du statt die Theorie Luhmanns zu referieren einfach sagst, wo meine Kritik daneben liegt.

Hier hat sich ein Marxist dem luhmannschen System etwas ausführlicher angenommen:
http://rote-ruhr-uni.com/texte/pahl_marx_luhmann.pdf

PS: Ich bin ab morgen ein paar Tage in den Ferien, die Antwort kann also etwas dauern.

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11. August 2010, 00:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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"Nichts desto Trotz finde ich es ziemlich lächerlich, wenn du schreibst, "Luhmann zum Beispiel mag "Kommunikation" zu allem möglichen sagen, wenn Systemeinheiten zusammen Prozesse verrichten." Damit weiss ich nicht, was daran falsch ist, dass Luhmann zu allem Kommunikation sagt, schon gar nicht verstehe ich dann, weshalb er zu allem Kommunikation sagt. Ich weiss dann einfach, dass du Luhmann nicht gut findest. Ich zum Beispiel finde Rosenkohl nicht gut."

Das war ein Beispiel für die vollzogenen Abstraktionen. Es wird einfach von vielem abgesehen, wenn man dem Tausch wie dem Sexleben Kommunkation sagt. Aber irgendwie auch sehr zielführend eben zur Darstellung als System. Das ist wie eine Denkschablone, aber etwas neues oder erklärendes kommt nicht raus, nur Abstraktionen auf irgendwelche Ebenen. Und zwar Abstraktionen vom Kaliber man lässt das wesentliche weg. zum beispiel lässt man ziemlich viel weg, wenn man dem tausch kommunikation sagt: den wert, das eigentum, den zwang. alles aufgelöst in einem blossen funktionieren von systemeinheiten. nicht gut finden ist auch keine kritik, die kritik soll sein dass er die erklärung eines phänomens zugunsten der darstellung als funktionierendes weglässt.

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11. August 2010, 11:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Nja, bisschen spät, habs verhängt...
Ist bisschen ungefähr geschrieben, da Ich ehrlich gesagt das Gefühl hab dass du nicht ansatzweise gleiche Vorstellungen hast wie Ich, und auf deinen auch beharrst, und mir deshalb ausführlich genau zu schreiben verleidet ist ^^

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Das ist nicht ganz richtig. Es kann und soll durchaus Kollektive in Stadtteilen, Fabriken oder Regionen geben, die die konkreten Anliegen des jeweiligen Bereichs gemeinsam Organisieren. Aber es geht hier eben schon um das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft. Deine Utopie ist halt auch nicht wesentlich mehr als eine auf dem Kollektiv fussende Gesellschaft der Konkurrenz und des freien Warenverkehrs. Faktisch eines Kapitalismus auf Grundlage der Kommunen. Oder sollen die einzelnen Kommunen autark funktionieren und gänzlich von der gesellschaftlichen Realität entkoppelt sein?
Es gibt wohl nicht nur Autarkie und Konkurrenz. Gibt noch hundert andere Beziehung zwischen Kommunen.
Ich weiss nicht, ob du eine Steinzeitliche Gesellschaft als Kapitalismus mit Kommunen bezeichnen würdest, aber Ich glaube diese Ansicht wäre ziemlich unhaltbar.
Die Marxistische Utopie, die ja Stammesgesellschaften auch als Urkommunismus definiert, glaubt einfach an die Möglichkeit einer Weltkommune (Sozialismus oder was auch immer). Das ist eine Illusion. Die extremste Entfremdung. Wenn Marx zuerst behauptet, die Entfremdung sei, dass die Leute keinen Bezug haben zur Arbeit im heutigen Sinn, komplett entfremdet sind, und dann behauptet, die einzige Lösung ist die Menschen komplett zu domenistizieren, so dass sie sich als Gesellschaft fühlen, sich mit der weltweiten Masse identifizieren will er eigentlich nur eine Aufgabe jeder unmittelbaren Identität. Also quasi ein extremes Über-Ich aufbauen. Das einswerden mit der Entfremdung.
Marx (und all die Fortschrittsideologen, beinahe die komplette Linke eingeschlossen) sind in erster Linie Hegelianer, sie wollen die Synthese der Widersprüche, alle Widersprüche aufheben. Das wäre konkret gesagt die Befreiung von gar niemandem. Weil alle komplett aneinander angepasst wären...

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Da müsstest du doch auch einfach eine Vorstellung davon haben, wie die Vermittlung zwischen dem Einzelnen, den Kommunen und der Gesellschaft geleistet wird. Sonst steht das gänzlich windschief in der Gegend rum.

Unmittelbarkeit.
Das ist die Aufhebung der Entfremdung. Alle Vermittlung, Verträge etc sind ökonomische Pflaster für die Zerstörung der Unmittelbarkeit.
Wenn du Vermittlung unbedingt willst, dann müsstest du dir bewusst sein dass es eine Beziehung der Fremden ist, Gemeinschaften in sich brauchen keine Vermittlung. Ist ganz einfach und untheoretisch...
Und zwischen den Gemeinschaften gibts halt entweder auch eine Gemeinsame Linie, eine gemeinsame Lebensvorstellung, oder man steht sich feindlich gegenüber. Da kann verschiedenes passieren, Stells dir n'bisschen so vor wie zwischen Autonomen, Polizei und Nazis...

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Warum sollte «meine» Gesellschaft falsche Einheit bedeuten? Da kann man doch ganz konkret sich vorstellen, dass die Produktion und Reproduktion nach den Bedürfnissen der Einzelnen in Eines fällt mit der Reproduktion der Gesellschaft. Das ist doch keine Zauberei. Das wäre eine Produktion nach Bedürfnissen. Deine Gemeinschaften, die du bloss abstrakt-poetisch umschreibst, wären sonst ja auch nicht weniger als kleine Gesellschaften in denen sich der Einzelne zugunsten des Ganzen zurücknehmen muss. Da muss doch auch ein Vermittlungsmodus zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft gefunden werden. Aus dieser Problematik hilft auch die poetische Sprache nicht hinaus. Sie verschleiert meines Erachtens mehr, als dass sie offen legt.

Ok: Es gibt ein Bedürfniss nach Gemeinschaft. vertieft sich dieses, so ist die Solidarität in einer Gemeinschaft grösser als gegenüber der Gesellschaft. Und dann hat die Gesellschaft, wenn sie sich erhalten will, keine andere Wahl als sich gegen die Bedürfnisse dieser Menschen zu stellen.

Die Gemeinschaften wären wohl schon sowas wie kleine Gesellschaften. Nur ist der Einfluss der Einzelnen auf eine Kommune viel grösser, er kennt alle etc., Sein/Ihr wohl ist direkt das wohl aller in einer Kommune... Und vor allem kann aus einer Kommune ausgetreten werden und aus einer Gesellschaft nicht... Und, die Entfremdung kann aufgehoben werden. Eine Gesellschaft im grossen Mass, muss die Leute zwingen sich an Unbekannte anzupassen, muss Konflikte in ihrem innern verhindern...


Muoit hat Folgendes geschrieben:
Das mag richtig sein. Das ist im Kapitalismus als einer wertvermittelten Totalität mit Sicherheit so.
Und was ist denn die ach so tolle vermittlung die nicht so ist. Ob's jetzt Wertvermittelt oder durch irgendein andersgenanntes Vermittlungssystem kommt auch nicht so drauf an...

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Aber: In einer Gesellschaft in der die Reproduktion des Einzelnen zu grossen Teilen deckungsgleich ist mit der Reproduktion der Gemeinschaft und der Gesellschaft ist die Allgemeinheit mehr als eine reine wertvermittelte Abstraktion. Die Allgmeinheit und der Einzelne stehen in einem anderen Verhältnis als es heute der Fall ist. Ich kann da leider auch nicht viel mehr dazu sagen, weil ich in dieser Gesellschaft geboren und grossgezogen wurde und mir einen anderen Vermittlungsmodus schlicht nicht vorstellen kann. Aber nochmals: Der Hedonismus und Individualismus ist gerade der Ausdruck einer absoluten Dichtomie von Gesellschaft und Individuum. Ganz so als sei das eigene Glück von der Gesellschaft völlig losgelöst und könne da keine Vermittlung hergestellt werden.
Es ist nicht losgelöst von den Menschen etc... Aber Gesellschaft so wie sie meistens benutzt wird ist eine Einheit die zB im marxistischen Fall weltweit sein soll... Und diese Einheit muss, um sich als Einheit zu reproduzieren sicherlich jede interne Abspaltung unterdrücken. Deshalb muss sie repressiv sein. Erzwingung von Einheit ist das Projekt der Beherrschung. So sind die Klassengesellschaften entstanden. Eine Gesellschaft als Einheit muss einen Verwaltungsapparat haben, Polizei etc... Und klar, die Menschensind Teil der Welt in ihr, und produzieren einander... trotzdem denke ich, dass eine Massengesellschaft nur als Staat zu denken ist... Und entfremdet...
Und eben, die Allgemeinheit wird selten immer gleicher Meinung sein. man muss vor allem alle Prozesse der Menschen die eine gewisse Relevanz haben, bremsen...
Die Dichotomie von Gesellschaft und "Individuum" behauptest ja sogar du...
Und eben, Hedonismus ist jenachdem wie man Lust definiert, dass Ziel jeder Befreiung...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
24. Oktober 2010, 01:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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an die leute, die sich mit den ganzen systemtheorien in offener feindschaft befinden:

rote-ruhr-uni-text hat mir weitergeholfen. kennt sich jemand mit der materialistisch-emergentistischen systemtheorie von bunge/staub-bernasconi/obrecht aus? diese vögel haben das hier verbrochen: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Arbeit#Z.C3.BCrcher_Schule_.E2.80.93_ein_theoretisches_Modell_Sozialer_Arbeit

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
04. November 2010, 19:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Muoit hat Folgendes geschrieben:
Lysis hat dazu mal was auf seinem Blog geschrieben auf welchem sich auch ein interessantes Video befindet: http://lysis.blogsport.de/2007/10/13/reaktionaer-luhmann/


Findet jemand das Video wieder? Es wurde leider gelöscht!

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23. Mai 2011, 12:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Käptn Kiff



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da verpasst du nur eine entlarvung als fascho weil er, bin mir gar nicht mehr sicher, lange ists her, befähigung und position in der hierarchie verbindet oder sowas ähnliches.. der rest ist altherrengelaber vom stammtisch so wie ich mich errinnere, also eben das interview tönt interessanter als es ist, ich kann aber zuhause mal suchen wenn es dir wirklich ein anliegen ist (hab hier kein youtube).

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argumentum ad baculum
23. Mai 2011, 15:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Lass nur sein, so wichtig ist das nicht. Nur falls jemand drüber stolpert...

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25. Mai 2011, 01:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Muoit



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Da hatte jemand ähnliche Bedenken wie ich, kennt aber im Gegensatz zu mir die Lumannsche Theorie:
http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Geld-ein-symbolisch.html

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24. Mai 2012, 04:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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