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Audioarchiv der LAW
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Savo



Anmeldedatum: 16.12.2006
Beiträge: 3051

Beitrag Audioarchiv der LAW Antworten mit Zitat
die libertäre aktion winterthur hat mittlerweile eine ganze menge an referaten, reden, radiosendungen, usw. (tondokumente 2005-heute) im netz aufgelistet:

http://audio.arachnia.ch/

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
19. November 2010, 21:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 1218
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Die LAW zu den BriefbomberInnen:

von hier.

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Die Frage der Gewalt spielte im anarchistischen Diskurs schon immer eine grosse Rolle. Wie sollte der urtümlichste und rohste Ausdruck von Macht mit der Lehre der Herrschaftslosigkeit in Einklang gebracht werden? Kann eine anarchistische, revolutionäre Strategie Gewalt beinhalten?
[Anmerkung: Dieses Communiqué bezieht sich bewusst nicht auf die letzten Anschläge vom 23. Dezember in Rom. Für uns scheint die anarchistische Urheberschaft fraglich, da sich wie bereits bei einer Anschlagsserie 2003 die ominöse „Federazione Anarchica Informale“ (FAI) dazu bekannte. Wohl kaum zufällig trägt diese dasselbe Kürzel wie die Federazione Anarchica Italiana, die sich bereits von den Ereignissen im Jahr 2003 schärfstens distanziert und den Verdacht geäussert hatte, dass es sich bei der anderen „FAI“ um eine staatliche Phantomorganisation handeln könnte. Tatsächlich lassen sich in der jüngeren italienischen Geschichte mehrere Beispiele finden, bei denen Attentate dieser Art unter falscher Flagge durchgeführt wurden. Erinnert sei nur an den durch den Staat in Auftrag gegebenen Bombenanschlag auf die Piazza Fontana in Mailand 1969, der den örtlichen AnarchistInnen in die Schuhe geschoben wurde. Auch lässt das Bekennerschreiben der „FAI“ zu den Anschlägen am 23.12. aufhorchen, in der es in für eine angeblich „informelle“ Organisation völlig untypischen Worten heisst: „Lang lebe FAI, lang lebe die Anarchie!“]


Die Frage der Gewalt spielte im anarchistischen Diskurs schon immer eine grosse Rolle. Wie sollte der urtümlichste und rohste Ausdruck von Macht mit der Lehre der Herrschaftslosigkeit in Einklang gebracht werden? Kann eine anarchistische, revolutionäre Strategie Gewalt beinhalten? Es ist davon auszugehen, dass der libertäre Weg, der immerhin die Enteignung der Besitzenden und die Überwindung materieller Privilegien beinhaltet, auf brutalen Widerstand derjenigen stossen wird, die sich diesen Gütern beraubt sehen. Ein Herrschaftsverhältnis beruht immer auf (unscheinbarem oder offensichtlichem) Zwang. Und dieser schliesst immer auch Gewalt ein, der wir nur als starke revolutionäre Massenbewegung entgegentreten können.

Doch sollten wir uns als bewusste Anarchistinnen und Anarchisten davor hüten, das Mittel der Gewalt zum Zweck werden zu lassen. „Die wahre anarchistische Gewalt hört auf, wo die Notwendigkeit der Verteidigung und der Befreiung aufhört. Sie wird durch das Bewusstsein getragen, dass die Individuen, einzeln betrachtet, wenig oder überhaupt nicht verantwortlich sind für die Position, die Erbe und Umwelt ihnen verschafft haben.“ Diese Worte vom italienischen Anarchisten Errico Malatesta haben auch fast Hundert Jahre nach ihrer Niederschrift nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Sie verbieten es, im Rahmen einer libertären Praxis FunktionsträgerInnen im Kapitalismus ihrer blossen Funktion Willen zu verletzen oder gar zu töten. Wie wir meinen, sollte das für jede Person mit einer anarchistischen Auffassung eine Selbstverständlichkeit sein.

In den letzten Monaten haben sich allerdings auch im Zusammenhang mit der Schweiz Ereignisse gehäuft, die dieses libertäre Prinzip im Namen des Anarchismus in Frage stellen. Die Rede ist hier nicht von den rhetorisch durchaus gelungenen, doch inhaltlich oft verworrenen Aufrufen im Stile von „Schlagt die Polizisten, wo ihr sie trefft“, die von irgendwelchen windigen Revoltierenden als Akt des individuellen Widerstandes auf Mauern geklebt und auf Websites veröffentlicht werden. Auch nicht gemeint sind die zahlreichen, aber in ihrer Form sich treu bleibenden Schweizer Solidaritätsaktionen für Billy, Costantino und Silvia, deren antizivilisatorischen Ergüsse wir höchstens mit Belustigung zur Kenntnis nehmen. Doch werden wohl auch aus eben diesen Zusammenhängen diejenigen Aktionen beklatscht, die in ihren Folgen weit über das Mass von Farbanschlägen und dem Aufschlitzen von Autoreifen hinausgehen.

Wir denken an die Briefbomben, die in den vergangenen Monaten an diverse staatliche Einrichtungen, insbesondere Botschaften, versandt wurden. Darauf hoffend, dass dabei einE wichtigeR BeamteR beim Öffnen des Briefs versehrt wird, sollte die Inhaftierung der drei Genannten symbolisch „gerächt“ werden. Eine solche Praxis zeugt nicht nur von politischer Dummheit, sondern auch von grosser Feigheit und Inhumanität. Im besten Falle aus Naivität, im schlimmsten aus Berechnung wurde ebenso in Kauf genommen, dass auch eine einfache Zuträgerin oder ein subalterner Sekretär verletzt wird. Damit reihen sich die AbsenderInnen ein in die lange Reihe von skrupellosen VerbrecherInnen, die im Dienste des Kapitals Angehörige der ArbeiterInnenklasse verfolgt und getötet haben. Diese Taten sind mitnichten revolutionär, sondern Ausdruck der politischen Reaktion. Uns bleibt angesichts der Infamie solcher Aktionen nur das Eine: Keine Solidarität mit den „anarchistischen“ BriefbomberInnen – niemals, nie!

Es ist tragisch, dass der europäischen KapitalistInnenklasse, die sich noch vor wenigen Jahren linksradikale Gruppierungen schaffen musste, um die Bevölkerung auf einen repressiven Kurs einzustimmen, das Spiel heute so einfach gemacht wird.

Für uns alle ist es schwierig, adäquat auf ein politisches und soziales Klima zu reagieren, dass uns als ausgebeutete und mitfühlende Menschen in die Verzweiflung treiben muss. Dies sollte aber nicht Anlass sein, uns in die alten Illusionen der „Propaganda der Tat“ zu retten, und durch individuelle Gewaltakte die Gesellschaft ändern zu wollen. Deren Folgen werden Repression, Eskapismus und eine noch grössere Hoffnungslosigkeit sein, und nicht der Aufstand der Massen. Ebenso falsch ist es, die Unstrukturiertheit zum allgemeinen Handlungsprinzip von Anarchistinnen und Anarchisten zu erheben, wie es von unseren „aufständischen“ Genossinnen und Genossen gefordert wird. Ist jedeR nur sich selber verantwortlich, leistet das individuellen unberechenbaren Aktionen Vorschub, anstatt einer solidarischen Praxis, die stetig auf die soziale Revolution hinarbeitet, zur Entfaltung zu verhelfen.

Nur gemeinsam, durch organisierten und zielgerichteten Klassenkampf können wir dem kapitalistischen System die Stirn bieten. Einigkeit in der Theorie und Stringenz in der Praxis, föderalistische Strukturen und individuelle Disziplin sind die Qualitäten von solidarisch kämpfenden Anarchistinnen und Anarchisten, die tatsächlich die soziale Revolution – und nicht die totale Repression – wollen. Der Arbeitsplatz und die Schule, die Nachbarschaft und das Begegnungszentrum, die Strasse und das Flüchtlingsheim: Dies sind die Plätze unserer libertären Agitation, der Organisierung und des Kampfes - nicht die Spalten der bürgerlichen Medien, die nur darauf warten, mit reisserischen Schlagzeilen über den letzten Anschlag von Revoltierenden zu berichten.


Ende Dezember 2010
Libertäre Aktion Winterthur

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
27. Dezember 2010, 13:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Beiträge: 1218
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In den Kommentaren hat jemand ein sehr interessantes Interview mit Ralf Dreis zur Entwicklung des Widerstands in Griechenland in den letzten zwei Jahren reingestellt. Dabei geht es zum grossen Teil auch um die Frage der Gewalt in solchen Prozessen und wie sich das dort ausgewirkt hat:

Sehr hörenswert!

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=38151

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
27. Dezember 2010, 13:40 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



Anmeldedatum: 12.11.2007
Beiträge: 1069

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Dies sollte aber nicht Anlass sein, uns in die alten Illusionen der „Propaganda der Tat“ zu retten, und durch individuelle Gewaltakte die Gesellschaft ändern zu wollen. Deren Folgen werden Repression, Eskapismus und eine noch grössere Hoffnungslosigkeit sein, und nicht der Aufstand der Massen

das ist keine kritik der propaganda der tat sondern ein unvermitteltes urteil der LAW ohne begründung. Es sei eine illusion und dann noch eine folgenschwere, das überzeugt mich nicht. was ist die illusion und wieso ist sie illusorisch?

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argumentum ad baculum
27. Dezember 2010, 13:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beiträge: 565
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Spreche nicht für die LAW, denke aber, dass "Propaganda der Tat" nur funktioniert, wenn die Massen schon agitiert sind. Dann braucht es vielleicht Kommandos die den Gegner gezielt schwächen und nebenher zeigen: "Seht her, die sind verwundbar" und den eigenen Leuten signalisieren "es geht los".

Die Paketbomben in Italien haben weder den Gegener geschwächt, noch eine Solidarisierung ausgelöst. Was jetzt los geht ist die Repression gegen die Anarchos in Italien - zu einem Zeitpunkt in dem gerade Proteste aufflammen, aber die Bewegung insgesamt nicht in der Lage ist, diese auszuhalten bzw. zurückzuschlagen.

Ich finde weder die Aktionsform, noch das Ziel, noch den Zeitpunkt richtig: Paketbomben sind unsicher und können auch z.B. beim Postboten losgehen. Dass die wohl kaum einen Botschafter je erreichen, ist auch voraussehbar. Und wenn, was nützt ein verletzter Botschafter? Dazu kommt noch, die Aktionen stossen (sogar in den eigenen Reihen) auf breites Unverständnis und schrecken ab, lähmen, sind also jedenfalls keine Signal für überzeugte Massen mit der Revolution loszulegen.

Es ist also schon illusorisch zu glauben die Aktion nütze der Anarchie.
27. Dezember 2010, 18:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Der Umsturz kommt im Umschlag:
Zitat:
Für Giampaolo Ganzer, General der italienischen Carabinieri-Sondereinheit ROS, ist der Fahndungserfolg einer landesweiten Razzia gegen die Informelle Anarchistische Föderation (FAI) und die Internationale Revolutionäre Front (FRI) nicht hoch genug einzuschätzen: Mit den Haftbefehlen gegen zehn mutmaßliche Mitglieder sei eine »Internationale des Terrors« zerschlagen und damit nicht weniger als ein anarchistischer Aufstand vereitelt worden, der einen »Umsturz der demokratischen Ordnung in Europa« zum Ziel gehabt habe.

http://jungle-world.com/artikel/2012/25/45690.html

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Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
21. Juni 2012, 12:43 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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