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Fermento: Programm Januar-Februar

 
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Fermento: Programm Januar-Februar
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san



Anmeldedatum: 14.09.2009
Beiträge: 79
Wohnort: in der selbstzerstörerischen todeskultur der westlichen zivilisation

Beitrag Fermento: Programm Januar-Februar Antworten mit Zitat
Diskussion über das Buch «Incognito»
Mi, 16. Januar, 20:00

Die Zivilisation
zerstören?
Textdiskussion
Sa, 26. Januar, 19:00


Abendessen &
Gedichte Abend
(Gegen Spende)
Mi, 6. Februar, Ab 20:00

Horreya (Film)
Sa, 16. Februar, 20:00

KAFI SCHWARZ
Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat öffnet das Kafi Schwarz Raum für neue Begegnungen, inspirierende Diskussionen und gemütliches Beisammensein- natürlich immer mit Kaffee und Kuchen. Kommt vorbei!
Januar: 10. und 24. 15:00-19:00
Februar: 14. und 28. 15:00-19:00

Incognito
Mittwoch 16. Januar 2013, 20h00

Diskussion über das Buch «Incognito. Expériences qui défient l’identification» (Erfahrungen die sich der Identifikation entziehen), erschienen im Dezember 2011 bei Nux-vomica (Alès) und Mutines séditions (Paris). Dieses kleine Buch, welches zusammengestellt ist aus autobiographischen Berichten beginnend in den 70er Jahren bis zum Anfang des Jahres 2000, fasst verschiedene Situationen zusammen, wo die Autoren (Gefährten oder Sans-Papiers) ihre Identität auflösen - oder zumindest so gut wie möglich verbergen - mussten.
«Diese Erfahrungen, welche aus den Berichten hervorgehen, werfen tausende von Fragen auf: Wie können wir aus der Klandestinität (verstanden als Methode des Widerstands und des Ueberlebens der Unterdrückten überall auf der Welt) ein Instrument machen, welches sich nicht gegen uns richtet und uns Stück für Stück zerstört? Wenn die Mauern, die uns einschliessen und vor welchen wir entkommen wollen, diejenigen eines Lagers oder eines Gefängnisses sind, wie können wir mit jenen, weniger greifbaren Mauern des Verlustes unserer Identität umgehen? Um nicht Stunden mit dem Begriff der Indentität zu verbringen, auch wenn uns diese Auseinandersetzung sehr wichtig erscheint, werden wir ihn hier gleich definieren wie die verschiedenen Autoren es getan haben: es ist die Gesammtheit der Ideen, die Orte der Beziehungen und der Zuneigungen welche uns ausmachen. Wie können wir dies alles aufgeben für einen bestimmten Zeitraum, dessen Dauer oft ungewiss ist (und der sich über Jahre erstrecken kann) ohne dadurch zerstört zu werden?
Oder auch. Wie können wir uns organisieren angesichts der Repression, im Bewusstsein der Eventualität, in die Klandestinität gezwungen zu werden? Wie können wir weiterfahren zu kämpfen ausserhalb unseres Kontextes des Kampfes und ohne von der Bedingung der Klandestinität gelähmt zu werden? Wie können wir subversive Agitation, Diskretion und geographische und soziale Isolation miteinander vereinen? Und so weiter. Kurzum, wie können wir eine Lösung finden für das Paradoxon des „sich seiner Identifikation entziehen“ und trotzdem sich selber bleiben?»

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GEDICHTE ABEND
Mittwoch, 6. Februar 2013, 20h00

Poesie hat das Potenzial revolutionär zu sein, weil sie Individuen ermöglicht durch die Kraft der Imagination neue Welten zu erdenken. Poetisches Denken stimuliert den Geist und fordert ihn heraus Grenzen zu überwinden. Auf der Suche nach Freiheit vermag Poesie die Verlangen in unseren Herzen mit Worten auszudrücken.
An diesem Abend liest Hans Marchetto, Autor von «black cat blues», aus seinem Buch und andere Gedichte. Des weiteren werden katalanische und englische Gedichte vorgetragen. Wenn du magst, bring ein eigenes oder ein Lieblingsgedicht mit und lies mit uns!

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Horreya
Samstag, 16. Februar 2013, 20h00

Doku zur „ägyptischen Revolution“ 2011. Spielzeit: 75 min
englisch/Untertitel: deutsch

Im Februar 2012 ist eine Gruppe aus der Schweiz in Kairo gewesen. Dabei entstanden Vidoeaufnahmen zu den Ereignissen um den Sturz von Mubarak. Der dabei entstandene Film enthält einen groben Abriss der Ereignisse, Interviews mit Akteur/innen, die über die Tage des Aufstandes, die Selbstorganisation in den Quartieren, die Rolle der Fussballfans, das Aufkommen einer Streetart-Kultur, etc. berichten.
Ergänzt wird der Film mit Archiv-Aufnahmen und persönlichen Eindrücken der Filmemacher/innen. Einige von ihnen werden anwesend sein.

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Die Zivilisation zerstören?
von Wolfi Landstreicher
Samstag, 26. Januar 2013, 15h00

Ich nehme an, dass alle Anarchisten mit mir einig sind, dass wir alle Institutionen, Strukturen und Systeme der Vorherrschaft und Ausbeutung beenden wollen. Die Ablehnung dieser Dinge ist letzten Endes der grundlegende Sinn des Anarchismus. Die meisten werden ausserdem zustimmen, dass diese Institutionen, Strukturen und Systeme den Staat, das private Eigentum, die Religion, das Gesetz, die patriarchale Familie, Klassenherrschaft,… beinhalten.
In den letzten Jahren haben einige Anarchisten damit begonnen die, wie es scheint, umfassenden Begriffe des Verlangens nach der Zerstörung der Zivilisation zu diskutieren. Dies hat natürlich zu einer Reaktion zur Verteidigung der Zivilisation geführt. Unglücklicherweise ist diese Debatte grösstenteils sehr verbittert geführt worden. Anstatt wirklicher Argumentation, bestand sie eher aus Beleidigungen, gegenseitigen Falschdarstellungen und Streitigkeiten über das Eigentum der Marke „Anarchist“. Eines der Probleme (obwohl vielleicht nicht das Signifikanteste) hinter dieser Unfähigkeit diese Frage wirklich zu diskutieren, besteht darin, dass nur sehr wenige Individuen auf beiden Seiten versucht haben, was genau sie mit „Zivilisation“ meinen. Stattdessen bleibt es ein nebulöser Begriff, der alles Schlechte für die Einen und alles Gute für die Anderen representiert.
Um eine präzisiere Definition der Zivilisation zu entwickeln, ist es wertvoll zu analysieren, wann und wo die Zivilisation angeblich entstanden ist und welche Unterschiede zwischen Gesellschaften bestehen, die als zivilisiert bezeichnet werden und solchen die es nicht werden. Solch eine Untersuchung zeigt, dass die Existenz von Viehhaltung, Landwirtschaft, ein sesshafter Lebenstil, eine Verfeinerung von Kunst, Handwerk und Techniken oder sogar nur einfacher Formen von Metalschmelzung nicht ausreichen, um eine Gesellschaft als zivilisiert zu bezeichnen (obwohl sie die notwendige, materielle Basis für das Entstehen der Zivilisation beinhalten). Vielmehr ist das, was vor 10 ́000 Jahren in der „Wiege der Zivilisation“ entstanden ist und was von allen zivilisierten Gesellschaften geteilt wird und in allen Gesellschaften, die als „unzivilisiert“ bezeichnet werden, fehlt, ein Netzwerk von Institutionen, Strukturen und Systemen, die soziale Beziehungen der Domination und Ausbeutung aufbürden. Mit anderen Worten, eine zivilisierte Gesellschaft ist eine, die aus Staat, Eigentum, Religion (oder in modernen Gesellschaften Ideologie), Gesetz, patriarchaler Familie, Warenhandel, Klassengesellschaft besteht – aus allem, was Anarchisten ablehen.
Anders dargestellt ist, was allen zivilisierten Gesellschaften gemein ist, die systematische Enteignung der Leben derjenigen, die in ihnen leben. Die Kritik an der Domestikation (ohne jegliche moralische Untermauerung) gibt uns ein nützliches Werkzeug, dies zu verstehen. Was ist Domestikation anderes, als die Enteignung des Lebens eines Wesens durch ein Anderes, welches dann dieses Leben für seine oder ihre Zwecke ausbeutet? Zivilisation ist nun also die systematische und institutionalisierte Domestikation der Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft durch die wenigen, denen das Netzwerk der Domination zu Diensten steht.
So ist der revolutionäre Prozess der Wiederaneignung unserer Leben, ein Prozess um uns selbst zu dezivilisieren, um unsere Domestikation abzuwerfen. Dies bedeutet nicht, dass wir passive Sklaven unserer Instinkte werden (falls soetwas überhaupt existiert) oder dass wir uns in einer vermeintlichen Einigkeit mit der Natur auflösen. Es bedeutet, dass wir unkontrollierbare Individuen werden, dazu befähigt, die Entscheidungen, die unser Leben betreffen in freiem Zusammenschluss mit anderen, zu treffen und auszuführen.
Es sollte nun offensichtlich sein, dass ich jedes Modell für eine ideale Welt ablehne (und jeder Vision misstraue, die zu perfekt ist – Ich ahne, dass aus ihr das Individuum verschwunden ist). Da die Essenz eine revolutionären Kampfes, der in anarchistische Vorstellungen passt, die Wiederaneignung des Lebens durch Individuen ist, die ausgebeutet, enteignet und dominiert wurden, liegt es innerhalb dieses Prozesses, dass die Menschen entscheiden, wie sie ihre Leben gestalten wollen, was in dieser Welt sie sich aneignen können, um ihre Freiheit zu vergrössern, um Möglichkeiten zu eröffnen und um sich zu erfreuen und was nur eine Last ist, welche die Lebensfreude stiehlt und Möglichkeiten unterwandert. Ich sehe nicht, wie ein solcher Prozess überhaupt nur ein einzelnes, universelles, soziales Modell erschaffen könnte. Vielmehr unzählige Experimente, die sich drastisch von Ort zu Ort unterscheiden und die allmählichen Veränderungen reflektieren die einzelnen Notwendigkeiten, Verlangen, Träume und Bestrebungen von jedem einzelnen Individuum.
So lasst uns, in der Tat, die Zivilisation zerstören, dieses Netzwerk der Herrschaft. Nicht im Namen von irgendeinem Modell, von einer asketischen Moral oder von einem mystischen Aufgehen in einer angeblich unentfremdeten Einigkeit mit der Natur, sondern vielmehr weil die Wiederaneignung unserer Leben und die kollektive Wiedererschaffung von uns selbst als unkontrollierbare und einzigartige Individuen, die Zerstörung der Zivilisation und den Beginn einer fabelhaften und beängstigenden Reise in das Unbekannte namens Freiheit bedeutet.

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as long as civilization exists we are all endangered species!
14. Januar 2013, 17:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
san



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Beitrag Antworten mit Zitat
Horreya
Samstag, 16. Februar 2013, 20h00

Doku zur „ägyptischen Revolution“ 2011. Spielzeit: 75 min
englisch/Untertitel: deutsch

Im Februar 2012 ist eine Gruppe aus der Schweiz in Kairo gewesen. Dabei entstanden Vidoeaufnahmen zu den Ereignissen um den Sturz von Mubarak. Der dabei entstandene Film enthält einen groben Abriss der Ereignisse, Interviews mit Akteur/innen, die über die Tage des Aufstandes, die Selbstorganisation in den Quartieren, die Rolle der Fussballfans, das Aufkommen einer Streetart-Kultur, etc. berichten.
Ergänzt wird der Film mit Archiv-Aufnahmen und persönlichen Eindrücken der Filmemacher/innen. Einige von ihnen werden anwesend sein.

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16. Februar 2013, 14:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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