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Fragen zum "Kapital" Band I

 
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Fragen zum "Kapital" Band I
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Evisor



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Beitrag Fragen zum "Kapital" Band I Antworten mit Zitat
S.55
Zitat:
Ein Ding kann nützlich und Produkt von menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren muss er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesellschaftlichen Gebrauchswert.


So wie ich das verstehe ist das "Ding" nur dann ohne Tauschwert wenn es ausschliesslich für ihn Gebrauchswert hat, bspw. wenn jemand zu kurze Finger hat einen speziellen Handschuh, dieser hat für andere keinen Nutzen. Lismet sich der aber Handschuhe die auch anderen gehen würden, resp. auch für andere Gebrauchswert darstellt, schafft er Ware auch wenn er sie für sich behält.
19. August 2013, 18:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Re: Fragen zum "Kapital" Band I Antworten mit Zitat
Evisor hat Folgendes geschrieben:
S.55
Zitat:
Ein Ding kann nützlich und Produkt von menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren muss er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesellschaftlichen Gebrauchswert.


So wie ich das verstehe ist das "Ding" nur dann ohne Tauschwert wenn es ausschliesslich für ihn Gebrauchswert hat, bspw. wenn jemand zu kurze Finger hat einen speziellen Handschuh, dieser hat für andere keinen Nutzen. Lismet sich der aber Handschuhe die auch anderen gehen würden, resp. auch für andere Gebrauchswert darstellt, schafft er Ware auch wenn er sie für sich behält.


Anders: Wenn man etwas mit der Absicht herstellt, es für sich selbst zu verbrauchen, dann hat es keinen Tauschwert. Denn es wurde ja nicht produziert um ausgetauscht zu werden, sondern einzig und allein um ein eigenes Bedürfnis zu befriedigen. Ob der Handschuh jetzt jedem passt oder nur dir spielt dabei ja keine Rolle. Die Materialien aber aus dem der Handschuh besteht wurden hingegen mit Geld bezahlt. So haben die einen Tauschwert. Der Handschuh ist aber schlussendlich nur Abzug vom Lohn.

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
19. August 2013, 18:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Evisor



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:

Anders: Wenn man etwas mit der Absicht herstellt, es für sich selbst zu verbrauchen, dann hat es keinen Tauschwert. Denn es wurde ja nicht produziert um ausgetauscht zu werden, sondern einzig und allein um ein eigenes Bedürfnis zu befriedigen. Ob der Handschuh jetzt jedem passt oder nur dir spielt dabei ja keine Rolle.


Aber falls ich ihn dann dennoch veräussere wird er zur Ware, losgelöst von der Absicht, oder? Bspw. ich pflanze 100kg Kartoffeln an, da ich damit rechne das 50% kaputt gehen, ich brauche also nur 50kg. Jetzt ernte ich jedoch unerwarteter weise 80kg. Nun schmeisse ich die überigen 30kg auf den Markt, resp. verkaufe sie, das sind nun Waren, oder?


Weis nicht ob ich in meinem Ausgangspost etwas komisch geschrieben habe, mein Beispiel sollte darauf abzielen dass beide Handschuhe (die "kurzen/speziellen" wie auch die "normalen") von jemandem selbst hergestellt wurde für sich selber. Oder wie kommst du auf:

Zitat:
Die Materialien aber aus dem der Handschuh besteht wurden hingegen mit Geld bezahlt. So haben die einen Tauschwert.


Warum haben die einen TW die anderen nicht?
19. August 2013, 21:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
im handel setzt der mensch den tauschwert. solange kein handel auch kein tausch-wert. nur im tausch wird das nützliche ding als "wert" gesetzt und das heisst es gibt nix wenns nix dafür zurück gibt, der tauschwert ist also der gebrauchswert als erpressungverhältnis der produzenten. zu tauschwert kann ein gebrauchswert immer werden solange es leute gibt, die ein bedürfnis danach haben und jemand der dafür etwas zurückhaben will. zum beispiel kannst du ihn verlieren und ein anderer verkauft ihn und schon hat er tauschwert. oder ein archäologe buddelt den aus usw.. solange du den aber selbst verbrauchst und ihn dann im kamin verbrennst ist nix mit tauschwert weil kein handel.

_________________
argumentum ad baculum
20. August 2013, 00:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Ok. Wenn ich das richtig verstehe schlummert in dieser Gesellschaft in jedem Gebrauchswert (falls er dann wirklich einer ist für andere) auch Tauschwert. Der Gebrauchswert wird Ware, sobald ich ihn auf den Markt werfe, d.h. in ein Tauschverhältniss setze. Wenn ich ihn jedoch selbst konsumiere und selbst gemacht habe ist er nur GW und ohne TW. Habe ich den GW getauscht, und nicht selbst hergestellt, so hatte er TW, war also in Warenform, wird aber erst wieder Ware wenn ich ihn erneut in ein Tauschverhälntiss setze.


Oder:
Egal ob ein Tisch bei IKEA gekauft wurde oder selbst hergestellt, solange der Tisch nur bei mir in der Küche steht ist er Gebrauchsgegenstand ohne Tauschwert. Der Tisch von IKEA war einmal Ware da gekauft, jetzt aber egal da Gebrauchsgegenstand für mich (nicht also stofflicher Träger von Tauschwert). Egal ob der gekaufte Tisch von IKEA oder der selbstgemachte, sie beide erlangen die Warenform erst (wieder) wenn ich sie zum Verkauf anbiete.
20. August 2013, 07:43 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ich gehe mal davon aus ihr seit mit obiger Antwort einverstanden ...

Wer mir helfen will weitere Unklarheiten zu klären nur zu.



1)
Kapitel 1 Die Ware
1.2 Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit.
S.59

Zitat:
Allerdings muss die menschliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt, so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben.
Komplizierte Arbeit gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so dass ein kleines Quantum komplizierter Arbeit gleich einem grösseren Quantum einfacher Arbeit. Dass diese Reduktion beständig vorgeht, zeigt die Erfahrung. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar.
(Fusszeile: Der Leser muss anmerken, dass hier nicht vom Lohn oder Wert die Rede ist, den der Arbeiter für etwa einen Arbeitstag erhält, sondern vom Warenwert, worin sich sein Arbeitstag vergegenständlicht. Die Kategorie des Arbeitslohns existiert überhaupt noch nicht auf dieser Stufe unserer Darstellung.)



Ist mit „komplizierter Arbeit“ Arbeit mit höherer Produktivkraft, bspw. durch bessere Maschinen gemeint?
Also falls ein Stahlträger zu giessen früher 8 Stunden gebraucht hat und durch eine technische Revolution neu nur noch eine Stunde, so ist die Grundlage beider Waren abstrakte menschliche Arbeit. Der alte Stahlträger ist nun nur nicht mehr gesellschaftlich notwendig durchschittlich, er wurde mit einer „einfachen“ Arbeit hergestellt, der neue Stahlträger stellt komplizierte Arbeit dar.



2)
Kapitel 1 Die Ware
1.2 Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit.
S.56

Marx beginnt das Unterkapitel mit dem Satz:


Zitat:
Da dieser Punkt der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, soll er hier näher beleuchtet werden.(S.56)


Ein ziemlicher Hammer sollte also jetzt folgen. Meint Marx mit diesem Springpunkt:

Zitat:
Ein grösseres Quantum Gebrauchswert bildet an und für sich grösseren stofflichen Reichtum, dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Reichtums ein gleichzeitiger Fall seiner Wertgrösse entsprechen. Diese gegensätzliche Bewegung entspringt aus dem zwieschlächtigen Charakter der Arbeit. (S.60)

Produktivkraft ist stets Produktivkraft konkreter Arbeit in gegebenen Zeitraum. Es werden also mehr oder weniger Gebrauchswerte hergestellt. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit nicht. (s.61)



Dieser Springpunkt der politischen Ökonomie würde ich so zusammenfassen:

Im Kapitalismus bedeutet eine grössere Produktion von Gebrauchswerten nicht zwangweise grösseren Reichtum. Werden durch Änderungen in der Produktivkraft neu bspw. 1000 Brote pro Stunde hergestellt statt 100, bedeutet dies nicht dass die Gesellschaft jetzt um 900 Brote reicher ist (wie es bspw. im Kommunismus der Fall wäre) sondern der Unternehmer hat in der Stunde kein deut mehr Reichtum geschaffen. (Gesetz dem Fall vorher waren 100 Brote/h gesellschaftlich durchschnittlich notwendig, nach dem Wechsel 1000. Er war / ist also nie über/unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt)
22. August 2013, 12:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Evisor hat Folgendes geschrieben:
Dieser Springpunkt der politischen Ökonomie würde ich so zusammenfassen:

Im Kapitalismus bedeutet eine grössere Produktion von Gebrauchswerten nicht zwangweise grösseren Reichtum. Werden durch Änderungen in der Produktivkraft neu bspw. 1000 Brote pro Stunde hergestellt statt 100, bedeutet dies nicht dass die Gesellschaft jetzt um 900 Brote reicher ist (wie es bspw. im Kommunismus der Fall wäre) sondern der Unternehmer hat in der Stunde kein deut mehr Reichtum geschaffen. (Gesetz dem Fall vorher waren 100 Brote/h gesellschaftlich durchschnittlich notwendig, nach dem Wechsel 1000. Er war / ist also nie über/unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt)


Ich gehe mal kurz auf den letzten Punkt ein. Das was du schreibst ist nicht ganz korrekt ausgerückt. Es geht ja um den Doppelcharakter der Arbeit. Dieser Doppelcharakter besagt ja einfach ausgedrückt, dass Arbeit nicht bloss die konkrete Eigenschaft besitzt Gebrauchswert zu produzieren, sondern als abstrakt-menschliche Arbeit auch die Eigenschaft besitzt Substanz von Wert bzw. Tauschwert zu sein. Ich machs mal mit ganz einfachen Zahlen, damit es besser zu begreifen ist:

Wenn gestern in einer Stunde 100 Brote mit einem Gesamtwert von 100 Pfund Sterling (100 x 1 Pfund Sterling) produziert wurden und heute in der gleichen Zeit 1000 Brote produziert werden, beträgt der Wert dieser Brote heute nicht 10 mal mehr (Also 1000), sondern ebenfalls 100 Pfund Sterling. Das liegt daran, dass sich in einem einzelnen Brot heute 10 mal weniger Arbeit (als der Substanz von Wert) vergegenständlicht hat, obwohl 10 mal mehr Gebrauchswert produziert wurde. Verständlich?

_________________
Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
22. August 2013, 18:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Ja, verstanden.
23. August 2013, 12:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sudaka



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Ich bin auch nach wie vor (oder immer wieder) beim 1. Kapitel am rumkauen und vorallem
auch ein wenig vor den Kopf gestossen mit solchen Aussagen von Marx:

Zitat:
Es wird offenbar, dass nicht der Austausch die Wertgrösse der Ware, sondern umgekeht die Wertgrösse
der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert.
(in meinem zusammengefassten Buch ist das auf S.42, im Abschnitt "1. Die entfaltete relative Wertform")

Hä? Ich dachte erst im Austausch ergibt sich der Wert vollständig? question

Ich fänds halt schon toll im Raum Zürich was aufzuziehen mit Lesegruppe o.Ä, ich glaub das könnte (mir persönlich) sehr weiterhelfen!

_________________
"Vielmehr geht es darum, dass etwas an sich völlig Nicht-Dingliches, nämlich menschliche und soziale Beziehungen, durch die gesellschaftliche Warenform entfremdet und verdinglicht werden."
24. August 2013, 08:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Hilft evtl. auch weiter: Protokolle vom Einstieg ins K1 (vermutlich von einem Lesekreis in Salzburg) auf der Page von Amelie: http://www.alanier.at/DasKapital.html

Zitat:
„Es wird offenbar, daß nicht der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert.“ (S 78, Absatz 1)

Dem Tausch ist das Zufällige genommen, bei dem sich zwei Waren aneinander messen und das Austauschverhältnis recht willkürlich ist. Es ist vorgegeben und kann nicht mehr durch Feilschen zugunsten des einen oder anderen Warenbesitzers verändert werden.
Es ist auch nicht mehr ein beliebiger Gebrauchswert, der den Wert der anderen Ware verkörpert, sondern alle treten sich als gleiche gegenüber und verlangen Bewertung durch alle.

Hier müßte es doch schon Geld geben, oder darauf lauft das doch alles hinaus!
Ja, aber so weit sind wir noch nicht. Marx will ja nachweisen, wie sehr der Tausch, der Markt des Geldes bedarf. Deshalb bestimmt die Wertgröße das Austauschverhältnis, und nicht die individuelle Verkaufslust der Verkäufers oder Kauflust des Käufers.
Dies ist ein Argument gegen die VWL-Behauptung, daß Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen. Da ist noch die Vorstellung der einfachen Wertform, daß die zwei Seiten des Tauschverhältnis sich den Wert ihrer Waren kuhhandelmäßig ausstreiten können, während sie doch schon längst mit allen anderen Waren im Vergleich stehen und sich gar nicht leisten können, groß über oder unter Wert zu verkaufen.


Zitat:
Was hats auf sich mit „einfacher“ und „komplizierter“ Arbeit? (S 59)

„Einen Sack von A nach B zu tragen ist zweifelsohne einfache Arbeit, weil sie keine besonderen Kenntnisse verlangt, obwohl sie anstrengend ist. Pläne für ein zu bauendes Haus zu entwerfen hingegen ist kompliziert, und setzt eine Menge an Wissen voraus. Wie verhalten sie sich zueinander?
Marx meint, komplizierte Arbeit sei ein Vielfaches von einfacher Arbeit, verwehrt sich aber dagegen (Fußnote S 59), daß er dabei das Lohnsystem im Auge hat.“

Um was dann geht es hier?
Angebot 1: Es geht darum, daß in komplizierter Arbeit ein Vielfaches an Aufwand enthalten, sozusagen konzentriert ist. Das Wissen, das der Architekt hat, muß erst einmal durch Ausbildung hergestellt werden. Und für diese Ausbildung ist ein Vielfaches an einfacherer Arbeit vonnöten, die erst den Überschuß schafft, auf dem eine solche disposable time, die für Ausbildung notwendig ist, erzeugt wird. Um Architekten oder Ärzte ausbilden zu können, müssen erst einmal viele Leute Schuhe, Lebensmittel, Häuser hergestellt haben, um andere dafür freistellen zu können, sich zu solchen Spezialisten auszubilden. Insofern ist die komplizierte Arbeit ein Ergebnis von akkumulierter einfacher Arbeit.
Angebot 2: Es geht um Geschicklichkeit. Jemad, der einen bestimmten Beruf, ein Handwerk gelernt hat, erzeugt viele Dinge schneller als jemand, der damit gerade anfängt. Er erzeugt also in der gleichen Zeit mehr Gegenstände als ein anderer, der dafür länger braucht – also in der gleichen Zeit ein Mehrfaches des anderen.
Hinweis, und hier sind wir schon bei der abstrakten Arbeit, also eigentlich beim Lohnsystem: Wenn alle Arbeiten einander gleichgesetzt werden – Arbeit pro Zeit – so sind die einzigen Unterschiede, die zwischen einzelnen Arbeiten gemacht werden, rein quantitativer Natur, da jeder Unterschied in der Qualität der verschiedenen Arbeiten gestrichen ist.

Vermutung: Marx will darauf hinweisen, daß die Teilung der Arbeit, Spezialisierung gewisse Voraussetzungen in der Produktion der gesellschaftlich notwendigen Gebrauchsgegenstände voraussetzt, damit Luxusproduktion möglich ist.


Helfen kann auch der Kommentar von den "FarbeRot"-Genossen aus Frankfurt: http://www.farberot.de/texte/k1kommneu/KI_Kommentar_neu.htm

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
24. August 2013, 15:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Evisor, sorry war ne weile nicht hier, aber ungefähr ja! ds ging mir vor allem darum zu betonen, dass der tauschwert ein verhältnis der menschen zueinander ist, und nicht etwas was im ding drin ist ("kein atom tauschwert"), da ist nur die arbeit drin, aber dadurch wie sich die menschen aufeinander beziehen (tauschend) wird die arbeit als "wert", als dem ding innewohnende eigenschaft behandelt. irgendwie habe ich das gefühl mit so "schlummert" bist du ziemlich dran, aber auf die andere seite kommt es nicht darauf an wo der tisch steht, bei dir oder in der ikea, natürlich in der ikea wird er tauschwert behandelt, aber auch bei dir zuhause ist er tauschwert sobald du willst und ihn auf den flohmarkt trägst, das sind einfach 2 verschieden sachen, der gebrauchswert heisst nur dass er etwas nützliches ist, der tauschwert heisst nur, dass sich die leute in der art auf ihn beziehen (können) , dass sie einen tausch eingehen wollen. es gibt kein entweder oder, nur es muss gebrauchswert sein, damit es tauschwert sein kann. in der ware, also dem für den austausch produzierten und zum verkauf stehenden ding, ist immer beides.

Sudaka:

"Es wird offenbar, dass nicht der Austausch die Wertgrösse der Ware, sondern umgekeht die Wertgrösse
der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert."

was will er da sagen? dass die menschen nicht 10000 socken für ein kilo gold tauschen und darum das gold mehr wert hat (so konventions-mässig), sondern dass weil das gold mehr arbeit drin hat, es gegen so viele socken getauscht wird, also welches bedingt welches... so verstehe ich das jetzt mal ohne den zusammenhang nachzuschlagen.

_________________
argumentum ad baculum
27. August 2013, 18:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Kapitel 1 Ware und Geld
Unterkapitel 3 Die Wertform oder der Tauschwert

Zitat:
Jedermann weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, daß die Waren eine mit den bunten Naturalformen ihrer Gebrauchswerte höchst frappant kontrastierende, gemeinsame Wertform besitzen - die Geldform. Hier gilt es jedoch zu leisten, was von der bürgerlichen Ökonomie nicht einmal versucht ward, nämlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen, also die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform zu verfolgen. Damit verschwindet zugleich das Geldrätsel.


Was genau meint Marx mit dem "Geldrätsel" (Um was sich scheinbar das Kapitel 3. Die Wertform oder der Tauschwert dreht)?

Bereits klar ist ja dass die Gebrauchswerte nur als Tauschwerte vergleichbar sind, und dass dies ein gesellschaftliches Verhältnis ist. Die Grundlage der "vergleicherei" bietet die gesellschaftlich notwendig durchschnittliche Arbeitskraft. Nun will Marx den Ursprung (Genesis) der Geldform nachweisen, also wie Geld zum allgemeinen Äquivalent werden konnte? Oder wie überhaupt ein allgemeines Äquivalent existieren kann?
09. September 2013, 16:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Gefunden auf http://marx.blogsport.de/gelaufen/ws-20089/referate-ws0809/kap13-wertformanalyse/

Zitat:
Um auf den Reichtum dieser Gesellschaft zugreifen zu können, benötige ich Geld. Die Waren werden dem Geld in bestimmter Proportion gleichgesetzt. Die Geldform ist die gemeinsame Wertform der Waren; die Form also, die der Wert der Waren annimmt.
In diesem Abschnitt wird der GENESIS der Geldform nachgegangen. Dies ist nicht historisch, sondern analytisch zu verstehen. Es geht also nicht um die Frage: „Wie ist Geld entstanden?“, sondern darum, zu klären, was Geld eigentlich ist.
„Was Marx herleitet, ist nicht die Existenz des Geldes – Geld gibt es –, sondern er stellt dar, was das Geld ist und warum es das Geld in der warenproduzierenden Gesellschaft notwendig gibt.“ (Iber, 49)


Erscheint mir ganz plausibel erklärt was Marx in diesem Kapitel (Die Wertform oder der Tauschwert) leisten will, was meint ihr?
10. September 2013, 10:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Hast du das hier gesehen?
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?t=6296

_________________
Power to the Pöbel!
10. September 2013, 12:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Evisor



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Ja, habs gesehen. Aber

A) Bin nicht ZH
B) Bin einem Lesekreis angeschlossen, versuche via UDogs die "grösseren Ungereimtheiten" bereits im Vorfeld zu klären
10. September 2013, 13:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Albert Gräfe



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@ Evisor

Zitat:
So wie ich das verstehe ist das "Ding" nur dann ohne Tauschwert wenn es ausschliesslich für ihn Gebrauchswert hat, bspw. wenn jemand zu kurze Finger hat einen speziellen Handschuh, dieser hat für andere keinen Nutzen. Lismet sich der aber Handschuhe die auch anderen gehen würden, resp. auch für andere Gebrauchswert darstellt, schafft er Ware auch wenn er sie für sich behält.


An dieser Stelle im Kapital (MEW 23, S. 55) geht es nicht um den Tauschwert, sondern um die Bedingungen dafür, dass ein Arbeitsprodukt zur Ware wird. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Der Gebrauchswert ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für die Warenform. In der Regel sind Waren Produkte menschlicher Arbeit, aber es gibt nützliche Dinge, die keine Arbeitsprodukte, sondern Naturstoffe oder - gegenstände sind (z.B. Luft oder unbearbeiteter Boden). Doch auch ein Arbeitsprodukt wird noch nicht durch seine Nützlichkeit zur Ware. Die hinreichende Bedingung für die Warenform besteht darin, dass Arbeitsprodukte Nicht-Gebrauchswerte für ihre Besitzer und Gebrauchswerte für ihre Nicht-Besitzer sind und regelmäßig getauscht werden.

Zitat:
Aber falls ich ihn dann dennoch veräussere wird er zur Ware, losgelöst von der Absicht, oder? Bspw. ich pflanze 100kg Kartoffeln an, da ich damit rechne das 50% kaputt gehen, ich brauche also nur 50kg. Jetzt ernte ich jedoch unerwarteter weise 80kg. Nun schmeisse ich die überigen 30kg auf den Markt, resp. verkaufe sie, das sind nun Waren, oder?


Ja, ein Arbeitsprodukt, das ursprünglich zur Subsistenz produziert wurde oder einen Überschuss über die Subsistenzmittel darstellt, wird zur Ware, falls es auf dem Markt verkauft wird.

Zitat:
Der Gebrauchswert wird Ware, sobald ich ihn auf den Markt werfe, d.h. in ein Tauschverhältniss setze. Wenn ich ihn jedoch selbst konsumiere und selbst gemacht habe ist er nur GW und ohne TW. Habe ich den GW getauscht, und nicht selbst hergestellt, so hatte er TW, war also in Warenform, wird aber erst wieder Ware wenn ich ihn erneut in ein Tauschverhälntiss setze.


Waren sind Arbeitsprodukte, die in der unmittelbaren Produktion als Einheit von Arbeits- und Wertbildungsprozess produziert werden. Der Austausch stellt keine Waren her und bildet keinen Wert, sondern in ihm beziehen die Menschen ihre Waren als Werte aufeinander und realisieren die Werte. Im Austausch erweist sich auch, ob die Gebrauchswerte der Arbeitsprodukte nützlich für ihre Nicht-Besitzer sind.

Zitat:
Ist mit „komplizierter Arbeit“ Arbeit mit höherer Produktivkraft, bspw. durch bessere Maschinen gemeint?


Nein. Komplizierte Arbeit ist Arbeit, die von einer qualifizierten Arbeitskraft geleistet wird, deren Produktion mehr Arbeitszeit benötigt und für die höhere Bildungskosten notwendig sind, als für eine unqualifizierte Arbeitskraft. Darüber hinaus spielen Vorurteile und Konventionen bei der Bestimmung komplizierter Arbeit eine Rolle, sodass auch Arbeit als kompliziert gelten kann, die es in Wirklichkeit nicht ist.

Zitat:
Dieser Springpunkt der politischen Ökonomie würde ich so zusammenfassen:

Im Kapitalismus bedeutet eine grössere Produktion von Gebrauchswerten nicht zwangweise grösseren Reichtum. Werden durch Änderungen in der Produktivkraft neu bspw. 1000 Brote pro Stunde hergestellt statt 100, bedeutet dies nicht dass die Gesellschaft jetzt um 900 Brote reicher ist (wie es bspw. im Kommunismus der Fall wäre) sondern der Unternehmer hat in der Stunde kein deut mehr Reichtum geschaffen. (Gesetz dem Fall vorher waren 100 Brote/h gesellschaftlich durchschnittlich notwendig, nach dem Wechsel 1000. Er war / ist also nie über/unter dem gesellschaftlichen Durchschnitt)


Wie O.B.M.F. richtig geschrieben hat, ist der Springpunkt zum Verständnis (und damit auch zur Kritik) der politischen Ökonomie der Doppelcharakter der Arbeit, die sich in Waren vergegenständlicht. Marx schreibt im Satz davor: „Diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit ist zuerst von mir kritisch nachgewiesen worden." (MEW 23, S. 56)

Zitat:
Was genau meint Marx mit dem "Geldrätsel" (Um was sich scheinbar das Kapitel 3. Die Wertform oder der Tauschwert dreht)?


Das „Geldrätsel“ besteht darin, dass in einer bestimmten Menge Geld der Wert der Waren ausgedrückt wird. Dadurch erhält das Geld die gesellschaftliche Eigenschaft, unmittelbar austauschbar mit anderen Waren zu sein. Die Wertformanalyse zeigt, dass die Geldform eine entwickelte Wertform und das Geldrätsel bereits in der einfachen Wertform enthalten ist.

@ far:

Zitat:
Die Materialien aber aus dem der Handschuh besteht wurden hingegen mit Geld bezahlt. So haben die einen Tauschwert. Der Handschuh ist aber schlussendlich nur Abzug vom Lohn.


Das ist ein Zirkel. Der Lohn ist der Preis der Ware Arbeitskraft und der Preis ist wiederum der ideelle Wertausdruck der Waren in Geld. Lohn und Preis setzen daher Geld voraus. Indem du den Tauschwert mit dem Geld und die Ware mit dem Lohn erklären möchtest, unterstellst du das, was erst erklärt werden muss: „die Entwicklung des im Wertverhältnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform“ (MEW 23, S. 62).

@ sudaka:

Die zitierte Stelle besagt, dass der Tauschwert kein zufälliges quantitatives Verhältnis ist, in dem sich die Waren austauschen, obwohl es zunächst so scheint. Im Austauschverhältnis der Waren setzt sich vielmehr die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit durch die zufälligen Schwankungen von Angebot und Nachfrage durch. Die Arbeitszeit, die notwendig ist, um einen beliebigen Gebrauchswert unter den normalen Produktionsbedingungen einer gegebenen Gesellschaft und dem Durchschnittsgrad der Intensität sowie des Geschicks der Arbeit zu produzieren, bestimmt den Wert quantitativ. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit macht also die Wertgröße aus. Da der Wertausdruck einer Ware ihr Preis ist, drückt sich im Preis auch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit aus. Umgekehrt muss der Preis aber nicht notwendig die Wertgröße, also die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ausdrücken. Der Preis kann über oder unter dem Wert liegen, d.h. Waren können über oder unter ihrem Wert verkauft werden.
10. September 2013, 20:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
danke albert für die exakten erklärungen und hallo. mir ist da endlich etwas aufgegangen punkto markt der kunst als ich das "normalen Produktionsbedingungen einer gegebenen Gesellschaft und dem Durchschnittsgrad der Intensität sowie des Geschicks der Arbeit zu produzieren" gelesen habe. eigentlich haben kunstwerte keinen wert, nur einen preis? vielleicht wäre reproduzieren der bessere ausdruck als produzieren, aber geschenkt.. bei der bestimmung der komplizierten arbeit scheint es mir, dass ausschliesslich konventionen eine rolle spielen, es nur eine kategorie des vergleichs ist.

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argumentum ad baculum
10. September 2013, 23:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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