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Geheimdienste und das Datensammeln

 
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Geheimdienste und das Datensammeln
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Geheimdienste und das Datensammeln Antworten mit Zitat
Zitat:
Nicht nur in den USA, auch in Europa greifen Geheimdienste auf die Informationen in sozialen Netzwerken zu. Anlässlich der NSA-Affäre in den USA erklärt Erich Moechel von FM4 die Faktoren, die bei der Überwachung in Europa eine Rolle spielen. Wenngleich sich europäische Stimmen entsetzt über den routinemäßigen Zugriff der NSA auf die Daten, die bei großen Technologiekonzernen über die Server laufen, entsetzt gaben, darf man nicht übersehen, dass auch europäische Geheimdienste hier ihre Methoden haben und einsetzen.

Ein Unterschied zu Amerika ist jener, dass sich „die europäische Öffentlichkeit“ die Überwachung von Chats und Ähnlichem noch nicht ins Bewusstsein gerufen hat. Allerdings läuft die Überwachung sozialer Netzwerke in Europa grundlegend anders als jene in den USA. In Europa wird keine Information direkt von den Internetkonzernen an die Geheimdienste weitergegeben, sondern dies erfolgt über die Internetprovider. In Europa ist eine Überwachungsnorm für Cloud-Dienste (sehr weitreichend umfasst der Begriff jegliche Webdienste) in Arbeit, eine dem britischen Geheimdienst nahestehende Arbeitsgruppe wurde dafür abgestellt. Dass die Geheimdienste untereinander zusammenarbeiten, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Der in Planung befindliche ETSI-Standard (European Telecom Standards Institute), der dem Zugriff auf soziale Netzwerke dienen soll, zielt auf eine Überwachung durch Polizei und Strafverfolgungsbehörden ab. Wie auch der amerikanische Geheimdienst können europäische Geheimdienste, deren Methoden die Polizei sich zum Teil aneignet, die https-Verschlüsselung umgehen.

Im Unterschied zu amerikanischen Konzernen sind europäische Firmen nicht gesetzlich zur Datenweitergabe an ihre jeweilige Regierung verpflichtet. Daher muss man die Verschlüsselung bereits „bei ihrem Aufbau“ lösen, weshalb der Datenabgriff beim Provider erfolgt. Die https-Verschlüsselung, die viele Nutzer für ihren Datenverkehr im Internet nutzen, kann beim jeweiligen Internetprovider selbst nicht geknackt werden. In den USA greift man das andere Ende ab, nämlich die Datenzentren der Internetkonzerne, wo die Verschlüsselung nicht mehr wirkt. Die ETSI-Bestimmungen sehen vor, dass die Netzbetreiber dazu verpflichtet werden, Strafverfolgern Einblick in ihre Netze zu gewähren. Das Tückische ist Folgendes: Sobald eine verschlüsselte Verbindung aufgebaut wird, werden die Daten über einen Spezialrechner, eine sogenannte Blackbox, umgeleitet, der von den Überwachern kontrolliert wird. Der ganze verschlüsselte Datenverkehr scheint in der Blackbox im Klartext auf und wird dort auch kopiert. Nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Unternehmen wie Banken fallen praktisch alle Hüllen vor den Behörden.

Allerdings werden die Daten nicht „en Gros“ von den europäischen Geheimdiensten abgegriffen (anders in den USA), sondern es wird „jede einzelne Verbindung […] beim Internetprovider einzeln angegriffen“. Was Metadaten und Auswertung betrifft, so werden alle nicht relevanten Daten aussortiert und die übrigen Informationen über E-Mail-Dienste, Internettelefonie, Chats, Tauschbörsenprotokolle und anderes auf die zur Auswertung abgestellten Server weitergeleitet. So kommen die Geheimdienste zu sehr aussagekräftigen „individuellen Kommunikationsprofilen“ und erhalten Informationen, ohne dass dies den Nutzern bewusst ist.


http://www.gulli.com/news/21735-internet-auch-in-europa-sammeln-geheimdienste-daten-2013-06-11

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
12. Juni 2013, 16:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Doc Sportello



Anmeldedatum: 10.09.2012
Beiträge: 1574
Wohnort: Stadt

Beitrag Geheimwoz Antworten mit Zitat
Die WOZ hat eine Sondernummer zu Geheimdiensten gemacht. Ein paar interessante Texte, z.B.:

Zu Verschwörungstheoretikern: http://www.woz.ch/1349/verschwoerungstheorien/die-sehnsucht-nach-der-geheimen-weltregierung

Interview mit einem naiven Informatiker, der einen Staatstrojaner entwickelte und hoffte, dass der nur von "demokratischen Staaten" eingesetzt würde: http://www.woz.ch/1349/ein-trojaner-erfinder-im-gespraech/mit-einem-verlegenen-laecheln-in-erklaerungsnot

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
05. Dezember 2013, 14:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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