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Wertkritik, «Automatisches Subjekt» und andere Kleinigkeit

 
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Wertkritik, «Automatisches Subjekt» und andere Kleinigkeit
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Albert Gräfe



Anmeldedatum: 10.09.2013
Beiträge: 7

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@Muoit: Deinem Urteil stimme ich weitgehend zu, aber ich halte deine Begründungen teilweise für falsch.

Zitat:
1. Marx spricht (ich glaube in den Grundrissen) davon, dass der Wert in der Zirkulation und nicht(!) in der Zirkulation entsteht.


Soweit ich weiß spricht Marx in den „Grundrissen“ an keiner Stelle davon, dass der Wert in der Zirkulation und zugleich nicht in der Zirkulation entsteht. Er schreibt vielmehr im ersten Band des „Kapital“, auf der Darstellungsebene des Übergangs vom Geld ins Kapital als Übergang von der einfachen Warenzirkulation in den unmittelbaren Produktionsprozess, dass das Kapital nicht aus der Zirkulation entspringen kann, und ebenso wenig aus der Zirkulation nicht entspringen kann. Daher muss das Kapital zugleich in der Zirkulation und nicht in der Zirkulation entspringen (vgl. MEW 23, S. 180). Diese Antinomie besteht nur, sofern die Vermehrung des Werts ausschließlich vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation betrachtet wird. Sie erweist sich bei näherer Betrachtung der Verwertung des Werts als eine scheinbare Antinomie. Die Quelle der Vermehrung des Werts ist die Produktion. Die Verwertung des Werts findet aber vermittelt über die Zirkulation statt. Mehrwert wird durch die Konsumtion der Ware Arbeitskraft im unmittelbaren Produktionsprozess gebildet, indem der Gebrauchswert der Arbeitskraft (die lebendige Arbeit) mehr Wert setzt, als zur Reproduktion dieser Ware notwendig ist. Die Konsumtion der Arbeitskraft ist allerdings vermittelt durch den Kauf und Verkauf der Arbeitskraft als Ware, also durch die Zirkulation.

Zitat:
Das bedeutet recht vereinfacht, dass nur in einer Gesellschaft die überhaupt den Warentausch als generalisierte ewige Wiederholung kennt, die Waren einander gleichgesetzt und damit überhaupt zu Trägern von Tauschwert werden, also der Wert von der ewigen Bewegung der Zirkulation abhängig ist. Gleichzeitig entsteht er natürlich nicht dort, sondern in der Produktion durch die Aufwendung von abstrakter Arbeit (den Vorwurf von Dauve könnte man mit Abstrichen vielleicht Michael Heinrich machen). 2. In der Diskussion mit Heinrich hat gerade Norbert Trenkle, einer der prominenteren Theoretiker von Krisis, darauf beharrt, dass der Wert in der Produktion entsteht.


Warentausch kann nur stattfinden, weil die Waren im Austausch als Werte gleichgesetzt und als Werte realisiert werden. Wenn Waren nur in einer Gesellschaft mit „generalisiertem“, also verallgemeinertem Warentausch gleichgesetzt werden, dann würde es in einer Gesellschaften ohne verallgemeinerten Warentausch gar keinen Austausch von Waren geben. Dann macht es allerdings auch keinen Sinn, überhaupt von einem „generalisierten“ Warentausch zu sprechen, weil der Warentausch mit seiner Verallgemeinerung zusammenfallen würde. Auch in einer randständigen, vorkapitalistischen Warenzirkulation sind die Waren im Austausch als Werte gleichgesetzt worden.

Es ist tautologisch zu behaupten, dass die Waren erst in einer Gesellschaft mit verallgemeinertem Warentausch zu Trägern von Tauschwert werden. Der Tauschwert ist die Wertform der Ware und die Wertform der Ware ist identisch mit der Warenform des Arbeitsprodukts. Nicht die Ware, sondern ihr Gebrauchswert bildet den stofflichen Träger des Tauschwerts (vgl. MEW 23, S. 51). Ein Arbeitsprodukt ist Ware, sofern es die zwei Faktoren von Gebrauchswert und Wert besitzt. Die Ware hat also einen Doppelcharakter, weil sie die Einheit von Gebrauchswert und Wert ist. Der Gebrauchswert stellt sich unmittelbar an der Ware als ihre „hausbackene Naturalform“ (MEW 23, S. 62) dar. Demgegenüber ist der Wert eine rein gesellschaftliche Gegenständlichkeit, die nicht unmittelbar an einer einzelnen Ware sinnlich fassbar ist, sondern sich innerhalb des Wertverhältnis im Gebrauchswert einer anderen Ware darstellen muss. Dadurch erhält der Wert einer Ware eine eigenständige Erscheinungsform, die von der Naturalform dieser Ware getrennt ist. Diese Form ist die Wertform, die Marx als Synonym zum Tauschwert benutzt (weshalb die Wertformanalyse mit „3. Die Wertform oder der Tauschwert“ betitelt ist). Der Doppelcharakter der Ware stellt sich also dar, sofern die Ware die Doppelform von Naturalform und Wertform besitzt. Waren besitzen daher nur die Form von Waren, falls sie auch Wertform besitzen. Deshalb ist die Wertform der Ware mit der Warenform des Arbeitsprodukt identisch (vgl. MEW 23, S. 76).

Meines Wissens schreibt Marx nirgendwo, dass der Wert in der Produktion oder der Zirkulation „entsteht“, sondern in der Produktion gebildet und in der Zirkulation realisiert wird. Der Wert ist eben kein fixes Ding, sondern ein prozessierendes gesellschaftliches Verhältnis.

Zitat:
Das ist doch gerade der Witz des Fetischcharakters der Waren, den die Wertkritik in ihrer Apotheose des automatischen Subjekts auf die andere Seite überdehnt, dass wir eben nicht einfach vergessen, dass das Geld ein Ausbeutungsverhältnis oder genauer gesagt die Verdinglichung gesellschaftlicher Beziehungen bedeutet, sondern dass diese Verdinglichung der gesellschaftlichen Beziehungen tatsächlich die Menschen beherrschet – aber natürlich nur soweit sie weiterhin von den Menschen hervorgebracht werden. Das scheint Dauve zu ahnen, wenn er davon spricht, dass das Fetischobjekt als automatisches Subjekt den Menschen entwischt.


Das Kapital als „automatisches Subjekt“ ist keine Beschreibung für den Kapitalfetisch, sondern für das Kapital als Lösungsbewegung des Widerspruchs zwischen der Qualität des Geldes (allgemeines Äquivalent zu sein) und seiner quantitativen Beschränkung. Dieser Widerspruch ist in der dritten Bestimmung des Geldes (Geld als Geld) enthalten (vgl. MEW 42, S. 156). Er wird gelöst, indem das Kapital als sich verwertender Wert abwechselnd die gegenständlichen Formen der Produktion und der Zirkulation annimmt. Als prozessierender Wert greift das Kapital über die Warenzirkulation und die Produktion über, indem es in dem Kreislauf G - W - G' beständig die Formen von Geld und Ware wechselt und sich dadurch selbst verwertet. Der Wert stellt sich dadurch als eine prozessierende, sich selbst bewegende Substanz dar, die nicht nur abwechselnd die Formen von Ware und Geld annimmt, sondern durch diesen Formwechsel Mehrwert zusetzt. In diesem Sinne charakterisiert Marx das Kapital als ein „automatisches Subjekt“.

Zitat:
Aber man kann sich’s auch einfach machen und das recht vertrickste Verhältnis von konkreter Arbeit (eine physiologische Tätigkeit) und abstrakter Arbeit (eine rein gesellschaftliche Form) damit beseitigen, dass man die schwierige Frage jenen um die Ohren haut, die sich an der Frage versucht haben.


Der Wertkritik kann man keinesfalls zu Gute halten, dass sie versucht hätte, den Doppelcharakter warenproduzierender Arbeit zu klären. Im Gegenteil. Sie hat aus einem ideologisches Bedürfnis heraus den Arbeitsbegriff von Marx und damit auch den Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, zerstört. Das kann jeder mit Leichtigkeit wahrnehmen, der sich mit der Kritik der politischen Ökonomie beschäftigt, wie sie von Marx selbst ausgearbeitet wurde. Meines Erachtens identifizierst du abstrakte menschliche Arbeit als allgemeine Eigenschaft aller konkret nützlichen Arbeiten mit der besonderen Rolle, die diese Eigenschaft in der kapitalistischen Produktionsweise spielt. Der Unterschied von konkret nützlicher Arbeit und abstrakt menschlicher Arbeit besteht zunächst darin, dass letztere die „allgemeine Eigenschaft menschlicher Arbeit“ (MEW 23, S. 72) ist, Verausgabung menschlicher Arbeitskraft zu sein. Diese „Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit“ (MEW 23, S. 61) haben alle konkret nützlichen Arbeiten gemeinsam. Erst unter den Bedingungen der verallgemeinerten Warenzirkulation erhält die allgemeine Eigenschaft abstrakt menschlicher Arbeit die außergewöhnliche historische Bedeutung, als spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten zu gelten (vgl. MEGA II/5, S. 41). Im Austausch werden die Arbeiten also nicht nur auf ihre gemeinsame Eigenschaft abstrakt menschliche Arbeit reduziert, sondern auf abstrakt menschliche Arbeit als eine bestimmte gesellschaftliche Form der Arbeit (vgl. MEGA II/6, S. 30).

Eine fundierte Kritik der Wertkritik findet sich übrigens z.B. in Texten von Robert Schlosser und in einigen Ausgaben der „Übergänge – Zirkular zur Kritik von Ökonomie & Politik“:

http://www.rs002.de/Soziale_Emanzipation/Start.htm

http://www.proletarische-plattform.org/archiv/%C3%BCberg%C3%A4nge/zirkular/

Die wertkritische Krisentheorie wird in dem Buch „Apologie von Links. Zur Kritik gängiger linker Krisentheorien“ des Trotzkisten Günther Sandleben solide kritisiert. Die Einleitung zum Buch gibt es hier:

http://www.guenther-sandleben.de/mediapool/57/574173/data/Apologie_von_links_Einleitung.doc
16. September 2014, 13:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Doc Sportello

War jetzt auch keine Kritik an deiner Übersetzertätigkeit und die politischen Schlussfolgerungen teile ich ja praktisch durchs Band.



Albert

Deine Einwände sind zu grossen Teilen zutreffend. Danke dafür, das zwingt einen dann doch immer, die eigenen Gedanken nochmals zu ordnen und genauer zu sein. Trotzdem will ich dazu noch einige Anmerkungen machen und dort ein paar Einwände vorbringen, wo du es dir auch ein wenig zu einfach machst.

Aus dem Kopf zitieren ist immer eine wacklige Angelegenheit; zumindest bei mir. Ja, ich meinte die von dir angeführte Stelle, im ersten Band des «Kapitals» in der Marx davon spricht, dass das Kapital nicht aus der Zirkulation entspringen kann und zugleich ebenso wenig aus der Zirkulation nicht entspringen kann. Ich halte deine Erklärung dieser Stelle für korrekt. Das ist eine Pointe von Marx, dass die Akkumulation von Kapital auf dieser Ebene der Darstellung nicht erklärt werden kann und zu einer Antinomie führen muss, die sich aber auflösen lässt, wenn man in die Sphäre der Produktion übergeht. Ich habe das wohl irgendwie vermischt mit einer Aussage aus den Grundrissen, die ich mal notiert hatte: «Wenn also durch den Produktionsprozeß das Kapital als Wert und Neuwert reproduziert ist, so zugleich als Nichtwert gesetzt, als erst zu verwertend durch den Austausch.» (MEW 42, 317).

Der Bestimmung, dass der Gebrauchswert der stoffliche Träger des Gebrauchwerts ist, würde ich auch nicht widersprechen. Das war flapsig formuliert von mir: Natürlich ist die Ware die Einheit von Tauschwert und Gebrauchswert und zweiterer Träger des ersten.

Zitat:
Albert: «Meines Wissens schreibt Marx nirgendwo, dass der Wert in der Produktion oder der Zirkulation «entsteht», sondern in der Produktion gebildet und in der Zirkulation realisiert wird. Der Wert ist eben kein fixes Ding, sondern ein prozessierendes gesellschaftliches Verhältnis.»


Zum zweiten Satz habe ich keinen Einwand. Allerdings ist das im ersten Satz ein wenig getrickst, wenn du das «Entstehen» einfach durch ein «Bilden» ersetzt. Was wäre denn der konkrete Unterschied? Natürlich spricht Marx davon, dass der Tauschwert in der Produktion gebildet wird bzw. entsteht und dann in der Zirkulation realisiert wird (100% konsistent ist er da aber wohl auch nicht). «In der Zirkulation, worin die Gebrauchswerte als Preise eingehen, resultiert ihr Wert nicht von der Zirkulation, obgleich er sich nur in ihr realisiert; er ist ihr vorausgesetzt und wird nur verwirklicht durch den Austausch gegen Geld.» (MEW 42, 227) Der Wert einer Ware ist der Zirkulation also vorausgesetzt, das heisst er muss irgendwo bereits entstanden sein.

Zugegeben meine Erklärung der Entstehung des Werts in der Zirkulation und nicht in der Zirkulation ist begrifflich schräg rausgekommen: Aber eigentlich ging es mir darum zu erklären, dass der Wert überhaupt nur durch den Prozess von Produktion und Realisierung Bestand haben kann. Eigentlich wollte ich damit aussagen, dass der Wert als gesellschaftliches Verhältnis nur existieren kann durch den beständigen Prozess von Produktion und Zirkulation.

Zitat:

Albert: «Das Kapital als «automatisches Subjekt» ist keine Beschreibung für den Kapitalfetisch, sondern für das Kapital als Lösungsbewegung des Widerspruchs zwischen der Qualität des Geldes (allgemeines Äquivalent zu sein) und seiner quantitativen Beschränkung.»


An der einen Stelle im Kapital in der Marx den Begriff des automatischen Subjekts benutzt, geht es ihm darum auf der erreichten Stufe der Darstellung den Wert als Subjekt zu fassen, das in einem beständigen Prozess des Wechsels der Formen von Geld und Ware seine Grösse selbst verändert, sich selbst verwertet. Das ist das, was du erklärt hast. Diese Vorstellung destruiert Marx im weiteren Fortgang der Darstellung indem er zeigt, dass auf dieser Ebene der Darstellung die Entstehung eines Mehrwerts nicht erklärt werden kann bzw. nur durch einen nominellen Preisaufschlag – das ist aber gesamtgesellschaftlich nicht möglich, der Gewinn des einen Kapitals wäre so nur denkbar als Verlust das anderen Kapitals. Marx benutzt den Begriff also zur Illustration eines Widerspruchs, der sich auf der Ebene der Zirkulation zeigt. Das ist wahrscheinlich unbestritten, wenn man den Begriff des automatischen Subjekts so eng fasst. Das erklärt aber nicht, warum die Wertkritik diesen Begriff für bare Münze genommen hat und den Wert tatsächlich als automatisches Subjekt begreift. Auch habe ich kürzlich mit einem - vielleicht schlechten - Anhänger der Neuen Marx Lektüre gesprochen, der den Begriff des automatischen Subjekts als zutreffende Bezeichnung des Kapitalismus fasste und zwar nur weil das Kapital uns beherrsche, weil es als Struktur bestehe, die unser Handeln bestimme. Das hat durchaus seine Berechtigung, auch wenn man damit aufpassen muss: Dass die ArbeiterInnen das Kapital als sie beherrschende Macht hervorbringen, ist doch evident. So verkehren sich im Kapitalismus gewissermassen Subjekt und Objekt und die Produzenten werden vom Produkt beherrscht. Diesen Zusammenhang muss man aber als beständige Verkehrung fassen: Das Kapital beherrscht die Produzenten, wird aber gleichzeitig beständig durch sie hervorgebacht.
Es gibt nun einen Zusammenhang zwischen dem «automatischen Subjekts» und dem Warenfetisch, den die Wertkritiker herstellen*. Und darum ging es in der betreffenden Passage und nicht darum, dass der Begriff des «automatischen Subjekts» den Kapitalfetisch beschreibe, wie du das mir unterstellst. Bloss der Vollständigkeit halber: Der Zusammenhang ist auch nicht ganz falsch. Im Kapitel zum Warenfetisch erklärt Marx wie die menschlichen Beziehungen zu Beziehungen der Waren werden (in einer warenproduzierenden Gesellschaft wird die Gesellschaftlichkeit nicht direkt hergestellt, sondern im Nachhinein über den Wert) und dann als Natureigenschaften der Waren erscheinen. «Die Gleichheit der menschlichen Arbeiten erhält die sachliche Form der gleichen Wertgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte, das Maß der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft durch ihre Zeitdauer erhält die Form der Wertgröße der Arbeitsprodukte, endlich die Verhältnisse der Produzenten, worin jene gesellschaftlichen Bestimmungen ihrer Arbeiten betätigt werden, erhalten die Form eines gesellschaftlichen Verhältnisses der Arbeitsprodukte.» (MEW 23, 86) Wir werden, auch wenn wir den Warenfetisch durchschauen, praktisch von den Produkten des Produktionsprozesses beherrscht. Diese recht einfache Aussage macht die Fehler der Wertkritiker noch nicht mit und konstatiert auch kein «automatisches Subjekt» als korrekte Beschreibung des Kapitals.

«Sosehr nun das Ganze dieser Bewegung als gesellschaftlicher Prozess erscheint und sosehr die einzelnen Momente dieser Bewegung vom bewussten Willen und besondern Zwecken der Individuen ausgehn, sosehr erscheint die Totalität des Prozesses als ein objektiver Zusammenhang, der naturwüchsig entsteht; zwar aus dem Aufeinanderwirken der bewußten Individuen hervorgeht, aber weder in ihrem Bewusstsein liegt noch als Ganzes unter sie subsumiert wird. Ihr eignes Aufeinanderstoßen produziert ihnen eine über ihnen stehende, fremde gesellschaftliche Macht; ihre Wechselwirkung als von ihnen unabhängigen Prozess und Gewalt. Die Zirkulation, weil eine Totalität des gesellschaftlichen Prozesses, ist auch die erste Form, worin nicht nur wie etwa in einem Geldstück oder im Tauschwert das gesellschaftliche Verhältnis als etwas von den Individuen Unabhängiges erscheint, sondern das Ganze der gesellschaftlichen Bewegung selbst.» (MEW 42; S. 127)

Hier spricht Marx noch von der Zirkulation und dass dieser Totalitätszusammenhang als naturwüchsig erscheint. In den «Resultaten» widmet sich Marx dann diesbezüglich auch der Produktion:

«Anders stellt sich aber die Sache vom Standpunkt des Verwertungsprozesses dar. Es ist nicht der Arbeiter, der die Produktionsmittel, sondern es sind die Produktionsmittel, die den Arbeiter anwenden. Es ist nicht die lebendige Arbeit, die sich in der gegenständlichen als ihrem objektiven Organ verwirklicht, sondern es ist die gegenständliche Arbeit, die sich durch Einsaugen der lebendigen erhält und vermehrt, und dadurch zum sich verwertenden Wert, zum Kapital wird, als solches funktioniert. Die Produktionsmittel erscheinen nur noch als Einsauger eines möglichst grossen Quantums lebendiger Arbeit. Die lebendige Arbeit erscheint nur noch als das Mittel der Verwertung vorhandener Werte und daher ihrer Kapitalisierung. Und abgesehn von dem früher Entwickelten, erscheinen gerade deswegen wieder die Produktionsmittel éminemment der lebendigen Arbeit gegenüber als Dasein des Kapitals, und zwar jetzt als Herrschaft der vergangnen, toten Arbeit über die lebendige. Grade als wertbildend wird die lebendige Arbeit fortwährend in den Verwertungsprozess der vergegenständlichten einverleibt. Als Anstrengung, als Verausgabung von Lebenskraft, ist die Arbeit die persönliche Tätigkeit des Arbeiters. Aber als wertbildend, als im Prozess ihrer Vergegenständlichung begriffen, ist die Arbeit des Arbeiters, sobald er in den Produktionsprozess eingetreten, selbst eine Existenzweise des Kapitalwerts, ihm einverleibt. Diese werterhaltende und Neuwert schaffende Kraft ist daher die Kraft des Kapitals und jener Prozess erscheint als der Prozess seiner Selbstverwertung und vielmehr der Verarmung des Arbeiters, der den von ihm geschaffenen Wert zugleich als ihm selbst fremden Wert schafft.» (Resultate, Frankfurt 1969, 16)

Marx schliesst daran aber eine Pointe an, die gegen eine Verabsolutierung des Kapitals als Subjekt gewendet ist:

«Die Herrschaft des Kapitalisten über den Arbeiter ist daher die Herrschaft der Sache über den Menschen, der toten Arbeit über die lebendige, des Produkts über den Produzenten, da ja in der Tat die Waren, die zu Herrschaftsmitteln (aber bloss als Mittel der Herrschaft des Kapitals selbst) über die Arbeiter werden, blosse Resultate des Produktionsprozesses, die Produkte desselben sind.» (Resultate, Frankfurt 1969, 17f.)

Man sieht, auch wenn der Begriff des «automatischen Subjekts» nicht auftaucht, geht es Marx an verschiedenen Stellen darum, wie im Kapitalismus die Produzenten vom Produkt beherrscht werden. Wie also die Produkte des kapitalistischen Produktionsprozesses zum Subjekt werden. Zumindest das Kapital als Subjekt hat seine Berechtigung, auch wenn man - mit Marx - natürlich die Vorstellung kritisieren muss, dass das Kapital als endgültig konsitutierte Form unser Leben quasi automatisch bestimmt. Aber gerade sowas erklären die Wertkritiker aus Nürnberg mit ihrer Ideologie des automatischen Subjekts Wert und jene aus Freiburg mit ihrem automatischen (und arationalen) Subjekt Kapital und darum ging es ja in meiner kurzen Ausführung im letzten Beitrag**.

* Hier kannst du schauen - und darum ging es in meinem Verweis auf die Apotheose des automatischen Subjekts durch die Wertkritik - wie zum Beispiel Robert Kurz den Zusammenhang zwischen dem Fetisch und dem automatischen Subjekt herstellt (er nennt das dann Fetischkonstitution): http://www.krisis.org/1998/was-ist-wertkritik (ab dem dritten Abschnitt). Ich teile diese Auffassung natürlich nicht.

** Ich lasse als Beispiel für diese sehr eigentümliche Weise der Auslegung des «automatischen Subjekts» einfach den Wiener Wertmystiker Gerhart Scheit sprechen: «Kritik heißt zunächst, «die Vorgängigkeit der von den einzelnen Menschen und ihrem Verhältnis abgelösten, abstrakt rationalen Beziehungen, die am Tausch ihr Modell haben» [Ich vermute das ist ein Adorno-Zitat], sichtbar zu machen und in ihr das «automatische Subjekt» des Kapitals aufzuspüren, und das bis hin zum kleinsten individuellsten Gedanken.» Das geht dann bei solchen Leuten soweit, dass sie behaupten das Kapital würde durch dich hindurch denken.

Hier findet sich eine interessante Kritik von Werner Bonefeld an der falschen Vorstellung des Kapitals als automatischem Subjekt:
http://www.wildcat-www.de/zirkular/36/z36bonef.htm

Zitat:
Albert: «Der Wertkritik kann man keinesfalls zu Gute halten, dass sie versucht hätte, den Doppelcharakter warenproduzierender Arbeit zu klären. Im Gegenteil. Sie hat aus einem ideologisches Bedürfnis heraus den Arbeitsbegriff von Marx und damit auch den Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht, zerstört.»


Geschenkt. Im Resultat hast du bestimmt recht und es ist mir jetzt auch grad kein Text präsent in dem die Wertkritik dieses Verhältnis klärt. Ich habe da eher auf die Neue Marx Lektüre geschielt, die man zugegeben nicht mit der Wertkritik vermischen sollte. Ich habe das etwas überstrapaziert in meiner Kritik an Dauve, von dem ich eben auch überhaupt nichts kenne, was in diese Richtung geht.

Zitat:
Albert: «Meines Erachtens identifizierst du abstrakte menschliche Arbeit als allgemeine Eigenschaft aller konkret nützlichen Arbeiten mit der besonderen Rolle, die diese Eigenschaft in der kapitalistischen Produktionsweise spielt.»


Überhaupt nicht. Ich hätte jetzt den gegenteiligen Vorwurf erwartet; alles nur Gesellschaft! Ich weise doch gerade darauf hin, dass die abstrakte Arbeit eine bestimmte Form ist, die es nur in einer verallgemeinerten Warenproduktion gibt (vorher könnte man wohl mit Rubin von sozial gleichgesetzter Arbeit sprechen). Erst wenn die Gleichsetzung der Waren und damit die Abstraktion für den Tausch von ihren besonderen Qualitäten (und damit auch von der konkreten Arbeit) sich verallgemeinert, beginnt abstrakt menschliche Arbeit als solche ihre Funktion zu erfüllen oder wie du schreibst «als spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten zu gelten».

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16. September 2014, 19:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Albert Gräfe



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Da die Diskussion weit über Dauvés Kritik an der Wertkritik hinausgeht, wäre es gut, wenn ein Admin die Diskussionsbeiträge in einen seperaten Thread verschiebt.

Zitat:
Allerdings ist das im ersten Satz ein wenig getrickst, wenn du das «Entstehen» einfach durch ein «Bilden» ersetzt. Was wäre denn der konkrete Unterschied? Natürlich spricht Marx davon, dass der Tauschwert in der Produktion gebildet wird bzw. entsteht und dann in der Zirkulation realisiert wird (100% konsistent ist er da aber wohl auch nicht). «In der Zirkulation, worin die Gebrauchswerte als Preise eingehen, resultiert ihr Wert nicht von der Zirkulation, obgleich er sich nur in ihr realisiert; er ist ihr vorausgesetzt und wird nur verwirklicht durch den Austausch gegen Geld.» (MEW 42, 227) Der Wert einer Ware ist der Zirkulation also vorausgesetzt, das heisst er muss irgendwo bereits entstanden sein.

Zugegeben meine Erklärung der Entstehung des Werts in der Zirkulation und nicht in der Zirkulation ist begrifflich schräg rausgekommen: Aber eigentlich ging es mir darum zu erklären, dass der Wert überhaupt nur durch den Prozess von Produktion und Realisierung Bestand haben kann. Eigentlich wollte ich damit aussagen, dass der Wert als gesellschaftliches Verhältnis nur existieren kann durch den beständigen Prozess von Produktion und Zirkulation.


In der kapitalistischen Produktionsweise bedingen sich Austausch und von einander unabhängig betriebene Privatarbeiten. Die Behauptung, dass der Wert in der Produktion „entsteht“, reißt diesen Zusammenhang von Privatproduktion und Austausch auseinander. Wie ich bereits geschrieben habe, ist der Wert kein Ding, dass in der Produktion „entsteht“ und dann als eine fixe Größe vorhanden ist. Der Wert ist vielmehr der Prozess eines blindwirkenden Durchschnitts, der den Austausch der Waren reguliert. Das gilt zumindest für die Darstellung im ersten und zweiten Band des „Kapital“. Es ist ein unseliger Streit, ob der Wert in der Produktion oder der Zirkulation „entsteht“, weil das eine falsche Alternative ist, die den Wert verdinglicht und ihn nicht als Vermittlungsform von einander unabhängig betriebener Privatarbeiten begreift, die auf dem Austausch der Arbeitsprodukte beruhen. Der Wert ist eine bestimmte gesellschaftliche Manier, die zur Produktion einer Ware verwandte Arbeit als gegenständliche Eigenschaft des Arbeitsprodukts auszudrücken. Marx drückt sich also sehr präzise aus, wenn er schreibt, dass der Wert in der Produktion „gebildet“ und in der Zirkulation „realisiert“ wird. Das entspricht auch der Intention deiner Aussage. Da der Wert nicht in der Produktion „entsteht“, erklärt Marx ihn folgerichtig nicht aus dem unmittelbaren Produktionsprozess, sondern aus dem quantitativen Austauschverhältnis zweier Gebrauchswerte, als das der Tauschwert zunächst erscheint (vgl. MEW 23, S. 50 ff.).

Die Diskussion zum Kapital als „automatisches Subjekt“ ist mir durchaus bekannt. Ich denke aber nicht, dass Marx die Vorstellung des Kapitals als „automatisches Subjekt“ im Fortgang der Darstellung destruiert hat, wie die Kantmarxisten Jürgen Behre und Nadja Rakowitz behaupten. Das Kapital als „automatisches Subjekt“ ist keine falsche Vorstellung, die dem Kapitalfetisch aufsitzt, sondern eine ökonomische Struktur, die real existiert und von den Menschen selbst geschaffen wird. Es ist daher auch keine Illustration für einen formallogischen Widerspruch vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation, sondern tatsächlich eine adäquate Beschreibung für das Kapitalverhältnis, aber ganz anders, als es sich die wertkritischen Metaphysiker verschiedener Coleur denken. Als „automatisches Subjekt“ ist das Kapital, wie bereits geschrieben, die Lösungsbewegung für den Widerspruch zwischen der Qualität und der Quantität des Geldes, der selbst eine Form des dialektischen Widerspruches zwischen dem Gebrauchswert und dem Wert ist. In der dritten Bestimmung des Geldes (Geld als Geld) wird diese Form des Widerspruchs permanent gesetzt und durch das Kapital als „automatisches Subjekt“ gelöst. Der Widerspruch in der Bestimmung des Geldes als Geld ist real vorhanden und verschwindet in seiner Lösungsbewegung keineswegs, sondern bleibt im Kapital als „automatisches Subjekt“ in modifizierter Form erhalten. Indem das Kapital als sich selbst verwertender Wert abwechselnd die gegenständlichen Formen der Produktion und der Zirkulation annimmt, wird der Widerspruch zwischen der qualitativen Schrankenlosigkeit des Geldes als allgemeines Äquivalent und seiner quantitativen Beschränktheit gelöst. Diese Lösungsbewegung erscheint in der einfachen Warenzirkulation noch unvollständig als Kreislauf mit der allgemeinen Formel des Kapitals G – W – G'. Diese unvollständige Erscheinung widerspricht dem Äquivalententausch. Auf ihr beruhen die falschen Vorstellungen vom „automatischen Subjekt“ als einer creatio ex nihilo, wie sie in der Wertkritik verbreitet sind. Mit dem Übergang von der einfachen Warenzirkulation in den unmittelbaren Produktionsprozess destruiert Marx nach meinem Verständnis nicht das „automatische Subjekt“ als eine falsche Vorstellung vom Kapital, sondern die falschen Vorstellungen über das Kapital als „automatisches Subjekt“, indem er die Weiterentwicklung dieses Subjekts zur vollständigen Lösungsbewegung des Widerspruchs zwischen der Quantität und der Qualität des Geldes darstellt. Diese vollständige Lösungsbewegung besteht in dem Kreislauf des Kapitals als prozessierender Wert, der die Produktion und die Zirkulation umfasst, also in dem Kreislauf des Geldkapitals als „automatisches Subjekt“ mit der Formel G – W ... P ... W' – G'. Das erste und dritte Stadium dieses Kreislauf wird im ersten Band des „Kapital“ nur dargestellt, sofern es für das Verständnis des unmittelbaren Produktionsprozesses als zweites Stadium des Kreislaufs notwendig ist. Der Geldkreislauf selbst als Kreislauf ist erst Gegenstand der Darstellung am Anfang des zweiten Bandes. Mit dem „automatischen Subjekt“ als vollständiger Lösungsbewegung des Widerspruchs zwischen der Qualität und Quantität des Geldes wird der unmittelbare Produktionsprozess als Quelle der Vermehrung des Werts erklärt. Außerdem wird mit der Darstellung des entwickelten „automatischen Subjekts“ gezeigt, dass sich der Wert nur im Zusammenhang von Produktion und Zirkulation verwerten kann. Damit ist die Antinomie gelöst, die vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation besteht, dass das Kapital in der Zirkulation entspringt und nicht in der Zirkulation entspringt. Das Kapital als Subjekt ist tatsächlich „automatisch“, weil sich der Wert selbst verwertet. Dieser Charakter des Kapital bleibt in der vollständigen Lösungsbewegung des Widerspruchs der dritten Geldbestimmung nicht nur erhalten, sondern durch die Weiterentwicklung des „automatischen Subjekts“ wird vielmehr überhaupt erst der unmittelbare Produktionsprozess als notwendige Grundlage für die Verwertung des Werts aufgezeigt. Die falschen Vorstellungen der Wertkritiker über das Kapital als „automatisches Subjekt“ beruhen zwar auf dem Kapitalfetisch, wie du richtig kritisierst. Es ist aber meines Erachtens falsch, daraus den Schluss zu ziehen, dass das Kapital als „automatisches Subjekt“ eine falsche Vorstellung ist.

Was die wertkritische Auffassung der abstrakten Arbeit betrifft, so ist „Abstrakte Arbeit und Sozialismus“ von Robert Kurz der Grundlagentext dafür:

http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=8

Ich denke übrigens nicht, dass die Kathedersozialisten der Neuen Marx-Lektüre den Doppelcharakter warenproduzierender Arbeit begriffen haben. So konstruiert Michael Heinrich, der ja einer ihrer führenden Repräsentanten ist, die falsche Alternative zwischen abstrakt menschlicher Arbeit als einer physiologischen Bestimmung und als einer Realabstraktion, die mystisch im Austausch vom Himmel fällt. Damit tilgt er letztlich abstrakt menschliche Arbeit als wertbildende Substanz und fällt sogar noch hinter die Physiokraten zurück.

Zitat:

Ich weise doch gerade darauf hin, dass die abstrakte Arbeit eine bestimmte Form ist, die es nur in einer verallgemeinerten Warenproduktion gibt (vorher könnte man wohl mit Rubin von sozial gleichgesetzter Arbeit sprechen). Erst wenn die Gleichsetzung der Waren und damit die Abstraktion für den Tausch von ihren besonderen Qualitäten (und damit auch von der konkreten Arbeit) sich verallgemeinert, beginnt abstrakt menschliche Arbeit als solche ihre Funktion zu erfüllen oder wie du schreibst «als spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten zu gelten».


Das ist ein Widerspruch in sich. Entweder existiert abstrakt menschliche Arbeit als „rein gesellschaftliche Form“ nur in einer verallgemeinerten Warenproduktion, dann kann sie in dieser Produktionsweise aber auch nicht die besondere Rolle spielen, die gesellschaftlich allgemeine Form der konkret nützlichen Arbeiten zu sein (daher mein Vorwurf, dass du abstrakte menschlicher Arbeit mit ihrer kapitalistischen Rolle identifizierst). Oder abstrakt menschliche Arbeit existiert als allgemeine Eigenschaft der konkret nützlichen Arbeiten in jeder Produktionsweise und erhält unter der Bedingung der verallgemeinerten Warenzirkulation lediglich die außergewöhnliche historische Bedeutung, als spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten zu gelten. Meines Erachtens ist trifft letzteres zu. Abstrakt menschliche Arbeit ist also nicht eine „rein gesellschaftliche Form“, die nur in der kapitalistischen Produktionsweise existiert, sondern zunächst bloß die allgemeine Eigenschaft aller konkret nützlichen Arbeiten, Verausgabung von menschlicher Arbeitskraft zu sein. Darüber hinaus ist abstrakt menschliche Arbeit immer auch eine Bestimmung der gesellschaftlichen Arbeit, weil in jeder Produktionsweise die verschiedenen konkret nützlichen Arbeiten in dieser allgemeinen Eigenschaft gleichgesetzt werden müssen, damit die gesellschaftliche Gesamtarbeit proportional auf unterschiedliche Produktionszweige verteilt werden kann. Rubin spricht das zwar mit der „sozial gleichgesetzten Arbeit“ an, aber er unterschlägt, dass es bereits abstrakt menschliche Arbeit als gemeinsame Eigenschaft der verschiedenen Arbeiten geben muss, damit überhaupt eine Gleichsetzung der konkret nützlichen Arbeiten stattfinden kann. Eine Gleichsetzung schafft nicht das Gleiche, sondern setzt immer schon eine Gleichheit an sich voraus.
17. September 2014, 16:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Zitat:
Es ist ein unseliger Streit, ob der Wert in der Produktion oder der Zirkulation «entsteht», weil das eine falsche Alternative ist, die den Wert verdinglicht und ihn nicht als Vermittlungsform von einander unabhängig betriebener Privatarbeiten begreift, die auf dem Austausch der Arbeitsprodukte beruhen. Der Wert ist eine bestimmte gesellschaftliche Manier, die zur Produktion einer Ware verwandte Arbeit als gegenständliche Eigenschaft des Arbeitsprodukts auszudrücken.


Kein Widerspruch. Meine Ausführung darüber, dass der Wert überhaupt nur als beständige Verwertung, als Prozess von Produktion und Zirkulation Bestand haben kann, ging in diese Richtung. Oder doch vielleicht ein Widerspruch: Ich würde nicht einfach sagen, dass man den Wert verdinglicht, wenn man die Frage stellt, ob er in der Zirkulation oder der Produktion entsteht. Die Verdinglichung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist ein realer Prozess – und keine Abstraktion des Theoretikers –, dem man allerdings auf den Leim geht, wenn man die dahinterliegende gesellschaftliche Praxis nicht mehr auf dem Schirm hat. Wenn man also gewissermassen den Wert begrifflich fixieren will, statt ihn als prozessierendes gesellschaftliches Verhältnis zu begreifen, das sich an den Waren festmacht.

Zitat:
Da der Wert nicht in der Produktion «entsteht», erklärt Marx ihn folgerichtig nicht aus dem unmittelbaren Produktionsprozess, sondern aus dem quantitativen Austauschverhältnis zweier Gebrauchswerte, als das der Tauschwert zunächst erscheint (vgl. MEW 23, S. 50 ff.).


Du sprichst hier davon, wie der Tauschwert, also die Wertform erklärt werden muss. Die Wertform ist aber nur eine Seite des Werts. Die Wertsubstanz ist die abstrakte Arbeit und die Wertgrösse bestimmt sich durch die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitszeit. Dieser Umstand kann wohl gut dazu führen, dass man auf die Idee kommt, der Wert entstehe in der Produktion, weil dort die Arbeit geleistet werde. Aber ich trage wohl Eulen nach Athen.

Zitat:
Die Diskussion zum Kapital als „automatisches Subjekt“ ist mir durchaus bekannt. Ich denke aber nicht, dass Marx die Vorstellung des Kapitals als „automatisches Subjekt“ im Fortgang der Darstellung destruiert hat, wie die Kantmarxisten Jürgen Behre und Nadja Rakowitz behaupten.


Dass einem Hegel-Marxisten die Lösungen der Kant-Marxisten nicht gefallen, liegt irgendwie auf der Hand. Ich würde mich da jetzt nicht in die hoch philosophischen Abstraktionen (Verlaufsform eines Widerspruchs) verirren wollen auch wenn ich das nachvollziehen kann (ich glauben andernfalls kann man die ganze Wertformanalyse nicht verstehen), aber dass das Kapital als Subjekt (oder meinetwegen Struktur wie das einige nennen) produziert wird, ist nicht nur ideologischer Schein, sondern realer Prozess. So weit so gut. An der bestimmten Stelle im ersten Band des Kapitals (MEW 23, 168), in der Marx den Begriff des «automatischen Subjekt» benutzt, geht es darum, dass der Wert zum Subjekt eines Prozesses wird, das durch beständigen Formwechsel (Ware und Geld) seine Grösse verändert. Mit einem Wort: Selbstverwertung. Oder wie du schreibst: «Das Kapital als Subjekt ist tatsächlich «automatisch», weil sich der Wert selbst verwertet.» Marx spricht an der angeführten Stelle von der okkulten Qualität des Werts, «Wert zu setzen, weil er Wert ist». Diese Stelle macht sich über die Vorstellung lustig – und da geht es dann um den ideologischen Schein –, dass der Wert seine eigenen Jungen wirft, wie das auf der Ebene der Zirkulation (eben: G – W – G’ (vollendet im Kapitalfetisch G – G’)) erscheint und diesen Moment destruiert Marx dann selbstverständlich im Fortgang der Darstellung. Was mir aber nicht ganz klar ist und was du als so selbstverständlich verkaufst, ist die Frage ob auch das «automatische Subjekt» als «Selbstverwertung des Werts» ironisch gemeint ist oder ob er das Kapital korrekt beschreibt. Ich meine es gibt Stellen etwa in den von mir ausführlich zitierten «Resultaten» in denen sich die zweite Auslegung aufdrängt: «Es ist nicht die lebendige Arbeit, die sich in der gegenständlichen als ihrem objektiven Organ verwirklicht, sondern es ist die gegenständliche Arbeit, die sich durch Einsaugen der lebendigen erhält und vermehrt, und dadurch zum sich verwertenden Wert, zum Kapital wird, als solches funktioniert.» (Resultate, Frankfurt 1969, 16). Ich halte einen Wettbewerb um Marxorthodoxie nicht für besonders fruchtbar, aber wenn man einen Begriff von Marx diskutiert, muss man dessen Stellenwert in seiner Theorie begreifen. Und es scheint hier so, als wenn Marx – übrigens ja auch an der andern von mir zitierten Stelle – diesen Begriff bitterernst meint. Gleichzeitig muss man sich aber vor den Mystifizierungen der Wertesoteriker hüten, die den Wert dann gleich als sich selbst konstituierendes Ding fassen und hinter dem Kapitalverhältnis das Klassenverhältnis gänzlich verschwinden lassen. Ich gehe hier nochmals auf diese Frage ein, weil sie einen Bereich berührt, der mir besonders am Herzen liegt: Die Frage von Klasse und der Möglichkeit der Revolution. Ich wiederhole mich: Das Kapital ist Subjekt, aber das kann es nur sein, wenn es von den Produzenten als solches hervorgebracht wird. Die Produzenten sind eben nicht bloss Anhängsel des Kapitals, sondern können diese gesellschaftliche Struktur, die sie hervorbringen, verändern und abschaffen, weil diese Strukturen Resultate des Produktions- und Zirkulationsprozesses sind. Es macht schlicht keinen Sinn – ausser dem seine ideologischen Träume theoretisch zu erfüllen – das Klassenverhältnis und die Möglichkeit revolutionärer Umwälzung hinter der sich selbst bewegenden Substanz verschwinden zu lassen. Um’s kurz zu machen: Wie im vorherigen Beitrag geschrieben, glaube ich auch, dass der Begriff des Kapitals als Subjekt Sinn macht, aber man muss aufpassen, dass man nicht in die Schieflage gerät in dem man das Kapital dann als selbstkonstituierendes Subjekt versteht (wie will man sich die Aufhebung vorstellen, wenn es sich selbst schafft?). Denn letztlich ist die Frage der Selbstverwertung des Werts auch eine Frage des Klassenverhältnisses: «Das Geheimnis von der Selbstverwertung des Kapitals löst sich auf in seine Verfügung über ein bestimmtes Quantum unbezahlter fremder Arbeit.» (MEW 23, 556)

Zitat:
Ich denke übrigens nicht, dass die Kathedersozialisten der Neuen Marx-Lektüre den Doppelcharakter warenproduzierender Arbeit begriffen haben. So konstruiert Michael Heinrich, der ja einer ihrer führenden Repräsentanten ist, die falsche Alternative zwischen abstrakt menschlicher Arbeit als einer physiologischen Bestimmung und als einer Realabstraktion, die mystisch im Austausch vom Himmel fällt. Damit tilgt er letztlich abstrakt menschliche Arbeit als wertbildende Substanz und fällt sogar noch hinter die Physiokraten zurück.


Da machst du es dir mit den Seminarmarxisten aber auch ein wenig einfach. Dieses Problem hängt damit zusammen, dass es bei Heinrich eine Sphäre der Produkte gibt und eine andere Sphäre in der durch den jeweils konkreten Tauschakt die Waren mit Tauschwerten ausgestattet werden in ihrer Anerkennung. So was haben aber zum Beispiel Reichelt und Backhaus als «Zweiweltenlehre» kritisiert. Ich glaube nicht, dass die Neue Marx Lektüre – deren politische Implikationen oder gerade Nichtimplikationen ich hochproblematisch finde – so homogen ist aber ich glaube auch nicht, dass die überhaupt über eine Forschungsströmung ohne verbindliche Resultate hinausgelangen können oder wollen.

Zitat:
Entweder existiert abstrakt menschliche Arbeit als «rein gesellschaftliche Form» nur in einer verallgemeinerten Warenproduktion, dann kann sie in dieser Produktionsweise aber auch nicht die besondere Rolle spielen, die gesellschaftlich allgemeine Form der konkret nützlichen Arbeiten zu sein (daher mein Vorwurf, dass du abstrakte menschlicher Arbeit mit ihrer kapitalistischen Rolle identifizierst). Oder abstrakt menschliche Arbeit existiert als allgemeine Eigenschaft der konkret nützlichen Arbeiten in jeder Produktionsweise und erhält unter der Bedingung der verallgemeinerten Warenzirkulation lediglich die außergewöhnliche historische Bedeutung, als spezifisch gesellschaftliche Form der Arbeiten zu gelten. Meines Erachtens ist trifft letzteres zu.


Ich würde sagen, dass es abstrakt menschliche Arbeit tatsächlich nur in einer warentauschenden Gesellschaft gibt (soweit rudere ich zurück). Nicht jede Produktionsweise kennt eine über die Waren vermittelte Gleichsetzung der konkreten Arbeiten. Erst in Gesellschaften in denen Waren getauscht werden, werden die Produkte einander gleichgesetzt und damit auch die Arbeit die darin steckt. Dadurch wird so was wie abstrakte Arbeit als allgemeine Eigenschaft der jeweils konkreten Arbeiten überhaupt erst hergestellt.

PS. Ich habe Rubin unrecht getan, der spricht von abstrakter Arbeit in Bezug auf alle warenproduzierenden Gesellschaften. Er schreibt: «Als abstrakte Arbeit wird jener Teil der gesamten gesellschaftlichen Arbeit bezeichnet, der im Prozess der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit durch die Gleichsetzung der Arbeitsprodukte auf dem Markt gleichgestellt wurde.»

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18. September 2014, 03:56 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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