Forum-Übersicht
RegistrierenSuchenFAQMitgliederlisteBenutzergruppenLogin
Konferenz zur Rechtskritik von Paschukanis

 
Neue Antwort erstellen    Forum-Übersicht » Literatur & Leseecke Thema drucken Vorheriges Thema anzeigen
Nächstes Thema anzeigen
Konferenz zur Rechtskritik von Paschukanis
Autor Nachricht
Melnitz



Anmeldedatum: 11.10.2006
Beiträge: 3354

Beitrag Konferenz zur Rechtskritik von Paschukanis Antworten mit Zitat
What is law? Baby don't hurt me

Zitat:
Geschichte Eine Konferenz in Berlin widmet sich der Rechtskritik von Eugen Paschukanis


Sein Hauptwerk:

Eugen Paschukanis: Allgemeine Rechtslehre und Marxismus

Zitat:
“Ähnlich wie der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft die Form einer ungeheuren Anhäufung von Waren annimmt, stellt sich die ganze Gesellschaft als eine unendliche Kette von Rechtsverhältnissen dar.” Diese Para-phrase des ersten Satzes des Marxschen Kapital macht bereits deutlich, wie sehr Paschukanis seine Staatskritik als Beitrag zur Kritik der politischen Ökonomie verstanden wissen wollte. Es geht ihm darum, die Kategorien und Begriffe bürgerlicher Staatstheorie als “objektive Gedankenformen” (Marx) der warenproduzierenden Ge-sellschaft aufzufassen, als real existierende Formen, die entsprechend der spezifischen Verfaßtheit der Gesell-schaft im Bewußtsein der Einzelnen erscheinen. Paschukanis enträtselt die hinter dem Rücken der tätigen Subjekte sich vollziehende Entstehung des Allgemeinwillens – die volonté generalé – der mehr und anderes ist als die Summe der Einzelwillen. Der Staat als Konkretisierung der abstrakten Allgemeinheit ist kein Ergebnis eines bewußt geschlossenen Gesellschaftsvertrages, sondern politischer Ausdruck des gesellschaftlichen Ver-hältnisses der Warenproduktion.”


_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
03. Mai 2013, 09:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



Anmeldedatum: 11.10.2006
Beiträge: 3354

Beitrag Antworten mit Zitat
Es gibt nun bereits Aufnahmen der Vorträge:

Recht bei Marx und Paschukanis

Eine Einführung (mit Andreas Arndt, Andreas Harms und Andrea Maihofer)

Woher kommt der Staat?

(mit Ingo Elbe und Heide Gerstenberger)

Kritik der Kritiken - Kontroversen um Paschukanis

(mit Andreas Fisahn, Ozren Pupovac und Simon Birnbaum)

Mehr Infos:

http://www.rosalux.de/documentation/48148/rechtskritik-bei-marx-und-paschukanis.html

_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
15. Mai 2013, 16:46 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 1218
Wohnort: Zug

Beitrag Antworten mit Zitat
Danke!

_________________
Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
15. Mai 2013, 16:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



Anmeldedatum: 31.10.2006
Beiträge: 1498

Beitrag Antworten mit Zitat
An alle, die wie ich, mit dem formanalytischen Zugang zum Staat (und mit Paschukanis) liebäugeln, hört euch unbedingt den Beitrag von Heide Gerstenberger im Podium «Woher kommt der Staat?» an.
Einige Einwände zum nachdenken. Wenn sie auch - zumindest in diesem kurzen Beitrag - die Autonomie des Politischen (im weiteren Sinne) vermutlich etwas überstrapaziert.

_________________
Power to the Pöbel!

Zuletzt bearbeitet von Muoit am 16. Mai 2013, 00:20, insgesamt 2-mal bearbeitet
16. Mai 2013, 00:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



Anmeldedatum: 16.12.2006
Beiträge: 3051

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
an alle, die wie ich


und die menschenmassen so: question
16. Mai 2013, 00:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



Anmeldedatum: 31.10.2006
Beiträge: 1498

Beitrag Antworten mit Zitat
Power to the Nerds!

Und natürlich

_________________
Power to the Pöbel!
16. Mai 2013, 00:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



Anmeldedatum: 11.10.2006
Beiträge: 3354

Beitrag Antworten mit Zitat
Ein neues Büchlein ist in der Theorie.org Reihe erhältlich:

Stefan Krauth: Kritik des Rechts

Zitat:
Im Mittelpunkt dieses Einführungsbandes steht der Begriff der «Rechtsform», d.h. der abstrakten, allgemeinen Herrschaft ohne Ansehung der Person als Errungenschaft der Bürgerlichen Gesellschaft, im Gegensatz zur unmittelbaren, persönlichen Herrschaft etwa durch persönlichen Befehl. Stefan Krauth rekapituliert die tragfähigen marxistischen Kritiken der Rechtsform, insbesondere Eugen Paschukanis und seine Darstellung von «Freiheit» und «Gleichheit» als materielle Notwendigkeit der warenproduzierenden Gesellschaft. Demnach ist Recht nicht als eigentlich neutrales Werkzeug, das in der Hand der Herrschenden pervertierte, zu verstehen, sondern als Form, in der sich die Reproduktion der Produktionsbedingungen bewegt.
Schließlich wird das Recht auf zwei Ebenen aus herrschaftskritischer Perspektive hinterfragt: Erstens als «objektive» Herrschaft abstrakter Allgemeinheit, die das Gesetz mechanisch anwendet und dabei ohne Ansehung von Hautfarbe und Geschlecht den stummen Zwang der Verhältnisse umsetzt und damit verselbstständigte gesellschaftliche Herrschaft am Leben hält, und zweitens als «subjektiver» Exzess der grundlosen, von keinem Kalkül gedeckten, aber dennoch in Rechtsform und als Willkür anzutreffenden Gewalt.


Hier gibt es schon eine Veranstaltung dazu:

Recht als praktische Ideologie

Zitat:
Nach Marx ist der Rechtstaat das Recht des Stärkeren in "anderer Form". Mit dieser Einsicht wendet Marx sich scharf gegen jede Verklärung des Rechtstaats: das Recht des Stärkeren lebt im Rechtsstaat fort, eben nur in anderer Form. Freiheit und Gleichheit sind die Formen, in denen gesellschaftliche Herrschaft sich bewegt und der "Fortschritt" vom Faustrecht zum bürgerlichen Rechtsstaat ändert nichts am Fortleben des Rechts des Stärkeren in "andrer Form". Das heißt: Freiheit und Gleichheit, die wechselseitige Anerkennung als freie und gleiche Rechtssubjekte, sind Gewalt, Ausbeutung und Herrschaft – jedoch (und lediglich) in anderer Form.
Was aber heißt „andere Form“? Warum bedarf gesellschaftliche Herrschaft dieser „anderen Form“, warum genügt sich der Inhalt (gesellschaftliche Herrschaft) nicht selbst, sondern muss auf eine „andere Form“, die Rechtsform, zurückgreifen bzw. diese annehmen?
Denn eine Widerspiegelung sozialer Herrschaft kann das Recht allenfalls derart sein, dass es das Gespiegelte zugleich verkehrt. Damit, also wegen der Verkehrung (oder Ver-Rückung) sozialer Herrschaft, gehört das Recht für Marx in das Feld der Ideologie. Ideologie heißt in diesem Fall: das Recht lässt soziale Verhältnisse der Herrschaft als Verhältnisse rechtlicher Gleichheit erscheinen. (Ähnlich dem Übergang von der Despotie der Fabrik zur Republik des Marktes, von dem Paschukanis geschrieben hat.) Das Einzigartige des Rechts macht also aus, dass es nur in einem Zusammenhang mit einem Inhalt existiert, von dem es selbst total abstrahiert – den Produktionsverhältnissen.

Das ist dann sowohl die Formalität des Rechts als auch seine gleichsam unangreifbare ideologische Kraft: gerade weil das Recht von seinem Inhalt absieht, rettet, erhält oder reproduziert das Recht seinen Inhalt. Der Formalismus des Rechts ist demnach kein Selbstzweck, sondern gleichsam ein Umweg zur Rettung eines bestimmten Inhalts. Das Recht ist Ausdruck der Produktionsverhältnisse, auch wenn es sich innerhalb des Systems seiner Regeln in keiner Weise auf die besagten Produktionsverhältnisse bezieht, sondern diese, ganz im Gegenteil, geradezu verschwinden lässt. Damit ist der wesensmäßige Formalismus bürgerlichen Rechts zugleich notwendige gesellschaftliche Praxis und Ideologie.

Freilich ist die Wirklichkeit der Rechtsanwendung weit unter dem Niveau der Geschichte. Im Zweifel, d.h. in einem handfesten Konflikt, löst sich der Formalismus des Rechts in Luft auf, im Zweifel machen Behörden und Gerichte eben das, was sie für politisch richtig halten – oder am wenigsten Arbeit macht. (Bereits Walter Benjamin hat geschrieben, dass uns die Geschichte der Unterdrückten lehre, den ‚Ausnahmezustand‘ als Regel zu verstehen.) Die Funktion des Rechts, verlässlich normative Erwartungen darzustellen, tritt in der Praxis zurück gegenüber dem unbestimmten politischen Bedürfnis, Konflikte zu lösen: Heute ist es, wie die Berliner Verwaltung eindrücklich beweist, die Gestalt des Flüchtlings, an der tatsächlich „alles möglich ist“, an der das neuzeitliche Versprechen, mittels der Rechtsform das Verhältnis zwischen Staat und Untertan zu rationalisieren, dementiert wird. Politische Entscheidungen nehmen die, erneut ver-rückte, Gestalt bloßer Rechtsanwendung an und führen letztlich den Begriff des Rechts ad absurdum.

Der Vortrag geht der Frage nach, ob und inwieweit diese beiden Gesichter des Rechts, Formalismus und Auflösung rechtlicher Form, in Zusammenhang zu bringen sind. Gibt es eine greifbare Logik in der ‚binären Codierung‘ formales Recht vs. Auflösung des Rechts? Oder sind wir Zeugen einer unkontrollierbaren Verselbständigung behördlicher und gerichtlicher Eigengesetzlichkeiten?

Die politische Einschätzung formalen Rechts hat sich dabei von der Einsicht Friedrich Engels leiten zu lassen, wonach die Arbeiterklasse weder auf rechtspolitische Forderungen verzichten kann, noch ihre Interessen adäquat im Recht zum Ausdruck bringen kann. Demgegenüber scheint das Bürgertum, so ließe sich ergänzen, mit der wundersamen Eigenschaft ausgestattet zu sein, seine Interessen im Recht angemessen ausdrücken zu können und, zuweilen jedenfalls, auf den Formalismus des Rechts verzichten zu können.


_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
16. Oktober 2014, 09:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Neue Antwort erstellen    Forum-Übersicht » Literatur & Leseecke Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu: 
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Design by Freestyle XL / Music Lyrics.Deutsche Übersetzung von phpBB.de