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Gewerkschaften. über Sinn und Unsinn

 
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Gewerkschaften. über Sinn und Unsinn
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Danger Mines!!



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Beitrag Gewerkschaften. über Sinn und Unsinn Antworten mit Zitat
Angestossen von den letzten Beiträgen im Veranstaltungsforum dacht ich mir, dass wir vieleicht darüber diskutieren sollten.

Sinn und Unsinn von Gewerkschaften

Ne Gewerkschaft ist für mich Systemerhaltend bzw. wird sie sich wohl schlecht selber abschafften wollen. Dies ist einer der Gründe warum ich sie nicht mag.
Ein weiteres Argument wird wohl sein, dass sie die Unerträglichkeit des Arbeitslebens versucht abzustumpfen und so dem hinausziehn der Revolution vorschub leistet. Ähnlich den Sozialinstitutionen. Ruhig stellen!!

Dies soll nur ein kleiner anstoss an ne Diskussion sein.

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Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
06. April 2011, 08:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Also wenn du etwas gegen Organisationen hast, die sich nicht selbst abschaffen wollen, dann hast du dir aber schön was vorgenommen!

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argumentum ad baculum
06. April 2011, 08:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Zitat:
Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, das heißt zu endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.

Karl Marx, Lohn, Preis und Profit
06. April 2011, 09:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. Sie verfehlen ihren Zweck zum Teil, sobald sie von ihrer Macht einen unsachgemäßen Gebrauch machen. Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, das heißt zu endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.

Karl Marx, Lohn, Preis und Profit


das gefällt doch das zitat.
nun, gibt es gewerkschaften die nicht zum letzten teil dieses zitates gehören? kleinkrieg gegen die wirkung scheint mir extrem gut ausgedrückt wenn ich mir so unsere gewerkschaften anschaue...

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06. April 2011, 09:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Ja, wenn sie sich überhaupt noch zum "Kleinkrieg" durchringen können. Eine sozialpartnerschaftliche Lösung, die für alle - also vorallem für den Standort und die rentablen Arbeitsplätze - das Beste ist, lässt sich doch ganz ohne Kleinkrieg am Verhandlungstisch lösen...

Noch mehr Zitate von Marx und Engels (und umstrittene Positionen) zu den Gewerkschaften gibts übrigens hier:
http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_g/gewerkschaft.html
06. April 2011, 10:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Ja, wenn sie sich überhaupt noch zum "Kleinkrieg" durchringen können. Eine sozialpartnerschaftliche Lösung, die für alle - also vorallem für den Standort und die rentablen Arbeitsplätze - das Beste ist, lässt sich doch ganz ohne Kleinkrieg am Verhandlungstisch lösen...


ich kenn da sogar noch ein mensch, der mir mal erzählt hat, dass er an einem verhandlungstisch zwischen gewerkschafter aus der CH und Bossen gesessen hat. er musste sich echt fragen. es sei extrem ruhig zu und her gegangen. am schluss dann gingen alle ins selbe fünf stern restaurant essen. die extremste position hätte er gehabt am tisch. da er aber nur da war wegen "versicherungstechnischen" fragen, habe er ja nichts inhaltliches gesagt. aber schon recht gestaunt...

mehr als für die katz, sogar konterrevolutionär!!

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06. April 2011, 17:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag Gefällt mir gut... Antworten mit Zitat
Hallo, diese Diskussion gefällt mir wirklich gut! Ich glaube es wäre wichtig zu sehen, wieso es nicht mehr an der Zeit ist in die Gewerkschaften zu gehen, wie Marx und Engels und die meisten revolutionären Menschen und Organisationen davon überzeugt waren. Einen Erklärungsansatz zur Epochenwende, die ca. mit dem 1. Weltkrieg 1914 stattfindet, versucht die "Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands" zu geben, als man schon ziemlich deutlich erkennt, dass die Gewerkschaften nicht mehr die gleiche Rolle spielen wie noch zu Marxens Zeiten.
"Neben dem bürgerlichen Parlamentarismus bilden die Gewerkschaften das Hauptbollwerk gegen die Fortentwicklung der proletarischen Revolution in Deutschland. Ihre Haltung im Weltkrieg ist bekannt. Ihr entscheidender Einfluß auf die grundsätzliche und taktische Stellungnahme der alten Sozialdemokratischen Partei führte zur Proklamierung des „Burgfriedens“ mit der deutschen Bourgeoisie, was gleichbedeutend war mit der Kriegserklärung an das internationale Proletariat. Ihre sozialverräterische Wirksamkeit fand ihre logische Fortsetzung bei Ausbruch der November-Revolution in Deutschland, wo sie ihre konterrevolutionäre Gesinnung durch den Abschluß einer wirtschaftsfriedlichen Arbeitsgemeinschaft mit dem zusammenbrechenden deutschen Unternehmertum dokumentierten. Ihre konterrevolutionäre Tendenz haben sie während der ganzen Periode der deutschen Revolution bis zurn heutigen Tage bewahrt. Die Gewerkschaftsbürokratie ist es gewesen, die sich am heftigsten dem in der deutschen Arbeiterklasse immer stärker Wurzel schlagenden Rätegedanken widersetzte und die sich aus den ökonomischen Massenaktionen folgerichtig ergebenden politischen Tendenzen mit dem Ziel der politischen Machtergreifung durch das Proletariat erfolgreich zu paralysieren verstand. Der konterrevolutionäre Charakter der gewerkschaftlichen Organisationen ist so offenkundig, daß zahlreiche Unternehmer in Deutschland die Einstellung von Arbeitern von der Zugehörigkeit zu einem gewerkschaftlichen Verbande abhängig machen. Damit ist vor aller Welt enthüllt, daß die Gewerkschaftsbürokratie an der künstlichen Aufrechterhaltung des in allen Fugen krachenden kapitalistischen Systems tätigen Anteil nimmt. Die Gewerkschaften sind somit neben den bürgerlichen Fundamenten einer der Hauptpfeiler des kapitalistischen Klassenstaates. Daß dieses konterrevolutionäre Gebilde nicht von innen heraus im revolutionären Sinne umgestaltet werden kann, ist durch die Gewerkschaftsgeschichte der letzten anderthalb Jahre hinreichend bewiesen. Die Revolutionierung der Gewerkschaften ist keine Personenfrage. Der konterrevolutionäre Charakter dieser Organisationen liegt in der ihnen eigentümlichen Struktur und ihrem System selber. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich die logische Folgerung, daß nur die Zertrümmerung der Gewerkschaften selbst die Bahn frei macht für den Fortgang der sozialen Revolution in Deutschland. Für den sozialistischen Aufbau ist anderes notwendig als diese fossilen Organisationen." (Programm der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands, Mai 1920)


http://www.cddc.vt.edu/marxists/deutsch/geschichte/deutsch/kapd/1920/programm.htm

Dies war eine ziemlich radikale Haltung, die Lenin u.a. dazu führte, sein berühmtes (und wohl schlechtestes Buch) Der Linksradikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus zu schreiben. Dies war auch eine Stigmatisierung dieser Strömung, die dazu führte, dass sie aus der 3. Internationale ausgeschlossen wurden, obwohl es dort auch antiparlamentarische Kräfte gab, wie die schweizerische kommunistische Partei und die italienische, wo Bordiga ja die berühmte antiparlamentarische Resolution vorlegte, die leider dann nur noch von den Schweizern unterstützt wurde. Heute sollten wir uns darauf besinnen, ob der Charakter der Gewerkschaften sich seit damals wieder geändert hat, oder ob sie wie die KAPD schreibt "einer der Hauptpfeiler des kapitalistischen Klassenstaates" ist.
06. April 2011, 20:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
"daß die Gewerkschaftsbürokratie an der künstlichen Aufrechterhaltung des in allen Fugen krachenden kapitalistischen Systems tätigen Anteil nimmt"

oder auf GSP:

*beharrt sie auf ihrem Recht, eine mitwirkende Rolle bei der nationalen Erfolgsplanung zu spielen.*

aus http://www.gegenstandpunkt.com/gs/09/4/gs20094075h1.html


Die deutsche Gewerkschaft hat Geburtstag
Der DGB – sechs Jahrzehnte Dienstleistung an der nationalen Arbeit

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argumentum ad baculum
07. April 2011, 07:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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Beitrag kleine unabhängige gewerkschaften Antworten mit Zitat
etwas was mich noch interessieren würde, wie seht ihr dass;

kleine unabhängige von den arbeitern selber gegründete gewerkschaften meistens um einen betrieb herum organisiert oder kleine radikale gewerkschaften = das selbe wie grosse schon seit jahrzehnten bestehende gewerkscahften oder macht ihr da unterschiede?

in länder in denen es bisher keine gewerkschaften gibt, leute die anfangen sich zu organisieren auch scheisse oder ein erster ev. auch falscher schritt aber mit guten absichten?

auf was ich hinauswill ist, dass die grossen gewerkschaften scheisse sind, haben wir ja mitlerweile herausgefunden... wie sieht es aber in "spezial-situationen" aus?? oder wie wäre eine gewerkschaft heute sinnvoll??

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07. April 2011, 10:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
Scheisse wofür? Mal in die Work Zeitung der Unia reingeschaut? Da gibt es so Arbeiter, die profitieren von der automatisch bei der Mitgliedschaft erworbenen Rechtschutzversicherung und so Zeug. Da nimmt die Unia die Mittel in die Hand um den Chef vor Gericht zu ziehen und die Lohnzahlungen zu erzwingen. Also eben man kann sich durchaus an das Marx Zitat halten was die Beurteilung vno Gewerkschaften betrifft. Für Arbeiter IN DIESEM SYSTEM sicher nützlich, zur Überwindung des Systems eher nicht. Und das ist ihr Fehler, nicht ein der Organisation angeborene Schwäche oder sowas.

Und man muss sich auch vor Augen halten: Konkurrenzveranstaltungen in Sachen Arbeitervertretung schwächen die Position der nationalen Gewerkschaft in Sachen Erpressungs/Verhandlungsmacht.

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07. April 2011, 10:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
der polizeiverband sollte sich auch mal zur gewerkschaft erklären :D

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Polizisten-verteilen-90-Tage-lang-keine-Bussen/story/11199247

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argumentum ad baculum
08. April 2011, 08:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag @ Käptn Kiff: Haben die Gewerschaften eine Doppelfunktion? Antworten mit Zitat
Zitat:
Scheisse wofür? Mal in die Work Zeitung der Unia reingeschaut? Da gibt es so Arbeiter, die profitieren von der automatisch bei der Mitgliedschaft erworbenen Rechtschutzversicherung und so Zeug. Da nimmt die Unia die Mittel in die Hand um den Chef vor Gericht zu ziehen und die Lohnzahlungen zu erzwingen. Also eben man kann sich durchaus an das Marx Zitat halten was die Beurteilung vno Gewerkschaften betrifft. Für Arbeiter IN DIESEM SYSTEM sicher nützlich, zur Überwindung des Systems eher nicht. Und das ist ihr Fehler, nicht ein der Organisation angeborene Schwäche oder sowas.


Ich bezweifle stark, dass die Gewerkschaften heute noch eine Doppelfunktion haben, wie das einige linke Richtungen weiterhin behaupten. Vielmehr sind sie, wie das schon die KAPD 1920 festhielt (siehe oben), zu einem festen Bestandteil des kapitalistischen Unterdrückungstaats geworden. Darauf reagierten einige sich sehr kritisch gebende linke Richtungen, wie die Trotzkisten, indem sie behaupteten, dass die Gewerkschaften eine Doppelfunktion hätten:
In "ruhigen" Zeiten, wenn es nicht zu bedeutenden Kämpfen kommt, verteidigten die Gewerkschaften die Arbeiterklasse gegen die Unternehmer, in Perioden sozialer Gärung treten sie jedoch auf die Seite der Unternehmer und ergriffen gegen die Arbeiterklasse Partei. Die Gewerkschaften seien zwar gegen die Revolution, aber nicht gegen die Arbeiterklasse. Diese Argumentation verteidigt in indirekter Form die Gewerkschaften und vermittelt gleichzeitig den Anschein, sie abzulehnen. Dies war im Mai 1968 beispielsweise die Position der französischen Gruppe Pouvoir Ouvrier (Arbeitermacht), deren Plattform die folgenden Ausführungen enthält: "In der gegenwärtigen Etappe haben die Gewerkschaften in den meisten kapitalistischen Ländern objektiv eine Doppelfunktion: - die Verteidigung der unmittelbaren Interessen der Lohnabhängigen gegen die Unternehmer; - die Verteidigung der kapitalistischen Gesellschaft, deren Grundlage sie akzeptieren gegen jede Aktion der Arbeiter, die für diese eine Bedrohung darstellen würde." (Pouvoir Ouvrier, Nr. 90, Mai `68)

Dieser Gedanke bringt nicht mehr Scharfsinn zum Ausdruck als jener, wonach die Polizei einerseits den Interessen der Arbeiter dient, wenn sie diese davor bewahrt, im Meer zu ertrinken, und andererseits, wenn sie streikende Arbeiter niederknüppelt, dem Kapitalismus dient.


Der Klassencharakter einer Organisation kann nicht anhand ihres Verhaltens in Perioden des "sozialen Friedens" bestimmt werden, wenn sich das Proletariat sowohl in ideologischer als auch in ökonomischer Hinsicht widerstandslos der Macht der Bourgeoisie unterordnet. Nur in Zeiten offener Klassenkonfrontationen lässt sich der Charakter einer Organisation eindeutig bestimmen.

Die Rolle der Gewerkschaften wird deutlich, wenn man sich anschaut, wie sie anlässlich jeder sich ausweitenden Streikbewegung die Kontaktaufnahme unter den Arbeitern verschiedener Betriebe verhindern, wie sie deren Forderungen verfälschen, wie sie vortäuschen, dass anderswo die Arbeit wieder aufgenommen worden sei, um Streikende zum Streikabbruch zu bewegen. Kurzum, wenn sie ihre Streikbrecherfunktion wahrnehmen, zeigen sie ihr wahres Gesicht und ihr Klassencharakter tritt klar hervor. Sowohl die von ihnen in ruhigen Perioden ständig vorgeführte Komödie der Tarifverhandlungen, in der sie sich als Anwalt der Arbeiterklasse aufspielen, als auch die Gewissenhaftigkeit, mit der sie das Arbeitsrecht anwenden (jenes Recht, das die Modalitäten der Ausbeutung des Proletariats festlegt) - all dies macht deutlich, dass die Gewerkschaften nicht Vertreter der Arbeiterklasse gegenüber dem Kapital sind, sondern Funktionäre des Kapitals, die ihr Unwesen in der Arbeiterklasse treiben. Sie sind dazu da, den normalen und "ordnungsgemäßen" Ablauf des Ausbeutungsprozesses aufrechtzuerhalten. Die angesichts der allerschlimmsten Willkürakte des Kapitals von den Gewerkschaften vergossenen Krokodilstränen, die ihren Mythos als Interessenvertreter der Arbeiter begründen (eine Idee, die von den Links-extremen auf "kritische" Weise geteilt wird), sind nichts weiter als eine notwendige Voraussetzung für die Effektivität ihrer arbeiterfeindlichen Politik im Falle realer Konflikte.


So, wie die Polizisten Ertrinkende retten oder den Straßenverkehr regeln, um ihre eigentliche Funktion als Repressionsorgan gegen kämpferische Arbeiter zu rechtfertigen, so nehmen die Gewerkschaften ihre Funktion der "Sozialfürsorge" für die Arbeiter und ihre Rolle als Sicherheitsventil zum Zweck der Ableitung von "Überdruck" wahr, um in Konfliktzeiten im Namen der "Arbeiterinteressen` ihre wahre Rolle auszuüben - die Eindämmung und Unterdrückung von Arbeiterkämpfen.

Einige Beispiele:
"Zusammenstöße zwischen Gewerkschaften und Arbeitern sind zu einem wesentlichen Merkmal jedes konsequenten proletarischen Kampfes geworden. Seit 1919, als die Gewerkschaften an der blutigen Niederschlagung des Berliner Arbeiteraufstandes teilgenommen hatten, ist die Geschichte der wichtigsten Arbeiterkämpfe durch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen dem Proletariat und den gewerkschaftlichen Organisationen gekennzeichnet. Seit dem Wiederaufflammen des Klassenkampfes 1968 hat sich dieses Phänomen in allen Ländern nur noch weiter verstärkt. Der große Streik im Mai 1968 in Frankreich begann ohne die Gewerkschaften; in Italien warfen die Arbeiter während des "heißen Sommers" 1969 die Gewerkschaftsdelegierten aus den Vollversammlungen heraus; in England waren die meisten Streiks, deren Anzahl seit Anfang der 60er Jahre und besonders zwischen 1968 und 1972 sprunghaft in die Höhe geschnellt war, so genannte "wilde Streiks", d.h. gegen die Gewerkschaften gerichtet; in Belgien kam es nach 1970 immer häufiger zu antigewerkschaftlichen Streiks, die 1973 mit dem Sturm der streikenden Hafenarbeiter Antwerpens auf das Gewerkschaftshaus ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten." (Aus: "Die Gewerkschaften gegen die Arbeiterklasse, Broschüre der IKS, 1985)
Weitere aktuellere Beispiele sind die Auseinandersetzungen in Griechenland, wo 2008 das Gewerkschaftshaus besetzt werden musste, um dem Klassenkampf der Gewerkschaften gegen die Arbeiterinnenklasse, vorläufig einen Riegel zu schieben.

http://de.internationalism.org/node/1728

2010 haben die Arbeiter in Frankreich massiv gegen die Rentenkürzungen demonstriert und gestreikt, welche die Gewerkschaften zwar auch unterstützen, aber mit der Einschränkung, dass das Heraufsetzen des Rentenalters schon heraufgesetzt werden müsse aber nicht so...

siehe auch den Aufruf von denen, die daran teilgenommen haben: Aufruf an die Beschäftigten, Arbeitslosen, Studenten und prekär Beschäftigten Europas



http://de.internationalism.org/IKSonline2010_aufrufvollversammlung

Und die Schweiz:
Man kann sich nur kurz an drei Ereignisse erinnern, die bezeichnend waren, wie die Gewerkschaften, namentlich die UNIA die Arbeiterkämpfe sabotierten:
Reconvilier 2006, Bellinzona 2008 und ein letztes Beispiel war der Kampf um die Kartonfabrik Deisswil, wo im Buch „der geplante Tod einer Fabrik“ von den proletarischen Aktivisten sehr gut dargelegt wird, wie die Gewerkschaft die Kämpfe sabotierten. Einschränkend muss noch gesagt werden, dass in Bellinzona aufgrund dessen, dass die Arbeiterklasse den Kampf weitgehend in ihren Händen behalten konnte, die Sabotagearbeit der Gewerkschaften nicht so sehr gelang (siehe auch: Streik bei SBB Cargo: Die Arbeiter dürfen den Kampf nicht aus der Hand geben!

http://de.internationalism.org/node/1612

Ich denke, dass man noch viele Bücher schreiben könnte, die beweisen, wie die Gewerkschaften schon seit langem ihre „Doppelfunktion“ verloren haben. Wichtig ist aber heute zu diskutieren, was sind die Alternativen dazu.
08. April 2011, 21:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag @ Danger Mines: grosse Gewerkschaften = Scheisse ? Antworten mit Zitat
Zitat:
auf was ich hinauswill ist, dass die grossen gewerkschaften scheisse sind, haben wir ja mitlerweile herausgefunden... wie sieht es aber in "spezial-situationen" aus?? oder wie wäre eine gewerkschaft heute sinnvoll??


Nun ja, es gibt so kleinere Gewerkschaften, ich kenne vor allem die in Italien, die COBAS (comitati di base), die bis jetzt nicht unbedingt eine gloriose Rolle gespielt haben. Es gab aber kürzlich in Mailand eine Konferenz, wo ca. 500 Leute teilnahmen, die alle so eine 20 oder 30 jährige Praxis als Basisgewerkschafter haben. Ich kann darauf zurückkommen. Was mich aber interessiert ist, ob du vielleicht einige positive Beispiele von kleinen Gewerkschaften hast oder von Leuten die versuchen irgendwie politisch im Sinne der Arbeiterinnenklasse tätig zu bleiben.

Was Spezialsituationen angeht in Ländern wo es praktisch nur staatliche Gewerkschaften gab wie im Ostblock oder bis vor kurzem in Ägypten, stellt sich bei letzterem Land jetzt die Frage, wie die neuen unabhängigen Gewerkschaften sich entwickeln werden. Wie sich die Gewerkschaften im ehemaligen Ostblock entwickelt haben, sieht man bis heute am Deutlichsten in Polen, wo eine der radikalsten Gewerkschaften kurz nach dem Sturz des Stalinismus zu einem der schärfsten Sparprogramme nach den 80er-Jahren gegriffen hatte, als sie an der Macht waren, um angeblich die nationale Wirtschaft wieder auf Damm zu bringen.


Zu hinterfragen wäre aber noch die syndikalistischen Strömungen wie die IWW (Wobblies), die bis auf den heutigen Tag, weitgehend eine Organisation der Arbeiterklasse bleibt. Darum meine Ausgangsfrage "grosse Gewerkschaften = Scheisse ?"

Vielleicht können wir das ja hier einmal Punkt für Punkt abbarbeiten...
13. April 2011, 20:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Dieser Gedanke bringt nicht mehr Scharfsinn zum Ausdruck als jener, wonach die Polizei einerseits den Interessen der Arbeiter dient, wenn sie diese davor bewahrt, im Meer zu ertrinken, und andererseits, wenn sie streikende Arbeiter niederknüppelt, dem Kapitalismus dient.


Die retten auch Kapitalisten das Leben. Die Gewerkschaft als Teil vom kapitalistischen Unterdrückungsstaat zu bestimmen, da fehlt noch was das Wesentliche einer Gewerkschaft sein soll, weil der kapitalistische Unterdrückungsstaat hat ja nicht nur einen Teil, die Gewerkschaft, also was soll man da jetzt über die Gewerkschaft wissen? Die Gewerkschaften "leisten Widerstand gegen die Gewalttaten des Kapitals".. nicht zu verwechseln mit Widerstand gegen den Kapitalismus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Gewerkschaft

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13. April 2011, 23:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag hohoho Antworten mit Zitat
http://neoprene.blogsport.de/2011/04/13/7-5-11-berlin-ver-di-peter-decker-labournet-sechs-jahrzehnte-dgb-klassenkampf-oder-kooperation/

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14. April 2011, 10:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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http://raumgegenzement.blogsport.de/2011/06/17/heinz-langerhans-richtungsgewerkschaft-und-gewerkschaftliche-autonomie-1957/

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
18. Juni 2011, 17:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ofenschlot: Material zur Kritik der Gewerkschaften:
http://ofenschlot.blogsport.de/2011/06/27/material-zur-kritik-der-gewerkschaften/
http://ofenschlot.blogsport.de/2011/06/26/gedaechtnisstuetze-zur-kritik-der-gewerkschaften/
27. Juni 2011, 21:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Die Gewerkschaften

Die Gewerkschaften sind im 19. Jahrhundert als „Sammelpunkte des Widerstandes gegen die Gewalttaten des Kapitals“ (Karl Marx) entstanden, um auf der Grundlage des Appells an die Solidarität und die gegenseitige Hilfe die Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse zu verbessern. Mit der Entwicklung des Kapitalismus setzte sich in den Gewerkschaften zunehmend eine sozialreformerische Tendenz durch, die die gewerkschaftlichen Organisationen mehr und mehr der kapitalistischen Logik unterordnete. Die Gewerkschaften wandelten sich zu staatstragenden bürokratischen Apparaten, die sich dem Kapital als Verhandlungspartner und Ordnungsfaktoren unentbehrlich machten. Wir sehen diesen Prozess nicht als das Werk „böser Führer“, sondern als logische Konsequenz des „gewerkschaftlichen Grundanspruchs“, auf „gleicher Augenhöhe“ mit den Kapitalisten die Geschäftsbedingungen des Verkaufs der Ware Arbeitskraft verhandeln zu wollen. Heute fungieren die Gewerkschaften auf der Grundlage der politischen Akzeptanz des Lohnsystems als bürgerliche Vermittlungsinstanzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Sie sehen sich nicht mehr ausschließlich der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitglieder, sondern in erster Linie dem reibungslosen Funktionieren der Nationalökonomie verpflichtet. Eine wirksame Verteidigung proletarischer Interessen ist im engen, auf Akzeptanz kapitalistischer Sachzwänge, gestrickten Rahmen der Gewerkschaften nicht möglich.
Dem gewerkschaftlichen Credo „ein gerechter Lohn für ein gerechtes Tagewerk“ setzten die Revolutionäre die Losung entgegen: “Nieder mit der Lohnarbeit!“



Aus der politischen Plattform der GIS die Wirken bereits anderswo verlinkt hat.
30. Juni 2011, 13:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag Ein bisschen Geschichte... Antworten mit Zitat
Zitat:
The numerical strength and the social weight of the unions has' grown continually since 1914 and if in some countries, like France, their numerical strength has considerable diminished in the course of the last few years their importance has continued to grow. It has been said that the disaster of 1914 was necessary for the unions to really come into their own. This is because until that time capitalism feared the unions as a destructive force and had not yet seen - except perhaps in England - the collaborative role that unions could play.But since the end of the first world war numerous experiences of ''worker's control'' in the factories have surprised the capitalists by their satisfactory effects. ''Worker's control'' has attenuated the struggle of workers against capital, facilitating the operation of the factories and above all increasing output. The unions stood out not only as defenders of the fatherland - that specifically capitalist entity - but as effective collaborators in the mechanism of exploitation itself. That made their fortune and opened as yet unsuspected horizons to them. However, it was during the years 1936-1937-years which for many reasons were a very important landmark in the history of the international workers' movement that the unions took on their definitive orientation. In this period they displayed the qualities thanks to which they have become one of the most solid pillars of capitalist society.

Auszug aus: Unions against revolution - G. Munis
http://libcom.org/library/unions-against-revolution-g-munis

G. Munis gehört zu den linkskommunistischen Revolutionären, weil er einer der wenigen Trotzki Anhänger war, die den Internationalismus vor und während dem 2. Weltkrieg nicht verraten haben.
Was seine Position zu den Gewerkschaften angeht, hat seine Gruppe, formento obrero revolucionario, bei einem Gespräch mir gegenüber behauptet, dass die oben genannte Position der GIS, die wiederum von Battaglia comunista stammt, eine historische italienische linkskommunistische Gruppierung, von ihnen abgekupfert hätten.
Entgegen diesen copyright Streitereien, glaube ich, dass es schon bei der KAPD solche Positionen gab. Auf jeden Fall waren das ja konkrete Erfahrungen der Arbeiterklasse, die Anfangs des 20. Jahrhunderts gemacht wurden, die einen theoretischen Rahmen brauchten, um den Sinn oder Unsinn der Gewerkschaften zu verstehen.
01. Juli 2011, 09:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Re: hohoho Antworten mit Zitat
Käptn Kiff hat Folgendes geschrieben:
http://neoprene.blogsport.de/2011/04/13/7-5-11-berlin-ver-di-peter-decker-labournet-sechs-jahrzehnte-dgb-klassenkampf-oder-kooperation/


Die Podiumsdiskussion ist online. Von Verdi ist leider niemand gekommen, also nur Mag Wom­pel (La­bour­Net) und Peter De­cker (Ge­gen­Stand­punkt). Reinhören lohnt sich trotzdem!

http://www.archive.org/details/SechsJahrzehteDgbKooperationOderKlassenkampf

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
25. Juli 2011, 10:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
danke für den hinweis, ich merke mir das immer vor und vergesse es dann umgehend. super wenn einer für die aufzeichnungen wirbt anstatt die veranstaltungen =)

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argumentum ad baculum
25. Juli 2011, 11:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Beitrag Re: hohoho Antworten mit Zitat
ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Käptn Kiff hat Folgendes geschrieben:
http://neoprene.blogsport.de/2011/04/13/7-5-11-berlin-ver-di-peter-decker-labournet-sechs-jahrzehnte-dgb-klassenkampf-oder-kooperation/


Die Podiumsdiskussion ist online. Von Verdi ist leider niemand gekommen, also nur Mag Wom­pel (La­bour­Net) und Peter De­cker (Ge­gen­Stand­punkt). Reinhören lohnt sich trotzdem!

http://www.archive.org/details/SechsJahrzehteDgbKooperationOderKlassenkampf


Peter Decker hat da in diesem Vortrag bzw. in der Debatte etwas sehr richtiges gesagt. Nämlich sinngemäss etwa so, dass die Arbeiter heute gar nicht in der Lage sind, rein gewerkschaftlich etwas für sich rauszuholen, wenn sie nicht gleichzeitig darauf scheissen, ob es ihr Gegner überhaupt überlebt oder der Standort danach noch konkurrenzfähig ist, was wiederum auch nur machbar ist, wenn man die revolutionäre Drohung in der andern Hand bereit hält.

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
25. Juli 2011, 12:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Zitat:
Zwei ehemalige Mitarbeiter aus unterschiedlichen Sektionen beklagen die Arbeitsbedingungen bei der Unia. Sie hätten enorm unter Druck gestanden. Der Teamleiter habe ihn stark gedrängt, neue Mitglieder zu beschaffen, sagt der eine. Gegen Ende des Jahres, als sich abzeichnete, dass das verlangte Ziel nicht erfüllt werden kann, sei die Stimmung nicht mehr auszuhalten gewesen. Der Teamleiter sei autoritär aufgetreten, habe ihm mit der Entlassung gedroht, wenn er die Ziele verfehle.

Beim zweiten früheren Unia-­Sekretär war es Enttäuschung, die ihn veranlasste zu kündigen. Er sei aus ­idealistischen Gründen zur Unia gegangen, weil er sich für die Rechte der Arbeiter einsetzen wollte. Doch dann habe er fast nichts mehr anderes gemacht, als Mitglieder anzuwerben. «Ich kam mir vor wie ein Verkäufer von Handy-Abos.» Mit gewerkschaftlicher Arbeit habe das nichts zu tun gehabt.



http://www.tageswoche.ch/de/119/schweiz/531090/unia-setzt-mitarbeiter-unter-druck.htm

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Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
15. April 2013, 07:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Hier ein Gegencomunique einiger Telecom ArbeiterInnen in Italien zum offiziellen Comunique der Gewerkschaften (leider nur auf italienisch)

Zitat:
Sinceramente pensiamo che i sindacati siano collusi, e che non facciano più realmente gli interessi dei
lavoratori, li troviamo scarsamente rappresentativi, e molte volte ci pare che vivano in un altro mondo
rispetto alla realtà che vivono i lavoratori tutti i giorni sul posto di lavoro.
E’ per questi motivi che chiediamo le immediate dimissioni dei rappresentanti sindacali regionali e nazionali
di tutte le sigle.
Facciamo presente che, data la situazione, siamo pronti a dare in blocco disdette dei tesseramenti sindacali
che, ad oggi, non ci rappresentano come dovrebbero.

I LAVORATORI TELECOM ITALIA DI NOVARA, VERBANO/CUSIO/OSSOLA, BIELLA e VERCELLI


http://www.controcomunicando.net/comunicati/lettera%20novara%20ecc.pdf

(Kurz zusammengefasst: Wir glauben, dass die Gewerkschaften "eingewickelt" sind. Sie sind nur noch schwach repräsentativ und nehmen nicht mehr die Interessen der Arbeiter wahr. Sie leben in einer anderen Welt als wir Arbeiter sie tagtäglich am Arbeitsplatz erleben.
Aus diesem Grunde fordern wir den unmittelbaren Rücktritt aller Gewerkschaftsmitglieder aller Gewerkschaften auf regionaler und nationaler Ebene. ... Sie wollen auch alle ihre Mitgliederausweise zurückgeben, da die Gewerkschaften die Arbeiter nicht mehr repräsentieren.)

Ist jetzt schon wieder einige Zeit her, aber jetzt wo der 1. Mai naht, werden die Gewerkschaften wieder allerlei "arbeiterfreundliches" Zeug schwafeln. Diese Arbeiter haben ein stückweit schon begriffen, dass das falsche Freunde sind!
26. April 2013, 14:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Unia kopiert US-Gewerkschaft Antworten mit Zitat
Zitat:
Bereits sechs Mitarbeiter hat die Unia Region Zürich-Schaffhausen in den letzten 24 Monaten zur Gewerkschaft «Unite Here» in die Vereinigten Staaten geschickt.


http://www.srf.ch/news/wirtschaft/unia-kopiert-us-gewerkschaft

Heute Abend läuft übrigens "Gewerkschaften – Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit" auf SRF im ECO um 22.20

Bein Stichwort "Union Busters" sind mir übrigens sofort die Jungs hier eingefallen:
[/quote]

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29. April 2013, 12:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Was UnterstützerInnen von Arbeitskämpfen von der Gewerkschaft zu erwarten haben kann man an dieser 1. Mai von IGBCE-Chefs Vassiliadis ablesen. Er bezieht sich auf den Neupack-Streik (vgl. Deutschland-Thread) und dort auf den UnterstützerInnen-Kreis:

Zitat:
"Ein anderes Phänomen, das uns rund um Neupack begegnet, kennen wir
allerdings auch schon aus der Geschichte der Arbeiterbewegung. Das sind
die sektiererischen und ideologischen Gruppen, die ihr eigenes übles
Süppchen in solchen Konflikten kochen.
Da wird versucht, Belegschaft und Gewerkschaft zu spalten. Da wird
versucht, aus dem Arbeitskampf einen Klassenkampf zu machen, der nur mit
dem vollständigen Sieg oder der heroischen Niederlage enden kann – ohne
Rücksicht auf die Leute, die man genauso verantwortungslos für die
eigenen Zwecke missbraucht, wie das auch die Neupack-Bosse nicht anders tun.
• Weil unsere Kollegen aus der Streikleitung auf wirklich boshafte Weise
lügnerisch und persönlich angegriffen und verunglimpft werden,
• weil die genannte Szene schon dabei ist, eine Verratslegende zu
verbreiten,
• weil versucht wird, Neupack zu nutzen, um unsere Politik insgesamt zu
diskreditieren, ist es erforderlich, dazu in aller Klarheit Position zu
beziehen.
Deshalb sage ich:
• Weder lassen wir uns von diesen Sektierern treiben, noch haben wir
vergessen, was sie in der Geschichte der Arbeiterbewegung und auch in
den Diktaturen des so genannten real existierenden Sozialismus
angerichtet haben.
[...]
Sozialpartnerschaft ist für uns die beste und intelligenteste Form des
Interessenausgleichs zwischen Kapital und Arbeit.

https://www.igbce.de/download/224-29784/1/rede-vassiliadis-beirat-24-04-2013.pdf


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"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
02. Mai 2013, 08:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Die Gewerkschaften in der Schweiz wurden im Rahmen des 1. Mai bei SRF diskutiert:

«Spezial»: Gewerkschaften – Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

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02. Mai 2013, 09:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag 10vor10 deckt auf: Streik ist keine Sonntagsschule... Antworten mit Zitat
http://www.srf.ch/player/tv/10vor10/video/streik-nicht-immer-freiwillig?id=15f9c73c-0416-45a6-b746-ff87a70b3924

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09. Oktober 2013, 12:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Re: 10vor10 deckt auf: Streik ist keine Sonntagsschule... Antworten mit Zitat
ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
http://www.srf.ch/player/tv/10vor10/video/streik-nicht-immer-freiwillig?id=15f9c73c-0416-45a6-b746-ff87a70b3924


Nicht, dass man mit der Unia solidarisch sein müsste. Aber dieser Beitrag ist schon dreist, gerade wenn man weiss, dass Streikende in Schaffhausen von Seiten der Unternehmer massiv unter Druck gesetzt (falls Lehrlinge Prüfung nicht bestehen seien sie schuld, usw.) und ihre Familie angerufen wurden (wo ist ihr Mann?), usw. Es ist einfach schlechter Journalismus. Man hätte ja mindestens recherchieren können, dass Streikende genauso Repressalien ausgesetzt sind. Aber gut, was reg ich mich auf. Eine andere Darstellung zu erwarten von 10 vor 10 wäre reichlich naiv.

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10. Oktober 2013, 21:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ex-Mitarbeiter werfen Unia in der BaZ sektenhaftes Controlling vor. Kleingewerkschaft "Basis 21" demonstriert vor Basler Gewerkschaftshaus: http://mobile2.bazonline.ch/articles/31640563

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02. Juni 2015, 11:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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