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Libyen

 
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Libyen
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lazlo wanda



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Beitrag Libyen Antworten mit Zitat
Nach den anderen Maghreb Staaten soll es nun auch für Libyen einen Thread geben:

Protest in Libyen
In der ostlibyschen Hafenstadt Bengasi ist es zu Protesten gekommen. Auslöser war die Verhaftung eines regimekritischen Anwalts. Für heute Mittwoch wird die Freilassung von über 100 politischen Gefangenen angekündigt.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/protest_in_libyen_1.9547675.html

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16. Februar 2011, 11:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/243905.unruhen-nun-auch-in-libyen.html

Zitat:
Die Protestbewegung gegen autoritäre Regime in der arabischen Welt hat erstmals Libyen erfasst. Mehrere Hundert Menschen begehrten in Bengasi gegen Machthaber Ghadhafi auf.

Gegen 2000 Regierungsgegner gingen in der libyschen Hafenstadt Bengasi auf die Strasse, um den Rücktritt der Regierung von Revolutionsführer Muammar Ghadhafi zu fordern. Dies berichten libysche und ausländische Medien übereinstimmend. Aus regierungsnahen Kreisen hiess es lediglich, es habe sich um «15 junge Menschen» gehandelt.

Auf der Internet-Plattform Youtube wurden jedoch Amateurvideos veröffentlicht, auf denen im Dunkeln Hunderte von Männern und Frauen zu sehen sind, die rufen: «Das Volk will den Sturz des Regimes» und «Ghadhafi, raus, raus!»

Zusammenstösse mit Verletzten
Die Zeitung «Qurina», die von Ghadhafis Sohn Seif al-Islam gegründet worden war, berichtete, Demonstranten hätten Steine auf Polizisten geworfen. Die Sicherheitskräfte setzten demnach Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Es gibt auch Berichte über Strassenschlachten zwischen Befürwortern und Gegnern der Regierung.

Die Proteste in Bengasi seien durch die Festnahme eines regierungskritischen Anwalts ausgelöst worden, berichtete der britische Sender BBC. Der Anwalt sei später wieder freigekommen, die Proteste hätten aber angedauert.

Auf der sozialen Internet-Platform Facebook gibt es einen Aufruf zu Grossdemonstrationen in allen libyschen Städten für Donnerstag.

Mögliche Freilassung von politischen Gefangenen
Als mögliches Zugeständnis der Regierung zu verstehen wäre, dass die Regierung inzwischen angekündigt hat, 110 regierungskritische Gefangene freizulassen, wie ein libyscher Menschenrechtsaktivist gegenüber Reuters sagte. Es handle sich um Mitglieder einer verbotenen islamistischen Gruppe.

Massenbewegungen haben seit Anfang des Jahres die Regierungen in Tunesien und Ägypten gestürzt. Demonstrationen gegen Regierungen in arabischen Ländern gab es zudem in Algerien, Jordanien, im Sudan, in Jemen und Bahrain. (brar)
Weiterführender Link zum Beitrag:

* Video: Nächtliche Protese in Bengasi


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16. Februar 2011, 11:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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16. Februar 2011, 22:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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auf:
http://english.aljazeera.net/watch_now/
waren grad demonstranten zu sehn mit gelben helmen auf dem kopf. scheinen arbeiter zu sein, die die schnautze voll haben. daneben über 84 tote...

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19. Februar 2011, 14:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Aljazeera live from #Benghazi: Reports that last army camp in the city has been overrun by protesters #Feb17 #Libya

Reports that Tobruk airport in #libya is completely under ppl's control #feb17 and they refuse negotiating with gaddafi till he's out

wenn das wahr ist....!! geilomat

gefunden hier:

http://twitter.com/ChangeInLibya

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19. Februar 2011, 15:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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auf aljazeera:

February 19

1:10pm A source inside Benghazi tells Al Jazeera that the situation remains tense there today:

People woke up this morning with dozens of bodies and burnet vehicles in the streets. Snipers are still active in central Benghazi whilst other parts are completely liberated.

A funeral will go out from Al Jalaa Hospital and (perhaps) ... over 120 bodies are there. No details from other towns as mobile networks are very limited.

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19. Februar 2011, 15:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Der Thread bei libcom zu Libyen:

http://libcom.org/forums/news/protests-libya-17022011

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19. Februar 2011, 17:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Was geht da ab??
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/ghadhafi_schwer_angeschlagen_1.9629168.html

"Benghazi und weitere Städte im Osten Libyens befinden sich offenbar in der Hand von Aufständischen. Das Ghadhafi-Regime ist damit schwer angeschlagen, weil im Osten das meiste Erdöl gefördert wird. Die Lage in Tripolis ist unklar."

Libyen scheint auseinanderzufallen.

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21. Februar 2011, 15:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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21. Februar 2011, 15:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Live-Blog:
http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2011/02/17/live-blog-libya

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21. Februar 2011, 15:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Lybien ist einer der Hauptexporteure des Öls für Europa. Das kann noch Lustig werden. Der DAX stürzt zu Zeit grad ab, weil das Öl neue Höchstpreise hat. Das wird alles noch sehr Lustig werden.

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
21. Februar 2011, 15:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Während die Kurse weiter fallen, kriegt man sowas zu lesen:

http://www.ftd.de/politik/international/:unruhen-in-nordafrika-massenflucht-westlicher-konzerne-aus-libyen/60015034.html

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21. Februar 2011, 16:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Banlieusard



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Beitrag Solidemo in ZH Antworten mit Zitat
http://www.facebook.com/home.php#!/event.php?eid=195678583789184




Mittwoch, 23. Februar · 18:00 - 21:00

--------------------------------------------------------------------------------

Ort Brükliplatz, zürich

--------------------------------------------------------------------------------

مظاهرة لتأييد الشعب الليبي وذلك يوم الاربعاء في تمام الساعة السادسة مساء، والمكان هو
Brükliplatz
رجاء الحضور لمساندة اخوتنا في ليبيا

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“Der reissende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig!” (B. B.)
www.banlieue.blogsport.de
22. Februar 2011, 20:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Savo



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Zitat:
Allerdings konnte CNN-Korrespondent Ben Wedeman ohne Schwierigkeiten von Ägypten nach Ostlibyen einreisen. Der libysche Staatschef habe die Kontrolle über den Osten an die Regierungsgegner verloren, berichtet er. An der Grenze habe ein junger Mann in Zivil mit einem umgehängten Kalaschnikow-Sturmgewehr nach den Papieren gefragt, berichtet der US-Fernsehsender auf seiner Website. «Wofür?», habe Wedemans Fahrer entgegnet. «Es gibt doch keine Regierung mehr. Wozu dann also?» Auf libyscher Seite habe es dann keinerlei Kontrollen mehr gegeben
tagesanzeiger

;-)

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
22. Februar 2011, 23:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_in_Libyen_2011
23. Februar 2011, 16:38 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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Libysche diplomaten in dehli sind geschlossen auf die seite der protester gewechselt. botschaft in paris ist besetzt, bullen lassen niemanden rein oder raus!!

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25. Februar 2011, 12:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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All diplomats at the Libyan embassy in New Delhi have now defected. Not just the ambassador but the entire embassy Al Jazeera has learned. An excerpt of the press release sent to Al Jazeera:

dqs dokument ist zu sehn unter:

http://blogs.aljazeera.net/africa/2011/02/24/live-blog-libya-feb-25


anscheinend haben sich andere diplomaten angeschlossen unter anderem die aus frankreich.

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25. Februar 2011, 14:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Die Leute organisieren sich halt selber...

Überleben in Benghasi (10 vor 10)

Die Leute gründen Militärräte oder Steuerungskomitees (siehe 10 vor 10-Bericht ab ca. 04.50)...



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01. März 2011, 23:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Melnitz hat Folgendes geschrieben:
Die Leute organisieren sich halt selber...

Überleben in Benghasi (10 vor 10)

Die Leute gründen Militärräte oder Steuerungskomitees (siehe 10 vor 10-Bericht ab ca. 04.50)...



Dieses Bild wird in naher Zukunft vielleicht noch wichtig werden.

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02. März 2011, 09:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Libyen und der Imperialismus
http://www.jungewelt.de/2011/03-01/048.php

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
02. März 2011, 11:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Savo



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krieger-joschka macht sich sorgen...:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Keine-Idee-kein-Plan-keine-Initiative/story/23254936

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
08. März 2011, 22:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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http://de.internationalism.org/IKSonline2011_libyen032011
14. März 2011, 20:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Savo hat Folgendes geschrieben:
http://de.internationalism.org/IKSonline2011_libyen032011


word good

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argumentum ad baculum
15. März 2011, 10:17 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Gaddhafi wird sich wohl tatsächlich durchsetzen...

Wie die Katastrophe in Japan Ghadhafi hilft

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16. März 2011, 13:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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der sagte von anfang an er werde die rebellen fertig machen und die würden sich noch wundern. nur weil die medien den als blutrünstigen vollirren hinstellen ist der nicht blöd, der war 42 jahre in lybien an der macht, dem glaube ich aufs wort wenn er sagt er trete die rebellen in die tonne.

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argumentum ad baculum
16. März 2011, 14:43 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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und die eu ringt sich auch nicht zu einer entscheidung durch, wenn das nicht schon vorher klar war!!

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16. März 2011, 14:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Käptn Kiff



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was denn für ne entscheidung?

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argumentum ad baculum
16. März 2011, 14:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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ich würde meinen, in den nächsten 24h gibts krieg.

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17. März 2011, 20:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Übrigens ganz interessante Karte zur Geschichte linker Bewegungen im Nahen Osten (1960er/1970er-Jahre) bei Kalima:

http://daeva.blogsport.eu/2011/03/17/karte-links-naher-osten/

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17. März 2011, 22:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Zitat:
Die Staaten des UN-Sicherheitsrats haben soeben die Resolution gegen das Ghadhafi-Regime gutgeheissen. Somit wird über Libyen eine Flugverbotszone errichtet. Die Resolution beinhaltet ausserdem «alle nötigen Massnahmen», um Zivilisten zu schützen.

10 Staaten, darunter die USA, haben die Resolution mit ihren Stimmen gutgeheissen. Kein Staat stimmte gegen die Resolution. 5 Staaten, darunter China und Russland, haben sich enthalten.


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17. März 2011, 23:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Dass es da kein Veto von Russland oder China gab. Das läuft jetzt wohl darauf raus, dass da eine dem Westen freundlich gesinnte - wohl demokratische - Herrschaft ins Werk gesetzt wird.

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Power to the Pöbel!
18. März 2011, 02:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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welche interessen stecken hinter diesem entscheid der einzelnen nationen?

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18. März 2011, 10:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
gero



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Und vor allem, warum hat sich Frankreich so stark dafür eingesetzt?

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Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.
18. März 2011, 15:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beitrag Antworten mit Zitat
Frankreich hat schon relativ früh auf die Rebellen gesetzt und als erstes EU-Land deren Rat anerkannt. Daraufhin hat das offizielle Gadaffi-Lybien seine diplomatischen Beziehungen zu Frankreich abgebrochen. Die französische Regierung erhoffen sich halt einen grösseren Einfluss in der Region über eine ihnen genehme Regierung (genauso natürlich GB und USA). Wieso jetzt aber die französische Regierung nicht mehr auf den ihnen doch seit etwa 2000 mit der Neuausrichtung der lybischen Diplomatie freundlich gesonnenen Gaddaffi setzt, das kann ich mir auch nicht so ohne weiteres erklären. Es gibt allerdings die These, dass die Franzosen in Tunesien verpennt hätten die Aufständischen zu Unterstützen und statt dessen auf Ben Ali gesetzt hätten - was bekanntlich nach hinten los ging. Möglicherweise spekulierte man also auf einen raschen Machtwechsel und wollte diesmal zuvorderst dabei sein um seine nationalen Interessen in der Region zu wahren. Zurückrudern dürfte da schwierig sein, zumal Gaddaffis Lybien wie gesagt die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich abgebrochen hat.

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Power to the Pöbel!
18. März 2011, 16:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
kritische perspektive



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ähnliche Gedanken zur Motivation Frankreichs:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,751785,00.html
18. März 2011, 19:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Muoit



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Beitrag Antworten mit Zitat
Es ist schon immer wieder interessant, wie die privaten Medien die nationalen imperialistischen Interessen direkt in Artikel übersetzen. Es ist nicht ganz zufällig, dass der Spiegel jetzt so einen Artikel bringt, wo die deutsche Regierung sich wohlweislich aus der Abstimmung rausgehalten hat und vermutlich erstmal noch auf Gaddaffi gesetzt oder zumindest eine Alternative offen gelassen hat.

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19. März 2011, 18:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag Vorbereitete Aktionen? Antworten mit Zitat
Nebst den imperialistischen/strategischen und ökonomischen Interessen der verschiedenen Länder, die wir hier auch noch genauer anschauen sollten, scheint Sarkozy auch direkt ein innenpolitisches Interesse zu haben. Der oben erwähnte Spiegelartikel hat dazu eine interessante Passage: "Nach dem diplomatischen Sieg kann sich Sarkozy erstens vorläufig und einmal mehr als visionärer Macher feiern lassen. Der Chef der G20 und G8 hofft zweitens, dass der internationale Erfolg auch ein wenig auf die innenpolitische Lage abfärbt: Dort ist die Beliebtheit des Staatschefs auf ein historisches Tief gefallen. An den kommenden zwei Wochenenden stehen landesweite Lokalwahlen an." Die Union sacré von Linken und Rechten (Heilige Allianz heisst das auf Deutsch) deutet auch darauf hin, dass diese beide Fraktionen des Kapitals ihren Hauptfeind, die Arbeiterklasse mit einem solchen Zweckbündnis bekämpfen wollen, um so die nationale Kohäsion wieder zu stärken. "Trotz der komplexen und gefährlichen militärischen Aufgabe überwiegt in Frankreich der Beifall für den Befreiungsschlag des Präsidenten: Das Regierungsbündnis, linke und grüne Politiker ebenso wie Intellektuelle, hatten ein Eingreifen gegen den Diktator gefordert." Ich gehe nun nicht davon aus, wie das Teile der ital. kommunistischen Linken in den 30er-Jahren oder Teile der Operaisten in den 7oern, dass die herrschende Klasse in Frankreich nur aus diesem Grund den Krieg ausgelöst hat, aber man darf gerade nach den letzten Anti-Renten-Kürzungs-Mobilisierungen (wie schön ist die deutsche Sprache..., man kann nirgendswo so lange Wörter bilden...) nicht unterschätzen, dass Frankreich sehr wohl ein Fanal werden kann für die sonstige Arbeiterklasse in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern, da in allen Ländern, gerade die jetzigen und künftigen Rentenbezüger, massivst angegriffen werden, und nicht nur die!
20. März 2011, 11:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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Beitrag Re: Vorbereitete Aktionen? Antworten mit Zitat
Wirken die II hat Folgendes geschrieben:
Nebst den imperialistischen/strategischen und ökonomischen Interessen der verschiedenen Länder, die wir hier auch noch genauer anschauen sollten, scheint Sarkozy auch direkt ein innenpolitisches Interesse zu haben. Der oben erwähnte Spiegelartikel hat dazu eine interessante Passage: "Nach dem diplomatischen Sieg kann sich Sarkozy erstens vorläufig und einmal mehr als visionärer Macher feiern lassen. Der Chef der G20 und G8 hofft zweitens, dass der internationale Erfolg auch ein wenig auf die innenpolitische Lage abfärbt: Dort ist die Beliebtheit des Staatschefs auf ein historisches Tief gefallen. An den kommenden zwei Wochenenden stehen landesweite Lokalwahlen an." Die Union sacré von Linken und Rechten (Heilige Allianz heisst das auf Deutsch) deutet auch darauf hin, dass diese beide Fraktionen des Kapitals ihren Hauptfeind, die Arbeiterklasse mit einem solchen Zweckbündnis bekämpfen wollen, um so die nationale Kohäsion wieder zu stärken. "Trotz der komplexen und gefährlichen militärischen Aufgabe überwiegt in Frankreich der Beifall für den Befreiungsschlag des Präsidenten: Das Regierungsbündnis, linke und grüne Politiker ebenso wie Intellektuelle, hatten ein Eingreifen gegen den Diktator gefordert." Ich gehe nun nicht davon aus, wie das Teile der ital. kommunistischen Linken in den 30er-Jahren oder Teile der Operaisten in den 7oern, dass die herrschende Klasse in Frankreich nur aus diesem Grund den Krieg ausgelöst hat, aber man darf gerade nach den letzten Anti-Renten-Kürzungs-Mobilisierungen (wie schön ist die deutsche Sprache..., man kann nirgendswo so lange Wörter bilden...) nicht unterschätzen, dass Frankreich sehr wohl ein Fanal werden kann für die sonstige Arbeiterklasse in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern, da in allen Ländern, gerade die jetzigen und künftigen Rentenbezüger, massivst angegriffen werden, und nicht nur die!


ich würd mich hier anschliessen. es war schon sehr auffällig wie schnell und entschlossen sarko ein eingreifen gefordert hat. die medien haben das auch wunderbar verbreitet und ihn auf die titelseite genommen. innenpolitisches kalkül, ganz klar.
lustig ist aber, dass trotzdem viele franzosen skeptisch sind was ein fanzösisches eingreifen angeht. die haben nicht die besten erinnerungen an nordafrika und militärische interventionen..
zudem dürfen wir auch nicht vergessen, dass die nordafrikanische diaspora in frankreich wohl eindeutig hinter den aufständischen steht. da hat er wohl jetzt mal gepunktet und dies wurde wohl auch langsam zeit. die "kärcher" sache ist noch nicht vergessen!!

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20. März 2011, 21:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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http://www.woz.ch/artikel/2011/nr12/international/20521.html

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23. März 2011, 23:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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nach occupied london, gibt es nun auch occupied libya:

http://www.occupiedlondon.org/libya/

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24. März 2011, 00:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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http://www.leftcom.org/de/articles/2011-03-21/libyenkrise-der-imperialismus-bereitet-weitere-%E2%80%9Cdemokratische%E2%80%9D-bombardierungen-v

die internationalistische kommunistische tendenz zum krieg in libyen

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27. März 2011, 16:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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einige autonome aus der brd haben ein papier gegen den krieg und ihre (linken) befürworter geschrieben. zu lesen gibts das hier:

http://ch.indymedia.org/de/2011/03/80833.shtml

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Der als Journalist, Blogger und Autor arbeitende italienische Menschenrechtsaktivist Daniele del Grande hält sich seit 14. Tagen in Bengasi auf, um von Dort über die libysche Revolution und den Krieg zu berichten.


Sehr interessantes Interview:
http://www.lagota.ch/?p=583

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
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Ich poste an dieser Stelle noch die E-Mails von einem Genossen, die einigen bereits bekannt sein dürften, hier rein, weil ich sie seine Beobachtung für sehr wertvoll halte und dieses sehr aufmerksame Mitverfolgen der Geschehnisse in Libyen viele brisante Details zu Tage gefördert hat.

Am Ende der E-Mail fügte der Genosse noch zwei pdf-Dateien an. Der Text des einen Files findet man durch den nächsten Link, den zweiten Text habe ich am Ende dieses Post's angefügt.
http://www.ilsole24ore.com/art/notizie/2011-03-13/senza-stipendi-polizia-bengasi-152546.shtml?uuid=Aac3f6FD

Folgend nun das E-Mail vom 26. März 2011.


Liebe Freunde und GenossInnen

Mit dem Text http://de.internationalism.org/IKSonline2011_wasistlosnordafrika0311 gehe ich weitgehend einig. Problematisch finde ich die Ausführungen zu Libyen.

Wir sollten uns angesichts der mangelhaften Informationen vor schematischen und voreiligen Schlussfolgerungen hüten. Spätestens seit dem Eingreifen der imperialistischen Staaten sind die Informationen, die frei verfügbar sind, reine Kriegspropaganda. Das sollten wir uns bewusst sein. Selbst ein Korrespondentenbericht vom 26. Februar unter dem Titel „Wie sich die Revolution von unten organisiert“ ist online nicht mehr abrufbar: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Wie-sich-die-Revolution-von-unten-organisiert/story/14477518 . (Beeindruckt hatte mich in diesem Bericht der Satz: "In Bayda ist die Revolution noch jung. Sie zeigt sich so, wie eine Revolution sich eben zeigt, wenn sie erst ein paar Tage alt ist, noch nicht von Politikern entehrt wurde und von Machtmenschen missbraucht." Offenbar passen solche Aussagen nicht mehr ins Bild, das uns heute vermittelt werden soll!)

Den Volksaufstand in Libyen als „Bürgerkrieg zwischen bürgerlichen Fraktionen“ abzutun, finde ich unangemessen und ungerecht gegenüber den jugendlichen Arbeitslosen und all den andern Menschen, die für ein besseres Leben zuerst auf die Strassen gegangen und dann als Milizen gegen Ghadhafis Truppen gekämpft haben. Wie spontan und radikal die Revolte offenbar gewesen ist, zeigt beispielsweise auch die folgende Meldung vom 25.02.2011 [18:53 Uhr]: „Aus der westlichen Bergregion kommen Meldungen, auch dort habe die Anti-Gaddafi-Bewegung die Kontrolle übernommen. Nach Angaben eines Bewohners organisieren sich die Menschen dort selbstständig, eine Staatsmacht gebe es nicht mehr.“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747619-3,00.html).

Berichte über die Art, wie die Milizen der Aufständischen gebildet wurden (http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/die-arabische-revolution/In-Benghazi-warten-5000-Maenner-auf-den-Kampf/story/28656009?dossier_id=852%3Fdossier_id%3D852), erinnern tatsächlich an die Spanische Revolution: „Die Arbeitermiliz, in aller Eile zu Beginn des Krieges von den Gewerkschaften aufgestellt, hatte man bis jetzt noch nicht nach dem Vorbild der regulären Armee organisiert. (...) Eine Milizkolonne war damals ein aussergewöhnlich bunter Haufen.“ (George Orwell, Mein Katalonien). Ein gewichtiger Unterschied besteht wahrscheinlich darin, dass es sich heute in Libyen nicht um Arbeitermilizen handelt, die von den Gewerkschaften geschaffen wurden, sondern vermutlich um Arbeitslosenmilizen, die „unter der Leitung eines neu geschaffenen Militärrats“ gebildet wurden – und wie dieser sich zusammensetzt, wissen wir nicht.

Kurzum, es sieht danach aus, als wäre in den Städten, die von den Auständischen kontrolliert wurden (und werden?), die bisherige Staatsmacht völlig zusammengebrochen und hätte einer solidarischen Selbstorganisation Platz gemacht, wie ein Bericht aus Benghasi vom 13.03.11 illustriert: „Die Bewohner von Benghasi sind zu allem bereit, bloss um das ‚befreite Kyrenaica’ zu verteidigen. Bereit, den eigenen Beitrag zu leisten, aus der Asche einen Staat zu schaffen, den es noch nicht gibt. So sammeln in Benghasi die LKWs der privaten Firmen die Abfälle ein, die privaten Kliniken der Reichen werden zu öffentlichen, ehemalige Professoren leiten Pressezentren und Tageszeitungen, und die wenigen Geschäftsfrauen werden zu improvisierten Köchinnen, um Mahlzeiten für die Freiwilligen an der Front zu versenden.“ (http://www.ilsole24ore.com/art/notizie/2011-03-13/senza-stipendi-polizia-bengasi-152546.shtml?uuid=Aac3f6FD, Übersetzung von mir).

Dass bei diesem Volksaufstand verschiedene Klassen (mit unterschiedlichen Interessen) mitgewirkt haben (weil „das Volk“ bekanntlich ebensowenig ein Klassenbegriff ist wie „die Lohnabhängigen"!), zeigt dieser eindrückliche Bericht (im Anhang vollständig als PDF) sehr deutlich: Was die Angehörigen der verschiedenen Klassen verbindet, ist der Kampf gegen das Regime von Ghadhafi - alles andere bleibt (oder vielleicht eher: blieb) offen. Darin unterschiedet sich der Aufstand in Libyen allerdings keineswegs von jenen in Tunesien und Ägypten. Dort ist es lediglich (noch) nicht zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen, weil die Revolte nicht von der Armee derart brutal unterdrückt wurde und sich „das Volk“ mit der Absetzung des Präsidenten und „freien Wahlen“ (vorläufig?) zu begnügen scheint. Mit andern Worten: In allen drei Ländern hat die „Revolution“ (wie die Medien stets inflationär schreiben) keinen eindeutigen Klassencharakter. Vorläufig noch sind alle vereint gegen das verhasste, korrupte Regime. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben – in Libyen so wenig wie in Ägypten und Tunesien. Möglicherweise haben sich die Klassenwidersprüche in Libyen einfach schneller entwickelt, weil die Revolte unglaublich rasch bis zum Äussersten gelangt ist.

Ein gewichtiger Unterschied zwischen den drei Ländern besteht hingegen darin, dass Libyen hauptsächlich von den Einkünften aus dem Erdöl lebt. (Gemäss Wikipedia stammten 2005 97 % der Exporterlöse aus dem Erdöl. 75 % der Nahrungsmittel muss das Land importieren, ebenso einen Grossteil der Maschinen, technischen Ausrüstungen und Konsumgüter, vgl. http://libyen.com/Wirtschaft/Libyens-Wirtschaft.) Das ist die materielle Grundlage, auf der die moderne libysche Gesellschaft aufgebaut ist, und diese Tatsache zählt wahrscheinlich mehr als die alte Stammesorganisation – auch wenn die Medien die „Rivalitäten zwischen libyschen Stämmen“ in den Vordergrund schieben (http://bazonline.ch/ausland/Staemme-koennten-die-libysche-Revolution-entscheiden/story/11864332?dossier_id=852). In jedem Land, das reich an Erdöl ist, verfügen die Herrschenden über die besseren materiellen Möglichkeiten, um „das Volk“ bei Laune zu halten. Es wäre in diesem Zusammenhang interessant zu wissen, wie sich die Anhänger Ghadhafis zusammensetzen: Sind es wirklich nur gekaufte Söldner oder auch verarmte Schichten, die mit finanziellen Zuwendungen aus dem Erdölgeschäft ans Regime gebunden werden? Teile und herrsche – solange die Mächtigen in solchen Ländern diesen Grundsatz geschickt anzuwenden wissen, können sie ruhig schlafen. Es wäre gut möglich, dass das Ghadhafi-Regime diesbezüglich Fehler gemacht hat, die sich nun bitter rächen. (Daraufhin deutet beispielsweise ein Hinweis im Bericht aus Benghasi, als sich einer der Aufständischen über die Diskriminierung ihrer Gegend durch Ghadhafi beklagt.)

Ein besonderes Problem sind die ausländischen Fachkräfte, die angeblich gut bezahlt und für das Funktionieren der libyschen Wirtschaft unentbehrlich sind (vgl. http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article12797843/Man-braucht-zuerst-politische-Reformen.html). Der Grund für ihre fluchtartige Abreise wird weniger das Schwenken der Nationalfahne durch die Aufständischen gewesen sein, als die Tatsache, dass sie durch ihr weiteres Verbleiben in Libyen früher oder später in den bewaffneten Konflikt hineingezogen worden wären: In einem Bürgerkrieg gibt es kein Abseitsstehen mehr, man muss sich für die eine oder andere Seite entscheiden. Und Menschen, die noch einen anderen Ausweg haben, dass diese als Freiwillige an einem Aufstand in einem fremden Land ihr Leben aufs Spiel setzen, das dürfte sehr, sehr selten sein. „Internationale Solidarität“ bedeutet heutzutage in erster Linie die Teilnahme der einzelnen Nationalstaaten an den von der „internationalen Gemeinschaft“ abgesegneten imperialistischen Kriegen – wie besonders das jüngste Beispiel Libyen auf traurige Art vor Augen führt; auch die Überflüge der NATO-Bomber über die „neutrale“ Schweiz werden insbesondere von der SP beklatscht, namentlich vom ehemaligen GSOA-Präsidenten Andi Gross, der am Radio verkündet hat, die Schweiz sei nun mal ein „Teil der Welt“, richtig: ein Teil der imperialistischen Welt, die von „sozialistischen“ Regierungen mitverwaltet wird!

Was sich in Libyen in den letzten Wochen wirklich abgespielt hat, lässt sich nur ungenau und bruckstückhaft erahnen: Anfänglich schien es, als würden die Aufständischen kurz davor stehen, Ghadhafi und sein Regime zu stürzen. Angeblich waren einmal für kurze Zeit nur noch Tripolis und Sirte unter seiner Kontrolle, dann begann sich das Blatt zu wenden. Was ist mit den Tausenden geschehen, die in Tripolis auf den Strassen protestierten und sich dann in ihre Häuser zurückzogen, als Ghadhafis Schergen auf alles schossen, was sich bewegte? Vermutlich haben die Leute einfach Angst, im Wissen darum, was ihnen droht, wenn sie sich weiter auflehnen würden. Möglicherweise ist es auch so, dass den Rebellen in Benghasi (und anderen Städten) die Macht ziemlich rasch und einfach in die Hände gefallen ist, nicht zuletzt weil Teile des Regimes überraschend die Seite wechselten. Es liegt auf der Hand, dass diese Wendehälse, die bei jeder siegreichen Revolution (oder auch Gegenrevolution) wie Pilze aus dem Boden schiessen, die ersten sein werden, die beim Aufbau der „libyschen Demokratie“ unter westlicher Oberherrschaft ihre alten Posten wieder einnehmen werden. Doch was ist aus denen geworden, die als Erste an vorderster Front gekämpft haben? Lassen sie sich einfach widerstandslos in die „regulären Streitkräfte“ integrieren, die vermutlich zur Zeit von westlichen Geheimdiensten und französischen Fremdenlegionären aufgebaut werden? Bereits wird ja laut über eine Teilung des Landes und die Stationierung von NATO-Truppen nachgedacht: „Ein eigener Staat Kyrenaika quasi, von den Aufständischen ausgerufen. Und sollte dieser von «einigen wichtigen» Westmächten anerkannt werden, wäre auch der Weg frei für ausländische Truppen auf dem entsprechenden Territorium.“ (http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/die-arabische-revolution/Dann-kommt-die-Fremdenlegion-zum-Einsatz/story/20207652?dossier_id=852).

Mit der „humanitären Hilfe“ der westlichen Staaten in Form von täglichen Bombenabwürfen scheint jedenfalls das Schicksal der libyschen Revolution für den Moment besiegelt: Jene, die unter Einsatz des eigenen Lebens und auf einer von Gleichberechtigung und Solidarität geprägen Grundlage (siehe Bericht aus Benghasi) wochenlang gekämpft haben, werden an den Rand gedrängt. Im Zentrum stehen werden die „Hunderte Freiberufler, Manager, Banker, Beamte und Unternehmer im In- und Ausland, die sich für ein neues freies Libyen einsetzen“ und „sehr dankbar für die Hilfe“ der westlichen Imperialisten sind (http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/600-Dinar-fuer-einen-Toten-Ghadhafi-rekrutiert-neue-Soeldner/story/24766271?dossier_id=852). Das ist meiner Ansicht nach nicht eine „Rebellion“, die „zu einem Krieg zwischen bürgerlichen Lagern entartet ist“, als vielmehr die nationale Bourgeoisie, die sich neu organisiert und ihre Geschäfte mit dem „Westen“ anbahnt.

Doch nochmals: Was werden die andern tun? Die „Verdammten dieser Erde“, die Arbeitslosen, Marginalisierten, Entrechteten, die mit der Waffe in der Hand gekämpft haben, weil sie nichts mehr zu verlieren hatten als ihre Ketten. Werden sie einfach tatenlos zusehen, wie eine kleine Minderheit die Früchte „ihrer“ Revolution erntet? Die bürgerlichen Medien werden uns nicht den Gefallen tun, darüber zu berichten. Dies umso weniger, als – wie eingangs erwähnt – der Tagi sogar seinen eigenen Korrespondentenbericht über die „Revolution von unten“ bereits wieder entfernt hat.

Anbei noch ein Link zu einem ebenfalls lesenswerten Text, allerdings in italienischer Sprache: www.operaicontro.it/index.php?id=3ecd7b1 sowie die Stellungnahme einiger italienischer Arbeiter zum Krieg in Libyen. Es sind dieselben, die bereits den Kampf bei INNSE angeführt und auch den Aufruf zur informellen Arbeiterpartei verfasst haben. Auch wenn es eine ganz kleine Minderheit ist, ihre klare Haltung zum „Krieg, den unsere Unternehmer und ihre Regierungen gegen wen auch immer führen“ ist wichtig. Ebenso ihre Perspektive, „mit Bewunderung auf die Aufständischen, die Demonstranten, die libyschen Arbeiter, die den Mut hatten, das Regime herauszufordern“ zu schauen und von ihnen zu lernen – um eines Tages unsere „Ghadhafis“ zu stürzen. Oder etwas altmodischer formuliert: den imperialistischen Krieg in den revolutionären Bürgerkrieg zu verwandeln. In Libyen geschieht zur Zeit das Gegenteil: der revolutionäre Bürgerkrieg ist in einen imperialistischen Krieg verwandelt worden. Um den Spiess wieder umzudrehen, müssen die ArbeiterInnen in Libyen und in Europa ihre jeweiligen Kämpfe als den gleichen Kampf gegen den gleichen Feind begreifen. Nur so werden sie sich gegenseitig unterstützen können. Oder anders ausgedrückt: Die beste Unterstützung für die libysche Revolution ist der Kampf gegen unsere eigenen europäischen Bourgeosien.


Zitat:
22. März 2011

Mitteilung der “Vereinigung für die Befreiung der
Arbeiter”(AsLO) zum Krieg in Libyen


Es wäre besser gewesen, Benghasi im Kampf zu verlieren, als von der Fuchtel eines libyschen Herrschers unter
eine westliche, nach Öl durstige Herrschaft zu geraten. Doch das ist eine Angelegenheit, die nur die
Aufständischen selbst regeln können.

Die heilige Allianz der europäischen und amerikanischen Herrscher, ihre bewaffnete Aggression gegen Libyen,
wird mit der Ausrede gerechtfertigt, Zivilisten, Frauen und Kinder zu schützen. Das ist eine Lüge. Die
Erdölgesellschaften, ihre Manager und ihre Aktionäre und die Regierungen, die ihre Interessen verteidigen, sie
alle tragen auf dem Rücken der libyschen Bevölkerung einen erbarmungslosen Wettstreit aus, um sich die
Erdölquellen der Region unter den Nagel zu reissen.

Wer bis gestern unmittelbar Geschäfte mit Ghadhafi machte, nimmt widerstrebend am Krieg teil, will nicht
beseite geschoben werden, will aber auch nicht den Geschäftsfreund endgültig seinem Schicksal überlassen. Die
italienischen Unternehmer und Berlusconi wissen nicht woran sich halten. Einmal mehr sind sie von der
Opposition gerettet worden, die stets bereit ist, jede militärische Intervention zu unterstützen, unter der
Bedingung, dass sie „humanitären Zwecken dienend“ definiert wird. „Die Intervention wurde von den
Aufständischen verlangt“, erklären sie, um ihr Gewissen zu retten. Aber es gibt auch Aufständische, die keine
fremde Einmischung wollten, die bis zum Äussersten gehen wollten, um selber mit Ghadhafi klarzukommen. Es
war jedoch zweckmässiger, nicht auf diese zu hören, wie sonst hätte von Leuten, die – in Worten – für den
Frieden sind, die militärische Intervention gerechtfertigt werden können?

Die französischen Unternehmer konnten es kaum erwarten, die italienischen Unternehmer bei den libyschen
Geschäften auszubooten, und haben sich auf die Bombardierungen gestürzt – wie immer um „die Zivilisten zu
verteidigen“. Wenn man daran denkt, dass es Millionen von Zivilisten gibt, die von ihren Regierungen bedroht
werden, die von fremden Truppen getötet werden, aber niemand wehrt sich, vielmehr werden die Massaker
gerechtfertigt. Die UNO-Resolutionen, wenn es der sogenannten „internationalen Gemeinschaft“ passt, werden
nicht beachtet. Grozny wurde dem Erdboden gleichgemacht, und jetzt tun sie so, als würden sie Benghasi
beweinen. Das Erdöl im Kaukasus konnte den Russen nicht aus den Händen gerissen werden, das libysche ist
greifbarer.

Der Krieg gegen Ghadhafi hat das Gegenteil bewirkt. In Tripolis weht die Fahne des Anti-Imperialismus, des anti-
kolonialen Patriotismus, jetzt ist es für das Regime viel einfacher, die Aufständischen als „fremde Agenten“
anzugreifen. Als vor einem Monat die Demonstranten in den Strassen von Tripolis von den Söldnern
niedergemetzelt wurden, haben sie Wut und Gegenwehr hervorgerufen. Jetzt wird es für die Männer des Raïs viel
einfacher, im Namen eines „freien und antikolonialen Libyen“ die Protestierenden zu beseitigen.

Wir, Arbeiter eines der – was die Unterstützung Ghadafis betrifft – am meisten kompromittierten Länder,
Untertanen einer Regierung, die Ghadafi zuzwinkerte, während er die Demonstranten totschlug, wir haben
die Pflicht, Stellung zu nehmen gegen den Krieg, den unsere Unternehmer und ihre Regierungen gegen wen
auch immer führen. Wie auch immer er gerechtfertigt wird, es wird immer ein Krieg sein, der von den
Unternehmern um ihrer Profite willen geführt wird.


Wir Arbeiter schauen mit Bewunderung auf die Aufständischen, die Demonstranten, die libyschen
Arbeiter, die den Mut hatten, das Regime herauszufordern und es immer noch tun. Wir haben noch viel zu
lernen, während sie gekämpft haben und noch immer kämpfen, um Ghadhafi zu stürzen, halten wir einen
an der Regierung, der ihn umarmt hat und ihm die Hand geküsst hat.

Der Wind der Revolte wird das Mittelmeer überqueren...

Associazione per la Liberazione degli Operai

www.asloperaicontro.org e-mail: operai.contro@tin.it
www.operaicontro.it info@operaicontro.it


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09. April 2011, 15:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Zitat:
Hier nun noch der Nachtrag des Genossen vom 27. März 2011.

Der im Anhang befindliche Text findet man hier: http://www.scribd.com/doc/51525738/Che-Cosa-Succede-in-Libia-Dino-Erba


Liebe Freunde und GenossInnen

Als Nachtrag zu Libyen sende ich euch einen Text des wie immer
scharfsinnigen Dino Erba: "CHE COSA SUCCEDE IN LIBIA - I RIBELLI LIBICI E I
PONZATORI ITALICI,
CHE GUARDANO L’ALBERO, E NON VEDONO LA FORESTA". (Kennt übrigens jemand Dino
Erba? Er hat schon mehrmals interessante Beiträge auf www.operaicontro.it
veröffentlicht und 2005 ein Büchlein über die Tendenz von Michelangelo
Pappalardi geschrieben (Dino Erba, Ottobre 1917 - Wall Street 1929, La
Sinistra communista italiana tra bolscevismo e radicalismo: la tendenza di
Michelangelo Pappalardi, Milano, 2005). Mehr habe ich über ihn bis jetzt
nicht herausgefunden.)

Dino Erba bezieht sich auf einen Text von Sergio Cararo:
www.ariannaeditrice.it/articolo.php?id_articolo=37970, dem er vorwirft, vor
lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen. Er führt verschiedene Zahlen und
Fakten zu Libyens Wirtschaft auf, die einiges umfassender sind, als jene von
mir auf die Schnelle zusammengestellten: Zentral ist auch bei ihm die
Bedeutung des Erdöls, auf dem die libysche Wirtschaft aufbaut und das Land
zu einem sog. "Rentierstaat" mache. Er erwähnt weiter, dass
gewerkschaftliche Organisationen und Linksparteien, die nach dem 2.
Weltkrieg entstanden und zuerst von den Engländern, dann von der Monarchie
und nachher von Ghadhafi unterdrückt wurden, aus diesen Gründen eine
schwache Tradition haben.

Wichtig ist auch das stürmische Wachstum der Bevölkerung, die sich mit der
wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten 40 Jahren verdreifacht hat. Zu
den ungefähr 6,5 Mio. Libyern und Libyerinnen kommen noch 1-2 Mio.
Einwanderer aus Ägypten, dem Mittleren Osten sowie den Ländern südlich der
Sahara, die zusammen etwa die Hälfte der Arbeitskräfte des Landes ausmachen.
(Im Gegensatz zu den von mir erwähnten, "angeblich gut bezahlten
Fachkräften", schreibt Erba, die Einwanderer seien gezwungen, zu sehr tiefen
Löhnen zu arbeiten ("costretti a lavorare con salari molto bassi").
Vermutlich trifft beides zu: Wie bei uns gibt es wahrscheinlich auch in
Libyen eine dünne Schicht gut bezahlter ausländischer Spezialisten (in den
Raffinerien), der die grosse Masse der andern Einwanderer gegenüber steht,
bis hin zu den papierlosen Flüchtlingen.) 86 % der Bevölkerung leben in den
Grosstädten an der Küste, über eine Million allein in Tripolis. Obwohl das
libyische BIP sich seit den 90er Jahren bis zum Ausbruch der
Weltwirtschaftskrise 2008 verdreifacht hat, liegt die Arbeitslosigkeit bei
30 %, die Inflation bei 10.5 %, und 7,4 % der Bevölkerung leben unter der
Armutsgrenze.

All diese Fakten sind meiner Meinung wichtig zur Beurteilung der Ereignisse
in Libyen, wenn wir sie von einem historischen, materialistischen und wenn
möglich auch noch dialektischen Gesichtspunkt aus beurteilen wollen. ;-)
Andernfalls bleiben wir oberflächlich und lassen uns leicht von der
bürgerlichen Berichterstattung auf falsche Fährten führen. So ist es
beispielsweise irreführend, wenn nicht sogar völlig falsch, ohne nähere
Begründung von der "extremen Rückständigkeit des libyschen Kapitalismus" zu
schreiben ("Was ist los in Nordafrika, im Nahen & Mittleren Osten?", S. 4).
Ebenso finde ich es gewagt, (im Chor mit den bürgerlichen Medien) zu
behaupten, das Land werde "von regionalen und Stammesspaltungen zerrissen"
(ebenda). Dino Erba schreibt zu diesem Thema, Spannungen unter den Stämmen
in Libyen hochzuspielen sei ungefähr dasselbe, wie wenn man im Zusammenhang
mit der Lega Nord von "keltischen Stämmen" sprechen würde. Denn es sei klar,
dass nach all den wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen in Libyen diese
Stämme höchstens noch eine marginale Rolle spielten.

Was das politische Profil der libyschen Rebellen angehe, so sei dieses sehr
buntgefleckt. Zwar gäbe es unter ihnen auch Monarchisten und Islamisten
sowie von den westlichen Geheimdiensten unterstützte Abtrünnige des Regimes.
Sich darauf zu beschränken, wäre allerdings sehr kurzsichtig, um nicht zu
sagen reaktionär. Es wäre etwa so, wenn wenn die italienische Resistenza auf
die Anhänger von Badoglio und die Geheimdienstagenten der Allierten
reduziert würde. Es gelte darum, dieses Dickicht etwas zu entwirren. Er
zählt dann die folgenden Gruppierungen auf, die auf den Konflikt in Libyen
einwirken:

- Die Fraktion der Bourgeoisie um Ghadhafi, die bis jetzt an der Macht war
und sich aus den Schichten der Bürokratie, der Armee und Geschäftsleuten in
Tripolis zusammensetzt und ihre Privilegien behalten will.
- Die Fraktion der Bourgeosie, die sich aus dem aufstrebenden
Unternehmertum, vor allem in Benghasi, zusammensetzt, einen grösseren Anteil
am Kuchen beansprucht und neue internationale Alleanzen sucht.
- Die libyschen ArbeiterInnen und Arbeitslosen, die unter der
ungleichmässigen Verteilung des Reichtums und der Teuerung, die ihre Löhne
auffrisst, leiden.
- Die ausländischen ArbeiterInnen, die unter sklavenähnlichen Arbeits- und
Lebensbedingungen gehalten werden.
- Die wachsende Zahl von Einwanderern und Flüchtlingen aus den afrikanischen
Ländern, die in Auffanglagern festgehalten werden.
- Und schliesslich die imperialistischen Länder, welche die Lage benützen
wollen, um Wasser (oder besser: Erdöl) auf ihre Mühlen zu lenken,
gleichzeitig aber unter sich uneinig sind.

Soweit in aller Kürze die wichtigsten Elemente aus dem Text von Dino Erba.
Heute habe ich ausserdem einen höchst interessanten Blog entdeckt, mit sehr
authentischen Korrespondentenberichten (auf Französisch, teilweise in
deutscher Übersetzung): https://setrouver.wordpress.com/, verfasst von
Leuten, die gewissermassen als 'Referenz', die einleitenden Sätze aus "Der
kommende Aufstand" zitieren:

"Ein Aufstand, wir können uns nicht mal mehr vorstellen, wo er beginnt.
Sechzig Jahre der Befriedung, ausgesetzter historischer Umwälzungen, sechzig
Jahre demokratischer Anästhesie und Verwaltung der Ereignisse haben in uns
eine gewisse abrupte Wahrnehmung des Realen geschwächt, den parteilichen
Sinn für den laufenden Krieg. Es ist diese Wahrnehmung, die wir
wiedererlangen müssen, um zu beginnen."

Es lohnt sich, alle Berichte auf diesem Blog - auch jene aus Ägypten und
Tunesien - genau zu studieren. Viel Spass beim Lesen!


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09. April 2011, 15:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Zitat:
Hier nun noch das dritte E-Mail vom 8. April 2011.

Das erste und das zweite E-Mail findest du hier:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41347#41347
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41349#41349


Liebe Freunde und GenossInnen

Ein Genosse aus Deutschland, der den Text: http://de.internationalism.org/IKSonline2011_wasistlosnordafrika0311 ebenfalls gelesen hat, hat mich auf einen Satz aufmerksam gemacht, den ich übersehen hatte: "Die Fähigkeit der Arbeiterklasse in Nordafrika und im Nahen u. Mittleren Osten mit den demokratischen Illusionen zu brechen und den verarmten Massen der Bevölkerung einen anderen Weg aufzuzeigen, hängt von der Fähigkeit der Arbeiter in den zentralen Ländern ab, ihnen ein Beispiel eines selbstorganisierten und politisierten Arbeiterkampfes zu geben". Er findet, dieser Satz klinge sehr eurozentristisch und sehr überheblich, weil es augenblicklich eher so sei, dass wir von den Kämpfen in Nordafrika lernen können. Das sehe ich auch so, vermute aber, dass es weniger Eurozentrismus ist, als vielmehr die schematische Vorstellung: Je industrialisierter ein Land ist, desto stärker ist die Arbeiterklasse. Das hat sich bereits in einem früheren IKS-Text zu Tunesien gezeigt: „Sicher sind die ‚demokratischen Staaten’ zurückhaltender beim Einsatz von Gewalt und schießen heute noch nicht mit richtigen Kugeln auf Demonstranten, aber das geschieht nicht, weil sie ‚zivilisierter’, weniger barbarisch wären oder mehr ‚Respekt für die Menschenrechte und die Redefreiheit’ zeigten, sondern weil die Arbeiterklasse der Industriestaaten mächtiger ist und über eine längere Erfahrung mit diesen Auseinandersetzungen verfügt und solch einen Grad der Repression nicht hinnehmen würde.“ (http://de.internationalism.org/IKSonline2011_tunesien01, Hervorhebung von mir).

Es ist wohl eher umgekehrt: Die „demokratischen Staaten“ schiessen (noch) nicht auf Demonstranten, weil sie keine Veranlassung dazu haben, weil die Arbeiterklasse sich freiwillig unterordnet und von der bürgerlichen Ideologie wie betäubt und kampfunfähig gemacht ist. Nicht die Arbeiterklasse, sondern die Bourgeoisie der Industriestaaten ist mächtiger und verfügt über eine längere Erfahrung mit solchen Auseinandersetzungen! Ausserdem frage ich mich, was genau die IKS unter „Arbeiterklasse der Industriestaaten“ versteht. Mit der fortschreitenden Deindustrialisierung der alten Industriestaaten ist es wohl eher die Arbeiterklasse in den sog. „Schwellenländern“, die mächtiger ist und sich Kampferfahrungen gegen die Unternehmer und ihren Staat aneignet, als jene in den sog. „demokratischen Staaten“.

Damit wir von den Aufständen in Nordafrika lernen können, müssten wir sie zuerst einmal richtig verstehen können. Das ist weniger ein sprachliches Problem, als vielmehr ein solches der Wahrnehmung. Solange die Leute die Realität voreingenommen, durch die Brille ihrer jeweiligen Ideologie betrachten (gleichgültig, ob diese bürgerlich-demokratisch, reformistisch oder „revolutionär“ ist!), filtern sie alle Ereignisse heraus, die ihrem Weltbild nicht entsprechen. Auch wir sind vor dieser Gefahr nicht gefeit! Wir müssen uns ganz bewusst dazu zwingen genau hinzuschauen, was sich in Nordafrika wirklich abspielt, ohne gleich jede Zeitungsmeldung in unser Denkschema einzuordnen. Wer nicht vor Ort ist, hat das Problem, überhaupt an „ungefilterte“ Informationen heranzukommen. Von unschätzbarem Wert sind daher die authentischen Berichte der Franzosen, die jetzt in Libyen sind und auf der Internetseite En route von einem ‚rebellischen’ Standpunkt aus berichten. Zur Zeit befinden sie sich in der belagerten Stadt Misrata und haben gestern wieder einen längeren Bericht veröffentlicht: http://setrouver.wordpress.com/2011/04/04/considerations-generales-sur-la-libye/. Besonders bemerkenswert finde ich folgende Schilderung:



La majeure partie de la population a cessé d’aller travailler et, dès le 21 mars, il n’y avait plus d’activité économique dans Misrata. Les habitants se sont rendus disponibles à la révolution en revétant de nouveaux rôles qu’ils se sont eux-même attribués. Le maître de conférence qui s’attèle a gérer le point internet de la ville, l’ancien militaire qui devient capitaine de bateau, l’étudiant en médecine qui part combattre, les bandes de gamins du quartier qui tiennent des check-points toute la nuit, le propriétaire d’une pelleteuse qui passe dans les rues pour former des barricades de sable. En ce qui concerne les tâches plus amples, l’organisation repose sur l’initiative commune d’habitants d’un même coin. Pour les déchets, par exemple, ils s’organisent entre eux pour les rassembler, les incinérer à ciel ouvert ou bien s’en servir comme combustibles pour se défendre. (..) L’argent n’est donc plus une nécessité pour acquerir les produits : ceux qui en ont encore paient, et les autres allongent des ardoises qui n’ont plus vraiment de sens, aucune activité n’étant plus remunerée par un salaire. Très vite, les magasins ont été réouverts pour rendre accessibles les produits vitaux. Certains possèdent des petits potagers et ont encore quelques bêtes à se mettre sous la dent. D’autres risquent leur vie en traversant des grandes artères pour acheminer de la viande et des légumes depuis les fermes du sud de Misrata, afin de les redistribuer en centre ville.

(Der grösste Teil der Bevölkerung hat aufgehört zur Arbeit zu gehen, und seit dem 21. März gibt es keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr in Misrata. Die Einwohner haben sich der Revolution zur Verfügung gestellt, indem sie neue Funktionen ausüben, die sie sich selbst zugewiesen haben. Der Dozent leitet mit Leib und Seele den Internet-Treffpunkt der Stadt, der ehemalige Berufsmilitär wird Schiffskapitän, der Medizinstudent zieht in den Kampf, die Jugendbanden des Quartiers bewachen während der ganzen Nacht die Kontrollposten, der Besitzer eines Baggers zieht durch die Strassen, um Barrikaden aus Sand zu errichten. Was die weiteren Aufgaben betrifft, beruht die Organisation auf der gemeinsamen Initiative der Bewohner der gleichen Ecke. Für den Müll beispielsweise organisieren sie sich unter sich, um ihn einzusammeln. Sie verbrennen ihn im Freien oder aber benützen ihn als Brennstoff, um sich zu verteidigen. (…) Das Geld ist somit keine Notwendigkeit mehr, um die Produkte zu erwerben : [Es gibt] solche, die noch welches haben, und die andern machen Schulden, die in Wirklichkeit keinen Sinn mehr haben, weil keine Tätigkeit mehr als Lohn vergütet wird. Sehr schnell haben die Läden wieder geöffnet, um die lebensnotwendigen Produkte zugänglich zu machen. Einige besitzen kleine Gemüsegärten und haben noch etwas Vieh, das sie verzehren können. Andere riskieren ihr Leben beim Überqueren der grossen Zufahrtsstrassen, um Fleisch und Gemüse von den Bauernhöfen im Süden von Misrata zu holen und im Stadtzentrum zu verteilen.)



Mit andern Worten: In der belagerten Stadt Misrata gibt es weder Lohnarbeit noch Staat. Die Menschen organisieren ihr Leben selber, mehr oder weniger nach dem altbekannten Grundsatz: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Ähnliche Berichte hat es auch aus Benghasi gegeben. Das ist eine Art „Kriegskommunismus“, aber ein ganz urwüchsiger, spontaner, der auf der Eigeninitiative und Selbstorganisation der Leute beruht – und nicht auf einem Kommandoregime nach dem Vorbild der deutschen Kriegswirtschaft, wie es die Bolschewiki nach der Oktoberrevolution organisierten. Es mag Zufall sein, dass genau 90 Jahre nach der Niederschlagung des Kronstädter Aufstandes solche Formen der solidarischen Selbstorganisation Wirklichkeit werden...

Misrata ist wie erwähnt eine belagerte Stadt. Es ist nach den ersten Tagen des Aufstandes die äussere Bedrohung, welche die Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen vorübergehend zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweisst hat. Wie wird es weitergehen? Wird es Ghadhafis Söldnertruppen gelingen sie einzunehmen, und welchen politischen Vorteil würde dies dem Regime bringen? Die Berichterstatter aus Misrata schreiben dazu:



Il faut la bêtise d’un adepte de la propagande télévisée d’Etat ou la distance d’un journaliste occidental pour se perdre encore en conjectures et croire que quelque chose puisse encore ici tourner politiquement en faveur de Kadhafi. On ne voit pas bien en quoi consisterait maintenant pour le pouvoir le fait de « reprendre Misrata », sauf à en éradiquer purement et simplement la population.

(Es braucht die Dummheit eines Anhängers der Propaganda des staatlichen Fernsehens oder die Distanz eines westlichen Journalisten, um sich noch in Mutmassungen zu verlieren und zu glauben, dass noch irgend etwas hier politisch zu Gunsten von Ghadhafi umschlagen könnte. Wir sehen nicht ein, worin jetzt für die Machthaber das Faktum „Misrata zurückzuerobern“ bestehen könnte, ausser darin, schlicht und einfach die Bevölkerung auszulöschen.)



Je länger ich mich mit den Ereignissen in Libyen befasse, desto mehr komme ich zur Einsicht, dass dort Dinge geschehen, die unsere Vorstellungskraft und unser Denkschema sprengen. Wer die Revolution in Libyen als „Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Teilen der herrschenden Klasse Libyens“ abtut („In Libyen wird dazu aufgerufen, dass die Arbeiter sich aktiv an diesem Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Teilen der herrschenden Klasse Libyens bei deren Kampf um die Kontrolle des Staates und der Wirtschaft beteiligen sollen.“, http://de.internationalism.org/IKSonline2011_libyen032011), der hat wirklich nichts begriffen. Im Gegensatz zu den andern Ländern, wo die Aufstände ins Stocken geraten sind, ist offenbar in Libyen gleich auf Anhieb die herrschende Ordnung völlig zusammengebrochen, und der Staat hat aufgehört zu existieren, wie die ‚rebellischen’ Franzosen aus Misrata berichten:


Le troisième jour, la plupart des gens avaient déjà déserté leurs postes de travail. Une sorte de démobilisation générale s’est installée parce que l’Etat comme instance de gestion avait déjà disparu ou, en tout cas, il n’était plus question de le reconnaître. Des assemblées se sont formées sur la place centrale de Misrata, là où convergeait la foule. S’y est posée immédiatement la nécessite de s’organiser pour la nourriture, l’eau, l’électricite, l’argent, autant que pour combattre.

(Am dritten Tag hatten die meisten Leute ihre Arbeitsplätze bereits verlassen. Eine Art von allgemeiner Demobilmachung machte sich breit, weil der Staat als Verwaltungsinstanz bereits verschwunden war oder es jedenfalls keine Frage mehr war, ihn zu anerkennen. Auf dem zentralen Platz von Misrata haben sich Versammlungen gebildet, dort wo die Menschenmassen zusammenlaufen. Unverzüglich ergab sich die Notwendigkeit sich zu organisieren: für die Nahrung, das Wasser, die Elektrizität, das Geld, ebenso wie um zu kämpfen.)



Wenn die staatliche Ordnung zusammenbricht und das gesellschaftliche Leben von Grund auf neu organisiert werden muss, halte ich es für angebracht, von einer sozialen Revolution zu sprechen - im Gegensatz zu den andern Aufständen in Nordafrika, die bisher nur zur Absetzung des Despoten und zu einem Regierungswechsel geführt haben. Die Gründe, warum der Aufstand in Libyen einen andern Verlauf genommen hat als in Tunesien und Ägypten, sind mir noch nicht völlig klar. Ein entscheidender Grund wird bestimmt die unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslage gewesen sein: Libyen ist kein armes Land, und seine Wirtschaft ist durch und durch vom Erdöl geprägt. ("La Libye n’est pas un pays pauvre. Les richesses du pétrôle irradient toute l’économie, des secteurs issus de cette industrie à ceux qui lui sont indirectement liés".) Es war nicht materielle Not, welche die LibyerInnen dazu gebracht hat sich aufzulehnen, wie die ‚rebellischen’ Franzosen aus Misrata berichten:

Comme nous l’a rappelé un vieil homme, cette révolution n’a pas commencé parce que les libyens avaient faim. Selon lui, le peuple s’est soulevé pour la dignité, l’honneur. Les Libyens avaient beau être riches et bien éduqués, ils avaient l’impression de vivre comme du bétail, à savoir ne faire que « manger et pisser ». Maintenant que la guerre a bouleversé certains aspects du quotidien, il est difficile de comprendre ce qu’un retour à la normal impliquerait.

(Wie uns ein alter Mann in Erinnerung gerufen hat, hat diese Revolution nicht begonnen, weil die LibyerInnen Hunger hatten. Ihm zufolge hat sich das Volk für die Würde, die Ehre erhoben. Die LibyerInnen hatten genug, reich und gebildet zu sein, sie hatten den Eindruck, wie Vieh zu leben, das nichts anderes zu tun weiss, als „essen und pissen“. Jetzt hat der Krieg gewisse Aspekte des Alltags umgestürzt. Es ist schwierig zu verstehen, was eine Rückkehr zur Normalität beinhalten würde.)


Genau das ist wohl die entscheidende Frage: Auf welcher Grundlage werden die LibyerInnen ihr Leben nach dem Ende des Bürgerkrieges organisieren? Oder werden sie gar vom Regen in die Traufe geraten? Von der Despotie Ghadhafis unter die Fuchtel der imperialistischen Länder, die - wie im Irak oder in Afghanistan - unter der Aufsicht von „Friedenstruppen“ den Menschen eine „Demokratie“ nach westlichem Muster aufzwingen? Es liegt auf der Hand, dass eine künftige libysche Regierung von EU-Gnaden den internationalen Konzernen vorteilhafte Bedingungen beim „wirtschaftlichen Wiederaufbau“ des Landes bieten wird... Wie die Dinge zur Zeit stehen, sieht es leider danach aus, als würden die befreiten libyschen Städte allmählich zwischen Ghadhafis Söldnertruppen und der „militärischen Hilfe“ der westlichen Staaten zerquetscht. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Dazu besteht zumindest noch solange Hoffnung, als nicht die NATO-Truppen das Kommando übernehmen.

Bereits zweimal hat diese Woche die NATO "versehentlich" Truppen der Aufständischen angegriffen: http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/spannungen_zwischen_libyschen_rebellen_und_nato_nehmen_zu_1.10169761.html. Die Maske des "humanitären Krieges" der "internationalen Gemeinschaft" ist schnell gefallen, und dahinter zeigt sich unverhüllt die Fratze des Imperialismus: "Nach Einschätzung eines führenden US-Kommandeurs, General Carter Ham, ist die militärische Lage so festgefahren, dass der Einsatz von Bodentruppen möglicherweise unumgänglich sein könnte, um den Konflikt zu beenden." (ebenda). Die anfängliche Freude der Aufständischen über die westliche Unterstützung macht sehr schnell einer bitteren Ernüchterung Platz, und bereits rufen die ersten Rebellen: "Nieder mit der NATO!" Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie nicht nur gegen die mit westlichen Waffen so vorzüglich ausgerüsteten Söldner Ghadhafis kämpfen müssen, sondern auch gegen die amerikanischen und europäischen Bodentruppen, die auf ihre Weise "den Konflikt beenden" möchten. Spätestens dann werden in den westlichen Medien aus den libyschen Freiheitskämpfern "Terroristen" - so wie alle genannt werden, die mit der Waffe in der Hand gegen Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen. Ob die Rechnung der westlichen Imperialisten aufgehen wird, ist allerdings fraglich. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass sich eine Kolonialmacht in Libyen die Zähne ausbeissen würde...

Für morgen wünsche ich euch eine spannende Diskussion. Über eine Antwort auf meine Kritik würde ich mich freuen.

P.S. Hier noch der Link zu einem weiteren interessanten Blog zu Nordafrika: http://fortresseurope.blogspot.com/, deutsche Übersetzung eines Interviews mit dem Verfasser auf Indymedia: http://de.indymedia.org/2011/03/303445.shtml


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Zuletzt bearbeitet von far am 05. September 2011, 17:08, insgesamt einmal bearbeitet
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Savo



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Im Krieg wie im Krieg (zur Intervention in Lybien)
http://ch.indymedia.org/de/2011/04/80946.shtml

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Melnitz



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Was passiert jetzt?

Libysche Rebellen lehnen Friedensplan ab

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Savo



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http://revoltology.blogspot.com/

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14. April 2011, 22:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Die Jungle war in Libyen und hat einen Schwerpunkt dazu geschrieben (erst der erste Artikel online):

They have a dream

Mit dem Taxi zur Revolution

Wer nicht desertiert, verliert

Während dessen planen Deutschland et al. bereits das Leben nach Gaddaffi:

Deutsche Soldaten könnten Tripolis sichern

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09. Juni 2011, 15:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Libyen-Front Bröckelt:
http://www.jungewelt.de/2011/07-12/063.php

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12. Juli 2011, 19:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Wirken die II



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Hier noch eine Stellungnahme der KRAS (Sektion der IAA in Russland) zum Krieg in Lybien mit einem vorgängigen Kommentar der IKS.

Nieder mit dem neuen Krieg in Nordafrika!

http://de.internationalism.org/kras_lybien
19. Juli 2011, 09:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Seit drei Wochen sind die Rebellen also von der Deffensive in die Offensive gewechselt. Möglich durch Waffen und Munition aus aller Welt, auch aus der Schweiz:
http://www.20min.ch/news/dossier/libyen/story/Rebellen-schiessen-mit-Ruag-Munition-21024881

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20. Juli 2011, 21:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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Die Rebellen sind in Tripolis. Es ist bloss noch eine Frage der Zeit (Stunden) bis das Ghadhafi-Regime fällt. Wer es live verfolgen will, hier ist der Livestream von Al-Jazeera und der Liveticker des Guardians:

http://english.aljazeera.net/watch_now/

http://www.guardian.co.uk/global/middle-east-live/2011/aug/21/libya-syria-israel-middle-east-unrest

Es dürfte aber auch nach dem Sturz von Ghadhafi in Libyen nicht ruhig werden. Wie wird die "Ordnung" nach dem Ende des Krieges aussehen? Welchen Einfluss hat die NATO? Was gibt es überhaupt für Strömungen innerhalb der Rebellen? Welches Gewicht haben die Stämme? Einige Einblicke gibt ein Artikel in der August-Ausgabe von The Commune. Der Autor war selber in Libyen und kann daher aus erster Hand berichten:

http://thecommune.files.wordpress.com/2011/07/issue24.pdf (S. 13 - 15)

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21. August 2011, 23:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Melnitz hat Folgendes geschrieben:
Die Leute organisieren sich halt selber...

Überleben in Benghasi (10 vor 10)

Die Leute gründen Militärräte oder Steuerungskomitees (siehe 10 vor 10-Bericht ab ca. 04.50)...



Dieses Bild wird in naher Zukunft vielleicht noch wichtig werden.


Tja!

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22. August 2011, 18:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/MH24Ak01.html
http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/MH25Ak02.html

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27. August 2011, 13:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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http://www.nytimes.com/2011/09/05/world/africa/05migrants.html?_r=1&ref=world&pagewanted=all

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05. September 2011, 12:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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far hat Folgendes geschrieben:
Hier nun noch das dritte E-Mail vom 8. April 2011.
Danke
Tönt ja viel besser als ich das im TV und so wirkt...
Hat meine Eindrücke dass die demokratisch Übergangsregierung irgendwie doch nicht so viel Kontrolle hat bestätigt...
Genial...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
05. September 2011, 17:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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http://www.nytimes.com/2011/09/08/world/africa/08tripoli.html?_r=1&ref=world&pagewanted=all

Zitat:
“The way the system worked, everyone had to be part of it — all of us,” said Adel Sennosi, a former official of Colonel Qaddafi’s Foreign Ministry who is now working for the provisional government’s Foreign Ministry. “If we say, ‘Get rid of whoever was part of the system,’ we would have to get rid of the whole population,” he said.

Now, he said, many of those former loyalists “are more revolutionary than anyone else!”


dann kann ja alles beim alten bleiben...

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08. September 2011, 11:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Alles bleibt beim Alten und die neuen Machthaber sind sogar alte Freunde von Gaddafi:
"Der Präsident des Übergangsrates war bis vor kurzem der Justizminister unter dem verhassten Gaddafi-Regime, der gleiche Mann, der die bulgarischen Krankenschwestern zu Tode verurteilte. Der Premierminister war in seiner Kindheit schon ein Freund des gestürzten Diktators…"

http://de.internationalism.org/IKSonline2011_libyensturzgaddafi

Wobei dies nicht einmal das Wichtigste ist. Es zeigt sich einmal mehr, dass nicht die Figuren wichtig sind, die die eine oder andere Art des Kapitalismus vertreten, sondern der Kapitalismus als System die Menschheit langsam aber sicher in den Abgrund führt. Welche Alternative...?

@Behemoth bzw. Frage:
Zitat:
Hat meine Eindrücke dass die demokratisch Übergangsregierung irgendwie doch nicht so viel Kontrolle hat bestätigt...
Genial...

Was meinst du mit deinem Post?
09. September 2011, 14:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Wirken die II hat Folgendes geschrieben:

Was meinst du mit deinem Post?

Den Brief, den far gepostet hat...
aber vielleicht hab ich auch was missverstanden...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
13. September 2011, 23:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Zitat:
Damit wir von den Aufständen in Nordafrika lernen können, müssten wir sie zuerst einmal richtig verstehen können. Das ist weniger ein sprachliches Problem, als vielmehr ein solches der Wahrnehmung. Solange die Leute die Realität voreingenommen, durch die Brille ihrer jeweiligen Ideologie betrachten (gleichgültig, ob diese bürgerlich-demokratisch, reformistisch oder „revolutionär“ ist!), filtern sie alle Ereignisse heraus, die ihrem Weltbild nicht entsprechen. Auch wir sind vor dieser Gefahr nicht gefeit! Wir müssen uns ganz bewusst dazu zwingen genau hinzuschauen, was sich in Nordafrika wirklich abspielt, ohne gleich jede Zeitungsmeldung in unser Denkschema einzuordnen.


Dieser Brief liegt mir schon lange auf dem Magen und ich wollte schon lange darauf antworten. Zuerst einmal finde ich, dass die oben zitierte Methode des Briefschreibers unbedingt eingehalten werden sollte. Das genaue hinschauen, ohne Scheuklappen und Denkschematas die Sachen versuchen zu analysieren, das finde ich absolut richtig. Mit den inhaltlichen Ausrichtung bin ich aber überhaupt nicht einverstanden, auch wenn es stimmt, dass wenn man nicht vor Ort ist, es ziemlich schwierig ist, eine genauere Analyse zu entwickeln:

Zitat:
Wer nicht vor Ort ist, hat das Problem, überhaupt an „ungefilterte“ Informationen heranzukommen. Von unschätzbarem Wert sind daher die authentischen Berichte der Franzosen, die jetzt in Libyen sind und auf der Internetseite En route von einem ‚rebellischen’ Standpunkt aus berichten. Zur Zeit befinden sie sich in der belagerten Stadt Misrata und haben gestern wieder einen längeren Bericht veröffentlicht: http://setrouver.wordpress.com/2011/04/04/considerations-generales-sur-la-libye/. Besonders bemerkenswert finde ich folgende Schilderung:


La majeure partie de la population a cessé d’aller travailler et, dès le 21 mars, il n’y avait plus d’activité économique dans Misrata. Les habitants se sont rendus disponibles à la révolution en revétant de nouveaux rôles qu’ils se sont eux-même attribués. Le maître de conférence qui s’attèle a gérer le point internet de la ville, l’ancien militaire qui devient capitaine de bateau, l’étudiant en médecine qui part combattre, les bandes de gamins du quartier qui tiennent des check-points toute la nuit, le propriétaire d’une pelleteuse qui passe dans les rues pour former des barricades de sable. En ce qui concerne les tâches plus amples, l’organisation repose sur l’initiative commune d’habitants d’un même coin. Pour les déchets, par exemple, ils s’organisent entre eux pour les rassembler, les incinérer à ciel ouvert ou bien s’en servir comme combustibles pour se défendre. (..) L’argent n’est donc plus une nécessité pour acquerir les produits : ceux qui en ont encore paient, et les autres allongent des ardoises qui n’ont plus vraiment de sens, aucune activité n’étant plus remunerée par un salaire. Très vite, les magasins ont été réouverts pour rendre accessibles les produits vitaux. Certains possèdent des petits potagers et ont encore quelques bêtes à se mettre sous la dent. D’autres risquent leur vie en traversant des grandes artères pour acheminer de la viande et des légumes depuis les fermes du sud de Misrata, afin de les redistribuer en centre ville.

(Der grösste Teil der Bevölkerung hat aufgehört zur Arbeit zu gehen, und seit dem 21. März gibt es keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr in Misrata. Die Einwohner haben sich der Revolution zur Verfügung gestellt, indem sie neue Funktionen ausüben, die sie sich selbst zugewiesen haben. Der Dozent leitet mit Leib und Seele den Internet-Treffpunkt der Stadt, der ehemalige Berufsmilitär wird Schiffskapitän, der Medizinstudent zieht in den Kampf, die Jugendbanden des Quartiers bewachen während der ganzen Nacht die Kontrollposten, der Besitzer eines Baggers zieht durch die Strassen, um Barrikaden aus Sand zu errichten. Was die weiteren Aufgaben betrifft, beruht die Organisation auf der gemeinsamen Initiative der Bewohner der gleichen Ecke. Für den Müll beispielsweise organisieren sie sich unter sich, um ihn einzusammeln. Sie verbrennen ihn im Freien oder aber benützen ihn als Brennstoff, um sich zu verteidigen. (…) Das Geld ist somit keine Notwendigkeit mehr, um die Produkte zu erwerben : [Es gibt] solche, die noch welches haben, und die andern machen Schulden, die in Wirklichkeit keinen Sinn mehr haben, weil keine Tätigkeit mehr als Lohn vergütet wird. Sehr schnell haben die Läden wieder geöffnet, um die lebensnotwendigen Produkte zugänglich zu machen. Einige besitzen kleine Gemüsegärten und haben noch etwas Vieh, das sie verzehren können. Andere riskieren ihr Leben beim Überqueren der grossen Zufahrtsstrassen, um Fleisch und Gemüse von den Bauernhöfen im Süden von Misrata zu holen und im Stadtzentrum zu verteilen.)


Mit andern Worten: In der belagerten Stadt Misrata gibt es weder Lohnarbeit noch Staat. Die Menschen organisieren ihr Leben selber, mehr oder weniger nach dem altbekannten Grundsatz: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Ähnliche Berichte hat es auch aus Benghasi gegeben. Das ist eine Art „Kriegskommunismus“, aber ein ganz urwüchsiger, spontaner, der auf der Eigeninitiative und Selbstorganisation der Leute beruht – und nicht auf einem Kommandoregime nach dem Vorbild der deutschen Kriegswirtschaft, wie es die Bolschewiki nach der Oktoberrevolution organisierten. Es mag Zufall sein, dass genau 90 Jahre nach der Niederschlagung des Kronstädter Aufstandes solche Formen der solidarischen Selbstorganisation Wirklichkeit werden...



Diese Aussage lässt mich ganz perplex. Ganz abgesehen, dass langfristig gesehen so ein Kommunismus, wie er oben beschrieben wird, die Verallgemeinerung der Armut bedeuten würde, ist sich auch zu fragen, wieso im Unterschied zu Ägypten z. B., die ausländischen Arbeitskräfte, und es gab deren viele in Lybien, sich nicht in diesen Kommunismus haben integrieren können oder bin ich da schlecht informiert? Weiter, auch wenn es dann einen solchen Kommunismus gegeben hat, hätte er so eigenständig, wie er beschrieben wird, ohne die Hilfe der westlichen kapitalistischen Mächte (schon rein militärisch gesehen) aufrechterhalten werden können? Und zuletzt: Was für ein Interesse hätten dann die westlichen Mächte daran, den "Kommunismus" von Misurata aufrechtzuerhalten.
Die logische Konsequenz: Man sollte sich m.E. die Frage stellen, waren die rebellierenden Kräfte wirklich Ausdruck des revolutionären Proletariats oder vielmehr, welche Schichten und Interessen der lybischen Gesellschaft repräsentieren sie wirklich?
14. September 2011, 10:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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was meinst du mit verallgemeinerung der armut?

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argumentum ad baculum
14. September 2011, 12:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Wirken die II hat Folgendes geschrieben:



Diese Aussage lässt mich ganz perplex. Ganz abgesehen, dass langfristig gesehen so ein Kommunismus, wie er oben beschrieben wird, die Verallgemeinerung der Armut bedeuten würde, ist sich auch zu fragen, wieso im Unterschied zu Ägypten z. B., die ausländischen Arbeitskräfte, und es gab deren viele in Lybien, sich nicht in diesen Kommunismus haben integrieren können oder bin ich da schlecht informiert? Weiter, auch wenn es dann einen solchen Kommunismus gegeben hat, hätte er so eigenständig, wie er beschrieben wird, ohne die Hilfe der westlichen kapitalistischen Mächte (schon rein militärisch gesehen) aufrechterhalten werden können? Und zuletzt: Was für ein Interesse hätten dann die westlichen Mächte daran, den "Kommunismus" von Misurata aufrechtzuerhalten.
Die logische Konsequenz: Man sollte sich m.E. die Frage stellen, waren die rebellierenden Kräfte wirklich Ausdruck des revolutionären Proletariats oder vielmehr, welche Schichten und Interessen der lybischen Gesellschaft repräsentieren sie wirklich?

Reichtum ist kein universeller Massstab. Das können doch wohl nur die Leute vor Ort wissen, wie hoch ihr Lebensstandard ist.
So ein "Kriegskommunismus" hat an sich relativ viele gute Seiten. Und es ist eben ein Widerspruch zum Kapitalismus, da da ja ganz andere soziale Beziehungen existieren... Da ist es klar dass es ein sozialer Krieg wird...
Das mit den ausländischen "Arbeitskräften" ist natürlich eine offene Frage, und es könnte sein, dass du da schlecht informiert bist, ich bin es auch...
Die Beschreibung ist ja eben gerade, dass er so eigenständig funktioniert wie beschrieben, ob das möglich ist? anscheinend...
Und im Brief wird ja beschrieben, dass die westlichen Mächte kein Interesse daran haben, dass der Kommunismus von Misrata funktioniert, und dass er funktioniert liegt wohl daran, dass die westlichenn Mächte dort (noch) zu schwach sind.
Dass das Ganze längerfristig funktionieren kann, müssen also die "westlichen Mächte" auf lange Sicht geschwächt werden. Für das braucht es ja bekanntlich internationale Solidarität... Ich denke die sollte hauptsächlich so aussehen, dass die internationale Polizei überall so geschwächt wird, dass sich überall die Möglichkeit zum Kommunismus entfalten kann...

Welche Schichten und Interessen sie wirklich repräsentieren? Die der Leute die dort kämpfen vielleicht?
Die waren ja bekanntlich Teils auch Zahnärzte und so. Also nicht nur Arme. Aber waren und sind ist nicht das gleiche...

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Gaddafi is tot.

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Raskolnikow



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Zitat:
Gaddafi is tot.


Ach du Schreck! Da kann die Demokratenpest ja mal wieder das Ende einer Diktatur bzw. eines Diktators für noch mehr Demokratiepropaganda ausschlachten, während zeitgleich in Griechenland ein Bauarbeiter von der Polizei vergast wurde.

ΕΛΛΑΣ ΕΛΛΗΝΩΝ ΑΣΤΥΝΟΜΙΚΩΝ ΡΟΥΦΙΑΝΩΝ ΔΟΛΟΦΟΝΩΝ ΚΑΙ ΒΑΣΑΝΙΣΤΩΝ

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20. Oktober 2011, 18:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Sein Tod kann ja vielleicht Anstoss zu neuen Bewegungen sein, und besonders jene Kämpfer die nun die ganze Zeit während die neue Regierung ausgehandelt wurde im Kampf waren betreten nun das Spielfeld. Wenn sie nicht schon unlängst in reguläre Truppen eingegliedert wurden.

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Raskolnikow



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Zitat:
Sein Tod kann ja vielleicht Anstoss zu neuen Bewegungen sein, und besonders jene Kämpfer die nun die ganze Zeit während die neue Regierung ausgehandelt wurde im Kampf waren betreten nun das Spielfeld. Wenn sie nicht schon unlängst in reguläre Truppen eingegliedert wurden.


als ob diese kämpfer nach einer insgesamt relativ kurzen phase des aufstands wahnsinnig viel mehr gemacht hätten als fürs fernsehen mit kalashnikoffs zu posieren, wie in mad max in abgewrackten jeeps durch die wüste zu touren, planlos (aber medienwirksam) munition zu verschießen und sich ansonsten von der nato bis tripolis den weg freischießen zu lassen.

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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
20. Oktober 2011, 22:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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nestor's nachwort auf gaddafi:

Zitat:
Gaddafi wurde erledigt, vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Einige seiner Volksgenossen, die er über 40 Jahre lang regiert hat, haben ihn – nachdem die NATO kräftig mitgeholfen hat, ihn außer Gefecht zu setzen – erst ein wenig geprügelt, ihm irgendwas in den Arsch gesteckt, und schließlich abgeknallt. Alles mit Handy-Fotos und -Filmen dokumentiert, wir sind ja modern.
Danach wurde seine Leiche noch zur Schau gestellt, er und sein Sohn wurden ausgeweidet, um das Schauspiel ein wenig zu verlängern, und dann wurden die beiden irgendwo in der Wüste verscharrt, weil sie schon gar zu sehr zu stinken begannen.
Das Ganze erinnert ein wenig an die Gepflogenheiten des Mittelalters, wo die Gehenkten vor den Stadttoren den Reisenden zur Schau gestellt wurden, um die Neuankömmlinge mit den örtlichen Rechtsbräuchen vertraut zu machen.

So endete ein Potentat, der in vielen Hauptstädten der Welt zu Gast war, seine Petrodollars in Europa investiert und mit dem CIA und anderen westlichen Geheimdiensten bei der Jagd auf Al-Kaida-Terroristen zusammengearbeitet hat, und meinte, daß ihm seine früheren antiimperialistischen Terroranschläge und andere Streiche verziehen worden seien. Er wiegte sich in solcher Sicherheit gegenüber seinen neuen Haberern, daß er die Flugabwehrraketen Libyens demontieren ließ.
Dabei hat Gaddafi eines nie aufgegeben: Eine eigenständige Innen- und Außenpolitik, die er sich aufgrund der Erdöleinnahmen auch leisten konnte, und das war sein Todesurteil.

Die Anklage beim internationalen Gerichtshof war ein rein formaler Akt: Niemand wollte Gaddafi auf der Anklagebank sitzen sehen, wo er über die Zusammenarbeit mit dem CIA oder die Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf und ähnliche delikate Themen viel zu erzählen gehabt hätte. Mit dieser Anklage wurde nur einerseits klargestellt, wer das Völkerrecht definiert und wer sich diesen Grundsätzen zu unterordnen hat. Zweitens wurde damit auch aller Welt mitgeteilt, daß ein ehrenvoller Abgang für den Mann, – wie er vielen Hurensöhnen des Imperialismus gewährt worden war –, nicht vorgesehen ist. Kein Land der Welt hätte ihn aufnehmen dürfen. Abgesehen davon, daß er auch nicht der Typ gewesen wäre, der vor überlegener Gewalt abhaut, aber so blieb ihm auch nichts anderes übrig, als in Libyen zu bleiben und sich lynchen zu lassen. Das war von den Machthabern der USA, Großbritanniens und Frankreichs genau so vorgesehen und wurde auch durch das Bombardement Sirtes und seines Fahrzeugkonvois eingeleitet.

Das alles wurde von der internationalen gleichgeschalteten Presse begleitet, die das Terrain mit einer beispielslosen Hetzkampagne bearbeitet hat. Es geht doch nichts über eine freie Presse, die die überlegene Gewalt hofiert und diensteifrig ihre Taten für das gemeine Volk aufarbeitet.

Was kommt nach ihm?

Erstens einmal ein Terrorregime in Libyen. Die neuen Sieger machen Jagd auf die tatsächlichen oder vermuteten Sympathisanten Gaddafis. Das betrifft ganze Städte, und sogar einen Landesteil, den Fezzan, wo die dunkelhäutigen Libyer herstammen, auf die ja bereits seit Monaten im Norden Jagd gemacht wird. Was in dieser Hinsicht bereits geschehen ist, wieviele Tote der Bürgerkrieg bis jetzt gefordert hat, und welche Schlächtereien noch bevorstehen ist nicht mehr Anliegen der freien Presse, und irgendwelche unabhängigen Journalisten, die sich nach Libyen hinwagen sollten, riskieren ihr Leben.

Zweitens die Neuaufteilung des libyschen Öls. Die drei Staaten, die den Bürgerkrieg in Libyen eingeleitet und entschieden haben, wollen die Hand auf die libyschen Ölvorkommen legen. Das richtet sich gegen China, dessen Expansion durch Entzug von Rohstoffquellen gestoppt werden soll. Es belebt aber auch die Konkurrenz der traditionellen imperialistischen Mächte und fördert die Disharmonie in der EU: Die traditionellen Bezieher dieses Öls, Deutschland, Italien und Österreich werden wahrscheinlich außen vor bleiben oder sich mit Trosthäppchen zufriedengeben müssen. Was wieder die Abhängigkeit von und Hinwendung zu Rußland verstärken wird. Eine Bruchlinie quer durch die EU zeichnet sich hier ab, die auch rund um die eingefrorenen Gaddafi-Konten weitere Reibungspunkte verspricht.

Der „arabische Frühling“, der aus einer Reihe von Blutbädern besteht und noch mit weiteren winkt, wurde und wird in Zusammenarbeit von Geheimdiensten, Umsturz-Firmen und NGOs ausgeheckt und von der NATO finalisiert. Das Labor für diese Art von Umstürzen war Jugoslawien. Seither wurde das System perfektioniert.

Was für Schlüsse die Regierungen und Völker der Welt aus dem Sturz und der Ermordung Gaddafis ziehen werden, wird sich erst weisen.


http://nestormachno.blogsport.de/2011/10/26/demokratie-und-imperialismus-2011/

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argumentum ad baculum
27. Oktober 2011, 13:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Zitat:

Was für Schlüsse die Regierungen und Völker der Welt aus dem Sturz und der Ermordung Gaddafis ziehen werden, wird sich erst weisen.


Obama jedenfalls hat seinen schon gezogen:
Zitat:
Die Bildung einer breiten Allianz unter Einbeziehung europäischer und arabischer Länder habe das Leben von US-Soldaten gerettet, Geld gespart und das angestrebte Ziel erreicht. «Kein einziger US-Soldat war auf dem Boden», keiner sei getötet oder verletzt worden, sagte Obama am Dienstag in der Show. «Ich glaube, dass ist ein Erfolgsrezept für die Zukunft.»

Von: http://www.bernerzeitung.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Diplomat-Ghadhafi-nicht-hingerichtet/story/25631149

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Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
27. Oktober 2011, 14:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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commander hugo zum tod von gaddafi:


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30. Oktober 2011, 15:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sudaka



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Also ich hab mir heute das Video von Gadaffi angesehen,
ich weiss nicht, wenn er sich dann flehend an seine massive Kopfwunde längt,
und realisiert das er jetzt stirbt,
irgendwie tut mir ein Mensch in so einer Situation leid.
Natürlich nichts im Vergleich zu den Sachen die er angeordnet hatte, aber irgendwie...

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"Vielmehr geht es darum, dass etwas an sich völlig Nicht-Dingliches, nämlich menschliche und soziale Beziehungen, durch die gesellschaftliche Warenform entfremdet und verdinglicht werden."
31. Oktober 2011, 19:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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das ist, denke ich, eine relativ übliche, menschliche reaktion auf solche bilder.

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
31. Oktober 2011, 19:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Beitrag Antworten mit Zitat
Wäre in solchen Lynchmordszenen wie mit Gaddafi stattdessen Demokratenabfall wie Sarrazin, Westerwelle etc. zu sehen gewesen, hätte ich vermutlich mein Hintergrundbild ausgetauscht...

Aber ganz abgesehen davon - Muammar bin Mohammad bin Abdussalam bi Humayd bin Abu Manyar bin Humayd bin Nayil al Fuhsi Gaddafi hatte immerhin einen talentierten Ghostwriter: http://mrzine.monthlyreview.org/2011/gaddafi241011.html

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31. Oktober 2011, 21:56 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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nachtrag zum imperialistischen krieg in libyen, der nato und den sog. "rebellen":
http://subprole.blogsport.de/2012/01/02/who-said-gaddafi-had-to-go/

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02. Januar 2012, 23:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rude e
Mad Dog


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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Wäre in solchen Lynchmordszenen wie mit Gaddafi stattdessen Demokratenabfall wie Sarrazin, Westerwelle etc. zu sehen gewesen, hätte ich vermutlich mein Hintergrundbild ausgetauscht...


Du bist ja irgendwie schon ziemlich ein Arschloch.

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Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison. In diesem Jahr hat es mir einer verboten. Aber ich lasse mir nichts verbieten. Ich werde tanzen, und zwar mit einer wundervollen Partnerin.

Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet Ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann.
02. Januar 2012, 23:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Du bist ja irgendwie schon ziemlich ein Arschloch.


Das musst grade du sagen, Chuck Norris.

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03. Januar 2012, 00:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Streik im Seehafen von Tripolis. Die ArbeiterInnen
streiken gegen die Arbeitsbedindungen und korrupte Gaddafi-Anhänger in der Leitung.

_________________
Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
03. Januar 2012, 14:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Ergänzt:
Hallo far, das war eine Antwort von Hama (der leider wie du vielleicht weisst verstorben ist). Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns.


Vor einer Weile während des Auftstands hat sich ein Genosse in drei E-Mails mit Libyen beschäftigt die ich hier ins Forum gestellt habe. Durch diese E-Mails ist dann eine Diskussion entbrannt die ich nun nachträglich auch zur Vervollständigung noch wiedergeben möchte. Ich denke die Zeit ist reif sich nun anzusehen, was davon übrig geblieben ist. Zuerst die Kritik der IKS.

Die vergangenen E-Mails:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41347#41347
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41349#41349
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41350#41350

«Die Diskussionsveranstaltung im Volkshaus ist offenbar nicht ganz so
verlaufen, wie die veranstaltenden Organisationen sich das gewünscht hätten.
Nun ergibt sich eine neue Chance zu einer interessanten Debatte. Ein Genosse
der IKS hat auf meine Kritik geantwortet und verschiedene Fragen
aufgeworfen, auf die ich mit meiner Stellungnahme dazu eingehen möchte.
Anbei sende ich euch die beiden Texte, die ich soweit anonymisiert habe,
dass sie ohne Bedenken auch weiterverwendet werden können, so wie es ein
anderer Genosse - nach Rücksprache mit mir - mit meinen drei längeren
E-Mails gemacht und sie auf www.undergrounddogs.net veröffentlicht hat.»


Zum Diskussionsbeitrag von R. betreffs Veranstaltung zu den Bewegungen in Nordafrika...

Die Begeisterung,mit der R. in seinem Beitrag versucht,die Aufstandsbewegung in Libyen uns näher zu
bringen hat mich nicht angesteckt. So sehr ich seine Wortmeldung (und seine Übersetzungsarbeit)
begrüsse -so sehr muss ich doch die Methode kritisieren,mit der er die Bewegung in Libyen begrifflich zu
fassen versucht.

R. stellt seinen Beitrag auch gegen eine "eurozentristische Sicht" (so ein Einwand eines deutschen
Genossen gegenüber der Position der IKS) bzw. einer schematischen Sichtweise,die die Stärke einer
Arbeiterbewegung misst an dem Grad der Industriealisierung und entsprechend meint,die Bewegung in
Nordafrika müsse von der in den Metropolen lernen....R. meint:umgekehrt.Und er sieht gerade in der
libyschen Rebellenbewegung etwas,das weit über die Prozesse in den übrigen Ländern hinausgehtnämlich
nichts weniger als eine soziale Revolution.

Mir geht es nicht darum,anhand von Kriterien wie Stärke der Klassenbewegung ,proletarische
Forderungen etc. eine Einteilung in Revolten 1. und Revolten 2. Klasse vorzunehmen.Die
Voraussetzungen,die Motive,die Zusammensetzung,..das ist in jedem Land verschieden und die
Menschen können sich nicht aussuchen,unter welchen Verhältnisse sie den Kampf aufnehmen.

Aber das enthebt uns natürlich nicht,eine möglichst realistische Einschätzung der Kräfte und ihrer
Möglichkeiten vorzunehmen.Unsere Einschätzungen und entsprechende
Stellungnahmen/Solidaritätsbekundungen sind angesichts unserer Schwäche von geringer praktischer
Bedeutung---sie sind aber von enormer Bedeutung für all die Menschen,die an der Selbstverständigung
arbeiten über die Frage einer möglichen "Aktualität des Kommunismus".

Nicht zufällig sind hinsichtlich der Bewegungen in Nordafrika gerade die Fragen strittig,die auch
hinsichtlich der Kämpfe und einer Diskussion über Möglichkeiten eines Bruchs in den Metropolen
umstritten sind.

Es sind dies insbesondere die Frage nach der Bewusstheit (Klassenbewusstsein deckt das nicht mehr
ab),wie solche Bewusstheit entstehen kann,welche Rolle Organisationen hierbei als auch hinsichtlich des
Bruchs spielen können.

Nachdem Marx in der Stunde des verzweifelten Kampfes der Pariser Commune diese vorbehaltslos
begrüsste,setzte er sich hin und versuchte,die Ereignisse auf den Begriff zu bringen.Und das beinhaltet
immer auch eine harte Kritik.

Man mag also die Rebellion in (Ost)-Libyen als Kommune von Bengazi/Misrata begrüssen..sollte sich
dann aber unverzüglich an die Abeit des auf den Begriff-Bringens machen.

R.s Beitrag unternimmt aber garnicht den Versuch---sondern bleibt in einer Art "Vom kommenden
Aufstand"Revolutionsprosa befangen.Die Quelle,auf die er seine Position stützt ist die wohl einzig
"authentische" Quelle (was verwunderlich ist im Zeitalter von Internet und Handykamera,aber es ist
so).Möglicherweise ein/ein paar Fellow-Travellers in Nordafrika auf den Spuren der Revolte.Unterstellen
wir einfach mal es sei so(einen link zur anarchistischen Jura Federation kann allerdings jeder setzen)
Dann dürfen wir diese Reisebeschreibungen nur nehmen als Momentaufnahmen von Menschen mit
grossen Sympathien für die Rebellen.Also quasi wie ein Ethnologe,der einfach erstmal ins Diktiergerät
spricht.

Wir finden eine Beschreibung der chaotischen Zustände,der Belagerung,Ansätzen von
Selbstorganisation,zaghafter Aufbau einer regulären Armee etc.

Daraus ergibt sich mir vorläufig ungefähr folgendes Bild:im Zuge der Aufstände in Tunesien,Ägypten und
der Unruhen in einer Reihe anderer umliegender Staaten griff der Geist der Revolte auch auf Libyen über
und auch hier insbesondere auf die Jugendlichen.Dazu kommen in Libyen Stammesstrukturen und
entsprechend ein Gefälle zwischen Ost und dem Rest,eine Frage von Machtverteilung und insbesondere
der Verfügung über die Ölrenten,die für Libyen die absolute Dominante darstellt.Vermutlich gibts auch
ein Armutsproblem( in ländlichen Gegenden)aber verglichen mit den anderen von Revolten betroffenen
Staaten vernachlässigenswert.Und sicher gibt es Schichten denen die Öffnung und Modernisierung des
Landes nicht weit genug geht,die ihre Möglichkeiten verbaut sehen.

Es gab also in den Städten die Grossdemonstrationen mit der Forderung" Weg mit dem Despoten",es
gab erste Überläufer aus dem Gaddafilager.Inwieweit von "Gadaffis Schergen" die Demonstrationen
gezielt beschossen wurden und ein Massaker angerichtet oder beabsichtigt war,weiss ich nicht und es
gibt auch hierfür keine unabhängigen Quellen.Das ist erstaunlich,weil man davon ausgehen kann das die
Medien hier auch nur den kleinsten Beweis gross rausbringen würden.Unterstellen wir,die
Demontrationen seien friedlich gewesen und man habe auf sie geschossen und erst dann haben die
Rebellen die Kaserne,Volksbüros,Waffenlager angegriffen .Dann bleibt doch die merkliche Differenz
zwischen den ersten Tagen und dem Auftauchen der provisorischen Regierung,deren Vorsitzender ein
Gaddafi-Überläufer ist.Wenn dich einer massakrieren will,ist nicht die Stunde,um sich seine Verbündeten
auszusuchen.Soweit so gut.Es kann ja sein,die authentischen Kräfte der ersten Tage haben sich damit
abgefunden,dass die erwartete Dynamik nicht eingetreten ist und machen sich jetzt so gut es geht
nützlich .Einen Machtfaktor stellen sie offensichtlich längst nicht mehr dar (und man hat den
_Eindruck,sie sind halt enthusiastisch und naiv in einen Aufstand reingegangen.Das gilt aber sicher nicht
für die Kräfte,die jetzt in den politischen Übergangsstrukturen und in den militärischen Strukturen
drinnsitzen.Wir haben seit vielen Wochen Leute vor Ort und in Gesprächen mit den Rebellen,sagen die
Regierungen von Grossbritannien,Frankreich und USA.Sollte es je so etwas wie die Kommune von
Misrata oder Bengazi gegeben haben---gegenwärtig dominieren Kräfte,die wie beim Versandhaus ein
paar Bombenabwürfe auf Wunschziele bei der Nato bestellen und sauer sind,dass die nicht genug tut.

Und hier ist der Punkt zu sagen:auch mit viel Wohlwollen können wir hier nichts Unterstützenswertes
mehr erkennen.

R. bringt es fertig,die Rebellen (unter denen er nicht differenziert,so wie er auch die sehr verschiedenen
Phasen der Bewegung nicht unterscheidet) und die Natokräfte als zwei völlig verschiedene Kräfte
abzuhandeln,ja er versucht gar die Rebellen als tendenziell gegen die Nato gerichtete darzustellen.Nur so
kann er den Spagat "Mit den Rebellen" und "Gegen die Nato" hinbekommen.Derart kommt man aber
nicht zu einer Stellungnahme,die klar gegen militärische Intervention sich richtet sondern die
Hilfestellung aus der Luft kraft Bombereinsätze wird stillschweigend akzepiert (weil nur so die Rebellen
nicht massakriert würden) und erst Natobodentruppen wären verwerflich.Einflussnahme der Nato/der
Imperialisten ist aber wohl nicht eine Frage des Nähe (Luft oder den Stiefel vor der Ölquelle)-

Nun aber abschliessend zu der von mir kritisierten Methode von R..Ich zitiere aus seinem Beitrag:

"In der belagerten Stadt Misrata gibt es weder Lohnarbeit noch Staat.Die Menschen organisieren ihr
Leben selber.Ähnliche Berichte hat es auch aus Bengazi gegeben.Das ist eine Art
"Kriegskommunismus",aber ein ganz urwüchsiger,spontaner.............................."Das scheint mir bei
Anarchosyndikalisten,Libertären und auch Rätekommunisten immer zentral:spontan muss es sein und
wenn es eine Niederlage ist,Hauptsache selbstorganisiert.

Etwas weiter vorn schreibt R. dann schon weniger enthusiastisch:

"Es ist..die äussere Bedrohung,welche die Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen
vorübergehend zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweisst hat........."Hier wäre der Ort,die
Kräfteverhältnisse so gut es geht konkret zu untersuchen und ensprechend die mögliche weitere
Entwicklung der Rebellenbewegung .

R. tritt aber die Flucht nach vorn an:

"Wenn die staatliche Ordnung zusammenbricht und das gesellschaftlich Leben von Grund auf neu
organisiert werden muss,halte ich es für angebracht,von einer sozialen Revolution zu sprechen."

Wo wird denn in Libyen das gesellschaftliche Leben von Grund auf neu (!) organisiert oder wo gab es
auch nur die Absicht dazu?

Ist Alltagsorganisation aus der Not heraus schon deshalb eine Art Rätestruktur,weil sie von den Bürgern
selbst geleistet wird?

Was heisst der Staat ist zusammengebrochen...welche Art Staat gab es denn überhaupt und was davon
kam an im Osten oder in den ländlichen Gegenden?

Wie passt "Bürgerkrieg" dazu,dass Libyen dargestellt wird als eine Rebellen/Aufstandsbewegung gegen
den Gaddafi-clan und seine "Söldner"?

Warum nennt R. nicht die Imperialistensoldaten Söldner der Rebellen,die werden ja nicht zum Nulltarif
da arbeiten sondern aus der Ölrente honoriert werden,von Zugriffrechten etc.ganz zu schweigen.

"Im Gegensatz zu den anderen Ländern,wo die Aufstände ins Stocken geraten sind,ist offenbar in Libyen
gleich auf Anhieb die herrschende Ordnung völlig zusammengebrochen"-schreibt R..........weshalb wir
jetzt auch Bürgerkrieg dort haben und die Rebellen ohne Natoengagement von der
zusammengebrochenen herrschenden Ordnung aufs Dach bekämen.

"Auf welcher Grundlage werden die LibyerInnen ihr Leben nach dem Ende des Bürgerkrieges
organisieren" fragt R..Das frage ich mich auch.Ich nehme mal an sie werden die 200 000
Migarantenarbeiter wieder ins Land holen,sie werden mit Europa eine Milliardenschweres Geschäft
abschliessen zur Sicherung der Grenzen , die Ölrenten werden gleichmässiger auf die Machtclans verteilt
werden.....das Leben wird trotz alldem freier,vielseitiger ,-und somit wachsen möglicherweise auch die
Voraussetzungen ,um für einen wirklichen Bruch,für wirkliche Selbsttätigkeit zu kämpfen.

Was bislang sich dort ereignet hat ist weder eine soziale Revolution noch zielte es darauf.
Aktualität des KommunismusRevolutionsprosa befangen.Die Quelle,auf die er seine Position stützt ist die wohl einzig

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.

Zuletzt bearbeitet von far am 16. Januar 2012, 16:28, insgesamt 2-mal bearbeitet
16. Januar 2012, 12:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Hier nun noch zuletzt die Antwort von Genosse R. auf die Kritik der IKS vom 19. April 2011.

Die ersten E-Mails von Genosse R.:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41347#41347
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41349#41349
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41350#41350
Die Antwort der IKS:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=45648#45648

«Die Diskussionsveranstaltung im Volkshaus ist offenbar nicht ganz so
verlaufen, wie die veranstaltenden Organisationen sich das gewünscht hätten.
Nun ergibt sich eine neue Chance zu einer interessanten Debatte. Ein Genosse
der IKS hat auf meine Kritik geantwortet und verschiedene Fragen
aufgeworfen, auf die ich mit meiner Stellungnahme dazu eingehen möchte.
Anbei sende ich euch die beiden Texte, die ich soweit anonymisiert habe,
dass sie ohne Bedenken auch weiterverwendet werden können, so wie es ein
anderer Genosse - nach Rücksprache mit mir - mit meinen drei längeren
E-Mails gemacht und sie auf www.undergrounddogs.net veröffentlicht hat.»


Stellungnahme zur Antwort eines Genossen der IKS

Ein Genosse der IKS hat auf meine Kritik an ihrer Haltung zu Libyen, die ich in drei längeren E-Mail-
Briefen geäussert habe, geantwortet. Er findet, unsere Stellungnahmen seien zwar „angesichts unserer
Schwäche von geringer praktischer Bedeutung“
, aber dennoch wichtig für alle jene, die sich „über
die Frage einer möglichen ‚Aktualität des Kommunismus’“
verständigen wollen. Immerhin, das ist nicht
wenig angesichts einer öffentlichen Meinung in Europa, die einzig um die Fragen kreist, wieviele
Flüchtlinge aus Nordafrika zu uns kommen könnten und um wieviel der Ölpreis wegen der Unruhen
steigen könnte, während die westlichen Staaten wegen genau dieser Fragen einen Krieg begonnen
haben, den sie heuchlerisch unter der Fahne der „Humanität“ und unter dem Vorwand des „Schutzes
der Zivilbevölkerung“ führen.

Nachfolgend möchte ich auf die Fragen eingehen, die der Genosse in seiner Antwort aufgeworfen hat.
Dabei möchte ich klarstellen, dass weder meine drei erwähnten E-Mail-Briefe, noch die folgenden
Ausführungen einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Für ein umfassendes Bild der Ereignisse
in Nordafrika sind die Informationen, die uns heute vorliegen, viel zu bruchstückhaft, so dass es vielmehr
darum gehen muss, aus all den widersprüchlichen Meldungen jene zu erkennen, die genau diese
„Aktualität des Kommunismus“ unter Beweis stellen.

Der Genosse ist anscheinend kein Freund spontaner Revolten, wenn er schreibt: „Das scheint mir bei
Anarchosyndikalisten, Libertären und auch Rätekommunisten immer zentral: spontan muss es sein
und wenn es eine Niederlage ist, Hauptsache selbstorganisiert.“
Nun, ich könnte ja ebenso polemisch
zurückfragen, was denn das Gegenteil einer spontanen, selbstorganisierten Revolution sei. Ein von
einer Parteizentrale befohlener Aufstand? Hauptsache, es ist ein Sieg, auch wenn er nur darin besteht,
dass eine neue staatliche Ordnung errichtet wird...

Am 15. Februar 2011, also zufällig genau an dem Tag, als in verschiedenen Städten Libyens die
Massendemonstrationen begannen, hat Alain Badiou in der Zeitung „Le Monde“ über die Aufstände in
Tunesien und Ägypten u.a. geschrieben:


"Der Volksaufstand, von dem wir reden ist offensichtlich ohne Partei, ohne hegemoniale Organisation,
ohne anerkannten Führer. Mit der Zeit werden wir prüfen können, ob dies eine Stärke oder eine Schwäche
ist. Auf jeden Fall ist es diese Tatsache, welche alle Eigenschaften eines „Kommunismus der Bewegung"
– in einer außerordentlich reinen Form, ohne Zweifel die reinste nach der Pariser Kommune –
hervorbringt. (...) Seit zwei Jahrhunderten gibt es ein einziges Problem: Wie können wir die Erfindungen
des Kommunismus der Bewegungen dauerhaft etablieren? Und eine einzige reaktionäre Antwort:
„Das ist unmöglich, ja schädlich. Vertrauen wir uns dem Staat an". Ehre für die Völker Tunesiens und
Ägypten, die uns an die wahre und einzige politische Aufgabe erinnern: im Angesicht des Staates, dem
Kommunismus der Bewegung die Treue zu halten." 1


Der grossartige Text mit dem Titel „Tunesien, Ägypten: Wenn der Ostwind die Arroganz des Westens
hinwegfegt"
ist in deutscher Übersetzung in der Zeitschrift „Grundrisse“ abgedruckt worden.2 Er wirkt
für meinen Geschmack erfreulich erfrischend im Vergleich zu den dürren Analysen und Kommentaren
einer erstarrten Linken, deren ganzes Sinnen und Trachten seit über 100 Jahren darauf gerichtet ist,
den Staat zu erobern und zu verwalten statt ihn aufzuheben.

Der Genosse zweifelt daran, ob Ghadhafis Schergen auf Demonstranten geschossen haben und verlangt
nach „unabhängigen Quellen“ („Inwieweit von ’Ghadaffis Schergen’ die Demonstrationen gezielt
beschossen wurden und ein Massaker angerichtet oder beabsichtigt war, weiss ich nicht, und es gibt
auch hierfür keine unabhängigen Quellen.“
). Was sind für ihn „unabhängige Quellen“? Und von wem
unabhängig? Es gibt auf youtube zahlreiche verwackelte Videos, die solche Szenen zeigen:


Ob sie ihm Beweis genug und unabhängig genug sind, weiss ich nicht. Abgesehen davon, nicht nur in
Libyen haben die „Ordnungshüter“ auf friedliche Demonstrationen geschossen, auch in allen andern
arabischen Ländern. Und selbst in unseren „demokratischen Staaten“ ist es noch nicht allzu lange her,
dass Polizei und Armee Manifestanten massakriert haben. Als Beispiel sei an den 4. Juli 1960 in Reggio
Emilia erinnert.

Der Genosse wundert sich, dass im Zeitalter von Internet und Handykamera die Berichte der ‚rebellischen’
Franzosen die einzige authentische Quelle sind. Bestimmt gibt es noch weitere Blogger, auch
wenn sie nicht ohne weiteres aufzufinden sind. Beispielsweise der Blog des italienischen Aktivisten
Gabriele Del Grande.3 Ein Interview mit ihm gibt es auf Deutsch übersetzt auf Indymedia. 4Es liegt auf
der Hand, dass die offiziellen Medien ein Bild vermitteln, das den jeweilgen Bedürfnissen der
Herrschenden entspricht. So konnte man beispielsweise mit Verwunderung beobachten, wie aus den
gleichen „Präsidenten“, denen die westlichen Staatschefs erst kürzlich noch auf die Schulter geklopft
oder die Hand geküsst hatten, auf einmal „Despoten“ wurden – allerdings erst als die Überzeugung
herangereift war, dass sie nicht mehr zu halten waren. Umgekehrt ist es nur eine Frage der Zeit, bis in
den westlichen Medien aus den Demonstranten in Kairo und Tunis wieder „gewaltbereite Chaoten“
(wie in Griechenland oder bei uns) werden und aus den libyschen Rebellen „Terroristen“...

Die offiziellen Medien hüten sich davor, uns mit Informationen zu versorgen, die zeigen, dass die Menschen
ihr Leben ohne Lohnarbeit und Staat organisieren können. Und falls doch einmal etwas durchsickert,
dann wird ein solcher Bericht rasch wieder entfernt, wie der Korrespondentenbericht aus einer
libyschen Stadt (den Namen habe ich vergessen, aber es war weder Benghasi noch Misrata) mit dem
Titel „Wie sich die Revolution von unten organisiert“.5 Wer heute dem Link folgt, findet eine leere
Seite! Das sagt doch einiges darüber aus, welches Bild von Libyen uns vermittelt werden soll und
welches nicht. Angesichts dieser Informationslage wäre es weiser, die gesammelten Mosaiksteinchen
vorerst sorgsam aufzubewahren und zu erklären: „Wir wissen, dass wir nichts wissen“, statt sie
sogleich zu einem verzerrten Bild zusammenzufügen und zu einem vorschnellen Urteil zu gelangen,
dass nur die eigenen Vorurteile zementiert.

Natürlich können wir nicht länger nur schweigend zusehen, nachdem die eigenen Bourgeoisien in den
libyschen Bürgerkrieg eingegriffen haben. So unklar die Lage in Libyen selbst ist, so klar muss für uns
die Haltung zu diesem „humanitären Krieg“ sein: NATO, Hände weg von Libyen! Keine Solidarität mit
der eigenen Bourgeoisie! Es ist durchaus kein Spagat, wie der Genosse findet, gleichzeitig für die Rebellen
in Libyen und gegen die NATO-Intervention zu sein. Dies erst recht, weil offenbar auch unter
den Aufständischen die Meinungen zu dieser fremden Hilfe auseinandergehen. Es gibt ein Bild, das
ein Gebäude mit der Rebellenflagge und einem Spruchband zeigt, auf dem steht: „NO FOREIGN
INTERVENTION – Libyan people can manage it ALONE“
. Auf einer italienischen Internetseite heisst
es dazu:


„Secondo alcune fonti tedesche questo striscione è stato rimosso. La fonte, pur non provandolo, sostiene
che la rimozione è avvenuta dopo un aspro scontro in seno alla direzione degli insorti.”

(Nach einigen deutschen Quellen wurde dieses Spruchband entfernt. Die Quelle behauptet, ohne den
Beweis dafür zu liefern, dass die Entfernung nach einer heftigen Auseinandersetzung innerhalb der
Führung der Aufständischen erfolgt sei.) 6


Auch wenn wir so gut wie nichts wissen über die verschiedenen politischen Kräfte innerhalb der Aufständischen,
so liegt es doch auf der Hand, dass sie unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen
entsprechen. Auch im italienischen CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) waren während des Partisanenkrieges
von 1943-45 ganz verschiedene Parteien vertreten, die unterschiedliche Interessen
verfolgten. Einig hingegen waren sich damals alle politischen Parteien, dass die auf der Ausbeutung
der Lohnarbeit aufgebaute Ordnung nicht angetastet werden dürfe – während gleichzeitig die Arbeiter
mit der Waffe in der Hand vergeblich darauf warteten, dass die Partei, der sie vertrauten, dazu aufrufen
würde, in Italien die proletarische Revolution durchzuführen. In Libyen gibt es angeblich kaum politische
Parteien und Gewerkschaften. Das lässt die Hoffnung aufkommen, dass die „Shebab“ nicht so
leicht dazu zu bringen sein werden, ihre Waffen abzuliefern und sich einer neuen Ordnung unter Führung
der benghasischen Bourgeoisie und der westlichen Staaten zu unterwerfen...

Der Genosse kritisiert ferner, dass ich weder unter den Rebellen differenziere, noch „die sehr verschiedenen
Phasen der Bewegung“ unterscheide. Solange keine entsprechenden Informationen vorhanden
sind, wären Differenzierungen unter den Rebellen, die über die vorher gemachten Ausführungen
hinausgehen, reine Mutmassungen. Welche „sehr verschiedenen Phasen der Bewegung“ lassen
sich unterscheiden? Wenn man will, kann man drei Phasen unterscheiden: Eine erste, nur wenige
Tage dauernde Phase der landesweiten Massendemonstrationen, die das Regime blutig niederzuschlagen
versuchte. Eine zweite Phase der Aufstände, die in zahlreichen Städten zum Sturz des
Regimes und zum Beginn des Bürgerkrieges führten. Wenn man den Medienberichten glauben will,
kontrollierte die Regierung Ende Februar nur noch die Hauptstadt Tripolis, die Küstenstadt Sirte sowie
zwei weitere Städte im Landesinnern. Alle andern Städte, namentlich Benghasi im Osten und Misrata
im Westen, waren vorübergehend in der Hand der Aufständischen. Anfangs März begann die Gegenoffensive
der Regierung, die sich hauptsächlich auf die Luftwaffe stützte. Als Beginn einer dritten Phase
kann man die Intervention der imperialistischen Länder am 18. März 2011 definieren. Zu einem
Zeitpunkt, als die Truppen Ghadhafis vor den Toren Benghasis standen und das Schicksal der Rebellen
besiegelt schien. Daraus abzuleiten, die europäischen Staaten würden die Aufstände in den libyschen
Städten unterstützen oder das Ganze sei gar ein Komplott westlicher Geheimdienste, wäre allerdings
verfehlt. Die imperialistischen Regierungen unterstützen keine Rebellion, sondern verfolgen
ihre eigenen Interessen. Als 1917 die deutsche Regierung die Durchreise Lenins im plombierten Eisenbahnwagen
erlaubte, tat sie dies aus eigenem Kalkül. Es käme niemandem in den Sinn, deswegen
die russische Revolution darauf zu reduzieren.

Was die „militärische Hilfe aus der Luft“ seitens der NATO-Staaten betrifft, so hat offenbar die
anfängliche Dankbarkeit („Thank you NATO“) nach wenigen Wochen einer bitteren Ernüchterung
Platz gemacht, spätestens nachdem die NATO in der gleichen Wochen zweimal „versehentlich“
Stellungen der Rebellen bombardiert hatte.7 Auch darf bezweifelt werden, ob wirklich nur dank der
Bombenabwürfe die Eroberung Benghasis durch die Ghadhafi-Truppen verhindert wurde. Die ‚rebellischen’
Franzosen jedenfalls behaupteten am 20.03.11, nachdem der Angriff auf Benghasi abgewehrt
worden war:


»Les frappes de la France et des USA ont sûrement évité une guerre civile plus longue et meurtrière,
mais la victoire appartient totalement aux gens des quartiers qui, avec des moyens dérisoires ont capturé
hier des engins blindés de dernière génération et en nombre. »

(Die Schläge Frankreichs und der USA haben sicher einen längeren und mörderischen Bürgerkrieg
verhindert, aber der Sieg gehört vollständig den Leuten in den Wohnvierteln, die gestern mit
lächerlichen Mitteln zahlreiche Panzer der neuesten Generation gekapert haben.) 8


Misrata, das weit westlich der Frontlinie liegt, hat mehr als sechs Wochen lang ohne NATO-Unterstützung
der Belagerung getrotzt. Auch von hier gibt es eindrückliche Schilderungen, wie die „Shebab“ mit
einfachsten Mitteln die Panzer aufhalten:


»Quand un tank s’approche pour percer la barricade, des draps et des couvertures, répandues au sol et
imbibés d’essence, s’emmêlent dans ses chenilles. Les cocktails molotov suffisent alors pour enflammer
l’engin. Les premiers tirs de RPG sont concentrés sur les axes des chenilles de façon a l’immobiliser. »

(Wenn sich ein Tank nähert, um die Barrikade zu durchbrechen, verhängen sich benzingetränkte Tücher
und Decken in den Ketten. Die Molotowcoktails genügen dann, um die Maschine in Flammen zu setzen.
Die ersten Schüsse der RPGs zielen auf die Kettenachsen und machen sie fahruntüchtig.) 9


Es lohnt sich, den ganzen Bericht aufmerksam zu lesen, um sich ein anschauliches Bild zu machen,
wie eine aufständische Bevölkerung einem scheinbar militärisch überlegenen Gegner die Stirn bietet.

Es ist ausserdem keine neue Erkenntnis, dass waffentechnische Überlegenheit vor allem in einer
offenen Feldschlacht zur Geltung kommt, während in den Städten der Mut und die Entschlossenheit
jener, die dort aufgewachsen sind und jeden Winkel kennen, wichtiger sind als alles andere. Es liegt
deshalb auf der Hand, dass der libysche Bürgerkrieg in den Städten, wo die überwiegende Mehrzahl
der Menschen lebt, entschieden wird und nicht irgendwo in der Wüste.

Anzumerken ist noch, dass die westlichen Staaten sich anscheinend alles andere als einig sind in
Bezug auf das Vorgehen in Libyen. So beklagt ein Kommentar in der NZZ vom 16.04.11, der an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, die mangelnde Einigkeit der NATO und schreibt:


„Was damit vertuscht wird, sind die jahrelange Vernachlässigung der militärischen Handlungsfähigkeit
und die Weigerung, Krieg als letztes Mittel der Politik zu akzeptieren. Selbst wenn man eingreifen
möchte, kann man dies heute kaum mehr.“ 10

Man könnte angesichts dieser Uneinigkeit auch den Vergleich mit der Räuberbande anstellen, die sich
über das Vorgehen streitet, noch bevor der Überfall erfolgreich zu Ende geführt ist, aus der Befürchtung
heraus, jemand könnte einen grösseren Teil der Beute für sich ergattern...

Zur Zeit (19.04.11) sieht es allerdings danach aus, als würde die Weltöffentlichkeit propagandistisch
auf den Einsatz von NATO-Bodentruppen vorbereitet. Seit mehr als sechs Wochen wird Misrata von
den Ghadhafi-Truppen belagert, ohne dass die Medien gross darüber berichtet hätten. Auf einmal
entdeckt die Weltöffentlichkeit eine „menschliche Tragödie“, die allein durch Luftangriffe nicht mehr
verhindert werden könne... Interessant sind in diesem Zusammenhang einmal mehr die Überlegungen
der NZZ unter dem Titel „Libyen-Operation tritt in kritische Phase“. Zuerst wird ausführlich begründet,
weshalb der Einsatz der Luftstreitkräfte „an seine Grenzen gelangt“ sei und weshalb eine Bewaffnung
der Aufständischen nicht möglich sei, um dann zur Schlussfolgerung zu gelangen:


„Man darf dabei aber nicht übersehen, dass die Allianz mit dem Ziel, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren,
einen solchen Einsatz [von Landstreitkräften] ins Auge fassen könnte, wie dies ja auch 1999 im Krieg
gegen Serbien der Fall gewesen ist. Das würde allerdings bedeuten, dass dann auch weitere Konsequenzen
zu ziehen wären, das heisst: ein kostspieliges und personalintensives Engagement zur Stabilisierung und
Wiederaufbauhilfe nach Mustern, die auf dem Balkan und in Afghanistan in die Tat umgesetzt
wurden bzw. werden.“ 11


Nebenbei bemerkt, frage ich mich, ob es wirklich nur die ziemlich fadenscheinigen „völkerrechtlichen“
und technokratischen Gründe sind, welche die NATO daran hindern, die Aufständischen mit Waffen
zu versorgen. Oder sind sich die westlichen Geheimdienste deren sozialrevolutionären Potentials
durchaus bewusst, hüten sich aber wohlweislich, auch nur ein Wort darüber zu verlieren und reden
lieber – wie Ghadhafi – von Al Kaida? Ein Gespenst geht um in Nordafrika... Ebenso unklar ist mir die
Bedeutung der Rolle, welche die Nationale Übergangsregierung spielt. In den westlichen Medien wird
sie natürlich gross herausgestrichen und aus naheliegenden Gründen als einzig legitime Vertretung
des befreiten Libyens hingestellt. Die ‚rebellischen’ Franzosen sehen das etwas anders, wenn sie unter
dem wenig schmeichelhaften Titel „Dans le cul la balayette“ (Die Klobürste im Arsch) über die Versuche
der neuen „Regierung“ in Benghasi spotten, eine reguläre Armee auf die Beine zu stellen:


„Abdul Fatar Younis est depuis peu un homme occupé. Ancien ministre de la justice de Kadhafi, chef
des forces spéciales, il est le plus visible des prétendus chefs de la prétendue armée de la révolution.
Cela fait une semaine et demi que les gros katiouchas BM-21 avaient déserté le front, … Dans le même
temps, étaient appelés aux casernes des dizaines de volontaires qui s’étaient fait enregistrer comme
pouvant donner un coup de main. (…) La rétention des katiouchas lourds et leur utilisation autour du 9
avril ont inauguré la naissance de cette nouvelle armée.

(Abdul Fatar Younis ist seit kurzem ein beschäftigter Mann. Ehemaliger Justizminister von Ghadhafi,
Chef der Spezialeinheiten, ist er der sichtbarste der angeblichen Chefs der angeblichen Revolutionsarmee.
Seit anderthalb Wochen haben die grossen BM-21 Katjuschas die Front verlassen, ... Zur gleichen
Zeit wurden Dutzende von Freiwilligen in die Kasernen einberufen, die sich als Helfer eingeschrieben
hatten. (…) Die Aufbewahrung der schweren Katjuschas und ihr Gebrauch um den 9. April herum haben
die Geburt dieser neuen Armee eingeleitet.)


Die Militärs, die Fatar Younis gehorchen, fährt der Bericht fort, würden die BM-21, die entscheidend
für das Gelingen von Angriffen seien, zu ihrer Verteidigung gegen die neue, sehr agressive Taktik der
Ghadhafi-Streitkräfte einsetzen. Falls diese Taktik der defensiven Verwendung der Katjuschas andauere,
dann sei dies ein freier Wille, das Projekt Ghadhafis zur Teilung Libyens zu unterstützen.


„Ce projet, soutenu par la Turquie d’abord, l’union africaine ensuite, consiste à laisser à la Cyrénaïque
son indépendance et l’argent du pétrole de Tobrouk, ce qui n’est pas rien, et de laisser à Kadhafi
son autorité sur le reste du pays, ainsi que le contrôle du pétrole de Brega, Ras lanuf, et Tripoli. Les
conséquences d’un tel accord serait le massacre de la population de Misrata, des purges importantes à
Tripoli et dans tout le Djebel Mafoussa, incluant Ziltan. Le comité ne peut pas accepter un tel accord
sans se faire étriper par la population de Benghazi, mais son langage a déjà changé. »

(Dieses Projekt, das zuerst von der Türkei, dann von der Afrikanischen Union unterstützt worden ist,
besteht darin, der Cyrenaika ihre Unabhängigkeit und das Geld des Erdöls von Tobruk zu lassen, was
nicht wenig ist, und Ghadhafi die Herrschaft über den Rest des Landes zu lassen, ebenso die Kontrolle
des Erdöls von Brega, Ras lanuf und Tripolis. Die Folgen eines solchen Abkommens wären das Massaker
an der Bevölkerung von Misrata, grosse Säuberungen in Tripolis und im ganzen Gjebel Mafoussa,
einschliesslich Ziltan. Das Komitee kann ein solches Abkommen nicht annehmen, ohne sich von der Bevölkerung
von Benghasi in Stücke reissen zu lassen, aber seine Sprache hat bereits geändert.)12


Zurück zur Kritik des Genossen an meinen Überlegungen. Er fragt u.a.: „Was heisst, der Staat ist
zusammengebrochen?“
Wenn die BewohnerInnen eines Staates dessen Gesetze nicht mehr
beachten und diese auch mit allen Gewaltmitteln (Armee, Polizei, Justiz, Gefängnisse) nicht mehr
durchgesetzt werden können, dann hat dieser Staat faktisch aufgehört zu existieren. Und das ist in
Libyen und vorübergehend auch in Tunesien und Ägypten geschehen. Auf dem Tahir-Platz in Kairo
war eine Gegenmacht der Bevölkerung entstanden, und die Regierung musste wochenlang ohnmächtig
zusehen, weil sie vor dem Allerletzten zurückschreckte: dem Befehl an die Armee, das Feuer auf
die Menschenmassen zu eröffnen. Dies vermutlich vor allem wegen der Angst, Teile der Streitkräfte
könnten auf die Seite der Aufständischen wechseln. Eine nicht unbegründete Angst, ist doch in Libyen
genau dieser Fall eingetreten, was auch erklärt, weshalb die „Shebab“ ziemlich schnell über Waffen
verfügten.

Weiter stellt er die Frage: „Ist Alltagsorganisation aus der Not heraus schon deshalb eine Art Rätestruktur,
weil sie von den Bürgern selbst geleistet wird?“
Was sonst soll eine Aufstandsbewegung
noch leisten, nachdem sie die alte Ordnung gestürzt hat? Eine gute „Alltagsorganisation aus der Not
heraus“ ist bereits sehr viel unter den chaotischen Umständen einer Revolution. Das war auch in der
jungen Sowjetunion und in den kurzlebigen Räterepubliken jener Jahre kaum anders. Wichtig wäre
hingegen zu wissen, welche genauen Umstände jeweils dazu geführt haben, dass diese Selbstorganisation
allmählich wieder entmachtet wurde – wenn sie nicht ohnehin von der Gegenrevolution im Blut
ertränkt wurde. Oder wie es Alain Badiou formuliert hat: „Wie können wir die Erfindungen des Kommunismus
der Bewegungen dauerhaft etablieren?“


Im Gegensatz zum Genossen der IKS glaube ich nicht zu wisssen oder – wie er geschreiben hat –
„nehme mal an“, wie die LibyerInnen ihr gesellschaftliches Leben nach dem Ende des Bürgerkrieges
organisieren werden. Gewiss, die Chancen, dass der „Kommunismus der Bewegungen“, wie er sich in
verschiedenen Städten Libyens manifestiert hat, überlebensfähig sein wird, sind eher gering. Bis dahin
allerdings halte ich es wie Marx mit der Pariser Kommune und begrüsse vorbehaltslos den verzweifelten
Kampf der Aufständischen in Libyen. - rth


1 www.lemonde.fr/idees/article/2011/02/18/tunisie-egypte-quand-un-vent-d-est-balaie-l-arrogance-de-loccident_1481712_3232.html
2 www.grundrisse.net/grundrisse37/alain_badiou__tunesien.htm
3 http://fortresseurope.blogspot.com/
4 http://de.indymedia.org/2011/03/303445.shtml
5 http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Wie-sich-die-Revolution-von-unten-organisiert/story/14477518
6 www.campoantimperialista.it/index.php?option=com_content&view=article&id=1437:che-succede-a-bengasi&catid=66:libiacat&Itemid=78
7 www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/libysche_rebellen_immer_unzufriedener_mit_nato-einsatz_1.10169761.html
8 https://setrouver.wordpress.com/2011/03/20/lattaque-de-benghazi-suite/
9 http://setrouver.wordpress.com/2011/04/13/la-tenue-des-combats-le-long-de-tripoli-street/.
10 http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/anatomie_einer_alibiuebung_1.10273217.html
11 www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/libyen_lezzi_1.10230860.html
12 https://setrouver.wordpress.com/2011/04/14/cest-liquide-et-cest-noir/

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
16. Januar 2012, 12:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Wirken die II



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Beitrag @far Antworten mit Zitat
Hallo far, das war eine Antwort von Hama (der leider wie du vielleicht weisst verstorben ist). Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns. Jemand von uns hat daraufhin auch eine Antwort geschrieben, die ich im Moment aber nicht zur Hand habe. Ich glaube auch, dass es ein bisschen schwierig ist, alle Facetten zu verstehen. Wichtig bei einer Wiederaufnahme der Diskussion wäre herauszufinden, wo die damaligen unabhängigen Aufständischen, die es sicherlich gab, gelandet sind. Das Problem war ja dann schon nach kurzer Zeit, dass die imperialistischen Westmächte das Zepter übernommen haben, und somit die unabhängigen oder klassenautonomen Kräfte praktisch in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht sind oder einer der bürgerlichen Fraktionen angeschlossen haben. Auf jeden Fall schliesse ich das aufgrund meiner bisherigen Informationen.
Hier noch der letzte Artikel der die IKS dazu geschrieben hatte:
http://en.internationalism.org/wr/345/libyahell
16. Januar 2012, 15:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Hier ein weiteres E-Mail zur aktuellen Situation in Libyen vom Genossen R. der uns mahnt vorsichtig mit den Informationen umzugehen, die uns gegeben sind. Dem ging folgendes Voraus:

Hallo Zusammen

Ich glaube auch in dieser Liste, wurde schon danach gefragt, was denn mit dem Aufständischen Teil der Anti-Gadaffi-Kämpfer geworden ist, nachdem von ihnen in Folge des Eingriffs der NATO nichts mehr zu hören war. Auf Indymedia ist nun ein Bericht erschienen, der dazu spannendes zu melden hat:

http://ch.indymedia.org/de/2012/01/85089.shtml

Grüsse


Hoi

Vielen Dank für diesen Link! Inzwischen sind die "Ausschreitungen" in Bengasi auch in den offiziellen Medien angekommen:

- www.zeit.de/politik/ausland/2012-01/libyen-demonstration-amtssitz
- www.focus.de/politik/ausland/nahost/uebergangsrat-in-libyen-bei-ruecktritt-des-gremiums-droht-buergerkrieg_aid_705613.html
- www.aargauerzeitung.ch/international/demonstranten-stuermen-sitz-des-libyschen-uebergangsrates-in-bengasi-119400639

Dem Informationsgehalt und der Stossrichtung entsprechen die einzelnen Leserkommentare: Während in deutschen Medien noch immer Gaddafi-Nostalgiker ("...sein Land auf wirtschaftlicher als auch auf sozialer Ebene an die Spitze aller afrikanischer Länder geführt hat") auftreten, hat Herr Schweizer bereits vorsorglich Angst vor "Scharia-Asylanten"...

Kurzum, es ist höchste Zeit, sich wieder etwas näher mit Libyen zu befassen! Dabei sind die verfügbaren Information wohlgemerkt höchstens eine Art "Spitze des Eisberges" - wobei mir der Vergleich mit den Puzzlesteinen, die stets neu zusammengefügt werden müssen, weil sich, sobald es mehr davon hat, das Bild des Mosaiks immer wieder ändert, weit besser gefällt. Es liegt wahrscheinlich in der Beschaffenheit unseres Gehirns, dass wir dazu neigen, die Puzzlesteine sogleich in ein bereits vorhandenes Bild in unserem Kopf einzuordnen statt sie zuerst einmal von allen Seiten genau zu betrachten. Täten wir dies, müsste uns auffallen, dass die eher spärlichen 'Puzzlesteine' über die Revolution in Libyen, die uns dank Internet in den Schoss fallen, überhaupt nicht in die gängigen Denkschablonen passen.

Für offene und heimliche Gaddafi-Verehrer und andere Nostalgiker, die im Blockdenken des Kalten Krieges gefangen sind, ist der Nationale Übergangsrat in Bengasi einfach eine Art Marionettenregierung der NATO-Staaten. So als könnte man allein mit Bombenabwürfen ein Land erobern und beherrschen. In Wirklichkeit sind die Verhältnisse einiges komplizierter, und vor allem liegen sie ganz anders als beispielsweise 1945, als die Siegermächte die Welt kurzerhand unter sich aufteilen konnten (Churchills berühmter Fresszettel!), weil in den vom Faschismus befreiten Ländern sich die Befreier sehr schnell als Besatzungsmächte entpuppten. Einzig in Jugoslawien befreiten die PartisanInnen das Land soweit aus eigener Kraft, dass sich anschliessend keine fremden Truppen (mehr) im Land befanden. Entsprechend selbstbewusst konnten dann dort die neuen lokalen Machthaber ihren eigenen, "blockfreien" Weg gehen. Die Geschichte wiederholt sich zwar nie vollständig, aber es lohnt sich, gewisse Parallelen zwischen dem heutigen Libyen und den europäischen Ländern nach dem Zusammenbruch des Faschismus zu ziehen.

Das beginnt bei scheinbar nebensächlichen, jedoch ganz augenfälligen Dingen wie beispielsweise der Art, wie die gestürzten Tyrannen und ihre Schergen behandelt werden. In den Fällen, wo eine staatliche Macht mehr oder weniger nahtlos in eine andere überging, wurden Einzelne von ihnen - wie in Deutschland nach 1945 - von den neuen (fremden) Machthabern eingesperrt und in langwierigen Prozessen vor irgendeinem regulären Gericht abgeurteilt. Mit dem Resultat, dass nach 60 Jahren noch darüber gestritten wurde, ob die Kriegsverbrecher und Völkermörder - die alle auf Befehl gehandelt und somit nur ihre Pflicht getan und deshalb auch nie etwas bereut hatten! - aus "humanitären Gründen" freigelassen werden sollten. In den anderen, selteneren Fällen, wo nach dem Sturz eines brutalen Gewaltregimes die Macht buchstäblich auf der Strasse liegt, vergeudet das Volk die Zeit nicht mit solchen Dingen, sondern folgt seinem instinktiven Gerechtigkeitssinn, indem es mit den Tyrannen, die ihm in die Hände fallen, kurzen Prozess macht. Dabei muss man den libyschen Rebellen zugute halten, dass sie mit Gadaffi vergleichsweise "zivilisiert" umgesprungen sind, indem sie ihn nur ohrfeigten und verprügelten, bevor oder nachdem sie ihn erschossen (hatten), und ihn nachher abtransportieren liessen ( https://setrouver.wordpress.com/2011/11/08/nous-avons-tue-kadhafi ). Die italienischen PartisanInnen hängten den toten Mussolini und seine Geliebte an den Füssen auf der Piazza Loreto in Mailand auf, damit sie noch tagelang von allen bespuckt werden konnten.

Gewiss sind Rachegelüste und -gefühle an und für sich eine schlechte Sache, weil Hass bekanntlich blind macht. Dennoch sollte man auch die Gefühle der Menschen respektieren, die jahrzehntelang drangsaliert, unterdrückt und gedemütigt wurden. Vor allem wenn sie dann ohnmächtig mitansehen mussten, wie die ehemaligen faschistischen Schergen nach wenigen Jahren unter einem christlichen Mäntelchen (CDU/CSU in Deutschland, bzw. Democrazia Christiana in Italien) wieder in Amt und Würden waren. Es ist darum kein Zufall und sehr bezeichnend, dass ein alter italienischer Partisanenführer mit weissen Haaren, der als gehorsamer Parteisoldat alle Winkelzüge Togliattis (und dessen Nachfolger) mitgemacht hatte, im Oktober 2010 einer deutschen Reisegruppe (der auch ich angehörte) erzählte, dass er Togliatti einzig diesen Vorwurf mache: Er hätte ihnen mehr Zeit geben sollen, damit sie selber mit den Faschisten hätten abrechnen können... So wie ich die aktuellen Berichte aus Libyen verstehe, geht es heute wieder um die gleichen Fragen: ob Leute, die jahrzehntelang Gaddafi gedient und dann bei Beginn des Aufstandes - die einen früher, die andern etwas später - die Seite gewechselt hatten, Teil einer neuen Regierung sein dürfen. Dies nachdem im Falle des angeblichen "Rebellengenerals" (!) und ehemaligen Innenministers von Gaddafi, Abdul Fattah Yunis, bereits im August 2011 auf eine sehr schnelle und effiziente Art eine Antwort gefunden worden war... Näheres dazu: www.guardian.co.uk/world/2011/jul/31/abdel-fatah-younis-obituary . So kritisch und zurückhaltend man mit den einzelnen, teils widersprüchlichen Informationen auch umgehen sollte, so lassen sich jeweils doch gewisse Rückschlüsse ziehen. Das gilt auch für den "Menschrechtsanwalt" Abdel Hafiz Ghoga, der am vergangen Donnerstag von Studenten verprügelt wurde und anschliessend als Vizepräsident des Nationalen Übergangsrates zurückgetreten ist. Die Bezeichnung "Opportunist" scheint jedenfalls ziemlich zutreffend, wenn man das folgende Interview mit ihm vom April 2011 nochmals liest: http://www.taz.de/!69545/ .

Wie wir im letzten Oktober von einer zuverlässigen Quelle (Jano Charbel) gehört haben, gibt es im Osten des heutigen Libyens sehr unterschiedliche politische Strömungen: sowohl Leute, die "Danke, NATO!" an ihre Häuser schreiben, als auch fortschrittliche, emanzipatorische Kräfte. Wie sich die Dinge entwickeln werden, welche Kräfte sich durchsetzen oder mit andern Kompromisse schliessen werden, weiss niemand. Erst recht nicht, was die Hauptstadt Tripolis betrifft, wo die einzelnen Stadtteile vermutlich noch immer von rivalisierenden Truppen gehalten werden. Dennoch darf man als Tatsache festhalten, dass es in Libyen nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes bis heute keine Staatsmacht mit einer Regierung gibt, die ihre Dekrete "demokratisch" legitimieren und dann notfalls mit Waffengewalt durchsetzen könnte. Und zwar, ohne dass das Land deswegen von "Warlords" und ähnlichen korrupten, mafiösen Strukturen beherrscht würde. (Jedenfalls sind mir keine diesbegzüglichen Meldungen bekannt.) Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, dass Libyen (bisher) nicht von Invasionstruppen heimgesucht worden ist wie beispielsweise Somalia oder Afghanistan, wo nach dem Rückzug der fremden "Schutztruppen", "Friedenstruppen", "UNO-Missionen" oder wie auch immer die militärische Besatzungsmacht genannt wird, das Land im Chaos versinkt, weil die zurückgelassenen einheimischen Marionettenregierungen über keinerlei Legitimität beim Volk verfügen. So gleicht die Warnung des Nationalen Übergangsrates („Wir treten nicht zurück, weil dies zu einem Bürgerkrieg führen würde“) verblüffend der Stellungnahme des ägyptischen Militärrates nach dem Sturz Mubaraks, als er sich als einzigen Garanten von Stabilität und Ordnung anpries. Allerdings mit einem ganz entscheidenden Unterschied: Der Militärrat in Kairo kann seine Befehle nach wie vor mit brutaler Gewalt durchsetzen, während es in Libyen zur Zeit keine vergleichbare Macht gibt.

Wie stark der Nationale Übergangsrat in Bengasi tatsächlich ist, zeigt sich in den aktuellen und vor allem künftigen Auseinandersetzungen. Die Bestrebungen zum Wiederaufbau einer staatlichen Macht scheinen bisher nicht über Vorhaben und erste Versuche hinausgekommen zu sein. Bezeichnend dafür ist das Programm zur Eingliederung ehemaliger Rebellen in die neuen Sicherheitskräfte. So ist geplant, dass rund zehntausend der früheren Kämpfer gegen das Regime von Gaddafi im Laufe des Jahres in Jordanien als Polizisten ausgebildet werden. Die ersten 1500 sollen ihre Ausbildung am 1. März beginnen, in den darauffolgenden Durchgängen würde ihre Zahl auf jeweils 2000 erhöht werden ( http://derstandard.at/1326503239294/Libyen-Tausende-Ex-Rebellen-zur-Ausbildung-in-Jordanien ). Mit andern Worten wird es noch einige Zeit dauern, bis die zu Bullen herangezüchteten Rebellen der Bevölkerung gegenübertreten und als Robocobs verkleidet die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränken können, wie man das beispielsweise am letzten Samstag wieder in Bern beobachten konnte... Bis es soweit ist, müssen die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte ihre Konflikte wohl oder übel auf andere Weise austragen. Darüber, wie das geschieht, wissen wir leider sehr wenig. Es sind nur ganz vereinzelte Meldungen - wie jene über den kürzlichen Streik in Libyens grösstem Hafen ( http://german.ruvr.ru/2012/01/02/63297604.html , http://english.ahram.org.eg/NewsContent/3/12/24573/Business/Economy/Libyas-Waha-Oil-workers-protest-for-a-seventh-week.aspx ), die darauf hindeuten, dass die Macht "von unten" vermutlich noch immer sehr stark ist und dass die Menschen es sich wahrscheinlich zweimal überlegen werden, ob sie ihre Waffen (die Schusswaffen ebenso wie jene der kollektiven Aktion mit Streiks, Demos und Besetzungen) vertrauensvoll in die Hände einer neuen Regierung legen wollen, wenn sie demnächst bei allfälligen Wahlen ihre Stimme abgeben und nachher genauso stimm- und machtlos wären, wie wir es in den sogenannten "westlichen Demokratien" sind.

Wichtige Hintergrundinfos, die zum Verständnis der libyschen Gesellschaft beitragen und mithelfen, dass wir die Puzzlesteine nicht versehentlich zu einem auf Vorurteilen beruhenden Bild zusammenfügen, findet man übrigens im Buch "Libyen - Hintergründe, Analysen, Berichte", das vor ein paar Monaten im Promedia-Verlag erschienen ist: www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/edlinger-fritz-40hg41-libyen . Es hat darin einige Beiträge, die zum Fundiertesten gehören, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe. Der Text "Demographie und Arbeitsmarkt im Rentier-Staat" liefert interessante Zahlen und Fakten. Besonders bemerkenswert finde ich den Beitrag "Politische Kultur und die Revolution in der Kyrenaika", aus dem der folgende Auszug stammt:


"Die Entdeckung von Öl im Jahre 1959 hat zu tief greifenden Veränderungen der traditionellen pastoralen Lebens- und Wirtschaftsweise geführt. Die Sesshaftwerdung der Nomaden, eine rasante Urbanisierung und der durch die Ölrente begründete Verteilungsstaat haben grundlegende gesellschaftliche Transformationen verursacht. (...)

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Stämme [in Nordafrika und dem Mittleren Osten] in die neu formierten Staaten integriert. Dies war jedoch nicht gleichbedeutend mit ihrem Verschwinden oder ihrem Niedergang. Im Gegenteil spielten Stämme eine aktive und prägende Rolle in den verschiedenen Staatsbildungsprozessen der Region. (...) Für ein genaueres Verständnis dieser Prozesse müssen wir uns von bestimmten orientalistischen Vorstellungen freimachen, die mit dem Begriff Stamm eine antimoderne, traditionalistische Form der gesellschaftlichen Organisation verbinden. In Libyen gehören auch Innovationskraft und politische Kreativität zu den Grundlagen der Kontinuität und Persistenz tribaler Organisation. (...)

Rund 50 Prozent der Bevölkerung in der Kyrenaika sind zwischen 16 und 35 Jahre alt. Ihre sozialen, politischen und ökonomischen Teilhabemöglichkeiten waren und sind, ähnlich wie in Tunesien und Ägypten, radikal begrenzt. Dies gilt für das Regime Gaddafis, aber auch für seine Alternative, die tribale Gesellschaft. In der Vergangenheit bot der libysche Staat der jungen Generation wenig mehr als eine mässige bis schlechte Ausbildung, die deutlich unter den internationalen Standards und Anforderungen lag. Das Bild von der gut ausgebildeten arabischen Jugend gilt nicht für Libyen. (...) Eine tiefe Desillusionierung und die fast totale Entfremdung vom Regime Gaddafis, sowie wachsende Frustration und Ärger waren die Folge.
(...)
Beeindruckend sind der Erfindungsreichtum und die Kreativität, mit der die Jugend Libyens gegenwärtig versucht, Politik zu gestalten und in den öffentlichen Raum zu wirken. Die Jugendlichen sind Teil eines politischen Laboratoriums, einer Art Räterepublik aus Komitees, Gruppen und Initiativen, in denen globale Modelle und normative Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten offen und ohne Vorbehalte diskutiert werden. (...) Die verschiedenen Gruppen sind dezentral organisiert, arbeiten projektorientiert und mit einer klaren Haltung gegen das Establishment, die sich sowohl gegen Gaddafi aber auch gegen die als konservativ empfundene tribale Elite richtet. (...)

Eine der Hauptdomänen der Jugend (besonders auch der jugendlichen Unterschichten) ist der bewaffnete Kampf. (...) Die jungen Kämpfer erleben zum ersten Mal im Leben so etwas wie Handlungsmacht und die Hingabe an ein gemeinsames Ziel. Das gesteigerte Selbstbewusstsein der Kämpfer berührt auch hier die Generationenverhältnisse, viele der jungen Kämpfer folgen nur widerwillig den Befehlen der älteren Militärs. Sie sehen sich als eigenständige militärische aber auch gesellschaftliche Kraft. (...)

(...) Die städtische Zivilgesellschaft war wie kaum eine andere Gruppe dem Misstrauen und der Verfolgungssucht Gaddafis ausgesetzt. Die städtische Lebensweise, Bildung und Weltanschauung hat sie darüber hinaus kulturell von den tribal geprägten Teilen der Bevölkerung entfernt. Die urbanen Schichten waren auch deshalb nicht anschlussfähig an die Renaissance tribaler Politik der letzten 20 Jahre. Vor diesem Hintergrund überrascht die politische Kreativität, der Sinn für Selbsthilfe und Selbstorganisation, die sich in den letzten Monaten der Rebellion entwickelt haben." (a.a.O., S. 48 ff.)


Und, so könnte man anfügen, vor diesem Hintergrund sind Meldungen wie jene über die Demo für die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, besser verständlich ( www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/demonstration_fuer_scharia_in_libyscher_stadt_benghasi_1.14443402.html ). Es wäre jedenfalls erstaunlich, wenn solche Bestrebungen problemlos die Zustimmung einer Mehrheit der Bevölkerung fänden. Genauso wie jene zur Einführung eines Rechtssystems und einer staatlichen Struktur nach westlichem Vorbild. Wer weiss, vielleicht erleben wir - je nach Verlauf der globalen Krise - in den künftigen Auseinandersetzungen Libyens um die verschiedenen sozialen Interessen, wie sich allmählich eine neue Gesellschaftsordnung herausbildet, die in keine gängigen Schablonen passt. Zumindest sollten wir dafür offen sein.

Herzlich

R.


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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
24. Januar 2012, 02:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
fräulein else



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hallo far, warum schreibst du denn im moment alles so gross?

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"Es wird immer schwerer, normal zu sein"
24. Januar 2012, 02:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Ich habe beschlossen längere Texte der Lesbarkeit halber mit der Grösse 15 zu posten. Wirkt dass bei dir störend? Oder voll easy?

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
25. Januar 2012, 19:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
rulfo



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Beitrag Falls es noch interessiert ... Antworten mit Zitat
Zur Diskussion im Frühjahr 2011 um die "Aufständischen" in Libyen, die far am 16. Januar gepostet hat:
Wirken die II hat zurecht festgestellt, dass rth auf Hama antwortete, und nicht auf die IKS.
Zitat:
Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns. Jemand von uns hat daraufhin auch eine Antwort geschrieben, die ich im Moment aber nicht zur Hand habe.

Hier ist sie - die Antwort der IKS auf rth und Hama (vom 22. April 2011, also vor dem Sturz des Ghaddafi-Regimes - und auch noch vor Beginn der Bewegung der Indignados):

"Antwort auf die Beiträge von H und rth zu den Bewegungen in Nordafrika

Die Meinungsunterschiede drehen sich anscheinend vor allem um die Einschätzung zu Libyen. Dort hat ja die Diskussion angefangen, nämlich als rth am 26. März schrieb: „Mit dem Text http://de.internationalism.org/IKSonline2011_wasistlosnordafrika0311 gehe ich weitgehend einig. Problematisch finde ich die Ausführungen zu Libyen.“ Der Genosse hat seine Position zu Libyen in drei E-Mail-Briefen dargelegt. Darauf gab es die Diskussions-Veranstaltung von Eiszeit und der IKS in Zürich, dann den schriftlichen Beitrag von H (den rth irrtümlicherweise für einen „Genossen der IKS“ hielt) und eine Replik von rth. Dort fahre ich weiter.

Was sind die Ziele der Diskussion?
H formuliert den Anspruch, „eine möglichst realistische Einschätzung der Kräfte und ihrer Möglichkeiten vorzunehmen“, und zwar deshalb, weil solche Einschätzungen und entsprechende Stellungnahmen von „enormer Bedeutung für all die Menschen (sind), die an der Selbstverständigung arbeiten über die Frage einer möglichen „Aktualität des Kommunismus““. Wenn ich rth richtig verstanden habe, ist er mit diesem Ziel der Diskussion einverstanden. Ich bin es auch.
Meines Erachtens geht es in der gegenwärtigen Phase insbesondere darum, dass diejenigen, die den Kommunismus (eine klassenlose, herrschaftsfreie Gesellschaft) für ein uneingelöstes Versprechen und anstrebenswertes Ziel halten, zusammen zu bringen, damit sie sich über dieses Ziel und die Mittel und Wege dahin verständigen und so ihren Beitrag dazu leisten, dass sich die verschiedenen Kämpfe des Proletariats weltweit aufeinander beziehen und in die gleiche Richtung bewegen.
Gleichzeitig machen wir uns keine Illusionen über die gegenwärtige „praktische Bedeutung“ unserer Stellungnahmen. Wir wissen, dass wir erst wenige sind. Aber eine Stärkung der heute oft verzettelten Kräfte wird wohl eine Verständigung über das Ziel und die Wege voraussetzen.

Haben wir eine gemeinsame Grundlage? Sprechen wir die gleiche Sprache?
Eine Diskussion über die Einschätzung eines Kampfes oder einer bestimmten politischen Konstellation ist wesentlich einfacher, wenn man die gleichen Grundlagen hat oder wenn man mindestens weiss, bis zu welchem Punkt man sich in grundsätzlichen Fragen einig ist. Ich habe mich deshalb gefragt, wie weit H, rth und ich die gleiche Sprache sprechen.
Mir scheint, dass wir uns bei einigen wichtigen Prinzipien einig sind:

1. rth grenzt sich ab von „einer erstarrten Linken, deren ganzes Sinnen und Trachten seit über 100 Jahren darauf gerichtet ist, den Staat zu erobern und zu verwalten statt ihn aufzuheben“. Genau! Eine Revolution in unserem Sinne zielt nicht auf die Eroberung der Macht in einem der bestehenden Staaten ab, sondern auf deren Zerschlagung. Der Staat und seine Organe (parlamentarische Parteien usw.) können keine Mittel der Befreiung sein. Und eine klassenlose Gesellschaft braucht gar keinen Staat. – Aus dem, was H in seinem Beitrag zur Rolle des Staates oder zu dessen (Nicht-)Verschwinden sagt, schliesse ich auf eine Einigkeit darüber auch bei ihm.

2. Die zentrale Rolle der Arbeiterklasse für eine wirklich revolutionäre Veränderung und die Abschaffung der Lohnarbeit in einer von Unterdrückung befreiten Gesellschaft.
In allen Beiträgen von rth und H ist immer wieder von der Arbeiterklasse und ihrer Rolle die Rede. Gefallen hat mir insbesondere die Stelle, wo rth sich vom antifaschistischen Comitato di Liberazione Nazionale abgrenzt, weil sich alle darin versammelten „politischen Parteien darüber einig waren, dass die auf der Ausbeutung der Lohnarbeit aufgebaute Ordnung nicht angetastet werden dürfe“.

3. Sind wir uns auch einig über die Notwendigkeit des Internationalismus? Über die Ablehnung sowohl der Nato-Intervention wie auch des Ghaddafi-Regimes wie überhaupt jeder bürgerlichen Regierung?
H kritisiert zwar an den ersten Beiträgen von rth, dass sie sich zu wenig klar und explizit von der Nato-Intervention aus der Luft distanzierten. Ich nehme aber mal an, dass rth beide Seiten gleichermassen verurteilt, wenn er von der „Intervention der imperialistischen Länder am 18. März 2011“ spricht – auch wenn für mich jeder libysche Staat, ob von Ghaddafi oder einer oppositionellen Übergangsregierung angeführt, der nationalstaatlichen Logik gehorcht und somit zwangsläufig ebenfalls imperialistisch ist (auch ein kleiner Räuber ist ein Räuber).

Die Kriterien für eine Einschätzung
Auf diesen Grundlagen können wir auch die Kriterien für eine Einschätzung klarer benennen. Was die Faktenlage betrifft, habe ich keine besseren Infos als H und rth. Ich bin mit rth einverstanden, wenn er sagt: „Angesichts dieser Informationslage wäre es weiser, die gesammelten Mosaiksteinchen vorerst sorgsam aufzubewahren und zu erklären: „Wir wissen, dass wir nichts wissen“, statt sie sogleich zu einem verzerrten Bild zusammenzufügen und zu einem vorschnellen Urteil zu gelangen, das nur die eigenen Vorurteile zementiert.“ – Vorsicht ist sicher die richtige Haltung.
Und mittlerweile hat sich die Geschichte auch schon wieder weiter entwickelt. Offenbar zugunsten von Ghaddafis Seite.

Die zentrale Meinungsverschiedenheit betrifft die Einschätzung, die wir von den Kräften haben, die rth ohne Anführungszeichen die „Rebellen“ oder die „Aufständischen“ nennt. Selbst angenommen, der Staat habe in den von den „Aufständischen“ kontrollierten Gebieten aufgehört zu existieren, fragt sich doch, welche Rolle das Proletariat bei der Kontrolle über diese Gebiete hat. Wenn es räteähnliche Strukturen gäbe: Welche Rolle spielten dabei die proletarischen Kräfte? – Kann sich die Arbeiterklasse als solche artikulieren? Kann sie als autonome Kraft mindestens ihre Interessen zum Ausdruck bringen?

Ich muss gestehen, dass Alain Badiou für mich keine Gewährsperson für diese Klassenautonomie ist. Er ist ein vom französischen Staat bezahlter Philosoph, Professor und Direktor des Institutes für Philosophie an der École normale supérieure in Paris (vgl. Wikipedia), lange bekannt als Maoist (also einer jener Linken, die rth zurecht wegen ihrer Identifikation mit der Staatsidee an den Pranger stellt) – und mir ist nicht bekannt, dass er sich je davon distanziert hätte.
Dass ihn Le Monde in seinen Spalten schreiben lässt, passt zu meinem Vorurteil: Die französische Bourgeoisie von links bis rechts wittert in Libyen Morgenluft für ihre imperialistischen Interessen gegenüber den USA (die da wegen früherer Bombardierungen von Tripolis und Bengasi und … etwas bescheidener auftreten müssen), egal ob die militärische Intervention des französischen Staats als humanitäre Pflicht verkauft oder sogar in die Tradition der Pariser Kommune gestellt wird.

Gerade bei der Klassenautonomie des Proletariats gibt es meines Erachtens die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern im Auge zu behalten. Auch in Ägypten und Tunesien ist es der Arbeiterklasse nicht gelungen, sich als eigenständige Kraft zu organisieren und ihre eigenen Interessen zu artikulieren. In Libyen hat es aber allem Anschein nach die Bourgeoisie in den „befreiten Gebieten“ geschafft, alle vereint gegen Ghaddafi zu mobilisieren und somit die proletarischen Kräfte in die Logik der Bürgerkriegs (eine bürgerliche Herrschaft gegen eine andere bürgerliche Herrschaft) zu zwängen, während der Arbeiterklasse in Tunesien und Ägypten dieses Schicksal bis jetzt erspart geblieben ist – und nicht zufälligerweise rumort es in diesen beiden Ländern weiter: Wesentliche proletarische Forderungen (so diffus sie gestellt worden sind) sind nicht erfüllt; die Arbeiterklasse ist zwar noch nicht als eigenständige Kraft aufgetreten, aber auch nicht unterworfen worden – es gärt weiter mit der Möglichkeit, die Kämpfe neu aufzunehmen und auszuweiten. Nur von dieser Seite, der proletarischen, könnte der Aufstand in Libyen die nötige Unterstützung erhalten.

Was heisst Klassenautonomie? Bin ich denn ein Autonomer? - In einem gewissen Sinne ja - ich kenne kein Beispiel aus der Geschichte der letzten 163 Jahre, die die Lehre von Marx aus der 1848er Revolution widerlegen würde, dass das Proletariat sich auf keinen Fall mit bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Kräften organisatorisch vereinigen darf (MEW Band 7 S. 248 f.). Es gibt aber genügend Beispiele dafür, dass die ArbeiterInnen (gelinde gesagt) über den Tisch gezogen werden, wenn sie ihre Selbständigkeit aufgeben (oder gar nicht erst erringen) und ein Bündnis mit anderen Klassen eingehen. Das von rth erwähnte Beispiel der italienischen Partisanen ist eines davon.

Aus meiner Sicht sind gegenwärtig für die Klasse auf beiden Seiten des Mittelmeeres (und natürlich darüber hinaus) die wichtigsten unmittelbaren Herausforderungen: Auftreten als selbständige proletarische Kraft und Vereinigung der Kämpfe über die Landesgrenzen hinaus."
25. Januar 2012, 22:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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http://www.heise.de/tp/​artikel/36/36299/1.html

Haben in Bani Walid wirklich Ghaddafietreue Truppen die Soldaten des Nationalen Übergangsrates verjagt, oder wurden diesselben von Milizen verjagt, die deren Übergriffe satt hatten und sich weigern die Waffen abzugeben und dabei so gar nicht Ghaddaffitreu sind?

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31. Januar 2012, 12:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Raskolnikow



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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
17. April 2012, 16:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Keine Ahnung, was die Hintergründe sind. Aber gut zu lesen:

Stützpunkte radikalislamischer Milizen gestürmt

Zitat:
Hunderte Demonstranten haben am Freitagabend in Bengasi den Stützpunkt einer radikalislamischen Miliz angegriffen. Diese gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung des US-Konsulats vor einer Woche.


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22. September 2012, 07:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Hier zur Frage was läuft in Lybien...? noch ein übersetzter Artikel von Baboon, der glaube ich auch im libcom-Forum postet.

Die Diskussion um die Klassenautonomie ist mittlerweile in diesem Forum wieder eingeschlafen, sie stellt sich aber auch wieder in Syrien. Von daher scheint mir dieser Artikel nützlich zu sein, vor allem auch, weil man sich immer wieder die Frage stellen muss, was für allgemeine Lehren können wir aus all diesen Situationen und Kämpfen ziehen, um sie für das politische proletarische Milieu fruchtbar zu machen.

http://de.internationalism.org/IKSonline2012_Libyen1112
Zitat:
Magriaf war seit 1981 der Führer der Nationalen Front zur Befreiung (Rettung) Libyens. Er hat historische Verbindungen zum US-amerikanischen und britischen Establishment, und seine Gruppierung wurde Berichten zufolge vom CIA und von Saudi-Arabien finanziert. Sie hatte kaum Unterstützung in Libyen, und ausgerechnet dieser Profiteur der Befreiung und Freund der westlichen Koalition ist gegenwärtiger Präsident des Nationalen Übergangsrates – ein klares Anzeichen für das Ausmaß westlicher Einflüsterungen in diesem so genannten befreiten Land. Doch während Magriaf Maßnahmen gegen die Islamisten „in Betracht zog“, nahm die Bevölkerung am 22. September mit einem ganz außergewöhnlichen Aufstand die Dinge selbst in die Hand. Nach einer Demonstration von über 30.000 Menschen gegen die Milizen am Nachmittag gingen Hunderte von jungen, zumeist unbewaffneten Männern gegen die Miliz auf ihrem Gelände vor. Zwar ließen 20 von ihnen ihr Leben, doch wurden die verhassten Milizen vertrieben. Dabei wurde nicht nur die anti-amerikanische Ansar al-Sharia attackiert, sondern auch die regierungsfreundlichen, pro-amerikanischen islamistischen Milizionäre von Rafallah al-Sahiti, die eine Lizenz von der Regierung erhalten hatten und dem libyschen Verteidigungsministerium gegenüber verantwortlich sind. Seit dem Ende des Krieges gab es eine Reihe kleinerer Streiks und Demonstrationen im Land gegen die empörenden Zustände; besonders groß ist der Ärger über die islamistischen und anderen Milizen mit ihren Check-Points, Durchsuchungen, Entführungen, mit ihren prahlerischen Drohgebärden. Doch auch wenn es sicherlich einen Kern sozialer Unzufriedenheit gab, der dieser Massenbewegung zugrundelag, so ist sie bereits als „Unterstützung für die Armee und die Regierung“ vereinnahmt und im Westen als „pro-demokratische Bewegung“ (Channel 4-Nachrichten, 23.9.12) dargestellt worden. Auch im Osten Libyens, in Derna, sind dschihadistische Milizen von der lokalen Bevölkerung angegriffen und vertrieben worden. Derna war lange Zeit eine Brutstätte des islamischen Fundamentalismus gewesen, der vom Gaddafi-Regime toleriert, möglicherweise sogar ermutigt wurde, mit dem Hintergedanken, ein Problem zu kreieren, das man dann selbst „erledigt“, um sich bei den Amerikanern und Briten anzubiedern.

03. November 2012, 20:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Flüchtlingsboot beschossen Antworten mit Zitat
Als ob es nicht so schon kompliziert genug wäre, werden die Flüchtlinge jetzt auch noch von der libyschen Küstenwache beschossen. Bilanz: Boot gekentert, 200 Tote: http://ffm-online.org/2013/10/13/libysche-kuestenwache-schoss-auf-fluechtlingsschiff-dadurch-kenterte-es/

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
13. Oktober 2013, 15:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Ökonomisch-ethnische Spannungen Antworten mit Zitat
Zitat:
Seit Mitte des Jahres wird die libysche Erdöl- und Erdgasindustrie von Streiks sowie Blockaden erschüttert, und ein Ende ist nicht in Sicht. Eine weitere Eskalation bildete vergangene Woche die Blockade des Mellitah-Gas-Terminals. Die Demonstranten in Zuwara im Westen des Landes gehören der ethnischen Minderheit der Amazigh an. Sie verlangen, dass ihre kulturellen Rechte in die Verfassung geschrieben werden. Für höhere Löhne streikende Lehrer schlossen sich dieser Aktion an.


http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/libyens-erdoelkrise-weitet-sich-aus-1.18183521

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Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
12. November 2013, 06:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Streik in Tripolis, nachdem Milizen am Freitag in einen Protestzug geschossen und 43 Menschen getötet haben:

Libya's Tripoli on strike after deadly clashes

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17. November 2013, 14:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Islamisten wehren Angriff ab Antworten mit Zitat
Islamisten haben einen Angriff auf ihre Hochburg Benghazi abgewehrt:

Zitat:
Tanks spearheaded attacks on an Islamist militia, the "February 17 Martyrs Brigade," while warplanes carried out raids on its headquarters in a western suburb of the Mediterranean city.

The army and Haftar's forces said they captured the February 17 headquarters after several hours of clashes on Wednesday.

But military sources said Thursday that pro-government forces were later forced to withdraw from the former army base under fire by Islamist fighters.

Several explosions and gunfire echoed throughout the night, AFP correspondents said, before the fighting eased on Thursday as military aircraft swept over the city.

Islamist militias have seized control of large parts of turmoil-gripped Libya since a 2011 uprising against long-time leader Moamer Kadhafi, with the authorities struggling to control them.

http://english.ahram.org.eg/NewsContent/2/8/113251/World/Region/Islamists-resist-assault-on-Libyas-Benghazi.aspx


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16. Oktober 2014, 15:31 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Angriff auf ägyptische Botschaft Antworten mit Zitat
Angriff auf ägyptische Botschaft in Tripoli - vermutlich von Islamisten:

Zitat:
The most spectacular event of the day, however, has been the attack on and the looting of the Egyptian embassy. Witnesses said that at least ten “technicals” bearing the markings of Misratan and Suq Al-Juma militias stormed the building, smashing down the front gates and shooting their way through the front doors. There were later reports of firing within the elegant building which was formerly the home of the Libyan Crown Prince. The attackers were still in the building late this evening.

http://www.libyaherald.com/2014/10/22/four-tripoli-kidnappings-and-egyptian-embassy-sacked/#axzz3GuVhq1Tp


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23. Oktober 2014, 22:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Diplomatie in Libyen Antworten mit Zitat
Die Meldungen aus Libyen werden immer konfuser:

Zitat:
Niger said Tuesday its embassy in Libya was surrounded by heavily armed militias, possibly in response to unfounded rumours that Nigerien forces had entered the Libyan embassy in Niamey.

The militias encircled the mission in the capital Tripoli in the early hours of Tuesday, resulting in "diplomatic personnel, including the ambassador, being confined," the secretary general of Niger's foreign ministry, Abani Sani Ibrahim, told reporters.

He said the gunmen, who drove up in "military vehicles" fitted with heavy machineguns, did not attack the embassy, but he qualified the situation as "extremely serious".

Ibrahim did not identify the militias.

http://news.yahoo.com/nigers-embassy-libya-surrounded-heavily-armed-militia-182131766.html


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28. Oktober 2014, 23:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Libysche Armee randaliert in England Antworten mit Zitat
Eins ist sicher: Die "libysche Armee", welche der Westen aufzubauen sucht, wird den Bürgerkrieg in Libyen wohl nicht gewinnen. Ein Trainingslager in England wurde zum Disaster: Alkoholexzesse, Schlägereien, sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungsversuche:

Zitat:
John described an aggressive, ill-disciplined band who had no interest in becoming real soldiers, but saw their sojourn in the UK as an opportunity to drink alcohol and party. If they didn't like the food or the training they rioted or went on strike.

"They would go round building by building breaking fire alarms," he said. "They attacked the shop on the base. They broke into the communal areas, stole laptops, destroyed furniture and sprayed the whole place with fire extinguishers."

He says the women on the base were terrified, because the Libyans would insult them and on one occasion threatened a woman who had reported them for taking pictures of her without permission. According to John, one of the Libyan officers told him he didn't think there was such a thing as rape in the UK as women here have sex outside of marriage.

Last week three Libyans appeared in court and admitted two counts of sexual assault of two women in Cambridge, while on Monday two more Libyan soldiers remain in the UK facing charges, the rest of the trainees are being sent back to Libya.

http://www.channel4.com/news/libyan-troops-riot-bassingbourn-barracks-uk-army-training-lindsey-hilsum


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12. November 2014, 13:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Zur Situation in Libyen Antworten mit Zitat
Zwar sehr liberal und demokratisch, aber nicht uninteressant:

Zitat:
After four years, the country is riven with competing armed factions and militias that are still fighting over the spoils of war; the political scene is so fractured that there are currently two competing administrations, one in Tripoli and the other in the east of the country, each convinced of its own legitimacy; and militants linked to Islamic State are taking advantage of the lawlessness to implant themselves, including in the capital.

On the economic front, the situation isn't much better. Despite its enormous oil reserves, the energy sector has been so fraught with disruptions that the country is hurtling headfirst into financial disaster. The old joke that used to do the rounds when Qadhafi was in power - that when weapons inspectors came to Libya they didn’t find weapons of mass destruction, only mass destruction - seems poignantly more apt than ever.

https://www.opendemocracy.net/alison-pargeter/libya%E2%80%99s-downward-spiral


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10. Februar 2015, 16:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Bürgerkrieg Antworten mit Zitat
Interessanter Hintergrundartikel zum Bürgerkrieg in Libyen:

Zitat:
Libya has two governments. The one in Tripoli, dominated by the Muslim Brotherhood, condemned the aerial bombardment as an intrusion of Libya’s sovereignty. At an Arab League meeting, Qatar – the self-anointed nerve center of the Muslim Brotherhood – also criticized the attack, saying, “Unilateral military action on another member state could harm innocent civilians.” Egypt’s envoy to the League, Tareq Adel, accused Qatar of “supporting terrorism.” By terrorism, Adel means the Muslim Brotherhood and not Al-Qaeda. Qatar withdrew its ambassador from Egypt. The Gulf Cooperation Council (GCC), which represents the six Gulf Arab states, tried to moderate the tension. This is not a new problem for the GCC. When Egypt’s current government cracked down on the Muslim Brotherhood last year, Qatar made its disapproval known. Bahrain, Saudi Arabia and the UAE withdrew their ambassadors from Doha in retaliation. The GCC had to resolve the crisis. Again, this month, the GCC entered the fray. It urged the members to patience. Messages went between the capitals feverishly. The GCC first offered mild criticism of Egypt’s actions in Libya, but then withdrew its statement. Confusion reigns.

http://www.madamasr.com/opinion/libya-battlefield-new-arab-cold-war


Diese Karte ist übrigens auch ziemlich hilfreich, um die Situation zu verstehen.

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23. Februar 2015, 16:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Situation Antworten mit Zitat
Zur Situation in Libyen:

Zitat:
Four years after the revolution began to overthrow Moammar Gadhafi’s regime with NATO’s help, and amid a worsening civil war, Libya today faces a new and very real threat: militants affiliated with the self-declared Islamic State (IS). Even though Libya has no religious divisions that IS can exploit to establish a foothold, the country’s ongoing political crisis, armed conflict and security vacuum provide a fertile environment for IS to expand its influence to Europe’s doorstep.

The Islamic State’s senior leadership in Libya is made up of foreign fighters from Iraq, Saudi Arabia and Yemen, who were dispatched to Libya by IS leader Abu Bakr al-Baghdadi last summer to coordinate with local jihadis. Like IS in Iraq and Syria, its ranks in Libya are diverse, with Sudanese, Tunisian, Saudi and Libyan nationals reportedly carrying out its suicide missions. The group has also tapped Libyan jihadis who have fought with other local extremist groups, such as Ansar al-Sharia, as well as Libyans who have returned from fighting for IS in Iraq and Syria.

http://www.worldpoliticsreview.com/articles/15155/libya-needs-more-than-unity-government-to-halt-is-rise#.VO3Yhz0ftCg.twitter


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25. Februar 2015, 16:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Zintan und Sobrata Antworten mit Zitat
Bericht über die Kämpfe zwischen Zintan (pro-Tobruk) und Sobrata (pro-Tripolis):

Zitat:
The two communities were strongly allied during the 2011 uprising against Muammer Gaddafi. But since the country’s year-long civil war spread west last summer, the towns have been lobbing mortars and rockets at each other, and exchanging machinegun fire.

The clashes between fighters from the two cities have subsided over the past few weeks. But after 10 months of grinding war between Sobrata — allied with Libya’s Islamist-leaning authority in Tripoli — and Zintan — loyal to the internationally recognised government 1,000 miles away in the eastern city of Tubruq — at least 43 men have been killed and more than 100 injured.

As UN-sponsored talks to end Libya’s civil war drag on, war-weary fighters on battlefields like this one are trying
to forge their own separate peaces, sometimes in defiance of their leaders.

http://www.ft.com/cms/s/0/eec110b6-ffd4-11e4-abd5-00144feabdc0.html#axzz3bW8dtnr2


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31. Mai 2015, 21:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Im Norden und im Süden Antworten mit Zitat
Die Lage in Libyen bleibt chaotisch:

Zitat:
That won’t mean the militiamen, who form the bulk of both sides’ forces, will lay down their weapons. More likely it will worsen a conflict consisting not only of a standoff between the competing parliaments but also of a dizzying number of ever-changing micro-conflicts featuring tribes and towns and militias large and small, all with different and frequently shifting allegiances and grievances.

And while the Libyans squabble and clash, the disputes are being exploited by the Islamic State’s affiliate in Libya, which now controls Gaddafi’s coastal hometown of Sirte, and seized another small town nearby last week. Earlier this year the extremists beheaded 21 Egyptian Christians there, warning as they did so that Rome is in their sights. They slaughtered at least 28 Ethiopians in February and captured another 86 Eritrean Christian migrants on Wednesday.


Real existierender Surrealismus: Die Regierung in Tripoli bezahlt die Soldaten ihres Feindes aus Tobruk:

Zitat:
“We provide them with everything,” says Jamal Zubia, a spokesman for the Tripoli-run government’s foreign ministry. A bearded former exile who raised his seven children in Britain, Zubia rubs his hand over his bearded face and chuckles when asked whether he considers it odd for a rival government to fund the activities of the other.

“Yes, we pay the salaries of their fighters,” he says. “We pay the social security payments and child benefits for everyone in Libya. We pay for the schools, we pay the fighters and even the police service, too, in the East. We transfer the money for the fighters because many of them were members of the Libyan armed forces or were warriors in the uprising against Gaddafi.”

The Tobruk government recently published its own budget but it is basically a fiction. Money is disbursed by the central bank and the bank only responds to orders from Tripoli’s Minister of Finance. Like the country’s investment authority, the central bank is now based out of Malta. On Friday Tobruk announced a new central bank under its control but how it will be funded is unclear.

http://www.thedailybeast.com/articles/2015/06/08/can-libya-save-itself-from-isis.html


Währenddessen wird auch im Süden gekämpft:

Zitat:
For the indigenous southern Tuareg and Tebu tribes, politically used and variously marginalized by Qaddafi, this is a local battle about historical grievances, Libyan identity, and who belongs to the land.

The Tuareg are traditionally based in Ubari and Ghat, along Libya's southwest borders, and have kin mostly in Algeria, Niger and Mali. The Tebu tribe, with ties to Chad, mostly stretch from the desert town of Murzuq to isolated Kufra, hundreds of kilometers east near Egypt and Sudan.

Like the others, this conflict has been sucked into the national political context where Libya's two dueling governments back disparate armed groups in a brutal fight for key oil infrastructure, military bases, ports, and borders.

https://news.vice.com/article/in-a-southern-libya-oasis-a-proxy-war-engulfs-two-tribes


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08. Juni 2015, 17:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Situation in Libyen Antworten mit Zitat
Dieser kurze Bericht gibt einen guten Überblick über die Situation:

Zitat:
In a new, in-depth report, The Soufan Group (TSG) examines the security implications of continued instability in Libya. Four years after the revolution that toppled Muammar Qadhafi, the security situation in Libya remains volatile. The lack of centralized control has allowed criminal and violent extremist groups to flourish, including al-Qaeda and the Islamic State. Continued instability in Libya will only see these criminal and violent extremist elements entrench themselves further. The expansion of these networks poses a serious security threat to the region, as well as to the broader international community. .

http://soufangroup.com/libya-extremism-and-the-consequences-of-collapse/


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
28. Januar 2016, 19:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Kämpfe in Tripolis Antworten mit Zitat
Heftige Auseinandersetzungen in Tripolis gestern Abend:

Zitat:
Tripoli has been held hostage by various unruly militias since Moammar Gadhafi, Libya's ruler for 42 years, was ousted and killed in 2011. These militias originated with the rebels that ousted Gadhafi.

Today, neighborhoods are divided between militias, some from Tripoli and others from neighboring towns and cities like Misrata. The militias are also split ideologically, with some inspired by radical Islamic ideologies.

In 2014, the country was split between rival governments and parliaments where each side is backed by a set of militias and tribes. Amid the chaos, militias were engaged in abductions and revenge attacks.

Most recently, a senior Islamic figure and scholar Nader al-Omrani was abducted and his slain body was found weeks later in Tripoli. Al-Omrani's killing was blamed on one of the militias fighting Thursday in Tripoli.

Fighting against Islamic militants is taking place in more than one city across the country; fighters backed by the internationally-recognized parliament, based in the eastern region, are battling militants in the eastern city of Benghazi. Other forces that answer to a United Nations' brokered government, which is based in Tripoli, are battling Islamic State militants in the city of Sirte, the birthplace of Gadhafi.

http://www.dailymail.co.uk/wires/ap/article-3991074/At-8-killed-Libya-clashes.html


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
02. Dezember 2016, 03:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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