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Wildcat-Thread
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far



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Beitrag Wildcat-Thread Antworten mit Zitat
Die neue Wildcat ist da!



http://www.wildcat-www.de/wildcat/89/w89_edi.html

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
09. April 2011, 11:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Raskolnikow



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hier auch komplett lesbar: http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/wild-024.html

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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
23. Mai 2011, 17:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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danke und willkommen bei den undergrounddogs ;-)

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
23. Mai 2011, 17:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Beitrag Antworten mit Zitat
neue ausgabe hier: http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/wild-025.html

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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
18. August 2011, 14:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Liebe Zielgruppe!

Anfang November geht die Wildcat 91 in Druck.
Einen Artikel daraus haben wir bereits online gestellt, weil der Streik noch
am Laufen war:

http://www.wildcat-www.de/aktuell/a092_indien_maruti.html

Dazu neueste Nachrichten:
Alle Streiks sind beendet, Suspendierungen von 33 Arbeitern wurden nicht
zurückgenommen (30 bei Maruti, 3 bei Powertrain). Die 1200 Zeitarbeiter werden
weiter beschäftigt, aber ohne zeitliche Beschäftigungsgarantie.


Ansonsten sind im Heft Artikel zu:
- Globale Krise - globale Aufstände
- Riots in England (August 2011)
- Knaststreiks in den USA
- Zeltstädte in Israel
- Occupy Frankfurt
- zwei Beiträge aus Italien zur globalen Krise
- Streik der Tagelöhner in Süditalien
- Spanien (soziale Krise und Kämpfe)
- Griechenland (Zuspitzung, Generalstreik)
- Streik im Iran

Wer die Wildcat nicht sowieso abonniert hat, kann sie jetzt noch
bestellen – und kriegt sie dann direkt aus der Druckerei zugeschickt.
Abos, Einzelhefte oder Pakete für den militanten Vertrieb könnt Ihr hier
bestellen:
http://www.wildcat-www.de/bestell.htm

keep on rockin!
eure wildcats

P.S. Wer es noch nicht getan hat, kann per rss-feed Neuigkeiten auf unserer
Website abonnieren:
http://www.wildcat-www.de/feed.rss


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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
26. Oktober 2011, 12:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Raskolnikow



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Beitrag new Antworten mit Zitat
http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/wild-026.html

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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
18. November 2011, 12:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Beitrag Antworten mit Zitat
wildcat bietet komplettpakete mit allen ausgaben und beilagen für 40 euro auf ihrer webseite an:

http://www.wildcat-www.de/bestell.htm

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
30. November 2011, 20:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Beitrag Antworten mit Zitat
die wildcat-redaktion geht offensichtlich zu ersten panikverkäufen über...

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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
01. Dezember 2011, 01:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Zitat:
Die Situation ist eine andere

Seit dem Kriseneinbruch im Herbst 2008 ist weltweit sehr viel passiert, vor allem seit dem Sommer 2010: der Aufschwung der Klassenkämpfe in China, die Aufstände in Nordafrika, die Occupy-Bewegung in den USA… Auch in Europa entstehen Bewegungen gegen die Krisenpolitik: Spanien, Griechenland, Portugal, Italien, Rumänien…
Bei einem erneuten Kriseneinbruch kommt es drauf an, dass die Arbeiterklasse hier in der BRD sich den weltweiten Kämpfen anschließt., und dass die breiten Bewegungen gegen Atomkraft, gegen Stuttgart21, gegen Landebahnen usw. usw. sich auch aktiv zu ihrer eigenen sozialen Situation verhalten. Zusammen mit der bereits massiven Krise der Politik hätten wir dann eine Wirtschaftskrise, eine Staatskrise und eine Gesellschaftskrise.
Es ist heute nicht mehr die Frage, ob es massenhafte Bewegungen gegen den Kapitalismus gibt. Die große Frage – und die Hauptangst der Herrschenden – ist, dass daraus »Klassenkampf« wird. Soros hat in einem vielbeachteten Artikel Anfang des Jahres vor Riots und »Klassenkämpfen« in den USA gewarnt; der Chef des Davoser Gipfeltreffens sagte in einem Interview: »Die Proteste werden dann gefährlich, wenn sie als Klassenkampf angesehen werden.« Dass sie dazu werden, genau das ist unsere Hoffnung.


Die neue Wildcat ist draussen.

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
25. März 2012, 12:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
Liebe Zielgruppe!

Die Wildcat 93 kommt in diesen Tagen in den Briefkästen und Buchläden an. Das
Cover zeigt Bergarbeiter während der Septemberstreiks 1969 - und wir sind
gespannt, wie es mit der Krise im September nach der Sommerpause weitergeht,
wenn es neue Troikaberichte, Euro-Rettungsprogramme usw. geben soll.
Im Heft findet ihr Fotos und einen Bericht über die streikenden Bergarbeitern
in Spanien.
Der andere Grund für das historische Thema des Titelblatts ist die Beilage:
"Materialien gegen die Individualisierung (erste Lieferung) -
Betriebserfahrungen von den 70er Jahren bis heute".
Darin findet ihr Auszüge aus Interviews, die sich zunächst auf die 70er
konzentrieren und versuchen, die damaligen Möglichkeiten auszuloten:
Kollektivität im Betrieb, die eigene soziale Rolle in Frage stellen, Kontakte
mit MigrantInnen...
Dann schlagen wir über Krankenhaus und Leiharbeitsbuden den Bogen zu anderen
Sektoren und Zeiten. Zu den Reflexionen über Arbeiterklasse und Untersuchung
heute kommt noch ein Bericht über die Tagung zum Tod Romano Alquatis in Turin
und eine Besprechung der Broschüre von FelS über ihr Projekt am Neuköllner
Jobcenter. Im Anschluss findet ihr einige Auszüge.

Wer mit uns über die Broschüre diskutieren, einige der Interviewten treffen und
bei zeitgenössischer Musik feiern will, kann am
24.9. nach Lüneburg kommen,
wo um 19 Uhr
im Anna&Arthur,
Katzenstrasse 2
die Release-Party für die Broschüre stattfindet!

Im Heft gibts natürlich auch noch einige Artikel:
- Auto slaves: What if they learn to hate? (Automobilindustrie)
- Der deutsche Sonderboom kommt an sein Ende
- "Alles wird sich ändern, hat Evo versprochen - Lüge, immer noch der gleiche
Mist!" - Reisebericht aus Bolivien
- "Schulden" von David Graeber wird ausführlich besprochen: "Kein Interesse
außer dem zu atmen", und es gibt Updates zum Krankenhaus, NSU und Staat,
Ägypten...

Für Bestellungen und Abos schreibt an versand@wildcat-www.de

Keep on rockin'!
eure wildcats


* * * * * * * * *


Und nun ein Ausschnitt aus der Broschüre:

-- Im Betrieb --

Viele erzählen, dass sie von den KollegInnen sehr freundlich aufgenommen
wurden – ganz »unverdienterweise«:

"Die Kollegen haben mit ihrem Akkord dafür gesorgt, dass ich vom ersten Tag an
den höchsten Akkordsatz bezahlt gekriegt habe, der in der Fabrik möglich war.
Die haben mir Karten gestempelt. Schon die Anlernphase in der Fabrik war
menschlich so erfreulich, weil ich Ähnliches an der Hochschule nicht erlebt
hatte, die völlig rückhaltlose Unterstützung beim Erlernen einer Arbeit. Da
habe ich freundschaftliche, menschliche Zuwendung erfahren."

Und gerade diese »Zuwendung« hat die vorgefassten Ansichten über »Perspektiven
der Intervention« und die eigene Rolle dabei radikal in Frage gestellt! Nicht
nur die eigene lebensgeschichtliche Perspektive änderte sich, auch der Blick
auf »die Arbeiterklasse«. Das gilt übrigens für alle Genossen, mit denen wir
gesprochen haben; auch diejenigen, die schon viele Jahre aus der Fabrik raus
sind, haben z. B. eine starke Prägung mitgenommen, »niemals Chef« sein zu
wollen.

"Dadurch dass ich dann im Betrieb ohne Führung durch eine Organisation dastand
und selbst den Weg finden musste, ist der Rest erst möglich geworden. Dass ich
verloren hab, wovon ich zunächst dachte, es wäre die Voraussetzung dafür, im
Betrieb was Sinnvolles zu machen, erwies sich als Voraussetzung dafür, dass
ich lebensgeschichtlich überhaupt was Vernünftiges werden konnte.
Schnell habe ich Arbeiter kennengelernt, die politisch genauso viel verstanden
wie ich selbst. Sie waren anders, als ich mir Arbeiter vorgestellt hatte.
Somit war auch die Vorstellung passé, dass sie ohne Organisation von außen
nichts machen würden."

Und sie selber waren in ganz anderen Rollen gefragt, als sie sich hatten
vorstellen können.
Nicht nur die geläufigen Geschichten, dass man sich in so gut wie allen
Betrieben recht einfach in und mithilfe von untergründigen Netze bewegen
konnte (gemeinsam Sachen abziehen, in der Arbeit Dinge für sich selber
herstellen, Kiffen in der Pause, Haschischplätzchen bei Geburtstagsfeiern...),
in allen Betrieben hattest du deinen underground, in dem bestimmte Regeln und
bestimmte Verhaltensweisen klar waren und in dem eine grundlegende Sicht auf
die Welt herrschte: wir gegen sie.

Vielleicht noch wichtiger war aber das Interesse der KollegInnen an deiner
Person (»Du lebst in einer WG??«) oder ihre Verwunderung darüber, dass jemand
»freiwillig« in der Fabrik arbeiten geht, der von der Ausbildung her auch
woanders sein könnte.

"Als Malocher war ich für die Leute ja nicht sonderlich interessant; das große
Interesse, das die für mich seltsamen Vogel entwickelt haben, die große
Solidarität, mit der sie mir entgegentraten, war vor allem der Tatsache
geschuldet, dass sie mich als einen gesehen haben, der ihre Bedingungen
hinterfragt hat und der z. B. Ideen hatte, wie man die Schichtzeit verkürzen
könnte."

Immer da, wo es den Genossen gelang und es ihnen Spaß machte, an diese
Strukturen anzudocken und sich solchen Fragen und Verunsicherungen auszusetzen
(als Einzelner bist du womöglich nicht die tolle »Avantgarde«, sondern der
»seltsame Vogel« - und gerade deswegen finden dich die Leute gut!), hat das bei
ihnen was bewirkt und konnten sie andererseits was bewirken – und
dementsprechend lange sind dann viele geblieben:

"Ich wollte eigentlich nur zwei oder drei Jahre in die Fabrik gehen und bin
dann 17 Jahre geblieben."

-- »Betriebsklima« --

"’69, als ich angefangen habe, gab es so eine Stimmung: ›Wenn wir nicht mehr
wollen, dann können die den Laden dichtmachen!‹ Die haben ein Bewusstsein
ihrer Macht gehabt. Nicht in der großen politischen Ebene, oder dass sie eine
Partei wählen, das war egal. Sondern sie haben gewusst: Wenn wir aufhören,
dann ist Schluss. Deswegen haben die auch den Mut gehabt, Aktionen zu machen,
die jetzt unvorstellbar sind. Die Stimmung in den Jahren war, dass uns keiner
was kann. Es war bei den Älteren auch Standard, dass sie wussten, dass sie
sich das alles erkämpft hatten."

Dieses Bewusstsein, dass man seine Lage nur kollektiv verbessern könne, hatte
in den 70er und 80er Jahren einen hässlichen Zwilling namens »Betriebsklima« –
und oft waren die beiden sogar siamesische Zwillinge, schwer
auseinanderzuhalten. In vielen Betrieben hatte ein großer Teil der
Beschäftigten die Vorstellung, dass ein gutes Betriebsklima nötig sei, um den
Arbeitsalltag erträglicher zu machen. Dass man mit Vorgesetzten »reden kann«,
dass bestimmte Freiheiten und Übertretungen geduldet werden, dass man nicht
»als Nummer behandelt« wird... Wie widersprüchlich und gleichzeitig wie
verquickt Arbeiterkultur und »Betriebsklima« waren, lässt sich an den vielen
gemeinsamen Feiern zeigen, einerseits komplett illegal organisierten Festen
während der Arbeitszeit, mit fließenden Übergängen in die beinahe täglichen
Geburtstags-, Jubiläums-, Urlaubsanfangs-, Urlaubsende- usw. usf. -feiern in
der Abteilung, bis zu von oben angeordneten Betriebsfesten. Manchmal
entstanden dabei Gelegenheiten, in Ruhe über aufgetretene Reibereien
untereinander oder das weitere Vorgehen gegen den Meister zu sprechen,
manchmal war’s nur Alkohol und doof (Weihnachtsfeiern).

"Wenn jemand Geburtstag hatte, wurde im Betrieb gekocht, Werkbänke,
Kastenbier, Herdplatten, und dann gab es Grünkohl und so was. Das ging noch
bis in die 90er, danach haben sie alles abgeschafft: Alkoholverbot, die Feiern
im Betrieb..."

In dem Maße, wie das »Betriebsklima« durch den Rationalisierungsangriff immer
schlechter wurde, hat das Management zunehmend solche Feierlichkeiten
künstlich herbeizuführen versucht.

[...]


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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
31. August 2012, 14:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Weihnachtswildcat ist draussen!

Zitat:
Liebe Zielgruppe!


In Europa und auf der ganzen Welt nehmen die Kämpfe zu – und Wildcat
macht ein Heft zu den Faschos in Griechenland, dem Putsch in Ägypten und
dem NSA-Skandal! Aber neben einigem anderen war 2013 auch eine Phase der
Konterrevolution. Der Zuschnitt der Wildcat 95 und die
Schwerpunktsetzung »tiefer Staat« spiegelt das wider.
Keine Sorge: das nächste Heft wird wieder einen deutlich anderen
Zuschnitt haben!

keep on rockin!
eure wildcats

Inhaltsverzeichnis Wildcat 95

* Die weltweite Bewegung der Plätze
* Faschos in Griechenland: von der Straße ins Parlament und zurück
* Dead End: Ägypten nach dem Putsch
* NSA: A small leak will sink a great ship
* Autoindustrie – Kämpfe und Klassenspaltung
* Südafrika: Marikana ein Jahr danach
* Streik und Streikunterstützung bei Neupack
* Norgren: Streik und Betriebsschließung
* Bretagne in Aufruhr (Flugblatt von Mouvement Comuniste)
[http://mouvement-communiste.com/Leaflets.php?lang=FR]
* Thesen gegen die Forderung nch einem garantierten Mindesteinkommen
* Grüne Visionen: Es wird keinen Green New Deal geben

Die Wildcat bestellen könnt Ihr hier
http://www.wildcat-www.de/aboform.htm
oder per e-mail an versand@wildcat-www.de
Wer Weiterverkäufer_innen-Pakete bestellen will, kann sich entweder bei
versand@wildcat-www.de oder bei redaktion@wildcat-www.de melden.

Auszüge aus dem Einleitungsartikel:

UNTER LAMPEDUSA LIEGT DIE WALLSTREET

Wir leben in brutalen Zeiten: in den letzten Monaten mehrere hundert
Tote vor Lampedusa, in vielen Ländern Mobilisierungen, Pogrome, Morde
gegen MigrantInnen, unter anderem in Ungarn und Tschechien, in Marokko,
in Moskau. Auch in der BRD laufen wieder rassistische Mobilisierungen
gegen Flüchtlinge und MigrantInnen aus Rumänien und Bulgarien, besonders
gegen Roma.
Aber die MigrantInnen wehren sich: In Italien haben sie mit Riots die
Hälfte der Lager außer Betrieb gesetzt. In der BRD gab es 2013 in fast
jedem Bundesland selbstorganisierte Kämpfe. Unter anderem in Hamburg und
Berlin erhielten die Flüchtlinge auch Solidarität und konnten einiges
durchsetzen. In Frankreich protestierten tagelang SchülerInnen auf den
Straßen, blockierten Schulen, nachdem die Bullen eine 15jährige während
eines Schulausflugs aus dem Bus gezerrt und abgeschoben hatten.
Die Asylpolitik der EU ist am Ende – der Widerstand in Europa wächst.
Dagegen wird immer weiter hochgerüstet und die militärische Vorbereitung
auf innere Unruhen vorangetrieben; seit Juni 2012 wurden in der BRD 30
»Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien« (RSU) aufgebaut. Sie
sollen die Sicherheit militärischer Anlagen und des deutschen Luft- und
Seeraums gewährleisten und bei »innerem Notstand« Amtshilfe leisten –
also bei Massenstreiks und sozialen Unruhen eingreifen.

1992 und 1999 haben wir den direkten Zusammenhang zwischen Krieg,
Flüchtlingspolitik und Sozialpolitik kennengelernt. Auch heute benutzt
der Staat die (Kriegs-)Flüchtlinge, um die Außengrenzen weiter zu
militarisieren, sozialstaatliche Regularien zu verändern und für
rassistische Hetze gegen »Armutszuwanderer«.

Nach dem Putsch in Ägypten und dem NSA-Skandal läuft bis hinein in
bürgerliche Medien eine Diskussion über den tiefen Staat,
[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/autoren-gegen-ueberwachung/demokratie-im-digitalen-zeitalter-der-aufruf-der-schriftsteller-12702040.html]
den Staat im Staat, über Geheimarmeen und Postdemokratie...
Und dieser schlägt zurück: Der britische Geheimdienstchef bezeichnete
Presseartikel zu den Snowden-Leaks als »Geschenk und Hilfe für
Terroristen«. Die Worte waren mit Billigung der britischen Regierung
strategisch gewählt. Japan verbot Anfang Dezember mit einem »Gesetz zum
Schutz von Staatsgeheimnissen« Presseberichte über seinen tiefen Staat,
über Sicherheitsprobleme in Fukushima usw. Die Regierung will die in der
Verfassung festgeschriebene pazifistische Grundausrichtung ändern und
Japan wieder zu einer militärischen Macht in Ostasien machen. Und ohne
ein solches Gesetz teilen andere Geheimdienste die dafür nötigen Infos
nicht mit Japan.

In der BRD waren nach dem Auffliegen des NSU Verweise auf den »tiefen
Staat« noch als Verschwörungstheorie abgetan worden, Auch hier ändert
sich inzwischen die Debatte.
Die türkischstämmige Integrationsministerin in Ba/Wü und Teile der
türkischen Presse setzten den NSU mit dem »tiefen Staat« in der Türkei
gleich. Damit wollten sie die staatliche Unterstützung der Mörder
deutlich machen – Bilkay Öney wurde dafür abgewatscht und musste
öffentlich Abbitte leisten. Ihr Vergleich passt aber nur halb: In der
Türkei bilden hochrangige Militärs, Parlamentarier und Mafiabosse den
»tiefen Staat«. Diese Machtstrukturen verfolgten eigene Interessen
gegenüber der Regierung und wechselten diese auch mal aus (z.B.
Militärputsch 1980). Das ist in der BRD gar nicht nötig, hier herrscht
parteienübergreifender Konsens, die Staatsräson über alles andere zu
stellen.
Wenn ein Geheimdienst seinen Machtbereich – auch mit illegalen Methoden
– schützt, ist das noch kein »tiefer Staat« im Sinne der Türkei. Das
wird er erst dann, wenn er diese Macht für eigene Zwecke und gegen die
Regierung einsetzt.
Besser passt der Begriff »Staat im Staat«: Einfluss auf die Entwicklung,
Zugriff auf Schlüsselressourcen, unabhängig von den politischen
Veränderungen – aber servil der jeweiligen Regierung gegenüber. Diese
Kontinuität ist in Deutschland historisch sehr deutlich: der
Verwaltungsapparat und große Teile von Justiz, Polizei, Militär haben
drei Systemwechsel – 1918, 1933, 1945 – weitestgehend unangetastet
überdauert. Aber auch neueste Forschungen zum BND zeigen, dass sogar
dieser aus der »Organisation Gehlen« entstandene Dienst immer treuer
Diener der jeweiligen Bundesregierung war. Die Brandtregierung hat ihn
reformiert (und den Verfassungsschutz massiv ausgeweitet) – auch dabei
sind keine alten Nazi-Seilschaften aus dem Ruder gelaufen. Jede
Regierung benutzt Parallelstrukturen, die schmutzige Jobs außerhalb der
öffentlichen Kontrolle erledigen.

PRIVATISIERUNG
Die sogenannte »staatliche Sicherheitsarchitektur« hat in den letzten
zwanzig Jahren einen großen qualitativen Sprung gemacht: Privatisierung
der Kriege, Dezentralisierung der Repressionsfunktionen, Ausweitung der
Geheimdienste, das Verschmelzen staatlicher Überwachung mit dem
Geschäftsmodell von Firmen wie Google und Amazon...
»Privatisierung heißt Kriminalisierung der Gesellschaft.« kommentierte
Elmar Altvater am 21.10.2013 in der jungen Welt. Und das gilt nicht nur
für die Manipulation des Libor, des Goldpreises und der Währungen durch
Großbanken. Das gilt vom Bauunternehmer bis zur Regierung, und von
Siemens über die Fußball- bis zur Autoindustrie. »BMW hat Merkel im
Sack«. Daimler auch!
Private Hilfstruppen (Söldner, aber auch Faschos und Islamisten) haben
die Kriege brutalisiert. Private Security-Firmen wirken anders und
langen anders hin als verbeamtete Ordnungshüter, siehe Amazon, siehe
Pfeffersprayeinsätze der Bahnsecurities, siehe Security-Firmen gegen
Streiks. – Womit wir im übrigen wieder am Ausgangspunkt sind: Die
Securityfirma (damals hieß das noch »Detektei«) Pinkerton wurde im
letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in den USA von Fabrikbesitzern für
die Zerschlagung von Streiks angeheuert und ging dabei ungeheuer brutal
vor. Ihre Methoden reichten vom brutalen Überfall mit Waffengewalt über
gezielten Mord bis zum Anheuern von Streikbrechern. Die Karriere
Pinkertons hatte im amerikanischen Bürgerkrieg begonnen, als er für den
Norden die »Aufklärung« organisierte; das war der Ursprung der
amerikanischen Geheimdienste.

Angst zu verbreiten ist nicht zwecklos. Wer Angst hat, akzeptiert elende
Behausungen, schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne. Dieser
klassenpolitische Zusammenhang hinter den Taten des NSU gilt genauso für
die aktuelle innenpolitische, polizeiliche und rassistische
Mobilisierung in der BRD gegen rumänische und bulgarische ArbeiterInnen.
Und er lässt sich auch an Griechenland zeigen. Die Goldene Morgenröte
funktioniert dort als Securitytruppe und Mörderbande für
Mafia-Unternehmer. Und die Regierung geht mit der Extremismusdoktrin
derweil hammerhart gegen linke und soziale Initiativen vor.

DER GEFÄNGNISPLANET
Die andere Seite der Überwachung sind Killerdrohnen und Ausweitung des
Knastsystems. Offiziell sitzen weltweit über zehn Millionen Menschen im
Gefängnis – mehr als die Hälfte davon in den USA und China. Der
weltweite Durchschnitt liegt bei 144 Gefangenen pro 100 000 Einwohner,
in den USA sind es 716, in Russland 475, in der BRD 79 – allerdings
steigt diese Zahl gerde stark an.
Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass die Kämpfe in diesem planetaren
Knastsystem weitergehen. Im Sommer 2013 lief in den USA bereits die
dritte Streikwelle. Am 8. Juni 2013 haben geschätzte 33 000 Gefangene in
kalifornischen Knästen einen Hungerstreik gegen Einzelhaft und andere
Arten der Folter angefangen. In Kalifornien sind ungefähr 12 000
Menschen in Einzelhaft gesperrt, oft über Jahre in fensterlosen Kammern.
Als Antwort auf den Streik wurde die Temperatur in den Knästen gesenkt,
Streikführer wurden in noch härtere Isolation gesteckt. Trotzdem gaben
die letzten Streikenden erst nach zwei Monaten auf.


UND DIE RADIKALE LINKE?
Die deutschen Geheimdienste erleben ihren größten Skandal, aber die
radikale Linke kann nichts draus machen. Warum?
Weil sich NSU und NSA nicht verstehen lassen, ohne über den Staat hinaus
zu denken! Die radikale Linke hat sich zu lange mit der
»Zivilgesellschaft« einseifen lassen. Sie muss ganz grundlegende Dinge
wieder lernen: Dass der Staat für uns kein Kampfterrain ist, dass es
keinen Dialog mit Geheimdiensten und keine Zusammenarbeit mit
Kriegsbefürwortern geben kann. Wir müssen begreifen, wie der permanente
Ausnahmezustand die Herrschaftsform in der Krise ist und den Staat
selbst ins Fadenkreuz unserer Kritik nehmen.
Vielleicht entsteht in den weltweiten Kämpfen der »gefährlichen Klassen«
eine neue radikale Linke, die wieder für die Revolution kämpft und damit
auf der Höhe der Zeit ist. Wenn wir frei sein wollen, müssen wir alles
umstürzen – was man gerade am Beispiel Ägypten gut sehen kann.
Der tiefe Staat ist nicht das Subjekt der Geschichte. Das sind nach wie
vor die Kämpfe!


* * * * *
Redaktion Wildcat
www.wildcat-www.de


_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
10. Dezember 2013, 14:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Inhaltsverzeichnis der Wildcat 99 online, ist wohl bald im Briefkasten oder bei der Buchhändlerin eures Vertrauens:

Zitat:
http://www.wildcat-www.de/wildcat/99/w99_inhalt.html

◾Wanderung, Flucht und Arbeit
◾Willkommenskultur: kümmern oder kämpfen?
◾Nur Winken ist nicht genug – Willkommensinitiative
◾Griechenland: Flüchtlinge als Verhandlungsmasse der Regierung
◾Which side are you on? Thesen von einem Kongress in Potsdam
◾Zuhälterein – das Caporalato und sein Umfeld
◾Italien: Wie ArbeitsmigrantInnen für Verbesserungen in einer ganzen Branchen kämpfen.
Zum Film »Die Angst wegschmeißen«
◾Arbeiten bei Amazon in Polen – Interview
◾Weltarbeiterklasse Update
◾Buchbesprechung Immanuel Ness: Southern Insurgency
◾Iran: Keine Ruhe nach dem Atom-Deal
◾Zwei Schritte vor, einer zurück. Wilde Streiks in der türkischen Autoindustrie
◾Potosí/Bolivien: An den Grenzen des extraktiven Entwicklungsmodells
◾Mexiko – USA: Neue Kämpfe im Drogenkrieg-Kapitalismus
◾China: Wirtschaft am Abgrund
◾Kurze Chronologie der Kämpfe der chinesischen Arbeiterklasse
◾Thesen zum Klassenkampf in China
◾Ein rein chinesischer Crash?
◾Buchbesprechung: Lu Zhang: Inside China‘s Automobile Factories.
◾Südafrika: »Students must fall«
◾Zuwanderung und NSU – Neues vom Tiefen Staat
◾Buchbesprechungen: Drei Bücher zum NSU von Wolfgang Schorlau, Wolf Wetzel und Hajo Funke
◾Ausnahmezustand und »Terrorfrei«:
»Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern«
Haben sie die Lage wirklich im Griff? (Frankreich im Ausnahmezustand)
»Eure Kriege – unsere Toten«
◾Wenn die Kohlenstoffblase platzt
◾Die teuerste Rückrufaktion
◾Riots in den USA: Krieg der Armen gegen die Armen?
◾Buchbesprechung Sven Beckert: King Cotton
◾Buchbesprechung Alice Goffman: On the run. Die Kriminalisierung der Armen in Amerika



_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)

Zuletzt bearbeitet von Melnitz am 07. Januar 2016, 09:24, insgesamt einmal bearbeitet
07. Januar 2016, 09:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beiträge: 3354

Beitrag Antworten mit Zitat
Ein Auszug aus dem Update zur Weltarbeiterklasse:

http://www.wildcat-www.de/aktuell/a102_weltarbeiterklasse.html

_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
07. Januar 2016, 09:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beiträge: 3354

Beitrag Antworten mit Zitat
Hurray! Die Wildcat aufersteht von den Toten!

Zitat:
Gutes neues Jahr!

Die Wildcat 101 erscheint in der zweiten Januarhälfte. Drin sind unter anderem Artikel zu Mobilisierungen und Kampfbedingungen in Italien, Katalonien, Großbritannien, dem ehemaligen Jugoslawien, der Slowakei, Südostasien, der ganzen Welt…

http://www.wildcat-www.de/index.htm


_________________
"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
22. Januar 2018, 22:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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