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Ewig lockt die Bestie: Eine Kritik der Moralphilosophie

 
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Ewig lockt die Bestie: Eine Kritik der Moralphilosophie
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Wintermute



Anmeldedatum: 06.10.2009
Beiträge: 25

Beitrag Ewig lockt die Bestie: Eine Kritik der Moralphilosophie Antworten mit Zitat
AMAZON-REZENSION DES BUCHES VON GEORG LOIDOLDT

Quelle: https://www.amazon.de/Ewig-lockt-die-Bestie-Moralphilosophie-ebook/dp/B00YIZWGOG/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1527927663&sr=8-1&keywords=EWIG+LOCKT+DIE+BESTIE

Das Buch ist eine in sich schlüssige, rhetorisch brillante, kulturoptimistische, deswegen aber auch einseitige Darstellung der Moralphilosophie. Wissenslücken sind keine Schande, wenn man ehrlich und offen miteinander kommuniziert, deshalb werde ich an dieser Stelle trotz der erstrangigen Bewertung anmerken, was an diesem Buch noch zu verbessern wäre. Epistemologisch gesehen nenne ich das Buch einseitig, weil es sich zu stark an Hegels Logik orientiert und die durch Quantenmechanik und neuere mathematische Ansätze (namentlich Kurt Gödel's Unvollständigkeitstheoreme und Gregory Chaitins Zufallstheorem) bestätigten Grenzen der Vernunft verleugnet. Moralphilosophisch gesehen nenne ich das Buch einseitig, weil der Autor offenkundig aus einer rein introvertierten Perspektive hinaus argumentiert. Das führt dazu, dass Loidolt Kenntnisse der Biologie über Aggression, Hierarchie, Aufopferungsbereitschaft im Tierreich als Projektionen einer kapitalistisch domestizierten Vernunft zu entlarven können glaubt. Ebensowenig sieht Loidoldt, dass bereits in der Keimform des hegelschen Denkens, der Logik von "Sein" und "Nichts" und dem "Werden" genannten Oszillieren zwischen beiden Positionen, die Affirmation des Kapitalverhältnisses angelegt ist. Widersprüche produzieren sinnlose Sätze, womit Hegel genauso "sinnenfern", materiellen Bedürfnissen feindlich gesinnt, argumentiert wie Kant mit seinem kategorischen Imperativ oder Nietzsche mit seiner prinzipellen Affirmation des Bestehenden. Leibnitz, der an eine "prästabilisierte Harmonie" (= Planwirtschaft) monadischer "Seelen" (Subjekte) glaubt, wäre da (trotz Voltaires unsachgemässem Spott) eher ins eigene Boot einer utopischen Gesellschaft harmonierender, weil wohlverstandener Eigeninteressen zu holen.

Meines Erachtens gibt es erhebliche Unterschiede in den Moralvorstellungen introvertierter und extrovertierter Menschen. Introvertierte Menschen streben mehr nach Genuss, Extrovertierte mehr nach sozialer Anerkennung. Dass Anerkennung als Ziel problematisch sein kann, zeigt sich an der aktuellen desolaten Situation unseres Planeten, der von Extrovertierten regiert wird, denen es nur um ihren sozialen Status geht und die daher die Gefährdung ihres rationalen Eigeninteresses durch Umweltkatastrophen, Kriege und Revolten der Besitzlosen als sekundär ansehen.

Historisch gesehen haben wir es bei der heute geltenden Moral immer noch mit der aus dem Christentum herkommenden und von Nietzsche angeklagten altruistischen „Sklavenmoral“ zu tun. Werden wir es rechtzeitig schaffen, wieder eine Aristokratie introvertierter „Philosophen-Könige“ (Meritokratie) zu etablieren; oder wird die Menschheit in ihrer Ignoranz letztlich ihren eigenen Untergang herbeiführen? Der Kampf zwischen Ausnahme-Individuen (Genies), und den konformistischen Massen, wie ihn Nietzsche in nachfolgenden Sätzen beschreibt, dürfte sich jedenfalls künftig noch weiter zuspitzen:

Zitat:
"Ursachen des Nihilismus: 1) es fehlt die höhere Species, d. h. die, deren unerschöpfliche Fruchtbarkeit und Macht den Glauben an den Menschen aufrecht erhält (...) (2) die niedere Species (»Heerde«, »Masse«, »Gesellschaft«) verlernt die Bescheidenheit und bauscht ihre Bedürfnisse zu kosmischen und metaphysischen Werthen auf. Dadurch wird das ganze Dasein vulgarisirt: insofern nämlich die Masse herrscht, tyrannisirt sie die Ausnahmen, sodaß diese den Glauben an sich verlieren und Nihilisten werden." - NIETZSCHE, WILLE ZUR MACHT

02. Juni 2018, 09:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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