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Arbeitskampf bei INNSE

 
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Arbeitskampf bei INNSE
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Savo



Anmeldedatum: 16.12.2006
Beiträge: 3051

Beitrag Arbeitskampf bei INNSE Antworten mit Zitat
Weil ständig News reinkommen...Hier ein Thread zum Arbeitskampf bei INNSE.

Zitat:
INNSE: Genta entlässt seinen Anwalt

Genta, der Besitzer der INNSE, dachte, er könne die Arbeiter loswerden,
indem er sie entlasse und ihnen nicht einmal den letzten Monatslohn und die
Abgangsentschädigung bezahle. Seine Rechnung ist nicht aufgegangen. Dank der
Solidarität und Unterstüztung, die sie finden, halten die ArbeiterInnen der
INNSE noch immer die Werkstore besetzt und sind bereit, die Produktion
jederzeit wieder in Gang zu setzen. Wir befinden uns im 7. Monat dieses
Kampfes. Genta hat vom Gericht den Zahlungsbefehl erhalten, den Arbeitern
die ausstehenden Löhne zu überweisen. Und vor der Aussicht, dass die
Maschinen gepfändet werden könnten, hat er es offenbar mit der Angst zu tun
bekommen, so dass ihm als erste Reaktion nichts Besseres eingefallen ist,
als den Anwalt zu wechseln und jenen, den er vorher hatte, zu entlassen. Die
Geschäfte laufen überhaupt nicht so, wie er gehofft hatte. Ausserdem wird
mit der Besetzung der Werkstore keine einzige Maschine abmontiert,
geschweige denn weggeschafft.

Die AEDES, Besitzerin des Fabrikgeländes, muss ihre Spekulationspläne noch
aufschieben. Die AEDES ist die fünftgrösste Immobiliengesellschaft Italiens
und geht dem Bankrott entgegen, die Banken haben sich eingeschaltet. Es wird
sich zeigen, ob die neue Führung und die neue Gesellschaftsstruktur sich
ebenfalls mit Genta verbünden werden oder ob sie offener sein werden
gegenüber einer Lösung, welche die Weiterführung der Produktion bei INNSE
ermöglicht. Schliesslich war das blinde Vertrauen ins „Geld, das Geld
schafft“ die Ursache, welche die AEDES-Aktien in den Abgrund gestürzt und
ihren Börsenwert um 86 % vermindert hat, als Folge der in amerikanische
Fonds investierten Riesensummen, die dann zusammengekracht sind.

Für diese Woche sind bei den INNSE-Besetzern bereits neue Kampfmassnahmen
und Protestdelegationen geplant. Arbeiter, der Kampf bei INNSE ist der Kampf
aller Arbeiter! Unterstützen wir ihn konkret und organisieren wir überall wo
es möglich ist, Streiks und Arbeitsniederlegungen in den Betrieben! Schluss
mit der schweigenden Erduldung von Entlassungen und Betriebsschliessungen!
Weisen wir die Unternehmerangriffe zurück, die uns Arbeit und Lohn versagen!
Der Kampf ist unsere Würde!

Für Brennholz- und Lebensmittelspenden:
Via Rubattino 81, Milano.

Geldsammlungen können wir folgt überwiesen werden:
Kontoinhaber: Ass.Cult. ROBOTNIK ONLUS
IBAN: IT51 O 0760101600000022264204
BIC: BPIITRRXXX
Unbedingt immer mit dem Vermerk: Lotta operai INNSE

Spenden aus der Schweiz können einbezahlt werden auf: Postcheckkonto Nr.
65-2522-7, SEV Bellinzona, Vermerk: Lotta operai INNSE

(Übersetzung eines Berichts auf www.operaicontro.it )


Zitat:
INNSE: Richter hebt Beschlagnahme der Fabrik auf

Frühmorgens kommt der Funktionär der Staatsschutzpolizei Digos ins
Basislager und teilt mit, dass die Fabrik von heute an nicht mehr unter
Beschlagnahme stehe. Es bleibt den Arbeitern nicht einmal die Zeit, die
Nachricht zu vernehmen, als sie bemerken, dass die Männer des
Fabrikbesitzers Genta schon während der Nacht durch den Hintereingang in die
Fabrik eingedrungen sind, und zwar mit der ganzen logistischen Einrichtung,
um den Betrieb zu „besetzen“ und zu verhindern, dass die Arbeiter sie noch
einmal in Besitz nehmen und darin arbeiten, wie sie es während dreieinhalb
Monaten getan haben, vom 31. Mai an bis in die Nacht auf den 17. September,
als sie von der Polizei hinausgeworfen wurden, nachdem sie am 25. August
entlassen worden waren.

Seit dem 17. September haben sie hier draussen ihr Lager aufgeschlagen, und
sie werden noch lange Zeit bleiben und Genta daran hindern, die Maschinen zu
demontieren, für die ein interessierter Käufer vorhanden ist, der öffentlich
erklärt hat, die 49 von Genta entlassenen Arbeiter wieder einzustellen. Die
Truppe von Genta, die heimlich durch den Hintereingang eingedrungen ist,
scheint aus acht Personen zu bestehen, die sogleich Videokameras
intstalliert haben, um das Gelände rund um das Fabrikgebäude zu überwachen.
Es ist nicht verständlich, welchen Sinn diese Operation haben soll, ausser
jenem zu verhinden, dass die Arbeiter hineinkommen.

Sogleich sind die Arbeiter über die Werkstore geklettert, haben den Hof
überquert und dann an den Türen zu den Werkstätten die in Schlachtordnung
aufgestellten Ordnungskräfte angetroffen. Trotz wiederholten Versuchen und
Zusammenstössen, ist es den Arbeitern nicht gelungen, die Sperre der
Polizisten zu durchbrechen. So sind sie wieder zu den Werkstoren
zurückgekehrt, mit den Reportern und Fotografen, die herbeigeeilt waren. Die
Arbeiter werden in die Fabrik zurückkehren und sie ganz offen wieder in
Besitz nehmen, es ist nur eine Frage von Tagen. Alles hängt davon ab, wie
die Gespräche beim Ministerium verlaufen werden. Entweder werden sie wieder
in den Betrieb gehen um zu arbeiten, oder sie werden ihn besetzen, um die
Demontage zu verhindern, die Genta und die Immobilienfirma AEDES durchsetzen
wollen.

Das Spruchband mit der Aufschrift „Hände weg von der INNSE“ eröffnet
anlässlich des Generalstreiks den Umzug in Mailand. Dahinter die von sieben
Monaten Kampf gestählten Arbeiter, die feurige Sprechchöre rufen gegen das
Bündnis zwischen dem Besitzer der Maschinen und der alten Firmenstruktur von
AEDES, der Besitzerin des Fabrikgeländes am Rand des Ruins. Die beiden
Besitzer wollten bis jetzt die INNSE auslöschen und auf das Gelände
spekulieren, ein Projekt, das – falls es noch steht – unvorstellbar wäre,
wenn bloss die Stadt Mailand dazu Nein sagen würde. Während der ganzen
Umzugsstrecke klare Sprechchöre als gegen jene gerichteten Pfeile, die
bisher die Wiederaufnahme der Arbeit verhindert haben.

Am Schluss der Kundgebung ergreift ein INNSE-Arbeiter vom Rednerpult aus das
Wort und sagt unter anderem: „Ich bin mit dieser Fahne aufs Rednerpult
gestiegen. Das ist die Fahne der Officina von Bellinzona. Sie haben gekämpft
und haben gewonnen. Diese Fahne ist das Symbol des Kampfes und des Sieges.
Auch wir wollen gewinnen und in die Fabrik zurückkehren, um die Produktion
wieder aufzunehmen.“

Die für den Nachmittag des gleichen Tages angesetzte Verhandlung ist im
letzten Augenblick auf den 22. Dezember verschoben worden. Nach der
Kundgebung ist die Nachricht eingetroffen, dass sie nun doch am Montag, 15.
Dezember stattfinden werde, wie vorgesehen in der Präfektur von Mailand.
Nebst einem Funktionär des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung sind
dazu aufgeboten: der INNSE-Betriebsrat, der Fabrikbesitzer Genta, die AEDES
als Eigentümerin des Geländes, die ORMIS als am Kauf der INNSE interessierte
Gesellschaft, die Vertreter der Gemeinde und der Provinz Mailand, der
Generalsekretär der Mailänder Arbeitskammer, das Provinzsekretariat der
Metallarbeitergewerkschaft FIOM. Seit dem 2. September haben sich die
Verhandlungsparteien nicht mehr getroffen. Die INNSE-Arbeiter erwarten eine
entschlossene Unterstützung seitens der Institutionen, um bald wieder an
die Arbeit zurückzukehren. Sie sind mehr denn je eingerichtet um
durchzuhalten, und das sei gewiss, sie werden Widerstand leisten, solange es
nötig ist.


Zitat:
INNSE: Das dreiköpfige Ungeheuer

Einmal mehr versucht Genta einen Überraschungsangriff im Morgengrauen. Mit
dem Begehren, den Maschinenpark mitzunehmen, fährt er diesmal mit Lastwagen
und einem grossen Mobilkran vor, der den Abtransport ermöglichen sollte.
Erneut stellt die Wachsamkeit der Besatzung im Basislager ihre Tüchtigkeit
unter Beweis. Die Arbeiter bilden vor den Werkstoren Ketten und verhindern
so die Einfahrt der Lastwagen. Gleichzeitig werden die Arbeiter der andern
Schichten alarmiert, die nach kurzer Zeit zusammen mit Aktivisten und
Unterstützern dieses heldenhaften Kampfes, der in den 7. Monat eingetreten
ist, eintreffen. Auch Ordnungskräfte, Journalisten und Fotografen sind
dazugestossen. Auf einmal ist klar, dass Genta und sein neuer Anwalt in die
Präfektur gerufen werden. Am frühen Nachmittag machen sich die Lastwagen
wieder auf den Weg zur Autobahn nach Turin. Der Widerstand der Arbeiter hat
sich gelohnt.

Nach dem Treffen vom vergangenen Montag gilt dies umso mehr. Dort knüpfte
AEDES die Vermietung der INNSE-Halle an ORMIS an die Bedingung, dass diese
sich verpflichte, in Entfernung von einigen hundert Metern eine neue Halle
aufzustellen, um die INNSE dann dorthin zu verpflanzen. An diesem Punkt ist
klar geworden, falls dies noch nötig gewesen ist, dass die Arbeiter als
Gegner haben: den Besitzer der Maschinen, den Besitzer des Geländes und auch
die Stadt Mailand, die nicht die Absicht hat, auf die AEDES Druck auszuüben,
damit diese ihre Haltung ändert. Die ArbeiterInnen der INNSE haben es mit
einem dreiköpfigen Ungeheuer zu tun, gegen das sie seit sieben Monaten
Widerstand leisten. Sie bereiten sich nun auf die traditionellen Festtage
vor und werden diese mit der Solidarität, die sie umgibt, bestimmt besser
verbringen als jene, die nicht wollen, dass sie in die Fabrik zurückkehren,
und auch als alle jene Trugbilder von Parteien und Institutionen, von denen
sie in diesen sieben Monaten ignoriert worden sind.


Zitat:
INNSE: Der Kampf ist in den achten Monat eingetreten

In der Neujahrsnacht ist der Kampf der ArbeiterInnen bei INNSE in den achten
Monat eingetreten. Nach dem gescheiterten Überraschungsangriff des Besitzers
vor Weihnachten, blieb die Wachsamkeit der Besetzer gross und zahlreich.
Kaum hatte sich am Dienstagabend die Nachricht verbreitet, Genta sei in den
Betrieb hineingegangen, um den Leute einer neuen Sicherheitsfirma
Anweisungen zu erteilen, standen in wenigen Sekunden alle, die im Basislager
anwesend waren, vor dem Werkstor. Zusammen mit den Arbeiterinnen und
Arbeiter der INNSE auch solche anderer Betriebe und StudentInnen, im Ganzen
etwa vierzig Leute. Die dauernd anwesende Polizei verständigte die Zentrale,
doch bevor die Verstärkung eintraf, kam die Nachricht, dass Genta doch nicht
gekommen sei. Trotz der Festtage haben viele ihre Solidarität bezeugt und
sich zur Verfügung gestellt, wann immer sie für Kampfmassnahmen gebraucht
würden.

Am letzten Mittwoch sind ArbeiterInnen der Genossenschaft Scalvenzi aus
Pontevico (Brescia) vorbeigekommen und haben an ihre eigene Erfahrungen
erinnert, als sie vor 25 Jahren die Entlassungen mit einer Besetzung vor dem
Fabriktor abwehrten, die 584 Tage dauerte. Ein Kampf, der damit endete, dass
der Betrieb weitergeführt wurde und genau in diesen Tagen sein 25jähriges
Jubiläum feiert. Aufgrund ihrer Erfahrung haben die ArbeiterInnen der
Genossenschaft Scalvenzi den INNSE-ArbeiterInnen einen erfolgreichen
Abschluss ihres Kampfes gewünscht. Ihrerseits haben die Arbeiterinnen und
Arbeiter der INNSE diesen Wunsch auf alle andern ausgeweitet, die im Kampf
stehen gegen Entlassungen und Betriebsschliessungen. Auf ein 2009 des
Kampfes und der Solidarität!


Zitat:
INNSE: Zusammenkunft mit einem andern kämpfenden Betrieb

Eine Delegation von Arbeitern der TEREX-COMEDIL aus Cusano Milanino (MI),
einer Fabrik, die Kräne und Maschinen für die Bauwirtschaft herstellt, ist
ins Basislager der INNSE-Besetzung gekommen und hat persönlich die Nachricht
von ihren Kampf überbracht, der am 16. Dezember mit einem vor der Fabrik
aufgestellten Zelt begonnen hat.

Dies war die unmittelbare Antwort an den Unternehmer, der eine gültige
Vereinbarung gebrochen hat. Das Abkommen sah abwechselnde Kurzarbeit für 13
Wochen ab dem 27.10.08 vor, die Firma hingegen hat plötzlich entschieden,
alle 45 Beschäftigten zu entlassen und den Weg der gesetzlich
vorgeschriebenen Abfindungsregelung (mobilità) zu beschreiten. Gleichzeitig
wurde die Schliessung des Werks und die Verlagerung der Produktion nach
Fontanafredda, in der Provinz Pordenone (Friaul) bekanntgegeben. Daraufhin
haben die Arbeiter unverzüglich vor dem Werk ein Zelt aufgestellt, als
Basis, um das Werkstor zu belagern und zu verhindern, dass der Unternehmer
heimlich Kräne und Maschinen abtransportieren kann. Ausserdem hat das Zelt
die Aufgabe, nach aussen zu zeigen, dass der Betrieb im Kampf steht und
gleichzeitig während der 75 Tage des Abfindungsverfahrens weiterzuarbeiten,
und falls die Entlassungen bis dann nicht zurückgezogen worden sind, ist
noch lange nicht gesagt, dass die Arbeiter die Fabrik verlassen werden.

Die Zusammenkunft ging zu Ende, nachdem die ArbeiterInnen der INNSE
ihrerseits die Erfahrungen eines Kampfes, der im achten Monat angelangt ist,
zusammengefasst haben. Beim Abschied haben die Arbeiterinnen und Arbeiter
der beiden Betriebe den Austausch von Hilfe und gegenseitiger Unterstützung
bekräftigt. In den nächsten Tagen wird eine Delegation von INNSE nach Cusano
Milanino gehen und die Arbeiter der TEREX–COMEDIL in ihrem Solidaritätszelt
besuchen.


Zitat:
INNSE: Nach der gewonnenen Schlacht

Mit dem Kampftag vom 14. Januar, an dem die INNSE-ArbeiterInnen einen
weiteren Angriff des Fabrikbesitzers Genta, der mit acht LKWs und einem Kran
aus Turin gekommen war, um die Maschinen aufzuladen, abgewehrt haben, hat
sich die Solidarität unter allen am Kampf an der Seite der
INNSE-ArbeiterInnen Beteiligten verstärkt. Wie bereits bei anderen
Gelegenheiten haben sie auf Arbeiterdelegationen aus anderen Betrieben
zählen können, die ebenfalls von Entlassungen und Aussperrungen betroffen
sind. Mit ihnen gekommen waren andere Arbeiter und viele Studenten. Zudem
ein Parlamentsabgeordneter und ein Mitglied des Provinzialausschusses, die
sich beide am Werkstor angekettet haben. Während des ganzen Morgens waren
die Spannungen ausserordentlich gross, vor allem als die Mannschaftswagen
der Polizei und der Carabinieri angefahren kamen. Dreihundert waren es, die
solidarisch mit den INNSE-ArbeiterInnen vor den Toren standen, zeitweise
sogar noch mehr.

Die eisige Kälte beherrscht den Morgen, es ist noch dunkel, doch die
Arbeiter stehen bereits vor dem Werkstor um das Feuer in einem leeren Fass
herum . Der Angriff der Ordnungskräfte könnte jederzeit erfolgen. Die Küche
im Basislager funktioniert reibungslos trotz der grossen Zahl an Personen,
die seit dem Morgengrauen gestärkt werden müssen, mit Kaffee und Frühstück,
dann mit belegten Broten, Teigwaren, Dessertfrucht und Kaffee. Nach und nach
verlassen sie in kleinen Gruppen das Werkstor und gehen in die Küche, um
schnell etwas zu essen und dann auf ihren Posten zurückzukehren. Viele
rühren sich nicht von der Stelle, sie trauen sich nicht, solange die
Ordnungskräfte davor stehen, die Belagerung für einige Minuten auch nur um
eine Person zu vermindern und lassen sich lieber ein belegtes Brot aus der
Küche bringen.

Gentas Lastwagen, die am Ende der Via Rubattino stehen, verschieben sich am
frühen Nachmittag und parkieren nicht weit davon entfernt. Eine wechselnde
Staffel der Besetzer behält sie seit dem Morgengrauen im Auge, als sie
überraschend beim Werkstor angekommen waren, in der Meinung, die Besetzung
unvorbereitet anzutreffen und hineinfahren zu können. Gegen neun Uhr abends
setzen sie sich wieder in Bewegung, biegen in die nahegelegene Autobahn ein
und kehren nach Turin zurück, so leer, wie sie gekommen sind

Alle, die solidarisch mit den Arbeitern diesen Kampftag bestritten haben,
bevor sie gegangen sind, haben sie bekräftigt, jederzeit zur Verfügung zu
stehen, falls Genta einen weiteren Angriff starten sollte. Die
Aufmerksamkeit und die Anwesenheit im Basislager ist noch immer gross, die
Wachen sind verdoppelt worden. Die Kontakte zwischen dem Betriebsrat und den
Kontrahenten dieses Konflikts sind im Gange, in Erwartung des Treffens bei
der Regionalregierung der Lombardei.


Zitat:

INNSE: Das Treffen vom 20. Januar 2009 bei der Regionalregierung

Eine Delegation der INNSE-ArbeiterInnen hat sich zusammen mit ihrem
Betriebsrat am Sitz der Region Lombardei mit den Behördemitgliedern und
Verantwortlichen der Regionalregierung und der Provinz Mailand getroffen.
Anwesend waren auch Vertreter der Präfektur Mailand, der
Metallarbeitergewerkschaft FIOM sowie der Patron Genta mit zwei Anwälten.
Zum Treffen eingeladen hatte der Präsident der Provinz, Penati, mit einer
Absichtserklärung, die er allen Parteien zugestellt hatte.

Zu den bei der Eröffnung abgegebenen Stellungnahmen gehört jene eines
Arbeiters vom INNSE-Betriebsrat. Er zieht eine Bilanz der Lage, indem er die
einzelnen Abschnitte des Konflikts seit Beginn zusammenfasst und darauf
besteht, dass diese Fabrik ihre produktive Tätigkeit wieder aufnimmt.
Nachdem er die verschiedenen Parteien angehört hat – einschliesslich der
Wutausbrüche von Gentas Anwälten gegen die Besetzung und ihr Netz von
UnterstützerInnen, die dem Besitzer und seiner Lastwagenkarawane mehrmals
den Zutritt zum Betrieb und dessen Demontage verweigert haben – verpflichtet
sich Rossoni, der Vizepräsident der Region Lombardei, er werde zusammen mit
dem für Arbeit zuständigen Provinzverantwortlichen, Casati, innerhalb von
zehn Tagen das Vorhandensein eines oder mehrer Käufer abklären und die
Stichhaltigkeit der Offerte der Firma ORMIS aus Brescia prüfen, die bis vor
wenigen Wochen erklärt hat, dass sie die INNSE kaufen will.

Es ist das erste Mal, dass sich die Regionalregierung der Lombardei mit
diesem Konflikt befasst und die ORMIS anhören wird, um deren Kaufinteresse
zu beurteilen. Genta, der behauptet, es gäbe keine Käufer, wird von den
Behörden Lügen gestraft werden. Während Region und Provinz Mailand
Abklärungen treffen, um für die INNSE einen neuen Besitzer zu finden,
bleiben die Arbeiter weiter auf der Hut und halten die Besetzung aufrecht:
Sie haben längst begriffen, dass sie Genta nicht trauen können. Ihr Kampf
gilt auch dem Kollegen Giuseppe, der im letzten Sommer gestorben ist, wenige
Stunden nach einer Nachtwache im besetzten Betrieb, in jenen dreieinhalb
Monaten, als zusätzlich zur Besetzung der Fabrik ganz normal gearbeitet
wurde, gegen den Willen Gentas, der schon am 31. Mai alle nach Hause
schicken wollte. Die Arbeit, die Anspannung, der Stress sind Giuseppe zum
Verhängnis geworden.

Mit diesem heldenhaften Kampf zeigen die INNSE-ArbeiterInnen, dass ein
anderer Ausweg möglich ist: Der Weg des Kampfes und der Arbeitersolidarität,
gegen die Tatenlosigkeit Entlassungen gegenüber und gegen die Abkommen einer
kraftlosen Gewerkschaftspolitik, die während allzu langer Zeit auch auf dem
Gelände Rubattino, wo die INNSE steht, Entlassungen und
Betriebsschliessungen einfach hingenommen hat, und ohne den erbitterten und
entschlossenen Widerstand der Arbeiter hätte schon längst auch die INNSE so
geendet. Als einzige Überlebende einer Geschichte, die das Rubattino-Gelände
dem Erdboden gleich gemacht hat, sind diese Arbeiter mit ihrer Geschichte
heute der Ausgangspukt eines Neuanfangs für alle Arbeiter, die mit Weitblick
den Unternehmern Widerstand leisten wollen. Er ist auch der Prüfstein für
alle jene, die sich vielleicht als Freunde der Arbeiter ausgeben und vor
dieser Erfahrung den Blick in eine andere Richtung lenken.


Zitat:
INNSE: Die Morgendämmerung des neunten Monats

Die Waffenruhe ging am 31. Januar zu Ende. In den vorangegangenen Tagen war
alles vorbereitet worden, um dem Ablauf dieser Frist entgegenzutreten. Alles
war bereit für eine Nacht vor den Werkstoren vor und hinter der Fabrik, um
die Feuer in den leeren Fässern herum. Der Schein der Feuer hat die Nacht
nicht erleuchtet, sie dienten jedoch um sich zu erwärmen beim Warten auf
Gentas Versuche, ins Werk hineinzugelangen und mit der Demontage der
Maschinen zu beginnen. Wenige Stunden zuvor kam die Nachricht der für
nächste Woche geplanten Zusammenkunft bei der Regionalregierung. Eine
Zusammenkunft, die bis zu diesem Datum die Waffen ruhen lässt. Die
Verabredung zur Besetzung in der Nacht des 31. Januar wurde deshalb
abgesagt, alle externen Kontakte jedoch aufrechterhalten:
Arbeiterdelegationen, Solidaritätsnetz, alle bereit, um einzugreifen und
ihren Teil beizutragen. Eine Solidarität um diesen Kampf herum, die sich
immer mehr ausweitet. Falls Genta darauf besteht, seine Angriffe
weiterzuführen, wird er bald einmal auf einen schönen Teil von Mailand
treffen, alle versammelt vor den Werkstoren der INNSE.

Eine Delegation von Beschäftigten des „Teatro della Scala“ hat eine
Solidaritätserklärung mit 250 Unterschriften ihrer KollegInnen überbracht,
worin sie sich bereit erklären, eine Arbeitsstunde zur Unterstützung des
Kampfes für die Weiterführung der Produktion bei INNSE zu spenden. Eine
Gruppe von Arbeitern aus dem Umfeld der "Rifondazione Comunista“ ist ins
Besetzercamp gekommen, um sich über die Besetzung und ihre nächsten Aktionen
ins Bild zu setzen. Sie sind zum Abendessen geblieben und haben vor dem
Weggehen die gesammelten Geldspenden übergeben.

Vor einigen Tagen hat man der Tageszeitung “il sole 24 ore” entnehmen
können, dass die Kapitalaufstockung der Immobilienfirma AEDES mittels neuer
Aktionäre vom 31. Januar bis Ende Februar aufgeschoben worden ist. Auch mit
einem neuen Firmenauftritt der AEDES werden die ArbeiterInnen der INNSE
nicht zulassen, dass eine Immobliengesellschaft mit Genta als Komplizen die
Fabrik schliesst. Für den Moment sind die Antennen abgestimmt auf die für
nächste Woche geplante Zusammenkunft bei der Regionalregierung. Der Alarm
für alle ArbeiterInnen und UnterstützerInnen ist bereits ausgelöst.

Nachfolgend die kurze Solidaritätserklärung der Beschäftigten des "Teatro
della Scala“ von Mailand: „Eine Stunde der eigenen Arbeit aus Solidarität
mit den INNSE-ArbeiterInnen, seit Monaten im Kampf gegen die Schliessung
ihrer Fabrik, veranlasst von Herrn Genta, dem Besitzer, der nach Jahren der
Steuererleichterung und öffentlicher Hilfe beschlossen hat, den Betrieb
stillzulegen, um eine weitere Bodenspekulation ins Leben zu rufen.“ (Es
folgen 250 Unterschriften von Beschäftigten des "Teatro della Scala“ von
Mailand).


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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
06. Februar 2009, 21:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=49531231

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Myspace: http://www.myspace.com/presidioinnse
Facebook: http://www.facebook.com/group.php?gid=47574969377#/group.php?gid=45785542722&ref=ts

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08. Februar 2009, 20:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Zitat:
NNSE: die Festungsmauer der Solidarität

Nach dem unnützen Treffen bei der Regionalregierung schliessen die Besetzer
die Reihen vor den Werkstoren. Genta wird wieder angreifen. Er ist daran,
sich in Turin zu organisieren und hat den Schutz der Ordnungskräfte
angefordert, um mit der Demontage der Fabrik zu beginnen. Es gilt, ihn vor
den Toren zu stoppen. Andere ebenfalls von Entlassungen betroffene Betriebe
sind bereit, sich dem Kampf anzuschliessen. Gruppen, Komitees und
Einzelpersonen verstärken die Solidarität und sind entschlossen, sich vor
den Werkstoren aufzustellen. Den Solidaritätsaufruf unterschrieben haben
mehr als tausend Personen, entweder auf dem Blog der INNSE oder die
Unterschriften direkt ins Besetzercamp gebracht.

Viele Bewohner der Gegend haben sich zusammengetan und entfalten, in
Absprache mit den ArbeiterInnen der INNSE, über ihre zugesicherte
Anwesenheit hinausgehende Aktivitäten, um Gentas Angriffen die Stirn zu
bieten. Die Front wird immer breiter und geschlossener. Von der
Arbeiterdelegation der Marcegaglia aus Sesto sind zum zweiten Mal wertvolle
Spenden eingetroffen, Brennholz, damit sich die nächtlichen Posten vor den
Werkstoren aufwärmen können. Bereits früher überbrachten die Arbeiter der
Marcegaglia zusammen mit ihrem Betriebsrat nebst einer Geldspende eine Kiste
mit Nahrungsmitteln, typische Produkte aus einigen Regionen Italiens. Das
GAS (gruppo acquisto solidale) aus Lambrate hat zum zweiten Mal Gemüse
vorbeigebracht. In der vergangenen Woche sind die Vorräte an Lebensmitteln
vom GAS aus dem Gallaratese-Quartier aufgefüllt worden.
Nahrungsmittelspenden überreicht haben auch die Vereine “equo solidali”,
“Chicomendes”, “coord. nord sud del mondo”, Geldspenden sind von der
Ausstellung “Al lavoro” aus Sesto gekommen, die dem Kampf bei INNSE Raum
gewidmet hat.

Der Widerstand bei INNSE geht weiter. Die Kontakte, um erneut Verhandlungen
auf die Beine zu stellen, werden fortgeführt. Wenn Genta ein weiteres Mal
versuchen will seinen Kopf durchzusetzen, wird er von der Festungsmauer der
Solidarität aufgehalten werden.


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08. Februar 2009, 23:31 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Seit dem 31. Mai 2008 halten die ArbeiterInnen der INNSE PRESSE, einer Maschinenfabrik in Mailand-Lambrate die Tore besetzt um gegen ihre Entlassungen zu protestieren. In der INNSE werden «Pressen und Walzwerke für die Stahlindustrie hergestellt.» Als die ArbeiterInnen während eines Tagesausflugs informiert werden, dass die Firma ab sofort geschlossen sei kehren sie zur Firma zurück und besetzen das Unternehmen kurzerhand. Die privaten Sicherheitsleute, die das Gelände bewacht hatten, bekamen es in Gegenwart der ArbeiterInnen mit der Angst zu tun und suchten Hals über Kopf das Weite. «Zurück lassen sie alles Mögliche: Klappbetten, Kissen, Schlafsäcke, Kühlschrank, Kaffemaschine, Proviant, Lebensmittel und vorverpackte Mahlzeiten sowie Filmkameras und Fernseher, die dazu hätten dienen sollen, die neuralgischen Punkte des Geländes am Bildschirm zu überwachen.» Die ArbeiterInnen führen «die angefangenen Arbeiten weiter, treffen uns mit den Kunden und halten so in Selbstverwaltung die Produktion und alle Dienste - wir finanzieren sogar die Kantine selbst (...). Wir halten sie Tag und Nacht besetzt, auch an Feiertagen... Dieser Betrieb ist produktiv, er ist es immer gewesen, obwohl jemand das Gegenteil behauptet.»

Der Kampf geht weiter. Der Patron Silvano Genta, der das Unternehmen zu einem Spottpreis gekauft hat und nun im Namen der Immobilienspekulation das Grundstück weiterverkaufen will, weigert sich dann auch den letzten Monatslohn und eine Abgangsentschädigung an die entlassenen ArbeiterInnen auszuzahlen. Aus diesem Grund wird die Strasse vor der Fabrik besetzt wobei es zu kleineren Reibereien mit der Polizei kommt. Am 17. September um morgens um fünf als nur zwei Arbeiter die übliche nächtliche Wache schieben kommt die Polizei und räumt die Fabrik, die INNSE wird laut der Polizei «vorsorglich konfisziert». Die Fabrik wird versiegelt. «Nachdem die Polizei die Arbeiterinnen und Arbeiter von der Arbeit weg aus der Fabrik geholt hat, belagern sie Tag und Nacht die Werkstore. Sie besetzen den überdachten Platz eines ehemaligen, von der Innocenti aufgegebenen Pförtnerhäuschens, den Gehsteig und einen Teil der Strasse.» «Die 120. Nacht der Betriebsbesetzung ist vorbei, die zehnte seit der Räumung. Von Tag zu Tag wird das Besetzungscamp immer mehr wie ein richtiges Basislager eingerichtet…» und auch warme Mahlzeiten werden wieder eingeführt. Am 20. Oktober dann wird mit der «Auszahlung der offenen Löhne begonnen.»

«All das ist möglich dank der Solidarität: den Spenden, die von überall her eintreffen, von den Officine in Bellinzona, heute ist ein Mann mit zwei Kisten Äpfeln vorbeigekommen, heute Morgen das Gebäck der Arbeiterinnen der Jabil, ein pensionierter Arbeiter hat Wein gebracht. Mit einem Lieferwagen sind Holzplatten angekommen, die dazu dienen, die vom Winde verwehten Plasikwände zu ersetzen. So wird mit der Einrichtung begonnen, um dem Winter zu trotzen.» Auch das Forschungszentrum CESI (Centro Elettrotecnico Sperimentale Italiano) auf der anderen Strassenseite der INNSE führt für die ArbeiterInnen eine Spendensammlung durch. Es kommt zu einem Protestumzug der INNSE-ArbeiterInnen durch «die Stadt und gelangte zum Sitz der AEDES, der Immobilienfirma und Besitzerin des Geländes, auf dem die INNSE steht, wo sie ihrer Wut freien Lauf liessen. Unerwartet, haben die Arbeiter dann dort das Gebäude betreten, zur Verwunderung der Angestellten, denen es nicht jeden Tag passiert, eine Demonstration von Arbeitern zu sehen, die laut Sprechchöre gegen die Entlassungen rufen. Die Protestaktion war beschlossen worden, nachdem am Vortag ein Treffen zwischen dem möglichen Käufer der INNSE (die Industriegruppe ORMIS) und der AEDES ergebnislos verlaufen war.» Die ArbeiterInnen sind bereit, die Produktion jederzeit wieder in Gang zu setzen. Bei einer Zusammenkunft mit dem AEDES Betriebsrat und einer Delegation von INNSE Arbeitern (erzwungen durch die Besetzung des AEDES-Firmensitzes) hat «AEDES den Plan bestätigt, das Gelände zu räumen, in Komplizenschaft mit Genta, der, nachdem er die Arbeiter entlassen hat, die Maschinen aus der Fabrik schaffen sollte.»

«Wir befinden uns im 7. Monat dieses Kampfes. Genta hat vom Gericht den Zahlungsbefehl erhalten, den Arbeitern die ausstehenden Löhne zu überweisen. Und vor der Aussicht, dass die Maschinen gepfändet werden könnten, hat er es offenbar mit der Angst zu tun bekommen, so dass ihm als erste Reaktion nichts Besseres eingefallen ist, als den Anwalt zu wechseln und jenen, den er vorher hatte, zu entlassen.» Schreiben die ArbeiterInnen in einem Communique vom 9. Dezember 2008. Als dann ein Richter die Beschlagnahmung der Fabrik aufhebt und ein Funktionär der Staatsschutzpolizei Digos ins Basislager kommt um dies mitzuteilen bemerken die ArbeiterInnen sogleich, dass «die Männer des Fabrikbesitzers Genta schon während der Nacht durch den Hintereingang in die Fabrik eingedrungen sind, und zwar mit der ganzen logistischen Einrichtung, um den Betrieb zu „besetzen“ und zu verhindern, dass die Arbeiter sie noch einmal in Besitz nehmen und darin arbeiten…» Es gelingt den ArbeiterInnen nicht, die Polizeisprerren zu druchbrechen und Gentas Leute erneut heraus zu befördern. Tage später versucht Genta dann mit einem Überraschungsangriff im Morgengrauen mit Lastwagen und einem grossen Mobilkran die Maschinen aus der INNSE abzuziehen was durch die wachsamen ArbeiterInnen und UnterstützerInnen im Basislager u.a. durch Ketten verhindert werden kann. «Am frühen Nachmittag machen sich die Lastwagen wieder auf den Weg zur Autobahn nach Turin.»

Immer wieder kommen Arbeitern aus anderen Kämpfen und erklären ihre Solidarität. Etwa aus dem Officine Streik in Bellinzona, der Genossenschaft Scalvenzi aus Pontevico (Brescia), von Arbeitern der TEREX-COMEDIL aus Cusano Milanino die Kräne und Maschinen für die Bauwirtschaft herstellt oder von entlassenen Arbeiter der Gruppe Koelliker. Am 14. Januar versucht Genta erneut die Maschinen aufzuladen. Mit acht LKWs und einem Kran erscheint er vor den Toren der INNSE Presse in der Via Rubattino 81 in Mailand. «In weniger als einer halben Stunde standen mehr als dreihundert Arbeiter vor den Werkstoren, ausserdem zahlreiche Studenten und die Genossen zweier autonomer Zentren von Mailand.» «Zudem ein Parlamentsabgeordneter und ein Mitglied des Provinzialausschusses, die sich beide am Werkstor angekettet haben. (…) Gegen neun Uhr abends setzen sie sich wieder in Bewegung, biegen in die nahegelegene Autobahn ein und kehren nach Turin zurück, so leer, wie sie gekommen sind.» Weiter: «Es ist das erste Mal, dass sich die Regionalregierung der Lombardei mit diesem Konflikt befasst und die ORMIS anhören wird, um deren Kaufinteresse zu beurteilen. Genta, der behauptet, es gäbe keine Käufer, wird von den Behörden Lügen gestraft werden. Während Region und Provinz Mailand Abklärungen treffen, um für die INNSE einen neuen Besitzer zu finden, bleiben die Arbeiter weiter auf der Hut und halten die Besetzung aufrecht: Sie haben längst begriffen, dass sie Genta nicht trauen können. Ihr Kampf gilt auch dem Kollegen Giuseppe, der im letzten Sommer gestorben ist, wenige Stunden nach einer Nachtwache im besetzten Betrieb, in jenen dreieinhalb Monaten, als zusätzlich zur Besetzung der Fabrik ganz normal gearbeitet wurde, gegen den Willen Gentas, der schon am 31. Mai alle nach Hause schicken wollte. Die Arbeit, die Anspannung, der Stress sind Giuseppe zum Verhängnis geworden.»

Zusammengefasst aus den übersetzten Artikeln von Labour Net:
http://www.labournet.de/internationales/it/innseindex.html

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Zitat:
UNTERSTÜTZT UNS GEGEN DEN ANGRIFF DES BESITZERS UND DER ORDNUNGSKRÄFTE!

Von Mitternacht an beginnt die harte Phase der Besetzung gegen den Angriff
von Genta. Die Nachricht seiner Ankunft ist vom Regionalrat Mulbahuer
bestätigt worden.

Wir laden euch alle ein, uns mit eurer Anwesenheit zu unterstützen und dem
Unternehmer und den Ordungskräften entgegenzutreten, die sicherlich bereit
sein werden, die Knüppel gegen uns einzusetzen.

HELFT UNS!!! HELFEN WIR UNS!!!

(Aufruf veröffentlicht im INNSE-Blog um 7.12 Uhr am Montag, 9. Februar 2009
http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendID=442315822&b
logID=469641408)


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09. Februar 2009, 20:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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ich habe far bereits danach gefragt, aber sofern ich mich richtig erinnere, kamen wir nicht zu nem klaren schluss:

die INNSE-arbeiter haben an verschiedenen stellen immer wieder die unterstützung der sozialen zentren in milano erwähnt über welche sie scheinbar sehr froh sind. weiss jemand, wer dort heute so verkehrt, bzw. wer hinter solchen sozialen zentren steht? sind das gruppen die aus der autonomia hervorgegangen sind? dissobbedienti? gibt es zu diesen sozialen zentren irgendwelche texte? für diejenigen, die ballestrinis "die unsichtbaren" gelesen haben: sind die dort beschriebenen häuser sog. soziale zentren? habe ein bisschen in "die goldene horde" rumgeblättert, jedoch nichts entdeckt.

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09. Februar 2009, 20:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Soviel ich weiss sind die Centri sociali in Italien Anfang 90er entstanden. Das war eine Bewegung von Besetzungen die die sich quer über ganz Italien verbreitete. Man könnte schon sagen, dass es eine Art Fortsetzung der italienischen autonomen Bewegung war, nur mit ganz vielen neuen Leuten. Heute gibt es grob gesagt 2 Richtungen bei denen. Diejenigen die sich an Tutte Bianchi/Disobbedienti (die Fans des heutigen Negri) orientieren und diejenigen die sich weiterhin am revolutionären Umsturz üben, "Autonomia di Classe" und diverse Anarchos. Das bekannteste ist wohl das Leoncavallo in Mailand, wo die weissen Tüten entstanden, das heute aber etwa so radikal ist wie die Rote Fabrik.


Zuletzt bearbeitet von O.B.M.F am 10. Februar 2009, 10:15, insgesamt einmal bearbeitet
09. Februar 2009, 21:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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super, danke!

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soeben haben die INNSE-arbeiter ein schreiben rausgelassen, in dem sie erklären, dass die fabrik heute morgen um 4.50 uhr von den bullen geräumt wurde. dabei sollen mehrere personen verletzt worden sein.

übersetzung folgt.

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Zitat:
HELFT UNS!!! HELFEN WIR UNS!!!


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10. Februar 2009, 18:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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gemäss auskunft eines arbeiters verlief das ganze wie folgt:


Zitat:
Bei INNSE haben gestern Nacht die Kräfte leider nicht gereicht, um die
Polizei in Schach zu halten. Es waren zwar rund zweihundert Leute, nebst den
ArbeiterInnen der INNSE, solidarische Belegschaften, Studenten und
Jugendliche autonomer Zentren. Da zwei Werkstore gesichert werden mussten,
wurde der Hintereingang verbarrikadiert und dort lediglich eine Besatzung
von etwa 20 Personen zurückgelassen, während alle übrigen Kräfte vor dem
Haupteinang konzentriert wurden, wo der Angriff erwartet worden war.
Stattdessen prügelte die Polizei, die mit 20 Fahrzeugen in grosser Übermacht
gekommen war, frühmorgens sogleich den Hintereingang frei, worauf Genta
persönlich mit Hilfe eines Baggers die Barrikade beseitigte und das Werkstor
eindrückte und so seinen beiden LKWs den Weg freimachte. Auf die Forderung
der Arbeiter, dass zwei Vertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft Gentas
Tun im Betrieb überwachen sollten, ging die Polizei erst nach einem zweiten,
noch heftigeren Angriff ein, bei dem die Arbeiter derart brutal
niedergeknüppelt wurden, dass drei von ihnen mit gebrochener Nase und
Kopfverletzungen ins Spital eingeliefert werden mussten. Wie der
bürgerlichen Zeitung "Il Messaggero" zu entnehmen ist, blieb allerdings auch
die Gegenseite nicht unverletzt: Sechs Carabinieri sowie der Polizeichef
wurden von Steinen und Schraubenschlüsseln getroffen, mit denen sich die
Arbeiter und ihre Unterstützer zur Wehr setzten. Wie mir ein Genosse von
INNSE am Telefon erzählte, hat Genta übrigens erst Maschinen mitgenommen,
die nicht zur Produktion bei INNSE dienen. Der Kampf geht also weiter!

Das Video von der nächtlichen Barrikade vor dem Werkstor der INNSE:
http://www.c6.tv/archivio?task=view&id=2942


habe zu italien mal noch nen kurzen bericht aus none übersetzen lassen:

Zitat:
Gegen die Schliessung des Werks Indesit von None!

Die Indesit hat die Absicht, ihr Werk in None (TO) zu schliessen, wo 600
Personen arbeiten. Die Gesellschaft könnte so ihre Produktion von
Geschirrspülern in Italien aufgeben und gleichzeitig jene in Osteuropa
weiterführen. Die Indesit produziert in None 900 000 Geschirrspüler pro
Jahr. Die Beschäftigten sind zum grossen Teil Jugendliche, und zahlreich
sind die Frauen.

Auf deutsch gibt es zum Thema auch folgenden Zeitungsbericht:
http://www.stol.it/nachrichten/artikel.asp?KatId=c&ArtId=132820.


dazu später mehr.

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10. Februar 2009, 21:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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INNSE: Arbeiter von der Polizei brutal niedergeknüppelt
Heute Nacht (Dienstag, 10. Februar 2009) um drei Uhr morgens ist Genta in Begleitung von zweihundert Polizisten und Carabinieri zurückgekommen, um die Werkstore zu stürmen. Diese werden von den ArbeiterInnen bei INNSE seit neun Monaten besetzt gehalten, damit der Firmenbesitzer die Maschinen nicht wegschaffen kann.

“Wir waren sehr viele dank der Solidarität aller”, schreibt ein Arbeiter im Blog der INNSE, “aber sie waren noch viel mehr. Genta ist wie ein Dieb durch den Hintereingang in den Betrieb gelangt, hinterlistig und mit Hilfe der Gewalt, mit der die Ordnungskräfte uns begegnet sind. Er selbst hat mit einem Bagger das Tor eingedrückt und alles beseitigt, was wir davor aufgerichtet hatten, um ihm den Eintritt zu verunmöglichen.“ Dort fand dann auch der erste Zusammenstoss mit den Ordnungskräften statt, die auf die Arbeiter einprügelten: „Wer hingefallen war, wurde erbarmungslos niedergeknüppelt, sogar zwei Rentner, die ihre Solidarität gezeigt hatten.“

Auf die Forderung der Arbeiter, einen Delegierten des Betriebsrates und einen Delegierten der Gewerkschaft in den Betrieb zu lassen, damit diese kontrollieren können, dass Genta keine Maschinen demontiere, antwortet die Polizei mit einem schroffen Nein. In der Folge erleiden die Arbeiter einen weiteren Angriff, der noch heftiger ist als der vorangegangene und bei dem sie eingekreist und ins Gesicht geschlagen werden. Drei Arbeiter werden mit gebrochener Nase und Kopfverletzungen in die Notfallklinik gebracht. Laut der Zeitung “Il Messaggero” sind auch sechs Carabinieri und ein Polizeichef von Steinwürfen und Schraubenschlüsseln, mit denen die Arbeiter versucht haben sich zu verteidigen, getroffen und verletzt worden. Nach einigen Verhandlungen gelangen um 7.30 Uhr zwei Gewerkschaftsvertreter in den Betrieb, um die Lage zu überprüfen. Um 11.45 ziehen sich Polizei und Carabinieri zurück, angesichts des Widerstands der Arbeiter ist Gentas Plan ein weiteres Mal gescheitert.

«Die Ordnungskräfte, die Arbeiter verprügeln, um dem Firmenbesitzer zu erlauben, die Maschinen wegzuschaffen und so 49 Familien ohne Arbeit zu lassen: das ist es, was ich heute im Morgengrauen vor der INNSE gesehen habe», erklärte der Europa-Abgeordnete von Rifondazione, Vittorio Agnoletto, der bei der Besetzung dabei war. «Ich wollte meinen Augen nicht trauen, diese Szenen, dachte ich, würden einer inzwischen fernen Vergangenheit oder Dokumentarfilmen angehören, es ist eine Schande für einen Staat, der auf der Arbeit aufgebaut ist, wie unsere Verfassung vorspielt». Der Regionalabgeordnete des Prc (Partito della Rifondazione Comunista), Luciano Muhlbauer spricht von «einem völlig wahllosen Angriff der Carabinieri, während dessen die Arbeiter auf den Kopf geschlagen und niedergeknüppelt wurden, zusammen mit einem Gewerkschafter der Fiom und meiner Wenigkeit, obwohl meine Eigenschaft als regionaler Abgeordneter von den vor Ort Verantwortlichen erkannt worden war.» Deutlich auch die Stellungnahme von Fiom-Cgil: «Was bei INNSE vorgefallen ist, ist äusserst schwerwiegend. Es ist das Zeichen des Willens, die Arbeiter mit Gewalt zum Schweigen zu bringen. Es ist das Zeichen des Willens, jene in die Knie zu zwingen, die sich in diesem Land der Logik der Betriebsschliessungen und Entlassungen entgegenstellen. Die Fiom von Mailand steht auf der Seite der Arbeitenden, der INNSE-Arbeiter, jener, die den eigenen Arbeitsplatz und die eigene Würde verteidigen».
http://www.labournet.de/internationales/it/innse32.html

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11. Februar 2009, 16:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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http://www.labournet.de/internationales/it/innse33.html

rambo

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13. Februar 2009, 16:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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14. Februar 2009, 20:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Zitat:
INNSE: Gentas Lügen

Diesmal hat er seine Lastwagen in Turin gelassen. Nach den Zusammenstössen
zwischen Arbeitern und Ordnungskräften, die er vor einer Woche verursacht
hatte, ist er in der öffentlichen Meinung noch stärker isoliert. Deshalb
unternahm der Fabrikbesitzer Genta den Versuch, seinen allgemein üblen Ruf
wieder loszuwerden, den er sich in den letzten neun Monaten mit seinen
sinnlosen und grossmäuligen Aktionen gegen die ArbeiterInnen der INNSE
eingehandelt hatte. Zu diesem Zweck rief er zu einer Pressekonferenz auf und
glaubte, er könne dies ohne Wissen der Arbeiter tun, indem er dazu
ausschliesslich Journalisten einlade, ohne diesen Gelegenheit zu geben, auch
die Gegenseite anzuhören: die Arbeiterinnen und Arbeiter der INNSE.

Vor dem berühmten Pressezentrum „Circolo della Stampa” im Herzen Mailands
haben die blauen INNSE-Überkleider auf den Schrotthändler gewartet, um ihn
gebührend zu empfangen. Der an Tapferkeit schüchterne Genta jedoch hat es
vorgezogen, heimlich durch den Diensteingang auf der Hinterseite in das
noble Gebäude zu gelangen. Dem Begehren der Arbeiter, mit einer Delegation
an der Pressekonferenz teilzunehmen, gaben Genta und sein Anwalt nicht
statt, während die Polizei die Eingänge abriegelte. So musste Genta während
des ganzen Morgens die Sprechchöre der Arbeiter draussen anhören, mit denen
sie ihre während neun Monaten des Kampfes gefestigte und unerschütterliche
Forderung bekräftigten: die Weiterführung der Produktion bei INNSE. An der
Pressekonferenz begnügte sich Genta nicht damit, seine einseitige Sicht der
Dinge darzulegen, sondern musste, um diese zu begründen und zu
rechtfertigen, auch zu Lügen Zuflucht nehmen.

Die erste Lüge: “Mit der INNSE habe ich nur Verluste gemacht”. Er hat die
Fabrik zum politischen Preis von 700'000 Euro übernommen, soviel wie in
Mailand eine Zweizimmerwohnung kostet. Im Gegenzug hatte er vereinbart, die
Fabrik auszubauen. Stattdessen hat er sie nach zwei Jahren und drei Monaten
geschlossen. In den zwei Jahren investierte er nicht einmal in die
Anschaffung von Arbeitshandschuhen, liess auch im Winter die Heizung
ausgeschaltet, brachte alte Maschinen und Arbeitsgeräte fort, die er als
Schrott verkaufte. Für seine Freunde der Firma Cattaneo liess er
Gratisarbeiten erledigen. Viele Aufträge führte er nicht ordnungsgemäss in
den Büchern auf (facendo comparire il materiale in “conto visione”,
piuttosto che in conto lavorazione). Ein Steuerhinterzieher! In Wirklichkeit
arbeiteten die ArbeiterInnen der INNSE die ganze Zeit mit Hochdruck und
einem Patron, der in zwei Jahren vier oder fünfmal aufgetaucht und stets in
Eile war. Sein Ziel war ein ganz anderes als den Betrieb wieder in Schwung
zu bringen.

Die zweite Lüge: „Die Maschinen sind veraltet und die Arbeiter unfähig“. Die
Maschinen sind derart veraltet, dass er es kaum erwarten kann, sie zu
demontieren und zu verkaufen. Damit nicht genug: Die Maschinen haben bis am
17. September gearbeitet, auch noch nach Gentas Entscheid sie stillzulegen,
und die technischen Büros der ORMIS können jederzeit bestätigen, dass die
Teile alle in den vorgesehenen Toleranzen und innerhalb der vereinbarten
Zeit gefertigt worden sind, Toleranzen im Hundertselsmillimeterbereich. Doch
was versteht schon ein Schrotthändler von mechanischer Bearbeitung?

Die dritte Lüge: “Ich habe die INNSE-Arbeiter entlassen, weil ich die Halle
nicht mehr zur Verfügung hatte.” Dies dementiert AEDES mit einer
Verlautbarung vom 11. Februar 2009, worin sie jede Schuld von sich weist:
„Die Entlassung der Arbeiter steht in keinem Zusammenhang mit der Ablehnung
einer Verlängerung des Mietvertrags oder des Verkaufs des Grundstücks.“
Wahrscheinlich spielt jeder dem andern in die Hände, dann sollten sie sich
wenigstens über die öffentlichen Erklärungen vorher absprechen!

Die vierte Lüge: “Die Ordnungskräfte sind angegriffen worden.” Herr Genta
hat die Ordnungskräfte gegen die Arbeiter aufgebracht, nur um ein paar alte
Maschinen zu holen. Er hat die Zusammenstösse provoziert, indem er mit
Lastwagen und einem Bagger vorgefahren und wie ein Dieb um fünf Uhr morgens
eingedrungen ist, im Wissen, dass er seinen Schrott auch mit einer einfachen
Übereinkunft hätte abholen können. Er hat alles daran gesetzt, Polizei und
Carabinieri auf die Arbeiter zu hetzen, um ihnen eine Lektion zu erteilen,
das ist seine Art von Demokratie.

So sehr Genta und sein Anwalt sich auch Mühe gaben, ihr Monolog hat zu
nichts geführt. Der „Corriere della Sera“ hat sie überhaupt nicht erwähnt,
die „Repubblica“ mit wenigen Zeilen, die andern Blätter haben das Bild von
Genta als Schrotthändler und Spekulant bestätigt. Die Arbeiterinnen und
Arbeiter der INNSE jedoch sind von echtem Schrot und Korn, sie verteidigen
nicht ihre Sonderinteressen, sie kämpfen gegen die Schleifung einer
historischen Fabrik und werden keinen Schritt zurückweichen. Wenn Genta das
Werk demontieren will, muss er die militärische Belagerung von
Milano-Lambrate verlangen und während Monaten die Ordnungskräfte dort
aufstellen. Das andere Mailand aber, das auf der Seite der Arbeiter und
Lohnabhängigen steht, wird sich dagegen zur Wehr setzen und mit seiner
Solidarität Genta, die Immobilienfirma AEDES und ihre politischen Gehilfen
zu Fall bringen. Die ArbeiterInnen der INNSE werden in ihre Werkstätten
zurückkehren, viel früher als man denkt.


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21. Februar 2009, 20:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Zitat:
Freitag, 27. Februar 2009. Der Sohn des Besitzers versucht, die Maschinen zu sabotieren. Versteckt in einem Auto der Überwachungsfirma schleicht er sich heimlich in den Betrieb. Er wird von Arbeitern des Besetzercamps erwischt, während er den Schaltkasten einer Maschine öffnet und Teile entfernt. Nachdem sie die Polizei gerufen haben, strömen die Arbeiter aufs Gelände vor der Werkshalle. Sie versuchen, die Halle zu betreten, werden jedoch von den Ordnungskräften daran gehindert. Rossoni, der Vizepräsident der Regionalregierung, hatte sich dafür verbürgt, dass die Maschinen nicht angetastet werden dürfen. Am Schluss einer langen Verhandlung, können die drei Betriebsräte die Hallen betreten, Gentas Sohn muss nach Hause gehen. Die Maschinen werden eingeschaltet. Der Versuch, sie ausser Betrieb zu setzen, ist gescheitert.

Donnerstag, 5. März 2009. Die ArbeiterInnenn der INNSE fahren nach Settimo Torinese, um vor Gentas Firmensitz zu protestieren. Es sind alle dabei, ein ganzer Autobus voll. Der Protestumzug zieht durch die Strassen von Settimo, die ArbeiterInnen rufen Sprechchöre, worin sie zum Ausdruck bringen, was für ein mieser Typ von Spekulant dieser Genta ist. An die Wände werden Plakate geklebt, Interviews gegeben, zuletzt am Sitz der Metallarbeitergewerkschaft Fiom von Turin gegenüber einem Reporter der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Von nun an werden wir Schlag auf Schlag antworten. Jedesmal wenn Genta nach Mailand kommt um zu provozieren, werden wir ihn in seinen Büros und Lagerhallen in Turin aufsuchen, bis er akzeptiert, den geordneten Rückzug anzutreten, und der INNSE die Möglichkeit gewährt, die Produktion wieder aufzunehmen. In der Zwischenzeit gehen die Treffen und Verhandlungen zwischen den staatlichen Stellen und möglichen Käufern weiter, auch die Regionalregierung hat sich eingeschaltet, man wird sehen, was sich daraus ergibt. Die ArbeiterInnen der INNSE leisten weiterhin Widerstand, die Besetzung ist noch immer stark, mit dem Ziel, in die Fabrik zurückzukehren und zu arbeiten. Wenn Genta eine Kraftprobe sucht, findet er die ArbeiterInnen vor den Toren der INNSE. Die Angelegenheit kann nur gelöst werden, indem der Betrieb, der Aufträge und Käufer hat, wieder aufgenommen wird.

Kann die Weltausstellung EXPO 2015 damit beginnen, dass eine historsche Mailänder Fabrik geschleift wird? Das werden wir nicht zulassen, HÄNDE WEG VON DER INNSE! Ein Betrieb, der geschlossen wird, das sind für immer verlorene Arbeitsplätze. Wir danken allen für eure Solidarität, auf die ihr stolz sein dürft.

Mailand-Lambrate, 7. März 2009
Der Betriebsrat, die Arbeiter und Angestellten der INNSE mit ihren Familien


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10. März 2009, 16:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Zitat:

INNSE: Arbeiter und Widerstand

Die Erinnerung an die fünfzehn INNSE-Arbeiter, die 1944 von den Nazis ins österreichische KZ Mauthausen verschleppt worden waren und dort nach kurzer Zeit an den unmenschlichen Arbeits- und Haftbedingungen starben, ist auch in diesem Jahr wachgehalten worden von den heutigen Generationen von ArbeiterInnen, die deren Platz im Betrieb eingenommen haben und seit elf Monaten Widerstand leisten gegen die Entlassungen und gegen die Schliessung der historischen Fabrik von Mailand-Lambrate.

Am 24. April hat der Umzug der INNSE-ArbeiterInnen, zusammen mit einer Delegation der Partisanenorganisation ANPI (Associazione Nazionale Partigiani d’Italia) und der Metallarbeitergewerkschaft FIOM, vom Basislager der Betriebsbesetzung zur steinernen Gedenkplatte in der Fabrik geführt. Dort wurde ein Kranz niedergelegt, um daran zu erinnern, dass die Belegschaften der INNSE – gestern wie heute – die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen entschlossen zurückweisen. Während der Erinnerungsfeier wurden Ausschnitte aus dem Buch vorgelesen, das die Zeugenaussagen der Bewohner der Zone, der Arbeitskollegen und der Angehörigen der fünfzehn verschleppten Arbeiter umfasst. Bekundungen, die Zeugnis darüber ablegen, was damals geschah, und - über die alten zu den neuen Arbeitergenerationen - die Notwendigkeit bekräftigen, dass der Widerstand wachgehalten werden muss.

Die Redebeiträge anerkannten im Kampf um die INNSE die Weiterführung von alten und neuen Formen des Widerstandes. Ein 25. April, der seiner ursprünglichen Bedeutung als Tag der Befreiung vom Faschismus treu geblieben ist und im vollständigen Gegensatz steht zu den prunkvollen Feiern, die vergeblich versuchen, diese Bedeutung umzukrempeln. Am Schluss der Veranstaltung haben die Betriebsräte alle Anwesenden an die Feier des nächsten Jahres eingeladen haben, wenn „wir wieder in unseren Betrieb zurückgekehrt sein werden und arbeiten“.

Bei INNSE in Mailand-Lambrate wird weiterhin gekämpft und Widerstand geleistet.

(Übersetzung eines Berichts auf www.operaicontro.it)

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28. April 2009, 17:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Zitat:
ArbeiterInnen der Provinz Mailand

Wir bitten um Eure Hilfe


Wir sind die ArbeiterInnen der INNSE und leisten seit über einem Jahr
Widerstand gegen die Schliessung unserer Fabrik. Rund um die Uhr, auch
samstags und sonntags, halten wir das Werk besetzt. Wir sind entlassen
worden, aber wir haben nicht aufgegeben. Solange der Betrieb und die
ArbeiterInnen da sind, gibt es eine Möglichkeit, um die Arbeit wieder
aufzunehmen. Alle sagen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen.
Lauter schöne Worte über eine aktive Arbeitspolitik, nun sollen sie ihr
Können unter Beweis stellen.

Wir haben als Arbeiterinnen und Arbeiter der INNSE mit unserer Hände Arbeit
vorgemacht, dass der Betrieb funktionierte und funktioniert, indem wir
selbst die Produktion verwaltet haben, gegen den Willen des Besitzers, die
Geschäftstätigkeit einzustellen. Wir haben das Werk von Juni bis September
des vergangenen Jahres in Selbstverwaltung weitergeführt, bis wir auf Befehl
des Richters die Fabrik verlassen mussten. Seit jenem Tag haben wir uns im
Pförtnerhaus niedergelassen und sind nicht von dort gewichen. Verschiedene
Käufer haben sich vorgenommen, die Fabrik zu erwerben. Der alte Besitzer
jedoch hatte andere Interessen: Zusammen mit dem Grundstücksbesitzer wollte
er das Werk räumen und alle Maschinen verkaufen.

Ein ganzes Jahr lang hat er immer wieder versucht, den Maschinenpark zu
demontieren und liess sich dabei von den Ordnungskräften beschützen. Das
ging soweit, dass die Arbeiter, die sich entgegenstellten, geschlagen und
niedergeknüppelt wurden - so geschehen am 10. Februar 2009. Ein Tag, den wir
nie vergessen werden. Seit jenem Tag haben alle begriffen, dass es sich die
staatlichen Institutionen nicht leisten können, wegen einem solchen
Schrotthändler das Gesicht zu verlieren, und sie haben ihm geraten, sich
zurückzuhalten. Das hat jedoch nichts genützt, er hat damit begonnen, vier
Maschinen zu verkaufen, und hat den neuen Besitzer in Begleitung des
Gerichtsvollziehers geschickt, um mit der Demontage der Maschinen zu
beginnen. Selbstverständlich haben wir sie zurückgewiesen.
Selbstverständlich hat er sich auch über jene lustig gemacht, die auf
verschiedenen Ebenen der staatlichen Institutionen nach einer Lösung suchen,
damit bei INNSE die Produktion wieder aufgenommen werden kann.
Selbstverständlich ist die Verfügung zur Demontage auf dem Tisch des
Präfekten und des Polizeipräsidiums gelandet, an denen es nun liegt, darüber
zu entscheiden, wann und wie diese mit Gewalt durchgesetzt werde.

In dieser Situation, Arbeiterinnen und Arbeiter der Provinz Mailand, bitten
wir um Eure direkte Hilfe: Unsere einzige Kraft liegt in der Anzahl. Wir
sind entschlossen zu verhindern, dass der Maschinenpark angetastet wird,
solange die Tür für eine Wiederaufnahme der Produktion offen steht. Aber
allein können wir das nicht schaffen. Hunderte von ArbeiterInnen, die beim
nächsten Überraschungsangriff vor den Werkstoren stehen, werden alle davon
überzeugen, dass es besser ist, von einer solchen Kraftprobe Abstand zu
nehmen.

Arbeiterinnen und Arbeiter der Fabriken in der Provinz Mailand, wir bitten
um Eure direkte Unterstützung, weil wir überzeugt sind, dass der Kampf bei
INNSE nicht nur unser Kampf ist, sondern der Kampf aller ArbeiterInnen, die
auf die Strasse gestellt worden sind, all jener ArbeiterInnen, die erpresst
wurden und die Schliessung ihrer Fabrik erdulden mussten, die sich jedoch
nicht damit abgefunden haben.

Wenn die INNSE stand hält, können auch alle andern Widerstand leisten, und
die INNSE kann nur mit Eurer Unterstützung standhalten.

Bekräftigt eure Solidarität! Beteiligt euch an der Besetzung der INNSE!
Telefoniert an die Nummer (+39) 349 520 5238!

Der Betriebsrat der INNSE Milano Lambrate, 22. Juni 2009


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Zitat:
Mailand, 2. August 2009, es ist wie wenn ein Staatsstreich stattgefunden hätte: Ein Heer von mindestens 500 Bullen, Polizei und Carabinieri, belagert die Zone der Via Rubbattino. Und dies trotz der Zusicherungen eines Waffenstillands während der Sommermonate seitens der Regionalregierung der Lombardei. Erst in der vergangenen Woche, wie der Abgeordnete Luciano Muhlbauer in seinem Blog berichtet, habe der Regionalrat in einem Beschluss die Regionalregierung verpflichtet, tätig zu werden, um die Schliessung einiger Mailander Betriebe zu verhindern, darunter an erster Stelle die INNSE von Mailand.

Gemäss Indymedia Lombardia, haben sich um 11 Uhr bereits mehr als hundert Personen vor der Fabrik versammelt. Um 12.40 Uhr sei es einer Gruppe von Genossen gelungen, vorübergehend die Mailänder Umfahrung „Tangenziale Est“ zu besetzen. Sogleich wurden sie von den Bullen auf die übliche Art niedergeknüppelt. Die Ausfahrt Rubattino ist blockiert. Währenddessen sind im Innern der Fabrik etwa vierzig chinesische Arbeiter daran, die Maschinen zu demontieren, draussen wimmelt es von Bullen.

Wer kann und sich in der Umgebung von Mailand befindet, soll bitte den INNSE-ArbeiterInnen zu Hilfe eilen! (Via Rubattino 81, Milano-Lambrate, Umfahrung Mailand-Ost) Kämpfen wir entschlossen gegen die Bullen und den Unternehmerstaat!

kotz

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02. August 2009, 21:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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Verschiedene Kämpfe scheinen in entscheidenden Phase zu stecken: INNSE, Ssangyong, VESTA, ...
03. August 2009, 08:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Zitat:
In Italien ist es in den Zeitungen auf der ersten Seite, die Tagesschau
berichtet laufend darüber, ganz Italien hat es gesehen, das Bild von den
vier INNSE-Arbeitern auf dem Industriekran ihrer Fabrik, im blauen
Überkleid, mit gelbem Helm und finsterer Miene. „Das Symbol der Krise“ hat
jemand geschrieben. Aber welcher Krise? Jener Wirtschaftskrise, von der alle
glauben, dass sie in ein oder zwei Jahren vorbei sein werde? Oder eher die
Krise eines Wirtschaftssystems, das gründlich gescheitert ist. Ein
Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das auf der Ausbeutung der Lohnarbeit
beruht. Ein System, das die Produktion nur solange zulässt, als sie das
Kapital vermehrt.

Die INNSE hat die Ursache der gegenwärtigen Krise mit alle den
Widersinnigkeiten eines zerstörerischen Wirtschaftssystems offen gelegt:
Eine Fabrik mit einer hoch qualifizierten und spezialisierten Belegschaft
muss einzig deshalb geschlossen werden, weil mit dem Verkauf der Maschinen
das Kapital des Besitzers stärker vermehrt wird als mit der Produktion. Das
Gesetz des bürgerlichen Staates, welches das Privateigentum garantiert,
erlaubt dem Besitzer die Verschrottung der Maschinen und führt so zum
unhaltbaren Zustand, dass der Staat mit seiner Ordnungsmacht die Vernichtung
der wirtschaftlichen Grundlage seiner Einwohner schützt. Der
Unternehmerstaat gewährleistet nicht nur - wie früher - die Ausbeutung der
Lohnarbeit, sondern überdies die Zerstörung der Produktionsmittel der
Lohnabhängigen. Das verdeutlicht, weshalb das auf der Ausbeutung der
Lohnarbeit aufgebaute Wirtschaftssystem Schiffbruch erlitten hat. Als früher
die Arbeiter streikten, schützte die Armee die Streikbrecher, um die
Weiterführung der Produktion durchzusetzen. Heute hingegen erzwingt bei
INNSE ein Heer von Polizeikräften das Ende der Produktion, die von den
ArbeiterInnen gegen den Willen des Fabrikbesitzers weitergeführt worden ist.

Doch nicht genug damit. Die INNSE hat - für alle, die es vergessen haben
sollten - auch klargemacht, dass der Staat nicht seine Einwohner schützt,
sondern vor allem das Privateigentum, das heisst das Kapital. Soweit nichts
Neues, die Neuigkeit besteht darin, dass die Unternehmerklasse, wenn sie
jegliches Interesse an der industriellen Produktion verloren hat, die
staatlichen Institutionen dazu benützt, um den in Vergangenheit produzierten
Reichtum unter sich zu verteilen. Wenn dem nicht so wäre, wie erklärt sich
dann die Tatsache, dass ein industrielles Erbgut wie die INNSE zum
symbolischen Preis von 700'000 Euro einem Schrotthändler und Spekulanten wie
Genta verscherbelt worden ist? Einem Spekulanten, der nun sein Recht als
Eigentümer geltend macht, um seinen Spekulationsgewinn zu realisieren, indem
er die Maschinen Stück um Stück verkauft. Zuerst hat der Staat den
Ausverkauf der INNSE organisiert, jetzt schützt er mit seinen
Ordnungskräften das Privateigentum sowie die Verschrottung der Maschinen und
verhindert damit die Weiterführung der Produktion. Statt fünfzig Familien zu
ermöglichen, mit dieser Produktion ihr Brot zu verdienen, zwingt der
Unternehmerstaat sie, von den Almosen zu leben, die „soziale Abfederung“
genannt werden.

Wenn eine herrschende Klasse einem wachsenden Anteil der Gesellschaft nicht
mehr erlaubt, sich selbst zu ernähren, dann wird es Zeit sie zu stürzen. Die
vier Arbeiter auf dem Industriekran der INNSE sind nicht in erster Linie das
„Symbol der Krise“ als vielmehr deren Überwindung. Dennn diese Arbeiter
haben gezeigt, dass man kämpfen kann, dass die Krise kein Schicksal ist, das
wie eine Naturkatastrophe erduldet werden muss, sondern das Resultat eines
Wirtschaftssystems, das überwunden werden muss. Die INNSE ist das Vorbild,
wie der Krise begegnet werden muss: Statt weitere Lohnsenkungen, zusätzliche
Erhöhungen des Arbeitsrhythmus und der Arbeitszeit, Entlassungen und
Fabrikschliessungen passiv zu erdulden, müssen die Arbeiterinnen und
Arbeiter ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Die ArbeiterInnen der
INNSE haben den Beweis erbracht, dass es möglich ist, sich aufzulehnen, auch
wenn es nur wenige sind. Fünfzig ArbeiterInnen, die der Übermacht des
Unternehmerstaates trotzen und diese in Ohnmacht verwandelt haben, als es
vier von ihnen gelungen ist, den Belagerungsring von fünfhundert Bullen
auszutricksen und den Industriekran ihrer Fabrik zu erobern.

Beim Betrachten des Bildes von den vier Arbeitern der INNSE werden sich
zahlreiche andere ArbeiterInnen fragen: Warum lehnen die sich auf und wir
nicht? Warum sich wie Lämmer zu Schlachtbank führen lassen, ohne wenigstens
versucht haben zu kämpfen? Warum machen wir es nicht auch so wie die
ArbeiterInnen der INNSE? Seit der militärischen Belagerung der INNSE sind
mindestens drei weitere Beispiele von Arbeiterwiderstand bekannt geworden:
Statt in die Ferien zu fahren, haben die Arbeiter der Ercole Marelli von
Sesto San Giovanni bei Mailand die Fabrik besetzt. Eine weitere
Betriebsbesetzung gibt es bei Manuli in Ascoli Piceno in der Region Marken.
« Wir sind die INNSE der Toscana » erklären die Arbeiter der Bulleri
Brevetti von Cascina bei Pisa, die rund um die Uhr die Werkstore belagern,
um den Abtransport der Maschinen zu verhindern. Wie auch immer der Kampf bei
INNSE enden wird, ob mit der Wiederaufnahme der Produktion oder mit der von
der staatlichen Repression aufgezwungenen, endgültigen Schliessung, eines
ist gewiss: Es hat sich gelohnt, all die langen Monate Widerstand zu
leisten, tagelang und nächtelang auf einem Industriekran auszuharren. Denn
dieser Kampf hat das Potential, um zum Ausgangspunkt eines Arbeiterkampfes
zu werden, der sich immer weiter ausbreitet und schliesslich zu einem Kampf
Klasse gegen Klasse wird, mit dem Ziel, dieses korrupte und bis auf die
Knochen verfaulte System zu stürzen. „Giù le mani dalle Officine!” Hände weg
von den Werkstätten! Hände weg von der INNSE! Möge dieser Schlachtruf der
Arbeiter der Officine von Bellinzona und der INNSE zur Losung aller
ArbeiterInnen und Lohnabhängigen werden!

10. August 2009, 03:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
http://kurier.at/nachrichten/1930193.php
http://de.indymedia.org/2009/08/258028.shtml
http://www.labournet.de/internationales/it/innse44.html

zum Video:
Zitat:
„Am 4. April 2009, anlässlich der „Versammlung für die Arbeiterpartei“ in Mailand, hat “visions of Labor” aus Berlin mit Enzo Acerenza gesprochen (Arbeiter und FIOM Gewerkschaftsdelegierter bei INNSE, einer der vier Arbeiter, die eine Woche lang auf dem Kran ausgeharrt haben). Nach dem Sieg der INNSE-ArbeiterInnen hat der Aufruf an die ArbeiterInnen der andern Betriebe in allen Ländern eine besondere Bedeutung bekommen: „Was wir vor allem auch von den Arbeitern in Bellinzona gelernt haben: Es ist wichtig, dass sich die Arbeiterinnen und Arbeiter gegen die Betriebsschliessung auflehnen. Es genügt nicht, dass der Besitzer beschliesst, einen Betrieb dicht zu machen und alle zu entlassen. Es kommt dann ganz darauf an, was die Arbeiter dazu sagen, ob sie dazu ja oder nein sagen. Deshalb unsere Botschaft an die Arbeiterinnen und Arbeiter in den andern Betrieben in ganz Europa: Lasst euch nicht vertreiben! Wenn die Unternehmer euch entlassen und die Werke schliessen wollen, dann bleibt dort und besetzt die Betriebe! Haltet durch! Und wenn das alle Arbeiter in allen Ländern tun, dann wird diese Krise einen ganz andern Verlauf nehmen.“ Verbreitet diesen Aufruf überall! Druckt ihn aus und zeigt ihn euren ArbeitskollegInnen! Diskutiert mit ihnen darüber und nehmt mit den ArbeiterInnen der INNSE Kontakt auf!






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17. August 2009, 15:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Erfolgreicher Kampf

Mit spektakulärer Aktion erkämpften Mailänder Arbeiter den Erhalt ihrer Fabrik

Von Raoul Rigault

Weltweit häufen sich betriebliche Kämpfe gegen Werksschließungen und Massenentlassungen. In der traditionsreichen Mailänder Maschinenfabrik INNSE gelang jetzt der Erhalt des kompletten Betriebes. Nach rekordverdächtigen 15 Monaten Fabrikbesetzung schien der Kampf am 2. August bereits beendet, als Polizei und Carabinieri die 49 Besetzer vetrieben. Doch die »Unbeugsamen«, wie sie inzwischen selbst in bürgerlichen Blättern genannt werden, gaben nicht auf. Zwei Tage später schlichen sich Fabio Bottaferla (45), Massimo Merlo (54), Luigi Esposito (48) und Vincenzo Aceranza (60) zusammen mit dem lokalen Sekretär der Metallarbeitergewerkschaft FIOM-CGIL, Roberto Giudici (58), an den Ordnungshütern vorbei und kletterten auf einen 17 Meter hohen Laufkran. Ihr Ziel: die Demontage und den Abtransport der wertvollen Maschinen zu verhindern und eine Wende zu erzwingen.

Am Mittwoch um kurz nach Mitternacht hatten sie erreicht, was keiner mehr für möglich gehalten hatte. Die in den 20er Jahren gegründete Maschinenfabrik, die unter anderem Bauteile für die europäische Trägerrakete Ariane und den Beschleuniger des Kernforschungszentrums CERN fertigte, bleibt bestehen. Nach 15stündigen Verhandlungen unter Vermittlung des Präfekten kaufte die Aktiengesellschaft Camozzi den Betrieb vom Turiner Unternehmer Silvano Genta zurück, der die angeschlagene Firma 2006 vor allem aus Spekulationsinteresse erworben hatte.

Ein Erfolg, der den fünf, nicht mehr ganz jungen, Kranbesetzern das Letzte abverlangte. »Unser einziger Gedanke war, bis zum Letzten zu gehen«, erklärte Giudici. Acht Tage und 13 Stunden hatten sie bei bis zu 40 Grad und abendlicher Mückenplage auf dem 25 Meter langen und eineinhalb Meter breiten Laufkran verbracht, der für die Demontage der schweren Maschinen unabdingbar war.

Die Aktion und die immer größer werdende Solidaritätswelle sorgte für Unruhe im Unternehmerlager. Am 6. August diagnostizierte die Tageszeitung des Industriellenverbandes Il Sole-24 Ore unter dem Titel »Wenn der Fall INNSE anfängt Schule zu machen«, die Arbeitskämpfe gerieten zunehmend »außer Kontrolle«. Es bestehe »die Gefahr, daß die Fälle von Fabrikbesetzung und Selbstverwaltung zunehmen.«


http://www.jungewelt.de/2009/08-18/002.php
18. August 2009, 00:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beiträge: 3354

Beitrag Antworten mit Zitat
Melnitz hat Folgendes geschrieben:
Verschiedene Kämpfe scheinen in entscheidenden Phase zu stecken: INNSE, Ssangyong, VESTA, ...


Also, der Kampf von INNSE endet in einem Sieg der ArbeiterInnen. Bei Ssangyong kam eine Niederlage mit anschliessender Repression raus und bei VESTAs haben die ArbeiterInnen die Besetzung nach der Räumungsandrohung vorläufig geräumt...
18. August 2009, 01:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:

Wenn es einmal gelungen ist, gemeinsam die lähmende Angst, die einen
organisierten Widerstand oft verhindert, zu überwinden, und die Solidarität
aller gesiegt hat, dann dauert es in der Regel nicht lange, bis der
Unternehmerstaat nach Schuldigen sucht. Solche werden meistens ebenso
schnell gefunden wie die Gesetze, die angeblich verletzt worden sind.
Gesetze, die dazu dienen, die Ordnung der Herrschenden aufrecht zu halten.
Und je erfolgreicher der organisierte Widerstand gewesen ist, desto härter
fallen natürlich auch die Strafen aus...

Am 2. August, als die INNSE und das ganze Gebiet der Via Rubattino
militärisch belagert wurde, um die Demontage der Maschinen zu ermöglichen,
beschlossen die Arbeiter, aus Protest die nahegelegene Umfahrung von Mailand
zu besetzen. Mit ihnen waren andere Arbeiter, Studenten und Aktivisten. Die
Besetzung der Autobahn war die erste notwendige Aktion in der Endphase eines
Kampfes, der noch andauert und der zur echten Möglichkeit einer
Wiederaufnahme der Produktion und Weiterbeschäftigung aller Arbeiter geführt
hat. Nun werden unter jenen, die an der Protestaktion teilgenommen haben,
„Schuldige“ ausgesucht und die UnterstüzerInnen des Arbeiterwiderstands mit
astronomischen Bussen bis zu 10'000 Euro eingedeckt. « Es wird ihnen nicht
gelingen uns zu spalten, im Gegenteil, wir werden einiger und stärker sein
als zuvor », schreiben Arbeiter und Betriebsrat der INNSE in einer
Mitteilung vom 17. September und fordern die sofortige Rücknahme der in
diesen Tagen verschickten Bussen.

Im Jahre 2007 liessen sich die Beschäftigten von Continental in Clairoix
dazu erpressen, gegen eine Arbeitsplatzgarantie bis 2012 wöchentlich
zusätzliche fünf Stunden ohne Lohnausgleich zu arbeiten. Im März 2009 gab
der Konzern die Schliessung des Werks in Clairox bekannt, worauf sie den
multinationalen Konzern verklagten. Als sich das Gericht auf die Seite der
„patrons voyous“ (Unternehmerhalunken) stellte, liessen die Arbeiter ihrer
Wut freien Lauf und verwüsteten die Unterpräfektur von Compiègne. Die
Klassenjustiz hat nun sechs von ihnen herausgegriffen und wegen
„Beschädigung öffentlichen Eigentums“ zu Strafen zwischen drei und fünf
Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Ausserdem droht ihnen eine
Schadenersatzforderung in der Höhe von 63'000 Euro! Anbei das gemeinsame
Flugblatt von Intersyndicale (Zusammenschluss der Gewerkschaften) und
„Comité de lutte“ (Kampfkomitee), worin zu einer Kundgebung für kommenden
Samstag, 26. September vor dem Werk in Clairoix aufgerufen wird.

Solidarität mit den verurteilten Contis! Solidarität mit den
UnterstützerInnen der INNSE! Aufhebung aller Strafen! Continental Clairoix
und INNSE Mailand – zwei Betriebe, ein Kampf! Nieder mit der Klassenjustiz!
Hoch die internationale Solidarität!


rainer

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
25. September 2009, 01:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
INNSE: Alle Arbeiter wieder angestellt, am 12. Oktober wird die Produktion wieder aufgenommen


Gestern, 30. September 2009, um Mitternacht. In der Präfektur von Mailand wird der dritte Vertrag unterzeichnet. Es ist der letzte Teil, der gefehlt hat, um das Abkommen umzusetzen, das am 12. August geschlossen wurde, bevor die vier Arbeiter vom Kran heruntergestiegen sind. Alle ArbeiterInnen der INNSE werden wieder angestellt, und zwar zu den gleichen Vetragsbedingungen wie vor der Entlassung am 31. Mai 2008, einschliesslich der Produktionsprämie. Ausserdem wird jeder Arbeiter mit der ersten Lohnzahlung eine Antrittsprämie von brutto 2'500 Euro erhalten.
Die INNSE wird am 12. Oktober wieder anlaufen, und zwar mit einer ersten Gruppe von Arbeitern, während die andern vom Arbeitslosengeld (mobilità) in die Kurzarbeit (cassa integrazione) wechseln - mit einer Ergänzungsleistung von monatlich 250 Euro brutto - und allmählich wieder in den Betrieb zurückkehren, sobald die Maschinen wieder instand gesetzt sind, die von Genta demontiert wurden, dem niederträchtigen ehemaligen Patron, der mit seinem Vorgehen gegen die Arbeiter die gesamte Branche der Schrotthändler in Verruf gebracht hat.
Wie schon oft in diesen 16 Monaten des Kampfes, war der gestrige Tag voller Spannungen. Am Morgen haben die INNSE-ArbeiterInnen den Sitz der Immobiliengesellschaft AEDES besetzt, die bis zuletzt versucht hatte, neue Bedingungen zu stellen, trotz den am 12. August gegenüber dem Präfekten von Mailand eingegangenen Verpflichtungen. Präsident und Vizepräsident von AEDES sind in die besetzten Büros gekommen, um die erzürnten Arbeiter zu besänftigen. Im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen, was nach dem Abkommen vom 12. August erst recht unannehmbar gewesen wäre, hätten diese nicht gezögert, sogleich die INNSE erneut zu besetzen.
Am Nachmittag haben sich die Protestaktionen zur Präfektur verlagert. Dort waren die Verhandlungen im Gange, die bis um Mitternacht beendet werden mussten, damit das Abkommen vom 12. August, das zwischen AEDES, Stadt Mailand und Camozzi, dem neuen Besitzer der INNSE, abgeschlossen worden war, nicht hinfällig geworden wäre. Und es wurde Mitternacht, bis sie sich einig geworden sind. Die Arbeiter, welche die Eingänge der Präfektur belagerten, wurden aufgefordert, Einsicht in das Abkommen zu nehmen. Darauf hat sich eine Arbeiterdelegation zum Präfekten begeben, um sich zu vergewissern, dass im Abkommen tatsächlich der 12. Oktober als Datum der Wiederaufnahme der Produktion stehe. Um ein Uhr nachts ist die Delegation mit den ArbeiterInnen und UnterstützerInnen zur INNSE zurückgekehrt. In der Tasche das während 16 Monaten hartnäckig verfolgte Ziel: die Wiederaufnahme der Produktion und die Wiederanstellung der 49 ArbeiterInnen. Heute ist dieses Ziel erreicht und trägt die Unterschrift aller Vertragsparteien. Das Besetzercamp wird weitergeführt, bis die Produktion wieder angelaufen ist.

Heute, am 1. Oktober ist bereits der erste Arbeiter wieder unter Vertrag, dessen Arbeitslosengeld ausgelaufen ist. Mit der Wiedereröffnung der INNSE am 12. Oktober wird die Produktion wieder aufgenommen.


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13. Oktober 2009, 12:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
lazlo wanda



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Die INNSE-Arbeiterinnen haben einen wichtigen Diskussionsprozess mit folgendem
Text angestossen:
Zitat:

Am Anfang war eine informelle Arbeiterpartei...


[/b]Sich als Arbeiter zu organisieren und als solche zu handeln, ist bereits ein Programm. Sobald die Arbeiter
sich als solche zusammenschliessen und einen Ausweg aus ihrer prekären gesellschaftlichen Lage suchen, finden
sie schon bei der Suche die Mittel und Wege, um diesen Ausweg in die Tat umzusetzen. Sie brauchen kein fertiges
Programm, bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet, mit einer Liste von Forderungen, halbwegs zwischen grossspurigen
Zielen und kleinen, vergänglichen Ergebnissen.
Diese Partei richtet sich auf einem Gebiet ein, das nicht geografisch, lokal oder national begrenzt ist: Es
ist ein gesellschaftliches Territorium, auf dem sie ihre Kraft entfaltet. Die Fabrik oder irgendein Arbeitsplatz, wo
es eine Arbeitergemeinschaft gibt, das ist das Gebiet der Arbeiterpartei. Dort muss ein unerbittlicher Kampf gegen
die politischen Parteien der andern Klassen geführt werden. Der politische Einfluss auf die Arbeiter kommt von
ausserhalb dieses Gebiets; die politischen Parteien beinflussen die Arbeiter zu Hause, am Wohnort, als Einwohner,
als Staatsbürger unter Staatsbürgern; die Arbeiterpartei hat ein Gebiet zur Verfügung, das von der Politik verlassen
ist. Bei der Teilung der Macht obliegt es dem Unternehmer, seine Leute direkt zu verwalten; es wird keine
Einmischung geduldet, die Produktion ist heilig. Die Arbeiterpartei kann diesem Umstand zu ihren Gunsten ausnutzen,
die Arbeitergemeinschaft kann diesen Hohlraum ausfüllen, indem sie zu einer unabhängigen und eigenständigen
Art von politischem Handeln findet.
Die Arbeiterpartei führt den Widerstand der Arbeiter über die versöhnlerische Gewerkschaftspolitik hinaus.
Die alte Gewerkschaftspolitik des kleineren Übels („Lieber den Spatz in der Hand...“) wird von der Wirtschaftskrise
überrannt, die den Arbeitern nicht einmal mehr das „kleinere Übel“ gewährt, sondern sie mit weniger
als Nichts dastehen lässt. Statt aus der Wirtschaftskrise – als Beweis für den Bankrott der auf dem Profit aufgebauten
Produktionsweise – Kraft zu schöpfen, verständigen sich die eingespielten Gewerkschaftsführer darauf,
mit sozialen Abfederungen das Elend der Arbeiter zu verwalten, in der Erwartung, dass der Sturm vorübergehe.
Gesetzt den Fall, dass das Unwetter nicht so schnell vorbeigeht und dass die Überwindung der Krise unerträgliche
Opfer verlangt, so dass die Arbeiter im Widerstand gegen die Auswirkungen der Krise zur Überzeugung gelangen,
dass die Zeit für diese Art von Produktion und Austausch abgelaufen ist und dass sie überwunden werden
muss, in welche Richtung und auf welche Perspektiven hin müssen wir uns dann bewegen? Wird es dann nicht
vielleicht die Aufgabe der informellen Arbeiterpartei sein, mit der Ausarbeitung von Antworten zu beginnen?
Die Tatsache, dass namhafte Teile der Arbeiter den klassischen parlamentarischen Parteien fremd gegenüber
stehen, zeigt sich auf alle Arten. Nicht so sehr in der Stimmenthaltung, die eine zahlenmässig bedeutende Erscheinung
ist, als vor allem in der Militanz, im konkreten Beitrag zur Unterstüzung dieses oder jenes politischen
Vorhabens. Die Parteien, die wir kennen, fischen ihre Führungsgruppen und Mitglieder aus den andern Klassen,
sie sind Ausdruck von andern gesellschaftlichen Klassen. An der aktiven Mitgliederbasis der Parteien, die sich als
Parteien der Arbeiter (“dei lavoratori”) bezeichnen, finden wir bestenfalls Lehrer, Angestellte, Techniker, aber nie
Arbeiter. Die Arbeiter hingegen, seit sie auf dem Schauplatz der Gesellschaft aufgetaucht sind, haben Organisatoren,
Agitatoren und Propagandisten hervorgebracht, welche Parteien mit grossen Mitteln und grosser finanzieller
Unterstützung in den Sack gesteckt haben. Können heute die Arbeiter keine derartige politische Schicht mehr hervorbringen?
Sind sie nicht mehr in der Lage, Kämpfer für ihre Sache hervorzubringen? Diese Möglichkeit zu verneinen,
kommt andern gelegen, nicht uns selber; es kommt darauf an, für welche Partei man sich einsetzen soll,
für welche Partei zu kämpfen man anfangen soll, und eine Möglichkeit ist heute gegeben: Man kann Mitstreiter
und Organisator für eine Partei werden, die unser ist, für eine Arbeiterpartei, oder wenigstens die ersten Schritte in
diese Richtung tun. Die Programme und Organisationsformen werden wir miteinander finden, wenn wir uns allmählich
als Klasse und damit als unabhängige politische Partei zusammenschliessen.
Am Anfang soll jeder bleiben, wo er ist, und weiterhin mit den politischen Formationen sympathisieren,
mit denen er will, sich an den Aktivitäten von Komitees, autonomen Zentren, dieser oder jener Basisgewerkschaft
beteiligen. Die informelle Arbeiterpartei verlangt keine Glaubensbekenntnisse, als vielmehr dass man damit be-
ginne, als Arbeiter zu denken und zu handeln, zu allen Fragen, die uns direkt betreffen, einen eigenen Standpunkt
zu erarbeiten und zu vertreten. Die grosse Krise hat den Nebel aufgelöst, der den Interessengegensatz, auf dem
diese Gesellschaft aufgebaut ist, verschleiert hatte: Wo ist die produktive Arbeit von Millionen Arbeitern all dieser
Jahre verschwunden? In den Taschen der Unternehmer, in den Kassenschränken der Banken, in den goldenen
Gehältern der Staatsbeamten. Den Arbeitern blieben die Brosamen - und heute das Elend. Es ist zum Lachen, mit
welcher Frechheit sie von allen, uns eingeschlossen, verlangen, gemeinsam Opfer zu bringen um die Krise zu überwinden.
Die Krise jedoch ist die Krise ihres Systems. Es ist ihre Art, aus unserer Arbeit Reichtum anzuhäufen,
die an an einem bestimmten Punkt in sich zusammengefallen ist. Und nun sollten wir wie kopflose Lämmer uns
bereit erklären, weitere Opfer zu bringen, damit sie sich noch mehr bereichern können, bis dann eine neue, noch
erschütterndere Krise auf uns wartet? Heissen wir die grosse Krise willkommen! Die sozialen Revolutionen reifen
dort heran, wo die alten wirtschaftlichen Strukturen nicht mehr in der Lage sind, ihren Ablauf von Kapitalanhäufung
fortzusetzen. Die Arbeiterrebellion ist heute zu einer realen Möglichkeit geworden. Die direkt produktive
Arbeit der Arbeiter kann für eine andere Gesellschaftsordnung ohne Unternehmer, Banker und gut bezahlte
Staatsbeamte verwendet werden, sie kann den Arbeitern selber dienen.
Wir haben keine Zeit, die Kapitalbesitzer werden an einem bestimmten Punkt darauf angewiesen sein, die
Befehlsgewalt über die Gesellschaft zu zentralisieren, die Beziehungen zwischen den Klassen neu festzulegen, um
den Vorgang der Kapitalanhäufung wieder in Gang zu setzen. Sie selber werden die Arbeitsweise der politischen
und staatlichen Institutionen in Frage stellen. Wenn die demokratische Form ihnen nicht mehr dient, werden sie
die ersten sein, die ihre Überwindung fordern. Verdammen wir uns nichts selbst dazu, unter jenen zu sein, die
immer die Vergangenheit verteidigen, neben der Republik der Unternehmer, kann es in der geschichtlichen Reihenfolge
auch die Republik der Arbeiter sein. Wenn den Unternehmern, um ihr Kapital zu retten, Kraftproben auf
dem Weltmarkt dienen, werden sie „aus Notwendigkeit auf den Krieg hinsteuern“. Die ständigen Aufrufe zur nationalen
Einheit gehen in diese Richtung. Wer wird sie aufhalten können, wenn nicht die Arbeiter, die eine internationale
Klasse sind? Arbeiter, wir haben keine Zeit! Eine Parteiorganisation ist nötig, die - in jeder Fabrik anwesend
- damit beginnt, sich ohne unnütze Formalitäten zu bilden und stattdessen schon heute anfängt zu handeln.
Es ist kein Zufall, dass ab und zu sich jemand daran erinnert, dass die lebendigen Arbeiter aus Fleisch und Blut
existieren und dass niemand fähig ist, sie politisch zu vertreten. Wir haben die Absurdität, dass die Lega von Bossi
sich die Fähigkeit anmasst, auch Arbeiterschichten „des Nordens“ zu vertreten und einige Sektionen in den Fabriken
gründet. Ausgerechnet die Lega, welche die übelsten Unternehmer und Kleinunternehmer vertritt, die um
Profit zu machen zu einer unerhörten Ausbeutung der Arbeiter fähig sind! Die Arbeiterpartei wird – indem sie
sich auf dem ihr eignen Gebiet, in der Fabrik, Achtung verschafft – alle andern auf Trab halten und die klassenübergreifende
Farce von den „Norditalienern“ („Padani“) auflösen. Denn dort, wo es einen Unternehmer gibt, hat
es auch Arbeiter, der ihm den unerbittlichen Kampf ansagen. Der schreckliche Kampf zwischen den Klassen, der
so sehr Angst einflösst, auch der „kämpferischen und regierungsverantwortlichen“ Lega (Lega di „lotta e di governo“).
Nun sind einige Anmerkungen zu machen zu unserem Lager, zu den von der Krise betroffenen Arbeitern
und jenen, die auf irgendeine Art behaupten sie zu vertreten. Die gesellschaftliche Struktur in Italien bringt immer
neue poltische Gruppen hervor. Wir stehen nicht nur einer Masse von Gewerbetreibenden und Krämern gegenüber,
sondern auch Selbständigerwerbenden sowie Staatsangestellten und freien Berufen, Angestellten in der Produktion,
die die Ausbeutung der Arbeiter verwalten... Jeder mit seinen eigenen wirtschaftlichen und eigenen politischen
Interessen. Es stimmt zwar, dass die Krise für viele, die geglaubt hatten, eine befriedigende Arbeit und
Anstellung gefunden zu haben, einen sozialen Abstieg hervorbringt. Unter allen Arbeitenden wächst die Unzufriedenheit,
das ist das Ergebnis der Krise. Die politischen Antworten, die jeder dieser Sektoren gibt, entspricht
den besonderen gesellschaftlichen Bedingungen, die sie verspüren und die sie voneinander unterscheiden. Die
Staatsangestellten wollen die Verteidigung des „öffentlichen Dienstes“, die Angstellten des Handels eine Politik
der Ankurbelung des privaten Konsums, die Forscher eine Förderung der nationalen Forschungsprojekte, und so
weiter... Lassen wir hier den eigentümliche Wahn beiseite, Linksparteien links von der Rifondazione zu erfinden,
jede in der Hoffnung, in den regionalen, kommunalen Behörden oder im Parlament wieder eine Rolle zu spielen.
Sprechen wir lieber von den verschiedenen Versuchen: Koordinationskomitees, Basisgewerkschaften, autonome
Zentren, Studentenkomitees, die alle im Kampf um die Vorherrschaft miteinander wetteifern, ins Leben zu rufen,
und sagen wir ihnen, dass es ohne das Auftreten der Arbeiter keine echte Alternative zu diesem System gibt, dass
ohne die zentrale Bedeutung der Arbeiter („centralità operaia“) die kleinen Gruppen nicht überwunden werden
können. Ab sofort, auch auf informelle Weise, eine Arbeiterpartei zu gründen, das ist im Interesse all jener, welche
die Absicht haben, die Krise zu benützen, um diese Art von Produktion und Austausch in Frage zu stellen.
Vom kläglichen „eure Krise bezahlen wir nicht“ werden wir übergehen zum Schlachtruf „Unternehmer, wir werden
in der Krise mit euch abrechnen“. Sollte hingegen die notwendige Vereinigung der Arbeiter zur Partei als
neue, zentrale Tatsache anerkannt werden, könnte ein wichtiger Beitrag auch von jenen Mitstreitern kommen, die
selber zwar keine Arbeiter sind, jedoch mühsam aus eigener Erfahrung, aus theoretischer Aneignung dazu gelangt
sind, die Rolle zu begreifen, welche die Arbeiter in der Möglichkeit der Überwindung dieses Systems haben.
Vom Sprechen über die Arbeiterpartei überzugehen zu ihrer Gründung, ist ein sehr schwieriger Sprung.
Nahezu unmöglich, aber die unmöglichen Aufgaben, einmal verwirklicht, können sich als die einzigen erweisen,
die grosse Resultate bringen. Bei INNSE hat die informelle Arbeiterpartei vorgemacht, was eine Arbeitergemeinschaft,
die einig ist und weiss, wohin sie will, zustande bringen kann. Warum nicht in anderen Fabriken die gleiche
organisatorische Praxis versuchen? Kurzum, ist es derart schwierig, an allen Arbeitsplätzen, unter Arbeitern,
sich als Sektion einer noch informellen Partei, die ihren Wegen finden muss, zu verstehen und zu vereinen? Die
Antwort kann nur aus den Betrieben kommen. Zum Zeitpunkt, in dem wir uns gegenseitig bewusst werden, dass
dieses Projekt anfangen kann auf eigenen Füssen zu stehen, können wir mit öffentlichen Versammlungen in den
verschiedenen Industriezentren anfangen und zu neuen Gedankengängen übergehen. Die weltlichen Prediger der
politischen Klein- und Kleinstgruppen, die sich an die Lohnabhängingen richten, werden diesen Vorschlag
hinlänglich prüfen und sogleich als Sektiererum verwerfen, oder versuchen ihn totzuschweigen. Sie haben jedoch
auf der ganzen Linie versagt: Bei ihren öffentlichen Auftritten langweilen sie die Leute mit den üblichen Litanein
über die Kämpfe, die nie organisiert werden, über die Verallgemeinerungen der Initiativen, die sich in einer privaten
Vereinbarung zwischen zwei oder drei Individuen erschöpfen, über die Hirngespinste grosser Bewegungen,
die sich nie bewegen, über ihre unklaren Ziele. Nun, wenn es den fortgeschrittensten Arbeitern nicht gelingt, mit
diesen Leuten abzurechnen, dann wird es sehr schwierig in Richtung einer Arbeiterpartei zu gehen. Aber auch von
dieser Seite her hilft uns die Krise: Der Zusammenprall zwischen Arbeitern und Unternehmern wird immer heftiger,
und für manches Geschwätz über eine linke politische Verwaltung des reformierten Kapitalismus ist die Zeit
abgelaufen.
Diese Anmerkungen sind von einigen Arbeitern der INNSE diskutiert und überarbeitet worden. Es sind
dieselben, die den langen Kampf angeführt haben und sich dabei die Anerkennung ganz vieler, die sie dabei unterstützten,
erworben haben. Was wir verlangen, zum Besseren oder zum Schlechteren, ist eine Antwort auf die
Fragen, die wir gestellt haben. Besser als Schweigen und Gleichgültigkeit... Es ist unsere Absicht, allen zu
antworten. Falls Zustimmungen zum Projekt kommen werden, werden wir raschmöglichst, noch vor den
Sommerferien, eine öffentliche Versammlung organisieren, um uns zu treffen und die nächsten Schritte
festzulegen. Auf der Tagesordnung wird nicht das abgenützte Verlangen zur Koordinierung der Kämpfe stehen;
wie aus der Krise herauszukommen ohne den Mut zu haben, über den Kapitalismus hinauszuschauen; zu retten,
was zu retten ist. Das Thema wird schlicht und einfach die Organisierung der Arbeiter zur Partei sein;
festzustellen, in welchen Betrieben es möglich ist oder bereits begonnen hat; wir werden darüber diskutieren, wie
ihre Tätigkeit zusammengefasst werden kann. Das kann tatsächlich zur poltischen Wende führen, zu der uns die
grosse Krise gezwungen hat. Das wäre ein Resultat von geschichtlicher Bedeutung. Es liegt an uns!


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Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
21. Juni 2010, 17:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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