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8. März 1979 im Iran

 
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8. März 1979 im Iran
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
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Beitrag 8. März 1979 im Iran Antworten mit Zitat
Am Vorabend des 8. März 1979 im Iran, als die „Islamische Republik“ noch nicht proklamiert war, forderte der islamistische Kontrarevolutionär Chomeini die Frauen des Irans auf künftig am Arbeitsplatz ihr Haar mit dem Hijab zu bedecken. Am darauf folgenden Tag strömten zehntausende Frauen auf die Straßen Teherans, die Wenigsten von ihnen verborgten auch nur ein einziges Haar, und riefen Parolen für das Selbstbestimmungsrecht der Frau und gegen den herauf brechenden Tugendterrorismus. Immer wieder griffen Getreue Chomeinis Demonstrantinnen an, mindestens zwei Dutzend Frauen - als „Huren“ beschimpft - erlitten schwere Schnittwunden und Knochenbrüche. Am 1. April wurde dann die „Islamische Republik“ ausgerufen und der Tugendterrorismus zum Herrschaftssystem. Die islamistischen Schlägerbanden „zur Wiederherstellung der Moral“ wollten eben "bloß" den Frauen „die nationale Würde wiedergeben“ („Der Spiegel“ Nr. 12/1979, S. 138). Und da konnten die Nationalbolschewisten, die zu jener Zeit noch an den Lippen der Regime in Moskau, Tirana oder Peking klebten, nur schwer widersprechen, schließlich ging und geht es auch ihnen stets um die imaginäre Gemeinschaft, das „Volk“ und den „antiimperialistischen Volkskrieg“. So kam es, dass den wütenden Frauen des 8. März 1979 etwa von der moskauhörigen Tudeh-Partei die Solidarität weitgehend verweigert worden ist. Peyman Javaher-Haghighi zitiert in „Iran, Mythos und Realität (Unrast-Verlag, 2008, S. 30) eine Genossin aus dem Politbüro der Tudeh-Partei, die sich nicht blöd genug gewesen ist, Chomeinis vermeintliche „Verehrung“ für die Frauen zu rühmen. Hijabzwang sei eben nur ein Nebenwiderspruch gewesen, die gemeinschaftliche Bande mit Chomeini gegen den Imperialismus und die „eigene“ Kompradoren-Bourgeoise hatte Vorrang. Die Tudeh-Partei hat den „antiimperialistischen Charakter“ des Regimes im Übrigen auch dann noch verteidigt, als ihre Kader in den Gefängnissen gefoltert und exekutiert worden sind. Kommunisten, die es besser wussten, wurden dagegen von der Tudeh als „kontrarevolutionär“ denunziert.

Die Zeiten wiederholen sich: „Linksruck"/"Marx21" demonstriert mit Milli Görüş für islamische Tugenden (siehe etwa „Tagesspiegel“, 18. Januar 2004) und belegt die vermeintlich vorherrschende Islamophobie mit Äußerungen von Ali Kızılkaya, Vorsitzender des „Islamrats“ und Milli Görüş-Kader („Linksruck“, Nr. 204/Juli 2005). Die strammen Antiimperialisten der „Intifada“ (die Agitprop-Zeitung der „Antiimperialistischen Koordination“) beschwören anhaltend ein vermeintlich „antiimperialistisches Moment“ der islamistischen Erweckungsbewegungen und nennen hierbei explizit das syrisch-iranische Joint Venture, die im Libanon agierende „Partei Gottes“, und den „Palästinensischen Islamischen Jihad“, der aus dem Qutub-Flügel der ägyptischen Muslimbruderschaft hervorgegangen ist und nun dessen Ideologie mit der Revolutionsstrategie Chomeinis vermengt, nicht bloß "antiimperialistisch", sondern auch „sozial fortschrittlich“ seien jene beiden Gruppierungen („Intifada“ Nr. 43/2007). Die Duisburger „Initiativ e.V.“, die mit der „Antiimperialistischen Koordination“ verästelt ist und eine Plattform in der „jungen Welt“ gefunden hat, kooperiert eng mit dem eingetragenen Verein „Human Dignity and Rights“, der dem reaktionärsten Flügel der Milli Görüş-Bewegung angehörig ist und keine Schwierigkeit hat den Inhalt eines antiisraelischen Flugblattes vollständig dem Geschmiere der deutschnationalen „National Zeitung“ zu entnehmen (Vgl. „Graswurzelrevolution“, Nr. 293/November 2004). Zusammen mit der „KPD/ML“, „Young Struggle“, der Jugendorganisation der MLKP, und anderen Nationalbolschewisten und Volkskriegern initiierten die „Initiative e.V.“ und die islamistischen Menschenrechtler die „Stoppt die Hetze"-Kampagne, neben Klaus von Raussendorf, Herausgeber der „Antiimperialistischen Korrespondenz“ und Propagandist der nationalistischen Versöhnung zwischen Kommunisten und ihren ba`thistischen und nasseristischen Mördern (siehe seine Webseite aikor.de), referierte Murat Yılmaztürk, Vorsitzender der „Human Dignity and Rights“ auf ihrer Konferenz am 14. Dezember 2008.

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
13. März 2009, 16:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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