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Endlich, der Aufschwung!

 
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Endlich, der Aufschwung!
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O.B.M.F



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Beitrag Endlich, der Aufschwung! Antworten mit Zitat
Neue Phase der Krise, neuer Thread.


Auch wenn es im anderen schon drin ist. Hier das neue Wildcat-Editorial:

http://www.wildcat-www.de/wildcat/85/w85_edi.htm


Zuletzt bearbeitet von O.B.M.F am 25. September 2009, 13:40, insgesamt einmal bearbeitet
25. September 2009, 13:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Und weiter das:

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/08/deutsches-bip-rezession-beendet.html
25. September 2009, 13:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Sollen hier jetzt alle News, die mit der Krise was zu tun haben rein oder einfach die vom "Aufschwung" handeln?
25. September 2009, 17:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Hmmhhh... keine Ahnung. Mir wäre es lieber, die Texte ein bisschen zu sortieren. Sagen wir, hier geht es um die Grosswetterlage auf ökonomisch.

In einem anderen Thread, wäre die Lage der Klasse und ihr (Nicht-)Verhalten drin.

Sofern sich das eben trennen lässt. Findest du das ok?
25. September 2009, 17:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Beitrag Antworten mit Zitat
O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Hmmhhh... keine Ahnung. Mir wäre es lieber, die Texte ein bisschen zu sortieren. Sagen wir, hier geht es um die Grosswetterlage auf ökonomisch.

In einem anderen Thread, wäre die Lage der Klasse und ihr (Nicht-)Verhalten drin.

Sofern sich das eben trennen lässt. Findest du das ok?


Ist mir auch durch den Kopf, find ich gut. Im anderen Thread ist schon ein wenig "Chruut und Rüebli durenand" wie Toni Brunner sagen würde. Dann mach ich mal einen neuen Thread zu Klasse(nkampf) und Krise auf.

By the way: Ich lese gerade die Beilage der neuen Wildcat. Sehr, sehr empfehlenswert!
25. September 2009, 17:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Melnitz hat Folgendes geschrieben:
By the way: Ich lese gerade die Beilage der neuen Wildcat. Sehr, sehr empfehlenswert!


Nicht nur die Beilage. Die gesamte Wildcat finde ich seit den letzten paar Nummern wieder recht viel besser.
26. September 2009, 01:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
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Hab noch nichts gekriegt, wann ist die gekommen?

_________________

Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!
27. September 2009, 20:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Am Freitag. Aber ich hab sie auch schon erst ein paar Tage nach den anderen bekommen.
27. September 2009, 21:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Bei mir fehlen Seiten im Heft. Ist das bei euch auch so? Oder habe ich einfach Pech? ;)
28. September 2009, 06:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ibrahim al Assy



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du hast pech..
28. September 2009, 16:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
O.B.M.F



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Ja, Pech.
28. September 2009, 16:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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musst ne neue per mail anfordern. bei mir haben sie immer sehr korrekt reagiert und mir ne neue geschickt.

_________________
"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
28. September 2009, 18:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Nach der Krise ist vor der Krise

Während die Europäische Union das Ende der Rezession verkündet und für die unmittelbare Zukunft sogar Wachstumsprognosen wagt, sind die meisten Mitgliedsstaaten, insbesondere in Osteuropa, noch mit den schweren Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise beschäftigt.
30. September 2009, 00:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Merkwürdige Fragen

Die russische Regierung preist ihren Umgang mit der Krise. Viele Arbeiter warten unterdessen vergeblich auf die Auszahlung ihres Lohns.
30. September 2009, 00:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/iwf_waehrungsfonds_finanzkrise_1.3727378.html
"In seinem am Mittwoch veröffentlichten Halbjahresbericht zur Stabilität an den Weltfinanzmärkten schreibt der IWF, die staatlichen Rettungspakete für Banken, die Konjunkturpakete und die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hätten die Risiken in der Weltwirtschaft begrenzen können. Zudem seien die Preise von Ramschpapieren wieder gestiegen.
...
Weitere Billionen-Abschreiber drohen

Bei den Banken habe die Krise bis Mitte dieses Jahres 1,3 Billionen Dollar Abschreibungen auf Krediten und Wertpapieren nötig gemacht. Allerdings schätzt der IWF, dass darüber hinaus bis Ende 2010 noch einmal 1,5 Billionen Dollar an Abschreibungen schlummern."

Zudem seien die Preise von Ramschpapieren wieder gestiegen--> wie bitte erklaeren sich das die buergerlichen oekonomen, bzw. ziehen sie daraus gar keine schluesse?
30. September 2009, 10:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
wie bitte erklaeren sich das die buergerlichen oekonomen, bzw. ziehen sie daraus gar keine schluesse?


Hm, ich denke deine Frage dreht sich um das hier:
Zitat:
yron Scholes, der »Vater der Finanzderivate«, der 1997 einen Wirtschaftsnobelpreis für seine Erfindung des Optionen-Modells erhalten hat5, erklärte, die globale Spekulation sei seit der Krise außer Kontrolle geraten. Die zuständigen Behörden müssten den Handel mit Derivaten und Credit Default Swaps »auffliegen« lassen und den Handel mit außerbörslichen Derivaten (OTC-Handel) einstellen.

Aber solche Debatten, die im Stil von Attac einen »anderen Kapitalismus« wollen, oder die »aggressive Regulierung«6 des bestehenden fordern, kommen mindestens ein Jahr zu spät. Die grundlegende Strategie wurde mit der Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac am 7. und 8. September und direkt in den Tagen nach der Pleite von Lehman Brothers am 15. September durchgedrückt. Die beiden Hypothekenversicherer waren auf massiven Druck Chinas gerettet worden, um »Chimerica« zu retten.7 Der Schock der Lehman-Pleite wurde vom damaligen Finanzminister Paulson und Ben Bernanke genutzt, um innerhalb weniger Tage den Public Private Investment Funds zu installieren, einen riesigen staatsgestützten Hedge Fonds, sowie im Kongress TARP (Troubled Assets Relief Program) durchzupeitschen.

Damit waren die Würfel gefallen: absolute Priorität für die Rettung des Bankensystems, keinerlei Debatte oder »demokratische Kontrolle« über die Gelder, die so kanalisiert wurden, dass sie nicht den »Endverbrauchern« zugute kamen. Seither sind auch Überlegungen über Reform, Ändern der politischen Richtung usw. obsolet. Karl Heinz Roth [siehe den Artikel in Wildcat 85], der zunächst auf eine »Dialektik Reform/Revolution« gesetzt hatte, spricht das nun im Gespräch in der neuen Wildcat klar aus.

aus dem Editorial der neuen Wildcat

Also, warum wurde durch das installieren dieses Public Private Investment Funds der weitere Verlauf festgelegt (Damit waren die Würfel gefallen)?
Zitat:
Seither sind auch Überlegungen über Reform, Ändern der politischen Richtung usw. obsolet.
Also an jene gerichtet die die neue Wildcat schon haben, wie begründet dies Karl Heinz-Roth?

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
30. September 2009, 12:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Käptn Kiff



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mal ganz ohne wildcat zu haben (sniff) aus den zitierten stellen:

der meint wohl dass die entscheidung (da oben im parlamentarischen himmel) gefällt wurde dass man die banken "rettet", also deren schrott zeitweilig aufkauft bis er wieder was wert ist und die nicht bankrott gehen lässt oder ABS/CDO verbietet oder son spass. was er sich anderes erwartet hätte (»demokratische Kontrolle« über die Gelder - hä? sind sie doch ;D) .. keine Ahnung. ob er mit den politischen überlegungen sich selbst meint oder die herrschenden ist mir auch nicht ganz klar (ich gehe mal davon aus dass er die herrschenden meint), allerdings würde das ja fast noch die demokratische kontrolle toppen von wegen idealismus wenn der meint eine wirtschaftskrise lasse die bourgeoisie an ihrem "wirtschaftskonzept" (lol!) zweifeln.

_________________
argumentum ad baculum
30. September 2009, 13:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Es wird ja immer besser, zum Glück hatten wir diese Krise!

Währungsfonds sieht Weltwirtschaft rosiger

Auch Prognosen für die Schweiz deutlich nach oben korrigiert

Die Weltwirtschaft erholt sich schneller als erwartet von ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Der Internationale Währungsfonds beurteilt die Entwicklung der globalen Wirtschaft sowie die Konjunktur in der Schweiz viel zuversichtlicher als noch vor einigen Monaten.
01. Oktober 2009, 10:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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leider wird das wort "aufschwung" nun wohl doch nicht zum wort des jahres gekuert...
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/ueberraschend_schlechte_us-arbeitsmarktzahlen_1.3765286.html
http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schwache-erholung-usa-verlieren-hunderttausende-jobs/50018319.html
trotz all der verlschleierung durch die statistik: "Arbeitslosenquote kletterte von 9,7 auf 9,8 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 1983."

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:us-boersen-arbeitslosigkeit-schuettelt-wall-street-durch/50018415.html

und mit dem aufschwung laeufts bisweilen auch ein wenig harzig...
http://www.ftd.de/politik/international/:beschaeftigungsquote-arbeitslosigkeit-in-der-eurozone-auf-zehnjahreshoch/50017831.html
02. Oktober 2009, 15:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/clariant_stellenabbau_800_stellen_40_stellen_schweiz_1.3853858.html
12. Oktober 2009, 19:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/beschaeftigungsprogramm_arbeitslose_sozialhilfe_1.3854511.html
12. Oktober 2009, 20:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/tiefe_rezessionsspuren_im_us-haushalt_1.3862149.html

zieht euch die grafik rein!
nach der nzz hat die bisherige krise schon weit
mehr gekostet als der ganze zweite weltkrieg. die
daten wurden wertmässig - wenn man da überhaupt
kann - schon gereignigt. so hat z.b der wiederaufbau
europas (marshallplan) die usa etwa 13 milliarden ge-
kostet, ist aber in der grafik mit 115 milliarden ausge-
wiesen...
14. Oktober 2009, 08:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Interview mit Immanuel Wallerstein auf Russia Today zur Krise und zur weiteren Entwicklung:


23. Oktober 2009, 11:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
lazlo wanda hat Folgendes geschrieben:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/tiefe_rezessionsspuren_im_us-haushalt_1.3862149.html

zieht euch die grafik rein!
nach der nzz hat die bisherige krise schon weit
mehr gekostet als der ganze zweite weltkrieg. die
daten wurden wertmässig - wenn man da überhaupt
kann - schon gereignigt. so hat z.b der wiederaufbau
europas (marshallplan) die usa etwa 13 milliarden ge-
kostet, ist aber in der grafik mit 115 milliarden ausge-
wiesen...


hm, wie verhält sich das mit dem krassen bevölkerungsanstieg? die heutigen kapitale sind ja auch deulich höher (und mehr) als früher durch die weitere subsumtion?

_________________
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23. Oktober 2009, 18:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
lazlo wanda



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Das Gröbste der wirtschaftlichen Krise steht dem Markt noch bevor

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/keine_entwarnung_im_schweizer_bau-_und_immobilienmarkt_1.3933195.html
27. Oktober 2009, 21:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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wer sich wirklich was total grausliches reinziehen will: doppelpunkt
auf drs 1 heute abend!
es geht um die erhoehung des rentenalters auf 70. da kommt einem
echt das kotzen!

http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/top/doppelpunkt/2634.sh10104456.html

kotz
27. Oktober 2009, 21:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Ein interessanter Vergleich der Krisen von heute und 1929ff.

http://www.jungewelt.de/2009/10-28/042.php
28. Oktober 2009, 12:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
Aus der angekündigten Radikalreform ist wenig geworden

Schöne und sicher bei vielen Amerikanern populäre Ideen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie so auch wahr werden, ist gering.

Denn die Finanzbranche stemmt sich den Reformplänen der US-Regierung, die die Wall Street ja erst kürzlich mit massiven Geldinfusionen vor dem Kollaps bewahrt hatte, mit aller Kraft entgegen. Schon jetzt haben die Banken dieses Jahr fast 286 Millionen Dollar für Lobbyarbeit ausgegeben, um lästige Gesetze zu verhindern, zu verwässern oder aufzuschieben - allen voran Eingriffe in ihr lukratives Kredit- und Risikogeschäft, das Geithner am Donnerstag erneut anprangerte.

Mit Erfolg: Aus der Radikalreform der Finanzbranche, die Präsident Barack Obama im Juni mit großem Trara angekündigt hatte, ist bisher wenig geworden. Die Bildung einer staatlichen Verbraucherschutzbehörde zum Beispiel, einer der Kernpunkte, quält sich durch die legislativen Instanzen. Wichtige Details des ursprünglichen Maßnahmenpakets wurden im Kompromissgerangel längst gestrichen. Etwa die Vorschrift, dass Banken transparenter werden und ihren Kunden stets faire, verständliche Kreditkonditionen anbieten müssten.

Auch die von Obama angekündigten Auflagen für riskante Spekulationsvehikel wie Derivate, die mit zum Crash von 2008 beigetragen hatten, lassen auf sich warten. Auch hier haben die Banken es im Verbund mit den Republikanern im Kongress geschafft, einen ersten Gesetzesentwurf abzumildern.

Die groteske Situation leugnet auch der Demokrat Barney Frank nicht, der Vorsitzende des Finanzausschusses, durch den die meisten dieser Vorlagen laufen: "Es ist nicht immer attraktiv, dabei zuzuschauen, wie Würste gemacht werden - und wie Gesetze gemacht werden", sagte er kürzlich, in Anspielung auf einen alten Spruch Otto von Bismarcks.

Verbraucheranwalt Ed Mierzwinski, der dabei die meist unterlegene Seite vertritt, formuliert es in seinem Blog so: "Wir sind wie Luke Skywalker, und sie sind wie das Imperium."

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,658139,00.html

_________________
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29. Oktober 2009, 19:31 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
lazlo wanda



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Höchste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone seit 1999
Über 22 Millionen Erwerbslose in der gesamten EU


http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/eu-arbeitsmarkt_1.3947229.html
30. Oktober 2009, 16:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Jetzt wird wieder über den ehöhten Absatz in der Automobilbranche gejubelt. Die Absatz-
steigerung wird aus dem Vergleich zum Monat des Vorjahres berechnet. Oktober 2008?
Was war da nochmals? Grösster Rückgang ever, historisches Tief...??
Leute, das Gedächtnis...

Jubel
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/wieder_mehr_absatz_von_neuwagen_in_den_usa_1.3967403.html

Zur Erinnerung
http://www.autobild.de/artikel/us-absatz-oktober-2008_802917.html
03. November 2009, 23:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Robert Kurz' neuester Text:

Zitat:

erschienen im Neuen Deutschland
am 30.10.2009

Robert Kurz

INVESTITIONSSTAU

Das Prinzip Hoffnung regiert nicht nur in Berlin. Der größte Einbruch der Weltwirtschaft in der Nachkriegsgeschichte soll auch der kürzeste gewesen sein. Als Licht am Ende des Tunnels gelten positive Zahlen im Promillebereich für das Sommerquartal, die schon wieder hochgerechnet werden. Zwar bleibt im laufenden Jahr unterm Strich hierzulande ein Absturz des Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent. Aber der scharfe Rückgang des Wachstums, so heißt es, sei jetzt zum Stehen gekommen. Für 2010 erwarten die deutschen Wirtschaftsinstitute wieder ein Gesamtwachstum von 1 Prozent. Allerdings wäre das auf der neuen, tieferen Ausgangsbasis nur eine stagnative Entwicklung, noch dazu belastet von faulen Bank- und Unternehmensbilanzen sowie explodierenden Staatsschulden. Wenn der berühmte selbsttragende Aufschwung längerfristig aus der Stagnation mit drohenden Rückschlägen herausführen soll, gibt es dafür einen zentralen Indikator, nämlich das steigende Investitionsvolumen. Davon ist bis jetzt wenig die Rede.

Bekanntlich wurde der Absturz zunächst durch staatliche Konjunkturprogramme aufgefangen. Ein erheblicher Teil davon floss in die Stimulation des Konsums, wofür zentral die inzwischen in der BRD und in den USA ausgelaufene Abwrackprämie steht. Staatliche Investitionen im Zuge der Konjunkturprogramme gehen in den Ausbau der Infrastrukturen (Straßen, Schulhausrenovierung etc.). Das hilft zwar der Bauindustrie und Teilen des Handwerks. Aber zusätzliche Investitionen in diesem Sektor sind kaum zu erwarten. Dafür ist das Volumen der Konjunkturprogramme zu klein, das leicht mit den während des Immobilienbooms und der vergangenen Defizitkonjunkturen aufgebauten Kapazitäten bedient werden kann. Gesamtwirtschaftlich handelt es sich bei der Mobilisierung dieser Kapazitäten überdies um Staatskonsum, der nicht aus laufenden Einnahmen gedeckt ist, sondern eben auf zusätzlichen Schulden beruht, die mittelfristig die Konjunktur eher belasten.

Es hängt also alles davon ab, ob ein autonomer Investitionsschub bei den Konzernen und auf breiterer Front bei den mittelständischen Unternehmen einsetzt. Dort beruhen die verbesserten Quartalszahlen bis jetzt allein auf Sparmaßnahmen (Kurzarbeit, Lohnsenkung, Beschäftigungsabbau), während die Umsätze in den meisten Sparten immer noch zurückgehen. Die Exporte sind in den zentralen Weltregionen um 20 Prozent gefallen. Davon betroffen sind die Grundstoffindustrien (Stahl) ebenso wie die Investitionsgüterindustrien (Maschinenbau), die Konsumindustrien (Autos) und nicht zuletzt die Transportindustrien (Bahn, LKW-Speditionen und vor allem Containerschiffe). Bei dem prognostizierten Wachstum im 1-Prozent-Bereich für die kommenden beiden Jahre bestehen also weiter gewaltige industrielle Überkapazitäten. Das gilt auch für die ganze Palette der Zulieferbetriebe und der industriellen Dienstleistungen.

Ein Wachstum, das nur auf stimuliertem Konsum beruht, ist nicht selbsttragend. Auf größere Frist schiebt primär nicht der Konsum die Investitionen an, sondern die Investitionskonjunktur den Konsum. Allein daraus kann genügend Kaufkraft im Kapitalkreislauf entstehen. Angesichts der Überkapazitäten ist aber eher mit einem Investitionsstau zu rechnen. Die von der Niedrigzinspolitik der Notenbanken getriebene Liquidität fließt nicht in reale Investitionen, sondern in die Aktienmärkte, die mit ihrem zwischenzeitlichen Höhenflug einen illusorischen Aufschwung vorwegnehmen. Der Investitionsstau ist der blinde Fleck im derzeitigen Hoffnungsdiskurs, der mit einem bösen Erwachen enden könnte.

04. November 2009, 03:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Ach ja übrigens und by the way:

Vier Prozent Arbeitslose in der Schweiz

Erwerbslosigkeit so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr
06. November 2009, 09:10 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/usa_arbeitslosigkeit_quote_10_prozent_1.3980840.html

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Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
07. November 2009, 01:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Kommt der nächste Krach?
09. November 2009, 13:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Kommt der nächste Krach?


jep, da kommt er

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/boersen_und_maerkte/technische_probleme_legen_schweizer_boerse_lahm_1.4009115.html elvis

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12. November 2009, 17:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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lazlo wanda hat Folgendes geschrieben:
O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Kommt der nächste Krach?


jep, da kommt er

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/boersen_und_maerkte/technische_probleme_legen_schweizer_boerse_lahm_1.4009115.html elvis


und wer war schuld??

http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/papst_internet_1.4009087.html

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12. November 2009, 17:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Zitat:
Die letzte Spekulationsblase

Analyse. Staatliche Konjunkturprogramme entwickeln nicht die nötige Kraft für eine Produktivitätssteigerung. Die Banken lenken den Geldfluß bloß in die Börsen

Von Tomasz Konicz

Der Aufschwung ist da! Die größte Weltwirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte konnte nach Ansicht des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, bereits Anfang Oktober überwunden werden. »Die Weltwirtschaft hat die Wende geschafft«, erklärte Strauss-Kahn am 2. Oktober bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Istanbul. In diesem Jahr werde nach Einschätzung des Währungsfonds die Weltwirtschaft noch um 1,1 Prozent schrumpfen, doch die Wachstumsprognosen für 2010 erhöhte der IWF bereits von 2,5 Prozent auf 3,1 Prozent.

Dennoch mußte auch der Währungsfond-Chef zugeben, daß der Kapitalismus sich zusehends zu einer äußerst exklusiven Angelegenheit entwickelt. Es bestünden weiterhin »Abwärtsrisiken« für die weltweite Wirtschaftserholung, insbesondere der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei »besorgniserregend«. Diese werde nach Einschätzung des IWF-Direktors trotz einsetzenden »Aufschwungs« noch die nächsten »zehn bis zwölf Monate« global steigen. Folglich müßten die »konjunkturstützenden Maßnahmen« fortgeführt werden, um die Erholung nicht zu gefährden. Diese sei hauptsächlich auf die staatlichen Stützungsmaßnahmen zurückzuführen, betonte Strauss-Kahn. Da die private Nachfrage zu schwach sei, müsse die öffentliche dies ausgleichen.

Konjunktur auf Pump

In der Tat waren es vor allem die staatlichen Konjunkturpakete, die einen regelrechten Absturz der Weltwirtschaft in diesem Jahr verhindern konnten. Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) beliefen sich die diesbezüglichen staatlichen Aufwendungen zur Stützung der stotternden kapitalistischen Verwertungsmaschinerie auf zirka drei Billionen US-Dollar, was in etwa 4,7 Prozent des Welteinkommens entspricht. Mit Konjunkturmaßnahmen in Höhe von 972 Milliarden US-Dollar sind allein die Vereinigten Staaten für 35 Prozent dieser globalen Gesamtausgaben verantwortlich, die immerhin 7,1 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. In Relation zur eigenen Wirtschaftsleistung werden diese Aufwendungen aber von dem chinesischen Konjunkturpaket weit in den Schatten gestellt. Die 586 Milliarden US-Dollar, die Peking insgesamt zur Stützung der Wirtschaft aufwendet, entsprechen sage und schreibe 14 Prozent des chinesischen BIP – und tragen maßgeblich zu dessen weiterem rasanten Anstieg bei. China ist somit für 20 Prozent der globalen staatlichen Konjunkturausgaben verantwortlich. Die wirtschaftlichen Stimulierungsmaßnahmen der EU und Japans erreichen hingegen noch einen Anteil von jeweils zirka 15 Prozent an den weltweiten staatlichen Konjunkturausgaben.

Angesichts dieser teilweise gigantischen Aufwendungen scheint ein Wirtschaftswachstum, wie es beispielsweise in Japan oder den USA im vergangenen Quartal realisiert wurde, doch äußerst bescheiden. Für die Vereinigten Staaten wird ein Wachstum im dritten Quartal von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum prognostiziert, in Japan legte bereits im zweiten Quartal das BIP um 0,9 Prozent zu. Selbst das rasante Wachstum Chinas von 8,9 Prozent im dritten Quartal 2009 relativiert sich unter Berücksichtigung dieser enormen – 14 Prozent des BIP umfassenden! – Konjunkturspritze.

Es dürfte klar sein, daß langfristig solch eine staatlich betriebene Defizitkonjunktur nicht aufrecht erhalten werden kann, da sie die betreffenden Staaten unweigerlich in den Bankrott treiben würde. Der IWF warnte beispielsweise bereits, daß Japans Staatsverschuldung im kommenden Jahr schwindelerregende 227 Prozent des BIP dieser zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt umfassen wird. Noch in diesem Jahr soll die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten Prognosen zufolge auf beinahe 13 Billionen US-Dollar ansteigen und somit nahezu 90 Prozent des BIP betragen. Allein im vergangenen Haushaltsjahr 2008/2009 konnte Washington ein Haushaltsdefizit von rund 1,4 Billionen US-Dollar anhäufen. Dieser US-Schuldenrekord bedrohe die Weltwirtschaft, titelte die Financial Times Deutschland Anfang Oktober. »Die Schuldenkrise«, zitierte das Blatt den Wirtschaftsprofessor John Taylor, »stellt ein größeres Risiko für das Wirtschaftssystem dar als die Finanzkrise«. Dem Stanford-Ökonomen entgeht offensichtlich die simple Tatsache, daß die sich zuspitzende Schuldenkrise nichts weiter als eine Folge der als »Finanzkrise« mißverstandenen Weltwirtschaftskrise ist.

Die große Geldflut

Ben Bernanke, derzeitiger Chef der US-Notenbank Fed, erhielt seinen Spitznamen »Helikopter-Ben« nach einer Vorlesung im Jahr 2002, während der er scherzhaft erklärte, notfalls Geld auch aus Hubschraubern abzuwerfen und so unter das Volk zu bringen, um einer drohenden Rezession und Deflation entgegenzuwirken. Die derzeitige expansive Geldpolitik der USA ist tatsächlich von diesem Szenario nicht weit entfernt. Neben den umfangreichen Konjunkturhilfen bildet eine regelrechte Geldflut, die sich vor allem aus den US-amerikanischen und chinesischen Notenbanken ergießt, eine weitere wichtige Triebkraft des derzeitigen Pseudoaufschwungs.

Insbesondere die US-Notenbank hat eine gewaltige Geldmenge in die Wirtschaft gepumpt. Die monetäre Basis – also das auch als Geldmenge »M 0« bezeichnete, von der Zentralbank in Umlauf gebrachte Geld – ist in den USA im Jahr 2008 um 75 Prozent gestiegen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, daß 2008 der US-Leitzins noch zwischen vier und zwei Prozent lag. Erst im Dezember 2008 schaffte die Fed den Leitzins de facto ab, indem sie ihn auf 0,13 Prozent senkte. Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Laffer Associates geht davon aus, daß die Geldmenge »M 0« folglich in diesem Jahr sogar um über 100 Prozent wachsen könne (siehe jW vom 24.11.2009, S. 9). Dies stellt historisch einen einmaligen Vorgang dar, weil selbst während der Inflationsperiode in den 70er Jahren die monetäre Basis der Vereinigten Staaten nie um mehr als 18 Prozent gestiegen war. Dieser Liquiditätsschub spiegelt sich auch im realen Bargeldumlauf (der Geldmenge »M 1«) wider, die – wohlgemerkt in der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte – um 16 bis 18 Prozent innerhalb des letzten Jahres anschwellte. Wiederum sei hier darauf hingewiesen, daß selbst in 70er Jahren die Geldmenge »M 1« niemals um mehr als zehn Prozent binnen eines Jahres anwuchs.

In China scheint die expansive Geldpolitik auf den ersten Blick regelrecht exzessive Ausmaße erreicht zu haben, doch gilt es zu bedenken, daß die Volksrepublik immerhin noch ein stattliches Wachstum von nahezu neun Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres verbuchen konnte. Dennoch steht ein Anschwellen der Geldmenge »M 1« um zeitweise bis zu 30 Prozent in diesem Jahr in keinerlei Verhältnis zu diesem Wirtschaftswachstum. In den vier Boomjahren bis Ende 2008, als China zumeist zweistellige Zuwachsraten beim Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte, pendelte das Geldmengenwachstum nur zwischen 14 und 18 Prozent. Anders aber als in den USA legt im Reich der Mitte mit der Geldmenge auch die Kreditvergabe rasant zu. Allein im ersten Halbjahr 2009 vergaben die chinesischen Banken Kredite in Höhe von umgerechnet 736 Milliarden Euro – dies ist eine Verdreifachung des Kreditvolumens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum! Da der chinesische Staat immer noch großen Einfluß auf die Kreditpolitik der Finanzinstitute hat, kann er die Kreditvergabe lenken und muß nicht unbedingt die Leitzinsen radikal senken. In China bildet sich somit eine klassische Defizitkonjunktur aus, bei der ausartende Verschuldung die Nachfrage stimuliert und die Konjunktur belebt. Genau dies Phänomen charakterisierte die Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten vor dem Platzen der Immobilienblase.

Diese expansive Geldpolitik mitsamt enormen Konjunkturprogrammen wirken nicht nur in China als die wichtigsten Triebkräfte des derzeitigen Aufschwungs. Auch die europäische Zentralbank hat den Leitzins von mehr als vier Prozent auf nur noch ein Prozent im Rahmen der Krisenbekämpfung gesenkt. In Großbritannien beträgt der Leitzins inzwischen sogar lediglich 0,5 Prozent. Neben der rasant ansteigenden Staatsverschuldung, die inzwischen eine kaum noch aufrechtzuerhaltende Dynamik erreicht hat, wirkt mittelfristig auch diese expansive Geldpolitik destabilisierend auf das gesamte kapitalistische Weltsystem – bis hin zu einer durchaus möglichen Hyperinflation.

Staat verhindert Platzen …

Doch vorerst wirkt diese Geldflut wie eine Droge, die eine letzte, rauschende Spekulationsparty auf den Weltfinanzmärkten befördert. Das Grundprinzip hierbei ist relativ einfach: Sobald die Notenbanken nur genügend Geld ins System hineinpumpen, steigt irgendwo eine Spekulationsblase auf. Das Geldmengenwachstum »zwinge Investoren geradezu in den Aktienmarkt«, da sicheren Geld­anlagen eine Entwertung drohe, kommentierte der Gründer des Marktforschungsunternehmens Sentix gegenüber dem ARD-Börsenmagazin die weltweit steigenden Aktienkurse. Dies ist auch ein Grund, weshalb es derzeit überhandnehmenden inflationären Tendenzen in der Realwirtschaft gibt – es findet schlicht eine Inflation der Wertpapierpreise auf den Börsen statt.

Die staatlichen Konjunkturprogramme mitsamt der expansiven Geldpolitik dienen vor allem dazu, die bereits seit Dekaden sich immer stärker ausprägende Defizit- und Spekulationskonjunktur in Staatsregie fortzuführen. Man könnte von einer Verstaatlichung der vormals durch private Verschuldung angefeuerten Defizitkonjunktur sprechen. Mit der seit der Jahrhundertwende etablierten globalen »Blasenökonomie« wird nach der Asienkrise (1997/98), der Dot-Com-Blase (2001) und der Immobilienbonanza (2007) mit der jüngsten Aktienrallye ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Doch es kann bereits jetzt als gesichert festgestellt werden, daß die »positiven«, konjunkturbelebenden Momente der derzeitigen Blasenbildung bei weitem nicht so ausgeprägt sein werden wie bei der zuletzt geplatzten Immobilienblase in den USA.

Der ehemals bei der US-Investmentbank Morgan Stanley als Ökonom tätige Analyst Andy Xie spricht in diesem Zusammenhang von einer globalen »Liquiditätsblase«, die ja aufgrund der expansiven Geldpolitik der Notenbanken im Steigen begriffen ist. Eine solche auf exzessiver Liquidität basierende Blase kann aber laut Xie nicht lange aufrechterhalten werden, da ihre »Multiplikatoreffekte auf die Gesamtökonomie begrenzt« seien. Die Wachstumsphase einer spekulativen Blase hängt demnach von ihrer Fähigkeit ab, die breite Nachfrage zu stimulieren. Am längsten könnten Xie zufolge Spekulationen mit neuen Technologien und im Immobiliensektor aufrechterhalten werden.

Insbesondere die gesamtökonomischen Auswirkungen der 2007 geplatzten Immobilienblase waren »vielfältig«, da sie Investitionen und Konsum in der realen Wirtschaft stimuliert. Auch die 2000 geplatzte »Technologieblase«, bei der die »Investoren die Auswirkungen einer neuen Technologie auf Unternehmensgewinne überschätzten«, führe vermittels übermäßiger Investitionen in den neuen, betroffenen Industriesektor zu einer ökonomischen Belebung. Bei der sich nun entfaltenden Liquiditätsblase bleibt die stimulierende Wirkung auf die reale Wirtschaft auf den »Wealth Effekt« (Reichtumseffekt) begrenzt, bei dem erfolgreiche Spekulationsteilnehmer während der Boomphase einer Blasenbildung einen Teil ihrer Spekulationsgewinne für Konsumausgaben aufwenden. Solche Blasen platzen sehr schnell, so Xie: »Zudem kann eine pure Liquiditätsblase ohne Unterstützung von seiten der Produktivität sehr schnell zur Inflation führen.«

Es ist somit klar, daß letztlich die expansive Geldpolitik der Notenbanken ein vollkommenes Platzen der jüngsten Immobilienblase verhindert und die gesamte spekulative Dynamik einfach in ein neues Spekulationsfeld überführt hat. Der Weltsystemtheoretiker Immanuel Wallerstein faßte diesen Prozeß in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender RT genial zusammen: »Wir befinden uns immer noch in der Immobilienblase, sie ist noch nicht am Ende.« Die Stimulierungsmaßnahmen der US-Regierung, wie die enorme Kreditaufnahme und das »Drucken« von Geld, hätten einen Zusammenbruch der spekulativen Dynamik verhindert, der noch ausstehe: »Dann wird es einen richtigen Crash geben, wir sahen jetzt nur einen kleineren Einbruch, es wird eine Superdepression geben.« Diese Erschütterung werde mit einem Zusammenbruch des US-Dollar und einer »enormen Zunahme der Arbeitslosigkeit« einhergehen.

Ähnlich wie Georg Fülberth in jW vom 14. April 2009 sieht auch Wallerstein die Ursachen der derzeitigen Krise in der Ära der Stagflation in den 70ern, als eine hohe Inflation mit wirtschaftlicher Stagnation und Massenarbeitslosigkeit einhergingen (vgl. jW-Thema vom 20.1.2009). Das Wachstum des Finanzsektors führte scheinbar aus diesem Dilemma: »Wir haben eine Finanzkrise seit 30 Jahren. Etwa seit den 70ern machen die Leute hauptsächlich ihr Geld im Finanzsektor. (...) Das bedeutet, daß dies durch Spekulation geschieht. Und das wiederum bedeutet, daß die Menschen dazu gebracht werden, sich zu verschulden.« Die derzeitige Blase sei bereits die sechste oder siebte, so Wallerstein.

Die enorm zunehmende private Verschuldung in den letzten Dekaden – hauptsächlich in den USA, aber auch in Großbritannien, Spanien oder Osteuropa – wird also nun durch staatliche Verschuldung und expansive Geldpolitik ersetzt, die als Treibsätze zur Zündung der neuesten Spekulation und Defizitkonjunktur fungieren. Man kann hierbei von einem in Staatsregie durchgeführten »Blasentransfer« sprechen, wie er von der US-Geldpolitik in Reaktion auf das Ende der Spekulation mit Hightech-Aktien 2001 (Dot-Com-Blase) durchgeführt wurde. Damals senkte die Fed massiv die Zinsen – mit dem Resultat, daß durch die so geschaffene Liquidität die Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt erzeugt wurde.

… und initiert eine neue Blase

Die enorme Verstrickung des Staates bei der neuerlichen Blasenbildung, die von den in Agonie übergehenden Finanzmärkten aus eigener Kraft nicht mehr geleistet werden konnte, ist der Grund dafür, daß es sich um die letzte aller Spekulationsblasen handelt, wie Gerald Celente, Direktor des US-amerikanischen Trends Research Institute, im Gespräch mit dem Fernsehsender CNBC erläuterte: »Wir sehen gerade eine Bailout-Blase1, die viel größer als die Dot-Com-Blase und auch die Immobilienblase ist, aus der wir rauszukommen versuchen.« Die Politik habe »12,8 Billionen US-Dollar in der Pipeline, um ein scheiterndes System aufrechtzuerhalten«. Wenn diese Blase platze, »wird man sie nicht erneut inflationieren können, weil die Regierungsintervention so tief reicht«.

Dabei könnte sogar die von Celente genannte Summe nach einer von Neil Barofsky, dem Generalinspekteur des »Troubled Asset Relief Program« (Hilfsprogramm für angeschlagene Vermögenswerte), erstellten Studie sogar noch übertroffen werden. Die theoretische, maximal mögliche staatliche Bruttoexposition der USA, also der höchstmögliche Ausfall, der im Zuge der diversen Krisenbekämpfungsmaßnahmen und Stabilisierungsprogramme erreicht werden kann, beträgt demnach schwindelerregende 23,7 Billionen US-Dollar. So könnte das auf 700 Milliarden US-Dollar veranschlagte Hilfsprogramm zum Aufkauf fauler Kreditverbriefungen sogar auf bis zu drei Billionen Dollar anwachsen. Der US-amerikanische Einlagensicherungsfonds könnte dem Bericht zufolge schlimmstenfalls 2,3 Billionen US-Dollar zum Schutz der Kundeneinlagen insolventer Banken aufwenden. Rund um den zusammengebrochenen Hypotheken- und Immobilienmarkt könnten sogar 7,2 Billionen US-Dollar fällig werden.

Beim Platzen der derzeitigen Liquiditätsblase dürften etliche dieser astronomisch hohen Verpflichtungen, die der US-amerikanische Staat eingegangen ist, tatsächlich fällig werden. Ein in den Staatsbankrott taumelnder Staat wird schlicht nicht mehr in der Lage sein, erneut Unsummen zur Initiierung einer weiteren Spekulationsblase zur Verfügung zu stellen. Spätestens dann wird die derzeit latente Systemkrise des Spätkapitalismus sich mit voller Wucht entfalten. Eine Ahnung davon haben selbst die Finanzakteure, wie Forbes am 23. Oktober berichtete: Die US-amerikanischen Finanzinstitute würden demnach Geld in schwindelerregendem Ausmaß horten, obwohl die Politik diese ausdrücklich ermuntere, die Kreditvergabe zu intensivieren. Diese Rücklagen belaufen sich demnach bereits auf mehr als eine Billion US-Dollar.

Die Banken handeln einfach im Rahmen der kapitalistisch-betriebswirtschaftlichen Binnenlogik, da sie – ungleich ihren chinesischen Konkurrenten – nicht von der Politik zur Kreditvergabe verpflichtet werden können. Kein Kreditinstitut wird einer von massiven Nachfrageeinbrüchen und chronischen Überkapazitäten geplagten Wirtschaft nach dem Gießkannenprinzip Kredite vergeben, solange es hierzu nicht genötigt wird.

Dies führt letztlich zu der Frage, warum diese doch stark von keynesianischen Politikvorstellungen geprägte Krisenreaktion nicht die gewünschten Ergebnisse zeitigt. Befürworter massiver Konjunkturprogramme gehen ja immer noch davon aus, daß die reale, warenproduzierende Industrie im Kern »gesund«, also widerspruchsfrei sei und daß im produzierenden Gewerbe keinerlei größere Probleme zu verorten sind. Bis weit in die Linke hinein ist immer noch der Glaube verbreitet, daß es der in spekulativen Exzessen verfangene Finanzsektor war, der die warenproduzierende Wirtschaft in den Abgrund gerissen hat. Die staatlichen Konjunkturspritzen werden als eine Art »Starthilfe« für den Motor der Warenproduktion angesehen, der hiernach wieder von allein ordentlich brummen werde.

Die Macht der Produktivkräfte

Dabei wird in der öffentlichen Diskussion ignoriert, daß dieser nun schlappmachende Motor der Industrie einen Kolbenfresser in Gestalt der Krise der Arbeitsgesellschaft hat. Je offensichtlicher die ihre Produktionspotentiale beständig steigernde Wirtschaft nicht mehr in der Lage ist, auch nur annähernd Vollbeschäftigung herzustellen, desto verbissener hält die öffentliche Debatte am Ziel der Vollbeschäftigung fest – und sei es durch Billiglohn und Zwangsarbeit.

Um sich diesen Komplex zu verdeutlichen, lohnt ein näherer Blick auf die vom sowjetischen Ökonomen Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew begründete Theorie der »langen Konjunkturwellen«, für die der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter 1938 den Begriff der »Kondratjew-Zyklen« formte. Hierbei handelt es sich um einen dekadenlangen konjunkturellen Metazyklus, der von neu entstandenen Schlüsselindustrien getragen wird, die neue Felder der Kapitalverwertung und Massenbeschäftigung kreieren. Einer Periode des Aufschwungs (Phase A) folgt eine Zeit des Abschwungs (Phase B), in der Produktivitätssteigerungen die Profitrate und Massenbeschäftigung in diesen neuen Schlüsselindustrien wieder sinken lassen. Seit Anbeginn der Industrialisierung hätten wir es also mit Metazyklen zu tun, die jeweils auf dem Ausbau der Textilindustrie und später der Schwerindustrie, der Elektrobranche und Chemieindustrie fußen – oder eben auf die Massenmotorisierung zurückzuführen sind. Sobald durch fortschreitende technische Entwicklung die Massenbeschäftigung in einem älteren Sektor nachließ, entstanden durch denselben wissenschaftlich-technischen Fortschritt neue Industriezweige, die die »überschüssige« Arbeitskraft aufnahmen.

Immanuel Wallerstein beschrieb kürzlich das Dilemma, in dem sich die Weltwirtschaft seit 30 Jahren befindet, anhand dieser Kondratjew-Zyklen: »Die Welt kam 1945 aus der letzten Kondratjew-B-Phase (also einem Abschwung – T. K.), um dann in die stärkste A-Phase (einen Aufschwung – T. K.) in der Geschichte des Weltsystems einzutreten. Diese erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1967 und 1973, dann begann der erneute Abschwung. Diese B-Phase dauert viel länger als alle früheren B-Phasen, und wir befinden uns immer noch in ihr.«

Systemkrisen treten dann ein, wenn die von einem bestimmten Industriezweig generierte Massenbeschäftigung aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen abflaut, während sich noch keine neuen Beschäftigungsfelder in neuartigen Industrien aufgetan haben – und hier kommt unsere »Krise der Arbeitsgesellschaft« ins Spiel.

Spätestens ab Mitte der 80er Jahre setzt ein weiterer Innovationsschub innerhalb der kapitalistischen Ökonomie ein. Diese industrielle Revolution in der Mikroelektronik und Informationstechnologie steigert die Produktivität ganzer Industriezweige in vorher ungeahnten Dimensionen. Natürlich entstehen auch Arbeitsplätze in der Computer- und Telekommunikationsbranche. Demnach fungieren diese Sektoren gerade nicht als »Schlüsselindustrien« im Sinne Kondratjews. Diese schaffen ja vor allem dadurch Investitions- und massenhafte Beschäftigungsmöglichkeiten, daß sie in Wechselwirkung mit anderen Industriezweigen treten und dort ebenfalls stimulierend und belebend werden. Sehr gut kann man das am Aufbau des Eisenbahnnetzes im späten 19. Jahrhundert oder an der Massenmotorisierung erkennen, die ja vielfältigste ökonomische Impulse zeitigten. Auch die mikroelektronische Revolution der 80er Jahre wirkte sich auf die gesamte Ökonomie aus, doch dies vor allem mittels massenhaften Abbaus von Arbeitsplätzen: durch Rationalisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen werden große Teile der klassischen Industriearbeiterschaft schlicht überflüssig. Die Rechnung ging nicht auf. In den neuen Hightechbranchen entstehen weit weniger Arbeitsplätze, als in den »alten« Industrien obsolet werden. Dem Massenheer der Industriearbeiterschaft folgt keines aus Programmierern, Informatikern oder Webdesignern.

Diesen kapitalistischen Selbstwiderspruch lösten bis vor kurzem – scheinbar – die Finanzmärkte. Doch sobald die seit ungefähr 30 Jahren beständig weiter ausartende Spekulations- und Verschuldungsdynamik erlahmt, droht die reale Wirtschaft, das von reaktionären Kapitalismuskritikern fetischisierte »schaffende Kapital«, an seinen eigenen Widersprüchen zu kollabieren. Die kreditgenerierte Nachfrage bricht dann zusammen, und die ungeheuren Produktionskapazitäten der Industrie führen dann in einer verhängnisvollen Abwärtsspirale zu immer neuen Massenentlassungen, welche die Massennachfrage immer weiter reduzieren. Gerade das exzessive Wuchern der Finanzmärkte hat die unter einer latenten Überproduktion leidende reale Wirtschaft durch schuldengenerierte Nachfrage am Leben gehalten.

Es ist somit der stürmisch vom Kapitalismus vorangetriebene Fortschritt der Produktivkräfte, der die Grundlagen der kapitalistischen Produktionsweise unterminiert. Dies ist die klassische revolutionäre Situation, wie sie Marx im Vorwort »Zur Kritik der politischen Ökonomie« vor 150 Jahren dargelegt hat: »Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen. (...) Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolutionen ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um« (MEW 13/S. 9).

Anstatt sich manisch in einem ideologischen Dickicht von Verschwörungstheorien zu verlieren, sollte die antikapitalistische Linke diese – aus der Widerspruchsdynamik der kapitalistischen Produktionsweise resultierende, und nicht etwa durch eine »Verschwörung angelsächsischen Finanzkapitals« herbeigeführte – Perspektive eines drohenden Zusammenbruchs des kapitalistischen Weltsystems ins Auge fassen und endlich die berühmte Leninsche Frage auf der Höhe des 21. Jahrhunderts stellen: Was tun?

1 Es handelt sich hier um eine Blase, die durch die US-staatlichen Rettungsaktionen für das Finanzkapital entsteht


http://www.jungewelt.de/2009/11-30/007.php
30. November 2009, 04:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Melnitz hat Folgendes geschrieben:
http://www.jungewelt.de/2009/11-30/007.php


Ein sehr guter Artikel übrigens. Unbedingt zu empfehlen!
30. November 2009, 12:43 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Tomasz Konicz hat seine Texte nebst Junge Welt auch auf seinem Blog:
http://www.konicz.info/

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
30. November 2009, 19:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Danger Mines!!



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O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Melnitz hat Folgendes geschrieben:
http://www.jungewelt.de/2009/11-30/007.php


Ein sehr guter Artikel übrigens. Unbedingt zu empfehlen!



jeap, und sogar fuer dummies wie mich verstaendlich...

_________________
Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
02. Dezember 2009, 08:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Good old Robert Kurz meldet sich auch mal wieder zu Wort:

Robert Kurz: Weltwirtschaftskrise, soziale Bewegung und Sozialismus. 12 Thesen

http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=4&posnr=445

Not bad:

Zitat:
9. Ein bislang nicht sichtbarer allgemeiner Widerstand gegen die Krisenverwaltung ist nur möglich, wenn bis zu einem gewissen Grad die universelle Konkurrenz durchbrochen wird. Zweifellos müssen zunächst immanente Forderungen der Ausgangspunkt sein. Dazu gehören etwa ein ausreichender allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn, eine drastische Erhöhung des Existenzminimums bei Transfereinkommen und ein Stop des Ausverkaufs der öffentlichen Daseinsvorsorge in der Medizin und anderen Bereichen. Aber solche Forderungen sind erstens angesichts der Lage nicht mehr auf dem politischen Dienstweg zu erreichen. Die etatistische Orientierung im Massenbewusstsein wie in der Linken ist ein Bremsklotz in dieser Hinsicht, weil auf diese Weise das Problem an den Staat delegiert wird. Nötig wäre stattdessen eine nicht mehr bloß symbolische soziale Massenbewegung, die willens und in der Lage ist, den kapitalistischen Betrieb auch in der Krise lahmzulegen. Zweitens, und das ist das eigentlich Entscheidende, kann eine solche Bewegung sich nicht mehr vom Kriterium der kapitalistischen Finanzierungsfähigkeit abhängig machen, die eine gelingende Kapitalakkumulation voraussetzt. Sie muss die Lebensinteressen für unverhandelbar erklären und bewusst „verantwortungslos“ gegenüber dem systemischen Finanzierbarkeitskriterium werden. Wenn sowieso die Inflationierung das Resultat der Krisenverwaltungspolitik ist, kann nur darin Handlungsfähigkeit gewonnen werden. Das bedingt das Eingeständnis, dass die traditionelle Reformpolitik auf Basis der Kapitalakkumulation bzw. unter Berufung auf deren Gelingen („Anteil am Wachstumserfolg“) obsolet und nicht umsonst in sozial repressive Gegenreformen umgeschlagen ist. Damit ist allerdings auch eine linke Politik als Geburtshilfe und reformorientierte Besetzung einer restrukturierten Kapitalakkumulation ausgeschlossen. Es kann sich nur um eine transitorische Bewegung handeln, die ein neues Bewusstsein von der Unhaltbarkeit der kapitalistischen Daseinsbedingungen entwickelt und darüber hinausgehen will.


Und das aus Kurz' Feder...
08. Dezember 2009, 01:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Griechenland vor dem Staatsbankrott:

Letzte Ausfahrt vor dem Staatsbankrott (NZZ)
15. Dezember 2009, 17:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Es scheint sich eine Reihe von Staaten in arger Bedrängnis zu befinden. Die Finanz und Wirtschaft (FuW) vom 12.12.09 schreibt:

Zitat:
Seit der Ankündigung der Staatsholding Dubai World vom 25. November, Schulden von 26 Mrd. $ vorläufig nicht mehr zu bedienen, ist es vorbei mit der Ruhe. Anlegern wurde jäh in Erinnerung gerufen, dass es nach wie vor zahlreiche Problemfälle gibt. Zu ihnen zählen auch mehrere Volkswirtschaften in Europa.

Wie nervös die Stimmung ist, zeigen die spürbar gestiegenen Aufschläge von griechischen, irischen und spanische Regierungsanleihen gegenüber deutschen Staatspapieren. Am grössten ist die Nervosität gegenüber Griechenland, dessen Rating durch die Agentur von A auf BBB+ reduziert wurde, was die Frage aufwirft, ob griechische Staatspapiere noch als Sicherheit für Ausleihungen durch griechische Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank verwendet werden können.


Aber wie wollen die Kapitalisten aus diesem Schlamassel rausfinden? Die Antwort ist eindeutig. Aus ebendieser FuW:

Zitat:
Irland, auf der Credit-Suisse-Liste im elften Rang klassiert, demonstriert, wie sich Fortschritte erzielen lassen. Die irische Regierung kündigte diese Woche an, die Löhne der Staatsangestellten je nach Gehaltsstufe um 5 bis 20% zu kürzen. Zudem müssen sich Arbeitslose und Familien mit Kindern auf geringere Zuwendungen vom Staat einstellen. Durch dieses Bündel von Massnahmen soll das Haushaltsdefizit, das gemäss Schätzungen der Regierung im laufenden Jahr gegen 12% erreichen wird, bis 2014 unter die Maastricht-Limite von 3% gedrückt werden.


Auch das Sorgenkind Ungarn handelte ähnlich. In der NZZ vom 15.12.09 gibt es ein Interview mit Gordon Bajnai, dem interimistischen Regierungschef Ungarns. Auch er nimmt kein Blatt vor den Mund:

Zitat:
In den ersten 100 Tagen haben wir eine Rentenreform verabschiedet, die das Pensionierungsalter längerfristig von 62 auf 65 Jahre erhöhen wird. Wir haben die 13. Monatsrente gestrichen, weil nicht finanzierbar. Das stabilisiert das Rentensystem für die nächsten 40 Jahre. Wir haben die Mutterschaftsversicherung und generell die Anreize im Sozialsystem so verändert, dass zur Arbeit gehen attraktiver wird als auf Transfehrzahlungen zu warten. Wir haben die Lohnnebenkosten gesenkt und die Mehrwertsteuer um 5 Prozentpunkte erhöht.


Das ist es also, was auf uns zukommen wird. Die Frage ist bloss, wie reagieren die ArbeiterInnen darauf. Nationalistisch wie in Ungarn oder eher kämpferisch wie in Griechenland?
16. Dezember 2009, 03:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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wildcat zum Aufschwung

Zitat:

Wenn beim Angeln der Schwimmer in Bewegung kommt, ist die Freude groß. Peinlich, wenn der Köder längst abgefallen ist, und der Angler weiter grinst. Ähnlich wirkte die Euphorie der letzten Wochen, die in den Marktbewegungen den »Aufschwung« sehen und die Krise vergessen machen wollte. »Dubai« hat der Euphorie einen Dämpfer versetzt, die Entwicklungen in der Autoindustrie deutlich gemacht, wohin die Reise geht.

update 3.12.2009


Dammbrüche

In der letzten großen Krise der Autoindustrie Anfang der 90er Jahre war allenthalben von »Dammbrüchen« die Rede. Die Unternehmer nutzten die Krise, um Produktivitätssteigerungen durchzusetzen, von denen sie zuvor nur träumen konnten. Im historischen Vergleich müssen wir heute von Erdbeben reden: erst Opel, nun Daimler.
GM kündigt an, in Europa alle Werke zu erhalten, aber 20 Prozent der Stellen abzubauen. Damit wollen sie im Eiltempo nachholen, was in den USA seit 2003 gelaufen ist: die »Big Three« sowie Nissan, Toyota und Honda senkten die Arbeitskosten und strichen 100000 Jobs. Daimler will 20% der C-Klasse in den USA produzieren und von dieser Entwicklung direkt profitieren.
In den USA wird ein Auto heute durchschnittlich in 30 Stunden zusammengeklopft und die Jahresarbeitszeit in den Daimlerwerken beträgt 1800 Stunden, in Europa klafft die Schere zwischen alten Fabriken mit teilweise 60 Stunden und den neuen mit 20 Stunden auseinander, und die Jahresarbeitszeit in den Daimlerwerken beträgt durchschnittlich 1350 Stunden.
Zusätzlich zu den Milliarden, die bereits jetzt in Form von Kurzarbeit, Sozialleistungen, Abwrackprämien und Bürgschaften an die Unternehmen geflossen sind, brauchen die Automultis viel Staatsknete, um einerseits den geplanten Produktivitätssprung, andererseits den damit einhergehenden Stellenabbau voranzutreiben. Die Teilverlagerung der C-Klasse in die USA wird als (kleine) Anpassung an den niedrigen Dollarkurs verkauft. In Wirklichkeit sind die Entscheidungen von GM und Daimler der Abschied von den bisherigen Klassenverhältnissen; bereits vorher hatte Daimler mit dem Bau eines neuen Werks in Ungarn für die A- und B-Klasse begonnen. So wie in der Krise Anfang der 90er Jahre die Weichen in der Hausgerätebranche gestellt wurden (und es heute nur noch zwei Waschmaschinenfabriken in Deutschland gibt), werden mit dem Aufbau von Parallelproduktionen in der Autoindustrie die Weichen gestellt für die finalen Kämpfe um das Ende der »Volumenproduktion« hierzulande.
Krise des Autos

Das ursprüngliche Geschäftsmodell der Autoindustrie war mit der Energiekrise 1973, spätestens aber zu Beginn der 80er Jahre zuende. Seither wurde versucht, mit Intensivierung der Arbeit, Kostensenkung, immer weiterer Kostenabwälzung auf die Allgemeinheit und vor allem der Ausweitung der Produktion diese finale Krise hinauszuschieben. Das wurde »japanisches Modell« genannt: Exportorientierung, Kostensenkung, Kopie des »Bewährten« statt Innovation. Die Krux liegt in der Ausweitung der Kapazitäten, um die Überkapazitätskrise zu bewältigen. Der gefeierte Guru dieser Lean-Produktion, Toyota, wird wohl als erster Automulti ins Grab gehen. Am Ende werden fünf bis sechs »global player« übrigbleiben. Die Unternehmer versuchen, ihre geringen Gewinnmargen mit hohem Output zu kompensieren. Für uns heißt das noch mehr Schrott, Lärm und Dreck.
Arbeiterkampf

Wir können aus den Auseinandersetzungen in der Hausgerätebranche lernen! Am Anfang hat man alle Trümpfe in der Hand. Wenn man sich aber immer wieder drücken lässt, steht man am Ende ohne Hebel da, und dann können selbst so großartige Kämpfe wie bei AEG und BSH das Ruder nicht mehr rumreißen. Die Sache der Daimler-und der OpelarbeiterInnen ist noch nicht verloren! Sie haben jede Möglichkeit in der Hand, das komplizierte Geflecht aus Kurzarbeit und Sonderschichten, aus vom Konkurs bedrohten Zulieferern, aus Lohnabsenkung und Arbeitsverdichtung zu zerschlagen!
Um dieses Potenzial jetzt ausspielen zu können, brauchen wir Antworten auf die dringendsten Fragen (z.B. wie können wir die Spaltung in Stammwerke und Zulieferer überwinden? Wie die Spaltung zwischen Festen und Leiharbeitern?). Dazu brauchen wir Analysen, die standhalten und von unseren eigenen Erfahrungen ausgehen (kein Gewerkschafts-Wischiwaschi!). Drittens: die Kämpfe bei den kleinen Zulieferern werden nur in der Regionalpresse erwähnt. Aus ihnen lässt sich aber viel lernen! Deshalb brauchen wir eigene Kanäle, um so was mitzukriegen. In ihnen müssen wir uns auch viertens darüber verständigen, wie wir uns gegen die gewaltige Arbeitsverdichtung der letzten Monate wehren können. Alle vier Punkte würden zusammen kommen, wenn die ArbeiterInnen im Zentrum dieses Spinnennetzes den Kampf aufnehmen.
Der Artikel

Der folgende Artikel wurde vor sechs Wochen geschrieben. Wenn ich heute mit Kollegen rede, wirken einige Punkte bereits naiv. Die Entwicklungen verlaufen rasend schnell, und anscheinend spült das Kapital gerade alle vor sich her. Lohnkürzungen, Arbeitsverdichtung, Betriebsschließungen. »Wir zahlen nicht für eure Krise« wirkt als Parole geradezu lachhaft.
Im Herbst war »Ostdeutschland« angesichts des Mauerfalls 1989 in aller Munde. Aber auch wirtschaftlich wird ein Resümee aus 20 Jahren Verwertungslaboratorium gezogen. Lässt sich eine gezielte regionale Deindustralisierung – also partielle Kapitalentwertung ganz ohne Krieg – mit einem anschließenden Neuaufbau so steuern, dass ein Sprung in der Wertschöpfung und somit eine Krisenlösung gelingt? Lässt sich das Verhältnis von einem Billigproduktionsstandort und dem auf Konsum orientierten Abnehmerstaat aufheben? Die Antwort fällt negativ aus.

Auch nach 20 Jahren liegt der Osten um 30 Prozent hinter der westdeutschen Wertschöpfung – und das, obwohl die Arbeits- und Personalkosten bei rund 63 Prozent des Westniveaus liegen, die Ostfirmen im fünften Jahr in Folge profitabler sind und die meisten Marktneuheiten hier entwickelt werden. Die Arbeitsproduktivität liegt im Osten weiterhin nur bei 75 Prozent des Westniveaus. Seit Krisenbeginn werden nun die Nischen gestopft. Gerade im Bereich der höheren Lohngruppen – Qualitätssicherung, Prozesstechnik, aber auch qualifizierte Arbeiten am Band – wird rationalisiert, und allen wird mit »Westarbeitsverhältnissen« gedroht. Die Leute werden entsprechend zurückgestuft. ERA macht‘s möglich. Die Arbeitsweise der Ossis sollte nochmal anders hinterfragt werden. Denn eine Frage schiebt sich in den Mittelpunkt: WIE nehmen wir es selber in die Hand?


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18. Dezember 2009, 16:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Text auf den sie sich beziehen

Zitat:

»Diesmal müssen die im Westen anfangen!«

Gedanken und Versuche eines ostdeutschen Autoarbeiters
Siehe auch die Artikel zur Autoindustrie in Wildcat 83: »Ende des Autos«
Wildcat 84: »Auto: Ende einer Schlüsselindustrie«

Die Autoindustrie saust nach wie vor im Blindflug durch ihren Strukturbruch; es wird immer deutlicher, dass es zu massivem Arbeitsplatzabbau und drastischer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für viele kommen wird. Im letzten Heft hatten wir herausgearbeitet, dass über den Globus hinweg Belegschaften mit den gleichen Krisenursachen und Unternehmerangriffen konfrontiert werden; sie können sich ausrechnen, was auf sie zukommt. Und selbst kleine Belegschaften haben potenziell große Macht, wenn sie in die Produktionsketten eingebunden sind und ihre Produkte nicht von anderen Firmen gefertigt werden können. Diese objektive Chance wird bisher subjektiv nicht ergriffen. Viel eher bekommen wir heulende Arbeiter vorgeführt, die zusammen mit ihren Chefs darum betteln, die alten Firmenstrukturen zu erhalten. Versuche, sich mit selbständigen Aktionen gegen Fabrikschließung, Kündigung und Arbeitshetze zu wehren, bleiben bisher marginal.
Zulieferer sind keine Stammwerker.

Die Zulieferer sind die Hauptbühne in den aktuellen Klassenauseinandersetzungen in der Autoindustrie – und das Hauptproblem der Kapitalisten im verschärften Fusionierungs- und Konzentrationsprozess. Drei Viertel der Wertschöpfung eines Autos entfallen auf die Zulieferer. Sie spürten als erste die Krise, weil sie die Produktionskürzungen der Fahrzeugbauer auffangen mussten und auf den Kosten für Rohstoffe und Entwicklung sitzen blieben. Viele sind nicht mehr in der Lage, die nächste Produktentwicklung zu finanzieren. Weltweit machten 80 Prozent dieses Jahr Verluste. In der BRD droht 100 Zulieferern bis Ende 2009 die Insolvenz, 100 000 Arbeitsplätze in der Branche sind gefährdet (weltweit über eine Million – 15 Prozent).

Nach einer Phase immer größerer Aufspaltungen gibt es seit Jahren einen Konzentrationsprozess bei den Zulieferern. Nur durch Standardisierung der Teile und steigende Chargen war der extreme Kostendruck der Fahrzeugbauer aufzufangen. In der Krise wird diese Strategie noch verschärft, um die Großeinkäufe trotz Absatzeinbrüchen abzusichern. Alle Fahrzeugbauer setzen verstärkt auf die Karte »Plattformbasis«. Die Fusion von VW und Porsche besiegelt eine jahrelange Praxis. VW ist einer der größten Konzerne, der optisch unterschiedliche, jedoch fast baugleiche Fahrzeuge unter verschiedensten Namen verkauft. Ford plant in den kommenden zwei Jahren eine Verdoppelung der Fahrzeuge, die auf der gleichen Plattform basieren. Bei einzelnen Komponenten – z.B. Motoren – geht die Kooperation sogar noch viel weiter und über Konzerngrenzen hinweg.

Diese Vereinheitlichung des Fahrzeugs bedeutet, dass weniger Zulieferer nötig sind. Wir stehen also erst am Anfang eines brutalen Selektionsprozesses. Z.B. will Ford die Anzahl seiner 2000 Zulieferer halbieren – obwohl alle mit steigenden Produktionszahlen kalkulieren! Kurzarbeit [..] und Abwrackprämie haben bisher größere Werksschließungen verhindert – wobei das Kurzarbeitergeld bei einem Zulieferer drastisch niedriger als im Stammwerk ausfällt. Wer bei einem kleinen Zulieferer arbeitet, bekommt gewöhnlich keine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Betrieb und muss sich mit 60 bzw. 67 Prozent zufrieden geben – bei sowieso schon deutlich niedrigeren Löhnen, und bei der Gewissheit, sich im Fall der Insolvenz nicht auf die Kanzlerin verlassen zu können!
Prämien heizen die Konkurrenz an.

Abwrackprämie und Kurzarbeit verschärften die Spaltungslinien nicht nur zwischen den Belegschaften der Zulieferer und Stammwerke, sondern quer durch die BRD. 2500 Euro reichten, um soziale Schichten gegeneinander zu stellen. Hartz IV-Empfängern wird die Prämie angerechnet, dabei hätten gerade Leute, die (aufstockend) Hartz IV bekommen, ihre alte Klapperkiste gern gegen die Prämie eingetauscht. Aber so war das nicht gedacht. Viel eher verschrotteten Leute, die es sich leisten konnten, vorzeitig ihre Fahrzeuge. Die im weltweiten Vergleich zweitgrößte Subvention für den Autoabsatz von 5 Milliarden (China 16,5 Milliarden; USA 3 Milliarden) Euro hat in der BRD bis einschließlich August zu 2,6 Millionen Neuanmeldungen geführt. Daran verdienten v.a. einzelne Autohändler; das Geschäft mit Gebrauchtwagen, Ersatzteilen und Reparaturen brach zusammen. 6000 Autohändler stehen vor der Insolvenz, im gesamten KFZ-Gewerbe sind 90 000 Jobs gefährdet. (Dass weitere Branchen wie Möbel und Textil über Umsatzeinbrüche durch die Abwrackprämie klagten, sei hier nur am Rande erwähnt.)

Auch ideologisch funktionierte die Prämie. Neben dem psychologischen Effekt, dass ein Thema wie der Autokauf über Monate hinweg die Gemüter beschäftigt, liegt der Kern der Prämie in der Verschärfung der Standortkonkurrenz. Seit Jahren stellen die Unternehmer Standorte eines Konzerns gegeneinander. Das Werk mit dem ›besseren Angebot‹ bekommt den Zuschlag. Der Mix aus Krise, Kurzarbeit und Abwrackprämie hat das bis in die Abteilungen und Teams hinein verlängert.

Mit Einführung der Prämie stiegen die Verkaufszahlen bestimmter Modelle, innerhalb einer Woche wurden plötzlich Sonderschichten einberufen, während andere Abteilungen weiterhin Kurzarbeit Null machten. Im Winter kam es uns noch völlig irre vor: die Stammbelegschaft bei VW arbeitet kurz, während auf dem selben Gelände bei ehemals Auto 5000 Sonderschichten gefahren werden. Inzwischen ist diese Praxis flächendeckend durchgesetzt. Der Fiesta geht gut, also werden in Köln Sonderschichten gefahren, andere Ford-Werke stehen fast still. Bei Opel in Eisenach, wo sie den Corsa bauen, passiert das gleiche. Hier werden Sonderschichten kurzfristig angesagt und Kurzarbeitstage abgeblasen. Frei nach dem Motto, »wer unter der Woche zwei Tage zu Hause bleibt, muss damit rechnen, am Wochenende zu arbeiten. Kurzarbeit ist kein Urlaub!«

Was bei Opel und Ford für ein Werk gilt, zieht VW in Wolfsburg und Mosel, wo mehrere Modelle gefertigt werden, bis in die Abteilungen rein durch. Das eine Modell verkauft sich, das andere nicht. Die einen bleiben zuhause, die anderen fahren Sonderschichten. Dass VW das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent aufstockt, heizt die Stimmung unter den Leuten an: »Warum soll ich am Samstag knuffen, wenn andere fürs gleiche Geld Ferien machen?« Genau so ist es gewollt, die Schikanen werden nicht in Frage gestellt, sondern provozieren weitere Spaltungen.
In Ostdeutschland verlaufen die Dinge drastischer.

Ähnlich wie in den USA der »gewerkschaftsfreie Süden« erfüllt nicht nur Osteuropa, sondern auch unmittelbar Ostdeutschland die Funktion, regional die Arbeiterklasse zu spalten. Jahrelang galten die ehemaligen DDR-Autofabriken in Eisenach (Opel), Mosel (VW) und Ludwigsfelde (Daimler) den Unternehmern als Laboratorien für Arbeitsexperimente. Und die hier durchgesetzten Produktivitätssteigerungen wurden unmittelbar zur Erpessung der KollegInnen im Westen benutzt.

Nach der Wende gingen viele »Ossis« Richtung Westen, auf den bundesdeutschen Arbeitsmarkt. Eine Grenze dafür, was man an Arbeit alles in Kauf nimmt, gab es kaum. Ein Kollege in einer Westberliner Fabrik meinte: »Wir haben uns jahrelang gegen die Lohndrückerei gewehrt. Sie stellten uns Leute aus Jugoslawien, aus Vietnam, aus Polen ans Band. Und wir haben immer durchgesetzt, dass alle das Gleiche bekommen. Erst mit den ›Ossis‹ sind wir gescheitert, sie fanden die Lohndifferenz nicht schlimm. ›Hauptsache Arbeit!‹ Dass es eine Frage der Kollektivität ist, interessierte sie nicht.«

Demgegenüber stehen die Arbeiter, die in der ehemaligen DDR geblieben sind und davon ausgingen, dass sich die Lebensbedingungen ›dem Westen‹ anpassen werden. Sie realisierten nicht, dass es auch im ›Westen‹ deutliche regionale Lohnunterschiede gibt – und Lohnunterschiede gerade in den 20 Jahren seit der Wende massiv verschärft wurden (z.B. durch Ausgliederung wie bei Visteon/Ford).

Traumatisierend wirkte bei den Leuten im Osten der abgebrochene IG Metall-Streik für die 35 Stundenwoche im Jahr 2003. Branchenübergreifend legten die ostdeutschen Metallbetriebe die Fabriken im Westen still. Die Leute erinnern sich gut, wie gerade die Autozulieferer die Stammwerke im Westen unter Druck setzten. Vorbei das Bild vom abgeräumten deindustralisierten Osten. Man ging davon aus, mit dem Westen zu streiken und gemeinsame Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Das Gegenteil passierte. Die Betriebsratsfürsten im Westen schossen gegen den Streik. Die IG Metall Funktionärsposten wurden neu verteilt. Der Streik wurde abgewürgt. Die Gewerkschaft schwenkte auf die Unternehmerlinie ein, dass der Hochlohn in den (westdeutschen) Stammwerken der Autoindustrie nur durch weitere Ausdifferenzierung nach unten gehalten werden kann. – Nach 2003 gab es im Osten keine Aktivität mehr in der Metallindustrie. Die Tage vereinzelter Warnstreiks lassen sich an einer Hand abzählen. Die Gewerkschaft ist (mund)tot.

Verglichen mit den anderen Löhnen in ihrer Region und den Lebenshaltungskosten verdienen die ArbeiterInnen bei Opel, VW und Daimler auch im Osten recht gut. Aber seit dem Abbruch des Streiks betrachten sie die Stammbetriebe im Westen mit einer Mischung aus Hass und Bewunderung. Nach ihrer eigenen Niederlage sehen sie nun die Kollegen im Westen in der Bringschuld: »Diesmal müssen die im Westen anfangen zu streiken, wir springen dann auf, wenn sich was bewegt.« Dass es damals im Westen Solidaritätsstreiks gab, ist vergessen.

Den Hass auf das eigene Elend und die eigene Niederlage lenken sie auf die Leute im Westen, die »mit völlig überzogenen Löhnen« »vergessen haben, was Arbeit ist« und wünschen ihnen das gleiche Schicksal, das ihnen widerfahren ist: »eine Lohnkürzung würde die auf den Boden zurückholen. Das, was sie denen abnehmen, sollen sie uns drauf packen.«

Andererseits klingt Bewunderung durch, wenn ein Ossi ein paar Monate in einen Westbetrieb ausgeliehen war und zurückkommt. »Die wissen noch, dass Arbeit Scheiße ist, die halten zusammen. Da gibt es keinen Wurm von Meister, der die Leute rumkommandieren kann, da wird gefragt, und was nicht ist, ist eben nicht, basta!« Das nächste Mal wünscht er dann wieder »den weltfremden und überbezahlten Westlern eine Augenwäsche«. Die Unternehmen haben erreicht, was sie wollen. Sie brauchen nicht mehr ins Ausland abzuwandern.
Neue – Alte, die blockierte Neuzusammensetzung

Wieso begnügen sich die Leute mit dem Frust auf andere, anstatt auf die Barrikaden zu gehen? Eine große Rolle dabei spielt die Heterogenität der Belegschaften im Osten. Noch immer haben wir Kernbelegschaften aus der DDR. In Eisenach sind von 1700 Opelarbeitern noch 1000 ehemalige Wartburgarbeiter, in Ludwigsfelde ist das Verhältnis ähnlich. Im Gegensatz dazu sind die »Neuen« meist keine zehn Jahre im Betrieb. Während die »Alten« noch wissen, was ein Kollektiv ist, aber noch nie den Arbeitsmarkt erlebten, kennen die »Neuen« den Arbeitsmarkt als freie Wildbahn und sind Individualisten. Beide haben schon »alles« erlebt: einen Regimewechsel, die Wendezeit, Währungsreform, Insolvenzen… und wissen was es heißt, wenn ein Industriegebiet mit 30 000 Arbeitern in ein Landschaftsmuseum verwandelt wird. Aber die »Alten« kennen auch die Kämpfe, die während des Abwickelns möglich sind. Heute sehen sie sich abgesichert und ruhen sich bis zur Rente aus. Die »Neuen«, heute um die 40 Jahre alt, haben in der Regel in der Wendezeit die Lehre beendet – und flogen dann raus. Bis heute haben sie ihren Frust über die fehlende Solidarität nicht vergessen: »Die alten Genossen haben schon zugesehen, dass sie ihr Schäfchen ins Trockene bringen«. Nicht von ungefähr nennen sie die alten Meister die »roten Bazillen von damals«. Zudem wurden bei der Einstellung vorrangig Leute genommen, die in ihrem Leben bereits gescheitert sind, insolvente Ex-Selbstständige, Leute mit hohen Schulden, Arbeiter, die mehrere Betriebsinsolvenzen hinter sich haben… (siehe auch Wildcat 81 – »Arbeit schafft Familie – Familie schafft Arbeit«.)

Die Spaltung zwischen »Neuen« und »Alten« lässt sich mit der Zeit überwinden. Das wissen auch die Unternehmer. Deswegen ziehen sie die Spaltungslinien immer tiefer.

In Eisenach z.B. ist der Produktionsprozess ein Mix aus unterschiedlichsten Firmen. Die Zulieferteile werden außerhalb des Werks von einer Logistikfirma gesammelt, sortiert und dann im Minutentakt ans Band geliefert. Den Staplerverkehr im Werk macht eine weitere Firma. Kantine und Putzen sind sowieso ausgelagert, und am Band sind neben den üblichen »Leihkräften« auch ArbeiterInnen von Industrie-Servicefirmen direkt in die Teams integriert. Arbeitgeber, Arbeitsbedingungen, Löhne, Rechte … alles anders!

In Ludwigsfelde wurden die »Neuen« zunächst über Leiharbeitsverträge eingestellt, die »nach Bewährung« individuell in befristete Verträge umgewandelt wurden. Von 2800 Beschäftigten hatte ein Viertel solche Befristungen – die fast alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausliefen. Eigens dafür hebelten Unternehmen und Gewerkschaft das Befristungsgesetz mit einem Ergänzungstarifvertrag aus, der eine Befristung auf 48 Monate möglich macht. Daimler verspricht immer wieder die Übernahme, und die letzten Befristeten machen sich weiterhin Hoffnung auf eine Verlängerung. Wenn die ausbleibt, bekommt das Verschwinden des Einzelnen kaum jemand mit.
Was bleibt stehen, wenn Dämme brechen?

Das jahrzehntelange Propagieren des japanischen Modells im Sinne von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen (kaizen) ist da an Grenzen gestoßen, wo die Leute merkten, dass es nicht um »Verbesserung«, sondern um dauernde Kostensenkung ging und geht. Das Management hat das Verbesserungswesen oft abgewürgt, weil es zur Artikulierung von Protest benutzt wurde und im Gegenzug einzelne Leute befördert, um (erneut, vertieft) Einblick in den Produktionsprozess zu bekommen. Die Beförderten suchten sich Nischen, wo sie weniger arbeiten mussten. Keine Verschlankung der Hierachieebenen, sondern ein Apparat aus lauter ›Stellvertretern‹. In manchen Belegschaften im Osten halten über 40 Prozent irgendeinen Titel.

Trotzdem geben die Managementberatungen dem klapprigen Gaul kaizen weiterhin die Sporen – und fordern »grundsätzliche Säuberungen« zur weiteren Durchsetzung. Was paradox erscheint, macht durchaus Sinn. Das japanische Modell war nie ein innovativer Schub für die kapitalistische Produktionsweise. Im Gegenteil wurde damit in Japan eine eigene Autoproduktion durch das Kopieren und Weiterentwickeln europäischer und amerikanischer Fahrzeugmodelle aufgebaut. Es ging nicht um große Sprünge, sondern um die »Optimierung« eines bestehenden Produkts. Und genau das ist heute das vorherrschende Prinzip in der Autoindustrie rund um den Globus: »Kosten senken, Produktion optimieren, Durchlaufgeschwindigkeit erhöhen«.

Der nächste Optimierungsschritt in diesem Mix aus ›schneller arbeiten‹ und ›weniger verdienen‹ ist der Übergang von einer Fertigungslinie pro Modell auf Fließbänder, an denen mehrere Modelle durchlaufen. Das ehemalige Auto 5000-Werk in Wolfsburg machte den Anfang. Die Kurzarbeit dient dazu, flächendeckend entsprechende Schritte einzuleiten. Dabei werden große Teile der alten Belegschaften »freigesetzt«. Wie das geht, lässt sich an einem Werk zeigen, das wegen Absatzeinbrüchen von Dreischicht- auf Zweischichtbetrieb umgestellt wurde.

Dazu wurden die Leute neu verteilt, gewachsene Teamstrukturen auseinander gerissen. Durch die ständig wechselnde Besetzung (auch unter der Woche werden individuelle Kurzarbeitspläne geändert und Leute kurzfristig an andere Arbeitsplätze versetzt!) müssen sich die Leute ständig neu kennenlernen. Das schafft Verwirrung, während die Flexibilität noch weiter getrieben und die Arbeit massiv verdichtet wird (Geschwindigkeitserhöhung und neue Arbeitsschritte). Das ganze wird flankiert mit einem weiteren Instrument aus der »japanischen Folterkiste«: management by stress, die Abteilungen werden nur noch mit einer Mindestbesetzung belegt, Springer für kurzfristige Krankheitsfälle oder Produktionsstörungen fallen weg. Das erhöht den moralischen Druck, falls jemand verschläft oder krank wird.

Die extreme Flexibilisierung reißt auch Fahrgemeinschaften auseinander, bzw. verkompliziert Verabredungen dermaßen, dass man dann oft doch alleine fahren muss.

Das alles ist nur zu ertragen durch die freien Kurzarbeitstage. Wenn mal zwei Wochen hintereinander gearbeitet wird, schreien sich die Leute beim Arbeiten vor Stress gegenseitig an. Heute kann sich niemand mehr vorstellen, wie er vor einem Jahr die Sechstagewochen und die Nachtschicht überstanden hat. Und die momentane Arbeitsgeschwindigkeit in einem normalen Schichtbetrieb durchzuhalten, ist absolut unvorstellbar! Aber wenn die Anlage endgültig läuft, wird der Überhang an Leuten nicht mehr in die Erholung Kurzarbeit, sondern raus fliegen.

Die Angriff der Unternehmer zielt über die direkte Produktion hinaus auch auf die Entwicklungsabteilungen. Die Managementliteratur redet von Kaikaku und meint damit eine Radikalkur: Weniger Qualitätsprüfungen, Auflösung von ungeklärten Rollenverteilungen, stärkere »Haftung« für die eigene Arbeit, Ausdünnen der leitenden Ebenen durch Bestimmen von Verantwortlichen über den ganzen Produktionsprozess. Ohne geeignete Software steht das zwar noch in den Sternen. Wenn aber die Einführung beginnt, haben gerade Meister und Abteilungsleiter nichts zu lachen. Auf Unterstützung aus der Belegschaft können sie definitiv nicht zählen, der Druck auf die Leute würde sich gegen sie wenden.
Was sich in der Sackgasse staut, lässt sich nicht mehr auflösen.

Die vielen Spaltungslinien und der gleichzeitige Angriff auf mehreren Ebenen verdrängen die Gewerkschaft aus ihrer Rolle im Betrieb, wo es immer schwerer wird, verallgemeinerbare Forderungen aufzustellen und gemeinsame Rechte durchzusetzen. Die Kapitalbeteiligung der Gewerkschaften am Unternehmen – die IG Metall will sich bei Schaeffler, VW und Opel einkaufen – verstärkt diesen Trend und entfernt die Gewerkschaft noch weiter von den »Neuen«, für die ein Betriebsrat jemand ist, der sich auf seinem Posten ausruht und mit den Konflikten am Band noch nie etwas zu tun hatte. Die Gewerkschaft vertritt gewissermaßen nur noch den »überalterten« Teil der Belegschaft mit seiner Hoffnung auf Frührente.

Kontrolle durch die Gewerkschaft

Die Gewerkschaften verwenden viel Energie darauf, die vielen von Schließung bedrohten Betriebe voneinander zu isolieren und einzeln abzuwickeln. Sie gehen dabei flexibel vor und haben ihre Drohung revidiert, »nie wieder Belegschaften zum Kampf für einen Sozialplan herauszurufen«. In diesem Jahr gab es einige, bei denen sich Gewerkschaften an die Spitze gesetzt und eine langgezogene Frühverrentung ausgehandelt haben, aber sie stehen auf dünnem Eis.

Trotzdem halten sich in letzter Zeit einzelne aktive ArbeiterInnen verstärkt an die Gewerkschaft und den Betriebsrat, weil sie keine Chance sehen, ohne deren Beteiligung was zu reißen. Das ist Ausdruck der allgemeinen Verunsicherung: wochenlang allein zuhause, der Job nicht mehr sicher, das Geld stimmt nicht mehr… Die Leute glaubten nicht an die Sicherheit im Kapitalismus, aber sie lebten so, als gäbe es sie. Dass ihnen nun sowohl das »Einrichten in der Arbeit« wie ihre Planungen mit dem Einkommen um die Ohren fliegen, macht Raum auf für eine gemeinsame und radikale Kritik.

Wo soll die Macht herkommen?

Die AutoarbeiterInnen wissen, dass sie Fahrzeuge oder Fahrzeugteile herstellen, die niemand benötigt. Aber diese durchaus sympathische Wahrnehmung, »das ist doch sowieso alles Schrott«, kippt leicht in die Einschätzung »wir haben eh nichts in der Hand!« Viele der »Neuen« haben sich immer nur als rumgeschubstes Anhängsel des Produktionsprozesses gesehen und noch nie die kollektive Macht erlebt, wenn sie den Hebel umlegen, den sie täglich in der Hand halten, und streiken.

Aber selbst wenn dicht gemacht werden soll, gibt es verschiedenste Druckmittel:

– kaum ein Betrieb lässt sich kurzfristig aus der Produktionskette isolieren. Das Produkt des Betriebes und/oder das know how der Belegschaft werden in der Regel noch eine Zeitlang gebraucht. Das ist die Zeit, in der man zuschlagen muss, und die man nicht durch Verhandlungen vergeuden darf.

– Druck lässt sich auch ausüben, indem der Abtransport von (wertvollen) Maschinen verhindert wird. Sogar alte Maschinen können ein Pfand sein: Aus politischen Gründen ist niemand interessiert, den Arbeitern auch noch so alte Maschinen zu überlassen.

– Auch im Lager stehen oft Werte. Von wegenjust in time und wir produzieren nur auf Bestellung: meist mussten die Leute Sonderschichten fahren und das Lager füllen, bevor die Schließung angekündigt wird!

– Aber selbst wenn der Unternehmer nicht mehr vom Produkt abhängt, die Maschinen weg und die Läger geräumt sind, ist das Werksgelände noch ein Druckmittel, das sehr hohe Kosten für Energie, Miete, usw. verursacht.

Um diese Druckmittel einsetzen zu können – und dann vielleicht sogar noch ganz andere Möglichkeiten zu entdecken! – müssen die ArbeiterInnen vor allem die Hoffnungen auf einen neuen »Investor« überwinden. Bei der Schweizer Güterbahn SBB Cargo in Bellinzona haben sie das eindrucksvoll demonstriert. Es macht keinen Sinn, über Abbaupläne zu diskutieren. Es macht keinen Sinn, neue »Investoren« anzulocken, die nur noch beschissenere Jobs schaffen. Sowohl die Subventionen aus der Gemeindekasse wie das Gelände selber können auf jeden Fall besser benutzt werden! Wenn dabei die Leute aus dem Kiez oder der Region mitmachen, könnten sie viele Spaltungen überwinden.

Die Situation ist heute eine andere.

Beim »Marsch der Solidarität« fuhren die BSH-Arbeiter weite Strecken mit dem Bus, um betroffene Werke aufzusuchen. Heute könnte man in vielen Industriegebieten zu Fuß tausende von Leuten erreichen, die sich ebenfalls mit Kurzarbeit und drohender Kündigung auseinandersetzen müssen.

Der Kampf der BSH-Arbeiterinnen wurde von der Gewerkschaft aber nicht nur repressiv abgewürgt, sondern auch von innen heraus gespalten, durch Abfindungsregelungen, die für einen Teil der Belegschaft vorteilhaft waren. – Wie ist das heute, wenn ggf. keine Abfindungen mehr angeboten werden?

Eine scharfe Grenze für die Verallgemeinerung von Kämpfen stellt im Moment die Konkurrenz dar: Ost gegen West, Betrieb gegen Betrieb. Atmen VW-ArbeiterInnen auf, wenn Opel die Produktion einstellt? Oder beginnen sie zu kapieren, dass sie die kapitalistische Konkurrenz nicht ausnutzen können, sondern von ihr zerdrückt werden?

In den letzten Wochen und Monaten sind vermeintliche Sicherheiten atemberaubend schnell zerrissen. Es ist an der Zeit, ins Freie zu treten!


[..]

Kurzarbeit in der BRD
Kurzarbeit ist ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das in der BRD in Krisenzeiten Auftragseinbrüche in der Industrie abfangen soll, um Entlassungen zu vermeiden und einem späteren Fachkräftemangel vorzubeugen. Bis Ende 2008 lag die Bezugshöchstdauer bei einem Jahr insgesamt. (Kurzarbeit wird häufig unterbrochen oder wechselt von einem Tag die Woche auf zwei Tage die Woche usw.)
Die mit den Gewerkschaften ausgehandelte tarifvertragliche Einführung von Arbeitszeitkonten ersetzte seit den 1990er Jahren das bis dahin übliche Wechselbad zwischen Kurzarbeit und Überstunden. In der BRD gab es 1975 jahresdurchschnittlich 773 000 Kurzarbeitende (3,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten), 1983 waren es 675 000. Haupteinsatzgebiet war die Montanindustrie. Hier diente Kurzarbeit dazu, die Abwicklung der Branche abzufedern. 1988 wurde speziell dafür das »Strukturkurzarbeitergeld« eingeführt – wir erinnern uns noch an die langen Streiks der Stahlarbeiter in Rheinhausen 1988!

Kurzarbeit zur Abwicklung der DDR
Nach dem Anschluss der DDR bekam das »Strukturkurzarbeitergeld« die Funktion, die alte Wirtschaftsstruktur im Osten abzuwickeln. 1991 gab es rund 1,6 Millionen Kurzarbeitende, für die feststand, dass sie nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden. Diese Warteschleife vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit war eine sozialpolitische Maßnahme, keine Subventionierung für Betriebe.
1994 wurden die Regelungen für die Gewährung von Kurzarbeitergeld verschärft: die Betriebe mussten nun auch den Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge auf 80 Prozent des Entgeltausfalls und die Entlohnung für arbeitsfreie Zeiten wie Urlaub und Feiertage selbst tragen. Damit wurden die sogenannten Remanenzkosten erheblich erhöht, um den Einsatz anderer Maßnahmen wie Arbeitszeitkonten zu pushen.

»Transferkurzarbeitergeld«
2004 wurde das »Strukturkurzarbeitergeld«, das im Westen kaum genutzt wurde, in »Transferkurzarbeitergeld« umgewandelt. Es dient ausdrücklich nicht der Beschäftigungssicherung, sondern der Organisation des Übergangs in eine neue Beschäftigung nach einem endgültigen Arbeitsausfall. Es kommt nach Kämpfen gegen Betriebsschließungen zum Einsatz und verlängert gewöhnlich einfach die Zeit der Arbeitslosigkeit.

»Konjunkturelle Kurzarbeit«
kann nach §169 SGB III ein Unternehmen anmelden, wenn es einen voraussichtlich vorübergehenden Arbeitsausfall gibt, der auf einer wirtschaftlichen Flaute oder einem unabwendbaren Ereignis beruht und unvermeidbar ist. Der Entgeltausfall musste bisher mindestens zehn Prozent für ein Drittel der Beschäftigten des Betriebes (bzw. Betriebsteils/Standorts) betragen.
Als Ende 2008 die Betriebe massenhaft Kurzarbeit beantragten, weil die Arbeitszeitkonten in den von der Krise betroffenen Betrieben ausgereizt waren, wurden im Zuge der »Konjunkturpakete« die Regelungen für die Kurzarbeit mehrmals erleichtert.
Seit 1. Februar 2009 kann Kurzarbeitergeld (KUG) auch beantragt werden, wenn weniger als ein Drittel der Beschäftigten betroffen sind. Den Unternehmen wurden 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge erstattet, 100 Prozent, wenn die ArbeiterInnen in mindestens der Hälfte der Ausfallzeit eine Qualifizierung erhielten, die sie auch in anderen Betrieben anwenden können.
LeiharbeiterInnen erhielten bislang kein KUG; jetzt kann auch eine Verleihfirma KUG beantragen.
Die Bezugsdauer wurde (befristet bis Ende 2010) auf 18 Monate verlängert, seit Mai auf 24 Monate.
Seit 1. Juli werden nach sechs Monaten Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge ohne Vorbedingungen voll von der Arbeitsagentur bezahlt, damit ist der Anreiz für Qualifizierungsmaßnahmen zurückgenommen worden, von denen eh kaum Gebrauch gemacht wurde. KUG kann auch beantragt werden, wenn die Arbeitszeitkonten noch keine Minusstunden aufweisen.

Was bedeutet KUG für die ArbeiterInnen?
Die ArbeiterInnen erhalten von der Agentur für Arbeit eine Lohnersatzleistung in Höhe des Arbeitslosengeldes (60 bzw. 67 Prozent vom Netto). In vielen Betrieben gab es tarifvertragliche Regelungen zur Aufstockung dieses Betrags durch das Unternehmen auf 80-100 Prozent des Nettolohns. Diese Vereinbarungen werden zur Zeit reihenweise zurückgenommen.
Auf die Berechnung von Ansprüchen wie Elterngeld, Arbeitslosengeld, Rente wirkt sich der Bezug von KUG leistungsmindernd aus.
Während der Kurzarbeit müssen sich die ArbeiterInnen für den Arbeitseinsatz bereit halten, über den sie kurzfristig informiert werden können. Nach sechs Monaten Kurzarbeit kann die Agentur für Arbeit KUG-Bezieher auch anderweitig vermitteln, die Nichtbefolgung führt zu einer Sperre.


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18. Dezember 2009, 16:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/general_motors_gibt_saab_auf_1.4253376.html

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18. Dezember 2009, 16:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Zitat:
Entlassungswelle rollt an

Von Herbert Wulff

Die IG Metall hat vor drohenden Massenentlassungen in der Industrie gewarnt. Allein in der Metall- und Elektrobranche seien kurzfristig 750000 Arbeitsplätze gefährdet, erklärte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, in der Berliner Zeitung vom Dienstag. Die Unternehmer forderte er auf, mit einer Veränderung des »Tarifvertrags Beschäftigungssicherung« eine weitergehende Verkürzung der Arbeitszeiten bei Teillohnausgleich zu ermöglichen. Sollten sich die Konzerne in dieser Frage kompromißbereit zeigen, werde die IG Metall im kommenden Jahr eine niedrigere Lohnforderung stellen, so Wetzel.

Trotz einer leichten Verbesserung der konjunkturellen Lage geht die Metallergewerkschaft davon aus, daß die Unterauslastung der Industrie auch 2010 noch bei 20 bis 30 Prozent liegen wird. Um eine Arbeitsplatzvernichtung in dieser Größenordnung zu vermeiden, müßten die Instrumente der Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung weiter genutzt werden. Konkret forderte Wetzel vor allem eine Entlastung der Unternehmen: Diese sollten bei Kurzarbeit auch nach dem siebten Monat von Sozialabgaben befreit werden. Zudem solle der Staat dabei helfen, weitere Arbeitszeitverkürzung zu finanzieren.

Bislang besteht in der Metallindustrie die Möglichkeit, die Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden abzusenken – ohne Lohnausgleich. Wetzel schlägt nun vor, eine weitere Reduzierung auf »deutlich weniger als 30 Stunden« möglich zu machen. Das ginge aber nur bei einem Teillohnausgleich. »Sonst können die Beschäftigten bei dieser niedrigen Arbeitszeit und bei diesem niedrigen Einkommen gleich ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt, also Hartz IV, beantragen.« Die Regierung könne den teilweisen Lohnausgleich steuerfrei stellen oder die Bundesagentur für Arbeit Unterstützung leisten, meinte Wetzel. Die konkrete Höhe des geforderten Teillohnausgleichs nannte er nicht. Es sagte lediglich, diese müsse »so hoch sein, daß die Beschäftigten damit über die Runden kommen«.

Noch vor Beginn der Tarifrunde, bis spätestens Anfang März, müsse die Neuregelung des Vertrags zur Beschäftigungssicherung unter Dach und Fach sein, forderte Wetzel. »Wenn wir erst später eine Einigung hinbekommen, sind die Messen für dieses Jahr gesungen«, erklärte er. Um den Unternehmen ein Entgegenkommen schmackhaft zu machen, stellte der IG-Metall-Vize niedrigere Lohnerhöhungen in Aussicht. »Je besser und überzeugender die Beschäftigungssicherung ausfällt, umso niedriger wird die reine Lohnforderung ausfallen«, kündigte er an.

Werner Dreibus, gewerkschaftspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, begrüßte die Initiative der IG Metall. »Es ist wichtig, den Blick auf die Zukunft der Industriebeschäftigung zu legen. Das geht weit über eine kurzfristige Krisenbewältigung hinaus«, sagte er am Dienstag im Gespräch mit junge Welt. Es sei eine Debatte darüber notwendig, was in Deutschland zukünftig wie produziert werden soll. Aktuell müsse »alles dafür getan werden, um die bisher einigermaßen glimpflich verlaufene Entwicklung auch 2010 und 2011 durchzuhalten«, erklärte Dreibus. Wie die IG Metall fordert seine Frak­tion einen staatlichen Zukunftsfonds von 100 Milliarden Euro zur Unterstützung notleidender Unternehmen. Über die Mittelvergabe soll nach der Vorstellung von Dreibus ein Beirat aus Politikern und Beschäftigtenvertretern entscheiden. »Das könnte auch der Einstieg in eine gesamtwirtschaftliche Mitbestimmung sein«, meinte Dreibus, der zur Finanzierung die Einführung einer Abgabe auf große Vermögen vorschlug.

Junge Welt

23. Dezember 2009, 03:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Und zuletzt noch dies:

Vereinigte Staaten: Rezession vernichtet 4,2 Millionen Stellen
09. Januar 2010, 03:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Judgement Day

Artur Schmidt 25.01.2010

Finanzkrise: Abgerechnet wird am Schluss!

Der Tag der Abrechnung, wie ihn die Amerikaner nennen, wird in der Weltwirtschaft kommen. Die Rätselhaftigkeit des Anstieges der Aktienkurse in den letzten Monaten lässt sich lüften, wenn man die Aktivitäten an den Märkten beobachtet. Charles Biderman, der CEO von TrimTabs, einer renommierten Finanzanalysefirma, betonte, dass ein monatlicher Betrag von 5 bis 15 Milliarden USD pro Monat ausreicht, um durch den späten Kauf von S&P 500 Futures-Kontrakten den Markt nach oben zu pushen. Geld genug dafür hätte das so genannte Plunge Protection Team, welches in üppiger Weise durch das Drucken von mehr Geld von der Fed für solche Aktivitäten zur Marktmanipulation ausgestattet worden ist. Wenn die Fed jedoch die Kurse steigen lassen kann, dann kann sie auch eine Fallbewegung auslösen, womit das freie Spiel der Kräfte zu einer Goodwill-Aktion der Banker wird. Eine perfekte Gelddruckmaschine der Marktmanipulation, um noch höhere Rekordgewinne einfahren zu können. Betrachtet man sich die drei möglichen Szenarien für die Finanzmärkte, so kommt man aufgrund der scheinbar alle Probleme wegspülenden Liquiditätsgarantie der Fed zu folgenden Beobachtungen.

Der ganze Artikel: Telepolis
26. Januar 2010, 02:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Griechenland ist überall

“Junge Welt”, 14.01.2010 Tomasz Konicz

Überlebensdroge oder letzte Ölung? Staaten erzeugen Nachfrage auf Pump, um Kapitalismus zu retten. Risiken und Nebenwirkungen werden in Kauf genommen

Schlimmer geht’s immer: Laut aktuellen Berichten könnte das griechische Haushaltsdefizit noch höher ausfallen als bislang erwartet. (Allerdings steht Athen damit nicht allein.). Ende vergangenen Jahres mußte die neugewählte Regierung eingestehen, daß die bisherigen Angaben manipuliert waren (sie jW vom Donnerstag). Mit 12,7 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei der Fehlbetrag doppelt so hoch wie von der abgewählten konservativen Regierung nach Brüssel gemeldet. Die Gesamtverschuldung des Landes liegt inzwischen bei 125 Prozent des Jahres-BIP. Ratingagenturen reagierten auf den Bilanzschwindel mit Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Am Dienstag erklärte die EU-Kommission, das griechische Haushaltsdefizit könnte noch größer ausfallen »als bisher erwartet«. Das Statistikamt in Athen arbeite »ineffektiv« und sei »anfällig für politische Einmischungen«.

Rekordverschuldung

Nie zuvor in der Geschichte des Kapitalismus haben sich dStaaten in so kurzer Zeitspanne dermaßen verschuldet wie seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2007. In der EU weisen Spanien, Großbritannien und Irland ein ähnlich hohes Defizit aus wie die klammen Hellenen. Die Verschuldung der USA ist gigantisch. Da scheint die BRD fast solide – obwohl Bund, Länder und Kommunen in den ersten drei Quartalen 2009 durch neue Kredite in Höhe von nahezu 100 Milliarden Euro das Defizit gegenüber dem Vorjahreszeitraum versechsfacht hatten.

Die Ursachen dieser Entwicklung sind zumindest in den Zentren des kapitalistischen Weltsystems vergleichbar. Die Rezession führte zu verminderten Steuereinnahmen, während hektische Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und Konjunkturprogramme die Ausgaben in die Höhe schnellen ließen. In den USA wurde allein zwischen Oktober und November 2009 ein Minus von nahezu 300 Milliarden US-Dollar registriert. Das Manko im abgelaufenen Haushaltsjahr 2008/2009 betrug rund 1400 Milliarden Dollar – bisher lag die annualisierte Rekordverschuldung des Landes bei etwa 400 Milliarden.

Die vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) auf gut 3000 Milliarden US-Dollar geschätzten Konjunkturprogramme (rund 4,7 Prozent des Welteinkommens) haben einen Absturz der Wirtschaft zumindest vorläufig verhindert. Die staatlich erzeugte Nachfrage entspricht aber auch neuen Verbindlichkeiten in derselben Höhe. Hinzu kommen die weitaus größer dimensionierten Rettungs- und Stützungsprogramme für die Finanzmärkte. Allein in den USA haben diese ein Volumen von 23700 Milliarden Dollar. Sobald die damit initiierte Spekulationsblase platzt, wird ein Großteil dieser Bürgschaften für den Finanzsektor fällig, Staatsbankrotte inklusive. Auch die BRD-Regierung hatte einen 480 Milliarden Euro teuren »Rettungsschirm« in Form staatlicher Bürgschaften für den heimischen Finanzsektor aufgespannt.

An der Peripherie Europas sehen sich bereits einige Volkswirtschaften mit einem drohenden Staatsbankrott konfrontiert: Die Ukraine, Lettland, Ungarn, Rumänien, Serbien und Belarus mußten vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der EU-Kommission mit milliardenschweren Notkrediten vor drohender Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden. Doch wie Griechenland zeigt, kommt die Krise flott voran.

Staatsbankrotte

Nun taumeln Staaten, die schon seit Jahrzehnten Mitglieder der EU sind. So mußte auch Spanien eine Herabstufung in Sachen Bonität hinnehmen. Im als superstabil geltenden Österreich sorgten Äußerungen des US-Ökonomen Kenneth Rogoff für Aufregung, denen zufolge die Alpenrepublik vom Bankrott bedroht sein könnte. Dortige Banken hatten viel Geld in Osteuropa ausgeliehen, Geld, das auf absehbare Zeit nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt wird. Bei einer erneuten Verschärfung der Krise müßte Wien dafür bürgen. Auch Japan scheint nun an seinen gigantischen Schulden zu ersticken. Die Verbindlichkeiten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sollen in diesem Jahr 227 Prozent des BIP erreichen, die hauptsächlich gegenüber den eigenen Bürgern bestehen. Inzwischen ist jedoch die Sparquote der Bevölkerung von 14 Prozent des BIP 1990 auf nur noch zwei Prozent gefallen. Nachfragekapazität für weitere Staatsanleihen gibt es kaum noch.

Zugleich werden international neue Konjunkturprogramme gefordert. Der bisher erreichte Aufschwung sei nicht »selbsttragend«, bemerkte beispielsweise das deutsche Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung Anfang Januar. Auch im höchsten Gremium der US-Notenbank wurden bei dessen letzter Sitzung im Dezember Forderungen nach weiteren Korrekturmaßnahmen für die US-Wirtschaft laut.

Damit werden zugleich die Ursachen der öffentlichen Verschuldungsorgie deutlich. Die Staaten schlüpften in die Rolle der Finanzmärkte und der inzwischen klammen US-Konsumenten. Diese hatten zuvor die Nachfrage auf Pump angeheizt. Nun wird versucht, den Aufschwung auf Kreditgrundlage (Defizitkonjunktur) per Steuergeld anzuheizen. Die jahrzehntelang unter einer systemischen Überproduktionskrise leidende Weltwirtschaft wurde so am Leben erhalten. Ohne Verschuldung kann der Kapitalismus schlicht nicht mehr funktionieren. Ob er mit ihr weiterwurschteln kann bleibt abzuwarten, denn Griechenland ist überall.

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30. Januar 2010, 03:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Aiaiai:

Portugal kämpft gegen Haushaltsdefizit

Opposition will Sparpaket der Regierung aushebeln

Neben Griechenland kämpft auch Portugal in der Euro-Zone mit einem gewaltigen Haushaltsdefizit. Die Minderheitsregierung will die Neuverschuldung bis zum Jahr 2013 senken.
05. Februar 2010, 11:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Auch die NZZ fürchtet um einen Systemkollaps. Das Bild auf
der Page zum Artikel lässt verschiedene Deutungen offen...

Die Gefahren explodierender Staatsschulden

Verdrängte Konsequenzen eines unterschätzten Systemwechsels


Viele Industriestaaten sind hoch verschuldet und müssen sparen, indem sie die Steuern erhöhen und die Staatsausgaben senken. Alle Blicke richten sich derzeit auf Griechenland – doch versperrt dies den Blick auf einen viel dramatischeren Systemumbruch?



http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/die_gefahr_explodierender_staatsschulden_1.5191166.html


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11. März 2010, 16:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Der nächste Krisenschub könnte folgen:

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Banken-droht-neues-Fiasko/story/19113004
16. März 2010, 23:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Verfrühte Euphorie

Tomasz Konicz

Steigende Aktienkurse, Profitmaximierung im Finanzsektor. Wall Street feiert Ende der Wirtschaftskrise. Doch Ökonomen warnen vor neuer Spekulationsblase

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06. April 2010, 01:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Nachdem Griechenland von der Rating-Agentur "Fitch" von "A-" auf "BBB+"
abgestuft worden ist hat sich die Kreditklemme nochmals verschärft. Man
führe sich den Irrsinn vor die Augen, wenn der griechische Staat noch fünf
Prozent Zinsen auf den Kredit abdrücken muss...AUA

Rettungspaket für Griechenland ist geschnürt
Finanzminister der Eurofzone sagen Hilfe von 30 Milliarden Euro zu


http://www.nzz.ch/nachrichten/international/eurozone_finanzminister_notkredite_griechenland_1.5420554.html

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11. April 2010, 18:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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"Man merkt, ich werde religiös"
13. April 2010, 17:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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http://www.jungewelt.de/2010/04-30/023.php
29. April 2010, 21:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Mal sehen, "wie der Markt morgen so reagiert":

http://www.fau.org/artikel/art_100509-092112

Sehr guter Kommentar!
09. Mai 2010, 11:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Es ist schön, Konicz zu lesen. Er kann immer alles wunderbar mit Zahlen unterlegen:

Zitat:
Heftiger Kater

“Junge Welt”, 12.05.2010

Aufschwung an den Finanzmärkten nach Euro-Rettungspaket währte nur einen Tag. »Sparprogramme« könnten gigantische Überproduktionskrise auslösen


Und er schätzt das Rettungspaket ähnlich ein, wie ich: die Blase der Staatsschulden wurde einfach "weitergereicht":

Zitat:
Das Kernelement des europäischen Stabilisierungspakets, die Zweckgesellschaft für Garantien im Umfang von 440 Milliarden Euro, sieht nur eine Verlagerung der Verschuldungsdynamik von der staatlichen auf die europäische Ebene vor.


Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben...
12. Mai 2010, 00:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Jaja, so sieht er also aus, der Aufschwung. Da musste ich schon wieder ein wenig kichern.

Zitat:
Dow Jones sackt unter 10'000 Punkte

An den Börsen gibt es derzeit kein Halten. Der amerikanische Leitindex unterschritt die psychologisch wichtige Marke. Der SMI verliert zeitweise über zwei Prozent.

21. Mai 2010, 14:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Zitat:
Kognitive Dissonanz

Wochenlang berauschten sich die Börsianer an rasant steigenden Kursen. Die ökonomische Realität wurde dabei komplett ausgeblendet. Jetzt folgt der Absturz

Von Rainer Rupp

Vieles deutet darauf hin, daß innerhalb von drei Jahren nun schon die zweite Spekulationsblase an den großen Börsen geplatzt ist. Infolge des 2008 zusammengebrochenen US-Immobilienmarktes war z.B. der wichtigste Börsenindex, der amerikanische Dow Jones, bis zum 6. März 2009 von fast 14000 Punkten auf seinen vorläufigen Tiefststand von 6626 Punkten gefallen. Seither stieg er so schnell wie noch nie in seiner Geschichte und erreichte innerhalb von knapp 13 Monaten am 23. April wieder 11304 Punkte. Weltweit waren andere Börsen diesem Trend gefolgt, obwohl das ökonomische Umfeld alles andere als rosig aussah. Nicht nur in den USA, sondern weltweit sah sich die Realwirtschaft mit einem breiten Spektrum schier unüberwindbarer Probleme konfrontiert. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis dieser in der Sozialpsychologie als »kognitive Dissonanz« bekannte Zustand der Finanzmarktakteure wieder von der Realität eingeholt werden würde .

Es bedurfte nur noch eines entsprechenden Anlasses, bis sich die von der Börsenhausse vorgegaukelte wirtschaftliche Erholung als Nullnummer herausstellen würde . Die Griechenland-Krise, die sich schnell zur Krise des Euro ausweitete, lieferte diesen Anlaß. Weltweit wurde den Menschen schlagartig wieder bewußt, daß die schweren ökonomischen Verwerfungen in den kapitalistischen Ländern anhalten. Zudem hatten sich viele Staaten im Laufe der Banken-Rettungsaktionen derart überschuldet, daß ihnen nun selbst der Staatsbankrott droht. Längst ist die Euro-Krise eine Krise der Weltwirtschaft und dabei besonders des Finanzsektors. Entsprechend sind die Börsenkurse seit den Mehrjahreshöchstständen am 23. April rund um den Globus wieder gepurzelt, zwischen zehn Prozent in den USA und 22 Prozent in China. Nicht wenige Analysten gehen dabei davon aus, daß der eigentliche Absturz erst noch bevorsteht.

Das irrationale Kursfeuerwerk, das nun zu Ende gekommen ist, war maßgeblich durch zwei Faktoren ermöglicht worden: Erstens durch die Politik des »billigen Geldes«, mit der die US-Zentralbank Fed zur Stützung der maroden Bankenbranche die Märkte mit Billionen Dollar überschwemmte und die Zinsen auf fast null Prozent senkte; ein Zustand der weiter besteht und zur Spekulation geradezu einlädt. Und zweitens durch die mantraartige Beschwörung, daß die Krise nun vorbei sei. So sollte vor allem der im Durchschnitt hochverschuldete US-amerikanische Verbraucher dazu gebracht werden, wieder mehr zu konsumieren, natürlich auf Kredit.

Das Rezept der US-Politik war und ist, mit noch mehr Schulden die Schuldenkrise zu überwinden. Wegen des ausufernden Staatsdefizits stößt diese Politik jedoch an ihre Grenzen und schränkt selbst den Handlungsspielraum der mächtigen US-Regierung zunehmend ein. Zumal eine Lösung der fundamentalen Probleme der US-Wirtschaft – gigantische Handelsbilanz- und Haushaltsdefizite, horrende Verschuldung – nicht einmal ansatzweise in Sicht ist

Anfang Mai schockierte die Nachricht, daß die US-Bundesregierung im April ein Haushaltsloch von 83 Mil­liarden Dollar ausgewiesen hat, fast viermal soviel wie im April 2009, obwohl nach offiziellen Angaben das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im ersten Quartal dieses Jahres um drei Prozent gewachsen sein soll. Trotzdem waren die Gesamteinnahmen der US-Bundesregierung in den ersten sieben Monate des laufenden US-Fiskaljahres, das am 1. Oktober 2009 begann, im Vergleich zu dem bereits sehr schlechten Vorjahr um weitere 4,5 Prozent zurückgegangen.

Besonders beunruhigend ist dabei, dass sich der Trend zu beschleunigen scheint, denn im April sind die Einnahmen im Jahresvergleich um weitere 7,9 Prozent zurückgegangen, trotz unveränderter Steuersätze. Wachstum sieht anders aus. Für das gesamte Fiskaljahr wird daher bis zum 30 September wieder ein Defizit von gigantischen 1,5 Billionen Dollar erwartet. Angesichts der Lage auf den Kreditmärkten dürfte dessen Finanzierung für Washington ohne erneute Mithilfe der Notenpresse kaum zu bewerkstelligen sein.

Diese Entwicklung rief auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf den Plan, der am 18.Mai in einem Bericht warnte, daß die USA ohne äußerst einschneidende Sparmaßnahmen bereits im Jahr 2015 einen Verschuldungsgrad griechischer Dimension von weit über 100 Prozent des BIP erreichen würden. Auch der Chef der britischen Zentralbank, Mervyn King, warnte mittlerweile ungewohnt undiplomatisch, daß die USA sich »mit den gleichen Finanzproblemen wie Griechenland« konfrontiert sähen.

http://www.jungewelt.de/2010/05-26/046.php

25. Mai 2010, 22:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
ThyssenKrupp-Chef warnt vor Spekulanten
Der deutsche Stahlhersteller sorgt sich angesichts der drastisch steigenden Rohstoffpreise. Die Spekulation nimmt laut Vorstandschef Schulz überhand. Das Ausmaß könne das der US-Immobilienspekulation noch übertreffen - die Weltwirtschaft sei bedroht.

http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:wegen-preistreiberei-thyssen-krupp-chef-warnt-vor-spekulanten/50120129.html

Zitat:
ThyssenKrupp hat konkrete Hinweise darauf, dass große Investmentbanken, die auch "bei den anderen Spekulationsblasen beteiligt waren", den Einstieg in den Eisenerzmarkt vorbereiten. "Sie sind derzeit in unseren Märkten unterwegs, heuern Rohstoffspezialisten an, kaufen Handelshäuser und mieten Lagerflächen in großen Häfen, um Erze zu Spekulationszwecken zwischenzulagern", sagt Schulz.

Bei den geplanten Geschäften gehe es um "reine Wetten auf bestimmte Preisentwicklungen, um Gewinne aus Käufen und Verkäufen ohne realwirtschaftlichen Hintergrund". Das schade der gesamten Weltwirtschaft.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,697497,00.html

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29. Mai 2010, 18:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Muoit



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Jemand nahm das Taxi nach Hause!

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Melnitz



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Muoit hat Folgendes geschrieben:
Jemand nahm das Taxi nach Hause!


Wer?
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Muoit



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Far!

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30. Mai 2010, 16:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Muoit hat Folgendes geschrieben:
Far!


Ist der Aufschwung also auch bei Far angekommen?
30. Mai 2010, 16:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Ich befinde mich im Moment in einem Dauerhoch, da hilft nur eine Schockbehandlung!

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30. Mai 2010, 17:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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far hat Folgendes geschrieben:
Ich befinde mich im Moment in einem Dauerhoch, da hilft nur eine Schockbehandlung!


"Schock-Strategie" (Naomi Klein)?
30. Mai 2010, 17:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Melnitz hat Folgendes geschrieben:
far hat Folgendes geschrieben:
Ich befinde mich im Moment in einem Dauerhoch, da hilft nur eine Schockbehandlung!


"Schock-Strategie" (Naomi Klein)?


Dachte eher an ein Platzen der Blase!!! Ein zurück zur Realwirtschaft, zurück zur Fabrik!

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30. Mai 2010, 22:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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Konicz mal wieder mit einem seiner genialen Texte (hoffentlich bald auf seinem Blog):

Zitat:
Alles auf Pump

Hintergrund. Seit beinahe 40 Jahren kann der Kapitalismus nur noch durch kreditfinanzierte Massennachfrage und rapide Staatsverschuldung überleben.


Das schöne Ende des Textes:

Zitat:
Die Antwort der Linken, der Lohnabhängigen und Marginalisierten auf diesen sich radikalisierenden Krisenprozeß – und die Krisenoffensive des Kapitals – kann vernünftigerweise nur möglichst radikal ausfallen: Sie muß das Problem an der Wurzel fassen. Es gilt, unter bewußtem Bruch der kapitalistischen Zwangslogik die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und eine breite Diskussion über Wege zu einer alternativen Gesellschaftsformation zu initiieren, in der eben diese Grundbedürfnisse befriedigt werden und in der Kapitalakkumulation und Privateigentum an Produktionsmitteln nur noch schlechte Erinnerungen an eine finstere, barbarische Vorzeit der Menschheit sein würden. Das Räsonieren über Finanzmarktregulierungen und Konjunkturprogramme – die ohnehin nur die Defizitkonjunktur in staatlicher Regie bis zum Staatsbankrott fortführen – können wir getrost der CDU und SPD überlassen.

12. Juni 2010, 02:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Die G20 trifft sich in Kanada um sich den Kopf über die Krise zu zerbrechen. Das Motto lautet "Sparen vs. Wachstum":

Zitat:
Der Gipfel der Entscheidung

Am G20-Gipfel in Kanada geht es am Wochenende um die alles entscheidende Frage: Rettet Sparen oder Wachstum die Weltwirtschaft? Die USA und Europa sind sich uneins wie selten sonst.

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25. Juni 2010, 13:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Zitat:
Robert Kurz

WER LEBT ÜBER SEINE VERHÄLTNISSE?

Zuerst waren es die Finanzmärkte, denen man angesichts der Krise mangelnde Seriosität bescheinigte, dann die Staatsfinanzen. Wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind, fallen den ohnmächtig gewordenen Mächtigen nur noch großmütterliche Weisheiten ein. Plötzlich ist die Rede von Schuldensünden allenthalben, als wäre das eine ganz neue Entdeckung. Wir hätten, so heißt es, über unsere Verhältnisse gelebt. Aber was bedeutet das? Würde es sich bloß um ein Fehlverhalten von Defizitsündern handeln, die gegen den „richtigen“ Kapitalismus verstoßen haben, dann müssten all diejenigen schlicht bankrott gehen, die ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Bei Lehman Brothers war das der Fall. Aber die Konsequenzen erwiesen sich als derart verheerend, dass seither die fälligen Bankrotte mit abenteuerlichen Finanzaktionen verschleppt werden. Zuerst im Bankensystem, dann bei Großkonzernen wie General Motors, schließlich bei Staaten wie Griechenland. Gegen die Marktgesetze pumpen die Notenbanken immer mehr Liquidität in die Märkte. Die angekündigten Einsparungen sind demgegenüber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es gibt eine einfache Erklärung für diesen inneren Widerspruch der staatlichen Maßnahmen. Schon immer befinden sich Schuldner und Gläubiger in einem Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit. Die Schulden der einen erscheinen als Guthaben der anderen. Dieses Verhältnis hat heute eine historisch beispiellose Dimension angenommen. Wie der Untergang von Lehman Brothers zeigte, droht jeder Großbankrott eine globale Kettenreaktion nach sich zu ziehen. Es gibt kein einfaches Verhältnis von Schuldnern und Gläubigern mehr, sondern die fiktiv gewordenen Guthaben dienen ihrererseits als Pseudo-Sicherheiten für die Kreditaufnahme. Alle Gläubiger sind auch Schuldner und umgekehrt. Der griechische Staatsbankrott musste verhindert werden, weil wichtige Großbanken auf den maroden Staatsanleihen in Höhe von dreistelligen Milliardenbeträgen sitzen. Dasselbe gilt für die faulen Kredite der Banken untereinander, der Produktionsunternehmen und der Privaten.

Was niemand wahrhaben will: Die materiellen Produktionskapazitäten sind über die gesellschaftliche Form der Kapitalverwertung hinausgewachsen. Deshalb greift auch das Argument zu kurz, dass wir es nun mit einer Sozialisierung der Verluste auf Kosten der Steuerzahler zu tun hätten. Das würde immer noch eine intakte reale Verwertung voraussetzen. Tatsächlich sind aber die Kreditblasen als Vorgriff auf eine imaginäre zukünftige Wertschöpfung zur fragilen Basis des gesamten Weltsystems geworden. Nimmt man die gesellschaftlichen Produktivkräfte als Maßstab, dann leben die meisten Menschen weit unter ihren Verhältnissen. Während nach internationalen Statistiken die globale Massenarmut weiter steigt, ist das Dasein der viel beschworenen Mittelschichten auch in den Schwellenländern vom aufgeblähten nationalen und transnationalen Kredit abhängig. Davon nährt sich beispielsweise der aktuell bejubelte Exportboom der Autoindustrie. Das Hinauszögern einer Marktbereinigung durch immer neue Bürgschaften und Umschuldungen ist nichts anderes als der Versuch, die Produktivkräfte weiterhin in die substanzlos gewordene Verwertungslogik einzubannen. Aber die Löcher im Finanzsystem werden nur gestopft, um neue aufzureißen. Die nächste Finanzkrise ist durch die aufschiebenden Maßnahmen selbst programmiert, egal wo sie ihren Ausgang nimmt. Es ist die kapitalistische Produktionsweise selbst, die längst über ihre eigenen Verhältnisse lebt.

29. Juni 2010, 15:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Aufschwung oder wie?

Zitat:
Harvard-Professor sieht Chinas Immobilienmarkt vor Crash

Der Immobilienmarkt in China steht vor dem Beginn eines Kollapses. Davon ist der Harvard-Professors Kenneth Rogoff überzeugt. Durch ein derartiges Szenario werde das Bankensystem des Landes hart getroffen.

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06. Juli 2010, 15:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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EU hält Rente mit 70 für notwendig

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/eu_haelt_rente_mit_70_fuer_notwendig_1.6463269.html

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07. Juli 2010, 15:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Griechenland erhöht Rentenalter auf 65 Jahre

Parlament stimmt zu - Weitere Proteststreiks gegen Sparprogramm


http://www.nzz.ch/nachrichten/international/griechenland_erhoeht_rentenalter_auf_65_jahre_1.6473542.html

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08. Juli 2010, 10:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Ein kleiner Vortrag von David Harvey zu den Ursachen der Krise wurde animiert:


15. Juli 2010, 16:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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krass!

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
15. Juli 2010, 22:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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On the road again:

Zitat:
Sind die USA das nächste Griechenland?

Das Defizit der US-Regierung im laufenden Jahr ist fünfmal so gross wie die jährliche Wirtschaftsleistung Griechenlands. Schlimm dran sind vor allem die Bundesstaaten.

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19. Juli 2010, 15:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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#!
19. August 2010, 12:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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in griechenland wird gerade der tiefe fall geuebt...wer noch nicht gebucht hat: anfang september gehts los!

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
20. August 2010, 16:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Savo hat Folgendes geschrieben:
in griechenland wird gerade der tiefe fall geuebt...wer noch nicht gebucht hat: anfang september gehts los!


A las barricadas!
20. August 2010, 16:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



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plant ihr echt auch per anfang september dahin zu gehn?

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"Es wird immer schwerer, normal zu sein"
21. August 2010, 02:31 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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bereits in GR. solltest du da unterwegs sein,gib bescheid.

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
21. August 2010, 09:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
Mehr als 40 Millionen US-Bürger - also ungefähr jeder siebte - erhielten mittlerweile Lebensmittelmarken, um sich in Supermärkten mit Essen und Trinken versorgen zu können, berichtete die Zeitung «USA Today». Das seien 50 Prozent mehr als zu Beginn der zurückliegenden Rezession im Dezember 2007.

http://www.20min.ch/finance/news/story/40-Millionen-beziehen-Sozialleistungen-24055694

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
30. August 2010, 15:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
O.B.M.F



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Griechenlands BIP mit -6,6% zum Vorjahresmonat

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15. Februar 2011, 19:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Da ja vor ein paar Tagen wieder mal das Ende der Krise verkündet wurde, hier eine kleine Korrektur:

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/dreifacher-staatsbankrott/

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05. März 2011, 00:47 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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"Der weltgrösste Rentenfonds von Pimco ist seit Februar nicht mehr in US-Anleihen investiert. Auch wenn US-Anleihen bereits einen starken Wertverlust hinter sich haben, warnt Fonds-Manager Bill Gross vor einem weiteren Kursrutsch. Eine US-Schuldenkrise rückt näher."

http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/us-staatsanleihen_vom_weltgroessten_rentenfonds_verschmaeht_1.9839969.html

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Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
10. März 2011, 15:36 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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lazlo wanda hat Folgendes geschrieben:
"Der weltgrösste Rentenfonds von Pimco ist seit Februar nicht mehr in US-Anleihen investiert. Auch wenn US-Anleihen bereits einen starken Wertverlust hinter sich haben, warnt Fonds-Manager Bill Gross vor einem weiteren Kursrutsch. Eine US-Schuldenkrise rückt näher."

http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/us-staatsanleihen_vom_weltgroessten_rentenfonds_verschmaeht_1.9839969.html


Das ist derbe. Hier wird es wohl zu eine Schuldenkrise kommen, die noch ein paar und grössere Visconsins nach sich ziehen wird. Wichtig ist zu glauben, dass die Krise vorbei ist. godmode

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10. März 2011, 15:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Griechenlands Abwärtsspirale

Auch wenn die Folgen des Erdbebens und der akut drohende AKW-Supergau in Japan alles überlagern, trotzdem ein Blick auf die heutigen detaillierten griechischen BIP-Daten und die Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von ELSTAT zum 4. Quartal 2010. Nirgendwo in den Medien sind diese desaströsen Daten reflektiert worden, obwohl sie das unglaubliche Versagen der Austeritätsmaßnahmen von IWF und EU dokumentieren und den schlechten Zustand und die unterentwickelte Leistungsfähigkeit der griechischen Volkswirtschaft offenlegen.

mehr

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19. März 2011, 18:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Platzt der grosse Euro-Deal?

In Portugal ist die Regierung zurückgetreten. In Deutschland laviert die Kanzlerin, die Lage dort wird prekär. Der Plan zur Rettung des Euro ist in Gefahr. Aber nicht nur aus politischen Gründen.

weiter: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Platzt-der-grosse-EuroDeal/story/29520724

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24. März 2011, 15:56 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Sehr schön, es geht abwärts!

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24. März 2011, 17:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
O.B.M.F



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Zur Angesparten Rezessionsspirale in Griechenland:

http://www.konicz.info/?p=1578

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24. März 2011, 22:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Zitat:
*Sehr schön, es geht abwärts!*


ich hab mühe mit so sprüchen, scheint mir die "kleine schläge auf den hinterkopf helfen beim denken" idee. nur weil der kapitalismus schlecht läuft gibt es ja nicht weniger kapitalismus. im gegenteil: in der krise wird alles fit gemacht für die neusten renditeanforderungen, die leute kommen erst recht unters messer.

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25. März 2011, 08:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Pressluftpinocchio
Schraubenverdreher


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Aber je weiter es abwärts geht, desto näher sind wir am Ausnahmezustand. Oder?

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25. März 2011, 11:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Käptn Kiff hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
*Sehr schön, es geht abwärts!*


ich hab mühe mit so sprüchen, scheint mir die "kleine schläge auf den hinterkopf helfen beim denken" idee. nur weil der kapitalismus schlecht läuft gibt es ja nicht weniger kapitalismus. im gegenteil: in der krise wird alles fit gemacht für die neusten renditeanforderungen, die leute kommen erst recht unters messer.


Nun ich bin schlicht froh, dass was geht. Auch wenn es für mich selbst eine Verschlechterung bedeuten wird.

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25. März 2011, 11:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Pressluftpinocchio hat Folgendes geschrieben:
Aber je weiter es abwärts geht, desto näher sind wir am Ausnahmezustand. Oder?


Es könnte auch in neuen Nationalen Kriegen enden, in einer Neuordnung der Welt. Jahrzehntelange Bürgerkriege, Armut, Ungewissheit.

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25. März 2011, 11:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
ratatoskr



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far hat Folgendes geschrieben:
Pressluftpinocchio hat Folgendes geschrieben:
Aber je weiter es abwärts geht, desto näher sind wir am Ausnahmezustand. Oder?


Es könnte auch in neuen Nationalen Kriegen enden, in einer Neuordnung der Welt. Jahrzehntelange Bürgerkriege, Armut, Ungewissheit.


Genau darauf wollte der Käpten ja wohl hinweisen. Es kommt halt sehr drauf an was die Leute sich so zusammendenken. Deshalb ist es ja so wichtig [/i]was geht.
25. März 2011, 12:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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ich geb euch ja recht, NUR bei fettgefressenen und gekauften arbeitern wird sich wohl so schnell nichts verändern. das geht wohl nur, wenn es den menschen schlechter geht. ist zwar scheisse, dass es so ist, wird aber wohl so sein. anders könnt ich mir nicht vorstellen, warum z.b. die arabischen emirate, kuwait usw. förmlich kohle verschleudern um die leute ruhig zu stellen.

wenn es dir nicht schlecht geht, revoltierst du wohl auch nicht!!!

_________________
Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
25. März 2011, 16:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Danger Mines!! hat Folgendes geschrieben:
ich geb euch ja recht, NUR bei fettgefressenen und gekauften arbeitern wird sich wohl so schnell nichts verändern. das geht wohl nur, wenn es den menschen schlechter geht. ist zwar scheisse, dass es so ist, wird aber wohl so sein. anders könnt ich mir nicht vorstellen, warum z.b. die arabischen emirate, kuwait usw. förmlich kohle verschleudern um die leute ruhig zu stellen.

wenn es dir nicht schlecht geht, revoltierst du wohl auch nicht!!!


Da sind wir eben gerade unterschiedlicher Auffassung. Verelendungstheorie ist nix. Es gibt keinen Automatismus zwischen schlechten Lebensumständen und Revolution! Abgesehen davon, dass die Leute schon hier und heute genug Gründe für eine Revolution hätten: Es hängt davon ab, wie sie sich die Welt erklären. Nicht davon wie es ihnen geht. Man kann sich auch entschliessen z.B. den Ausländern die Schuld zuzuschieben, sich selber oder der Menschennatur. Man kann sich entschliessen mit den Verschlechterungen zu leben, irgendwie über die Runden zu kommen...
25. März 2011, 19:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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oke, ich kann mit deiner antwort sehr gut leben.

was hat denn die aufstockung der sozialinstitutionen oder das generelle subventionieren der lebensmittel in gewissen arabischen staaten mit den protesten zu tun oder denkst du die machen das nun einfach per zufall in diesen "schwierigen" zeiten?

ich meine eben, dass es sowas wie eine grenze gibt die es zu unterschreiten gilt. die liegt natürlich in jeder region der erde anders. wird in der CH nicht gleich sein wie an der elfenbeinküste. einige kommentatoren der jüngsten proteste sehen ja auch die "hungerrevolten" der letzten jahre als vorbereitung der aufstände jetzt...

ich will ja damit auch nicht sagen, dass es schlau ist darauf zu warten bis es allen schlechter geht, sondern den zusammenhang sehn zwischen gewissen aktionen reicher arabischer staaten jetzt und andern die wohl eher die mittel nicht haben ihre bevölkerung zu kaufen.

dass wir menschen einen hang haben, die schnelle und einfache lösung zu suchen liegt wohl auf der hand. es ist nunmal einfacher auf andere zu zeigen um sein eigenes schicksal zu erklären. dieses bild geht aber irgendwann nicht mehr auf. spätestens dann, wenn die andern nicht mehr da sind und es mir immer noch scheisse geht... oder bei erkennung der lage in andern ländern. wenn ich mir z.B. bewusst werde, dass es überall die arbeiterklasse ist die leidet, unabhängig vom pass.

ich fänd es auch besser die leute würden sich einwenig emanzipatorischer mit ihren problemen auseinanersetzen. dann gäb es wohl mehr "sozialisten/innen" auf der welt!!

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25. März 2011, 20:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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hier z.B.:

Die Wut schürt weniger der konfessionelle Gegensatz als der Abgrund zwischen dem sagenhaften Reichtum der Herrscher und der eigenen Misere. Zwar ist Bahrain eines der wenigen arabischen Länder, das Arbeitslosen Unterstützung zahlt. Letzten Montag schenkte König Hamad jeder Familie 1000 Dinar zum "Tag der Arbeit". Muhammed aber lässt sich mit solchen Almosen nicht mehr abspeisen. "Die glauben tatsächlich, das ganze Land und das Geld, das sie daraus ziehen, gehört ihnen", empört er sich. "Dabei ist das unser Land und unser Geld."

gefunden auf: http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/nachrichten/ftd/PW/60015013.html



aber es war ja ähliches in den letzten tagen auch von den saudis und dem kuwait zu hören.

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25. März 2011, 20:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Zitat:
was hat denn die aufstockung der sozialinstitutionen oder das generelle subventionieren der lebensmittel in gewissen arabischen staaten mit den protesten zu tun oder denkst du die machen das nun einfach per zufall in diesen "schwierigen" zeiten?

ich meine eben, dass es sowas wie eine grenze gibt die es zu unterschreiten gilt. die liegt natürlich in jeder region der erde anders. wird in der CH nicht gleich sein wie an der elfenbeinküste. einige kommentatoren der jüngsten proteste sehen ja auch die "hungerrevolten" der letzten jahre als vorbereitung der aufstände jetzt...

ich will ja damit auch nicht sagen, dass es schlau ist darauf zu warten bis es allen schlechter geht, sondern den zusammenhang sehn zwischen gewissen aktionen reicher arabischer staaten jetzt und andern die wohl eher die mittel nicht haben ihre bevölkerung zu kaufen.


Nein, da steck schon Berechnung dahinter. Die Herrschenden sind dauern am schauen wie viel sie den Leuten so zumuten können, bzw. wieviel sie ihnen gewähren müssen, damit ihr Laden läuft. Da ist die Beruhigung sicher ein Gesichtspunkt, die Funktionstüchtigkeit ein anderer.
Klar kann eine Verschlechterung der Lage dazu führen, dass sich die Leute wehren (ob ihr Widerstand Erfolg hat steht dann auf einem anderen Blatt).
Die Leute haben aber ihre Gründe etwas nicht (mehr) hinzunehmen. Da gibt es keine Grenze die unterschritten werden müsste damit automatisch etwas geht. Die Leute könn(t)en auch für Verbesserungen kämpfen, einfach so.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass sich Leute wehren, die von ihrem Lohn nicht einmal mehr genügend Nahrungsmittel kaufen können um ihr Überleben zu sichern. Auch das muss nicht sein - weltweit verhungern täglich zwischen 40000 und 100000 Menschen.
Und wofür die Leute kämpfen ist dann auch noch entscheidend, ob sie z.B. dann für andere Verhältnisse kämpfen, oder einfach für mehr Lohn. Das hängt davon ab wie sie sich die Welt erklären.

Zitat:
ich fänd es auch besser die leute würden sich einwenig emanzipatorischer mit ihren problemen auseinanersetzen. dann gäb es wohl mehr "sozialisten/innen" auf der welt!!

word
26. März 2011, 10:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Droht die grosse Stagnation?

Zitat:
Der hohe Ölpreis schwächt die angeschlagene Weltwirtschaft, der Aufschwung gerät in Gefahr.


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"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
08. Juni 2011, 14:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Ich finde das wirklich höchst ärgerlich. Jetzt ist es der Ölpreis, der die Weltwirtschaft gefährdet. Man muss sich das mal klarmachen: Auf der Oberfläche sind es immer verschiedene quasi externe Faktoren, die dafür sorgen, dass die nächste "Konjunkturdelle" zu verzeichnen ist. In den meisten Fällen sind aber die Erklärungen selbst auf der Oberfläche einfach Humbug. Dass die sogenannten "Experten" damit durchkommen, ist nur darauf zurückzuführen, dass die "Wirtschaftswissenschaft" keine Wissenschaft, sondern in erster Linie eben Gottesdienst, ist. Im aktuellen, hier vorliegenden Fall ist die Höhe des Preises - die Fördermenge wird ja gleich hoch bleiben - auf Spekulationen auf dem Rohstoffmarkt zurückzuführen. Diese Spekulationen kommen daher, dass die Kapitale in der sogenannten Realwirtschaft nur noch mangelhafte Profitraten erzielen - was übrigens mit der organischen Zusammensetzung des Kapitals zu tun hat - und deshalb in die spekulative Sphäre drängen. Was da jetzt passiert ist einfach eine Folge dessen, was auch für die sogenannte "Imobilienkrise" verantwortlich war. Der Typ im Tagi dreht die Sache einfach um und erklärt das strukturelle Problem (im Bürgisprech: Stagnation) zur Folge des externen Faktors (Höhe des Ölpreises). Tatsache ist aber, dass es gerade umgekehrt ist, dass seit Mitte der 70er-Jahren verschiedene Oberflächenphänomene zu verzeichnen sind, die mit dem Ende der Boom-Nachkriegsphase einzug gehalten haben. Da liegt was grundsätzlicher im Argen: Da muss man vom tendenziellen Fall der Profitraten, von der zu hohen organischen Zusammensetzung des Kapitals und von Überakkumulation sprechen. Das ist der Grund, warum ich im anderen Thread eine marxistische Erklärung gefordert habe: Dem Phänomen kommt man nur mit marxistischen Begriffen bei. Was heute in den Medien produziert wird, ist nicht anderes als Abwiegelung und Verschleierung (nicht bewusst versteht sich - sondern der kreuzverkehrten bürgerlichen Ökonomietheorie folgend). Ich schrieb mal in einem Artikel über Keynes und die Krise einen Abschnitt ganz kursorisch:

Zitat:
Die Logik der Krise
Um zu verstehen, warum die an Keynes orientierten Wirtschafsinterventionen die Krise nicht über-winden können, muss man einen Blick auf Marx’ Kritik der politischen Ökonomie werfen. Dies nicht nur, um sich zu erklären, was da genau kracht im Gebälk der Weltwirtschaft, sondern auch um fatale politische Positionen die sich bis weit in die radikale Linke hinein verbreiten, kritisieren zu können. Einerseits bedeutet die keynesianische Wirtschaftspolitik mitnichten notwendig eine temporäre Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Keynes selber schreibt, dass man wegen möglicher Widerstände des Proletariats statt einer Lohnpolitik besser eine Politik der gesteuerten Inflation betreiben solle. Zudem ist die Wirkung der staatlichen Nachfrageankurbelung nicht zwingend eine Ankurbelung der Kaufkraft der Proletarisierten. Andererseits ist die Befürwortung der staatlichen Krisenpolitik auch notwendig ein antirevolutionärer Impuls, welcher ausgerechnet den ideellen Gesamtkapitalisten, den bürgerlichen Staat zum Retter der Menschen vor dem Moloch Kapital umlügt. Der Staat steht zwar über den Einzelkapitalen, aber er ist nicht ausserhalb des Kapitalverhältnisses angesiedelt. Um seine Wirtschaftspolitik zu betreiben muss er entweder Mehrwert aus den profitablen Zweigen der Privatwirtschaft abzweigen und so diese schwächen. Oder aber er spekuliert auf zukünftige Mehrwertproduktion und verschuldet sich entsprechend. Beides ändert an der grundsätzlichen Akkumulationsproblematik nichts.

Die Krise kommt in die Welt, weil der Kapitalismus so «erfolgreich» ist. Die Krise rührt nicht etwa von mangelnder Produktivität her, sondern gerade daher, dass die Produktivkräfte unglaublich entwickelt werden. Denn wenn die Arbeit die alleinige Quelle des Werts ist, die kapitalistischen Produktionsweise in ihrem Fortschreiten jedoch diese Arbeit beständig durch Maschinerie ersetzt, untergräbt sie damit ihre eigene Grundlage. Die von den Arbeiterinnen bedienten Maschinenungeheuer werden immer gigantischer und lassen die Menge der produzierten Waren ins Unermessliche wachsen. Die Verwertung aber wird zunehmend schwierig, weil immer größere Summen für für Maschineeri und anderes konstantes Kapitel aufgewendet werden muss. Die zu investierende Kapitalmenge wird im Verhältnis zum Profit immer ungeheurer. Dieses Problem führt dazu, dass eine starke Kapitalüberakkumulation vorliegen kann, die Kapitalmenge aber dennoch nicht ausreicht um gesamtgesellschaftlich auf neuer Stufenleiter eine profitable Produktion zu garantieren.

Es ist aber kein existenzielles Problem, solange die Produktion und der Absatz entsprechend ausge-dehnt werden können. Solange der schrumpfende Anteil der wertproduzierenden Arbeit durch ihr absolutes Wachstum, die sinkende Profitrate durch eine wachsende Profitmasse wettgemacht werden kann. Solange also eine wesentlich höhere Masse von Waren abgesetzt werden kann, was nur über eine enorme Ausdehnung des Marktes möglich ist. Je mehr Arbeiterinnen jedoch durch Maschinen ersetzt werden, je stärker das Kapital seine sinkende Profitabilität durch Angriffe auf die Reallöhne auszugleichen versucht, umso mehr verschärft sich der Widerspruch zwischen der Produktion des Wertes und seiner Realisierung durch den Verkauf auf dem Markt. Der Keynesianismus und der Neoliberalismus stellen bloss zwei Seiten dieses unlösbaren Widerspruchs dar: Der Neoliberalismus will die Profitraten sanieren in dem er die Lohn- und Lohnnebenkosten senkt, dabei reduziert er aber die Nachfrage der Arbeiter und Arbeiterinnen. Er untergräbt also die Bedingungen der Realisierung des Wertes auf dem Markt zugunsten einer Sanierung der Profitraten. Der Keynesianismus seinerseits will die Nachfrage ankurbeln, ist dazu aber gezwungen direkt oder indirekt auf die Profite der Kapitale zuzugreifen. Beide Antworten verschärfen den jeweils entgegengesetzten Pol und berühren die Krise nicht in ihrem Kern.


Das ist eine sehr gestraffte und relativ oberflächliche Betrachtung der Logik der Krise, aber sie gibt vielleicht einen kleinen Einblick darin, wie man diese Logik begrifflich halbwegs zu fassen kriegt. Wer sich weiter damit auseinandersetzen will, der soll im Kosmoprolet 2 den Text von Sanders "eine Krise des Werts" durchlesen... oder halt gleich in den dritten Band des Kapitals einsteigen.

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Power to the Pöbel!
08. Juni 2011, 16:40 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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jawoll, allerdings:

Seite 413

"Die eingehende Analyse des Kreditwesens und der Instrumente, die es sich schafft (Kreditgeld usw.), liegt außerhalb unsers Planes. Es sind hier nur einige wenige Punkte hervorzuheben, notwendig zur Charakteristik der kapitalistischen Produktionsweise überhaupt. Wir haben es dabei nur mit dem kommerziellen und Bankierkredit zu tun. Der Zusammenhang zwischen dessen Entwicklung und der des öffentlichen Kredits bleibt außer Betracht."


Seite 488

„Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweise zu verdreifachen durch die ver­schiedene Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiedenen Händen unter verschiedenen Formen erscheint. Der größte Teil dieses ‚Geldkapitals‘ ist rein fiktiv.“

http://marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_f/fiktives_k.html

Die Finanz / Schulden - Krise ist keine "traditionelle" Krise der Überakkumulation im Produktiven Kapital. Diese Krise ist direkt im Kreditsektor losgebrochen, es handelt sich um eine Entwertung von fiktivem Kapital. Hypothekenkredite konnten nicht mehr bezahlt werden, weil die Kapitaleigenschaft der Sicherheiten vom steigenden Wert abgeleitet wurden. Marx konnte von zusätzlichen Schönheiten wie Collateral Debt Obligations zu seiner Zeit noch nichts wissen, da sind die Artikel im GSP hilfreich.

das mit dem ölpreis habe ich auch gesehen und mir einfach die augen gerieben..

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08. Juni 2011, 16:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Die Finanz / Schulden - Krise ist keine "traditionelle" Krise der Überakkumulation im Produktiven Kapital. Diese Krise ist direkt im Kreditsektor losgebrochen, es handelt sich um eine Entwertung von fiktivem Kapital.


Ich weiss, was der GSP zur Krise zu sagen hatte und hat und ich bin damit eben nur halbwegs glücklich. Es trifft zwar zu, dass sich die Krise als eine Krise des Kreditsektors (inbesondere der Hypotheken in der USA) dargestellt hat. Es ist damit aber noch kein Wort darüber verloren, warum sich ein derart unsicherer Sektor (bis hin zu den sogenanntne NINJA-Krediten) überhaupt dermassen aufblähen konnte - und aufblähen musste. Und da ist eben die Analyse von Karl Marx hilfreich: Von 1945 bis in die 70er-Jahre war die Reproduktion des Kapitals auf erweiterter Stufenleiter eine relativ reibungslose Angelegenheit. Die Gesellschaft prosperierte. Die Akkumulation von Kapital lief rund. Mitte der 70er gab es dann einen ersten Kriseneinbruch. Ein erstes Mal war die Reproduktion von Kapital nicht mehr problemlos zu bewerkstelligen: Da gab es eben eine Divergenz zwischen dem akkumulierten Kapital und den möglichen Investitionsmöglichkeiten bei entsprechenden Profitraten. Die Aufblähung des ganzen Spekulationssektors (inkl. Kreditsektor) hat eben darin seinen Ursprung, dass es zuviel an Kapital gab um es mit den entsprechenden Profitraten in der "Realwirtschaft" anzulegen. Es gab also faktisch eine Überakkumulation (die übrigens bedeuten kann, dass es zuwenig Kapital gibt um das Gesamtkapital auf neuer Stufenleiter zu reproduzieren) von Kapital, die dazu führte, dass die Sphäre der Spekulation immens anwuchs und der direkte Ausbruch der Krise - wir haben seither eine gute Hand voll verschiedener Oberflächenphänomene mitgekriegt (dot.com, Ölkrise etc.) - aufgeschoben wurde.

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08. Juni 2011, 17:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beitrag Antworten mit Zitat
Muoit schreibt:
Zitat:
Es gab also faktisch eine Überakkumulation (die übrigens bedeuten kann, dass es zuwenig Kapital gibt um das Gesamtkapital auf neuer Stufenleiter zu reproduzieren) von Kapital...

Könntest du erläutern, was das in Klammern in diesem Zusammenhang genau bedeutet?
09. Juni 2011, 10:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ich habe in diesem Klammersatz für die Krisenerklärung einen wesentlichen Faktor aussen vor gelassen: Den der Profitabilität. Da ging es aber auch weniger um die Erklärung der Krise, als mehr darum dieses Paradoxon aufzuzeigen, dass immer mehr Kapital benötigt würde um gleichbleibende oder sogar sinkende Profite zu generieren (wegen dem tendeziellen Fall der Profitrate). Es kann zwar mehr Kapital vorhanden sein, als je zuvor, aber dieses findet keine genug profitablen Investitionsmöglichkeiten mehr in der "Realwirtschaft". Es gibt also eine Überakkumulation. Es müsste immer mehr Kapital vorgeschossen werden um einen gleichbleibenden oder sogar sinkenden Profit zu erzielen. Folgendes meinte ich eigentlich damit: Es wäre genug Investitionsmöglichkeit da, aber dem Kapital reichen die Profitraten nicht aus. Und auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene müsste mehr Kapital vorgeschossen werden als jemals zuvor um das Kapital auf erweiterter Stufenleiter zu reproduzieren (unter diesem letzten Gesichtspunkt könnte man davon sprechen, dass sogar insgesamt zu wenig Kapital vorhanden wäre, obwohl es eigentlich eine Überakkumulation gibt).

PS: Weil ich auch schon eine marxistische Erklärung der Krise gefordert habe. Bei Paul Mattick lässt sich einiges in Erfahrung bringen. Zum Beispiel hier: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/mattick/1974/krise/1-boek.htm

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09. Juni 2011, 13:21 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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hier noch das protokoll vom jour fixe zur eurokrise:

http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2011/jf110530.html

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10. Juni 2011, 10:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag @muoit Antworten mit Zitat
Hallo, Matticks Analyse fusst ja weitgehend auf der Grossmannschen Interpretation der Marxschen Reproduktionsschematas. Nur um unseren Horizont zu erweitern, stelle ich noch folgenden Link zur Verfügung (super, dass es so einen Linkt gibt, da ich den Text vor ein paar Jahren gelesen hatte, finde aber das Buch nicht mehr...). Ich glaube letztlich nimmt es uns niemand ab, dass wir die Analyse auf marxistischer Ebene selber neu zu formulieren versuchen. Bisher habe ich jedenfalls sonst nichts gesehen, dass dem Anspruch z. B. der Kritik von Pannekoek genügt, der die seinerzeitigen marxistischen Theorien aufgearbeitet hatte, das war aber 1934. Mattick hat ja dann seine Analysen in den 50er-Jahren entwickelt, was ja schon eine Zeitlang her ist. Was die ganze Krisenentwicklung seit 70ern betrifft, gibt es ja schon einiges, bisher habe ich aber noch keine Analyse gefunden, die mich wirklich überzeugt, aber vielleicht verstehe ich einfach nicht alles... Wie auch immer, unten noch der Link und die Titel kurz aufgelistet:

http://www.marxismus-online.eu/archiv/klassiker/pannekoek_zusbruch.html

Anton Pannekoek:

Die Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus

Inhalt:

Einleitung
Marx und Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg und Otto Bauer
Das Grossmannsche Reproduktionsschema
Grossmann contra Marx
Der Historische Materialismus
Die neue Arbeiterbewegung
11. Juni 2011, 17:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Der Aufschwung kommt, haben sie gesagt...

WSWS: Weltwirtschaft rutscht tiefer in die Rezession

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"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
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O.B.M.F



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Zur letzten Krisenetappe vor dem grossen Fall:

http://de.indymedia.org/2011/08/314375.shtml

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
22. August 2011, 14:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Industrie in Eurozone auf dem Weg in die Rezession

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
02. November 2011, 21:40 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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