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Haiti

 
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Haiti
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Savo



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Beitrag Haiti Antworten mit Zitat
hier bitte texte und infos zur situation in haiti sammeln, wo in diesen tagen auf barbarischste art und weise klar wird, wie diese gesellschaft funktioniert.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Hungrige-Haitianer-pluendern-LebensmittelLager/story/30973903

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Die-Katastrophe-als-Kassenschlager/story/10209018

nur reiche dürfen fliehen:

http://videoportal.sf.tv/video?id=208ad1c0-d396-4725-810c-892cbe5c6926

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
16. Januar 2010, 02:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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http://www.20min.ch/news/ausland/story/13479584

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
18. Januar 2010, 20:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Ein Artikel der Sozialistischen Alternative:

Haiti – der widerliche Zynismus des Kapitalismus
20. Januar 2010, 20:57 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Zitat:
Haiti entwickelt sich wieder zur Kolonie

Die Folgen des Erdbebens in Haiti sind noch unabsehbar, doch die USA, Frankreich und Brasilien streiten bereits um die Vorherrschaft im Land. Die haitianische Regierung schaut ohnmächtig zu. Experten prognostizieren, dass das Land in den nächsten Jahren wieder zu einer Art Kolonie werden wird.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,672531,00.html

Zitat:
[...] Eine militärische Besetzung Haitis ist keine bloße Verschwörungstheorie, sondern wird von rechten Denkern in den USA sogar offen gefordert. Denn diese fürchten, das Land könnte sonst unter den Einfluss von Kuba und Venezuela geraten.

Ein anderer Grund für eine Besetzung könnte in den gewaltigen Ölvorkommen liegen, die unter Haiti vermutet werden. Glaubt man Daniel und Ginette Mathurin und ihrem Artikel "Haiti ist voller Öl", so hat "Haiti [...]

http://www.sein.de/news/2010/januar/wird-haiti-durch-die-usa-besetzt.html
26. Januar 2010, 10:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Zitat:
Italien spekuliert darauf, einen etwaigen EUROGENDFOR-Einsatz zu koordinieren und entsendet 185 Carabinieri, die in den kommenden Tagen nach Haiti eingeflogen werden. Die italienischen Militärs reisen indes mit dem neuen Flugzeugträger "Cavour", der in rund 10 Tagen in Port-au-Prince eintreffen soll. "Ich denke, für eine Jungfernfahrt ist das ein wirklich toller Einsatz", freut sich der Kommandant der "Cavour". An Bord sind 1.000 Militärs, Ärzte, Rotkreuzhelfer und eine "Vorhut" von Polizisten. Die Truppen waren vorgestern von Verteidigungsminister La Russa mit einem militärischen Ritual verabschiedet worden. Unter ihnen befinden sich rund 100 Gebirgsjäger, die auch bei der Handhabung der Proteste gegen den G8-Gipfel in L' Aquila im Einsatz waren (G8-Gipfel mit Drohnen und Datenbanken gesichert) und regelmäßig in italienischen Städten "patrouillieren".

mehr: www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31936/1.html
27. Januar 2010, 23:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Zitat:
Das besondere Interesse der USA wird so beschrieben: "Riesige Schulden und Desinteresse des Auslands machten Haiti schon vor den Erdbeben zum gescheiterten Staat. Sie sind wieder da. Helikopter der US-Armee landeten letzten Mittwoch auf dem Gelände des zusammengestürzten Präsidentenpalasts in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Soldaten mit umgehängtem Sturmgewehr übernahmen das Gelände und richteten eine Zentrale ein. Der Flughafen wird bereits seit einigen Tagen von den Marines kontrolliert. Sie entscheiden darüber, welche Maschinen mit Hilfsgütern für die Erdbebenopfer landen dürfen und welche erst einmal auf Flughäfen der benachbarten Dominikanischen Republik verharren müssen. Und sie entscheiden darüber, wer das Land verlassen darf.. Ein Flugzeug der US-Luftwaffe mit einer Radiostation an Bord kreist über dem zerstörten Haiti und funkt in der dort gesprochenen Volkssprache Creol nur eine Botschaft: Bleibt zu Hause. Versucht nicht, in die USA zu gelangen. Ihr seid dort nicht willkommen. Wen wir auf dem Meer erwischen, den schicken wir zurück. Was als grösste humanitäre Hilfsaktion der USA verkauft wird, ist im Grunde Verteidigungspolitik gegen Elendsflüchtlinge..."

http://www.labournet.de/internationales/rh/soldaten.html
27. Januar 2010, 23:40 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Melnitz



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WSWS: "Wiederaufbau in Haiti" auf Basis von Hungerlöhnen

Zitat:
Der Plan, der auf Geheiß der UNO im letzten Jahr ausgearbeitet wurde, läuft darauf hinaus, die Wirtschaft Haitis durch die Einrichtung von Freihandelszonen zu entwickeln. Dort sollen Haitianer in Textilbetrieben zu Hungerlöhnen ausgebeutet werden.

Die Initiative basierte auf einem UN-Bericht des Oxford-Professors Paul Collier aus dem letzten Jahr. Auf perverse Weise erklärt der Bericht die Armut Haitis - es handelt sich um das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre - zum wichtigsten Vorteil des Landes in der globalen Wirtschaft.

"Wegen seiner Armut und des relativ ungeregelten Arbeitsmarktes hat Haiti Arbeitskosten, die voll mit China konkurrieren können, das die globalen Maßstäbe setzt", schreibt Collier.

[...]

Diese soziale Umstrukturierung im Interesse der einheimischen herrschenden Klasse und des ausländischen Kapitals wird unweigerlich sozialen Aufruhr und Widerstand hervorrufen, weil sie auf Kosten der breiten Massen der Arbeiter und der Armen in Haiti stattfindet. Das ist der Grund, weshalb Washington zunächst einmal den Stiefel auf das Land gesetzt hat, bevor das Leben von Erdbebenopfern gerettet wurde.

28. Januar 2010, 01:45 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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elite-handlanger hat Folgendes geschrieben:
in ökonom der uni oxford hat mit zackiger logik für die uno einen reformplan gemacht. das war 2009. und tatsächlich: katastrophenkapitalismus. textilfabriken und mangoplantagen. argument: global konkurrenzfähige löhne. haitis unterklassen sind sehr arm und deshalb sehr billig. und: nur zwei flugstunden von miami beach entfernt. in china zumachen und in haiti aufmachen. so geht das. sonderwirtschaftszonen gleich nebenan. das ist wie die renault-fabrik, die sie im iran nach dem erdbeben neben der zerstörten stadt bam aufgemacht haben. der lohn ist da zur deckung der reproduktion. und zeltlager sind billiger als betonblocks. zeltlagerhomies können aber genauso t-shirts nähen oder mangos pflücken wie betonblocker. nur eben billiger. damit vergrössert sich die gewinnmarge. so ist eine zurichtung haitis nach kapitalistischen kriterien eben doch potenziell lukrativ.

http://www.chefduzen.ch/viewtopic.php?f=14&t=176&sid=1a2bae3b89ff504a7fa51248041b4c20#p677
06. Februar 2010, 15:49 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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http://ofenschlot.blogsport.de/2010/10/28/ruhe-und-ordnung-auf-haiti-ein-erfolgsgeschichte/

Es geht in gewohnter Manier weiter...

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
29. Oktober 2010, 11:40 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Haiti 10 Monate später:
http://www.boston.com/bigpicture/2010/11/haiti_ten_months_later.html

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06. November 2010, 12:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



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Beitrag Haiti gegen Militärs und Mikroben Antworten mit Zitat
Zitat:
In Haiti hat die angespannte soziale Lage und die Präsenz der UN-Blauhelmtruppe [extern] MINUSTAH zum wiederholten Mal tödliche Gewalt provoziert. Bei einer Demonstration im Norden des verarmten Karibikstaates kam es nach Berichten lokaler Medien zu Zusammenstößen zwischen Protestteilnehmern und ausländischen UN-Soldaten. Dabei wurden zwei Demonstranten erschossen, mindestens drei erlitten Schussverletzungen. Der Protest richtete sich gegen eine UN-Einheit, die nach Befürchtungen der lokalen Bevölkerung eine derzeit in Haiti wütende Cholera-Epidemie eingeschleppt haben könnte. Erste Untersuchungen bestätigen diese Vermutung nun. Der Fall könnte die ohnehin bestehenden Proteste gegen die Militarisierung Haitis weiter anheizen.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33675/1.html

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19. November 2010, 14:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
lazlo wanda



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Beitrag Antworten mit Zitat
Die ila (Informationsstelle Lateinamerika, Bonn) hat eine sehr gute Themenausgabe zu Haiti rausgebracht.

Sehr lohnenswert sind die folgenden Beiträge:
- Malte Meyer über die Coumbite-Ökonomien und über die karibischen Emanzipationsbewegungen ("Toussaint auf Cuba")
- Das Interview mit DJ Haitian Star (Torch)
- Das Phänomen Aristide (von Peter Scheiffele und Christian Frings)


alle Artikel sind unter folgendem Link verfügbar:
http://jump.fm/RQTQD

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Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"

Zuletzt bearbeitet von lazlo wanda am 23. Dezember 2010, 13:04, insgesamt einmal bearbeitet
23. Dezember 2010, 13:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Sehr cool. Danke vielmals.

EDIT: Zu früh gefreut. Ich kann den Text nicht lesen. Die Bildqualität ist zu schlecht. Hab nur ich das Problem? Oder liegts am Scan?

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
23. Dezember 2010, 13:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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O.B.M.F hat Folgendes geschrieben:
Sehr cool. Danke vielmals.

EDIT: Zu früh gefreut. Ich kann den Text nicht lesen. Die Bildqualität ist zu schlecht. Hab nur ich das Problem? Oder liegts am Scan?


Habe es jetzt auf 10 verschiedene Arten versucht, und weiss nicht, was das Problem ist...Stelle die wichtigen Artikel als Text rein...

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Zuletzt bearbeitet von lazlo wanda am 23. Dezember 2010, 13:21, insgesamt einmal bearbeitet
23. Dezember 2010, 13:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Sonst auch so:

Zitat:

Chaos sehr stolz


Interview mit DJ Haitian Star über seine deutsch-haitianische Kindheit, haitianische Musik, Geschichte und Gegenwart

Mit bürgerlichem Namen heißt er Frederik Hahn. Sein Vater kommt aus Ostpreußen, seine Mutter aus Pétionville, Haiti. Bekannt geworden ist er als Rapper Torch von der Hiphop-Combo Advanced Chemistry, die Anfang der 90er Jahre zu den ersten gehörte, die mit Titeln wie „Fremd im eigenen Land" auf Deutsch rappte. In den letzten Jahren macht er vor allem als DJ Haitian Star von sich reden. Britt Weyde hat sich mit dem 39-Jährigen, der in Zukunft gerne hinter den Kulissen, etwa im TV-Bereich, agieren möchte, getroffen und allerlei Spannendes über ihn und Haiti erfahren.


Seit wann nennst du dich DJ Haitian Star und warum?

Ich bin etwa seit 1982 DJ, den Namen DJ Haitian Star gibt es aber erst seit fünf, sechs Jahren. Wenn ich in Haiti gelebt hätte, würde ich mich wahrscheinlich German Star nennen. Den Namen hat mir ein befreundeter DJ aus Mannheim verliehen. Vorher wäre ich eigentlich nie auf die Idee gekom¬men, meiner DJ-Tätigkeit eine eigenständige Identität zu geben. Aber das ist ganz gut, weil ich beim Rap zwar live ganz gut abgehe, aber im Studio gerne ruhigere Lieder ma¬che, zum Zuhören und Analysieren. Und beim DJing haue ich gerne so richtig auf die Kacke. Das sind meine beiden Pole: Der Torch auf Platte ist eher der Märchenonkel, der dir nachts um fünf unterm Kopfhörer eine kleine Anekdote erzählt und der Haitian Star ist der Typ, der dir irgendwelche haitianischen Lieder, breakbeats oder deutschen Schlager um die Ohren haut und du nicht weißt, was los ist, und es schon zu spät ist, weil du bereits tanzt.

Was legst du auf?

Alles. Ich nenne es Hiphop, weil Hiphop ja keine reine, pure Musik ist. Hiphop ist eben nicht Funk oder Soul oder Rock, sondern das alles vermixt. Mittlerweile ist das nicht mehr ganz nachvollziehbar, weil es ein eigenes Genre geworden ist, mit Unterabteilungen etc. Aber meiner Meinung ist das ein Missverständnis: Hiphop ist kein Musikstil, sondern ein bestimmter Umgang mit Musik, das Neuinterpretieren und Neubesetzen von Musik und Instrumenten.

Bei deinen DJ-Sets sind also auch haitianische Sachen zu hören, Compás z.B.?
Nicht immer, aber ein, zwei Songs sind meistens dabei. Ich hab' auch schon mal in Hamburg zwei Stunden lang nur haitianische Musik gespielt. Die erste Stunde ging gar nichts, die Leute haben Hiphop erwartet und sich ange¬guckt, ist das der Torch? Irgendwann haben die Ladies angefangen zu tanzen, dann kamen auch die Männer und am Schluss drehten sie alle durch. Das dauert ein bisschen, weil die Musik nicht bekannt ist. Sie hat es auch schwer, weil sie nicht so klassifizierbar ist. Die Leute wissen nicht, wie sie darauf reagieren und tanzen sollen, die Sprache ist ihnen nicht bekannt. Witzigerweise war haitianische Musik in Afrika oder in Mittelamerika immer sehr präsent und hat einen wichtigen Stellenwert gehabt. In vielen afrikanischen Ländern ist die haitianische Musik auch als Pop-Vorbild genommen worden, obwohl sie natürlich auch ihre eigene Popmusik hatten.

Wie bist du musikalisch sozialisiert worden?

Ich bin in Deutschland aufgewachsen und in dem Deutsch¬land, das ich kannte, haben die Eltern immer andere Musik gehört als ihre Kinder. In der Schule finden die Jugendli¬chen Klassik todlangweilig, ab einem bestimmten Alter findet man in Deutschland Klassik wieder super. Dann gibt es die Generation, die Rock und Punk gehört hat, die wür¬den niemals etwas „Seichteres" hören, wie z.B. haitiani¬schen Compas, das wäre denen viel zu cheesy. Doch all diese Probleme hatte ich nie, mit diesen ganzen aufgeladenen Musikinterpretationen. Ich bin mit den gegensätzlichen Musikstilen grundlegend aufgewachsen. Meine Mutter hat die haitianischen Sachen mitgebracht, aber sie hat auch viel französische Chansons gehört. Und gerne mal deutschen Schlager, nicht diese ganz dummen Sachen, aber z.B. Michael Holm, „Musst du jetzt gerade gehen, Lucil-le". Mein Vater hätte so etwas nie gehört, der war eher für Jazz zu erwärmen und hatte auch die eine oder andere Ton-Steine- Scherben-Platte im Schrank. Kurz gesagt, da war schon fast alles abgedeckt, zumindest von den Extremen her. Die haitianischen Partys bei uns zuhause waren sehr exzessiv. Da hat man nicht nur die Musik gehört, sondern auch ge¬lernt, sie zu zelebrieren, auf die verschiedenen Lieder und Stile zu tanzen. Damals fiel mir schon auf, dass bei vielen deutschen Partygästen eher angesagt war, in der Ecke zu stehen, Zigaretten zu rauchen und über Politik zu diskutie¬ren. Schön und gut, aber das ist keine Party, ähnlich wie wenn du in den Opernball gehst und da stehen sie alle mit ihrem Sektgläschen rum. Das ist fast die gleiche Kultur. Stillstand. Als Kind war mir das zu wenig: Jetzt ist endlich
Party, du rennst halbnackt durch die Wohnung und die stehen da und diskutieren. Auf den Partys lief dann auch fast nur haitianische Musik.
Als ich angefangen habe selber Musik zu machen, kam der Hiphop dazu, der gesagt hat, mix doch alles zusammen und mach was Neues draus! Auf einmal musste man sich nicht mehr entscheiden. Und diese Entscheidungen gab es ja vorher auch schon: Bist du Deutscher, bist du Haitianer, wo gehörst du hin? Das hat mich total verwirrt. Als Kind willst du einfach nur Playmobil spielen und dein Ding machen, du willst dich nicht entscheiden.

Welche haitianische Musik gefällt dir am besten?

Ich habe keine haitianische Lieblingsmusik, weil es verschiede¬ne Musikstile gibt, die unterschiedlichen Stimmungen dienen, mit Compas z.B. verbinde ich etwas ganz Bestimmtes: Ich bin in Haiti auf einem Ball, für den man sich schick gemacht hat, eine Band spielt, man tanzt mit einer Frau zusammen. Und das ist die Hauptmusik dort, sie ist überall. Dann die Karnevalsmusik, superschnell, Zwölf¬minutensongs, die total variieren. Sie läuft normalerweise nur beim Karneval oder wenn man auf Feiern Karnevalsstim¬mung produzieren möchte: Die Musik geht voll ab, die Leute sind besoffen, du drehst durch. Des
Weiteren die Rara-Musik, wo 20 Leute tausend kleine Instru¬mente spielen und singen, das musst du live sehen. Das ist im Prinzip moderne Vodou-Musik. Im Vodou hast du genau festgelegte Rhythmen, seltsame Sechszehntel-zu-Fünftel-Rhythmen, die nicht jeder spielen kann; die Texte sind genau festgelegt, das ist Tradition, wie in der Kirche. Es wird improvi¬siert, aber nicht irgendwie, dafür gibt es auch Regeln. In Anleh¬nung daran gibt es Weiterentwicklungen, da sind dann auch E-Gitarren erlaubt usw., Boukman Eksperyans gehören z.B. zu dieser Richtung. Dann hast du die Troubadour-Musik, die sehr spärlich instrumentiert ist, meistens nur Gitarre, übrigens das wichtigste Instrument Haitis. Und das ist alles supergenial - zu seiner Zeit. Ich liebe eigentlich alles.
Rap gibt es auf Haiti auch schon seit einiger Zeit, aber hatte nie so einen großen Stellenwert. Man kann das vielleicht auch so erklären: In Deutschland haben viele Sachen gefehlt, für mich, als Kind. Als dann z.B. amerikanischer Rap kam, hat er etwas ausgefüllt, was vorher nicht da war. Das konnte mir Udo Jürgens nicht geben. In Haiti hingegen ist die Welt so groß und komplett, dass sich vieles dort nicht so gut platzieren konnte, weil die Leute schon alles hatten. Deswegen haben sie die Stile eher zitiert, weil sie sehr, sehr offen sind. Beim Reggae war das ähnlich, der war in Haiti stets ein Randphänomen.

Sprichst du auch Creole?

Ich spreche auch Kreolisch, aber nicht so gut, weil es eher eine gesprochene Sprache ist und weniger Schriftsprache, ein bisschen wie Schweizerdeutsch. Creole hat aber im Gegensatz zu Schweizerdeutsch eine Grammatik. Das wird aber heißer gekocht als gegessen: bei 80 Prozent Analphabeten und einer Sprache, die sich sehr schnell wandelt. Zuhause bin ich mehrsprachig aufgewachsen, meine Mutter hat mit mir französisch gesprochen. Kreolisch habe ich nie aktiv gelernt, aber es war immer da, durch die Familie meiner Mutter, ihre Freunde, wenn sie sich aufgeregt hat oder wenn sie sehr happy war. Lieder und Musik waren sehr präsent; außerdem ist mein Onkel, Georges Castera, ein sehr bekann¬ter Dichter in Haiti. Die kreolischen Sprichwörter sind auch wichtig gewesen, die gibt es zwar manchmal übersetzt, aber eigentlich musst du sie dir auf Kreolisch reinballern, um die Tragik oder den Humor zu erfahren. Und am wichtigsten
waren natürlich meine HaitiaAufent-halte, wo ich sozusa¬gen teilsozialisiert worden bin. Wenn ich an meine Kind¬heit zurückdenke, fällt mir in erster Linie Heidelberg ein und dann kommt schon Haiti. Ich war 13 Mal in Haiti, jedes Mal sechs Wochen und die Erfahrungen waren sehr intensiv. Du kommst aus dem Urlaub zurück, die anderen erzählen von Tante Erna im Hunsrück und du kannst wirklich Sachen erzählen. Ich würde nicht sagen, dass ich Haitianer bin, obwohl ich auch den Pass habe, aber das, was ich da gese¬hen, erlebt und erfahren habe, und wozu ich wurde, ist sehr bedeutsam gewesen. Vieles habe ich erst dort erfahren: Gerüche, Geschmäcker, Geräusche, Gefühle - während in Deutschland die Sachen relativ langweilig waren, im Ver¬gleich. Haiti kann auch sehr langweilig sein, es ist nicht alles aufregend. Aber es ist immer sehr extrem: Entweder sehr langweilig oder sehr aufregend.

Regst du dich nicht manchmal auf über bestimmte Klischees, die hierzulande über Haiti verbreitet werden?

Mich stören bestimmte Einteilungen: „Kreolisch ist eine romanische Sprache; die Haitianer sind alle Afrikaner" -stopp! Es geht um eine neue Selbstbezeichnung für das Land, die Menschen und die Sprache. Wenn du dich mit der Ge¬schichte beschäftigst, merkst du, dass viele der Haitianer, die diese Revolution gemacht haben, ja eigentlich Franzosen waren, Soldaten der französischen Armee. Die waren nicht nur aus Versehen Franzosen, sondern hatten irgendeine Position. Diese Haitianer haben sich dann emanzipiert, auch
von Frankreich, so wie die Leute in den USA auch gesagt haben, jetzt sind wir keine Engländer mehr, wir brechen entscheidend mit England.
Deswegen ist das Wort Creole so wichtig: Die Kreolen waren die Menschen, die nicht in ihrem Heimatland geboren worden waren, sondern in der Neuen Welt. Die Bezeich¬nung gilt für ganz Lateinamerika oder auch Louisiana, aber nur in Haiti bezeichnen sich die Leute auch selbst als Kreo¬len. Es gibt also nicht zwei Parteien, schwarz oder weiß, Europa oder Afrika, sondern mindestens vier: Afrikaner, die in Afrika geboren sind, Europäer, die in Europa geboren sind, sowie in Haiti geborene „Afrikaner" und „Europäer". Und unter allen gibt es die verschiedensten Konstellationen. Und in der haitianischen Verfassung von 1805 hat man, weil die Haupttrennlinie eben nicht die Hautfarbe war, folgende Lösung gefunden: Die Bezeichnungen „schwarz" und „weiß" stehen für „schwarz" = Inland und „weiß" = Ausland; aber eigentlich hat das mit der Hautfarbe nichts zu tun. Die Leute waren damals schon sehr weit. Sie haben nicht nur die Sklaverei abgeschafft, sondern haben auch die Begrifflichkeiten modernisiert. Mich hat auch schon immer gestört, dass man die haitianische Geschichte als „schwarze" Geschichte limitiert - als ob die Abschaffung der Sklaverei nur für Schwarze relevant wäre! Das wäre ja so, als ob Martin Luthers Reformation der Kirche nur für Deutsche relevant ist oder nur für Weiße! Geschichte passiert auf der Erde und betrifft die ganze Menschheit. In den letzten Jahren hat sich in Haiti eine Amerikanisierung der Kultur vollzogen. Viele Haitianer sind in Amerika aufge¬wachsen, kommen zurück und bringen amerikanische Sicht¬weisen mit. Ich meine gar nicht Starbucks und solche Sachen, sondern richtige Mentalitätsverschiebungen. Jedes Land hat ja seinen speziellen Rassismus und die Amis trennen ganz klar in Schwarz und Weiß, eiskalt. Diese US-Haitianer kom¬men dann mit ihren Rastern und Sichtweisen und importie¬ren sie nach Haiti.

Was hältst du von der Präsidentschaftskandidatur des US-Rappers Wyclef Jean, die letztlich gescheitert ist?

Ich finde Wyclef sehr wichtig, er hat einen unglaublich großen Beitrag geleistet, Haiti in Amerika und in der Welt positiv darzu¬stellen. Viele Leute in den USA haben früher nicht gesagt, dass sie Haitianer sind, weil es so negativ besetzt war. Er hatte ja auch schon einmal einen Posten für Haiti im kulturellen Bereich, Unicef-Botschafter glaube ich, und den fand ich eigentlich genau richtig. Es wäre blöd, so jemanden zu ignorieren, einen der bekannte¬sten, meinetwegen beliebtesten Haitianer weltweit. Ich persönlich finde aber, dass er nicht das Zeug zum Präsidenten hat, weil er allein schon die Mentalität nicht wirklich kennt. Diese Regelung, dass man fünf oder sechs Jahre am Stück in dem Land gelebt haben muss, ist fast zu kurz angesetzt. Du kannst doch nicht ein Land regieren, das du nicht richtig kennst! Er geht das an wie ein Ami, ohne viel Fingerspitzengefühl. Ein Beispiel: Alle Schriftsachen sind auf Französisch und er kann kein Französisch, nicht einmal lesen, und sagt dann, gut, dann ändern wir das eben
und verfassen sie auf Englisch. Das ist eine weitere Kolonia-lisierung und die Haitianer sind doch auf ihr kleines kultu¬relles Chaos, das man von außen nicht begreifen kann, sehr stolz!

Was sagen deine Verwandten und Freunde vor Ort zu den anstehenden Wahlen?

Die sind eher mit der Cholera beschäftigt. Cholera gab es nie, das kennen sie nicht, das ist eine extreme Herausforderung. Angesichts dieses Problems sind die Leute fast schon dabei zu resignieren. Haiti ist schon immer ein sehr armes Land gewesen, gleichzeitig auch ein Stehaufmännchenland, die haben mit Problemen gelebt, da wären andere schon lange in die Knie gegangen. Als z.B. AIDS auftauchte, wurde gesagt, die werden alle daran verrecken. Und sie haben es unglaub¬lich gut gelöst, Haiti ist eines der wenigen Länder, wo sich AIDS eben nicht rasant verbreitet hat, sondern wo die Zahlen zurückgegangen sind. Aber nach dem Erdbeben ist nun so viel zerschlagen worden, dass ich glaube, dass sie das nicht so schnell in den Griff bekommen werden; Cholera überträgt sich schneller als AIDS.
Die Haitianer sind eigentlich sehr positive Menschen, die stets das halb volle Glas sehen. Diese Positivität hat viele Europäer, die ich dort kennen gelernt habe, gestört, die fanden das immer doof, naiv und dumm. Dabei ist das die Eigenschaft, die dich überleben lässt. Selbst nach dem Erdbe¬ben siehst du Bilder, auf denen alles kaputt ist, aber die Leute laufen nicht zerlumpt rum, sondern relativ schick. Sie kom¬men da immer noch mit Würde heraus. Wie ich das mitbe¬komme, sind die Leute aber nun zum ersten Mal schockiert, traumatisiert, gebrochen, sie sind wirklich nicht wiederzuer¬kennen. Die Musik ist davon geprägt, die Bilder, man kann von einem Vorher und Nachher sprechen. Den Leuten fehlt ihre Grundenergie, die sie doch brauchen, um die Probleme anzugehen. Das war ein zu harter Schlag. Und jetzt noch die Cholera, da mache ich mir wirklich Sorgen. Ich habe vom jetzigen Präsidenten Preval keine so schlechte Meinung, weil ich das Gefühl hatte, dass Haiti kurz vor dem Erdbeben eine ganz gute Richtung eingeschlagen hatte, was mir meine Schwester, die bis sechs Tage vor dem Erdbeben dort gelebt hat, auch bestätigt hat. Das liegt natürlich nicht alles am Präsidenten alleine. Viele haben ihn auch dafür kritisiert, wie er nach dem Erdbeben agiert hat. Natürlich hätte man dann einen starken Mann gebraucht und der war er vielleicht nicht.

Du hast vor zwei Jahren mit Freunden und Verwandten eine Hilfsorganisation gegründet ...

Den Verein Marasa habe ich in der Schweiz gegründet, ei¬gentlich eine Erfolgsstory und ich bin sehr froh, was sich da alles bewegt hat. Wir haben viel gemacht, viel Geld gesam¬melt und rübergeschickt. Ich wollte das eigentlich dieses Jahr wieder zumachen, weil mich das auch überfordert. Außerdem war irgendwann die Medienpräsenz von Haiti weg und es kommen nicht mehr so viele Spendengelder rein. Jetzt mit der Cholera-Geschichte ist das alles wieder hinfällig, irgend¬wie muss ich jetzt weitermachen, da stecke ich gerade voll drin.


Das Interview führte Britt Weyde am 12. November 2010 in Frankfurt/Main.


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Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

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23. Dezember 2010, 13:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Zitat:
Das Phänomen Aristide

Eine Annäherung

von Peter Scheiffele und Christian Frings

Als der Befreiungstheologe Jean-Bertrand Aristide 1990 zum Präsidenten Haitis gewählt wurde, haben wir das in der ila sehr positiv gesehen und begeis¬tert kommentiert. Als er dann elf Monate später durch einen Militärputsch gestürzt wurde, waren wir entsetzt und engagierten uns in der kleinen Haiti-Solidaritätsszene. 1994 wurde er durch eine US-Intervention nach Haiti zurückgebracht und als Präsident wieder eingesetzt. Wir waren irritiert. Als die Kolleginnen von Radio Dreyeckland am Tag der Invasion einen unserer Redakteure interviewten und fragten, wie wir die US-Invasion und Aristides Wiedereinsetzung sehen würden, wusste er nicht, was er antworten sollte. Schließlich sagte er sinnge¬mäß, wir freuten uns natürlich, dass der Terror der Militärdiktatur gegen die haitianische Bevölkerung zu Ende sei, aber ob Aristide als Präsident von Clintons Gnaden sein Programm umsetzen könne, sei doch zweifelhaft. Natürlich konnte er sein Programm nicht umsetzen, zumal ihm nur ein Jahr im Amt blieb, weil man die dreijährige Militärdikta¬tur auf seine Amtszeit anrechnete. Als Aristide dann 2000 erneut zum Präsidenten gewählt wurde, war die haitianische Linke über ihr Verhältnis zu Aristide völlig gespalten. Wir wussten immer weniger, wie wir Aristide einschätzen sollten und was sein Programm war. Viele der von westlichen Medien vorgebrachten Argumente kannten wir allzu gut aus dem Fundus der Destabilisierungskampagnen imperialistischer Mächte gegen unliebsame Regie¬rungen, andererseits sahen wir auch keinen wirkli¬chen, auf soziale Fortschritte und größere Partizipa¬tion zielenden Veränderungsprozess. Die Ratlosig¬keit bei uns und auch den von uns angesprochenen potentiellen Autorinnen führte dazu, dass zwischen 2000 und 2005 eine Haiti-Berichterstattung in der ila kaum noch stattfand. Der folgende Beitrag versucht eine Annäherung an das Phänomen Aristide im Vergleich zweier englischsprachiger Bücher, die sich beide aus kritisch-marxistischer Sicht mit Aristide auseinandersetzen, dabei aber zu absolut gegen¬sätzlichen Einschätzungen kommen.

Mit der zweiten Amtszeit von Jean-Betrand Arisitde von 2000 bis 2004 hat sich in Haiti wie auch in der Szene der Haiti-Solidarität eine extreme Polarisierung zwischen Aristi-de-Anhängern und -Kritikern entwickelt, die den Blick auf die Verhältnisse oft mehr verstellt als erhellt. Ohne selber zu einer endgültigen Einschätzung gekommen zu sein, wollen wir im Folgenden anhand von zwei Büchern, die wenige Jahre nach der gewaltsamen Entfernung von Aristide aus dem Amt erschienen sind, eine erste Annäherung versuchen. The Prophet and Power (2006) des in Haiti aufgewachsenen Alex Dupuy, der heute als Soziologieprofessor in den USA lebt, und Damming the Flood (2007) von Peter Hallward, einem kanadisch-englischen Dozenten für politische Philoso¬phie, gehen denselben Fragen nach und gelangen in der Einschätzung Aristides zu völlig diametralen Schlussfolgerun¬gen. Beiden gemeinsam ist eine klare „antiimperialistische" Position, die den Hauptgrund für das Scheitern eines emanzi-patorischen Prozesses nicht in den internen Konflikten oder Unzulänglichkeiten der Aristide-Regierung verortet, sondern in dem überwältigenden Einfluss der westlichen Kernländer des kapitalistischen Weltsystems, insbesondere den USA. Aus dieser Perspektive analysieren sie die verschiedenen Etappen des Aufstiegs und Niedergangs von Jean-Bertrand Aristide, der in der ersten Phase seines Wirkens in Haiti nach dem Ende der Duvalier-Diktatur 1986 als einzigartige Artikulation der befreiungstheologischen „Option für die Armen" wahrgenommen wurde.

Die große Frage war, auch für die USA und ihre „Demo kratisierungspolitik", warum es 1986 in Haiti nicht zu einem Übergang zur Demokratie wie 1983 in Argentinien, 1985 in Brasilien oder 1986 auf den Philippinen gekommen war. Stattdessen folgten dort bis 1990 eine Reihe diktatori¬scher Regimes eines „Duvalierismus ohne Duvalier", gegen die sich eine breite Bewegung entwickelt, zusammengesetzt aus „einer Unmenge von gesellschaftlichen Gruppen und Kräften, die einen breiten Querschnitt der Gesellschaft reprä¬sentieren; dazu gehörten politische und Berufsorganisatio¬nen, Arbeitervereine und Gewerkschaften, Frauengruppen, religiöse und laizistische Gemeindegruppen, Nachbarschafts¬komitees und Bauernorganisationen" (Dupuy: 57f.). Erst 1990 gelingt es, auch auf Druck der um eine weitere Radikali¬sierung besorgten USA, die ersten freien Wahlen auf Haiti durchzusetzen, in denen Aristide mit 67% der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 80% zum Präsidenten gewählt wird. Zusammen mit der neu geschaffenen Bewegung Lavalas (Flut, Lawine), die nur einen lockeren organisatorischen Zusammenhalt mobilisierter Bevölkerungsteile darstellt, kann er in seiner ersten Amtszeit ab Februar 1991 trotz eines extrem verschuldeten Staats eine Reihe sozialpolitischer Verbesserungen durchführen: Umverteilung von Brachland, Alphabetisierungsprogramme, Einschränkung des Drogen¬handels, Senkung der Lebensmittelpreise und eine moderate Anhebung der Mindestlöhne. Daneben spielt die Zurück¬drängung der immer noch aktiven Tontons Macoutes, der paramilitärischen Milizen des Duvalier-Regimes, eine große Bedeutung. Aber schon dieses Minimalprogramm einer „Armut in Würde" (Aristide) ohne radikalere, sozialistische Ambitionen - was einige seiner Anhänger enttäuscht - bringt die herrschende Elite aus Unternehmertum, katholischem Klerus und Staats- und Gewaltapparat so sehr gegen ihn auf, dass sie ihn im September 1991 mit einem Militärputsch ins Exil zwingt (Hallward: 32-34).

Nachdem es den auf Aristide folgenden Regimes trotz ihres tödlichen Terrors gegen Lavalas-Anhänger nicht gelingt, das Land zu befrieden, und immer mehr Menschen in die USA flüchten, setzen die USA unter Präsident Clinton 1994 die Wiedereinsetzung von Aristide durch, nachdem dieser sich zur Vertiefung neoliberaler Strukturanpassungen bereiterklärt hatte. Wieder im Amt konnte er lediglich seine reguläre Amtszeit bis 1995 fortführen, ohne Anrechnung der dreijäh¬rigen Exilzeit, und übergab wegen des verfassungsmäßigen Verbots unmittelbarer Wiederwahl das Amt seinem Premier¬minister René Préval, der Ende 1995 als Lavalas-Anhänger mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde. Zuvor aber hatte Aristide Anfang 1995 die Armee des Landes entmachtet, was von Menschenrechtlern als „die größte emanzipatorische Errungenschaft Haitis seit der Revolution vor 200 Jahren" bezeichnet wurde, und blieb weiter die unumstrittene Füh¬rungsfigur der Lavalas-Bewegung.

Im Jahr 2000 wird Aristide erneut zum Präsidenten gewählt, mit 92 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ein Wahlergebnis, das von vielen angezweifelt wird, zumal sich die Lavalas-Bewegung mittlerweile gespalten hat und wichtige Kräfte seiner ehemaligen Anhänger jetzt gegen ihn arbeiten, teilweise sogar zusammen mit ehemaligen Duvalieristen. Die Wieder¬wahl Aristides provoziert eine international orchestrierte Destabilisierungspolitik, allen voran die Blockade bitterlich benötigter Hilfskredite, sowie eine breit angelegte Diffamie¬rungskampagne gegen Aristide im In- und Ausland, die seiner Regierung Korruption, Amtsmissbrauch und den Einsatz der chimès, bewaffneter Gangs aus den Slums von Port-au-Prince, gegen seine politische Gegner vorwirft. Eine Terrorgruppe aus 200 ehemaligen Soldaten, die von der oppositionellen „Group of 184" unterstützt wird, greift die Regierung an und Aristide wird schließlich von den USA, in Absprache mit Kanada und Frankreich, ins Exil nach Südafrika gezwungen. Eine Reihe von sozialen Verbesserungen, insbesondere die Verdopplung des Mindestlohns im April 2003, hatten das nationale und inter¬nationale Unternehmertum gegen ihn aufgebracht (Hallward: 136) - andere sehen vor allem das 2003 gegen Frankreich angestrengte Entschädigungsverfahren für die Haiti nach 1804 abgepressten Reparationszahlungen als einen Punkt, an dem sich Aristide endgültig mit der „internationalen Staatenge¬meinschaft" überworfen hat.
Die Vorwürfe, die mit Verweis auf die „Menschenrechte" gegen Aristide erhoben wurden und schließlich zu seiner Absetzung und der Umwandlung von Haiti in ein Quasi¬Protektorat der UN-Schutztruppen führten, sind mit Vorsicht zu genießen, passen sie doch nur zu gut in die allgemeine Tendenz, militärische Interventionen aus wirtschaftlichen oder geopolitischen Interessen wie in Jugoslawien, in Afghanistan oder im Irak mit dem Verweis auf Menschenrechtsverletzungen zu begründen. Wie offen in solchen Fällen gelogen und mani¬puliert werden darf, haben wir nicht zuletzt im Irak-Krieg erlebt - und es ist sicherlich kein Zufall, dass die Absetzung Aristides im Schatten dieses weltpolitisch brisanten Kriegs einer „Koalition der Willigen" gegen die „Achse des Bösen" in Europa fast ausgeblendet wurde. Gerade gegenüber Haiti werden immer wieder, wie auch jetzt nach dem Erdbeben, Klischeebilder von „unzivilisierten", zu Gewaltexzessen nei¬genden und in irrationalen religiösen Vorstellungen (Vodou) befangenen Massen gezeichnet, mit denen jede zivilisierende Mission gerechtfertigt werden kann - egal mit welch desaströ-sen Folgen für die Menschen und egal, welche Interessen in Wirklichkeit dahinter stehen. Immanuel Wallerstein hat nachgezeichnet, wie sich diese Argumentationsfiguren zur „Barbarei der anderen" seit der berühmten Debatte zwischen Bartolome de Las Casas und Gines de Sepulveda im 16. Jahr¬hundert über die Frage „Darf man die Indios versklaven?" in allen Rechtfertigungen zur Kolonialisierung oder imperialisti¬schen Unterwerfung des globalen Südens durch den globalen Norden wiederfinden lassen.1 Darin liegt die Berechtigung von Hallwards leidenschaftlichem Plädoyer für Aristide und Lava¬las und seiner minutiösen Kritik an den Methoden und Zielen der gegen sie gerichteten Diffamierungskampagne. „Nie zuvor ist die abgedroschene Taktik der .Demokratieförderung' mit verheerenderen Folgen angewandt worden als in Haiti zwi¬schen 2000 und 2004." (Hallward: xxxiii) Auch für ihn stellt sich die Frage, was sich zwischen den drei Amtszeiten Aristides 1991, 1994/95 und 2000-2004 verändert hat und zum Schei¬tern des Projekts führte. Der Kritik an Aristides Amtsmissbrauch und diktatorischen Zügen, die er als einen breiten Konsens aus bürgerlichen und JAI teilweise linken Stimmen präsentiert, stellt er eine <wit andere Interpretation entgegen: In den Jahren 1990 bis 2004 vollziehe sich die „zunehmende Klärung ™ ein und desselben grundlegenden Kampfs, des Kampfs zwischen der armen Bevölkerungsmehrheit > Haitis und den wenigen Reichen. Was nach 1990 ^^""^ geschah, muss in erster Linie als die Polarisierung in einer weitreichenden Klassenauseinandersetzung verstanden werden, ein Konflikt, der sich aus naheliegenden Gründen an der Kontrolle über die Armee und die Polizei zuspitzte." (xxix) Im Rahmen dieser Zuspitzung habe kein Raum mehr für „mittlere Positionen" bestanden, weshalb sich alle Kritiker Aristides, auch die aus dem Lager seiner ehemali¬gen Anhänger, zwangsläufig auf der Seite der alten Eliten und Duvalieristen wiederfinden mussten (23ff). Auch Dupuy findet es erschreckend, dass in der Schlussphase selbst linke Kritiker Aristides gemeinsame Sache mit Duvalieristen mach¬ten, sieht darin aber die Tragik eines Prozesses, dessen Verlauf letztlich nicht in Haiti selber entschieden wurde und der auf beiden Seiten mit „Deformationen" verbunden war.

In seiner berechtigten Kritik am Menschenrechts-Imperialis-mus setzt Hallward alles daran, Aristide zu verteidigen, und lässt damit auch keine differenzierte Betrachtung seiner Kritiker mehr zu, was seiner Studie an vielen Stellen einen polemischen Charakter in legitimatorischer Absicht verleiht. Sollte die Aristide-Regierung selber zum Debakel von 2004 beigetragen haben, so nur durch ihr zu zögerliches Eintreten für einen radikalen Wandel und zuviel Kompromissbereit¬schaft gegenüber den Feinden (313). Damit spricht Hallward beiläufig ein Problem an, das Dupuy in den Mittelpunkt seiner Analyse stellt: Der inkonsequente Versuch, eine revolu¬tionäre Politik in einer nicht-revolutionären Situation und vom falschen Punkt, einem Regierungsamt aus, zu versuchen. Beide sind sich darin einig, dass eigentlich nur eine revolu¬tionäre Umwälzung und der Angriff auf das bürgerliche Privateigentum die soziale Lage der haitianischen Bevölke¬rung verändern könnte, dies jedoch in der weltpolitischen Situation dieser Jahre unmöglich war. Denn sowohl die Durchsetzung freier Wahlen 1990 wie auch die Wiedereinset¬zung Aristides 1994 verdankten sich dem Eingreifen der USA, die damit revolutionäre Entwicklungen in ihrem Hinterland verhindern wollten.

Das Dilemma beginnt daher für Dupuy schon mit der Kandi¬datur Aristides 1990. In den Jahren zuvor hatte der Befrei¬ungstheologe wiederholt betont, frei von der Krankheit des „Präsidentialismus" zu sein (Dupuy: 83) und er war auch nicht aus der Bewegung zur Kandidatur aufgefordert worden. Erst als die Duvalier-Partei URN Roger Lafontant ins Rennen schickt, entscheidet sich Aristide zur Kandidatur - was be¬merkenswerter Weise von einigen Basisgruppen wie der Solidarité Ant Jen und Konbit Véyé Yo kritisiert wird, denen offensichtlich klar ist, dass die produktive Funktion von Aristide für die Massenbewegungen mit der Übernahme eines Regierungsamts verloren gehen würde (Dupuy: 88). Im weiteren analysiert Dupuy die Entwicklung Aristides an dieser widersprüchlichen Situation: Auf der einen Seite versucht er von seinem Regierungsamt aus, moderate Veränderungen und vor allem eine Zurückdrängung des alten Gewaltapparats durchzusetzen, muss dazu den Kompromiss mit Teilen der haitianischen Eliten suchen, stützt sich andererseits ininkonsequenter Weise auf die Bewegung und deren Machtpotential. So ruft er indirekt zur Gewalt gegen die Macoutes und auch gegen das bürgerliche Eigentum auf, was aber ohne den tatsächlichen Aufbau einer revolutionären Organi¬sierung, die Lavalas zu keinem Zeitpunkt darstell¬te, eine leere und damit politisch verhängnisvolle Drohung bleibt (129). Einen deutlichen Bruch sieht Dupuy mit der Rückkehr Aristides 1994. Ab da habe er seine konsequente befreiungstheologische „Option für die Armen" deutlich zurückgenommen und seine Politik stärker auf den Machter¬halt ausgerichtet, dem sich dann auch der Rückgriff auf die chimès als Ersatzmacht unterordnet (143ff). Trotzdem weist er den oft bemühten Vergleich mit früheren Diktaturen und den Macoutes zurück. Eine regelrechte Diktatur hätte Aristide nicht entwickeln können, selbst wenn er gewollt hätte. Die chimès waren schon von ihrer Größe und Bewaffnung nicht mit einem staatlichen Polizei- oder paramilitärischen Apparat vergleichbar; sie entzogen sich der direkten Steuerung; und schließlich hatte Aristide nicht wie frühere Diktaturen die Rückendeckung der Kernländer, allen voran der USA. Eine zentrale Frage, die Dupuy aufwirft, ist die eigenartige Beziehung zwischen Aristide und der Bewegung, seine Stel¬lung als „charismatischer Führer". Während Hallward diese Beziehung nicht problematisiert, sondern Aristide und Massenbewegung umstandslos in eins setzt, betont Dupuy: „Aristide schuf nicht die Massenbewegung, vielmehr wurde er von ihr geschaffen." (76) Diese Stellung als „Prophet" beruhe aber auf bestimmten historischen Umständen, wie sie in der Phase 1985 bis 1990 vorhanden waren und sich im Laufe seiner Amtszeiten zunehmend verflüchtigten.

Welche Umstände und welche Eigenschaften der Massenbewe¬gungen es waren, die eine charismatische Figur wie Aristide erst ermöglichten, kann Dupuy nicht überzeugend darstellen. Dazu heißt es nur nebulös: „Geschunden von der extremen Ausbeu¬tung durch die herrschende Klasse, geknechtet durch die Ge¬walt der Diktatur und versunken in ihrem eigenen religiösen Mystizismus" sei die Bevölkerung „bereit für einen Erlöser" gewesen (Dupuy: 75). Hierin liegt die eigentliche Schwäche beider Bücher: Sie behaupten zwar, dass die verarmte Bevölke¬rungsmehrheit das eigentliche Subjekt in diesem Konflikt um ihre „Selbstermächtigung" sei, aber sie taucht nie auf und wir erfahren fast nichts über ihre eigenen Formen der Organisie¬rung und des Handelns. In einem Land mit einer Alphabetisie¬rungsrate weit unter 50 Prozent besteht zweifellos das Problem, dass es über diese Basisproteste kaum schriftlichte Aufzeich¬nungen gibt und sich die politische Kommunikation vor allem mündlich, über Radios, in Musiktexten und in Alltagsgesprä¬chen vollzieht - Dimensionen, die reinen Literaturrecherchen wie denen von Dupuy und Hallward schwer zugänglich sind. Aber sie vermerken dieses Problem nicht einmal, sondern schreiben darüber hinweg, indem sie die Lücke mit endlosen Darstellungen von Parteibildungsprozessen der intellektuellen Mittelschichten kompensieren. Eine vergleichbare Untersu¬chung, wie sie lennie M. Smith zu Formen der Selbstorganisa¬tion auf dem Land vorgelegt hat (vgl. Besprechung in dieser ila), ist uns für die städtische Armutsbevölkerung auch nicht bekannt. Aber bei Dupuy und Hallward findet sich z.B. keinerlei Erwähnung der großen Bedeutung von Musik als politischer Artikulationsform, auf die Smith z.B. im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Militärregimes von Avril 1990 hinweist: Damals spielte der Song „Ke M Pa Sote" („Ich habe keine Angst") der Gruppe Boukman Eksperyans eine wichtige Rolle im Karneval 1990 und trug zum Niedergang der Avril-Regierung bei. Ebenso verwundert, dass bei Dupuy und Hallward jegli¬che Auseinandersetzung mit der ambivalenten Bedeutung der Vodoukultur und ihrer politischen Rolle fehlt.3 Beide Bücher sind informative Studien zu den politischen Prozessen während der Aristide-Jahre in Haiti, aber die fakti¬sche Ausblendung der verarmten Bevölkerungsmehrheit als Handelnden schlägt sich auch in ihren hilflosen Ausblicken nieder. Während Hallward behauptet, dass Fanmi Lavalas nach wie vor die wichtigste politische Kraft für eine zukünfti¬ge Perspektive sei, setzt Dupuy seine Hoffnungen auf eine tatsächliche Demokratisierung durch die Preval-Regierung. Eine andere Rezensentin der beiden Bücher sieht darin ebenfalls ihre größte Schwäche und deutet eine Option jenseits dieser am politischen Funktionärstum orientierten Perspekti¬ven an: Valerie Kaussen berichtet Ende 2009, dass es in Haiti immer noch eine lebendige Massenbewegung gebe, eine Bewegung, deren Akteure über ein ausgeprägtes Verständnis ihrer Geschichte, ihrer Fehler und Erfolge verfügen. Immer wieder sagten zu ihr die Aktivisten: „Ja, Aristide sollte zurückkommen. Er war unser gewählter Präsident. Aber der Bewe¬gung kann es nicht um einen Mann oder eine Partei gehen. Sie ist von ihm oder ihr nicht abhängig."
Peter Hallward, Damming the Flood. Haiti, Aristide, and the Politics of Containment, London: Verso 2007.

Alex Dupuy, The Prophet and Power. Jean-Bertrand Aristide, the International Community, and Haiti; New York: Rowman & Littlefield Publishers 2006.



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Die einen helfen den anderen

Coumbite-Ökonomlen in der haitianischen Dorfgesellschaft

Von Malte Meyer

Ausgerechnet auf Haiti soll es Formen solidarischer Kooperation geben, von denen der Rest der Welt etwas lernen kann? Die US-amerikanische Anthro¬pologin Jennie Smith vertritt diese These in ihrem Buch When the Hands Are Many. Community Orga¬nization and Social Change in Rural Haiti und fordert damit die im globalen Norden vorherrschen¬den Meinungen über „Rückständigkeit" und „Unter¬entwicklung" des Landes unmittelbar heraus.

Schon vor dem Erdbeben und unabhängig von den Tropenstürmen wurde das offizielle Bild vom desaströsen Zustand Haitis noch durch die Benennung der Tatsache unterstrichen, dass die Mehrheit der Bevölkerung (ca. 70 Prozent) nach wie vor nicht in der Stadt lebt, sondern auf dem ökologisch stark in Mitleidenschaft gezogenen Land. Die Parzellen, die sich die ehemaligen schwarzen Sklavinnen nach ihrer revolutionären Selbstbefreiung von den Franzosen angeeignet hatten, reichen schon aufgrund fortgesetzter Erbteilung kaum mehr zum Überleben aus - vom Verfall der (Welt-) Marktpreise für Kaffee oder von Bodenerosion und Verkarstung ganz zu schweigen. Aus Gründen wie diesen sehen zahlreiche ausländische Beobachterinnen, aber auch die meisten vor Ort tätigen Hilfsorganisationen kaum echte Perspektiven für jenes „ärmste Land der westlichen Hemi¬sphäre", als das Haiti in bürgerlichen Medien klischeehaft apostrophiert wird. Verweise auf Korruption, Ganggewalt und den Vodoukult tun in den Metropolen des Kapitals (und des Zynismus) ein übriges, um die haitianische Bevölkerung zu einer unmündigen und letztlich auch zur Selbstregierung unfähigen Masse von „Untermenschen" zu stilisieren. So heißt es beispielsweise in einer Broschüre der US-amerikani¬schen Entwicklungsagentur USAID mit seltener Offenheit: „Noch immer herrscht eine Sklavenmentalität vor (...). Auf Haiti akzeptieren die Massen ihr Schicksal, kämpfen um ihr Überleben und kämpfen so hart, dass sie weder Zeit noch Energien haben, um sich für die Verbesserung ihrer Lage einzusetzen (sie sind in diesem Überlebensmodus gefangen).

Ihr Leben ist von einfachem Gottvertrauen geprägt." Offene Rassismen wie diese, vor allem aber auch diskretere Formen neokolonialer Bevormundung waren es, die aus der US-amerikanischen NRO-Vertreterin und UN-Beobachterin Jennie Smith eine radikale Kritikerin hegemonialer westlicher Vorstellungen von „Entwicklung" und „Demokratie" gemacht haben. Anders als die meisten anderen NRO-Mitarbeiterln-nen oder Ausländerinnen hat sie während ihres ersten mehr¬jährigen Haitiaufenthaltes Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre gemerkt, dass die Urteile wohlhabender „westli¬cher Helfer" mehr über diese selbst als über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Angehörigen armer Bevölkerungs¬schichten verraten. Das Bild von wehrlosen, analphabeti¬schen und noch dazu abergläubischen Opfern einer insge¬samt verheerenden politischen und gesellschaftlichen Situa¬tion rechtfertigt eben nicht zuletzt Anwesenheit und Engage¬ment von Wohltätern der internationalen Gemeinschaft. Aufgrund ihres ernsthaften Interesses an einer wirklichen Transformation der weltgesellschaftlichen Verhältnisse hat sich Smith deshalb vom (überwiegend weißen) Kosmos der Entwicklungszusammenarbeit immer weiter entfernt und irgendwann den Entschluss gefasst, doch lieber mit statt weiterhin von den Haitianerinnen leben zu wollen, die sie in Grand d'Anse, einem von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägten Departement im Südwesten des Landes, kennen gelernt hat. Ihr Ziel, so schreibt sie in ihrem Buch, sei es gewesen, Weltsichten und Widerstandspraktiken jener Men¬schen ernst zu nehmen, denen der globale Norden seit Jahrhunderten Subjektivität und Handlungsfähigkeit abzu¬sprechen versucht. Den von postmoderner Seite geäußerten Verdacht, Leute wie sie würden mit ihren Forschungsarbeiten über Formen bäuerlicher Kooperation so etwas ähnliches wie „Spionage" betreiben, räumten haitianische Nachbarinnen von Smith mit Ermahnungen der eindringlicheren Art beisei¬te: „Du schreibst das auf, Djeni!" oder auch „Du erzählst ihnen gefälligst, was ich sage!"
Der auch für die NRO-Dissidentin selbst wohl überrasch¬endste Befund besteht darin, dass Coumbi'te-Traditionen nach wie vor sehr wichtig sind. Ging der Mainstream der Literatur über Haiti bislang davon aus, dass solche Formen gegenseiti¬ger Hilfe und kollektiver Landarbeit unter haitianischen Kleinbäuerinnen fast oder völlig verschwunden sind, kann Smith nicht nur den Fortbestand dieser Tradition, sondern auch ihre Vitalität und vor allem Vielgestaltigkeit demonstrie¬ren. Ohne dabei Widersprüche und Hierarchien innerhalb der kleinbäuerlichen Gemeinschaften auszublenden, gelingt es ihr sehr überzeugend, aus der Praxis gegenseitiger Hilfe, aber auch aus Liedern, Redensarten und populären Themati¬sierungen des Gegensatzes von Arm und Reich Ansätze für eine Transzendierung der herrschenden Verhältnisse heraus¬zuarbeiten. „Während manche Leute jeden Tag eisgekühlte Getränke genießen", zitiert sie Teilnehmerinnen einer Dis¬kussion im Dorf Kayayo, „sollten andere nicht meilenweit laufen müssen, um dreckiges Wasser zu holen. (...) Ich hab' gehört, dass die Leute in La Gonäve bereits dazu übergegan¬gen sind, grüne Mangos zu kochen, um zu überleben. Das ist keine Demokratie."
Ein echter demokratischer Akt in diesem Sinne hingegen var es, dass sich die ehemaligen Sklavinnen in Folge der haitianischen Revolution das Land ihrer Herren aneigneten. Im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen Ländern (mit ihrer vom Großgrundbesitz geprägten Landwirtschaft) bildete sich so auf Haiti eine breite Schicht von Parzellenbau¬ern heraus, deretwegen der Urbanisierungsgrad des Landes noch immer vergleichsweise niedrig ist. In den mehr als 200 Jahren nach der Selbstbefreiung der Sklavinnen von Saint-Domingue haben sich die Kleinbäuerinnen immer wieder gegen Versuche aus dem In- und Ausland zur Wehr gesetzt, ihnen ihren Landbesitz zu rauben. In der massenhaften Flucht vor den Versuchen zur Restauration der Plantagenwirtschaft, während der Piquet-Revolte in den 1840er fahren, in den Cflco-Rebellionen zu Beginn der US-Besatzung (1915-1934) und den befreiungstheologisch inspirierten Bewegungen gegen das Duvalier-Regime seit den 1970er Jahren nahm dieser Widerstand weithin sichtbare Formen an. Aber auch in Phasen scheinbarer Ruhe speiste er sich aus einer Alltagskultur, mit der sich die postrevolutionären Minifundistlnnen ein ungewöhnli¬ches Maß an praktischer wie symbolischer Autonomie gegen¬über imperialistischer Herrschaft sichern konnten. Nicht zu
Unrecht heißt es deshalb im Lied einer Bauernkooperative: „Sie können uns verbrennen und unsere Wurzeln kappen. Wenn es aber regnet, werden wir wieder sprießen."
Die Grundformen gemeinschaftlicher Landarbeit in Haiti heißen Coumbite und Kove. Die Kreolisierung der franzö¬sischen Vokabeln commune (Gemeinde, Gemeinschaft) und habiter (wohnen) bezeichnet dabei eine Gruppenarbeit, die durchaus Festcharakter hat. Während der gemeinsamen Bo¬denbestellung wird nicht nur gesungen, sondern auch Alkohol getrunken. Und nach getaner Arbeit serviert die Familie des Gastgebers ein Festmahl. Was nach bürgerlich-materialisti¬schen Maßstäben nur als eine Entlohnungsvariante erscheint, wird von den teilnehmenden Bäuerinnen als praktizierte Form von Gemeinschaftlichkeit verstanden. In der Kove hingegen spielt tatsächlich Geld eine Rolle und von Feierlaune kann wohl nicht gesprochen werden, wenn die Früchte der gemein¬samen Arbeit nur in Proportion zur „individuellen" Leistung verteilt werden. Nicht von ungefähr stammt Kove auch vom französischen Ausdruck für Schinderei ab. Im Spannungsfeld von Coumbite und Kove gibt es auf Haiti eine ganze Vielfalt von Formen kollektiver Reziprozität, die sich nicht nur auf die unmittelbare Feldarbeit, sondern - wie etwa im Fall der Sosyete - als eine Art Lebensversicherung auch auf notwendige In¬standsetzungsarbeiten oder Beerdigungszeremonien beziehen. Von herausragender symbolischer Bedeutung ist beispielsweise das kollektive Sparen für die Feier des Jahrestages der Unab¬hängigkeit und Befreiung Haitis am 1. Januar. In einer der unzähligen AtriMsyon-Gruppen arbeiten Haitianerinnen über das Jahr hinweg immer wieder nach ihren Fähigkeiten zusam¬men, um am Nationalfeiertag ein großes Festessen ausrichten zu können, zu dem - als Symbol des Menschseins - unbedingt auch der Verzehr von ansonsten kaum erschwinglichem Fleisch gehört. „Indem sie das tun, leisten die Mitglieder einer atribisyon zugleich eine implizite Kritik der Entbehrungen und Ungewissheiten, die das Landleben im heutigen Haiti kenn¬zeichnen. Mehr noch: Sie entwerfen ein Bild davon, wie das Leben sein sollte, wie Menschen leben können sollten." Die Erfahrungen mit kollektiven Formen von Landarbeit und dem stark ausgeprägten historisch-politischen Bewusstsein, die Jennie Smith in einem scheinbar so abgelegenen haitianischen Dorf wie Tisous gesammelt hat, widersprechen vehement der auch in NRO-Kreisen verbreiteten Vorstellung, der real existie¬rende Egalitarismus lasse sich auch nur irgendwie mit dem Treiben kopfloser Krebse vergleichen, die sich in ihrem Bemü¬hen, dem Korb zu entkommen, immer nur wieder gegenseitig herunterziehen. Besser sollte die Weltsicht haitianischer Bäuerinnen als fundamentale Herausforderung engstirniger Wohlstandsperspektiven verstanden werden. „Von grundlegen¬der Bedeutung ist die von einem haitianischen Sprichwort auf den Punkt gebrachte Erkenntnis: ,Der große Ast an der Spitze des Baums denkt, dass er den besten Überblick hätte, übersieht dabei aber die Sichtweise der kleinen Knospe, die vom Wind hin- und hergeweht wird.'" Internationale Basiszusammenar¬beit jenseits offizieller NRO-Rhetorik erfordert, wenn man dem großartigen Plädoyer von Jennie Smith folgt, die schmerz¬hafte Loslösung von eurozentrischen Selbstverständlichkeiten. Zu ihnen gehört nicht zuletzt die Weigerung, von Menschen zu lernen, die zwar ärmer, aber nur nach bürgerlichen Ma߬stäben „weniger gebildet" sind als man selbst. ♦


Jennie M. Smith: When the Hands Are Many. Community Organization and Social Change in Haiti, Ithaca 2001


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Auf der Page ist das Inhaltsverzeichnis aufgelistet.
Falls jemand einen der Beiträge lesen möchte: eifach hier posten, dann stell ich ihn hier
als Text rein, da der Scan nicht klappt...

http://www.ila-web.de/aktuelles/letzteausgabe.htm

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Cool, du fliessige Siech du. :-)

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lazlo wanda



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hier der Link, es hat nun doch geklappt:

http://jump.fm/AYUTN

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Eine Rezension zu "Hegel und Haiti": http://www.taz.de/Plaedoyer-fuer-eine-neue-Universalgeschichte/!78019/

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Hier kann man das Buch Hegel und Haiti hören (evt. ohne den Teil der Universalgeschichte), englisch sollte das eigentlich auch alles frei im Netz sein...:
http://audioarchiv.blogsport.de/2011/10/23/hegel-und-haiti/

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
10. November 2011, 23:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Beitrag Proteste für Demokratie Antworten mit Zitat
Proteste für Demokratie und gegen Korruption in Haiti:

Zitat:
Thousands of anti-government protesters have marched through Haiti's capital for the second time in two days amid anger over delayed elections and other issues.

The crowd began marching peacefully toward the Canadian Embassy in Port-au-Prince, but protesters later began burning tyres, throwing rocks at police and trying to force their way through barricades as officers fired tear gas.

Many protesters carried posters demanding that President Michel Martelly and Prime Minister Laurent Lamothe step down.

"We need elections in the country so democracy can continue ... not corruption," said Jean Ronald Brison, owner of an auto parts store.

http://www.aljazeera.com/news/americas/2014/12/violence-during-second-day-haiti-protests-2014127023065692.html


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
08. Dezember 2014, 18:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag UNO-Truppen im Einsatz Antworten mit Zitat
UNO-Truppen schiessen scharf auf Demonstranten in Port-au-Prince:



Artikel auf Vice:

Zitat:
Haitian police and United Nations peacekeepers clashed with protesters in downtown Port-Au-Prince on Friday, just hours before the country's president agreed to accept his prime minister's resignation.

AFP and the Associated Press reported that security forces fired tear gas and live ammunition at large crowds that assembled in the Haitian capital to demand new leadership. No injuries were reported, but the atmosphere was tense as the crowd marched through the streets burning tires and barricades with the sound of gunfire crackling all around.

https://news.vice.com/article/video-shows-tense-protests-as-un-troops-and-haitian-police-fire-on-crowds-in-port-au-prince?utm_source=vicenewsfb


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
15. Dezember 2014, 03:48 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Streik der Busfahrer Antworten mit Zitat
Zweitägiger Streik der Busfahrer:

Zitat:
Few people in impoverished Haiti have their own vehicle, so the strike caused major disruptions, especially in the overcrowded capital. Motorcycle taxis were operating but the streets were empty of the often brightly colored minibuses known as "tap taps."

Drivers set up flaming barricades of tires and other debris at a number of intersections in Port-au-Prince.

The U.S. Embassy advised its personnel to "shelter in place" due to the "large number of incidents of unrest in Port-au-Prince." It also urged U.S. citizens to avoid areas where protests were taking place, saying demonstrations in the city can escalate quickly.

http://www.foxnews.com/world/2015/02/02/bus-drivers-start-2-day-strike-in-haiti-over-fuel-prices-stranding-many-across/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+foxnews%2Fworld+%28Internal+-+World+Latest+-+Text%29


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
03. Februar 2015, 16:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Proteste gehen weiter Antworten mit Zitat
Haiti steht ein heisser Karneval bevor:

Zitat:
Anti-government street protesters plan to shut down Haiti's capital for two days starting Monday as the country plunges deeper into political and economic crises even as many prepare for the annual Carnival, normally a time of peaceful revelry.

Protest organizers warned residents of the capital to stay off the streets during the two-day strike over gasoline prices, saying that those who ventured out would risk their lives.

Prime Minister Evans Paul made an appeal for calm via Twitter over the weekend and said the government would guarantee security.

The impoverished Caribbean nation is in the midst of a political crisis after the previous prime minister was forced to resign in December and parliament was dissolved over the failure to hold municipal and legislative elections.

For three months, President Michel Martelly has faced radical government opponents calling for his removal, with students joining the protests last week.

http://www.reuters.com/article/2015/02/09/us-haiti-protests-idUSKBN0LD18I20150209


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09. Februar 2015, 15:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Frieden zwischen Gangs in Port-au-Prince Antworten mit Zitat
Interessanter Artikel über Gangs in Port-au-Prince:

Zitat:
Though many refer to Chery and his compatriots as gang leaders, they have a different perception of themselves and their armed followers, whom they refer to as the baz – the base of the neighbourhood. Chery and his men enact a role that falls somewhere between political pressure group, warlord and tax collector, gathering tolls from the various supply trucks that pass along the narrow lanes.

The baz within Martissant – the larger neighbourhood of which Ti Bois is part – have often been in conflict among themselves. Despite being in a strategic location in the city – it overlooks the main road to the south of the country – Martissant was offered precious little by the state, even before the country’s devastating January 2010 earthquake. The baz have functioned in that power vacuum for years as a kind of de facto community government. Now, with Haitian elections scheduled for this year, the various baz are working to maintain a tense peace between themselves.

http://www.theguardian.com/cities/2015/jul/14/gangs-port-au-prince-haiti-capital-armed-groups-communities


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16. Juli 2015, 22:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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