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Zu WikiLeaks
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Zu WikiLeaks Antworten mit Zitat
Daüber wurde ja mal hier diskutiert:
Zitat:
Am 12. Juli 2007 wurden etwa ein Dutzend zivile Passanten – darunter die beiden Reuters-Mitarbeiter Saeed Chmagh (auch: Said Chmar) und Namir Noor-Eldeen (auch: Namir Nur-Eldin) – in Bagdad von Bordschützen US-amerikanischer Apache-Hubschrauber mit 30-mm-Bordmaschinenkanonen erschossen.[65][66]

Am 5. April 2010 veröffentlichte WikiLeaks im Rahmen einer Pressekonferenz die an Bord der Apache-Hubschrauber aufgenommenen Videoaufnahmen des Vorfalls.[67] Das 38-minütige Video war von der Zielkamera der Bordkanone aufgenommen worden. Es zeigt mehrere Personen, die nach Auffassung der US-Soldaten AK-47-Sturmgewehre und eine Panzerfaust (RPG) trugen. Bei einigen der vermuteten Waffen handelte es sich um die Kameras der Journalisten. Die Bordkamera zeigt, wie das Feuer auf die Gruppe eröffnet wurde. Etwa 12 Zivilpersonen, einschließlich der beiden Reuters-Mitarbeiter Saeed Chmagh and Namir Noor-Eldeen, wurden getötet. Ein kurz darauf vorbeifahrender Kleinbus hielt an und die Insassen versuchten (den zu diesem Zeitpunkt verletzten, aber noch lebenden) Saeed Chmagh[68][69] zu retten und werden daraufhin ebenfalls erschossen.

Das veröffentlichte Video erhielt früh eine große Aufmerksamkeit in Blogs, bei Youtube und investigativen Journalisten. Später berichteten daraufhin auch Mainstreammedien international über das Video und den Vorfall.

Als mutmaßlicher Informant wurde Bradley Manning im Mai 2010 festgenommen, nachdem Adrian Lamo die Behörden über die Weitergabe des Videos durch Bradley Manning informiert hat.


sonstiges:

Zitat:
Veröffentlichung von Internetsperrlisten und Ermittlungsverfahren gegen Wikileaks
WikiLeaks publiziert seit 2008 Internetsperrlisten verschiedener Länder, darunter die restriktiver Staaten wie China[33][34][35] und Thailand,[36] aber auch Sperrlisten von Demokratien wie Dänemark,[37] Finnland,[38] Norwegen,[39] Italien und Australien.[40]

Durch die Veröffentlichung wurde der eindeutige politische Missbrauch der Sperrsysteme bestätigt: In Australien wurden Seiten von Abtreibungsgegnern und die Pressemeldung auf WikiLeaks zu den Sperrlisten von der australischen Regierung gefiltert.[41] In Finnland wurde ein Blog gesperrt, da es Teile der dortigen Liste veröffentlicht hatte.[42] Allgemein wurde eine hohe Fehlerrate der Listen festgestellt.[43] So bestätigte auch eine Untersuchung des australischen Senats, dass nur 32 % der gesperrten Seiten Inhalte mit Darstellungen von Personen unter 18 Jahren anboten.[44] Die Listen der skandinavischen Länder wiesen noch höhere Fehlerquoten von bis zu 90 % auf. In der Finnischen Zensurliste waren nur 1% der Einträge korrekt. Die Publikation der Sperrlisten erscheint WikiLeaks besonders wichtig, um sicherzustellen, dass die freie Kommunikation der Gesellschaft nicht durch unkontrollierte und nachweislich missbrauchte und fehlerhafte Sperrlisten eingeschränkt wird und werden kann.[45]

Im Zuge der Veröffentlichung der australischen Liste fand am 24. März 2009 beim Sponsor der Domain wikileaks.de eine Hausdurchsuchung statt. Die Hausdurchsuchung verfolgte angeblich die Absicht, Beweismaterial sicherzustellen, um den Verdacht der Verbreitung von pornographischen Schriften zu überprüfen. Vor dem Hintergrund, dass die Domain des Sponsors auf die WikiLeaks-Seite weiterleitet und dort die politische Zensur von Inhalten durch die Veröffentlichung der Liste bewiesen wurde, waren deutsche Behörden der Ansicht, dass der Sponsor einer Weiterleitung auf das Nachrichtenportal WikiLeaks etwaige illegale Inhalte bei sich vorrätig haben müsse.

Nach der Hausdurchsuchung wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften eingeleitet,[9][46] ohne dass bei der Durchsuchung entsprechende Inhalte sichergestellt wurden.[47]


Zitat:
Pläne des US-Geheimdienstes WikiLeaks zu unterminieren

Am 15. März 2010 wurde ein Dokument[11] des US-Geheimdienstes CIA bei WikiLeaks veröffentlicht, indem der CIA beschreibt, warum der amerikanische Geheimdienst WikiLeaks als problematisch einschätzt und erläutert Methoden, wie man gegen Whistleblower und Wikileaksmitarbeiter vorgehen und somit WikiLeaks zerstören könne. Der Geheimdienst befürchtet laut dem Dokument auch, dass es auch Whistleblower in eigenen Reihen und bei Wikileaks weitere unveröffentlichte geheime Dokumente geben könne. Es wird empfohlen Anstrengungen zu unternehmen, die Geheimniszuträger von WikiLeaks zu verfolgen und offenzulegen. Durch die Offenlegung der Daten erhofft man sich, dass das Vertrauen der Whistleblower in WikiLeaks stark geschwächt wird und die Unterstützergemeinschaft zusammenbricht.


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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
26. Juli 2010, 12:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
O.B.M.F



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Beiträge: 1218
Wohnort: Zug

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Ein Kritiker von innen. Zensur Medienintern:



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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
23. November 2010, 13:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Pressluftpinocchio
Schraubenverdreher


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http://www.classless.org/2010/10/25/einreichung-zum-27c3-vortrag-zu-wikileaks-und-transparenz/

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23. November 2010, 15:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Wintermute



Anmeldedatum: 06.10.2009
Beiträge: 25

Beitrag Die Möchtegern-offene Gesellschaft und ihre Öffentlichkeit Antworten mit Zitat
Wieviel Öffentlichkeit darfs denn bitte sein? Und verträgt sich das noch mit den unverhandelbaren Grundprinzipien der "offenen Gesellschaft"?
Tja, was soll man nur zu der zunehmenden Beliebtheit wie auch, je nach Standpunkt, Verhasstheit von Wikileaks, Facebook & Co. sagen?

Hierzu mal ein paar kommentierte Zitate.

Die Leute vom Gegenstandpunkt-Verlag halten nicht eben viel von der neuen Internet-Öffentlichkeit, und sehen darin nur eine art "Fortsetzung des Staatsbürger-Bewusstseins mit anderen technischen Mitteln" wie folgender Artikel nahe legt:

Quelle: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/11/1/gs20111115.html

"Die bürgerliche Öffentlichkeit und ihre modernen Wurmfortsätze

WikiLeaks und die anderen –

Herrschaft einfach weginformiert

WikiLeaks hat das erklärte Ziel, „die unverhüllte Wahrheit in die Öffentlichkeit zu bringen“, die seiner Meinung nach Regierungen und Wirtschaftskreise verschleiern. Damit, so das kritische Selbstverständnis der Initiatoren der Enthüllungsplattform, entlarven sie das verschwörerische Treiben von Herrschaften, die sich demokratisch geben, aber mit der Unterdrückung von Informationen die Öffentlichkeit systematisch hinters Licht führen und manipulieren. Ein Anliegen, mit dem die Informationsfanatiker nicht nur der Wahrheit dienen, sondern aufklärungsbedürftigen Bürgern wie aufklärungsfeindlichen Politikern auch eine endlich wirksame öffentliche Kontrolle der Macht versprechen bzw. androhen wollen. Zwar ist die Welt bereits bestens ausgestattet mit publizistischen Organen, die alles, was Politik und Wirtschaft treiben, öffentlich kritisch berichten und kommentieren, mit deren Berichten über friedliche wie kriegerische staatlichen Taten gibt sich WikiLeaks aber nicht zufrieden. Den zahlreichen Verlautbarungen demokratischer Politiker oder auch den zugespielten Geheiminformationen die anerkannten politischen Zwecke und gültig gemachten staatlichen Interessen zu entnehmen und die zu kritisieren, halten die Aufklärer, bzw. Aufdecker aber auch nicht für nötig. Ihr Kampf gegen undemokratische Herrschaft ist das Veröffentlichen als solches. Anlass genug für einige sachdienliche Hinweise über die affirmativen Leistungen bürgerlicher Öffentlichkeit und wie WikiLeaks als Anwalt echter demokratischer Kontrolle deren kritisches Selbstverständnis als ‚Vierte Gewalt‘ im Staat radikalisiert. "

Robert Kurz ebensowenig (vgl. den Artikel "Seelenverkäufer" auf der Exit-Homepage)
http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=6&posnr=469&PHPSESSID=4837549aa9a594fb1f287d5130168fba

Die Lektüre dieses Textes tut man sich lieber nicht an, sofern man die Grundposition des Autors bereits kennt: "Alles ist scheisse!"

Jeremy Rifkin glaubt daran, dass durch die "Dialektik von Entoprie und Empahtie" in der postmodernen Gesellschaft der Selbstinszenierung ein Übergang zum "biosphärischen Bewusstsein" stattfindet und redet einem "dezentralen Kapitalismus" das Wort.

Der inzwischen nationalistisch und religiös regredierte Ex-Situationist Jean Pierre Voyer hat zu seinen besseren Zeit mal Nahrhafteres Geschrieben zum Zusammenhang der "Publitzität des Elends" und des "Elends der Publizität". Seine - hinsichtlich der Orientierung an der Psychoanalyse von Wilhelm Reich zugegebenrmassen etwas veraltete - Schrift "Wilhelm Reich, Gebrauchsanweisung", sei mangels alternativer Texte von vergleichbarem Reflexionsniveau, an dieser Stelle ausdrücklich zur Lektüre empfohlen.

Hierzu ein ausführliches Zitat.

"Publik: "öffentlich, bekannt".

Publizität: "Öffentlichkeit, öffentliches Interesse, Propaganda".

"Hansens Universallexikon".

Die Publizität des Elends unterscheidet sich nicht von der Idee seiner Abschaffung (5). So kommt der Geist zu den Menschen. Das Elend ist immer das Elend der Publizität. Wir müssen daher die Gründe für das Fortbestehen des Elends in dem suchen, was das Elend der Publizität verursacht.

Der Fetischismus ist das Elend der Publizität. Er ist die Form selbst der sozialen Trennung. Überall, wo sich die Individuen und ihre Totalität gegenüberstehen, erhält diese Opposition die Form des Fetischismus der Totalität. Die Opposition zwischen dem Ganzen und den Individuen erfolgt mittels einzelner Teile des Ganzen, die isoliert oder in phantastischer Beziehung zu dem Ganzen und zueinander erscheinen (6). Das getäuschte Bewußtsein ist das wesentliche Moment des Fetischismus. Durch das getäuschte Bewußtsein werden die Dinge zu dem, was sie zu sein scheinen. Das Fehlen des Bewußtseins erhält die Form des Bewußtseins.

Der Fetischismus der Ware ist in ihrem Wert konzentriert. Marx brauchte die paar tausend Seiten des "Kapitals", um mit der Wirklichkeit dieses Fetischismus fertig zu werden. Das Joch des Wertes ist es, das auf allen Köpfen lastet, ob sie nun bürgerlich, bürokratisch oder proletarisch sind. Der Wert ist das Verhältnis zweier Quantitäten zueinander. Was ist phantastischer, als daß hier und jetzt 'x' Kilogramm Karotten 'y' Liter Bier oder gar 'z' Minuten Friseur wert sind. Der Wert ist hier und jetzt die extravagante Autonomie der Ware. Es ist gefährlich, zu stehlen, zu plündern oder Feuer zu legen. Noch gefährlicher ist es, nie zu arbeiten! Der Wert setzt sich unerbittlich durch (7), während der getäuschte Blick nur den Dingen und ihrem Preis begegnet.

Im 19. Jahrhundert sind mit dem vollendeten Gegensatz zwischen dem Leben des Individuums und dem Leben seiner Art (dem Alltagsleben einerseits und dem automatischen Warenverkehr andererseits) alle Hoffnungen berechtigt (die von Hegel und die von Marx). In diesem Stadium liegen die Dinge klar: das Alltagsleben ist nichts, der Verkehr alles. Das Nichts des Alltagslebens ist ein sichtbares Moment des Ganzen des Verkehrs. Der Fetischismus täuscht nur noch die herrschende Klasse und ihre Denunzianten. Mehrere Male setzt das Proletariat zum Sturm auf die Totalität an, und beinahe hätte die Publizität des Elends über das Elend der Publizität triumphiert.

Heute liegen die Dinge sehr viel anders. Die Modernisierung der Kämpfe der Unterdrückten, und vor allem die Tatsache, daß sie unvollendet geblieben sind, haben von 193o an zu einer schnellen Modernisierung des Fetischismus durch die herrschende Klasse und ihren Staat geführt. Das Auftreten des wissenschaftlichen Fetischismus war recht bemerkenswert: New Deal, Bolschewismus und Nationalsozialismus gleichzeitig. Diese Modernisierung besteht wesentlich darin, dem Alltagsleben das zu entziehen, was ihm geblieben war: seine Negativität, das heißt die Publizität seines Elends, die Publizität seiner Nichtigkeit. Das Geheimnis des Elends des Alltagslebens ist das wahre Staatsgeheinmis. Das ist der Schlußstein, der das Gebäude der Trennung zur Vollendung bringt, das auch das Gebäude des Staates ist.

Das Spektakel, oder die wissenschaftliche Entwicklung des Fetischismus, ist nichts als das Privateigentum an den Publizitätsmitteln, das Staatsmonopol der Erscheinung. Mit ihm bleibt allein der Warenverkehr publik. Das Spektakel ist nichts als der Warenverkehr, der alle verfügbaren Publizitätsmittel absorbiert und dadurch das Elend zur Unsichtbarkeit verurteilt. Das Spektakel ist die geheime Form des publiken Elends, wo sich der Wert unerbittlich durchsetzt, während der getäuschte Blick nur den Dingen und ihrem Gebrauch begegnet.

In der imperialistischen Publizität des Warenverkehrs tritt der Wert nie in Erscheinung. Sie ist das Spektakel der Unsichtbarkeit des Wertes. Diese "natürliche" Unsichtbarkeit bildet die zutiefst spektakularistische Tendenz des Verkehrs, die die Bourgeoisie bei der wissenschaftlichen Entwicklung des Fetischismus ausnutzen konnte. Der Verkehr kann als großer Rummel des Gebrauchs erscheinen, sofern der Wert nicht auf andere Weise publik ist; des Gebrauchs des Geldes hauptsächlich, versteht sich. Von daher ist die Faszination des Zuschauers leicht verständlich, der täglich mit dem Wert konfrontiert wird. Das ist die Wirkung des Spektakels. Sie kommt jeder Idee zuvor: alles scheint vollendet. Sie verbietet jedes Erkennen: der Elende kennt sich als der einzige Elende. Der Gebrauch des Geldes erscheint in sich als das Instrument der Aufhebung des Wertes. Gipfel der Verkehrung. So kommt der Geist nicht zu den Menschen.

Von seinem Logenplatz aus mußte Reich die Rolle frappieren, die der Charakter als anti-individuelle Struktur bei der großartigen Nazi-Inszenierung spielte (8). Er überläßt die burleske Frage "Warum revoltieren die Arbeiter?" den Psychoanalytikern, Psychiatern, Soziologen und anderen Dienern des Spektakels und stellt dafür die grundlegende Frage: "Warum revoltieren sie nicht!" (9). Er schreibt die Unterwerfung der Vernichtung des Individuums durch den Charakter zu. Was kaum bestritten werden kann. Aber nicht ausreicht. Zu sagen, daß diese Gesellschaft keine zutiefst spektakularistische Tendenz besäße, hieße zu behaupten, daß das Spektakel allein das große Werk der herrschenden Klasse sei. Damit würde man ihr viel Talent zusprechen. Wir wissen, daß die herrschende Klasse das erste Opfer ihrer eigenen Illusionen ist. Sie folgt der Bewegung.

Wir haben weiter oben den Grund für diese Tendenz genannt. Der Charakter ist davon abgesehen unbestreitbar real. Er zeichnet sich klinisch ab. Jetzt müssen wir wissen, wovon er nun genau die Klinik ist, nachdem wir erst einmal festgestellt haben, daß er als getrennter Begriff nicht ausreicht. Als getrennter Begriff ist er nur wieder ein Fetisch.

Unsere These ist die folgende. Das Quantitative herrscht. Alle menschlichen Beziehungen werden von der Beziehung von Quantitäten zueinander beherrscht, erscheinen aber nichtsdestoweniger als reine menschliche Beziehungen; oder: der getäuschte Blick begegnet nur den Dingen und ihrem Preis. Wir haben schnell die spontan spektakularistische Wirkung dieser ganz "natürlichen" Gegebenheit erkannt, die die Unsichtbarkeit des Wertes ist. Das hindert nicht daran, daß der Wert von jedem ständig als die unausweichliche Notwendigkeit seines Alltagslebens erlebt wird. Wir haben gesehen, daß dieses geheim Erlebte die spektakularistische Tendenz des Warenverkehrs vollendete. Was ist das, was Reich klinisch herausfindet und Charakter nennt? Wir behaupten, daß es der Wert als unmenschliche und auf andere Weise nicht sichtbare Notwendigkeit ist, der damit erfaßt wird. Das ist bis heute Oberhaupt der einzige Weg konkreter Annäherung an den Wert als geheimes Elend der Individualität. Reich spürte unter dieser Form das Unbewußte auf, sein Elend und seine elenden repressiven Instanzen, die ihre Stärke und ihren magischen Apparat nur von dem Imperium des Wertes ableiten, das über dem Alltagsleben steht. Nur weil die universelle Sozialisierung der menschlichen Beziehungen die einzige Form des Wertes angenommen hat, der ihre Negation ist, sind die echten menschlichen, von der Lust besiegelten Beziehungen in dieser Sozialisierung aufbewahrt (10), als natürliche Beziehungen von Mensch zu Mensch, die insoweit unerlaubt und heimlich sind, denn alle Gesellschaftlichkeit, die ganze Menschheit ist vom Wert besetzt (im Sinn Lyauteys), der einzigen erlaubten Sozialisierung. Was dem Gesetz des Wertes zu entgehen sucht, nimmt folglich die Form des Natürlichen an, das heißt per Definition die Form dessen, was der Beherrschung durch die Menschheit entgeht.

In seinem dritten philosophischen Manuskript mißt Marx die Menschlichkeit des Menschen, seine Sozialisierung, an dem Sozialisierungsgrad des "unmittelbaren, natürlichen, notwendigen" Verhältnisses des Menschen zum Menschen: des Verhältnisses des Mannes zum Weib. Der Wert als universelle Sozialisierung, als einzige und verkehrte Form des menschlichen Wesens, ist ebenso die Unmöglichkeit der Sozialisierung dieser Beziehung, die folglich die "natürlichste”, das heißt die am meisten von dem herrschenden Gemeinwesen behinderte Beziehung bleibt. Im Schoß der universellen Sozialisierung durch den Wert fällt dieses Natürliche mit seinem Verfallgrad (11) zusammen, genau wie der Grad der Natürlichkeit der Nambikwara Indianer im Schoß unserer Zivilisation mit dem Grad ihrer Ausrottung zusammenfällt. Dieser Verfallgrad - Psychose, Neurose, Charakter - als Anzeichen der Nicht-Sozialisierung, der Unmenschlichkeit des Menschen ist der wirkliche Gegenstand der Psychoanalyse. Dieser alte Schweinehund von Freud ging sogar soweit, daß er diesen Grad von Natürlichkeit mit der Wildheit und diese durch den Wert verkehrte Sozialisierung mit der Zivilisation identifizierte. Die Psychoanalyse war und ist die Paläontologie dieser Vorgeschichte.

Wir stützen unsere noch rein theoretische These auf folgende klinische Beobachtung. Wenn ein zufälliger Umstand zur Auflösung des Charakters führt, wird die phänomenale spektakuläre Form der Totalität in ihrem Anspruch zerstört, als das Fehlen des Wertes durchzugehen. Wir haben also, im Augenblick negativ, eine Identität des Charakters und der Wirkung des Spektakels festgestellt.

Ob das Subjekt dem Wahnsinn erliegt, ob es die Theorie praktiziert oder sich an einem Aufstand beteiligt (12), wir haben jedesmal festgestellt, daß die zwei Pole des Alltagslebens - der Kontakt mit einer beengten und getrennten Wirklichkeit einerseits und der spektakuläre Kontakt mit der Totalität andererseits - gleichzeitig aufgehoben werden, um der Einheit des individuellen Lebens Platz zu machen, was Reich ärgerlicherweise Genitalität nennt. (Wir ziehen Individualität vor.)

Die Arbeiten von Reich sind seit Marx die ersten, die konkret Licht auf die Entfremdung werfen. Die Theorie des Spektakels ist seit Marx die erste, der es darum geht, eine Theorie der Entfremdung zu sein. Die Synthese dieser zwei Methoden hat unmittelbare Konsequenzen, die wir demnächst entwickeln werden.

Zunächst sind wir der Auffassung, daß sich die Praxis der Theorie nicht von der Genitalität unterscheidet wie sie Reich auffaßt.

Die Theorie wird das fortwährende Kennen des geheimen Elends, des Geheimnisses des Elends. Sie ist deshalb auch für sich allein schon das Aufhören der Wirkung des Spektakels. Da das Spektakel die geheime Form des publiken Elends ist, hört seine Wirkung auf, sobald sein Geheimnis aufhört. Seine Wirkung liegt in seinem Geheimnis. Die Theorie fällt folglich mit der gelebten Möglichkeit zusammen (Pleonasmus, im Gegensatz zur Wahrscheinlichkeit, die als Zweifel oder Gleichgültigkeit erlebt wird). Die Theorie, das ist das Leben, wenn alles möglich ist. Sie hört zu existieren auf, sobald sie sich irrt, und findet sich wieder in der Langeweile, unter der Wirkung des Spektakels. Die Theorie ist, wenn sie existiert, folglich sicher, daß sie sich nicht irrt. Die Theorie ist ein Subjekt, das frei von Irrtum ist. Sie läßt sich von nichts täuschen. Ihr einziger Gegenstand ist die Totalität. Die Theorie kennt das Elend als insgeheim publik. Sie kennt die geheime Publizität des Elends. Alle ihre Hoffnungen sind berechtigt. Der Klassenkampf existiert. "

http://www.oocities.org/wiederaneignung/reich.htm
28. März 2011, 21:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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