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Ofenschlot, GSP, Methoden

 
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Ofenschlot, GSP, Methoden
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Käptn Kiff



Anmeldedatum: 12.11.2007
Beiträge: 1069

Beitrag Ofenschlot, GSP, Methoden Antworten mit Zitat
http://ofenschlot.blogsport.de/2010/08/03/methodenphobie-berechtigte/

Es gibt ja bei den Genossen vom Gegenstandpunkt eine regelrechte Methoden-Phobie. Komme ihnen bloß keiner mit der Marx’schen Methode oder der Hegel’schen (und sowieso nicht der Karl Held’schen). Mag Marx auch von der dialektischen Methode gesprochen haben, der er nach Abschluss seines KAPITAL-Projekts ein eigenständiges Bändchen widmen wollte, hah!, dann springt er halt selbst unter der eigenen Hürde der richtigen Theorie durch. Na, und dass die GSP’ler, die Alten wie die Jungen, selbst eine Methode haben, was man einfach daran erkennt, dass alle GSP’ler den gleichen Tonfall pflegen und jeder Vortrag derselben Struktur entspricht (zu Beginn ein paar ideologiekritische Bemerkungen, die den Alltagsverstand aufmischen sollen, dann eine allgemeine, abstrakte Darstellung des Gegenstandes, dann die Bezugnahme auf aktuelle Erscheinungen und Ausprägungen, zum Abschluss eine Kritik an den falschen – linken – Ansichten zu dem eben besprochenen Gegenstand) – auf diese rhetorische Finte der gemeinen GSP-Verächter (»Hetzer«) lässt man sich gleich gar nicht ein!
Ihre Methoden-Phobie – Die Methode vom Gegenstand der Untersuchung zu lösen und also dem Postulat folgen: Erst die richtige Methode, dann das richtige Erkennen, ist, frei nach Hegel (ihre ganze entsprechende Kritik haben sie vom Alten, was hier übrigens nicht als Kritik gemeint ist, sondern einfach als sachliche Feststellung), ungefähr so, als würde man Schwimmen lernen wollen, ohne sich nass zu machen. – bringt sie fast schon in die Nähe des köstlichen Paul Feyerabend, der die Methoden-Fetischisten tief und innig gehasst hat (die größten Kritiker der Elche…) und dessen beschwingtes Meisterwerk brutal ehrlich »Against Method« heißt (»Wider den Methodenzwang« übersetzte man hier, doch etwas verkleinernd…). Aber diese Assoziation ist selbst wieder eklektizistisch, denn die gewisse Naivität der einen (Wissenschaft als abgeschlossener Prozess, der dann zu seinem richtigen Abschluss kommt, wenn man sich nicht mehr von den kantischen Methoden-Heinis irre machen lässt.) ist unvereinbar mit der gewissen Naivität des anderen (Die Auflösung der Wissenschaft in einen offenen Prozess der Erkenntnisspiele und –experimente ist gleichbedeutend mit der gesellschaftlichen Emanzipation der Individuen.)
Dennoch – Feyerabend kann man mal wieder lesen, ist eine erfrischende, heitere Sommerlektüre (und wer Feyerabend richtig [sic!] kritisiert, der ist eigentlich ganz nah dran – an der dialektischen Methode).
Im Folgenden soll nicht gegen den GSP gestänkert (»gehetzt«), sondern, Überraschung, dem ZK, dem Zentralkomputer, soll voll und ganz recht gegeben werden! Jawohl, die Methodenphobie hat ihre Berechtigung!
In der FAZ findet sich ein recht interessanter Artikel über die Marx-Welle in China, die gerade über chinesische Universitäten hereinbricht. Die Partei gibt zur Zeit Unsummen aus, um allerlei Marx-Institute aus dem Boden zu stampfen, eine neu übersetzte Marx-(und-Engels?-)Ausgabe ist auch in Arbeit. China und Marx-Renaissance, das passt nicht zusammen, das wäre ja so, als würde demnächst ein neu übersetztes Buch von Paul Mattick bei Ca Ira erscheinen – undenkbar!
Aber so ist es – die Partei will Marx, und die Wissenschaftler spuren. Warum das ganze?
Weil Marx im großen Stil als wesentlicher Teil einer Legitimationsstrategie der Herrschenden neu definiert wird. Und wie geht das? Indem man Marx, den METHODIKER, vom Marx, dem KAPITALISMUSKRITIKER, abspaltet, die Methode für gültig (»wahr«) erklärt und den Kritiker für überholt. Der FAZ-Autor (Oh Gott, jetzt lernen wir bei denen noch Materialismus…) hat das richtig erkannt: Sie – Wissenschaftler wie Parteiideologen – spielen »die Methode des Marxschen Denkens systematisch gegen dessen Ergebnisse« aus:


Statt auf Themen wie Antikapitalismus, Planwirtschaft oder Revolution zu beharren, hielten sie allein an der materialistischen und dialektischen Perspektive auf die Welt fest, die den Gang der Geschichte in deren innerer Widersprüchlichkeit zu überblicken verheißt. Der Vorteil der Methode liegt darin, dass sie äußersten Pragmatismus mit dem Nachweis der historischen Notwendigkeit einer alle historischen Prozesse gleichzeitig in den Blick nehmenden und planenden Institution, der Kommunistischen Partei also, verbindet.

Und weiter

Von Marx‘ Thesen übernimmt (man) nur den Fokus auf die Entwicklung der Produktivkräfte in ihren Widersprüchen, um diesen dann aber zur Theorie eines permanenten Ausgleichs jeglicher Gegensätze auszuweiten; den Funktionären wird dabei ein immer dialektischeres Denken abverlangt: „Die Entwicklung ist ein zyklischer Prozess, bei dem sich die Dinge vom Ungleichgewicht zu einem relativen Gleichgewicht und dann wieder zurück zum Ungleichgewicht bewegen“, heißt es in einem Kommentar des Zentralen Übersetzungsbüros, das als direkt dem Zentralkomitee unterstellte Einrichtung eine besonders wichtige Rolle bei der Theoriebildung spielt.
Der Marxismus ist unterdessen zu einem Gehäuse mutiert, in dem sich so ziemlich jede Art Politik unterbringen lässt, solange sie nur als Einheit der Gegensätze unter dem Dach einer autoritären Partei interpretiert werden kann – und insofern auch als Gegenmodell zur westlichen Demokratie taugt.

Lassen wir mal den Nachsatz beiseite, diese Konzession an die FDGO, wie sie einfach tagtäglich in der FAZ und allen anderen größeren Medien eingeräumt werden MUSS, dann fallen die methodischen (!) Ähnlichkeiten auch zu hiesigen Marxismen und diversen Neuen Marx-Lektüren auf. Es gibt nicht das Dach einer autoritären Partei, aber z.B. den wärmenden Schoß der Rosa-Luxemburg-Stiftung, den man, ist man erst mal untergekommen, nicht so schnell wieder verlassen will, und es gibt natürlich auch die etwas ungemütlichere Heimat eines antideutschen (»ideologiekritischen«) Zentralorgans. Jede Identität hat ihre Methode. Jede Methode hat ihren Auftraggeber. Das ist Klassenkampf von oben, nicht von unten.
Gut erkannt, Genossen aus München. Und wenn die jungen GSP’ler sich bald mal den baierisch-fränkischen Slang abgewöhnen und nicht immer blau anlaufen, wenn das Wort »Geschichte« fällt, wird alles gut.

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argumentum ad baculum
04. August 2010, 13:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag "Fundstücke" Antworten mit Zitat
Netter Text von Ofenschlot. Anbei noch den Link zu weniger wohlwollender Kritik an den Methoden der MG/GSP-Genossen:

http://www.contradictio.de/blog/archives/2761/comment-page-1#comment-1211

Ein Vortrag von Lars Quadfasel

Sicherlich hat sowohl die Welt als auch die deutsche Linke Schlimmeres hervorgebracht als die selige »Marxistische Gruppe« und ihr Nachfolgeprojekt, die Zeitschrift Gegenstandpunkt. Ihre Anhänger betreiben weder Globalisierungskritik noch Volxküchen, kritisieren Linksnationalismus und Proletkult und haben auch für Demokratie, Menschenrecht, Weltfrieden und ähnlich Herzerwärmendes nicht arg viel übrig. Wenn es aber allemal Schlimmeres gibt, so doch wenig Nervigeres als die patenten Topchecker mit dem unverwechselbaren Jargon. Denn mögen sie auch noch so ernsthaft Theorie betreiben – heraus kommt stets nur die sattsam bekannte Armada zeitlos »tauglicher Argumente«, welche, einmal eingeleuchtet, sich zu jedem nur denkbaren Gegenstand (und am besten im Dialekt der bayrischen Chefdenker) abspulen lassen.

Der GSP-Theoretiker nimmt die Position des Drüberstehers ein, des Intellektuellen als Souverän – aber eines Souveräns des gesunden Menschenverstands. Und wie jeder gesunde Menschenverstand explodiert auch dieser, wo er sich in Frage gestellt sieht: durch Reflexion und Introspektion, d.h. Philosophie und Psychoanalyse. Der Stammtischjargon von »Miezen« und »Negern« und dem »ganzen Judenzeugs« ist daher kein Exzess, sondern der Gegenstandpunkt selber: die ressentimenthafte Bekundung, sich von dem nicht tangieren zu lassen, was in seiner Mischung aus positivem System und common sense partout nicht aufgehen will.

Lars Quadfasel
ist assoziiert in der Hamburger Studienbibliothek und der Gruppe Les Madeleines. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Extrablatt.

Eine Veranstaltung der Gruppe
Alas!
10. August 2010, 13:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beitrag Antworten mit Zitat
"ihr reisst das maul zu weit auf" ist keine methodenkritik sondern pöbelei. genau wie die letzte antwort, die du verlinkt hast. was ist denn das für ein anspruch: "GSP-Denk, bei dem Allgemeines und Besonderes ohnehin in keinem sehr anspruchsvollen Verhältnis zueinander stehen", der tiefes-niveau vorwurf. lass doch die AD-zombies in ihrer gruft ruhen.

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argumentum ad baculum
10. August 2010, 14:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Host ja recht. ;-)
10. August 2010, 15:14 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Doc Sportello



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Beitrag Kritik des "Gegenstandpunkt" Antworten mit Zitat
Meinhard Creydt: Der bürgerliche Materialismus und seine Gegenspieler:

Zitat:
Vor Kurzem ist das Buch "Der bürgerliche Materialismus und seine Gegenspieler" des Autoren Meinhard Creydt erschienen. Darin kritisiert der Psychologe und Soziologe die Vorstellungen des bürgerlichen Materialismus und seiner linken AnhängerInnen. Der folgende Text ist eine Besprechung der stärksten Momente des Buches: der Kritik an der "Marxistischen Gruppe" und ihrer Nachfolge-Zeitschrift "Gegenstandpunkt".

Das politische Internetverhalten junger Männer zeichnet sich in aller Regel dadurch aus, dass knapp Verstandenes mit grosser Geste und Vehemenz vertreten wird. Jeder, der sich ab und an in den entsprechenden Winkeln des Internets aufhält, kennt es: Irgendwann betritt einer den Raum, der sich durch besondere Prinzipienfestigkeit, hohe moralische Autorität oder das Bescheidwissen auszeichnet. Während die ersten beiden Eigenschaften im Spektrum des Schulbuchmarxismus beziehungsweise der Antideutschen anzutreffen sind und ihnen mittels Argumenten meist relativ einfach beizukommen ist - wobei die Betreffenden das selbstverständlich selber kaum mitkriegen - wird es bei den Anhängern der Zeitschrift "Gegenstandpunkt" (GSP) etwas schwieriger. Schliesslich ist das Mittel der Profilierung dieser Bescheidwissenden das "bessere Argument" und ihr proklamierter Zweck die Erklärung und Kritik eines Gegenstandes.

http://www.trend.infopartisan.net/trd0716/t180717.html


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
26. Juli 2016, 16:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Mit „Oberflächlichkeit“ ist jedoch ein Stichwort gefallen, das Creydts Kritik an marxistischen Positionen in Sachen Psychologie auf den Punkt bringt. Was der Autor damit meint, welche Tiefe er vermisst und weshalb auf Grund dieser Fehlanzeige die Überlegungen von Krölls u.a. zu revidieren oder zu verwerfen seien, soll im Folgenden erörtert werden. Dabei geht es vor allem um den ersten Abschnitt (a) des siebten Kapitels, der ein Panorama psychologischer Theoriebildung entwirft. Deren Missachtung hält Creydt seinen Gegenspielern als entscheidendes Manko vor. Im folgenden Abschnitt (b, dem sich dann unter c noch etwas anders gelagerte Bemerkungen über „Persönlichkeitsstile“ anschließen) fasst er dies so zusammen: „Bürger beziehen sich in ihrem bürgerlichen Materialismus auf das kapitalistische Erwerbs- und Geschäftsleben so, dass sie darin Mittel zur Realisierung ihrer Interessen sehen. Zweitens nehmen sie – und jetzt kommt die 'Psychologie des bürgerlichen Individuums' (MG 1981) ins Spiel – Erfolg bzw. Scheitern persönlich und interpretieren es als Resultate charakterlicher Defizite oder Vorzüge. Sie vergleichen sich mit anderen, identifizieren einander als Schuldige des eigenen Mangels an Erfolg oder legen sich ein kompensatorisches Selbstbewusstsein zu. Nicht, dass das kein relevantes Thema ist! Für MG/GSP ist es aber das Thema ihrer 'Psychologie des bürgerlichen Individuums' oder der 'Kritik der Psychologie'. Beide stören sich an der oft vorzufindenden Auffassung, man habe auf eine bestimmte Weise gehandelt, weil man 'passives Opfer seiner Seelenregungen' gewesen sei“ (ebd., letzteres ein Zitat aus: MG 1981).
In der referierten thematischen Konzentration sieht Creydt eine „rationalistische“, „kognitivistische“ Verkürzung am Werk, was er hauptsächlich damit belegt, dass er im ersten Abschnitt des Kapitels sein erweitertes Verständnis des Seelenlebens vorstellt. Ihn interessieren nämlich andere Themen, diese sind für ihn relevant und nicht die von marxistischer Seite fokussierten



http://www.i-v-a.net/index.php/blog/Creydt-kritisiert-Kr%C3%B6lls

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
02. August 2016, 16:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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