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Kolumbien

 
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Kolumbien
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chainy
Emanze Döggel


Anmeldedatum: 15.08.2005
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Beitrag Kolumbien Antworten mit Zitat
Ich wollte mal ne kleine Dokumentation über die Mächte Kolumbiens zusammenstellen. Ist sehr informativ und sicher interessant für einige von euch.

KOLUMBIEN



Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Kolumbiens ist heterogen. Etwa 58 Prozent sind Mestizen (Nachkommen weißer und indianischer Vorfahren), 20 Prozent sind Weiße, 14 Prozent sind Mulatten (Nachkommen schwarzer und weißer Vorfahren). Außerdem leben Schwarze, Indios und Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen in Kolumbien.

Die Bevölkerungszahl Kolumbiens liegt bei etwa 40,3 Millionen, was einer Bevölkerungsdichte von 35 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. 74 Prozent der Kolumbianer leben in den Städten. Am dichtesten besiedelt sind die Täler des Río Magdalena und des Río Cauca sowie die karibische Küste.

FARC



Simon Trinidad

Gespräch mit FARC-Kommandant Simón Trinidad: Wir erheben eine Steuer auf alle wirtschaftlichen Aktivitäten. Das betrifft Bankiers, Industrielle, Großgrundbesitzer, landwirtschaftliche Großbetriebe und Händler. Weil der Drogenhandel ein realer Wirtschaftsfaktor ist, erheben wir diese Steuer auch von denjenigen, die in unsere Gebiete kommen, um die Rohstoffe von den armen Bauern aufzukaufen.

Der FARC-Kommandant Simón Trinidad wurde Anfang Januar 2004 in Ecuador festgenommen, wo er nach Angaben der FARC Friedensgespräche vorbereiten sollte. Damals war Trinidad Verhandlungsführer der Organisation bei den Friedensgesprächen mit der damaligen Regierung von Andrés Pastrana. Eines der zentralen Themen dabei war der Umgang mit dem Drogenanbau in Kolumbien.

Weshalb sprechen sich die FARC für die Legalisierung des Drogenkonsums aus?

- Wir haben die Legalisierung dieser Produkte gefordert, weil nur so dem Drogengeschäft effektiv etwas entgegengesetzt werden kann. Gerade weil der Konsum illegal ist, blüht das Geschäft, denn durch das Verbot werden die Preise in die Höhe getrieben. An der Illegalisierung haben aber auch die transnationalen Chemiekonzerne Interesse, weil sie so zu überhöhten Schwarzmarktpreisen die Chemikalien verkaufen können, die zur Verarbeitung des Kokablattes zu Kokain und des Mohnharzes zu Heroin nötig sind. Und schließlich trägt auch die Weltbank eine Teilschuld, weil sie die Etablierung effektiver Methoden zur Bekämpfung der Geldwäsche verhindert. Ergo: Das Problem des Drogenhandels ist ein Problem des neoliberalen Kapitalismus.

Wäre eine vollständige Legalisierung von Suchtstoffen nicht verantwortungslos gegenüber den Abhängigen?

- Gegenvorschlag: Weshalb widmen wir nicht die Milliardenmittel, die heute zur Bekämpfung des Anbaus in den produzierenden Staaten aufgewendet werden, zur Organisierung von Bildungskampagnen für Suchtgefährdete und zur Behandlung der Betroffenen?

Es heißt, auch die FARC profitierten vom Drogenanbau…

- Wir erheben eine Steuer auf alle wirtschaftlichen Aktivitäten. Das betrifft Bankiers, Industrielle, Großgrundbesitzer, landwirtschaftliche Großbetriebe und Händler. Weil der Drogenhandel ein realer Wirtschaftsfaktor ist, erheben wir diese Steuer auch von denjenigen, die in unsere Gebiete kommen, um die Rohstoffe von den armen Bauern aufzukaufen.

Es besteht also eine Allianz zwischen den FARC und den Drogenhändlern?

- Auf keinen Fall, eine Allianz im Sinne einer Symbiose gibt es nicht. Im Gegenteil: Die Käufer von Kokablättern versuchen alles, um die Zahlung der Abgaben zu verhindern. In vielen Fällen verlieren wir diese Gelder.

Trotzdem profitieren sie von dem Geschäft. Was hat es mit der Version auf sich, daß FARC und Paramilitärs um den Einfluß im Drogenhandel kämpfen?

- Wir bekämpfen den Paramilitarismus als subversive Politik des Zentralstaats gegen die nun schon lange Jahre andauernde Gegenwehr des Kolumbianischen Volkes gegen seine Ausbeutung. Wir bekämpfen die Paramilitärs als primäres Mittel des Staates im schmutzigen Krieg. Mit Drogenhandel hat das nichts gemein.

FARC ist seit 1964 aktiv und damit die älteste noch aktive lateinamerikanische Guerillaorganisation.

Die FARC entstand im Kontext der seit 1948 andauernden gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der liberalen und der konservativen Partei Kolumbiens. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen wurden 1949 die sogenannten unabhängigen Republiken von der kommunistischen Partei Kolumbiens sowie liberalen und radikalen Bauern in Teilen des Landes gegründet. 1964 eroberte das kolumbianische Militär die República de Marquetalia. Die überlebenden Bewohner um Manuel Marulanda und Jacobo Arenas hielten am 20. Juli des selben Jahres in Marquetalia eine Konferenz ab, auf der sie die Guerillaorganisation Bloque Sur gründeten. 1966 ging der Bloque Sur in der FARC auf, die am 5. Mai offiziell als militärischer Arm der kommunistischen Partei Kolumbiens gegründet wurde. Sie verstand sich als bäuerliche Selbstverteidigungsgruppe gegen die von Großgrundbesitzern und Militär ausgehende Gewalt und hatte sich eine „revolutionäre Landreform“ zum Ziel gesetzt. Bis heute bezeichnet die FARC sich selbst als marxistisch-leninistisch und bolivarianistisch.

1993 stellte die FARC im Rahmen der Plattform für eine Regierung der des Wiederaufbaus und der nationalen Aussöhnung einen Zehnpunkteplan auf, der als Gesprächsgrundlage mit der Regierung dienen sollte und folgende Forderungen beinhaltete:

1. Die Lösung des Konflikts mit politischen Mitteln

2. Die Armee darf keine innenpolitische Funktionen wahrnehmen

3. Durchsetzung der Gewaltenteilung zwischen Justiz und Politik, Pressefreiheit und demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten auf allen Ebenen

4. Stärkung des internen Konsums, Schutz der einheimischen Industrien vor ausländischer Konkurrenz sowie staatliche Kontrolle über den Energiesektor

5. Verwendung von 50% des Staatshaushaltes für Sozialausgaben und 10% für die Förderung der Wissenschaften

6. Einführung eines progressiven Steuersystems

7. Entwicklungsprogramme für ländliche Regionen

8. Revision der Energiepolitik und Neuverhandlung der Verträge zur Ausbeutung der Bodenschätze mit den multinationalen Unternehmen

9. Aufbau souveräner, auf dem Recht auf Selbstbestimmung basierender Beziehungen zu allen Ländern der Welt

10. Nicht-militärische Lösung des Drogenproblems

REGIERUNG

Álvaro Uribe Vélez, geboren am 4. Juli 1952 in Medellín, Kolumbien ist seit dem 7. August 2002 der amtierende Präsident der Republik Kolumbien. Uribe studierte Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft an der Universität von Antioquia. Nach seinem Abschluss folgten weitere Studienaufenthalte in Harvard und Oxford.

Uribe ist als Hardliner im Kampf gegen die kolumbianischen Guerilla-Organisationen (FARC und ELN) bekannt. Obwohl sein innenpolitischer Kurs auch im Ausland stark umstritten ist, ist sein politischer Rückhalt in der Bevölkerung Umfragen zufolge sehr stark.

Sein Amtsvorgänger, Andrés Pastrana Arango hatte versucht, einen Waffenstillstand mit den Guerillagruppen zu vereinbaren, die Verhandlungen scheiterten jedoch. Uribe tritt für eine verstärkte Militärpräsenz ein und unterstützt die Bemühungen der US-Armee, den Drogenhandel in Kolumbien mit militärischen Mitteln einzugrenzen.

Bemühungen der ELN, eine demilitarisierte Zone in ihrem Guerillagebiet einzurichten, tritt Uribe entgegen. Dies begründet er mit den schlechten Erfahrungen, die die Regierung mit einer solchen - 1998 nach Verhandlungen mit der FARC eingerichteten - Zone gemacht hat.

Mittlerweile ist die für die FARC demilitarisierte Zone wieder unter Kontrolle der kolumbianischen Streitkräfte, was nicht heißt, dass nicht auch die FARC noch in diesem - wie in vielen anderen Gebieten Kolumbiens - aktiv ist. Auf der einen Seite hat die Regierung von Uribe so viel Kokain beschlagnahmt und so viele Felder vernichtet, wie nie zuvor in der Geschichte Kolumbiens, auf der anderen Seite fällt international der Preis des Kokain. Ob das heißt, dass der illegale Kokaanbau in Kolumbien nach wie vor ausgeweitet wird oder ob es andere Faktoren zur Erklärung dieses Phänomens gibt, ist umstritten.

Ungeklärt ist die Verbindung Uribes zu den rechtsextremen Paramilitärs, den Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), wie auch die Verbindungen zwischen dem kolumbianischen Militär und der AUC. Aufgrund dieser Verbindungen und der Menschenrechtsverletzungen, die weiterhin in Kolumbien stattfinden, protestierten die Abgeordneten der sozialistischen, sozialdemokratischen und grünen Fraktionen des Europaparlaments während eines Besuchs Uribes im Frühjahr 2004. Sie verließen den Saal, als Uribe mit seiner Rede beginnen wollte. Einige kolumbianische Politikwissenschaftler sind der Meinung, dass Uribe der erste kolumbianische Präsident ist, der die Paramilitärs ernsthaft bekämpft. Inzwischen gab es eine Reihe von großen Demobilisierungen von paramilitärischen Verbänden.

ELN

Die ELN ("Nationale Befreiungsarmee") ist eine kolumbianische, marxistisch orientierte Guerillabewegung. Sie wurde 1964 von Fabio Vasquez Castaño gegründet und gehört somit zu den ältesten noch aktiven Guerrillaorganisationen Lateinamerikas.

Die ELN orientierte sich anfangs an den Schriften Che Guevaras, insbesondere an der Theorie des Fokismus, d.h. des zunächst lokal begrenzten Aufstandes der sich letztendlich als flächendeckende Revolution ausweiten soll.

Ende der sechziger Jahre trat ein beträchtlicher Teil der kolumbianischen Befreiungstheologen in die ELN ein.

Ende der Siebziger setzte, nicht zuletzt unter dem Eindruck der einschneidenden militärischen Niederlage 1973 ein Umdenken ein: die ELN führte erstmals das Recht auf freie Meinungsäußerung ein (vorher wurden interne Debatten durch das Erschießen von Abweichlern unterbunden), Entscheidungsgremien wurden demokratisiert, Fabio Vazquez wurde aufgrund seines autoritären Führungsstiles ausgeschlossen. Zudem wurde unter Einfluss der Theorien Gramscis das Konzept des Poder Popular, der Volksmacht, entwickelt. Dieses begreift die Guerilla nicht mehr als Avantgarde und damit als Ausgangspunkt aller gesellschaftlichen Veränderungen, sondern räumt sozialen Bewegungen allgemein einen entscheidenden Anteil an diesen Veränderungen ein. Konkret wurden Selbstverwaltungsstrukturen in Gemeinden, Betrieben, etc. von der ELN unterstützt.

Die Truppenstärke der ELN wird auf 5.000 Mann unter Waffen geschätzt. Sie unternimmt u.a. Sprengstoffanschläge auf Erdölpipelines oder Attentate auf Einzelpersonen.

Die ELN finanziert sich aus Steuern, die sie in den von ihr kontrollierten Regionen erhebt, Entführungen und Schutzgelderpressung. Ausländer werden meist entführt um die Einsetzung eines internationalen Tribunals zur Aufklärung von groben Menschenrechtsverletzungen von der Regierung zu erzwingen.

Die ELN fordert eine entmilitarisierte Zone nach dem Vorbild der FARC in ihrem Einflussgebiet. Dies wird bisher von der kolumbianischen Regierung ebenso abgelehnt wie von den in den selben Gebieten operierenden Paramilitärs.

PARAMILITARS

Als Paramilitär werden inoffizielle nicht staatliche militärisch organisierte Gruppierungen bezeichnet, die sich polizeiliche oder militärische Kompetenzen anmaßen, um außergesetzlich eigene oder insgeheim staatliche innen- oder außenpolitische Ziele mit Gewalt durchzusetzen.

Auch irreguläre Verbände, die im Auftrag fremder Staaten in anderen Staaten eingreifen, werden als Paramilitär bezeichnet.

Häufig wird die Bezeichnung Paramilitär im Gegensatz zur Bezeichnung paramilitärisch tatsächlich nur auf solche Verbände angewandt, die mit Wissen, Duldung oder im geheimen Auftrag des Staates oder einzelner seiner Institutionen und Repräsentanten gegen dessen vermeintliche Feinde agieren. In diesem Sinne werden Verbände und Gruppen, die den Staat selbst organisiert mit Waffengewalt bekämpfen, meist nicht als Paramilitär bezeichnet, auch wenn sie ohne weiteres paramilitärisch im Sinne von "ähnlich wie Militär strukturiert" zu nennen sind.

Als Rechtfertigung ihres Handelns dient den Paramilitärs oft die angebliche Schwäche des Staates oder seines Rechtssystems gegenüber der so genannten 'Subversion' oder äußeren Gefahren, sie berufen sich somit auf eine angebliche Notwehrsituation von Gesellschaft und Staat.

Auch Schützenvereine haben manchmal eine lange Tradition die sich bis auf paramilitärische Verbände zurückführen lässt, wie die Gebirgsschützen oder Schützen.

Vom obigen Gebrauch abweichend wird der Begriff 'Paramilitär' manchmal auch einfach auf offizielle militärähnlich ausgerüstete 'halbmilitärische' Polizeiformationen angewendet, deren Aufgaben weder rein militärischer noch ausschließlich polizeilicher Natur sind. Zusammen mit staatsnahen Verbänden können solche Polizeieinheiten im Falle eines bewaffneten Konflikts Teil der bewaffneten Macht und somit Kombattanten sein.

DROGENHANDEL

Die Paramilitärs zahlen einem ihrer gemeinen Söldner ca. 350 Euro monatlich. Die Guerilla zahlt 50 Euro weniger, allerdings sind im Dschungel Kost und Logie in der Hängematte frei. Doch auch diese 300 Euro sind noch mehr als das doppelte eines kolumbianischen Mindestlohns, von dem wiederum mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung Kolumbiens nur träumen kann. Es ist daher finanziell durchaus verlockend, bei einer dieser Truppen mitzumachen.

Sanfte, sattgrüne Hügel begrenzen an der Nordseite des kolumbianischen Caucatals den weitflächigen Anbau von Zuckerrohr. Sie bilden den Übergang in die zentrale Kaffeezone des Landes, die einen der besten braunen Bohnen für den Export produziert. Idylle verspricht der Anblick der Natur, Horror jedoch die soziale Realität. Seit zwei Jahren entfesselt sich hier einer der schärfsten Bandenkriege zwischen den ansässigen Drogenkartellen, deren Ausmaß nur der berüchtigte Kokainkönig Pablo Escobar Anfang der neunziger Jahre übertraf.

In nur 21 Monaten wurden in der Nordregion des Caucatals mit seinen knapp 260.000 EinwohnerInnen mehr als 1000 Menschen ermordet. Der Terror von Auftragskillern, paramilitärischen Gruppen und Kriminellen im Dienste der Kartelle hat die Region zum Erstarren gebracht. „Nach fünf Uhr nachmittags werden viele Orte zu Geisterdörfern“, meint der ansässige Pfarrer Jaime Euse. Seine Abendmesse im Dorf La Unión habe er aufgeben müssen, da niemand mehr aus seinem Haus gehe. Die Angst fesselt die Menschen.

Was im Caucatal geschieht, ist das Begleichen von Rechnungen. Regionale Drogenchefs, die in der Vergangenheit gemeinsam ihre Kokaingeschäfte abgewickelt hatten, bekriegen sich nun bis aufs Messer, um sich ein größeres Stück des regionalen Drogenhandels unter den Nagel zu reißen. Jährlich werden laut Schätzungen der Polizei 200 Tonnen Kokain im Caucatal produziert, die einen Gewinn von 400 Millionen US-Dollar versprechen. Ein blutiges Kapitel mehr in der jüngeren Geschichte Kolumbiens, das seit drei Jahrzehnten unter den Folgen des Drogenhandels leidet. Wirtschaftlich, politisch und sozial.

Laut dem kolumbianischen Wirtschaftswissenschaftler Roberto Steiner erreichten die jährlichen Nettoeinnahmen aus dem Drogenhandel zur Jahrtausendwende im Land 2,5 Milliarden US-Dollar. Das entsprach knapp drei Prozent des Bruttoinlandproduktes. „Die Deviseneinnahmen aus dem Drogenhandel sind doppelt so hoch wie die Einnahmen aus dem Kaffeeanbau, dem wichtigsten Agrarprodukt Kolumbiens“, resümiert Steiner. Nach seinen Recherchen macht der illegale Drogenhandel inzwischen 20 Prozent der legal registrierten Exporte Kolumbiens aus.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die Drogengelder einen positiven Effekt auf die kolumbianische Wirtschaft durch Re-Investitionen haben würden. Stattdessen finanzierten die Kartelle die Ausweitung und Absicherung ihres Geschäfts. Sie investierten ihr Vermögen etwa in Pharmageschäfte, um leichteren Zugang zu den Chemikalien für die Kokainproduktion zu haben. „Hinzu kommt, dass die Schaffung und Ausweitung von Freihandelsabkommen den Zugang zu den Absatzmärkten und zu den Rohstoffen für die Produktion erleichtert haben“, meint der Universitäts-Professor und Experte in Drogenproblematik Wilson Gonzalez. Kurze Booms in der Baubranche oder harte Devisen machen die Negativfolgen nicht wett, zu denen vor allem Investitionsangst und ein verzerrter Devisenmarkt gehören.

Für Gonzalez stellt jedoch das größte Problem die Gewalt dar, die das illegale Geschäft mit sich gebracht hat. Der Drogenhandel der siebziger und achtziger Jahre habe zwar bereits einen illegalen Charakter besessen, sei jedoch erst durch die US-Drogenpolitik von extremer Gewalt überzeichnet worden. „Mit dem Beginn der Auslieferungsanträge an führende Köpfe der Kartelle durch die USA wurde nicht mehr nur von Drogenhandel geredet, sondern vom Drogenterrorismus“, so Gonzalez. Die Antidrogenpolitik wurde ab den achtziger Jahren von Washington geleitet und hat den kolumbianischen Staat auf einen zweifelhaften Krieg gegen die Drogenmafia eingeschworen, der bis heute anhält, aber kaum Wirkung zeigt. Die Millioneneinnahmen aus dem Drogengeschäft haben es den Kartellen erlaubt, den Staat bis in die höchsten Ämter zu korrumpieren, um sich so vor der Justiz zu schützen und um sich mit den Regierenden zu arrangieren.

Zu einem extremen strukturellen Wandel führten Drogengelder auf dem Land. Riesige Ländereien gingen in den letzten 15 Jahren durch Vertreibung oder Zwangsverkauf in die Hände von Drogenhändler über, um Gelder zu waschen oder um das Land zum Anbau von Koka zu erweitern. Bis zu elf Prozent des Ackerlandes sind laut Ökonom Ricardo Rocha mittlerweile in den Händen der Drogenhändler. Während man im Norden Kolumbiens von einer Gewaltherrschaft paramilitärischer Gruppen sprechen kann, kontrolliert besonders im Süden die Guerilla den Anbau von Koka. In deren Gebieten sind laut Schätzungen der UNO bis zu 200.000 Familien direkt oder indirekt in den Drogenanbau involviert, was knapp sieben Prozent der arbeitsfähigen Landbevölkerung entspricht.

Der Anbau normaler Agrargüter lohnt sich für die Bauern auf Grund niedriger Marktpreise kaum und verleitet sie zum besser bezahlten Kokaanbau. Für den Leiter des UN-Programms zur Nachfragereduzierung von Koka in Kolumbien, Carlos Carvajal, besteht das Problem des Drogenanbaus in Kolumbien vor allem in den fehlenden Anbaualternativen und nicht im Bewusstsein über die Folgen des Drogenanbaus und Konsums. „Obwohl mehr als 500.000 Menschen im Drogengeschäft tätig sind, ist deren Konsum gleich Null“, so Carvajal. Unter ihnen sei Geschäft eben Geschäft.

Für Carlos Salgado von Planeta Paz, einer angesehenen sozial-politischen Organisation, hat sein Land deshalb kein Drogenproblem, sondern ein Drogenhandelsproblem. „Nicht die Armut hat in Kolumbien einen bewaffneten Konflikt ausgelöst, sondern die nie gelösten Landprobleme“, so Salgado. „Der Einfluss des Drogengeschäfts ist in hohem Maße mitverantwortlich dafür, dass in den letzten Jahrzehnten keine Reformen durchgeführt werden konnten.“ Für Salgado wäre deshalb die Legalisierung des Drogenanbaus die richtige Option. Sie hätte sehr positive und tiefgreifende Effekte: Den bewaffneten Gruppen würde ihre größte Finanzquelle versiegen, was zu einer wesentlichen Minderung des Konflikts mit seinen Folgen auf die Zivilgesellschaft führen würde. Statt einen Antidrogenkrieg zu finanzieren, könnten Millionen US-Dollar in eine Umstrukturierung des Landes investiert werden und die Korruption in der politischen Elite hätte längst nicht die aktuellen Ausmaße. Die Pflicht für eine verantwortungsvolle Legalisierung lege nach Ansicht Salgados allerdings in den Konsumländern, denn in Kolumbien gibt es für solch eine Politik kein Gehör. Rund 80 Prozent der Kolumbianer und Kolumbianerinnen sind laut Angaben der UNO trotz der bisherigen Folgen gegen eine Legalisierung des Drogenanbaus.

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Und die Zeit raubt dir die Helden und die Träume sowieso
Und jeder der vernünftig ist: das ist halt nun mal so.
Wir bauen Mauern aus Eis auf im Laufe unserer Zeit.
Dabei stehen in jeder Ecke für uns die Flammenwerfer bereit.
13. April 2006, 15:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Wegen den Morddrohungen gegen Sinaltrainal-Gewerkschaftler gibt es nun eine Kampagne:
http://www.labournet.de/internationales/co/basonestle.pdf

Und hier einen Text zu Coca-Cola ausgegraben:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?t=793&sid=3ab9b5d13d7174b69c18667d79a2ac6f

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
11. Oktober 2010, 20:02 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
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Beitrag Proteste in Kolumbien weiten sich aus Antworten mit Zitat
Troops patrol Colombian capital after rioting: http://www.theguardian.com/world/2013/aug/31/colombia-troops-patrol-streets-bogota

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
01. September 2013, 20:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Wütende Bauern nehmen Soldaten als Geiseln Antworten mit Zitat
Southwest Colombia farmers ‘holding soldiers hostage’: http://colombiareports.co/southwest-colombia-farmers-holding-soldiers-hostage/

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03. September 2013, 00:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Landesweit Streiks in Kolumbien Antworten mit Zitat
Colombia Nationwide Strike Against ‘Free Trade,’ Privatization, Poverty: http://news.infoshop.org/article.php?story=20130905070824408

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05. September 2013, 22:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Kurzer Bericht zu Protesten in Kolumbien Antworten mit Zitat
Colombia´s Agrarian National Strike Enters its Fourth Week: https://nacla.org/blog/2013/9/11/colombia%C2%B4s-agrarian-national-strike-enters-its-fourth-week

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16. September 2013, 23:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Im Trainingscamp der FARC Antworten mit Zitat
Sozialismus im kolumbianischen Dschungel:

Zitat:
The rebel camp is a Communist time capsule. An old guerrilla fighter sings songs about Che Guevara on his guitar as a crowd leans in to listen, armed with rifles and grenades.

Salaries do not exist here, or even marriage. The fighters believe in free love, saying they are wed only to the revolution. They say life is still possible with Karl Marx in one hand and a Kalashnikov in the other.

“We have prepared for peace, but we are also ready for war,” said Samuel, a 31-year-old fighter who, like many of the rebels, has never set foot in any of Colombia’s cities.

I was invited by the Revolutionary Armed Forces of Colombia, known as the FARC, to witness this sprawling jungle hide-out for about 150 fighters during what were supposed to be its last days.

http://www.nytimes.com/2016/03/19/world/americas/colombia-farc-rebels.html?hp&action=click&pgtype=Homepage&clickSource=story-heading&module=second-column-region&region=top-news&WT.nav=top-news&_r=0


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19. März 2016, 20:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Paramilitär Antworten mit Zitat
Einige interessante Einblicke in die mafiöse Funktionsweise der Paramilitärs:

Zitat:
Skinny but imposing with aviator glasses, a bushy mustache and a toothy smile, Julio Henríquez Santamaría was leading a community meeting in this sylvan hamlet when he was abducted by paramilitary thugs, thrown into the back of a Toyota pickup and disappeared forever on Feb. 4, 2001.

Ahead of his time, Mr. Henríquez had been organizing farmers to substitute legal crops like cacao for coca, which the current Colombian government, on the verge of ending a civil war fueled by the narcotics trade, is promoting as an antidrug strategy.

But Hernán Giraldo Serna, or his men, didn’t like it, or him.

From his early days as a small-time marijuana farmer, Mr. Giraldo had grown into El Patrón, a narcotics kingpin and paramilitary commander whose anti-insurgent mission had devolved into a murderous criminal enterprise controlling much of Colombia’s mountain-draped northern coast.

http://www.nytimes.com/2016/09/11/world/americas/colombia-cocaine-human-rights.html?smprod=nytcore-iphone&smid=nytcore-iphone-share&_r=0


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
11. September 2016, 19:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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