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Libyen
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Libyen
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rude e
Mad Dog


Anmeldedatum: 23.01.2006
Beiträge: 251

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Zitat:
Wäre in solchen Lynchmordszenen wie mit Gaddafi stattdessen Demokratenabfall wie Sarrazin, Westerwelle etc. zu sehen gewesen, hätte ich vermutlich mein Hintergrundbild ausgetauscht...


Du bist ja irgendwie schon ziemlich ein Arschloch.

_________________
Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison. In diesem Jahr hat es mir einer verboten. Aber ich lasse mir nichts verbieten. Ich werde tanzen, und zwar mit einer wundervollen Partnerin.

Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet Ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann.
02. Januar 2012, 23:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



Anmeldedatum: 23.05.2011
Beiträge: 480

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Zitat:
Du bist ja irgendwie schon ziemlich ein Arschloch.


Das musst grade du sagen, Chuck Norris.

_________________
A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
03. Januar 2012, 00:20 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



Anmeldedatum: 26.12.2008
Beiträge: 650

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Streik im Seehafen von Tripolis. Die ArbeiterInnen
streiken gegen die Arbeitsbedindungen und korrupte Gaddafi-Anhänger in der Leitung.

_________________
Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
03. Januar 2012, 14:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Ergänzt:
Hallo far, das war eine Antwort von Hama (der leider wie du vielleicht weisst verstorben ist). Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns.


Vor einer Weile während des Auftstands hat sich ein Genosse in drei E-Mails mit Libyen beschäftigt die ich hier ins Forum gestellt habe. Durch diese E-Mails ist dann eine Diskussion entbrannt die ich nun nachträglich auch zur Vervollständigung noch wiedergeben möchte. Ich denke die Zeit ist reif sich nun anzusehen, was davon übrig geblieben ist. Zuerst die Kritik der IKS.

Die vergangenen E-Mails:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41347#41347
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41349#41349
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41350#41350

«Die Diskussionsveranstaltung im Volkshaus ist offenbar nicht ganz so
verlaufen, wie die veranstaltenden Organisationen sich das gewünscht hätten.
Nun ergibt sich eine neue Chance zu einer interessanten Debatte. Ein Genosse
der IKS hat auf meine Kritik geantwortet und verschiedene Fragen
aufgeworfen, auf die ich mit meiner Stellungnahme dazu eingehen möchte.
Anbei sende ich euch die beiden Texte, die ich soweit anonymisiert habe,
dass sie ohne Bedenken auch weiterverwendet werden können, so wie es ein
anderer Genosse - nach Rücksprache mit mir - mit meinen drei längeren
E-Mails gemacht und sie auf www.undergrounddogs.net veröffentlicht hat.»


Zum Diskussionsbeitrag von R. betreffs Veranstaltung zu den Bewegungen in Nordafrika...

Die Begeisterung,mit der R. in seinem Beitrag versucht,die Aufstandsbewegung in Libyen uns näher zu
bringen hat mich nicht angesteckt. So sehr ich seine Wortmeldung (und seine Übersetzungsarbeit)
begrüsse -so sehr muss ich doch die Methode kritisieren,mit der er die Bewegung in Libyen begrifflich zu
fassen versucht.

R. stellt seinen Beitrag auch gegen eine "eurozentristische Sicht" (so ein Einwand eines deutschen
Genossen gegenüber der Position der IKS) bzw. einer schematischen Sichtweise,die die Stärke einer
Arbeiterbewegung misst an dem Grad der Industriealisierung und entsprechend meint,die Bewegung in
Nordafrika müsse von der in den Metropolen lernen....R. meint:umgekehrt.Und er sieht gerade in der
libyschen Rebellenbewegung etwas,das weit über die Prozesse in den übrigen Ländern hinausgehtnämlich
nichts weniger als eine soziale Revolution.

Mir geht es nicht darum,anhand von Kriterien wie Stärke der Klassenbewegung ,proletarische
Forderungen etc. eine Einteilung in Revolten 1. und Revolten 2. Klasse vorzunehmen.Die
Voraussetzungen,die Motive,die Zusammensetzung,..das ist in jedem Land verschieden und die
Menschen können sich nicht aussuchen,unter welchen Verhältnisse sie den Kampf aufnehmen.

Aber das enthebt uns natürlich nicht,eine möglichst realistische Einschätzung der Kräfte und ihrer
Möglichkeiten vorzunehmen.Unsere Einschätzungen und entsprechende
Stellungnahmen/Solidaritätsbekundungen sind angesichts unserer Schwäche von geringer praktischer
Bedeutung---sie sind aber von enormer Bedeutung für all die Menschen,die an der Selbstverständigung
arbeiten über die Frage einer möglichen "Aktualität des Kommunismus".

Nicht zufällig sind hinsichtlich der Bewegungen in Nordafrika gerade die Fragen strittig,die auch
hinsichtlich der Kämpfe und einer Diskussion über Möglichkeiten eines Bruchs in den Metropolen
umstritten sind.

Es sind dies insbesondere die Frage nach der Bewusstheit (Klassenbewusstsein deckt das nicht mehr
ab),wie solche Bewusstheit entstehen kann,welche Rolle Organisationen hierbei als auch hinsichtlich des
Bruchs spielen können.

Nachdem Marx in der Stunde des verzweifelten Kampfes der Pariser Commune diese vorbehaltslos
begrüsste,setzte er sich hin und versuchte,die Ereignisse auf den Begriff zu bringen.Und das beinhaltet
immer auch eine harte Kritik.

Man mag also die Rebellion in (Ost)-Libyen als Kommune von Bengazi/Misrata begrüssen..sollte sich
dann aber unverzüglich an die Abeit des auf den Begriff-Bringens machen.

R.s Beitrag unternimmt aber garnicht den Versuch---sondern bleibt in einer Art "Vom kommenden
Aufstand"Revolutionsprosa befangen.Die Quelle,auf die er seine Position stützt ist die wohl einzig
"authentische" Quelle (was verwunderlich ist im Zeitalter von Internet und Handykamera,aber es ist
so).Möglicherweise ein/ein paar Fellow-Travellers in Nordafrika auf den Spuren der Revolte.Unterstellen
wir einfach mal es sei so(einen link zur anarchistischen Jura Federation kann allerdings jeder setzen)
Dann dürfen wir diese Reisebeschreibungen nur nehmen als Momentaufnahmen von Menschen mit
grossen Sympathien für die Rebellen.Also quasi wie ein Ethnologe,der einfach erstmal ins Diktiergerät
spricht.

Wir finden eine Beschreibung der chaotischen Zustände,der Belagerung,Ansätzen von
Selbstorganisation,zaghafter Aufbau einer regulären Armee etc.

Daraus ergibt sich mir vorläufig ungefähr folgendes Bild:im Zuge der Aufstände in Tunesien,Ägypten und
der Unruhen in einer Reihe anderer umliegender Staaten griff der Geist der Revolte auch auf Libyen über
und auch hier insbesondere auf die Jugendlichen.Dazu kommen in Libyen Stammesstrukturen und
entsprechend ein Gefälle zwischen Ost und dem Rest,eine Frage von Machtverteilung und insbesondere
der Verfügung über die Ölrenten,die für Libyen die absolute Dominante darstellt.Vermutlich gibts auch
ein Armutsproblem( in ländlichen Gegenden)aber verglichen mit den anderen von Revolten betroffenen
Staaten vernachlässigenswert.Und sicher gibt es Schichten denen die Öffnung und Modernisierung des
Landes nicht weit genug geht,die ihre Möglichkeiten verbaut sehen.

Es gab also in den Städten die Grossdemonstrationen mit der Forderung" Weg mit dem Despoten",es
gab erste Überläufer aus dem Gaddafilager.Inwieweit von "Gadaffis Schergen" die Demonstrationen
gezielt beschossen wurden und ein Massaker angerichtet oder beabsichtigt war,weiss ich nicht und es
gibt auch hierfür keine unabhängigen Quellen.Das ist erstaunlich,weil man davon ausgehen kann das die
Medien hier auch nur den kleinsten Beweis gross rausbringen würden.Unterstellen wir,die
Demontrationen seien friedlich gewesen und man habe auf sie geschossen und erst dann haben die
Rebellen die Kaserne,Volksbüros,Waffenlager angegriffen .Dann bleibt doch die merkliche Differenz
zwischen den ersten Tagen und dem Auftauchen der provisorischen Regierung,deren Vorsitzender ein
Gaddafi-Überläufer ist.Wenn dich einer massakrieren will,ist nicht die Stunde,um sich seine Verbündeten
auszusuchen.Soweit so gut.Es kann ja sein,die authentischen Kräfte der ersten Tage haben sich damit
abgefunden,dass die erwartete Dynamik nicht eingetreten ist und machen sich jetzt so gut es geht
nützlich .Einen Machtfaktor stellen sie offensichtlich längst nicht mehr dar (und man hat den
_Eindruck,sie sind halt enthusiastisch und naiv in einen Aufstand reingegangen.Das gilt aber sicher nicht
für die Kräfte,die jetzt in den politischen Übergangsstrukturen und in den militärischen Strukturen
drinnsitzen.Wir haben seit vielen Wochen Leute vor Ort und in Gesprächen mit den Rebellen,sagen die
Regierungen von Grossbritannien,Frankreich und USA.Sollte es je so etwas wie die Kommune von
Misrata oder Bengazi gegeben haben---gegenwärtig dominieren Kräfte,die wie beim Versandhaus ein
paar Bombenabwürfe auf Wunschziele bei der Nato bestellen und sauer sind,dass die nicht genug tut.

Und hier ist der Punkt zu sagen:auch mit viel Wohlwollen können wir hier nichts Unterstützenswertes
mehr erkennen.

R. bringt es fertig,die Rebellen (unter denen er nicht differenziert,so wie er auch die sehr verschiedenen
Phasen der Bewegung nicht unterscheidet) und die Natokräfte als zwei völlig verschiedene Kräfte
abzuhandeln,ja er versucht gar die Rebellen als tendenziell gegen die Nato gerichtete darzustellen.Nur so
kann er den Spagat "Mit den Rebellen" und "Gegen die Nato" hinbekommen.Derart kommt man aber
nicht zu einer Stellungnahme,die klar gegen militärische Intervention sich richtet sondern die
Hilfestellung aus der Luft kraft Bombereinsätze wird stillschweigend akzepiert (weil nur so die Rebellen
nicht massakriert würden) und erst Natobodentruppen wären verwerflich.Einflussnahme der Nato/der
Imperialisten ist aber wohl nicht eine Frage des Nähe (Luft oder den Stiefel vor der Ölquelle)-

Nun aber abschliessend zu der von mir kritisierten Methode von R..Ich zitiere aus seinem Beitrag:

"In der belagerten Stadt Misrata gibt es weder Lohnarbeit noch Staat.Die Menschen organisieren ihr
Leben selber.Ähnliche Berichte hat es auch aus Bengazi gegeben.Das ist eine Art
"Kriegskommunismus",aber ein ganz urwüchsiger,spontaner.............................."Das scheint mir bei
Anarchosyndikalisten,Libertären und auch Rätekommunisten immer zentral:spontan muss es sein und
wenn es eine Niederlage ist,Hauptsache selbstorganisiert.

Etwas weiter vorn schreibt R. dann schon weniger enthusiastisch:

"Es ist..die äussere Bedrohung,welche die Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen
vorübergehend zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweisst hat........."Hier wäre der Ort,die
Kräfteverhältnisse so gut es geht konkret zu untersuchen und ensprechend die mögliche weitere
Entwicklung der Rebellenbewegung .

R. tritt aber die Flucht nach vorn an:

"Wenn die staatliche Ordnung zusammenbricht und das gesellschaftlich Leben von Grund auf neu
organisiert werden muss,halte ich es für angebracht,von einer sozialen Revolution zu sprechen."

Wo wird denn in Libyen das gesellschaftliche Leben von Grund auf neu (!) organisiert oder wo gab es
auch nur die Absicht dazu?

Ist Alltagsorganisation aus der Not heraus schon deshalb eine Art Rätestruktur,weil sie von den Bürgern
selbst geleistet wird?

Was heisst der Staat ist zusammengebrochen...welche Art Staat gab es denn überhaupt und was davon
kam an im Osten oder in den ländlichen Gegenden?

Wie passt "Bürgerkrieg" dazu,dass Libyen dargestellt wird als eine Rebellen/Aufstandsbewegung gegen
den Gaddafi-clan und seine "Söldner"?

Warum nennt R. nicht die Imperialistensoldaten Söldner der Rebellen,die werden ja nicht zum Nulltarif
da arbeiten sondern aus der Ölrente honoriert werden,von Zugriffrechten etc.ganz zu schweigen.

"Im Gegensatz zu den anderen Ländern,wo die Aufstände ins Stocken geraten sind,ist offenbar in Libyen
gleich auf Anhieb die herrschende Ordnung völlig zusammengebrochen"-schreibt R..........weshalb wir
jetzt auch Bürgerkrieg dort haben und die Rebellen ohne Natoengagement von der
zusammengebrochenen herrschenden Ordnung aufs Dach bekämen.

"Auf welcher Grundlage werden die LibyerInnen ihr Leben nach dem Ende des Bürgerkrieges
organisieren" fragt R..Das frage ich mich auch.Ich nehme mal an sie werden die 200 000
Migarantenarbeiter wieder ins Land holen,sie werden mit Europa eine Milliardenschweres Geschäft
abschliessen zur Sicherung der Grenzen , die Ölrenten werden gleichmässiger auf die Machtclans verteilt
werden.....das Leben wird trotz alldem freier,vielseitiger ,-und somit wachsen möglicherweise auch die
Voraussetzungen ,um für einen wirklichen Bruch,für wirkliche Selbsttätigkeit zu kämpfen.

Was bislang sich dort ereignet hat ist weder eine soziale Revolution noch zielte es darauf.
Aktualität des KommunismusRevolutionsprosa befangen.Die Quelle,auf die er seine Position stützt ist die wohl einzig

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.

Zuletzt bearbeitet von far am 16. Januar 2012, 16:28, insgesamt 2-mal bearbeitet
16. Januar 2012, 12:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Hier nun noch zuletzt die Antwort von Genosse R. auf die Kritik der IKS vom 19. April 2011.

Die ersten E-Mails von Genosse R.:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41347#41347
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41349#41349
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=41350#41350
Die Antwort der IKS:
http://www.undergrounddogs.net/phpbb/viewtopic.php?p=45648#45648

«Die Diskussionsveranstaltung im Volkshaus ist offenbar nicht ganz so
verlaufen, wie die veranstaltenden Organisationen sich das gewünscht hätten.
Nun ergibt sich eine neue Chance zu einer interessanten Debatte. Ein Genosse
der IKS hat auf meine Kritik geantwortet und verschiedene Fragen
aufgeworfen, auf die ich mit meiner Stellungnahme dazu eingehen möchte.
Anbei sende ich euch die beiden Texte, die ich soweit anonymisiert habe,
dass sie ohne Bedenken auch weiterverwendet werden können, so wie es ein
anderer Genosse - nach Rücksprache mit mir - mit meinen drei längeren
E-Mails gemacht und sie auf www.undergrounddogs.net veröffentlicht hat.»


Stellungnahme zur Antwort eines Genossen der IKS

Ein Genosse der IKS hat auf meine Kritik an ihrer Haltung zu Libyen, die ich in drei längeren E-Mail-
Briefen geäussert habe, geantwortet. Er findet, unsere Stellungnahmen seien zwar „angesichts unserer
Schwäche von geringer praktischer Bedeutung“
, aber dennoch wichtig für alle jene, die sich „über
die Frage einer möglichen ‚Aktualität des Kommunismus’“
verständigen wollen. Immerhin, das ist nicht
wenig angesichts einer öffentlichen Meinung in Europa, die einzig um die Fragen kreist, wieviele
Flüchtlinge aus Nordafrika zu uns kommen könnten und um wieviel der Ölpreis wegen der Unruhen
steigen könnte, während die westlichen Staaten wegen genau dieser Fragen einen Krieg begonnen
haben, den sie heuchlerisch unter der Fahne der „Humanität“ und unter dem Vorwand des „Schutzes
der Zivilbevölkerung“ führen.

Nachfolgend möchte ich auf die Fragen eingehen, die der Genosse in seiner Antwort aufgeworfen hat.
Dabei möchte ich klarstellen, dass weder meine drei erwähnten E-Mail-Briefe, noch die folgenden
Ausführungen einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Für ein umfassendes Bild der Ereignisse
in Nordafrika sind die Informationen, die uns heute vorliegen, viel zu bruchstückhaft, so dass es vielmehr
darum gehen muss, aus all den widersprüchlichen Meldungen jene zu erkennen, die genau diese
„Aktualität des Kommunismus“ unter Beweis stellen.

Der Genosse ist anscheinend kein Freund spontaner Revolten, wenn er schreibt: „Das scheint mir bei
Anarchosyndikalisten, Libertären und auch Rätekommunisten immer zentral: spontan muss es sein
und wenn es eine Niederlage ist, Hauptsache selbstorganisiert.“
Nun, ich könnte ja ebenso polemisch
zurückfragen, was denn das Gegenteil einer spontanen, selbstorganisierten Revolution sei. Ein von
einer Parteizentrale befohlener Aufstand? Hauptsache, es ist ein Sieg, auch wenn er nur darin besteht,
dass eine neue staatliche Ordnung errichtet wird...

Am 15. Februar 2011, also zufällig genau an dem Tag, als in verschiedenen Städten Libyens die
Massendemonstrationen begannen, hat Alain Badiou in der Zeitung „Le Monde“ über die Aufstände in
Tunesien und Ägypten u.a. geschrieben:


"Der Volksaufstand, von dem wir reden ist offensichtlich ohne Partei, ohne hegemoniale Organisation,
ohne anerkannten Führer. Mit der Zeit werden wir prüfen können, ob dies eine Stärke oder eine Schwäche
ist. Auf jeden Fall ist es diese Tatsache, welche alle Eigenschaften eines „Kommunismus der Bewegung"
– in einer außerordentlich reinen Form, ohne Zweifel die reinste nach der Pariser Kommune –
hervorbringt. (...) Seit zwei Jahrhunderten gibt es ein einziges Problem: Wie können wir die Erfindungen
des Kommunismus der Bewegungen dauerhaft etablieren? Und eine einzige reaktionäre Antwort:
„Das ist unmöglich, ja schädlich. Vertrauen wir uns dem Staat an". Ehre für die Völker Tunesiens und
Ägypten, die uns an die wahre und einzige politische Aufgabe erinnern: im Angesicht des Staates, dem
Kommunismus der Bewegung die Treue zu halten." 1


Der grossartige Text mit dem Titel „Tunesien, Ägypten: Wenn der Ostwind die Arroganz des Westens
hinwegfegt"
ist in deutscher Übersetzung in der Zeitschrift „Grundrisse“ abgedruckt worden.2 Er wirkt
für meinen Geschmack erfreulich erfrischend im Vergleich zu den dürren Analysen und Kommentaren
einer erstarrten Linken, deren ganzes Sinnen und Trachten seit über 100 Jahren darauf gerichtet ist,
den Staat zu erobern und zu verwalten statt ihn aufzuheben.

Der Genosse zweifelt daran, ob Ghadhafis Schergen auf Demonstranten geschossen haben und verlangt
nach „unabhängigen Quellen“ („Inwieweit von ’Ghadaffis Schergen’ die Demonstrationen gezielt
beschossen wurden und ein Massaker angerichtet oder beabsichtigt war, weiss ich nicht, und es gibt
auch hierfür keine unabhängigen Quellen.“
). Was sind für ihn „unabhängige Quellen“? Und von wem
unabhängig? Es gibt auf youtube zahlreiche verwackelte Videos, die solche Szenen zeigen:


Ob sie ihm Beweis genug und unabhängig genug sind, weiss ich nicht. Abgesehen davon, nicht nur in
Libyen haben die „Ordnungshüter“ auf friedliche Demonstrationen geschossen, auch in allen andern
arabischen Ländern. Und selbst in unseren „demokratischen Staaten“ ist es noch nicht allzu lange her,
dass Polizei und Armee Manifestanten massakriert haben. Als Beispiel sei an den 4. Juli 1960 in Reggio
Emilia erinnert.

Der Genosse wundert sich, dass im Zeitalter von Internet und Handykamera die Berichte der ‚rebellischen’
Franzosen die einzige authentische Quelle sind. Bestimmt gibt es noch weitere Blogger, auch
wenn sie nicht ohne weiteres aufzufinden sind. Beispielsweise der Blog des italienischen Aktivisten
Gabriele Del Grande.3 Ein Interview mit ihm gibt es auf Deutsch übersetzt auf Indymedia. 4Es liegt auf
der Hand, dass die offiziellen Medien ein Bild vermitteln, das den jeweilgen Bedürfnissen der
Herrschenden entspricht. So konnte man beispielsweise mit Verwunderung beobachten, wie aus den
gleichen „Präsidenten“, denen die westlichen Staatschefs erst kürzlich noch auf die Schulter geklopft
oder die Hand geküsst hatten, auf einmal „Despoten“ wurden – allerdings erst als die Überzeugung
herangereift war, dass sie nicht mehr zu halten waren. Umgekehrt ist es nur eine Frage der Zeit, bis in
den westlichen Medien aus den Demonstranten in Kairo und Tunis wieder „gewaltbereite Chaoten“
(wie in Griechenland oder bei uns) werden und aus den libyschen Rebellen „Terroristen“...

Die offiziellen Medien hüten sich davor, uns mit Informationen zu versorgen, die zeigen, dass die Menschen
ihr Leben ohne Lohnarbeit und Staat organisieren können. Und falls doch einmal etwas durchsickert,
dann wird ein solcher Bericht rasch wieder entfernt, wie der Korrespondentenbericht aus einer
libyschen Stadt (den Namen habe ich vergessen, aber es war weder Benghasi noch Misrata) mit dem
Titel „Wie sich die Revolution von unten organisiert“.5 Wer heute dem Link folgt, findet eine leere
Seite! Das sagt doch einiges darüber aus, welches Bild von Libyen uns vermittelt werden soll und
welches nicht. Angesichts dieser Informationslage wäre es weiser, die gesammelten Mosaiksteinchen
vorerst sorgsam aufzubewahren und zu erklären: „Wir wissen, dass wir nichts wissen“, statt sie
sogleich zu einem verzerrten Bild zusammenzufügen und zu einem vorschnellen Urteil zu gelangen,
dass nur die eigenen Vorurteile zementiert.

Natürlich können wir nicht länger nur schweigend zusehen, nachdem die eigenen Bourgeoisien in den
libyschen Bürgerkrieg eingegriffen haben. So unklar die Lage in Libyen selbst ist, so klar muss für uns
die Haltung zu diesem „humanitären Krieg“ sein: NATO, Hände weg von Libyen! Keine Solidarität mit
der eigenen Bourgeoisie! Es ist durchaus kein Spagat, wie der Genosse findet, gleichzeitig für die Rebellen
in Libyen und gegen die NATO-Intervention zu sein. Dies erst recht, weil offenbar auch unter
den Aufständischen die Meinungen zu dieser fremden Hilfe auseinandergehen. Es gibt ein Bild, das
ein Gebäude mit der Rebellenflagge und einem Spruchband zeigt, auf dem steht: „NO FOREIGN
INTERVENTION – Libyan people can manage it ALONE“
. Auf einer italienischen Internetseite heisst
es dazu:


„Secondo alcune fonti tedesche questo striscione è stato rimosso. La fonte, pur non provandolo, sostiene
che la rimozione è avvenuta dopo un aspro scontro in seno alla direzione degli insorti.”

(Nach einigen deutschen Quellen wurde dieses Spruchband entfernt. Die Quelle behauptet, ohne den
Beweis dafür zu liefern, dass die Entfernung nach einer heftigen Auseinandersetzung innerhalb der
Führung der Aufständischen erfolgt sei.) 6


Auch wenn wir so gut wie nichts wissen über die verschiedenen politischen Kräfte innerhalb der Aufständischen,
so liegt es doch auf der Hand, dass sie unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen
entsprechen. Auch im italienischen CLN (Comitato di Liberazione Nazionale) waren während des Partisanenkrieges
von 1943-45 ganz verschiedene Parteien vertreten, die unterschiedliche Interessen
verfolgten. Einig hingegen waren sich damals alle politischen Parteien, dass die auf der Ausbeutung
der Lohnarbeit aufgebaute Ordnung nicht angetastet werden dürfe – während gleichzeitig die Arbeiter
mit der Waffe in der Hand vergeblich darauf warteten, dass die Partei, der sie vertrauten, dazu aufrufen
würde, in Italien die proletarische Revolution durchzuführen. In Libyen gibt es angeblich kaum politische
Parteien und Gewerkschaften. Das lässt die Hoffnung aufkommen, dass die „Shebab“ nicht so
leicht dazu zu bringen sein werden, ihre Waffen abzuliefern und sich einer neuen Ordnung unter Führung
der benghasischen Bourgeoisie und der westlichen Staaten zu unterwerfen...

Der Genosse kritisiert ferner, dass ich weder unter den Rebellen differenziere, noch „die sehr verschiedenen
Phasen der Bewegung“ unterscheide. Solange keine entsprechenden Informationen vorhanden
sind, wären Differenzierungen unter den Rebellen, die über die vorher gemachten Ausführungen
hinausgehen, reine Mutmassungen. Welche „sehr verschiedenen Phasen der Bewegung“ lassen
sich unterscheiden? Wenn man will, kann man drei Phasen unterscheiden: Eine erste, nur wenige
Tage dauernde Phase der landesweiten Massendemonstrationen, die das Regime blutig niederzuschlagen
versuchte. Eine zweite Phase der Aufstände, die in zahlreichen Städten zum Sturz des
Regimes und zum Beginn des Bürgerkrieges führten. Wenn man den Medienberichten glauben will,
kontrollierte die Regierung Ende Februar nur noch die Hauptstadt Tripolis, die Küstenstadt Sirte sowie
zwei weitere Städte im Landesinnern. Alle andern Städte, namentlich Benghasi im Osten und Misrata
im Westen, waren vorübergehend in der Hand der Aufständischen. Anfangs März begann die Gegenoffensive
der Regierung, die sich hauptsächlich auf die Luftwaffe stützte. Als Beginn einer dritten Phase
kann man die Intervention der imperialistischen Länder am 18. März 2011 definieren. Zu einem
Zeitpunkt, als die Truppen Ghadhafis vor den Toren Benghasis standen und das Schicksal der Rebellen
besiegelt schien. Daraus abzuleiten, die europäischen Staaten würden die Aufstände in den libyschen
Städten unterstützen oder das Ganze sei gar ein Komplott westlicher Geheimdienste, wäre allerdings
verfehlt. Die imperialistischen Regierungen unterstützen keine Rebellion, sondern verfolgen
ihre eigenen Interessen. Als 1917 die deutsche Regierung die Durchreise Lenins im plombierten Eisenbahnwagen
erlaubte, tat sie dies aus eigenem Kalkül. Es käme niemandem in den Sinn, deswegen
die russische Revolution darauf zu reduzieren.

Was die „militärische Hilfe aus der Luft“ seitens der NATO-Staaten betrifft, so hat offenbar die
anfängliche Dankbarkeit („Thank you NATO“) nach wenigen Wochen einer bitteren Ernüchterung
Platz gemacht, spätestens nachdem die NATO in der gleichen Wochen zweimal „versehentlich“
Stellungen der Rebellen bombardiert hatte.7 Auch darf bezweifelt werden, ob wirklich nur dank der
Bombenabwürfe die Eroberung Benghasis durch die Ghadhafi-Truppen verhindert wurde. Die ‚rebellischen’
Franzosen jedenfalls behaupteten am 20.03.11, nachdem der Angriff auf Benghasi abgewehrt
worden war:


»Les frappes de la France et des USA ont sûrement évité une guerre civile plus longue et meurtrière,
mais la victoire appartient totalement aux gens des quartiers qui, avec des moyens dérisoires ont capturé
hier des engins blindés de dernière génération et en nombre. »

(Die Schläge Frankreichs und der USA haben sicher einen längeren und mörderischen Bürgerkrieg
verhindert, aber der Sieg gehört vollständig den Leuten in den Wohnvierteln, die gestern mit
lächerlichen Mitteln zahlreiche Panzer der neuesten Generation gekapert haben.) 8


Misrata, das weit westlich der Frontlinie liegt, hat mehr als sechs Wochen lang ohne NATO-Unterstützung
der Belagerung getrotzt. Auch von hier gibt es eindrückliche Schilderungen, wie die „Shebab“ mit
einfachsten Mitteln die Panzer aufhalten:


»Quand un tank s’approche pour percer la barricade, des draps et des couvertures, répandues au sol et
imbibés d’essence, s’emmêlent dans ses chenilles. Les cocktails molotov suffisent alors pour enflammer
l’engin. Les premiers tirs de RPG sont concentrés sur les axes des chenilles de façon a l’immobiliser. »

(Wenn sich ein Tank nähert, um die Barrikade zu durchbrechen, verhängen sich benzingetränkte Tücher
und Decken in den Ketten. Die Molotowcoktails genügen dann, um die Maschine in Flammen zu setzen.
Die ersten Schüsse der RPGs zielen auf die Kettenachsen und machen sie fahruntüchtig.) 9


Es lohnt sich, den ganzen Bericht aufmerksam zu lesen, um sich ein anschauliches Bild zu machen,
wie eine aufständische Bevölkerung einem scheinbar militärisch überlegenen Gegner die Stirn bietet.

Es ist ausserdem keine neue Erkenntnis, dass waffentechnische Überlegenheit vor allem in einer
offenen Feldschlacht zur Geltung kommt, während in den Städten der Mut und die Entschlossenheit
jener, die dort aufgewachsen sind und jeden Winkel kennen, wichtiger sind als alles andere. Es liegt
deshalb auf der Hand, dass der libysche Bürgerkrieg in den Städten, wo die überwiegende Mehrzahl
der Menschen lebt, entschieden wird und nicht irgendwo in der Wüste.

Anzumerken ist noch, dass die westlichen Staaten sich anscheinend alles andere als einig sind in
Bezug auf das Vorgehen in Libyen. So beklagt ein Kommentar in der NZZ vom 16.04.11, der an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, die mangelnde Einigkeit der NATO und schreibt:


„Was damit vertuscht wird, sind die jahrelange Vernachlässigung der militärischen Handlungsfähigkeit
und die Weigerung, Krieg als letztes Mittel der Politik zu akzeptieren. Selbst wenn man eingreifen
möchte, kann man dies heute kaum mehr.“ 10

Man könnte angesichts dieser Uneinigkeit auch den Vergleich mit der Räuberbande anstellen, die sich
über das Vorgehen streitet, noch bevor der Überfall erfolgreich zu Ende geführt ist, aus der Befürchtung
heraus, jemand könnte einen grösseren Teil der Beute für sich ergattern...

Zur Zeit (19.04.11) sieht es allerdings danach aus, als würde die Weltöffentlichkeit propagandistisch
auf den Einsatz von NATO-Bodentruppen vorbereitet. Seit mehr als sechs Wochen wird Misrata von
den Ghadhafi-Truppen belagert, ohne dass die Medien gross darüber berichtet hätten. Auf einmal
entdeckt die Weltöffentlichkeit eine „menschliche Tragödie“, die allein durch Luftangriffe nicht mehr
verhindert werden könne... Interessant sind in diesem Zusammenhang einmal mehr die Überlegungen
der NZZ unter dem Titel „Libyen-Operation tritt in kritische Phase“. Zuerst wird ausführlich begründet,
weshalb der Einsatz der Luftstreitkräfte „an seine Grenzen gelangt“ sei und weshalb eine Bewaffnung
der Aufständischen nicht möglich sei, um dann zur Schlussfolgerung zu gelangen:


„Man darf dabei aber nicht übersehen, dass die Allianz mit dem Ziel, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren,
einen solchen Einsatz [von Landstreitkräften] ins Auge fassen könnte, wie dies ja auch 1999 im Krieg
gegen Serbien der Fall gewesen ist. Das würde allerdings bedeuten, dass dann auch weitere Konsequenzen
zu ziehen wären, das heisst: ein kostspieliges und personalintensives Engagement zur Stabilisierung und
Wiederaufbauhilfe nach Mustern, die auf dem Balkan und in Afghanistan in die Tat umgesetzt
wurden bzw. werden.“ 11


Nebenbei bemerkt, frage ich mich, ob es wirklich nur die ziemlich fadenscheinigen „völkerrechtlichen“
und technokratischen Gründe sind, welche die NATO daran hindern, die Aufständischen mit Waffen
zu versorgen. Oder sind sich die westlichen Geheimdienste deren sozialrevolutionären Potentials
durchaus bewusst, hüten sich aber wohlweislich, auch nur ein Wort darüber zu verlieren und reden
lieber – wie Ghadhafi – von Al Kaida? Ein Gespenst geht um in Nordafrika... Ebenso unklar ist mir die
Bedeutung der Rolle, welche die Nationale Übergangsregierung spielt. In den westlichen Medien wird
sie natürlich gross herausgestrichen und aus naheliegenden Gründen als einzig legitime Vertretung
des befreiten Libyens hingestellt. Die ‚rebellischen’ Franzosen sehen das etwas anders, wenn sie unter
dem wenig schmeichelhaften Titel „Dans le cul la balayette“ (Die Klobürste im Arsch) über die Versuche
der neuen „Regierung“ in Benghasi spotten, eine reguläre Armee auf die Beine zu stellen:


„Abdul Fatar Younis est depuis peu un homme occupé. Ancien ministre de la justice de Kadhafi, chef
des forces spéciales, il est le plus visible des prétendus chefs de la prétendue armée de la révolution.
Cela fait une semaine et demi que les gros katiouchas BM-21 avaient déserté le front, … Dans le même
temps, étaient appelés aux casernes des dizaines de volontaires qui s’étaient fait enregistrer comme
pouvant donner un coup de main. (…) La rétention des katiouchas lourds et leur utilisation autour du 9
avril ont inauguré la naissance de cette nouvelle armée.

(Abdul Fatar Younis ist seit kurzem ein beschäftigter Mann. Ehemaliger Justizminister von Ghadhafi,
Chef der Spezialeinheiten, ist er der sichtbarste der angeblichen Chefs der angeblichen Revolutionsarmee.
Seit anderthalb Wochen haben die grossen BM-21 Katjuschas die Front verlassen, ... Zur gleichen
Zeit wurden Dutzende von Freiwilligen in die Kasernen einberufen, die sich als Helfer eingeschrieben
hatten. (…) Die Aufbewahrung der schweren Katjuschas und ihr Gebrauch um den 9. April herum haben
die Geburt dieser neuen Armee eingeleitet.)


Die Militärs, die Fatar Younis gehorchen, fährt der Bericht fort, würden die BM-21, die entscheidend
für das Gelingen von Angriffen seien, zu ihrer Verteidigung gegen die neue, sehr agressive Taktik der
Ghadhafi-Streitkräfte einsetzen. Falls diese Taktik der defensiven Verwendung der Katjuschas andauere,
dann sei dies ein freier Wille, das Projekt Ghadhafis zur Teilung Libyens zu unterstützen.


„Ce projet, soutenu par la Turquie d’abord, l’union africaine ensuite, consiste à laisser à la Cyrénaïque
son indépendance et l’argent du pétrole de Tobrouk, ce qui n’est pas rien, et de laisser à Kadhafi
son autorité sur le reste du pays, ainsi que le contrôle du pétrole de Brega, Ras lanuf, et Tripoli. Les
conséquences d’un tel accord serait le massacre de la population de Misrata, des purges importantes à
Tripoli et dans tout le Djebel Mafoussa, incluant Ziltan. Le comité ne peut pas accepter un tel accord
sans se faire étriper par la population de Benghazi, mais son langage a déjà changé. »

(Dieses Projekt, das zuerst von der Türkei, dann von der Afrikanischen Union unterstützt worden ist,
besteht darin, der Cyrenaika ihre Unabhängigkeit und das Geld des Erdöls von Tobruk zu lassen, was
nicht wenig ist, und Ghadhafi die Herrschaft über den Rest des Landes zu lassen, ebenso die Kontrolle
des Erdöls von Brega, Ras lanuf und Tripolis. Die Folgen eines solchen Abkommens wären das Massaker
an der Bevölkerung von Misrata, grosse Säuberungen in Tripolis und im ganzen Gjebel Mafoussa,
einschliesslich Ziltan. Das Komitee kann ein solches Abkommen nicht annehmen, ohne sich von der Bevölkerung
von Benghasi in Stücke reissen zu lassen, aber seine Sprache hat bereits geändert.)12


Zurück zur Kritik des Genossen an meinen Überlegungen. Er fragt u.a.: „Was heisst, der Staat ist
zusammengebrochen?“
Wenn die BewohnerInnen eines Staates dessen Gesetze nicht mehr
beachten und diese auch mit allen Gewaltmitteln (Armee, Polizei, Justiz, Gefängnisse) nicht mehr
durchgesetzt werden können, dann hat dieser Staat faktisch aufgehört zu existieren. Und das ist in
Libyen und vorübergehend auch in Tunesien und Ägypten geschehen. Auf dem Tahir-Platz in Kairo
war eine Gegenmacht der Bevölkerung entstanden, und die Regierung musste wochenlang ohnmächtig
zusehen, weil sie vor dem Allerletzten zurückschreckte: dem Befehl an die Armee, das Feuer auf
die Menschenmassen zu eröffnen. Dies vermutlich vor allem wegen der Angst, Teile der Streitkräfte
könnten auf die Seite der Aufständischen wechseln. Eine nicht unbegründete Angst, ist doch in Libyen
genau dieser Fall eingetreten, was auch erklärt, weshalb die „Shebab“ ziemlich schnell über Waffen
verfügten.

Weiter stellt er die Frage: „Ist Alltagsorganisation aus der Not heraus schon deshalb eine Art Rätestruktur,
weil sie von den Bürgern selbst geleistet wird?“
Was sonst soll eine Aufstandsbewegung
noch leisten, nachdem sie die alte Ordnung gestürzt hat? Eine gute „Alltagsorganisation aus der Not
heraus“ ist bereits sehr viel unter den chaotischen Umständen einer Revolution. Das war auch in der
jungen Sowjetunion und in den kurzlebigen Räterepubliken jener Jahre kaum anders. Wichtig wäre
hingegen zu wissen, welche genauen Umstände jeweils dazu geführt haben, dass diese Selbstorganisation
allmählich wieder entmachtet wurde – wenn sie nicht ohnehin von der Gegenrevolution im Blut
ertränkt wurde. Oder wie es Alain Badiou formuliert hat: „Wie können wir die Erfindungen des Kommunismus
der Bewegungen dauerhaft etablieren?“


Im Gegensatz zum Genossen der IKS glaube ich nicht zu wisssen oder – wie er geschreiben hat –
„nehme mal an“, wie die LibyerInnen ihr gesellschaftliches Leben nach dem Ende des Bürgerkrieges
organisieren werden. Gewiss, die Chancen, dass der „Kommunismus der Bewegungen“, wie er sich in
verschiedenen Städten Libyens manifestiert hat, überlebensfähig sein wird, sind eher gering. Bis dahin
allerdings halte ich es wie Marx mit der Pariser Kommune und begrüsse vorbehaltslos den verzweifelten
Kampf der Aufständischen in Libyen. - rth


1 www.lemonde.fr/idees/article/2011/02/18/tunisie-egypte-quand-un-vent-d-est-balaie-l-arrogance-de-loccident_1481712_3232.html
2 www.grundrisse.net/grundrisse37/alain_badiou__tunesien.htm
3 http://fortresseurope.blogspot.com/
4 http://de.indymedia.org/2011/03/303445.shtml
5 http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Wie-sich-die-Revolution-von-unten-organisiert/story/14477518
6 www.campoantimperialista.it/index.php?option=com_content&view=article&id=1437:che-succede-a-bengasi&catid=66:libiacat&Itemid=78
7 www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/libysche_rebellen_immer_unzufriedener_mit_nato-einsatz_1.10169761.html
8 https://setrouver.wordpress.com/2011/03/20/lattaque-de-benghazi-suite/
9 http://setrouver.wordpress.com/2011/04/13/la-tenue-des-combats-le-long-de-tripoli-street/.
10 http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/anatomie_einer_alibiuebung_1.10273217.html
11 www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/libyen_lezzi_1.10230860.html
12 https://setrouver.wordpress.com/2011/04/14/cest-liquide-et-cest-noir/

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
16. Januar 2012, 12:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Wirken die II



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Beitrag @far Antworten mit Zitat
Hallo far, das war eine Antwort von Hama (der leider wie du vielleicht weisst verstorben ist). Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns. Jemand von uns hat daraufhin auch eine Antwort geschrieben, die ich im Moment aber nicht zur Hand habe. Ich glaube auch, dass es ein bisschen schwierig ist, alle Facetten zu verstehen. Wichtig bei einer Wiederaufnahme der Diskussion wäre herauszufinden, wo die damaligen unabhängigen Aufständischen, die es sicherlich gab, gelandet sind. Das Problem war ja dann schon nach kurzer Zeit, dass die imperialistischen Westmächte das Zepter übernommen haben, und somit die unabhängigen oder klassenautonomen Kräfte praktisch in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht sind oder einer der bürgerlichen Fraktionen angeschlossen haben. Auf jeden Fall schliesse ich das aufgrund meiner bisherigen Informationen.
Hier noch der letzte Artikel der die IKS dazu geschrieben hatte:
http://en.internationalism.org/wr/345/libyahell
16. Januar 2012, 15:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Hier ein weiteres E-Mail zur aktuellen Situation in Libyen vom Genossen R. der uns mahnt vorsichtig mit den Informationen umzugehen, die uns gegeben sind. Dem ging folgendes Voraus:

Hallo Zusammen

Ich glaube auch in dieser Liste, wurde schon danach gefragt, was denn mit dem Aufständischen Teil der Anti-Gadaffi-Kämpfer geworden ist, nachdem von ihnen in Folge des Eingriffs der NATO nichts mehr zu hören war. Auf Indymedia ist nun ein Bericht erschienen, der dazu spannendes zu melden hat:

http://ch.indymedia.org/de/2012/01/85089.shtml

Grüsse


Hoi

Vielen Dank für diesen Link! Inzwischen sind die "Ausschreitungen" in Bengasi auch in den offiziellen Medien angekommen:

- www.zeit.de/politik/ausland/2012-01/libyen-demonstration-amtssitz
- www.focus.de/politik/ausland/nahost/uebergangsrat-in-libyen-bei-ruecktritt-des-gremiums-droht-buergerkrieg_aid_705613.html
- www.aargauerzeitung.ch/international/demonstranten-stuermen-sitz-des-libyschen-uebergangsrates-in-bengasi-119400639

Dem Informationsgehalt und der Stossrichtung entsprechen die einzelnen Leserkommentare: Während in deutschen Medien noch immer Gaddafi-Nostalgiker ("...sein Land auf wirtschaftlicher als auch auf sozialer Ebene an die Spitze aller afrikanischer Länder geführt hat") auftreten, hat Herr Schweizer bereits vorsorglich Angst vor "Scharia-Asylanten"...

Kurzum, es ist höchste Zeit, sich wieder etwas näher mit Libyen zu befassen! Dabei sind die verfügbaren Information wohlgemerkt höchstens eine Art "Spitze des Eisberges" - wobei mir der Vergleich mit den Puzzlesteinen, die stets neu zusammengefügt werden müssen, weil sich, sobald es mehr davon hat, das Bild des Mosaiks immer wieder ändert, weit besser gefällt. Es liegt wahrscheinlich in der Beschaffenheit unseres Gehirns, dass wir dazu neigen, die Puzzlesteine sogleich in ein bereits vorhandenes Bild in unserem Kopf einzuordnen statt sie zuerst einmal von allen Seiten genau zu betrachten. Täten wir dies, müsste uns auffallen, dass die eher spärlichen 'Puzzlesteine' über die Revolution in Libyen, die uns dank Internet in den Schoss fallen, überhaupt nicht in die gängigen Denkschablonen passen.

Für offene und heimliche Gaddafi-Verehrer und andere Nostalgiker, die im Blockdenken des Kalten Krieges gefangen sind, ist der Nationale Übergangsrat in Bengasi einfach eine Art Marionettenregierung der NATO-Staaten. So als könnte man allein mit Bombenabwürfen ein Land erobern und beherrschen. In Wirklichkeit sind die Verhältnisse einiges komplizierter, und vor allem liegen sie ganz anders als beispielsweise 1945, als die Siegermächte die Welt kurzerhand unter sich aufteilen konnten (Churchills berühmter Fresszettel!), weil in den vom Faschismus befreiten Ländern sich die Befreier sehr schnell als Besatzungsmächte entpuppten. Einzig in Jugoslawien befreiten die PartisanInnen das Land soweit aus eigener Kraft, dass sich anschliessend keine fremden Truppen (mehr) im Land befanden. Entsprechend selbstbewusst konnten dann dort die neuen lokalen Machthaber ihren eigenen, "blockfreien" Weg gehen. Die Geschichte wiederholt sich zwar nie vollständig, aber es lohnt sich, gewisse Parallelen zwischen dem heutigen Libyen und den europäischen Ländern nach dem Zusammenbruch des Faschismus zu ziehen.

Das beginnt bei scheinbar nebensächlichen, jedoch ganz augenfälligen Dingen wie beispielsweise der Art, wie die gestürzten Tyrannen und ihre Schergen behandelt werden. In den Fällen, wo eine staatliche Macht mehr oder weniger nahtlos in eine andere überging, wurden Einzelne von ihnen - wie in Deutschland nach 1945 - von den neuen (fremden) Machthabern eingesperrt und in langwierigen Prozessen vor irgendeinem regulären Gericht abgeurteilt. Mit dem Resultat, dass nach 60 Jahren noch darüber gestritten wurde, ob die Kriegsverbrecher und Völkermörder - die alle auf Befehl gehandelt und somit nur ihre Pflicht getan und deshalb auch nie etwas bereut hatten! - aus "humanitären Gründen" freigelassen werden sollten. In den anderen, selteneren Fällen, wo nach dem Sturz eines brutalen Gewaltregimes die Macht buchstäblich auf der Strasse liegt, vergeudet das Volk die Zeit nicht mit solchen Dingen, sondern folgt seinem instinktiven Gerechtigkeitssinn, indem es mit den Tyrannen, die ihm in die Hände fallen, kurzen Prozess macht. Dabei muss man den libyschen Rebellen zugute halten, dass sie mit Gadaffi vergleichsweise "zivilisiert" umgesprungen sind, indem sie ihn nur ohrfeigten und verprügelten, bevor oder nachdem sie ihn erschossen (hatten), und ihn nachher abtransportieren liessen ( https://setrouver.wordpress.com/2011/11/08/nous-avons-tue-kadhafi ). Die italienischen PartisanInnen hängten den toten Mussolini und seine Geliebte an den Füssen auf der Piazza Loreto in Mailand auf, damit sie noch tagelang von allen bespuckt werden konnten.

Gewiss sind Rachegelüste und -gefühle an und für sich eine schlechte Sache, weil Hass bekanntlich blind macht. Dennoch sollte man auch die Gefühle der Menschen respektieren, die jahrzehntelang drangsaliert, unterdrückt und gedemütigt wurden. Vor allem wenn sie dann ohnmächtig mitansehen mussten, wie die ehemaligen faschistischen Schergen nach wenigen Jahren unter einem christlichen Mäntelchen (CDU/CSU in Deutschland, bzw. Democrazia Christiana in Italien) wieder in Amt und Würden waren. Es ist darum kein Zufall und sehr bezeichnend, dass ein alter italienischer Partisanenführer mit weissen Haaren, der als gehorsamer Parteisoldat alle Winkelzüge Togliattis (und dessen Nachfolger) mitgemacht hatte, im Oktober 2010 einer deutschen Reisegruppe (der auch ich angehörte) erzählte, dass er Togliatti einzig diesen Vorwurf mache: Er hätte ihnen mehr Zeit geben sollen, damit sie selber mit den Faschisten hätten abrechnen können... So wie ich die aktuellen Berichte aus Libyen verstehe, geht es heute wieder um die gleichen Fragen: ob Leute, die jahrzehntelang Gaddafi gedient und dann bei Beginn des Aufstandes - die einen früher, die andern etwas später - die Seite gewechselt hatten, Teil einer neuen Regierung sein dürfen. Dies nachdem im Falle des angeblichen "Rebellengenerals" (!) und ehemaligen Innenministers von Gaddafi, Abdul Fattah Yunis, bereits im August 2011 auf eine sehr schnelle und effiziente Art eine Antwort gefunden worden war... Näheres dazu: www.guardian.co.uk/world/2011/jul/31/abdel-fatah-younis-obituary . So kritisch und zurückhaltend man mit den einzelnen, teils widersprüchlichen Informationen auch umgehen sollte, so lassen sich jeweils doch gewisse Rückschlüsse ziehen. Das gilt auch für den "Menschrechtsanwalt" Abdel Hafiz Ghoga, der am vergangen Donnerstag von Studenten verprügelt wurde und anschliessend als Vizepräsident des Nationalen Übergangsrates zurückgetreten ist. Die Bezeichnung "Opportunist" scheint jedenfalls ziemlich zutreffend, wenn man das folgende Interview mit ihm vom April 2011 nochmals liest: http://www.taz.de/!69545/ .

Wie wir im letzten Oktober von einer zuverlässigen Quelle (Jano Charbel) gehört haben, gibt es im Osten des heutigen Libyens sehr unterschiedliche politische Strömungen: sowohl Leute, die "Danke, NATO!" an ihre Häuser schreiben, als auch fortschrittliche, emanzipatorische Kräfte. Wie sich die Dinge entwickeln werden, welche Kräfte sich durchsetzen oder mit andern Kompromisse schliessen werden, weiss niemand. Erst recht nicht, was die Hauptstadt Tripolis betrifft, wo die einzelnen Stadtteile vermutlich noch immer von rivalisierenden Truppen gehalten werden. Dennoch darf man als Tatsache festhalten, dass es in Libyen nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes bis heute keine Staatsmacht mit einer Regierung gibt, die ihre Dekrete "demokratisch" legitimieren und dann notfalls mit Waffengewalt durchsetzen könnte. Und zwar, ohne dass das Land deswegen von "Warlords" und ähnlichen korrupten, mafiösen Strukturen beherrscht würde. (Jedenfalls sind mir keine diesbegzüglichen Meldungen bekannt.) Der Grund dafür dürfte vor allem darin liegen, dass Libyen (bisher) nicht von Invasionstruppen heimgesucht worden ist wie beispielsweise Somalia oder Afghanistan, wo nach dem Rückzug der fremden "Schutztruppen", "Friedenstruppen", "UNO-Missionen" oder wie auch immer die militärische Besatzungsmacht genannt wird, das Land im Chaos versinkt, weil die zurückgelassenen einheimischen Marionettenregierungen über keinerlei Legitimität beim Volk verfügen. So gleicht die Warnung des Nationalen Übergangsrates („Wir treten nicht zurück, weil dies zu einem Bürgerkrieg führen würde“) verblüffend der Stellungnahme des ägyptischen Militärrates nach dem Sturz Mubaraks, als er sich als einzigen Garanten von Stabilität und Ordnung anpries. Allerdings mit einem ganz entscheidenden Unterschied: Der Militärrat in Kairo kann seine Befehle nach wie vor mit brutaler Gewalt durchsetzen, während es in Libyen zur Zeit keine vergleichbare Macht gibt.

Wie stark der Nationale Übergangsrat in Bengasi tatsächlich ist, zeigt sich in den aktuellen und vor allem künftigen Auseinandersetzungen. Die Bestrebungen zum Wiederaufbau einer staatlichen Macht scheinen bisher nicht über Vorhaben und erste Versuche hinausgekommen zu sein. Bezeichnend dafür ist das Programm zur Eingliederung ehemaliger Rebellen in die neuen Sicherheitskräfte. So ist geplant, dass rund zehntausend der früheren Kämpfer gegen das Regime von Gaddafi im Laufe des Jahres in Jordanien als Polizisten ausgebildet werden. Die ersten 1500 sollen ihre Ausbildung am 1. März beginnen, in den darauffolgenden Durchgängen würde ihre Zahl auf jeweils 2000 erhöht werden ( http://derstandard.at/1326503239294/Libyen-Tausende-Ex-Rebellen-zur-Ausbildung-in-Jordanien ). Mit andern Worten wird es noch einige Zeit dauern, bis die zu Bullen herangezüchteten Rebellen der Bevölkerung gegenübertreten und als Robocobs verkleidet die Bewegungsfreiheit der Menschen einschränken können, wie man das beispielsweise am letzten Samstag wieder in Bern beobachten konnte... Bis es soweit ist, müssen die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte ihre Konflikte wohl oder übel auf andere Weise austragen. Darüber, wie das geschieht, wissen wir leider sehr wenig. Es sind nur ganz vereinzelte Meldungen - wie jene über den kürzlichen Streik in Libyens grösstem Hafen ( http://german.ruvr.ru/2012/01/02/63297604.html , http://english.ahram.org.eg/NewsContent/3/12/24573/Business/Economy/Libyas-Waha-Oil-workers-protest-for-a-seventh-week.aspx ), die darauf hindeuten, dass die Macht "von unten" vermutlich noch immer sehr stark ist und dass die Menschen es sich wahrscheinlich zweimal überlegen werden, ob sie ihre Waffen (die Schusswaffen ebenso wie jene der kollektiven Aktion mit Streiks, Demos und Besetzungen) vertrauensvoll in die Hände einer neuen Regierung legen wollen, wenn sie demnächst bei allfälligen Wahlen ihre Stimme abgeben und nachher genauso stimm- und machtlos wären, wie wir es in den sogenannten "westlichen Demokratien" sind.

Wichtige Hintergrundinfos, die zum Verständnis der libyschen Gesellschaft beitragen und mithelfen, dass wir die Puzzlesteine nicht versehentlich zu einem auf Vorurteilen beruhenden Bild zusammenfügen, findet man übrigens im Buch "Libyen - Hintergründe, Analysen, Berichte", das vor ein paar Monaten im Promedia-Verlag erschienen ist: www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/edlinger-fritz-40hg41-libyen . Es hat darin einige Beiträge, die zum Fundiertesten gehören, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe. Der Text "Demographie und Arbeitsmarkt im Rentier-Staat" liefert interessante Zahlen und Fakten. Besonders bemerkenswert finde ich den Beitrag "Politische Kultur und die Revolution in der Kyrenaika", aus dem der folgende Auszug stammt:


"Die Entdeckung von Öl im Jahre 1959 hat zu tief greifenden Veränderungen der traditionellen pastoralen Lebens- und Wirtschaftsweise geführt. Die Sesshaftwerdung der Nomaden, eine rasante Urbanisierung und der durch die Ölrente begründete Verteilungsstaat haben grundlegende gesellschaftliche Transformationen verursacht. (...)

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Stämme [in Nordafrika und dem Mittleren Osten] in die neu formierten Staaten integriert. Dies war jedoch nicht gleichbedeutend mit ihrem Verschwinden oder ihrem Niedergang. Im Gegenteil spielten Stämme eine aktive und prägende Rolle in den verschiedenen Staatsbildungsprozessen der Region. (...) Für ein genaueres Verständnis dieser Prozesse müssen wir uns von bestimmten orientalistischen Vorstellungen freimachen, die mit dem Begriff Stamm eine antimoderne, traditionalistische Form der gesellschaftlichen Organisation verbinden. In Libyen gehören auch Innovationskraft und politische Kreativität zu den Grundlagen der Kontinuität und Persistenz tribaler Organisation. (...)

Rund 50 Prozent der Bevölkerung in der Kyrenaika sind zwischen 16 und 35 Jahre alt. Ihre sozialen, politischen und ökonomischen Teilhabemöglichkeiten waren und sind, ähnlich wie in Tunesien und Ägypten, radikal begrenzt. Dies gilt für das Regime Gaddafis, aber auch für seine Alternative, die tribale Gesellschaft. In der Vergangenheit bot der libysche Staat der jungen Generation wenig mehr als eine mässige bis schlechte Ausbildung, die deutlich unter den internationalen Standards und Anforderungen lag. Das Bild von der gut ausgebildeten arabischen Jugend gilt nicht für Libyen. (...) Eine tiefe Desillusionierung und die fast totale Entfremdung vom Regime Gaddafis, sowie wachsende Frustration und Ärger waren die Folge.
(...)
Beeindruckend sind der Erfindungsreichtum und die Kreativität, mit der die Jugend Libyens gegenwärtig versucht, Politik zu gestalten und in den öffentlichen Raum zu wirken. Die Jugendlichen sind Teil eines politischen Laboratoriums, einer Art Räterepublik aus Komitees, Gruppen und Initiativen, in denen globale Modelle und normative Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten offen und ohne Vorbehalte diskutiert werden. (...) Die verschiedenen Gruppen sind dezentral organisiert, arbeiten projektorientiert und mit einer klaren Haltung gegen das Establishment, die sich sowohl gegen Gaddafi aber auch gegen die als konservativ empfundene tribale Elite richtet. (...)

Eine der Hauptdomänen der Jugend (besonders auch der jugendlichen Unterschichten) ist der bewaffnete Kampf. (...) Die jungen Kämpfer erleben zum ersten Mal im Leben so etwas wie Handlungsmacht und die Hingabe an ein gemeinsames Ziel. Das gesteigerte Selbstbewusstsein der Kämpfer berührt auch hier die Generationenverhältnisse, viele der jungen Kämpfer folgen nur widerwillig den Befehlen der älteren Militärs. Sie sehen sich als eigenständige militärische aber auch gesellschaftliche Kraft. (...)

(...) Die städtische Zivilgesellschaft war wie kaum eine andere Gruppe dem Misstrauen und der Verfolgungssucht Gaddafis ausgesetzt. Die städtische Lebensweise, Bildung und Weltanschauung hat sie darüber hinaus kulturell von den tribal geprägten Teilen der Bevölkerung entfernt. Die urbanen Schichten waren auch deshalb nicht anschlussfähig an die Renaissance tribaler Politik der letzten 20 Jahre. Vor diesem Hintergrund überrascht die politische Kreativität, der Sinn für Selbsthilfe und Selbstorganisation, die sich in den letzten Monaten der Rebellion entwickelt haben." (a.a.O., S. 48 ff.)


Und, so könnte man anfügen, vor diesem Hintergrund sind Meldungen wie jene über die Demo für die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, besser verständlich ( www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/demonstration_fuer_scharia_in_libyscher_stadt_benghasi_1.14443402.html ). Es wäre jedenfalls erstaunlich, wenn solche Bestrebungen problemlos die Zustimmung einer Mehrheit der Bevölkerung fänden. Genauso wie jene zur Einführung eines Rechtssystems und einer staatlichen Struktur nach westlichem Vorbild. Wer weiss, vielleicht erleben wir - je nach Verlauf der globalen Krise - in den künftigen Auseinandersetzungen Libyens um die verschiedenen sozialen Interessen, wie sich allmählich eine neue Gesellschaftsordnung herausbildet, die in keine gängigen Schablonen passt. Zumindest sollten wir dafür offen sein.

Herzlich

R.


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24. Januar 2012, 02:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
fräulein else



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hallo far, warum schreibst du denn im moment alles so gross?

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24. Januar 2012, 02:16 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beitrag Antworten mit Zitat
Ich habe beschlossen längere Texte der Lesbarkeit halber mit der Grösse 15 zu posten. Wirkt dass bei dir störend? Oder voll easy?

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25. Januar 2012, 19:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
rulfo



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Beitrag Falls es noch interessiert ... Antworten mit Zitat
Zur Diskussion im Frühjahr 2011 um die "Aufständischen" in Libyen, die far am 16. Januar gepostet hat:
Wirken die II hat zurecht festgestellt, dass rth auf Hama antwortete, und nicht auf die IKS.
Zitat:
Diese Stellungnahme deckt sich nicht mit den Auffassungen der IKS, auch wenn der Genosse einige richtige Kritiken an den Auffassungen von rth gemacht hat. rth meinte fälschlicherweise, diese Antwort, die er von auf einem anderen Forum bekommen hatte, sei von uns. Jemand von uns hat daraufhin auch eine Antwort geschrieben, die ich im Moment aber nicht zur Hand habe.

Hier ist sie - die Antwort der IKS auf rth und Hama (vom 22. April 2011, also vor dem Sturz des Ghaddafi-Regimes - und auch noch vor Beginn der Bewegung der Indignados):

"Antwort auf die Beiträge von H und rth zu den Bewegungen in Nordafrika

Die Meinungsunterschiede drehen sich anscheinend vor allem um die Einschätzung zu Libyen. Dort hat ja die Diskussion angefangen, nämlich als rth am 26. März schrieb: „Mit dem Text http://de.internationalism.org/IKSonline2011_wasistlosnordafrika0311 gehe ich weitgehend einig. Problematisch finde ich die Ausführungen zu Libyen.“ Der Genosse hat seine Position zu Libyen in drei E-Mail-Briefen dargelegt. Darauf gab es die Diskussions-Veranstaltung von Eiszeit und der IKS in Zürich, dann den schriftlichen Beitrag von H (den rth irrtümlicherweise für einen „Genossen der IKS“ hielt) und eine Replik von rth. Dort fahre ich weiter.

Was sind die Ziele der Diskussion?
H formuliert den Anspruch, „eine möglichst realistische Einschätzung der Kräfte und ihrer Möglichkeiten vorzunehmen“, und zwar deshalb, weil solche Einschätzungen und entsprechende Stellungnahmen von „enormer Bedeutung für all die Menschen (sind), die an der Selbstverständigung arbeiten über die Frage einer möglichen „Aktualität des Kommunismus““. Wenn ich rth richtig verstanden habe, ist er mit diesem Ziel der Diskussion einverstanden. Ich bin es auch.
Meines Erachtens geht es in der gegenwärtigen Phase insbesondere darum, dass diejenigen, die den Kommunismus (eine klassenlose, herrschaftsfreie Gesellschaft) für ein uneingelöstes Versprechen und anstrebenswertes Ziel halten, zusammen zu bringen, damit sie sich über dieses Ziel und die Mittel und Wege dahin verständigen und so ihren Beitrag dazu leisten, dass sich die verschiedenen Kämpfe des Proletariats weltweit aufeinander beziehen und in die gleiche Richtung bewegen.
Gleichzeitig machen wir uns keine Illusionen über die gegenwärtige „praktische Bedeutung“ unserer Stellungnahmen. Wir wissen, dass wir erst wenige sind. Aber eine Stärkung der heute oft verzettelten Kräfte wird wohl eine Verständigung über das Ziel und die Wege voraussetzen.

Haben wir eine gemeinsame Grundlage? Sprechen wir die gleiche Sprache?
Eine Diskussion über die Einschätzung eines Kampfes oder einer bestimmten politischen Konstellation ist wesentlich einfacher, wenn man die gleichen Grundlagen hat oder wenn man mindestens weiss, bis zu welchem Punkt man sich in grundsätzlichen Fragen einig ist. Ich habe mich deshalb gefragt, wie weit H, rth und ich die gleiche Sprache sprechen.
Mir scheint, dass wir uns bei einigen wichtigen Prinzipien einig sind:

1. rth grenzt sich ab von „einer erstarrten Linken, deren ganzes Sinnen und Trachten seit über 100 Jahren darauf gerichtet ist, den Staat zu erobern und zu verwalten statt ihn aufzuheben“. Genau! Eine Revolution in unserem Sinne zielt nicht auf die Eroberung der Macht in einem der bestehenden Staaten ab, sondern auf deren Zerschlagung. Der Staat und seine Organe (parlamentarische Parteien usw.) können keine Mittel der Befreiung sein. Und eine klassenlose Gesellschaft braucht gar keinen Staat. – Aus dem, was H in seinem Beitrag zur Rolle des Staates oder zu dessen (Nicht-)Verschwinden sagt, schliesse ich auf eine Einigkeit darüber auch bei ihm.

2. Die zentrale Rolle der Arbeiterklasse für eine wirklich revolutionäre Veränderung und die Abschaffung der Lohnarbeit in einer von Unterdrückung befreiten Gesellschaft.
In allen Beiträgen von rth und H ist immer wieder von der Arbeiterklasse und ihrer Rolle die Rede. Gefallen hat mir insbesondere die Stelle, wo rth sich vom antifaschistischen Comitato di Liberazione Nazionale abgrenzt, weil sich alle darin versammelten „politischen Parteien darüber einig waren, dass die auf der Ausbeutung der Lohnarbeit aufgebaute Ordnung nicht angetastet werden dürfe“.

3. Sind wir uns auch einig über die Notwendigkeit des Internationalismus? Über die Ablehnung sowohl der Nato-Intervention wie auch des Ghaddafi-Regimes wie überhaupt jeder bürgerlichen Regierung?
H kritisiert zwar an den ersten Beiträgen von rth, dass sie sich zu wenig klar und explizit von der Nato-Intervention aus der Luft distanzierten. Ich nehme aber mal an, dass rth beide Seiten gleichermassen verurteilt, wenn er von der „Intervention der imperialistischen Länder am 18. März 2011“ spricht – auch wenn für mich jeder libysche Staat, ob von Ghaddafi oder einer oppositionellen Übergangsregierung angeführt, der nationalstaatlichen Logik gehorcht und somit zwangsläufig ebenfalls imperialistisch ist (auch ein kleiner Räuber ist ein Räuber).

Die Kriterien für eine Einschätzung
Auf diesen Grundlagen können wir auch die Kriterien für eine Einschätzung klarer benennen. Was die Faktenlage betrifft, habe ich keine besseren Infos als H und rth. Ich bin mit rth einverstanden, wenn er sagt: „Angesichts dieser Informationslage wäre es weiser, die gesammelten Mosaiksteinchen vorerst sorgsam aufzubewahren und zu erklären: „Wir wissen, dass wir nichts wissen“, statt sie sogleich zu einem verzerrten Bild zusammenzufügen und zu einem vorschnellen Urteil zu gelangen, das nur die eigenen Vorurteile zementiert.“ – Vorsicht ist sicher die richtige Haltung.
Und mittlerweile hat sich die Geschichte auch schon wieder weiter entwickelt. Offenbar zugunsten von Ghaddafis Seite.

Die zentrale Meinungsverschiedenheit betrifft die Einschätzung, die wir von den Kräften haben, die rth ohne Anführungszeichen die „Rebellen“ oder die „Aufständischen“ nennt. Selbst angenommen, der Staat habe in den von den „Aufständischen“ kontrollierten Gebieten aufgehört zu existieren, fragt sich doch, welche Rolle das Proletariat bei der Kontrolle über diese Gebiete hat. Wenn es räteähnliche Strukturen gäbe: Welche Rolle spielten dabei die proletarischen Kräfte? – Kann sich die Arbeiterklasse als solche artikulieren? Kann sie als autonome Kraft mindestens ihre Interessen zum Ausdruck bringen?

Ich muss gestehen, dass Alain Badiou für mich keine Gewährsperson für diese Klassenautonomie ist. Er ist ein vom französischen Staat bezahlter Philosoph, Professor und Direktor des Institutes für Philosophie an der École normale supérieure in Paris (vgl. Wikipedia), lange bekannt als Maoist (also einer jener Linken, die rth zurecht wegen ihrer Identifikation mit der Staatsidee an den Pranger stellt) – und mir ist nicht bekannt, dass er sich je davon distanziert hätte.
Dass ihn Le Monde in seinen Spalten schreiben lässt, passt zu meinem Vorurteil: Die französische Bourgeoisie von links bis rechts wittert in Libyen Morgenluft für ihre imperialistischen Interessen gegenüber den USA (die da wegen früherer Bombardierungen von Tripolis und Bengasi und … etwas bescheidener auftreten müssen), egal ob die militärische Intervention des französischen Staats als humanitäre Pflicht verkauft oder sogar in die Tradition der Pariser Kommune gestellt wird.

Gerade bei der Klassenautonomie des Proletariats gibt es meines Erachtens die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen arabischen Ländern im Auge zu behalten. Auch in Ägypten und Tunesien ist es der Arbeiterklasse nicht gelungen, sich als eigenständige Kraft zu organisieren und ihre eigenen Interessen zu artikulieren. In Libyen hat es aber allem Anschein nach die Bourgeoisie in den „befreiten Gebieten“ geschafft, alle vereint gegen Ghaddafi zu mobilisieren und somit die proletarischen Kräfte in die Logik der Bürgerkriegs (eine bürgerliche Herrschaft gegen eine andere bürgerliche Herrschaft) zu zwängen, während der Arbeiterklasse in Tunesien und Ägypten dieses Schicksal bis jetzt erspart geblieben ist – und nicht zufälligerweise rumort es in diesen beiden Ländern weiter: Wesentliche proletarische Forderungen (so diffus sie gestellt worden sind) sind nicht erfüllt; die Arbeiterklasse ist zwar noch nicht als eigenständige Kraft aufgetreten, aber auch nicht unterworfen worden – es gärt weiter mit der Möglichkeit, die Kämpfe neu aufzunehmen und auszuweiten. Nur von dieser Seite, der proletarischen, könnte der Aufstand in Libyen die nötige Unterstützung erhalten.

Was heisst Klassenautonomie? Bin ich denn ein Autonomer? - In einem gewissen Sinne ja - ich kenne kein Beispiel aus der Geschichte der letzten 163 Jahre, die die Lehre von Marx aus der 1848er Revolution widerlegen würde, dass das Proletariat sich auf keinen Fall mit bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Kräften organisatorisch vereinigen darf (MEW Band 7 S. 248 f.). Es gibt aber genügend Beispiele dafür, dass die ArbeiterInnen (gelinde gesagt) über den Tisch gezogen werden, wenn sie ihre Selbständigkeit aufgeben (oder gar nicht erst erringen) und ein Bündnis mit anderen Klassen eingehen. Das von rth erwähnte Beispiel der italienischen Partisanen ist eines davon.

Aus meiner Sicht sind gegenwärtig für die Klasse auf beiden Seiten des Mittelmeeres (und natürlich darüber hinaus) die wichtigsten unmittelbaren Herausforderungen: Auftreten als selbständige proletarische Kraft und Vereinigung der Kämpfe über die Landesgrenzen hinaus."
25. Januar 2012, 22:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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http://www.heise.de/tp/​artikel/36/36299/1.html

Haben in Bani Walid wirklich Ghaddafietreue Truppen die Soldaten des Nationalen Übergangsrates verjagt, oder wurden diesselben von Milizen verjagt, die deren Übergriffe satt hatten und sich weigern die Waffen abzugeben und dabei so gar nicht Ghaddaffitreu sind?

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
31. Januar 2012, 12:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Raskolnikow



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A slave is one who waits for someone to come and free him. - Ezra Pound
17. April 2012, 16:12 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Melnitz



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Keine Ahnung, was die Hintergründe sind. Aber gut zu lesen:

Stützpunkte radikalislamischer Milizen gestürmt

Zitat:
Hunderte Demonstranten haben am Freitagabend in Bengasi den Stützpunkt einer radikalislamischen Miliz angegriffen. Diese gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung des US-Konsulats vor einer Woche.


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"We houden er niets van de prietpraat, die in de rest van Nederland gedaan wordt. We zijn er gewoon op de man, een woord is een woord, een hand een hand en een vuist is een vuist." (Hafenarbeiter aus Rotterdam)
22. September 2012, 07:58 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Hier zur Frage was läuft in Lybien...? noch ein übersetzter Artikel von Baboon, der glaube ich auch im libcom-Forum postet.

Die Diskussion um die Klassenautonomie ist mittlerweile in diesem Forum wieder eingeschlafen, sie stellt sich aber auch wieder in Syrien. Von daher scheint mir dieser Artikel nützlich zu sein, vor allem auch, weil man sich immer wieder die Frage stellen muss, was für allgemeine Lehren können wir aus all diesen Situationen und Kämpfen ziehen, um sie für das politische proletarische Milieu fruchtbar zu machen.

http://de.internationalism.org/IKSonline2012_Libyen1112
Zitat:
Magriaf war seit 1981 der Führer der Nationalen Front zur Befreiung (Rettung) Libyens. Er hat historische Verbindungen zum US-amerikanischen und britischen Establishment, und seine Gruppierung wurde Berichten zufolge vom CIA und von Saudi-Arabien finanziert. Sie hatte kaum Unterstützung in Libyen, und ausgerechnet dieser Profiteur der Befreiung und Freund der westlichen Koalition ist gegenwärtiger Präsident des Nationalen Übergangsrates – ein klares Anzeichen für das Ausmaß westlicher Einflüsterungen in diesem so genannten befreiten Land. Doch während Magriaf Maßnahmen gegen die Islamisten „in Betracht zog“, nahm die Bevölkerung am 22. September mit einem ganz außergewöhnlichen Aufstand die Dinge selbst in die Hand. Nach einer Demonstration von über 30.000 Menschen gegen die Milizen am Nachmittag gingen Hunderte von jungen, zumeist unbewaffneten Männern gegen die Miliz auf ihrem Gelände vor. Zwar ließen 20 von ihnen ihr Leben, doch wurden die verhassten Milizen vertrieben. Dabei wurde nicht nur die anti-amerikanische Ansar al-Sharia attackiert, sondern auch die regierungsfreundlichen, pro-amerikanischen islamistischen Milizionäre von Rafallah al-Sahiti, die eine Lizenz von der Regierung erhalten hatten und dem libyschen Verteidigungsministerium gegenüber verantwortlich sind. Seit dem Ende des Krieges gab es eine Reihe kleinerer Streiks und Demonstrationen im Land gegen die empörenden Zustände; besonders groß ist der Ärger über die islamistischen und anderen Milizen mit ihren Check-Points, Durchsuchungen, Entführungen, mit ihren prahlerischen Drohgebärden. Doch auch wenn es sicherlich einen Kern sozialer Unzufriedenheit gab, der dieser Massenbewegung zugrundelag, so ist sie bereits als „Unterstützung für die Armee und die Regierung“ vereinnahmt und im Westen als „pro-demokratische Bewegung“ (Channel 4-Nachrichten, 23.9.12) dargestellt worden. Auch im Osten Libyens, in Derna, sind dschihadistische Milizen von der lokalen Bevölkerung angegriffen und vertrieben worden. Derna war lange Zeit eine Brutstätte des islamischen Fundamentalismus gewesen, der vom Gaddafi-Regime toleriert, möglicherweise sogar ermutigt wurde, mit dem Hintergedanken, ein Problem zu kreieren, das man dann selbst „erledigt“, um sich bei den Amerikanern und Briten anzubiedern.

03. November 2012, 20:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Doc Sportello



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Beitrag Flüchtlingsboot beschossen Antworten mit Zitat
Als ob es nicht so schon kompliziert genug wäre, werden die Flüchtlinge jetzt auch noch von der libyschen Küstenwache beschossen. Bilanz: Boot gekentert, 200 Tote: http://ffm-online.org/2013/10/13/libysche-kuestenwache-schoss-auf-fluechtlingsschiff-dadurch-kenterte-es/

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
13. Oktober 2013, 15:09 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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