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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Bauernkriege.de Antworten mit Zitat
Zitat:
Nach den napoleonischen Kriegen und der Kleinstaaten-Verteilung Europas entsprechend der Verhandlungen des Wiener Kongresses war die Welt noch lange nicht in Ordnung gebracht. Die Aufhebung der Kontinentalsperre durch die Siegermächte ließ die gewerbliche Produktion auf dem Festland erst einmal zusammen brechen! Unter dem Druck billiger englischer Waren kam statt Fortschritt eine wuchtige Krise! Zudem waren die meisten Staaten "hoch verschuldet" - kein Historiker führt auf, wer hier wem was schuldete. Scheinbar lassen sich weder die Namen der Geldgeber noch die der Schuldner finden. Die Zahler bildeten in jedem Fall die unteren Bevölkerungsschichten der betroffenen Länder, die durch Gesetze stets zu Steuern und Abgaben verpflichtet wurden.

Ein noch nicht allzu häufig probiertes Mittel, den "Staats-Verschuldungen" beizukommen, waren damals Währungsreformen! Geldverschnitte und Münzabwertungen kannte man bereits. Papiergeld war noch nicht allzu weit verbreitet und in den deutschen Ländern nicht so gern gesehen. Aber gerade das bot neue Möglichkeiten!
In Österreich brachten Papiergeldreformen 1811 und 1816 eine Entwertung von 80% und von 60%.

(...)

Bei einer wirtschaftlichen Nachkriegserschöpfung ist es ein schwieriges aber nicht glückloses Unterfangen, neue Steuern einzuführen. Man muß nur einen richtigen Namen dafür finden: Reform! Reform für Freiheit! Und Freiheit wollten die Bauern, Freiheit von der feudalen Abhängigkeit! Die war möglich, das hatten ihnen die Franzosen zu erzählen gewußt!
Unter dem Druck der militärischen Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt entwarf ein Reichsfreiherr Stein das sogenannte "Oktoberedikt" von 1807, das den Bauern diese Freiheit versprach. Vier Jahre später realisierbar mit dem "Edikt, die Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse betreffend" v. 14.September 1811 (3), war die Freiheit bereits nicht mehr kostenlos!

(...)

Die Entwicklung ging so rasant, das knapp zwanzig Jahre später mindestens die Hälfte der alten Rittergüter von neuen "Rittern" besetzt war, die nicht selten schlimmer als die alten agierten. Leider muß man feststellen, das wir in der Geschichtsschreibung darüber so gut wie keine Untersuchungen finden können - weil ab diesem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit der Historiker der Industriebildung gewidmet wird und die massenhafte Umverteilung des Land-Besitzes so gut wie keine Rolle zu spielen scheint. Aber diese Neureichen waren die Gesetzemacher und Staatsministeriellen, die in den deutschen Kleinstaaten die Politik mitzubestimmen begannen! (5)
Und man muß die Logik nur weiter führen: das "Kapital" für die Industrialisierung haben nicht etwa mutige und risikofreudige Bankiers bereitgestellt, sondern es wurde per Gesetz den Bauern einfach gestohlen!

Die Historiker wechselten statt die massenhafte Umverteilung des Besitzes zu analysieren, lieber in die Wetterberichte, um die Ursachen der Hunger- und Teuerungsjahre nach 1815 zu finden. Es soll das schlechte Wetter gewesen sein, das die Preise für Lebensmittel 1816 ins Unerschwingliche für die Bevölkerung steigen ließ!(a)
In Deutschland wütete der Hunger besonders in der Eifel, in der Lausitz, in Baden, und im Erzgebirge 1816 und 1817. In Österreich dagegen gingen die Höfe der kleinen und der größeren Bauern massenhaft zugrunde - weil die Getreidepreise fielen! In Südwestdeutschland startete die erste Ausreisewelle der Kleinbauern nach Amerika!


http://www.bauernkriege.de/AneignungZWEI.html

Chronik:
http://www.bauernkriege.de/EuropaNEUZEIT.html

Russland:
http://www.bauernkriege.de/rusland1905.html

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Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
22. Mai 2011, 14:47 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Behemoth



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Beiträge: 167
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krassi site... älter als alts zeugs...

_________________
"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
25. Mai 2011, 01:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lazlo wanda



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Beiträge: 650

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Über die Bauernkriege des 16. Jahrhunderts in Europa gibt es einen sehr spannenden Roman mit dem Titel Q, der unter dem Sammel-Pseudonym Luther Blissett veröffentlicht wurde:

"Aus dem Italienischen von Ulrich Hartmann. Raffiniert umspannt dieser historische Thriller vierzig Jahre im 16. Jahrhundert - vierzig Jahre, die die Welt veränderten. Deutschland ist im Umbruch: Luther und die Wiedertäufer, päpstliche Spione und aufständische Bauern kämpfen um Macht und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund stehen sich zwei erbitterte Feinde gegenüber: Ein junger Theologiestudent, Anführer der Häretiker, und sein unsichtbarer Feind - Q, der Mann ohne Gesicht, der Statthalter des Papstes, der Verräter ohne Namen. Seine Mission: den Geist der Revolte auszulöschen. Doch die Rebellen kämpfen mit einer unschlagbaren Waffe: der Macht des Wortes."

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Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben. Kurt Tucholsky

Jaged mer doch all die Verbänd zum Tüüfel! Zorniger Tramfahrer zur Gewerkschaftspolitik an der "Streik-Versammlung"
29. Juni 2011, 10:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



Anmeldedatum: 07.08.2010
Beiträge: 167
Wohnort: egal

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lazlo wanda hat Folgendes geschrieben:
Über die Bauernkriege des 16. Jahrhunderts in Europa gibt es einen sehr spannenden Roman mit dem Titel Q, der unter dem Sammel-Pseudonym Luther Blissett veröffentlicht wurde:

"Aus dem Italienischen von Ulrich Hartmann. Raffiniert umspannt dieser historische Thriller vierzig Jahre im 16. Jahrhundert - vierzig Jahre, die die Welt veränderten. Deutschland ist im Umbruch: Luther und die Wiedertäufer, päpstliche Spione und aufständische Bauern kämpfen um Macht und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund stehen sich zwei erbitterte Feinde gegenüber: Ein junger Theologiestudent, Anführer der Häretiker, und sein unsichtbarer Feind - Q, der Mann ohne Gesicht, der Statthalter des Papstes, der Verräter ohne Namen. Seine Mission: den Geist der Revolte auszulöschen. Doch die Rebellen kämpfen mit einer unschlagbaren Waffe: der Macht des Wortes."

Ist wirklich gut, les es grad auch...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
26. Juli 2011, 01:42 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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