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Krise im Kanton Zug nichts Neues

 
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Krise im Kanton Zug nichts Neues
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far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Krise im Kanton Zug nichts Neues Antworten mit Zitat
1857 - 1936

http://www.undergrounddogs.net/explorer/Krise%20im%20Kanton%20Zug%20nichts%20Neues.pdf

Zitat:
Als Vorwort und Einleitung
Warum fanden sich acht junge Zuger zusammen, urn sich mit
Lokalgeschichte zu befassen? Uns scheint es wichtig, dass
endlich auch die Probleme und Note der unterprivilegierten
Zuger zu Worte kommen. Bisherige Zuger Geschichte
war namlich vorwiegend problemlos und idyllisch: Wappenmonographien,
beschonigende Firmengeschichten usw. Und
wenn Konflikte zur Sprache kamen (z.B. zwischen dem
"Schwarzen Schuhmacher" und Fidel Zurlauben Oder zwischen
Konservativen und Liberalen) wurden sie nicht als soziale,
sondern vor alllem als personlich-geistige Gegensatze
dargestellt.
Die Arbeitsgruppe Geschichte Zug (AGZ) hingegen sieht in
unserer Gesellschaft fundamentale Interessengegensatze
und versucht, diese auch im lokalen Rahmen zu erkennen
und darzustelleh. Die gegensatzlichen Interessen von Besitzehden
(Besitzer nicht von Eigeritumswohnungen, sondern
von Produktionsmitteln) und Lohnabhangigen zeigten sich
auch in Zug am scharfsten wahrend wirtschaftlicher Krisen:
dann wird es fiir Unternehmer namlich unmoglich, ihre
sonst so vielgeruhmte soziale Gesinnung Wahrheit werden
zu lasseh.
Lohnkurzungen, Entlassungen und Streiks, aber auch politische
Vorstosse waren die Mittel, mit denen die "Sozialpartner"
ihre Interessen durchsetzen wollten. Diese Vorgange
stellen wir in unserem Buch nicht neutral dar. Wir
stehen auf der Seite der Lohnabhangigen.
Fur die Lohnabhangigen ist auch unser Buch geschrieben.
Denn sie - die grosse Mehrheit der Bevolkerung - miissen
erkennen, dass die Kosten der Krisen schon jeher von den
falschen Leuten, eben den Lohnabhangigen, bezahlt wurden.
Kit der Darstellung verschiedener Krisenjahre seit Be-
ginn der Industrialisierung ktinnen wir auch illustrieren,
dass Krisen untrennbar mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem
verbunden sind. Das abstrakte Wort "Kapitalismu3"
hat nämlich einen sehr konkreten Inhalt: Alles
wird auf der Basis der Konkurrenz und nur solange produziert,
als es rentiert. Diese Organisation der Produktion
brachte und bringt periodisch Arbeitslosigkeit und Senkung
des Lebensstandards der arbeitenden Bevölkerung hervor
- weil zu viele Waren hergestellt wurden. Man sollte
nicht vergessen, dass die ersten grossen Hungersnöte in
der Schweiz, die nicht d~rch Missernten, sondern eben
durch Ueberproduktion bewirkt wurden, erst nach der ginführung
der Handels- und Gewerbefreiheit 1848 eintraten.
Die Zuger Konservativen dahen diese sachlage ganz genau
und bekämpften die Fabrikherren, die damals als Industrialisatoren
eine fortschrittliche Rolle spielten, mit nach
rückwärts gewandten Träumen.
Das kapitalistische System ist also durchaus geschicht~
lieh geworden und kann somit auch gestürzt werden. Der
Kapitalismus muss sogar gestürzt werden, wenn wir von
der Produktion um des Profits willen endlich zur Produktion
fUr die Bedürfnisse der Menschen übergehen wollen.

Zum Buch
Wir stellen in diesem Buch nicht alle Krisenjahre dar.
Das liegt einerseits daran. dass wir exemplarische Krisen
behandeln wollten. Anderseits gibt es für die nicht
beschriebenen Krisenjahre (187oer Jahre. l~OI, 1913,
1948/49) nicht viele Zuger Quellen, weil diese Krisen
entweder nicht so schlimm waren oder dann nur ge~isse
Industriezweige hart trafen. Wir gaben uns nämlich MÜhe,
vor allem Zuger Quellen als Informationsgrundlage zu
verwenden. Die Beschränkung auf Zug bedingte auch den
Verzicht auf eine umfassende Analyse der verschiedenen
Wirtschaftskrisen, die natürlich nicht von Zug ausgingen.
So mussten wir grösstenteils beim Beschreiben bleiben.
Das Nur-Beschreiben 1st ein Merkmal biirgerlicher Geschichtsschreibung.
Methodisch sprengen wir diesen Rahmen
nicht. Wir stellen aber ganz untibliche Inhalte dar.
Auch unsere Ziele sind nicht biirgerlich: Wir wollen Bewusstsein
schaffen. Unser ausgedehntes Forschen nach Quellen
soil es zudem ermoglichen, dass eines Tages eine historisch-
materialistische (marxistische) Geschichte Zugs,
die nicht in Allgemeinplatzen steckenbleibt, geschrieben
werden kann.
Die Arbeitsweise unserer Gruppe schlSgt sich auch in diesem
Buch nieder: Die verschiedenen Kapitel wurden von
einzelnen Oder von kleinen Gruppen erarbeitet. Das hat
stilistische Unterschiede zur Folge, well die Gesamtgruppe
die Kapitel nicht kollektiv iiberarbeitet hat. Grammatikalische
und stilistische Unebenheiten nehmen wir in
Kauf; sie sind fur uns nicht so wichtig wie der Inhalt
des Buches. '•
Die Arbeit an den Druckvorlagen und der Druck des Buches
Selber haben uns so viel Kiihe und Zeit gekostet wie das
-geschichtliche Forschen. Wahrend dieser Arbeit lernten
wir die handwerkliche Leistung, die in einem Buch steckt,
ebenso schatzen wie die "geistige Produktion". (Weil wir
als Amateure den Druck selber besorgten, erklaren sich
auch unsauber und unklar gedruckte Stellen. Aber wir wollen
nicht alles" entschuldigen. . .)
1st das Buch "Krise - im Kanton Zug nichts Neues" wissenschaftlich?
Zuerst miissen wir dazu sagen, dass uns diese
Frage nicht sehr interessiert. Aber wir versuchten (hoffentlich
mit Erfolg), uns genau an die vorhandenen Quellen
zu halten. FUr dieses Buch trugen wir mehr als lOOO
einzelne Quellen zusammen. Diese Quellen sind zum grossten
Teil noch nie flir eine Geschichtsarbeit verwendet
worden. Das Verwenden von urspriinglichen Quellen - vor
allem Zeitungsartikeln - war aber notwendig, da praktisch
keine brauchbare Sekundarliteratur zu unserem The-
ma vorhanden ist.
Wenn wir einerseits die Quellen treu wiedergeben, so haben
wir anderseits als Zitate vor allem Texte gewahlt,
die etwas aufzeigen, die also auch padagogisch wertvoll
sind. Denn uns geht es vor allem darum, dass die Leser
unseres Buches aus der Geschichte lernen konnen. Die Zitate
sind also "parteiisch" ausgewahlt; das heisst aber
nicht, dass wir die Wirklichkeit auf den Kopf stellen wollen.
Denn um aus der Geschichte lernen zu konnen - und
das heisst: die gegenwartige Gesellschaft zu verandern -,
braucht man einen klaren Blick: eine noch so gut gemeinte
Verdrehung der Wirklichkeit ware dabei nur kontraproduktiv.
Das Buch "Krise - im Kanton Zug nichts Neues" ist die erste
grossere Veroffentlichung der Arbeitsgruppe Geschichte
Zug (AGZ). In Zukunft werden wir wahrscheinlich kleinere
Projekte in Angriff nehmen. Thetnen gibt es noch genug:
z.B. Anti-Firmengeschichten, Generalstreik 1918 in
Zug, Frontenbewegung usw. Wir haben noch nicht beschlossen,
welches unser nachstes Thema sein wird. Dabei konnten
uns auch die Leser dieses Buches ein bisschen behilflich
sein: Wir sind froh, wenn Sie uns Ihre Kritiken, Anregungen,
zusatzlichen Informationen zu unseren Arbeiten
usw. mitteilen. Auch neue AGZ-Mitglieder sind herzlich
willkommen.
Zug, im Juli 1976
Arbeitsgruppe Geschichte Zug


_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
28. Juni 2011, 21:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
O.B.M.F



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Beiträge: 1218
Wohnort: Zug

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Cool und vielen Dank.

_________________
Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
28. Juni 2011, 22:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
Admin-Dog


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Beiträge: 2105
Wohnort: Kt. Zug

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Danke fürs Ausgraben :-)

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Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!
02. Juli 2011, 15:56 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



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Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
Lazlo sei Dank!!!

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
02. Juli 2011, 17:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Anarchosaurus Rex



Anmeldedatum: 10.12.2008
Beiträge: 45

Beitrag Antworten mit Zitat
Nicht schlecht. Haben die dann auch noch mehr geschrieben? Waren die Teil der RML?

_________________
Levrat bei einer Ansprache vor der UBS zu Unia Gewerkschaftern: " Genossinen und Genossen wir Müssen die Banken retten"
07. Juli 2011, 08:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Dieses Buch ist - wenn er es will - dem tapferen
Gewerkschaftier und Revolutionar Bruno Bollinger gewidmet.


Zitat:
1976 geschah in Zug etwas, das keinen Raum mehr für Interpretationen liess: Bruno Bollinger,
damals noch Eicher bei der Landis & Gyr wie Genosse Amrein, wurde entlassen, nachdem er
gegen die Verweigerung des Teuerungsausgleichs in der L& G gekämpft und an einer
Betriebsversammlung den Vorschlag gemacht hatte, über einen einstündigen Warnstreik zu
diskutieren. Bollingers Mitgliedschaft in der RML war hinlänglich bekannt, hatte er doch im
Jahr zuvor seinen obersten Chef, den verstorbenen Verwaltungsratspräsidenten und FDP Politiker
Andreas C. Brunner, im Nationalratswahlkampf herausgefordert.

aus http://www.lukesch.ch/Text10_04.htm

Das ist die einzige Überschneidung die ich gefunden habe!

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
07. Juli 2011, 10:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
ratatoskr



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Beiträge: 565
Wohnort: walhall

Beitrag Antworten mit Zitat
Anarchosaurus Rex hat Folgendes geschrieben:
Nicht schlecht. Haben die dann auch noch mehr geschrieben? Waren die Teil der RML?


Ja. Bollinger ist übrigens heute Bildungsverantwortlicher der allseits beliebten Gewerkschaft Unia.


Zitat:
Der Autor dieser Dokumente „Gewerkschaften und 1. Mai in Zug“, Bruno Bollinger, ist nicht nur
Berichterstatter, sondern auch Zeitzeuge. Er hat in Zug den 1. Mai und die Gewerkschaften während über 30
Jahren mitgestaltet. Bruno Bollinger war 1971 Gründungsmitglied der Basisgruppe Lehrlinge Zug – später
Maiblitz, 1973 der Sektion Zug der RML (später SAP) und 1986 der SGA. Bruno Bollinger war 15 Jahre (1992–
2007) Präsident des Gewerkschaftsbundes. Er ist aktiver Teil dieser Schilderungen, die auch persönliche
Dokumente sind und keinen Anspruch auf vollständige Objektivität erheben.
.
07. Juli 2011, 13:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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