Forum-Übersicht
RegistrierenSuchenFAQMitgliederlisteBenutzergruppenLogin
Give up activism!

 
Neue Antwort erstellen    Forum-Übersicht » Literatur & Leseecke Thema drucken Vorheriges Thema anzeigen
Nächstes Thema anzeigen
Give up activism!
Autor Nachricht
far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Give up activism! Antworten mit Zitat
Give up activism!
ExpertInnen

Mit einer „Aktivistenmentalität“ meine ich Leute, die sich selbst in erster Linie als AktivistInnen denken und die sich einer größeren Gemeinschaft von AktivistInnen zugehörig fühlen. AktivistInnen identifizieren sich mit dem, was sie tun und denken ihre Rolle im Leben wie eine Arbeit oder einen Job. Auf die selbe Weise identifizieren sich andere Leute mit ihrer Arbeit als Arzt oder Lehrer, und statt jemand zu sein, wird ihre Arbeit zu einem essentiellen Teil ihrer Selbstdarstellung.

EinE AktivistIn ist ein SpezialistIn in sozialer Veränderung. Sich selbst als AktivistIn zu denken, bedeutet, sich als jemand irgendwie privilegiertes oder besser geeignetes als andere in deinem Verständnis von der Notwenigkeit von sozialer Veränderung zu halten, in dem Wissen wie dies zu erreichen ist und als führendeR oder in der vordersten Front des praktischen Kampfes zur Schaffung dieses Wandels.

Aktivismus hat wie alle ExpertInnenrollen seine Grundlage in der Arbeitsteilung, die ihrerseits die Basis der Klassengesellschaft darstellt, und die in der fundamentalen Trennung von Kopf- und Handarbeit liegt. Experten bewachen eifersüchtig und mystifizieren die Aufgaben, die sie haben. Dies hält Leute getrennt und ohnmächtig und stärkt die hierarchische Klassengesellschaft.
Eine Arbeitsteilung beinhaltet, dass eine Person eine Rolle anstelle vieler anderer übernimmt, die sie ihr überlassen. Eine Teilung der Aufgaben bedeutet, dass andere Leute dein Essen anbauen und deine Kleidung herstellen und für deine Elektrizität sorgen, während du weitermachst, die sozialen Wandel voranzutreiben. Der Aktivist als Experte in sozialer Veränderung geht davon aus, das andere Menschen gar nichts tun, um ihr Leben zu verändern und fühlt sich so verpflichtet oder verantwortlich, dies an ihrer Stelle zu tun, um den Mangel an Aktivität anderer zu kompensieren. Uns als AktivistInnen zu definieren heißt, dass wir „unsere“ Aktionen als die einzigen betrachten, die uns sozialen Veränderungen näherbringen – während natürlich Klassenkampf immer und überall stattfindet.

Form und Inhalt

Die Spannung zwischen der Form des „Aktivismus“, in der unsere politischen Aktivitäten auftreten und den zunehmend radikalen Inhalten hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. (In England) hat es in der „AktivistInnen-Szene“ einen Fortschritt gegeben, das immer mehr Leute von Kampagnen gegen einzelne Unternehmen oder Entwicklungen zu einer wenn auch vagen, dennoch vielversprechenden antikapitalistischen Perspektive übergegangen sind. Doch obwohl sich der Inhalt der Kampagnen verändert hat, ist die Form des Aktivismus gleich geblieben. Anstatt Monsanto anzugreifen und ihre Hauptquartiere zu besetzen, müssen wir jetzt über diese einzelne Facette des Kapitals, welches von Monsanto repräsentiert wird, hinaussehen und eine „Kampagne“ gegen Kapitalismus entwickeln. Und wo könnte mensch besser hingehen und etwas besetzen als die Hauptquartiere des Kapitalismus – die Innenstadt?

Unsere Handlungsmethoden sind immer noch dieselben, als ob wir uns mit einem einzelnen Unternehmen oder einer Entwicklung auseinandersetzen würden, trotz der Tatsache, dass Kapitalismus nicht dasselbe ist und dass die Methoden, mit denen mensch vielleicht ein einzelnes Unternehmen zu Fall bringen kann, nicht unbedingt die selben sein können, mit denen der Kapitalismus zu Fall gebracht werden könnte. Um den Kapitalismus anzugreifen, ist kein quantitativer Wandel nötig (mehr Aktionen, mehr AktivistInnen), sondern ein qualitativer (wir müssen andere Handlungsformen entwickeln). So wie es aussieht, haben wir sehr wenig Vorstellungen davon, was nötig sein könnte, um den Kapitalismus zu überwinden. Als ob alles, was dazu gebraucht würde, eine Art kritische Masse von AktivistInnen wäre, die alle erreichbaren Büros besetzt und dann hätten wir eine Revolution…

Rollen und Stereotypen

Die Rolle des oder der AktivistIn ist eine Rolle, die wir angenommen haben wie die als PolizistIn, Eltern oder PastorInnen – eine eigenartige psychologische Form, die wir benutzen, um uns selbst und unsere Beziehungen zu anderen zu definieren. AktivistInnen sind also SpezialistInnen oder ExpertInnen in sozialen Veränderungen – doch je mehr wir an dieser Rolle und Meinung von dem, was wir zu sein meinen, hängen, desto mehr behindern wir den Wandel, den wir anstreben. Eine wirkliche Revolution würde es einschließen, aus allen festgelegten Rollen auszubrechen und Spezialisierungen zu zerstören – eine Wiederaneignung unseres Lebens. Die Kontrolle über unsere eigenen Ziele an uns zu nehmen, was der Akt der Revolution darstellt, wird die Erschaffung von neuen Formen von Interaktion und Kommunikation einschließen. „Experten“ in irgend etwas können diesen Prozess nur behindern.

Der Situationist Rauol Vaneigem definiert Rollen wie folgt: „Stereotypen sind die dominierenden Bilder einer Periode…Stereotypen sind Modelle einer Rolle, und die Rolle ist eine Form des Verhaltens. Die Wiederholung eines Verhaltensmusters schafft eine Rolle.“ Eine Rolle zu spielen ist einen Eindruck zu kultivieren zur Vernachlässigung alles Authentischen. „Wir erliegen der Verführung von geliehenen Verhaltensmustern.“ Als Rollenspieler bleiben wir in Unauthentizität verhaftet – wir reduzieren unser Leben auf eine Reihe von Klischees – „brechen unser Leben herunter in eine Serie von Posen, mehr oder weniger unbewußt aus verschiedenen dominanten Stereotypen.“ Die Rolle des Aktivisten ist dabei nur eine dieser Rollen – und liegt darin, trotz aller revolutionärer Rhetorik, die mit dieser Rolle verbunden ist, letztlich im Konservatismus.

Die scheinbar revolutionäre Aktivität des/der AktivistIn ist eine stumpfe und sterile Routine – eine ständige Wiederholung einiger weniger Aktionen ohne Potential für Veränderung. AktivistInnen würden vielleicht sogar der Veränderung Widerstand leisten, wenn sie denn käme, denn das würde die einfachen Gewißheiten ihrer Rolle und die nette kleine Nische stören, die sie sich selbst geschaffen haben. Wie Gewerkschaftsbosse, sind AktivistInnen ewige RepräsentantInnen und ModeratorInnen. Auf die selbe Weise, wie Gewerkschaftsführende dagegen wären, das der Kampf „ihrer“ ArbeiterInnen erfolgreich wäre, weil sie damit ihren Job verlieren würden, ist die Rolle des Aktivisten durch eine wirkliche Veränderung bedroht. Wenn es wirklich eine Revolution gäbe, oder auch nur tatsächlich Schritte in diese Richtung, würde das sicher AktivistInnen erschüttern, weil es sie ihrer Rolle berauben würde. Wenn alle zu RevolutionärInnen werden, bist du nicht mehr so etwas besonderes, nicht wahr?

Also, warum verhalten wir uns wie AktivistInnen? Es ist einfach, in die Rolle des Aktivisten zu schlüpfen, weil es in diese Gesellschaft paßt, statt sie herauszufordern – Aktivismus ist eine akzeptierte Form von Dissens. Es hat sicherlich eine große Anziehungskraft, eben weil es nicht revolutionär ist.

Wir brauchen keine Märtyrer mehr

Der Schlüssel zum Verständnis der Rolle des Aktivisten ist die Selbstaufopferung – die Opferung des selbst an „die Sache“, die als etwas von einem selbst getrenntes angesehen wird. Dies hat natürlich nichts zu tun mit wirklichen revolutionären Aktivitäten, die die Ergreifung des Selbst ist. Revolutionäres Märtyrertum geht zusammen mit der Identifikation einer Sache, die jenseits des eigenen Lebens steht – eine Aktion gegen Kapitalismus, die den Kapitalismus als etwas „da draussen“ in der Stadt identifiziert, ist grundlegend falsch verstanden – die wahre Macht des Kapitals ist gerade hier in unserem alltäglichen Leben – wir wieder-erschaffen seine Macht jeden Tag, weil Kapitalismus kein Ding ist, sondern eine soziale Beziehung zwischen Menschen (und Klassen), vermittelt durch Dinge.

Die Rolle des Aktivisten schafft eine Trennung zwischen Zielen und Mitteln: Selbstaufopferung bedeutet die Schaffung einer Teilung zwischen der Revolution als Liebe und Freude in der Zukunft, aber Pflicht und Routine jetzt. Die Weltsicht des Aktivismus ist bestimmt durch Schuld und Pflicht, weil AktivistInnen nicht für sich selbst kämpfen, sondern für eine „Sache“. Als AktivistIn mußt Du Dich Deinen eigenen Wünsche verweigern, weil Deine politische Aktivität so definiert ist, dass diese Dinge nicht als „Politik“ zählen. Du tust also „Politik“ in eine getrennte Kiste von dem Rest Deines Lebens – wie in einem Job…Und weil es in dieser Extra-Kiste ist, existiert es ungehindert von jeglichen realen praktischen Betrachtungen über Effektivität. AktivistInnen fühlen sich verpflichtet, unreflektiert die selbe alte Routine beizubehalten, nicht in der Lage, inne zu halten und darüber nachzudenken, so dass das wichtigste ist, das der/die AktivistIn beschäftigt bleibt und ihre Schuld abarbeitet, in dem sie nötigenfalls selbst mit ihren Köpfen gegen die Wand rennen. AktivistInnen haben diese „Wir müssen JETZT etwas tun!“-Haltung, die anscheinend von Schuldgefühlen erfüllt ist. Das aber ist komplett untaktisch. Die Selbstaufopferung des Aktivisten spiegelt sich in ihrer Macht über andere als ExpertInnen – wie eine Religion gibt es eine Art Hierachie von Leiden und Selbstgerechtigkeit. AktivistInnen nehmen Macht über andere an durch die Moralität ihres höheren Grades an Leiden („nicht-hierachische Gruppen sind oft in Wahrheit eine „Diktatur der Engagiertesten“). AktivistInnen benutzen moralischen Druck und Schuldgefühle um Macht über andere weniger Erfahrene in der Theogonie des Leidens. Ihre eigene Unterordung geht Hand in Hand mit der Unterordnung von anderen – alle sind versklavt von „der Sache“.

Isolierung

Die Rolle des Aktivisten ist eine selbstauferlegte Isolierung von allen Menschen, mit denen wir uns verbünden sollten. Leute tendieren dazu, von sich selbst in der ersten Person Plural zu denken (auf wen beziehst du dich, wenn du von „wir“ sprichst?), im Bezug auf eine Gemeinschaft von AktivistInnen, eher als auf eine Klasse. So ist es z.B. seit einiger Zeit in der AktivistInnen-Szene beliebt, von „keine Ein-Punkt- Bezüge mehr“ und über die Wichtigkeit von „Verbindungen herstellen“ zu sprechen. Wie auch immer, darunter wird meistens die Herstellung von Verbindungen zu anderen AktivistInnen oder Aktionsgruppen verstanden.

Es ist jedoch nicht genug, zu versuchen, alle AktivistInnen der Welt miteinander zu verbinden, noch ist es genug, zu versuchen, mehr und mehr Menschen in AktivistInnen zu verwandeln. Im Gegensatz zu dem, was einige Leute zu denken scheinen, werden wir einer Revolution nicht näher kommen, wenn immer mehr Menschen zu AktivistInnen werden. Vaneigem schreibt: „Revolution wird jeden Tag gemacht, trotz, und in Opposition zu, den Spezialisten der Revolution.“ SpezialistInnen rekrutieren andere für ihre kleinen Spezialgebiete, um ihre eigene Macht zu vergrößern und so die Realisierung ihrer eigenen Machtlosigkeit zu verdrängen. Wie ein Kettenbriefverkaufssystem reproduziert sich die Hierachie – Du wirst rekrutiert, und um selber nicht am Ende der Pyramide zu stehen, mußt Du wiederum andere rekrutieren, die unter Dir stehen, die dann wiederum das gleiche tun. Die Reproduktion der entfremdeten Gesellschaft der Rollen ist begleitet durch Spezialisten.

Jaques Camatte macht in seinem Essay ‚Über Organisation‘ deutlich, dass politische Gruppen oft in „Gangs“ enden, die sich selbst durch Ausschluß definieren – die Loyalität der Gruppenmitglieder bezieht sich immer zuerst auf die Gruppe, weniger auf den Kampf. Die politische Gruppe oder Partei setzt sich selbst anstelle des Proletariats, und das eigene Überleben und Reproduktion wird oberstes Gebot. Die Gruppe behauptet von sich selbst, als einzige die Wahrheit verstanden zu haben und alle außerhalb der Gruppe werden wie IdiotInnen behandelt, die der Bildung durch diese Avantgarde bedürfen.

Hier gibt es Ähnlichkeiten zum Aktivismus, in dem die AktivistInnen-Szene wie eine linke Sekte handelt – Aktivismus als gesamtes hat einige Charakteristiken einer „Gang“. Diese „Gang“ ist eine illusionäre Gemeinschaft, die uns davon abhält, eine breitere Gemeinschaft des Widerstand aufzubauen. Die Quintessenz von Camates Kritik ist ein Angriff auf die Schaffung einer Innen/Außen-Unterteilung zwischen der Gruppe und der Klasse. Wenn wir die Strukturen der Herrschenden Gesellschaft im Namen der Politik reproduzieren, die sich selbst antikapitalistisch nennt, haben wir verloren, bevor wir überhaupt begonnen haben.

Ein bescheidener Vorschlag

Dies ist ein bescheidener Vorschlag, dass wir Handlungsformen entwickeln sollten, die unseren radikalen Ideen entsprechen. Aktivismus ist eine Form, die von unserer Schwäche verstärkt wurde; wir befinden uns in Zeiten, in denen radikale Politik oft schwach und marginalisiert ist. So ist es vielleicht nicht einmal in unserer Macht, aus der AktivistInnenrolle auszubrechen. Trotzdem, um daran zu arbeiten, den Kampf zu verbreitern und zu verschärfen, wird es nötig sein, mit der AktivistInnenrolle zu brechen, so weit das möglich ist – ein ständiger Versuch, über die Grenzen und Beschränkungen unserer Bindungen hinauszugehen. Historisch betrachtet, die Bewegungen, die einer ernsthaften Destabilisierung oder Sturz der Regierung oder die über den Kapitalismus hinausgingen, haben überhaupt nicht die Form des Aktivismus angenommen. Aktivismus ist essentiell eine politische Form und eine Handlungsform, die auf liberalen Reformismus zugeschnitten ist, und die von uns über ihre eigenen Grenzen hinaus getrieben und für revolutionäre Zecke benutzt wurde. Die AktivistInnenrolle müsste in sich selbst schon problematisch sein für alle, die eine soziale Revolution wollen.

Andrew X

Gekürzte Übersetzung

http://raumgegenzement.blogsport.de/2011/07/31/give-up-activism-1999/

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
02. August 2011, 20:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
narodnik



Anmeldedatum: 09.06.2008
Beiträge: 110

Beitrag Antworten mit Zitat
Si, sehr schlau.

_________________
"Solange wir nicht fragen, was uns die Welt bedeutet und was wir der Welt bedeuten, solange können wir uns jede Demonstration sparen" - Rudi Dutschke
03. August 2011, 00:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



Anmeldedatum: 22.07.2010
Beiträge: 565
Wohnort: walhall

Beitrag Antworten mit Zitat
Natürlich identifiziert sich ein revolutionärer „Aktivist“ mit dem was er denk und tut und auch mit einer grösseren Gemeinschaft von gleichgesinnten (Kommunisten oder Anarchisten) Was soll daran falsch sein? Das muss er sogar, wenn er mit ihnen Staat und Kapital beseitigen will. Und das hat doch nichts mit „statt jemand zu sein“ zu tun. Was sollen er denn stattdessen sein?

Auch sehe ich nicht wo das Problem liegt, wenn sich jemand mit aller Macht dafür einsetzt diese Verhältnisse abzuschaffen; sich darauf sogar spezialisiert. Ist doch toll! „Ich neige mich vor der Autorität von Spezialisten, weil sie mir von meiner eigenen Vernunft auferlegt wird“ findet sogar Bakunin. Der Schuster weiss halt besser wie man Schuhe macht als jemand der sich nie damit beschäftigt hat. Wieso sich der Aktivist dann „privilegiert“ fühlen soll, ist mir ein Rätsel und ob er für gewisses besser geeignet ist, wird man ja sehen. Was wäre das schlimme daran, wenn er es ist?

Auch die Kritik an der Arbeitsteilung komm mir spanisch vor. Es muss (und will) doch nicht jeder Flugzeuge fliegen, Herzen operieren, Dinge erfinden, schiessen, mähdreschen, klavierspielen und sichtmauren gleichzeitig können. Weder während noch nach der Revolution.

Nichts dagegen, wenn da gefordert wird „eine Kampagne“ gegen Kapitalismus zu entwickeln. Nur tun das in der Regel eben erst mal revolutionäre „Aktivisten“.
Und dann stimmt es einfach nicht, dass „um den Kapitalismus anzugreifen, kein quantitativer Wandel nötig ist (mehr Aktionen, mehr AktivistInnen)“, das geht Hand in Hand und ist sicher nötig! Mit den paar Hanseln kann man einfach nicht wirksam gegen Staat und Kapital antreten!

Pflicht und Routine gehören halt auch dazu. Die Routine gibs nach dem 10x flugischreiben von selber und ohne Pflicht - im Sinne von „man hält sich ans Abgemachte“ - funktioniert nicht einmal die kleinste Demo.

Zu Selbstaufopferung und Leiden: Man muss da abwägen - wenn einem die Revolution nötig erscheint, muss man halt meinetwegen mal etwas in einem Buch lesen oder in den Schiesskeller ;-) gehen, statt ins Kino. Das tut man aber letztendlich auch für sich, weil man „die Sache“ für sich selber - und für andere - will. Das kann man auch reflektiert wollen, ohne mit dem Kopf an die Wand zu rennen...

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
03. August 2011, 16:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



Anmeldedatum: 07.08.2010
Beiträge: 167
Wohnort: egal

Beitrag Antworten mit Zitat
ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Natürlich identifiziert sich ein revolutionärer „Aktivist“ mit dem was er denk und tut und auch mit einer grösseren Gemeinschaft von gleichgesinnten (Kommunisten oder Anarchisten) Was soll daran falsch sein? Das muss er sogar, wenn er mit ihnen Staat und Kapital beseitigen will. Und das hat doch nichts mit „statt jemand zu sein“ zu tun. Was sollen er denn stattdessen sein?

Ich glaube, die Problematik ist, dass sich ein "Aktivist" (das Wort ist vage, und wird von dir nicht gleich benutzt wie im obigen Text) hauptsächlich als politischer Mensch denkt, und sich hauptsächlich auf seine politische (welche auch meistens die spektakuläre ist) Wirkung konzentriert. Hauptsache in den Medien gekommen z.B.. Und dieser Fokus bestimmt häufig auch schon die Ziele und die Mittel, und damit auch den Umkreis der Mitkämpfer. Wieso fahren zB jedes Jahr so viele Menschen an's WEF?
Am WEF wird niemals die Revolution gemacht werden... Die Revolution ist schliesslich kein Eevent...


ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Auch sehe ich nicht wo das Problem liegt, wenn sich jemand mit aller Macht dafür einsetzt diese Verhältnisse abzuschaffen; sich darauf sogar spezialisiert. Ist doch toll! „Ich neige mich vor der Autorität von Spezialisten, weil sie mir von meiner eigenen Vernunft auferlegt wird“ findet sogar Bakunin. Der Schuster weiss halt besser wie man Schuhe macht als jemand der sich nie damit beschäftigt hat. Wieso sich der Aktivist dann „privilegiert“ fühlen soll, ist mir ein Rätsel und ob er für gewisses besser geeignet ist, wird man ja sehen. Was wäre das schlimme daran, wenn er es ist?

Bakunin... Na dann... ist ja alles klar?
Du neigst dich anscheinend vor der Autorität des Spezialisten Bakunin ^^

Allerdings kann so etwas wie "das eigene Leben in die Hände nehmen" nicht delegiert werden, logisch, oder?
Dass sich "der Aktivist" möglicherweise privilegiert fühlt, wird mich nicht stören, allerdings, wenn er's ist, und glaubt, mich zu repräsentieren. nja...



ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Auch die Kritik an der Arbeitsteilung komm mir spanisch vor. Es muss (und will) doch nicht jeder Flugzeuge fliegen, Herzen operieren, Dinge erfinden, schiessen, mähdreschen, klavierspielen und sichtmauren gleichzeitig können. Weder während noch nach der Revolution.

spanisch? in welchem Sinn jetzt?
Du beweist übrigens perfekt, das für dich Aktivismus eben wie Flugzeug fliegen, mähdreschen ist... egal...

ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Nichts dagegen, wenn da gefordert wird „eine Kampagne“ gegen Kapitalismus zu entwickeln. Nur tun das in der Regel eben erst mal revolutionäre „Aktivisten“.

Nja, eben, die Worte werden hier auch unterschiedlich gebraucht... Und "kampagne" ist hier wohl eher nicht das gemeint was aktivist unter Kampagne versteht...

ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Und dann stimmt es einfach nicht, dass „um den Kapitalismus anzugreifen, kein quantitativer Wandel nötig ist (mehr Aktionen, mehr AktivistInnen)“, das geht Hand in Hand und ist sicher nötig! Mit den paar Hanseln kann man einfach nicht wirksam gegen Staat und Kapital antreten!
Das war wohl nicht gemeint...
Es ging eher darum, das quantität sinnlos ist, solange die Qualität nicht da ist... Viele Leute an ner sinnlosen Demo voll langeweile bringen wenig...

ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Pflicht und Routine gehören halt auch dazu. Die Routine gibs nach dem 10x flugischreiben von selber und ohne Pflicht - im Sinne von „man hält sich ans Abgemachte“ - funktioniert nicht einmal die kleinste Demo.
eben...
10mal flugischreiben ist an sich wenig revolutionär...
ich hab schon mindestens 100 flugis gelesen, die nur zum mitgliedersammeln da waren, zum bekehren.

ratatoskr hat Folgendes geschrieben:
Zu Selbstaufopferung und Leiden: Man muss da abwägen - wenn einem die Revolution nötig erscheint, muss man halt meinetwegen mal etwas in einem Buch lesen oder in den Schiesskeller ;-) gehen, statt ins Kino. Das tut man aber letztendlich auch für sich, weil man „die Sache“ für sich selber - und für andere - will. Das kann man auch reflektiert wollen, ohne mit dem Kopf an die Wand zu rennen...

für sich selber leiden?
und klar will man die Sache für sich selber...
Das Bedürfnis nach Kino hatte ich noch selten...
Aber iwie an jede Demo zu rennen, ohne Ziel, ohne Grund, die meisten wissen da nämlich nichtmal was die Demo genau sein soll...
Eine Repräsentation, oder ein Bild in der Zeitung, oder ein Aufstand...
Ich glaube, eine Demo, wo absolut nichts funktioniert ist wünschenswerter als die letzten 5 demos die wir hatten...

Und dann glauben viele, dass die Demos iwas demonstrieren würden... Dass das langweilige rumlatschen iwie näher zur Revolution bringt...
Dabei gibt's hundert leute die hervorkommen würden, würden endlich mal die Bedürfnisse wahrgenommen, auch die eigenen...

_________________
"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
03. August 2011, 17:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



Anmeldedatum: 14.01.2008
Beiträge: 1032

Beitrag Antworten mit Zitat
bakunin hat Folgendes geschrieben:
Folgt heraus, daß ich jede Autorität verwerfe? Dieser Gedanke liegt mir fern. Wenn es sich um Stiefel handelt, wende ich mich an die Autorität des Schusters; handelt es sich um ein Haus, einen Kanal oder eine Eisenbahn, so befrage ich die Autorität des Architekten oder des Ingenieurs. Für irgendeine Spezialwissenschaft wende ich mich an diesen oder jenen Gelehrten. Aber weder der Schuster, noch der Architekt oder der Gelehrte dürfen mir ihre Autorität aufzwingen. Ich höre sie frei und mit aller ihrer Intelligenz, ihrem Charakter, ihrem Wissen gebührenden Achtung an, behalte mir aber mein unbestreitbares Recht der Kritik und der Nachprüfung vor. Ich begnüge mich nicht, eine einzige Spezialautorität zu befragen, ich befrage mehrere, vergleiche ihre Meinungen und wähle die, die mir die richtigste zu sein scheint. Aber ich erkenne keine unfehlbare Autorität an, selbst nicht in ganz speziellen Fragen; folglich, welche Achtung ich auch immer für die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einer Person habe, setze ich in niemanden unbedingten Glauben. Ein solcher Glaube wäre verhängnisvoll für meine Vernunft, meine Freiheit und den Erfolg meines Unternehmens, er würde mich sofort in einen dummen Sklaven und ein Werkzeug des Willens und der Interessen anderer verwandeln.


p.s. schon nur der glaube, dass du in revolutionären situationen mehr ahnung haben solltest finde ich äusserst grotesk! und: braucht man wirklich übung zum ein flugi schreiben?
03. August 2011, 18:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



Anmeldedatum: 22.07.2010
Beiträge: 565
Wohnort: walhall

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Ich glaube, die Problematik ist, dass sich ein "Aktivist" (das Wort ist vage, und wird von dir nicht gleich benutzt wie im obigen Text) hauptsächlich als politischer Mensch denkt, und sich hauptsächlich auf seine politische (welche auch meistens die spektakuläre ist) Wirkung konzentriert. Hauptsache in den Medien gekommen z.B.. Und dieser Fokus bestimmt häufig auch schon die Ziele und die Mittel, und damit auch den Umkreis der Mitkämpfer. Wieso fahren zB jedes Jahr so viele Menschen an's WEF?
Am WEF wird niemals die Revolution gemacht werden... Die Revolution ist schliesslich kein Eevent...


O.k. aber dann müsste man doch kritisieren, dass die Leute ihre Ziele - und dementsprechend auch ihre Mittel – falsch wählen. Und nicht dass sie Aktivisten sind. Sondern eben Aktivisten für falsche Ziele. Übrigens, da fahren nicht mehr viele Menschen zum Anti-WEF-Protest ;-)

Zitat:
Bakunin... Na dann... ist ja alles klar?
Du neigst dich anscheinend vor der Autorität des Spezialisten Bakunin ^^
Allerdings kann so etwas wie "das eigene Leben in die Hände nehmen" nicht delegiert werden, logisch, oder?
Dass sich "der Aktivist" möglicherweise privilegiert fühlt, wird mich nicht stören, allerdings, wenn er's ist, und glaubt, mich zu repräsentieren. nja...


Erwischt ;-) Bakunin ist tatsächlich auf seine Weise Spezialist in dem Gebiet. Jedenfalls ist er nicht gerade dafür bekannt, viel positives über Autoritäten zu berichten. Und beim Lesen des Textes ist mir halt sein Beispiel sofort in den Sinn gekommen. Aber das Argument steht ja da: Wenns einer besser weiss, kann man von ihm lernen! Dabei spart man viel Mühe und Zeit, kommt leichter (oder überhaupt) ans Benötigte.

Zitat:
spanisch? in welchem Sinn jetzt?
Du beweist übrigens perfekt, das für dich Aktivismus eben wie Flugzeug fliegen, mähdreschen ist... egal...


Spanisch vorkommen im Sinne von „unglaubwürdig“.

Zitat:
Nja, eben, die Worte werden hier auch unterschiedlich gebraucht... Und "kampagne" ist hier wohl eher nicht das gemeint was aktivist unter Kampagne versteht...
Das war wohl nicht gemeint...
Es ging eher darum, das quantität sinnlos ist, solange die Qualität nicht da ist... Viele Leute an ner sinnlosen Demo voll langeweile bringen wenig...


Es steht aber nicht so im Text…

Zitat:
eben...
10mal flugischreiben ist an sich wenig revolutionär...
ich hab schon mindestens 100 flugis gelesen, die nur zum mitgliedersammeln da waren, zum bekehren.


Aber es gibt Routine. Was soll daran schlecht sein? Damit ist auch nichts über den Inhalt gesagt.

Zitat:
für sich selber leiden?
und klar will man die Sache für sich selber...
Das Bedürfnis nach Kino hatte ich noch selten...
Aber iwie an jede Demo zu rennen, ohne Ziel, ohne Grund, die meisten wissen da nämlich nichtmal was die Demo genau sein soll...
Eine Repräsentation, oder ein Bild in der Zeitung, oder ein Aufstand...
Ich glaube, eine Demo, wo absolut nichts funktioniert ist wünschenswerter als die letzten 5 demos die wir hatten...


Als ob für Aktivisten momentan hierzulande „grosses Leiden und Selbstaufopferung“ angesagt wären. Im Text wird aber davon gesprochen!
Aber klar, manchmal muss man halt kurzfristig Widrigkeiten auf sich nehmen um grössere abzuschaffen.
Wieso wünschst du dir Demos wo absolut nichts funktioniert? Man macht die z.B. ja aus einem Grund, will etwas erreichen. Und wenn dann der mit den Flugblättern und die mit dem Fronttranspi und den Reden nicht auftauchen, weil sie grad im Moment keine Lust hatten, ist das doch beschissen!

Zitat:
Und dann glauben viele, dass die Demos iwas demonstrieren würden... Dass das langweilige rumlatschen iwie näher zur Revolution bringt...
Dabei gibt's hundert leute die hervorkommen würden, würden endlich mal die Bedürfnisse wahrgenommen, auch die eigenen.


Was meinst du damit? Welche Bedürfnisse (müssten wir denn wahrnehmen, erfüllen können), welche Leute?



Zitat:
p.s. schon nur der glaube, dass du in revolutionären situationen mehr ahnung haben solltest finde ich äusserst grotesk!


Wieso grotesk? Wenn man sich auf was Vorbereitet, hat man evtl. mehr Erfahrung, Wissen als andere – davon können dann die Genossen profitieren.

Zitat:
und: braucht man wirklich übung zum ein flugi schreiben?


Hab ich nie behauptet. Nur das es Routine gibt und das Routine für sich nichts Schlechtes ist.

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.

Zuletzt bearbeitet von ratatoskr am 04. August 2011, 07:16, insgesamt einmal bearbeitet
03. August 2011, 20:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



Anmeldedatum: 31.10.2006
Beiträge: 1498

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Es muss (und will) doch nicht jeder Flugzeuge fliegen, Herzen operieren, Dinge erfinden, schiessen, mähdreschen, klavierspielen und sichtmauren gleichzeitig können.


Jetzt mal davon abgesehen, dass du da ja schon nach heutigen Kriterien Hobby und Beruf, Hand- und Kopfarbeit sowie einfache und hochkomplexe Tätigkeiten durcheinanderwirfst:
Die strikte Unterteilung in Arbeit und Freizeit, in Beruf und Hobby, das ist doch auch etwas sehr spezifisches für die kapitalistische Gesellschaft. Und doch gibt es auch heute allerhand Leute, die ausserhalb des ihnen zugewiesenen Tätigkeitsbereiches komplizierte Dinge zusammendenken, sie konstruieren oder programmieren und oftmals sogar den Leuten für Lau zur verfügung stellen. Wieso sollte eine solche Tätigkeit zb. im Wesentlichen auf das Internet beschränkt bleiben – wo Laien wahre Meisterleistungen vollbringen – und sich bei entsprechender gesellschaftlicher Organisation nicht auch auf zb. Trockenbau, Bierbrauerei oder Maniküre ausdehnen? Das ist doch ein komplett affirmativer Standpunkt, wenn man die berufsmässige Spezialisierung dieser Bereiche einfach voraussetzt und damit die Trennungen theoretisch perpetuiert. Es gibt dann natürlich noch Randbereiche, die derart hochkomplex sind, dass sie wohl eine lebenslange ausschliessliche Beschäftigung erfordern. So denn diese Bereiche gesellschaftlich Nützlich sind UND Menschen sich so dafür interessieren, dass sie sich damit beschäftigen wollen, dann soll man denen das halt auch ermöglichen. Das ist aber was anderes als die kapitalistisch produzierte Arbeitsteilung als solche Gutzuheissen.

_________________
Power to the Pöbel!
03. August 2011, 22:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



Anmeldedatum: 22.07.2010
Beiträge: 565
Wohnort: walhall

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
Jetzt mal davon abgesehen, dass du da ja schon nach heutigen Kriterien Hobby und Beruf, Hand- und Kopfarbeit sowie einfache und hochkomplexe Tätigkeiten durcheinanderwirfst:
Die strikte Unterteilung in Arbeit und Freizeit, in Beruf und Hobby, das ist doch auch etwas sehr spezifisches für die kapitalistische Gesellschaft. Und doch gibt es auch heute allerhand Leute, die ausserhalb des ihnen zugewiesenen Tätigkeitsbereiches komplizierte Dinge zusammendenken, sie konstruieren oder programmieren und oftmals sogar den Leuten für Lau zur verfügung stellen. Wieso sollte eine solche Tätigkeit zb. im Wesentlichen auf das Internet beschränkt bleiben – wo Laien wahre Meisterleistungen vollbringen – und sich bei entsprechender gesellschaftlicher Organisation nicht auch auf zb. Trockenbau, Bierbrauerei oder Maniküre ausdehnen?


Volle Zustimmung. Und ich gehe davon aus, dass solche „Meisterleistungen“ in einer Welt, in der es für alle viel mehr frei verfügbare Zeit gäbe, stark zunehmen würden.

Zitat:
Das ist doch ein komplett affirmativer Standpunkt, wenn man die berufsmässige Spezialisierung dieser Bereiche einfach voraussetzt und damit die Trennungen theoretisch perpetuiert. Es gibt dann natürlich noch Randbereiche, die derart hochkomplex sind, dass sie wohl eine lebenslange ausschliessliche Beschäftigung erfordern. So denn diese Bereiche gesellschaftlich Nützlich sind UND Menschen sich so dafür interessieren, dass sie sich damit beschäftigen wollen, dann soll man denen das halt auch ermöglichen. Das ist aber was anderes als die kapitalistisch produzierte Arbeitsteilung als solche Gutzuheissen.


Ich wollte nicht dafür plädieren, dass eine berufsmässige Spezialisierung, so wie im Kapitalismus, beibehalten wird. Die ist der Horror; da erwischen die meisten Leute einen Beruf auf dem sie sich ein Leben lang bewähren müssen, der sie auch noch psychisch und physisch verschleisst und ihre Lebenszeit auffrisst.

Mir geht es darum zu bestreiten, dass Spezialisierungen generell „den Wandel, den wir anstreben behindern“. Ich sehe nicht wo das Problem liegt, wenn sich Leute im Kapitalismus zu „SpezialistInnen oder ExpertInnen in sozialen Veränderungen“ befähigen. Oder was falsch daran sein soll, wenn sich Leute in ihrer Freizeit eben z.B. auf das Programmieren von freier Software spezialisieren.
Dasselbe gilt für die Arbeitsteilung. Die wäre doch nicht das Problem, wenn der Zweck für den gearbeitet wird von allen geteilt würde und die Rollen gewechselt werden könnten.

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
04. August 2011, 10:24 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



Anmeldedatum: 14.01.2008
Beiträge: 1032

Beitrag Antworten mit Zitat
ratatoskr hat Folgendes geschrieben:

Wieso grotesk? Wenn man sich auf was Vorbereitet, hat man evtl. mehr Erfahrung, Wissen als andere – davon können dann die Genossen profitieren.

ganz einfach das fakt, dass wohl die wenigsten hier überhaupt schonmal teil einer revolutionären situation waren nimmt deiner aussage den inhalt, man könne sich auf diese unbekannte situation vorbereiten. ich denke, sehr problematisch ist, dass sich viele aktivisten so krass mit dem hobby politik auseinandersetzen, dass sie sich selbst viel mehr 'spezialwissen' und somit autorität zuschreiben. dementsprechend geht's eben nicht mehr um den bakunin, der sich bei allen leuten tipps einholen geht, sondern um die bald mal avantgardistische elite, welche halt schon genau weiss, wie revolution gemacht wird. was schlichtweg falsch ist. im ansatz wie in der ausführung.
revolutionäre intervention kann nicht darin bestehen, dass du ein trupp 'spezialisten in sozialer veränderung' hast, die dann den massen beibringen können, wie revolution gemacht wird. grotesk halt.
04. August 2011, 11:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



Anmeldedatum: 12.11.2007
Beiträge: 1069

Beitrag Antworten mit Zitat
marx damals hat rede um rede gegen den kapitalismus gehetzt und zwar mit dem wissen, das er sich in jahrzehnten erarbeitet hat. hat den arbeitern nonstop erklärt was ein lohn ist und warum sie am arsch sind und was ein kapital ist und so zeug... also solche aktivisten mag ich sehr und ihr spezialwissen ganz besonders!!!

_________________
argumentum ad baculum
04. August 2011, 14:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



Anmeldedatum: 24.10.2006
Beiträge: 1444
Wohnort: süsch no was?!

Beitrag Antworten mit Zitat
wie ich den text von Andrew verstehe, geht es ihm im Kern darum, uns von unserm täglichen Leben in Sparten zu lösen.. Mit Sparten mein ich Aktivitäten, die ich immer mit den gleichen Menschen tue also meine Arbeit (ich bin Bürospezialist), meiner Freizeit (Antifaspezialist u.a.). Uns als Teil solidarisch zu einer Klasse und nicht zu einer Aktionsgruppe zugehörig zu fühlen. Meint er nicht wir sollten versuchen unser Leben als aktion zu denken? Am morgen aufzustehn und zu versuchen mit unserer täglichen aktivität etwas dazu beizutragen die überwindung des Systems zu erreichen?
Jeder Mensch ist spezialist in seinem eigenen Leben. Unsere Wege kreuzen sich und verlaufen wieder. Wichtig wäre sich klar zu sein, was Mensch wirklich will in seinem persönlichen Leben und nicht als mitgleid einer Gruppe von Spezialisten. Dass ich ein solches Mitgleid sein kann ist ja nicht per se schlecht, dass ich aber mein restliches leben als "normal" abtue und halt einfach lebe um dann in der Freizeit Berufsrevolutionär zu sein ist doch das problem das der Text anzusprechen versucht. Im Sinn von, arbeiten um Miete zu zahlen, ins Kino zugehn um abzuschalten aber einmal in der Woche mich mit Gleichgesinnten treffen und Aktionen vorzubereiten die eben gegen das System sind und somit mich als Aktivist fühlen. Die Welt ist dann wieder in Ordnung, da ich ja ein "guter" Aktivist bin und was mache gegen die Verhältnisse.


noch was zur Qualität Quantitäts Frage, die Qualität muss bestandteil sein sonst führt die Quantität zu nichts. Gerade die Proteste um den G8, WEF usw. sollten uns dies ja vor Augen geführt haben. die Quantität ist natürlich entscheidend um den Sturz des Systems dann wirklich auch herbeizuführen, die Zeit dazu werden wir aber wohl nicht selber bestimmen können, somit ist Qualität in unserer Handlungsform entscheidend. Der Rest kommt dann mit der richtigen Zeit von alleine...

_________________
Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
05. August 2011, 10:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
far



Anmeldedatum: 25.06.2005
Beiträge: 5481

Beitrag Antworten mit Zitat
So kann mans auch sehen ;-)

_________________
Um einen Widerstand zu brechen, braucht es Gewalt, aber wenn der Widerstand hält, ist es die Gewalt, die zerbricht.
01. September 2011, 15:28 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
narodnik



Anmeldedatum: 09.06.2008
Beiträge: 110

Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
und was ein kapital ist und so zeug

GSP :D

_________________
"Solange wir nicht fragen, was uns die Welt bedeutet und was wir der Welt bedeuten, solange können wir uns jede Demonstration sparen" - Rudi Dutschke
10. September 2011, 16:46 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Neue Antwort erstellen    Forum-Übersicht » Literatur & Leseecke Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu: 
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Design by Freestyle XL / Music Lyrics.Deutsche Übersetzung von phpBB.de