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Standardwerk Anarchismus

 
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Standardwerk Anarchismus
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snfu



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Beiträge: 24

Beitrag Standardwerk Anarchismus Antworten mit Zitat
suche ein "Standardwerk Anarchismus":

evt das:
Horst Stowasser:
Anarchie!: Idee - Geschichte - Perspektiven

oder das:
Achim von Borries, Ingeborg Weber-Brandies
Anarchismus - Theorie, Kritik, Utopie
graswurzelverlag

Oder hat mir jemand einen anderen Tipp?
merci
22. August 2011, 20:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



Anmeldedatum: 22.07.2010
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Beitrag Re: Standartwerk Anarchismus Antworten mit Zitat
snfu hat Folgendes geschrieben:
suche ein "Standartwerk Anarchismus":

evt das:
Horst Stowasser:
Anarchie!: Idee - Geschichte - Perspektiven

oder das:
Achim von Borries, Ingeborg Weber-Brandies
Anarchismus - Theorie, Kritik, Utopie
graswurzelverlag

Oder hat mir jemand einen anderen Tipp?
merci


Stowasser hat fürs Anarchie-Buch "Freiheit pur" überarbeitet, das gibts im Internet unter folgendem Link: http://www.mama-anarchija.net/media/downloads/FreiheitPur.pdf#search=%22freiheit%20pur%22

Beide Bücher findest du vermutlich in jedem Infoladen. Evtl. helfen dir auch die LAW oder die FAU weiter.
http://www.arachnia.ch/etomite/Joomla/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=32&Itemid=59
http://www.faubern.ch/article.php?aid=33&lid=de
http://faubern.ch/index.php?pid=shop&spid=1&lid=de

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
22. August 2011, 21:31 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Beiträge: 167
Wohnort: egal

Beitrag Re: Standartwerk Anarchismus Antworten mit Zitat
snfu hat Folgendes geschrieben:
suche ein "Standartwerk Anarchismus":

evt das:
Horst Stowasser:
Anarchie!: Idee - Geschichte - Perspektiven

oder das:
Achim von Borries, Ingeborg Weber-Brandies
Anarchismus - Theorie, Kritik, Utopie
graswurzelverlag

Oder hat mir jemand einen anderen Tipp?
merci

also, strohwasser und Standardwerk...
nur weil es ein Dicker schinken ist, ist´s noch lange kein Standardwerk,...

und vom anderen hab ich noch nie gehört.

Allerdings gibt es den Anarchismus ja bekanntlich nicht. Standardwerke wären höchstens die alten Sachen (bakunin und so zeugs), weil die fast von jeder sich anarchistisch nennenden Richtung gelesen werden...

_________________
"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
24. August 2011, 03:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Käptn Kiff



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Beiträge: 1069

Beitrag Antworten mit Zitat
das wird auch gerne als standardwerk des anarchismus gelobt:

http://www.anarchismus.at/txt2/berkman.htm

_________________
argumentum ad baculum
24. August 2011, 21:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beiträge: 1498

Beitrag Antworten mit Zitat
Anarchismus ist nun halt ein einigermassen schwammiger Begriff. Da fallen soviele unterschiedliche Strömungen darunter, die sich teilweise widersprechen und nichts miteinander zu tun haben (wollen).
Ich würde dir empfehlen dich mit einer doch ziemlich vernünftigen Richtung des Anarchismus auseinanderzusetzen: Mit dem Anarchosyndikalismus, der immerhin einen Klassenbegriff besitzt, der auf kollektive Formen setzt und der die Selbstermächtigung der Arbeiterklasse zum ziel hat. Gleichzeitig gibt es aus meiner Warte einiges am Anarchosyndikalismus zu krisieren, aber du hast ja erstmal bloss nach einem Standartwerk gefragt. Schau dir mal folgendes von Rudolf Rocker an:
http://www.scribd.com/doc/29191005/Rudolf-Rocker-Anarcho-Syndikalismus-1937

_________________
Power to the Pöbel!
24. August 2011, 22:26 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Beiträge: 167
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Beitrag Antworten mit Zitat
Muoit hat Folgendes geschrieben:
Schau dir mal folgendes von Rudolf Rocker an:

wieso denn ausgerechnet der?
weil ich es hier ja mit vielen Marxisten zu tun habe, könnte ich mal auf einen historischen Konflikt im deutschsprachigen Bereich hinweisen, die gerade für euch interessant wäre:
Rudolf Rocker, seines Zeichens so´n toller oberlehrer, fühlte sich während dem 2. Weltkrieg genötigt, Partei für die Alliierten zu ergreifen (der erste antideutsche? alcoholic ), um, als guter antifaschist, für "das Ende" des Faschismus auch noch die grösste "Klassenkollaboration" einzugehen. So rief er nach dem 2. Weltkrieg die deutschen auch noch dazu bei "die Gesellschaft" wieder aufzubauen. Und zwar im schlimmsten Sinne, nämlich: wiederaufbau der Gesellschaft wie sie vorher bestand, "kommunal selbstverwaltet" minus Faschismus versteht sich (vielleicht ein nicht zu unterschätzender vorläufer der heutigen Antifa wie sie ihr unwesen treibt).
Nun denn. alles recht unspannend (sogar für mich). Aber: zwar widersprach fast keiner, alle schienen sich mit diesem historischen Klassenkompromiss, wie ihn ja auch Syndikalisten in anderen Ländern machten, abzufinden, doch einer der widersprach sollte, vor allem für euch, als Marxisten die sich nicht im Widerspruch mit dem Anarchismus sehen, interessant sein, nämlich JOHN OLDAY. Dieser widersprach Rudolf Rocker auf´s Schärfste, hatte (wie du das dem Rudi fälschlich unterstellst) einen klaren "Klassenstandpunkt", war in England gerade gegen dass hiesige Miltär (auf dessen seite sich rudi stellt) am agitieren, und schrieb einen ganz schönen Text gegen die Kriegspropaganda Rockers.
Das spannende daran ist: John Olday propagierte einen MARXISMUS-ANARCHISMUS, bezichtigte die andern anarchos Marx nicht zu verstehen... Er wollte einen anarchistischen Spartakusbund aufbauen, worin der Lenin durch den Bakunin ersetzt werden soll, etc...
Es wäre natürlich spannend das ganze zeug von dem auszugraben, ich finds allerdings nirgens (Auszüge gibts in "Anarchismus in Deutschland I")... da eine sehr klare überschneidung von Anarchismus und Marxismus (sogar wörtlich), und zwar nicht aus dem aktivistischen Milieu des 21.Jhr...

Übrigens gab es viele Anarchisten mit klaren Klassenstandpunkt auch wenn vielleicht der Begriff Proletariat nicht bloss die Industrie-Arbeiter bezeichnete, sondern halt entweder "Die Armen" oder das Proletariat mehr im Sinne der Ausgeschlossenen (halt jenseits der Definiererei, die eh nur dafür gut ist, neue Schulen zu begründen). Dass ist natürlich nicht marxistisch. Den marxschen Klassenbegriff haben wohl eher die Syndikalisten übernommen, und zwar via dem verhängnisvollen Georges Sorel, der den Klassenkampf als pure Essenz Marxens extrahieren wollte, und dem der Mythos dann als perfekter Kampfantrieb galt, perfekt für alles, Hauptsache Klasse gegen Klasse, und zwar Klassenkampf als ewiger Konflikt innerhalb der Gesellschaft, von der er kein jenseits kennt...

Zum Hauptthema:
Den Anarchismus gibt es nicht, Standardwerke sind verschieden.
Eine "subjektive Grundlage" wäre:
Max Stirner - Der Einzige und sein Eigentum
Ganz ok ist auch Erich Mühsam - Befreiung der Gesellschaft vom Staat...
Bakunin wie gesagt,
Kropotkin
das ist so der Fame, was noch nichts über die Qualität aussagt...
Edit: und natürlich auch der Rudi, der trotz allem auch besseres geschrieben hat (z.B. "Nationalismus und Kultur") und nicht nur Kriegs- und Syndikalisten-Propaganda...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
24. Dezember 2012, 06:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rude e
Mad Dog


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Beiträge: 251

Beitrag Antworten mit Zitat
Errico Malatesta habe ich auch noch gerne gelesen.

@ behemoth

Du fragst, bezüglich Rocker:
Zitat:
wieso denn ausgerechnet der?

Und antwortest selbst:
Zitat:
und natürlich auch der Rudi, der trotz allem auch besseres geschrieben hat (z.B. "Nationalismus und Kultur") und nicht nur Kriegs- und Syndikalisten-Propaganda...

Natürlich ist auch ein Rocker kritisch zu betrachten (wie auch Marx, Kropotkin und Kurt Aeschbacher). Mich erstaunt, dass Dich das so aggressiv macht. Merry Christmas beer

_________________
Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison. In diesem Jahr hat es mir einer verboten. Aber ich lasse mir nichts verbieten. Ich werde tanzen, und zwar mit einer wundervollen Partnerin.

Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet Ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann.
24. Dezember 2012, 11:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Beitrag Antworten mit Zitat
rude e hat Folgendes geschrieben:

Natürlich ist auch ein Rocker kritisch zu betrachten (wie auch Marx, Kropotkin und Kurt Aeschbacher). Mich erstaunt, dass Dich das so aggressiv macht. Merry Christmas beer

nja, war eigentlich nicht aggressiv^^
Aber der Rudi ist schon problematisch, und der syndikalismus erst recht...
Was man allerdings von Aeschbacher nicht behaupten kann, der ist über jeden zweifel erhaben...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
24. Dezember 2012, 12:46 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Beitrag Antworten mit Zitat
Inzwischen müsste man wohl auch "Der Kommende Aufstand" als anarchistisches Standardwerk aufzählen... kaputt

Was sich aber wirklich zu lesen lohnt, auch aus historischem Interesse, ist "Durruti" von Abel Paz.

_________________
Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
24. Dezember 2012, 12:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



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Beitrag Antworten mit Zitat
alles pillepalle, the one and only modern anarcho-standardwerk ist doch ganz klar "die befreiung der gesellschaft vom staat" von mühsam!

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"Es wird immer schwerer, normal zu sein"
24. Dezember 2012, 13:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Beitrag Antworten mit Zitat
behemot: man muss ja nicht anarchosyndikalist sein, um einfach festzuhalten, dass die auch ganz vernünftige sachen geschrieben haben (kroptokin hat sich übrigens für die beteiligung der anarchisten im 1. WK ausgesprochen, aber auch er hat wie rocker gute bücher geschrieben und war zweifelsohne eine wichtige person des sozialrevolutionären milieus).

die kategorie "marxistInnen" trifft für die forumsbenutzer hier glaub ich grösstenteils nicht zu. auch hier gilt: man kann marx lesen und seine analyse&kritik für schlüssig befinden, aber das marxsche werk lässt sich, wie ich finde, nicht einfach auf einen "marxismus" runterbrechen. mit der beschreibung von john olday (den ich bis jetzt nicht kannte), hast du diesen gedanken ja bereits angeschnitten. johannes agnoli beispielsweise hat ähnliches formuliert. ich finde es deshalb auch etwas schwierig, "anarchistische klassiker" aufzulisten. die antiautoritären kommunistischen tendenzen (die meist marginal waren/sind), lassen sich eben genausowenig monolitisch begreifen, wie "der anarchismus" selbst und der orthodoxe marxismus und anarchismus tauchen heute, soweit ich das sehe, nur noch in quasireligiösen politsekten auf. die sprengkraft sozialrevolutionärer theorie liegt m.e. im zusammenkommen der marxschen kritik der politischen ökonomie und der betonung selbstorganisierter prozesse und staatskritik "anarchistischer theoretiker", wobei ich auch hier weder marx auf seine kritik der politischen ökonomie, noch "die" anarchisten auf selbstorganisation und staatskritik reduzieren, sie als erstmal getrennte einheiten oder absolut wahr bezeichnen möchte.

ps: hast du mal den text "wenn die aufstände sterben" von gilles dauvé gelesen? der behandelt den von dir genannten widerspruch des antifaschismus sehr eingängig.

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
24. Dezember 2012, 14:07 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beitrag Antworten mit Zitat
Behemot: Sag doch lieber, was am als Standartwerk empfohlenen Buch nicht gut ist, dann kann ich dir vielleicht auch zustimmen. Aber so auf die Person abzuzielen, um ein Buch schlecht zu machen, das halt ich für verkehrt beziehungsweise ist mehr Geraune als Kritik, auch wenns auf die Person zutreffen mag.

Übrigens: Einer der Lenin durch Bakunin ersetzen will, den halte ich jetzt auch nicht für besonders interessant aus einer sozialrevolutionären Perspektive.

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Power to the Pöbel!
24. Dezember 2012, 18:50 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Beitrag Antworten mit Zitat
Savo hat Folgendes geschrieben:
die kategorie "marxistInnen" trifft für die forumsbenutzer hier glaub ich grösstenteils nicht zu. (...)

Naja... die Kategorie halte zumindest ich für angemessen, aber ist ja egal... War mir schon klar, dass das den wenigsten taugt... Brauch den Begriff, weil der libertäre/antiautoritäre Kommunismus ja nicht per se einen Bezug auf Marx hat... Und weil ja die Rätekommunisten marxscher Tradition (auch wenn nicht Marxisten), den Syndikalismus immer zurecht kritisiert haben...

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Behemot: Sag doch lieber, was am als Standartwerk empfohlenen Buch nicht gut ist, dann kann ich dir vielleicht auch zustimmen. Aber so auf die Person abzuzielen, um ein Buch schlecht zu machen, das halt ich für verkehrt beziehungsweise ist mehr Geraune als Kritik, auch wenns auf die Person zutreffen mag.


...Und deshalb kam's mir strange rein, einen Text der den Anarchosyndikalismus als ultimative Konsequenz des Anarchismus dar, und dessen letzter Drittel bloss eine Schwärmerei auf den spanischen Antifaschismus, die Kollektivierungen, die Ach so tolle Produktivität während dem Krieg, CNT-FAI, etc ist... Kurz, die normallangweilige historische Verblendung der Syndikalisten...

Das ist der Grund, wie so es als Standartwerk des Anarchismus nicht taugt, weil es EINE Strömung als dessen Konsequenz behauptet (zugegeben, natürlich liegt's daran das mir die Strömung auch nicht passt, aber ich hab hier ja auch nicht Bonanno als Standartwerk vorgeschlagen)... Übrigens war es nicht meine Absicht Rudi schlecht zu machen, sondern eigentlich nur mich mitzuteilen über ein Thema, das a) so kaum bekannt ist, und b) ich glaubte dass es dich/euch interessieren könnte... Ein Grund zu schreiben war auch, dass du den Anarchisten allgemein die Abwesenheit eines Klassenbegriffs unterstellt hast (wobei ich das im letzten artikel von mir gesagte zum thema auch nicht so unterschreiben würde)... Und auch, weil dieser Text kein Standartwerk IST, weil er diesen Einfluss meines wissens nicht hat...
Hab halt ma angefangen zu schreiben, und war, zu meinem Schutz, übrigens noch übelst verpennt... Schreib so Sachen meist aus einer sinnlosen Laune, und nicht aus sonderlich genialen Beweggründen^^

Muoit hat Folgendes geschrieben:
Einer der Lenin durch Bakunin ersetzen will, den halte ich jetzt auch nicht für besonders interessant aus einer sozialrevolutionären Perspektive.

Nja, so wie ich's geschrieben hab, ist's wirklich nicht grad ne interessante Sache. Genauer: Er übernahm ja für seinen anarchistischen Spartakusbund (logischerweise) gewisse Elemente von Rosa Luxemburg, die ja (so viel ich weiss) Lenins Staatstheorie übernahm. Da der John ein Anarchist war, wollte er diese nun durch Bakunins Föderalismus (oder so) ersetzen... So ungefähr... Zumindest eben antistaatlich...
Ich weiss halt auch nicht wie gut der John Olday ist, da mir vielleicht eine Seite Primärliteratur zugänglich ist, und der Rest sekundär...


Savo hat Folgendes geschrieben:

ps: hast du mal den text "wenn die aufstände sterben" von gilles dauvé gelesen? der behandelt den von dir genannten widerspruch des antifaschismus sehr eingängig.

"when insurrections die" ist mir lustigerweise grade gestern wieder mal untergekommen... leider auf englisch... schon nicht schlecht... berührt ziemlich genau die Thematik...

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
26. Dezember 2012, 16:30 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Savo



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Beiträge: 3051

Beitrag Antworten mit Zitat
ganz kurz:

Zitat:
Rosa Luxemburg, die ja (so viel ich weiss) Lenins Staatstheorie übernahm.


das stimmt so nicht ganz. einerseits hat luxemburg tatsächlich keine neue staatstheorie formuliert, aber lenins konzeption von staat, partei und imperialismus zum beispiel in ihrer posthum veröffentlichten schrift "die russische revolution" oder in ihrem zentralen werk "die akkumulation des kapitals" kritisiert.

Zitat:
"when insurrections die" ist mir lustigerweise grade gestern wieder mal untergekommen... leider auf englisch...


die (gekürzte) deutsche fassung findest du hier: http://www.wildcat-www.de/zirkular/50/z50dauve.htm

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"Komplettere Esel als diese Arbeiter gibt es wohl nicht." (Marx)
26. Dezember 2012, 18:35 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Beiträge: 1498

Beitrag Antworten mit Zitat
Es ist ja nicht so wichtig, dass ich explizit darauf hingewiesen habe, dass es sich um einen Text über den Anarchosyndikalismus - den ich auch noch als kritisierenswert charakterisiert habe - gehandelt hat. Für deine schriftstellerichen Eskapaden reicht es durchaus, auch wenn es wenig bis gar nichts trifft. Zumindest tust du so.

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Power to the Pöbel!
27. Dezember 2012, 07:34 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wirken die II



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Beiträge: 208

Beitrag Antworten mit Zitat
Die Ausführungen von Behemoth finde ich sehr interessant und JOHN OLDAY ist auch ein äusserst interessanter Internationalist, von denen es allgemein vor und während dem 2. Weltkrieg nur noch wenige gab. Ein Beispiel ist Rocker, der vor dem 2. Weltkrieg kapitulierte, nachdem er noch während dem 1. Weltkrieg gegen Kropotkin stark polemisierte, weil dieser seinen internationalistischen Standpunkts zeitweilig aufgab. Die tiefe Wirtschaftskrise steigerte die Demoralisierung der Arbeiterklasse noch zusätzlich und viele Intellektuelle wie Brecht oder der franz. Intellektuelle Romain Rolland, die eine Ausnahme waren, indem sie noch vor dem 1. Weltkrieg eine internationalistische Position einnahmen, haben sich dem stalinschen Diktat gefügt, die eine Seite der Weltkriegspartei mit all seinen Wendungen zu unterstützen.
Andere wie Vercesi, der ein Führer der italienischen Kommunistischen Linken war, welche eine der Strömungen war, die am Konsequentesten die internationalistischen Prinzipien aufrechterhielten, hat sich noch während dem Krieg dem roten Kreuz zugewandt, weil er davon ausging, dass es keine Arbeiterklasse in einer solchen Situation mehr geben kann.
Ich denke es ist wichtig, die jeweiligen Texte z.B. von einem Rocker in seinem historischen Kontext zu lesen, da er m.E. vor dem 1. WK und während der revolut. Phase 1917–23 nicht die gleichen Positionen vertrat, wie später vor dem 2. WK und danach. Shit happens. Er ist aber auch nicht der einizige, wie uns die Geschichte lehrt. Um so erfreulicher für mich, von weiteren internationalistischen Genossen zu hören, wie der Anarchist JOHN OLDAY, auf den ich bisher nicht gestossen bin. Auch wenn ich mich als Marxisten sehe, so gehe ich nicht davon aus, dass nur Marxisten Klassenpositionen innehaben. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Hinweise, was es für anarchistische Klassiker es gibt, die Klassenpositionen auch während und nach dem 2. Weltkrieg vertreten.

Zur Würdigung des (deutschen) Anarchosyndikalismus siehe auch die Serie in der Internationalen Revue: Syndikalismus in Deutschland, Teil 3: Die syndikalistische FVDG im Ersten Weltkrieg
http://de.internationalism.org/node/2203#_ftnref4
30. Dezember 2012, 12:47 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Doc Sportello



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Beitrag Text zu John Olday Antworten mit Zitat
Interessanter Text über John Olday, definitiv einer meiner Lieblingsanarchisten!

http://darkernet.in/secret-anarchists-4-john-olday/

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
25. Juni 2013, 18:01 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Doc Sportello



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Beitrag Anarchismus und Christentum Antworten mit Zitat
Finde keinen passenderen Thread und bin zu faul, einen zu kreieren, drum tu ich das einfach mal hier rein. Ein Interview der anarchosyndikalistischen Zeitschrift "Direkte Aktion" mit zwei Typen, die ich nicht kenne und die über Anarchismus und Christentum erzählen. Sie finden die Marxsche Religionskritik irgendwie zu krass, denn sie greift nicht nur institutionelle religiöse Herrschaft an, sondern die Religion an und für sich. Ein Schelm, der denkt, dass sie sie es als Kritik ihrer eigenen idealistischen Neigungen verstehen und deshalb als Wegbereiter eines Marxismus(-Leninismus) verstehen, der nun mal halt nicht so "volksnah" ist wie der Anarchismus. Ihre Lobrede auf den (anarchistischen) Idealismus ist trotzdem sehr fundiert und durchaus lesenswert: http://www.direkteaktion.org/218/opium-als-impulsgeber

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
15. August 2013, 00:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
O.B.M.F



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Beitrag Re: Anarchismus und Christentum Antworten mit Zitat
Doc Sportello hat Folgendes geschrieben:
Finde keinen passenderen Thread und bin zu faul, einen zu kreieren, drum tu ich das einfach mal hier rein. Ein Interview der anarchosyndikalistischen Zeitschrift "Direkte Aktion" mit zwei Typen, die ich nicht kenne und die über Anarchismus und Christentum erzählen. Sie finden die Marxsche Religionskritik irgendwie zu krass, denn sie greift nicht nur institutionelle religiöse Herrschaft an, sondern die Religion an und für sich. Ein Schelm, der denkt, dass sie sie es als Kritik ihrer eigenen idealistischen Neigungen verstehen und deshalb als Wegbereiter eines Marxismus(-Leninismus) verstehen, der nun mal halt nicht so "volksnah" ist wie der Anarchismus. Ihre Lobrede auf den (anarchistischen) Idealismus ist trotzdem sehr fundiert und durchaus lesenswert: http://www.direkteaktion.org/218/opium-als-impulsgeber


Diese lustige Sherlock Holmes - Sendung, von der im Interview die Rede ist, findet sich übrigens hier.

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Wenn ich dabei tanzen muss, ist es nicht meine Revolution.
15. August 2013, 08:18 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rude e
Mad Dog


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Beiträge: 251

Beitrag Antworten mit Zitat
Bin gerade zu faul, alles noch einmal durchzulesen. Aber hier die Übersetzung zu Olday. Krasses Leben hatte der.

Zitat:
Geheime Anarchisten: Nr. 4 John Olday

John Olday war eine bekannter Künstler und Karikaturist. Er nahm auch an anarchistischen Guerilla-Aktionen nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland teil und war überdies ein Spion, der Informationen an den antinazistischen Untergrund weiterreichte. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs flüchtete er aus Deutschland, als die Gestapo hinter ihm her war, und zog nach Grossbritannien, wo er für die Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA) arbeitete und Redakteur bei der Zeitschrift „Freedom“ wurde. Nach dem Krieg spielte er eine Schlüsselrolle in der Wiederbelebung der revolutionären anarchistischen Gruppe in ganz Deutschland. In späteren Jahren half er mit, die britische anarchistische Zeitung „Black Flag“ herauszugeben und produzierte Material für die IWW. Erst nach seinem Tod wurde das volle Ausmass von Oldays revolutionären Aktivitäten in Deutschland, Grossbritannien und anderen Teilen Europas ersichtlich.


(Hinweis: In dieser Serie bezeichnet der Begriff „geheimer Anarchist/geheime Anarchistin“ a) jemanden, der oder die Anarchistin oder Anarchist war, ohne dass dies bekannt gewesen wäre, b) jemanden, die oder der im Geheimen mit Anarchistinnen und Anarchisten gearbeitet hat oder c) jemanden, der oder die als Anarchist oder Anarchistin bekannt war, wobei das volle Ausmass seiner oder ihrer Tätigkeit jedoch erst postum bekannt wurde.)

John Arthur William Olday wurde 1905 als unehelicher Sohn einer Deutschen und eines Schotten in London geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in New York, wohin seine Mutter nach seiner Geburt gezogen war. Und als sie 1913 Deutschland besuchte, liess John dort bei ihrer Mutter. John verbrachte dann fast seine ganze Kindheit im Gebiet des Hamburger Hafens. Schon sehr früh lernte er dort die sozialrevolutionären Ideen kennen, die unter Hamburgs Matrosen und Dockarbeitern verbreitet waren.

1916 beteiligte sich der elfjährige Olday Mitten im Ersten Weltkrieg an den Hungeraufständen in Hamburg. Zwei Jahre später schloss er sich den Matrosen- und Arbeiteraufständen an, wobei er dafür zuständig war, für den Munitionsnachschub einer spartakistischen Maschinengewehrstellung zu sorgen. Nach der vernichtenden Niederlage dieses jahrelangen Kampfes musste Olday in letzter Minute flüchten, und konnte so der Verhaftung und der sicheren Hinrichtung knapp zu entgehen.

Guerillatätigkeit und Spionage

Als er in den frühen 1920ern als Agitator für die „Kommunistische Jugend“ tätig wurde, befasste sich Olday mit den Plünderungen durch hungernde Leute, die unter den fortgesetzten Lebensmittelrationierungen litten. Olday wurde jedoch aufgrund seines „anarchistischen Abweichlertums“ ziemlich schnell aus der „Kommunistischen Jugend“ geschmissen. Kurz darauf wurde er zu einem Mitglied der „Anarcho-Spartakisten“. Er kämpfte während der Arbeiteraufstände im Oktober 1923, die blutig unterdrückt wurden, in einem ihrer Guerilla-Trupps. Während des nächsten Jahres war er im Ruhrgebiet aktiv, die wichtige Minen- und Industrieregion im Westen Deutschlands, die zu dieser Zeit französisch besetzt war. Als revolutionärer Anarchist agitierte er für den Neuaufbau der Arbeiterinnen- und Arbeiterrätebewegung.

1925 und während der nächsten paar Jahre zog sich Olday aus der revolutionären Bewegung zurück, um seine Energien primär dem künstlerischen Schaffen zu widmen. Aufgrund seines aussergewöhnlichen Zeichentalents avancierte er rasch zu einem bekannten politischen Cartoonist und expressionistischen Künstler. Seine sozialkritischen Theaterstücke, die in Hamburger Kabaretts aufgeführt wurden, brachten ihm ebenfalls Bekanntheit. Während dieser Periode investierte er seine Zeit vollständig in die Kariere als Graphiker und Autor.

Die Kontakte zu seinen spartakistischen Freundinnen und Freunde baute er zu einem Zeitpunkt kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten (NSDAP) im Jahre 1933 wieder auf. Er illustrierte für sie Flugblätter mit sehr schneidenden Anti-Nazi-Karikaturen. Nach 1933 setzte er die Arbeit mit jenen sozialrevolutionären Aktivisten und Aktivistinnen fort, die noch nicht von den Faschistinnen und Faschisten verhaftet worden waren. Eine Aufgabe seiner Genossinnen und Genossen war es, Oldays Illustrationen und ihre Texte zu verkleinern. Auf diese Weise konnten die viel kleineren revolutionären Traktate unbemerkt über die deutsche Post verschickt werden, getarnt als Gebrauchsanweisungen für die mitgeschickten Küchengeräte.

Zur selben Zeit gab sich Olday als exzentrischer schwuler Künstler aus. Dies verschaffte ihm Zugang zu den obersten Zirkeln der Hamburger NSDAP. So kam er an Informationen aus erster Hand, die er an den antinazistischen Untergrund weiterleiten konnte. Er konnte damit Genossinnen und Genossen rechtzeitig vor bevorstehenden Verhaftungen warnen. Zahlreiche Freundinnen und Freunde konnte er so vor dem schier unvermeidbaren Tod in den Konzentrationslagern retten.

Aktivitäten im Untergrund

Oldays Popularität als Satiriker und seine engen Kontakte zu führenden Hamburger Nazis, die den Anschein künstlerischer Freiheit in Hitlers Deutschland aufrechterhalten wollten, ermöglichten es ihm, seine Arbeit in diesem Land fortzusetzen. Das ging bis 1938, als die politische und intellektuelle Repression ein Ausmass erreichte, das es Olday nicht länger erlaubte, in Deutschland zu bleiben. Also flüchtete Olday, eine Gestapo-Kommando auf den Fersen, das ihn verhaften wollte, nach Grossbritannien, wo er schnell gute Kontakte zu Antikriegsaktivistinnen und Aktivisten fand. 1939 halfen ihm diese, eine Sammlung seiner Zeichnungen unter dem Titel „Das Königreich der Lumpen“ zu veröffentlichen. In seinem kantigen Zeichenstil vermittelte er der britischen Öffentlichkeit eindrücklich den Horror des Naziregimes, und half damit, die Natur des deutschen Faschismus zu offenbaren. Neben seinem Zeichentalent stellte er sein aussergewöhnliches Organisationstalent in den Dienst des Kampfes gegen den bevorstehenden Krieg.

Er ist ebenfalls dafür bekannt, dass er mitgeholfen hat, die Versenkung eines deutschen Munitionsschiffes vor der Küste Hollands zu koordinieren. Weiter plante er das Attentat auf einen jüdischen Nazikollaborateur in Antwerpen. Bisweilen unternahm Olday Reisen nach Paris und arbeitete dort mit Rätekommunisten im Exil. Sie entwarfen einen „Ruf an die deutschen Arbeiterinnen und Arbeiter“, der über Radio Strassburg im deutschsprachigen Programm gesendet wurde. In Erinnerung an den erfolgreichen passiven Widerstand vor allem der Kohleminenarbeiter im Rheinland während der französischen Besetzung nach dem Ersten Weltkrieg, rief Olday die Arbeiterinnen und Arbeiter dazu auf, ähnliche Methoden, inklusive Sabotage, anzuwenden, um die Maschinerie der Nazis aufzuhalten.

Im Zusammenhang dieser Aktivitäten heiratete Olday, ohne dass sogar seine engsten Freundinnen und Freunde etwas davon gewusst hätten, die anarchistische Revolutionärin Hilde Monte (siehe „Geheime Anarchistin“ Nr. 3), die als deutsche Jüdin einen britischen Pass und eine neue Identität brauchte. Monte und Olday hatten sich drei Jahre zuvor kennengelernt, bei den Vorbereitungen zu einem schlussendlich missglückten Bombenattentat auf Adolf Hitler in einem Münchner Bierpalast... Olday erklärte die Heirat seinen Genossinnen und Genossen damit, dass er Monte mit seiner britischen Staatsbürgerschaft vor einer möglichen Deportation zurück nach Deutschland schütze. Hilde Montes politische Arbeit beinhaltete die Chefredaktion für mehrere deutschsprachige Veröffentlichungen und Unterstützung des jüdischen Untergrundes in von der deutschen Armee besetzten Gebieten. 1944 beendete sie gerade einen Auftrag als Kurierin, als sie an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz von einer SS-Patrouille aufgegriffen und exekutiert wurde. Ein Museum in Israel trägt heute ihren Namen.

Aktivitäten gegen den Krieg

Mit dem Eintritt Grossbritanniens in den Zweiten Weltkrieg 1940 beschloss die Regierung die allgemeine Wehrpflicht. Olday musste dieser patriotischen Pflicht ebenfalls nachkommen. Er hätte als Pionier Dienst leisten müssen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, bevor er in den imperialistischen Krieg geschickt wurde, zu desertieren. Dank der Unterstützung von Anarchistinnen und Anarchisten der „Freedom“-Gruppe, die ihn mit falschen Papieren ausstatteten, gelang es ihm, bis 1944 unentdeckt zu bleiben. Während dieser Jahre steckte er all seine Energie in den antimilitaristischen Kampf. 1942 wurde er Mitglied der Redaktion des „War Commentary“. Er behielt den Posten als Redakteur bei, als 1945 die neue Zeitrschrift „Freedom“ aus dem „War Commentary“ heraus entstand. In all den Jahren zeichnete Olday – der mit „xxx“ unterschrieb – politische Cartoons und Karikaturen, deren Satire immer wie bitterer wurde, je mehr der Krieg wütete.

Olday schrieb zusammen mit Marie Louise Berneri und Vernon Richards (beide waren als libertäre Aktivistinnen und Aktivisten bekannt) eine alle zwei Wochen erscheinende Flugschrift für die Soldatinnen und Soldaten der britischen Armee. Ganz in der revolutionären antimilitaristischen Tradition argumentierte Olday in diesem Flugblatt für die Errichtung von Arbeiterinnen- und Soldatenräte, ähnlich jenen, für die er in den meuterischen Aufständen in Hamburg nach dem Ersten Weltkrieg gekämpft hatte. Für Olday lag das Ziel der Macht dieser Räte in der libertär-kommunistischen Neuorganisierung der Gesellschaft. Diese Propaganda, die gut geplant war und weit verbreitet wurde, hatte einen wahrnehmbaren Effekt auf die Arbeiterinnen und Arbeiter in den britischen Kriegsindustrien. Natürlich verstimmte das die Regierung ziemlich. Schon bald wurde eine wachsende Anzahl von militanten Anarchistinnen und Anarchisten verhaftet. Glücklicherweise verhinderte eine kaum zu erschütternde Solidarität, dass mehr als ein paar Sabotageakte bewiesen werden konnten.

Während des Krieges versuchte Olday, den wenigen Sozialrevolutionärinnen und Revolutionären zu helfen, die in Hamburg im Untergrund das deutsche Regime bekämpften. Er unterstützte den Fluss von Informationen und Vorräten nach Hamburg mit Hilfe von Mitgliedern der anarchosyndikalistischen „Internationalen Arbeiter Assoziation“. Dabei handelte es sich um skandinavische Matrosen und Angehörige der Handelsmarine, deren Arbeit sie auch während des Krieges in die deutschen Häfen führte. Olday lieferte stetig Zeichnungen und Gedichte für ihre Zeitung, den „Industrial Worker“. Kontakte, die in diesem Zusammenhang geknüpft wurden, erwiesen sich für ihn später als sehr wertvoll.

Dank der Rückendeckung von seinen Freundinnen und Freunden von der „Freedom“-Gruppe und seinen Genossen und Genossinnen der IAA war es Olday möglich, im Jahre 1943 eine zweite Sammlung von politischen Zeichnungen zu veröffentlichen, unter dem Titel „Der Marsch des Todes“. In seinem charakteristischen scharfen Zeichnungsstil desmaskierte er die Gemeinsamkeiten zwischen den herrschenden Mächten – ob sich diese nun eine kapitalistische, imperialistische, faschistische oder „sozialistische“ Fassade verpassten – in der Unterdrückung „ihrer“ Bevölkerung. Ohne überflüssige Details zeigte er in einundvierzig Bildern nicht nur die vergleichbaren Mechanismen staatlicher Manipulationen in den verschiedenen politischen Machtsystemen, sondern auch die daraus folgenden Konsequenzen: beinahe nicht zu vermeidende kriegsähnliche Konflikte, die sich für die Bevölkerung in einen „Marsch des Todes“ verwandelten. Innerhalb von eineinhalb Jahren wurden zehntausend Exemplare vom „Marsch des Todes“ verkauft, eines unübertroffenen Klassikers anarchistischer antimilitaristischer Propaganda...

Kriegsgefangenenarbeit

... 1944 wurde Olday schliesslich geschnappt, als er versuchte, eine Schreibmaschine für die „Freedom“-Gruppe zu beschaffen. Obwohl schnell bewiesen werden konnte, dass der Verdacht auf Diebstahl falsch war, konnte Oldays wahre Identität nicht geheim gehalten werden. Er wurde im Januar 1945 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, schuldig des „Diebstahls und betrügerischen Gebrauchs eines Ausweises“. Nachdem er acht Monate abgesessen hatte, wurde er frühzeitig entlassen. Sofort wurde er vom Militär in ein Gefangenenlager gesteckt, wo er zwei weitere Jahre wegen Fahnenflucht abzusitzen begann... Dank einer grossen öffentlichen Kampagne, und mit der Hilfe ihm wohlwollender Leute wie Herbert Read, George Orwell und George Woodcock, gelang es Oldays Freundinnen und Freunden von der „Freedom Press“-Verteidigungs-Kampagne ihn schon nach nur drei Monaten freizukriegen.

Ausgehend von seinen Kontakten zu deutschen Kriegsgefangen, die in Grossbritannien festgehalten wurden, initiierte Olday den Aufbau einer neuen revolutionären Propagandaorganisation, der „Internationalistischen Bakunin-Gruppe“ (IB-G), mit dem Ziel, die anarchistische Strömung wieder zu beleben, speziell auch in Deutschland. Das war im August 1946. Die erklärten Ziele waren „die Zerstörung alles Staatlichen in jeglicher Form; und die Errichtung eines nichtautoritären Gemeinwesens, ausgehend von einem System der Arbeiterinnen- und Arbeiterräten und kommunalen Versammlungen.“

Die IB-G zog eine Lektion aus dem Zusammenbruch der Gewerkschaften und linken Parteien angesichts des Nazismus 1933: „Der Klassenkampf kann nur individuell und in kleinen Gruppen vorangetrieben werden, da wahre revolutionäre Massenorganisationen weder vom Staatskapitalismus noch vom Staatssozialismus toleriert würden.“ Olday wurde die Aufgabe übertragen, die organisatorischen Voraussetzungen für eine Ideen-und-Aktionen-Kampagne in den englischen Lagern für deutsche Kriegsgefangene zu entwickeln. Er liess nicht nur Flugblätter und Broschüren in die Lager schmuggeln, sondern half auch mit, kleine, miteinander durch Kuriere verbundene anarchistische Gruppen aufzubauen. Die Arbeit ging so gut voran, dass es um 1947 vielen bekannten Anarchistinnen und Anarchisten möglich war, vor den Gefangenen zu sprechen, unter dem Vorwand, dass sie ein Erziehungsprogramm zum richtigen Gebrauch demokratischer Mittel für undemokratische Deutsche präsentierten.

Die Deutschen Gefangenen sollten 1948 aus den Lagern entlassen werden. Olday entwickelte einen Plan, die agitatorische und erzieherische Arbeit der IB-G auszuweiten. Er schlug vor, dass die deutsche anarchistische Strömung mittels eines Systems von „drei-bilden-eine-Gruppe“ neu entstehen könnte. Die Idee war, dass drei deutsche Anarchistinnen und Anarchisten eine klandestine Gruppe formieren, mit dem Ziel „wie Maulwürfe an den Wurzeln des Staates zu nagen“. Er ging davon aus, dass es für jeden Anarchisten und jede Anarchistin ziemlich einfach sein sollte, zwei sympathisierende Genossinnen und Genossen zu finden, woraus sich dann eine zweite Generation von Gruppen herausbilden täte und so weiter. Er fand, dass der „Anarchismus auf diese Weise wie ein stämmiger Baum wachsen und das Fundament des Staates spalten wird“. Aus ihrer kompromisslosen revolutionären Betrachtungsweise und „einer unbeugsamen Ablehnung gegen alle halbbatzigen Massnahmen“ heraus unterstützte die IB-G diese Politik des Arbeitens in kleinen, klandestinen Gruppen. Sie lehnte jede Art der Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen als reformistisch ab. Olday wurde beauftragt, die neue deutsche Sektion der IB-G zu betreuen.

Deutschland und Rudolf Rocker
Der Erfolg der britischen anarchistischen Propagandaarbeit zeigte sich kurz nach der Repatriierung der Kriegsgefangenen nach Deutschland. In einem illegalen Manifest rief die deutsche IB-G die hungernde Bevölkerung dazu auf, sich dem Aufbau revolutionärer Räte anzuschliessen. Olday schickte aus London ein regelmässig erscheinendes Informationsbulletin, das Vorschläge enthielt, die von Mietstreiks bis zum Konsumentinnen- und Konsumentenboykott reichten. Weil ihm unglücklicherweise gewisse spezifische Informationen zur direkten Situation in Deutschland entgingen, trafen seine Vorschläge nicht wirklich ins Schwarze und es gelang ihnen nicht, auf anhaltende Resonanz zu stossen. Aber schon bald sollte sich eine neue Möglichkeit für den Ausdruck seiner sozialrevolutionären Konzepte auftun.

Im kriegszerstörten und in der Zwischenzeit geopolitisch geteilten Deutschland waren die wenigen überlebenden Genossinnen und Genossen mit einer Atmosphäre der kompletten sozialen Verzweiflung und des Verlustes von Perspektiven konfrontiert. Rudolf Rocker war einer der wenigen, die es geschafft hatten. Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg war er einer der führenden militanten Anarchosyndikalisten der „Freien Arbeiter-Union Deutschland“ (FAUD). Auf Geheiss seiner Freundinnen und Freunde verfasste er die Broschüre „Zur Betrachtung der Lage in Deutschland. Die Möglichkeiten einer freiheitlichen Bewegung“. Sein Hauptanliegen war die Frage nach einem Neuerwachen des Anarchismus in Deutschland. Er ging davon aus, dass dieses von einem Verständnis für die übriggebliebenen libertären Aktivisten und Aktivistinnen und der Erhaltung des historischen und theoretischen Erbes des libertären Sozialismus abhing. Rockers zentrales Thema betraf den Wiederaufbau von Deutschland nicht nur von seiner ökonomischen und politischen, sondern auch von seiner sozialen und kulturellen Seite her. Er stellte sich vor, dass dieser Wiederaufbau eine allumfassende kulturelle Aktivität verlangte, um eine breitenwirksame Weitergabe der libertären Perspektive zu ermöglichen, in einer Atmosphäre neuerwachender intellektueller und geistiger Klarheit. Deshalb sprach er sich für einen kommunitären Sozialismus als einziges angemessenes Mittel für eine effektive Transformation des sozialen Lebens aus. Für Rocker bot nur die Gemeindestruktur einen geeigneten Rahmen für sozialen Wandel, weil er davon ausging, dass staatliche Einmischung von ihr ferngehalten werden kann. Echte gegenseitige Hilfe für das Wohl der Allgemeinheit könne auf der Gemeindeebene zu Form und Inhalt nach den Ideen von Sozialismus und Freiheit führen. Widerstand sowohl gegen Staatskapitalismus als auch staatssozialistische Systeme verlangten nach Teilnahme in allen sozialen Bewegungen der gegenseitigen Hilfe, wie Arbeiterinnen- und Arbeitergewerkschaften, Teilnahme an kommunaler Verwaltung (?) [Fragezeichen im Original] und das Einrichten von dezentralisierten kleinen Industrie- und Konsumkooperativen. Nur auf diese Weise, fand er, könne die neue Gesellschaft – die Konföderation der kommunalen Regionen – zu wachsen beginnen, in der alle ökonomischen und politischen Aktivitäten zur ethischen Bildung menschlicher Freiheit führen würden...

Rocker schlug vor, dass sich alle, die sich in dieser Weise als Anarcho-Kommunalistinnen und Kommunalisten sahen, eine „libertäre föderalistische Allianz“ bilden sollten und, indem sie dies tun, die verbliebenen deutschen Anarchistinnen und Anarchisten vor einer kompletten Atomisierung und Isolation bewahren sollten. Die Reaktionen auf Rockers Plädoyer reichten von respektvollem Einverständnis bis zu geringschätziger Ablehnung. Die schärfste Kritik kam von John Olday in London. Für ihn konnte die Revolution nur mit revolutionären Mitteln erreicht werden Jegliche Kompromisse galt es abzulehnen. Olday beschuldigte Rocker, die revolutionären Aufstände des deutschen Proletariats von 1919, 1921 und 1923 vergessen zu haben. Er warf ihm weiter vor, die revolutionären Prinzipien der FAUD aufgegeben zu haben.

Olday war gegen Rockers Geist der kommunalen und kooperativen Selbstorganisation. Olday nannte das selbstverwalteten Kapitalismus, nicht wirklich vom westlichen Staatskapitalismus zu unterscheiden. Durch ein angeblich „kommunalistisches“ System ginge die Ausbeutung des Menschen weiter. Auf Rockers Vorschlag einer Koalition aller Föderalistinnen und Föderalisten, antwortete Olday mit einer revolutionären Assoziation aller Antiautoritären, Sozialisten, Rätekommunistinnen und Anarchisten. Diese Revolutionäre müssten, so dachte er, in einer neuen „Spartakistischen Allianz“ vereint werden, auf der Basis anarcho-kommunistischer Prinzipien, ohne Bürokratie oder rigide Disziplin. Jede illegale Gruppe der „Spartakistischen Allianz“ sollte, gemäss ihrer eigenen Einschätzung der aktuellen Situation und ihren unmittelbaren Möglichkeiten, agitieren und handeln, um die sie antreibenden Ideen eines massiven und entschlossenen Angriffs auf und die Zerstörung des Staates durch das revolutionäre Proletariat durchzusetzen. Diese Einschätzung der Arbeiterinnen- und Arbeiterräte, die seiner Ansicht nach ein Modell für eine antiautoritäre Gesellschaft bildeten, brachten Olday in einen Konflikt mit anderen Mitgliedern der IB-G, die das Ganze als „Bolschewismus“ betrachteten, und deshalb verliess er die IB-G im Februar 1948. Olday fuhr fort, eine Organisation zu bilden, die sein Denken näher ausdrückte. Schon bald arbeitete er in einem Netzwerk von „Spartakistischen Gruppen“ aus Holland, Deutschland, Italien, der Schweiz, dem Saarland und Grossbritannien. Allein in Deutschland waren sechzig Gruppen dabei, vor allem in der sowjetisch besetzten Ostzone. Furchtbarerweise „liquidierte“ die stalinistische Geheimpolizei die Ostzonen-Gruppen gegen Ende des Jahres. Oldays Informationsbulletin, dessen Name von Anarchist zu Räte-Anarchist geändert wurde, erschien nur noch in kleiner Auflage pro Ausgabe.

Gegen Ende der 1940er stoppte Olday seine Aktivitäten in der internationalen anarchistischen Strömung sehr plötzlich. Die „Spartakistischen Gruppen“, denen sein zündender Geist fehlte, verschwanden mit der Zeit.

Trotz der Tatsache, dass die unverblümte und intensive politische Arbeit dieses Mannes in Grossbritannien nur zehn Jahre dauerte, muss Oldays Beitrag anerkannt werden... (In der Nachkriegsära) war er unter den ersten, die den Ruf erneuerten: „Alle Macht den Arbeiterinnen- und Soldatenräten.“ Anders als die Ideen Rockers konnten sich Oldays dynamische Verkündigungen anarchistischer Prinzipien im Nachkriegsdeutschland bis in die 1950er eine gewisse Signifikanz erhalten.

Australien

Zu Beginn der 1950er wanderte John Olday nach Sydney, Australien, aus. Dort konnte er sich in verschiedenen Kabaretts und Theatern einbringen und bekam die Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen, die mit seinen sozialkritischen und revolutionären Ideen harmonierte. Olday hatte so etwas schon vorher ausprobiert, jedoch nicht mit wirklich grossem Erfolg. Er hatte darauf gehofft, als Karikaturist, Roman- und Theaterautor eine gewisse öffentliche Bekanntheit zu erlangen. Er hatte auch eine Gruppe von Künstlerfreunden und Freundinnen um sich scharen wollen. Doch es dauerte bis in die 1950er und bis er Australien erreichte, dass er reichhaltige Möglichkeiten fand, sich künstlerisch zu verwirklichen, was ihm für die nächsten zwei Jahrzehnte grosse Popularität einbrachte.

London und die Swinging Sixties

Angezogen von den explosiven Kämpfen der neuen sozialen Bewegungen, kehrte Olday in den späten 1960ern über Hamburg und Berlin nach London zurück. Die Situation schien ihm eine neue Möglichkeit zu bieten, mit seinen sozialrevolutionären Perspektiven in die politischen Auseinandersetzungen einzugreifen. Zuerst arbeitete Olday mit den zwei wichtigsten britischen anarchistischen Zeitungen „Freedom“ und „Black Flag“ zusammen. Dann, im Jahre 1974, gründete er das „International Archive Team“, ein weltweit korrespondierendes Büro. Im Zusammenhang damit nahm er wieder Aktivitäten für den Räte-Anarchismus auf. Er arbeitete mit den "Industrial Workers of the World" (IWW), er veröffentlichte das deutsch-englische Informationsbulletin „Mit Teilung“, er übersetzte Materialien der IWW ins Deutsche, er zeichnete Karikaturen und hielt Kontakt zu Flüchtlingen und Gefangenen in Europa und Japan. Obwohl es ihm gesundheitlich nicht gut ging, zeichnete er weiter sozialkritische Cartoons und arbeite an zwei Theaterstücken.

Im Sommer 1977, im Alter von 72 Jahren, riss ihn der Tod aus dieser letzten kreativen Phase.

John Oldays Leben verlief stets vor dem Hintergrund des anarchistischen und antimilitaristischen Kampfes. Olday war der Überzeugung, dass dieser Kampf, aufgrund der sozialen Bedingungen, ein bewaffneter Kampf werden müsse, wenn der Staat definitiv besiegt werden sollte. Er lehnte Individualismus und Pazifismus als bourgeoise Leiden innerhalb der anarchistischen Strömung ab. Ihm war aber auch bewusst, dass ein bewaffneter Kampf sehr eng an einen allgemeinen Klassenaufstand gebunden sein muss; sonst bestünde das Risiko, dass alles einfach in einen blinden Terrorismus abgleitet.

Von: Peter Peterson – Übersetzung ins Deutsche: Rude E


Edit: Ein paar Fehler entfernt.

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Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison. In diesem Jahr hat es mir einer verboten. Aber ich lasse mir nichts verbieten. Ich werde tanzen, und zwar mit einer wundervollen Partnerin.

Erst wenn der letzte Lappen gelöhnt, die letzte Mark verjubelt und der letzte Groschen gefallen ist, werdet Ihr merken, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann.

Zuletzt bearbeitet von rude e am 18. August 2013, 10:25, insgesamt einmal bearbeitet
16. August 2013, 12:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Muoit



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Danke!

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Power to the Pöbel!
16. August 2013, 18:53 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Beitrag Re: Anarchismus und Christentum Antworten mit Zitat
Doc Sportello hat Folgendes geschrieben:
http://www.direkteaktion.org/218/opium-als-impulsgeber
da kommt mir spontan das "Evangelium des armen Sünders" in den Sinn ^^

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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
29. August 2013, 17:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Behemoth



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Zitat:
John Olday in „Räte-Anarchist" Nr. 6/71948*
Unser Standpunkt!
In der deutschen Linken zeigt sich eine neue Strömung, die auch vom Auslande mit steigender Aufmerksamkeit verfolgt wird; denn in Deutschland entwickelt sich ein Prozeß, der infolge der außergewöhnlichen Einwirkungen und Umstände der letzten Jahrzehnte und der Gegenwart, in schärferer Vergrößerung auftritt als anderswo. Von ihm lassen sich Rückschlüsse auf die Entwicklung in den Ländern ziehen, in denen der gleiche Prozeß unauffälliger unter der Oberfläche vor sich geht.
Aber nicht nur deswegen erregen die Vorgänge in Deutschland besonderes Interesse. Die deutsche Arbeiterbewegung ist in der Vergangenheit für die internationale Arbeiterschaft richtunggebend gewesen und hat einen entscheidenden. Einfluß auf die geistige Einstellung und die Konstruktion der Arbeiterorganisationen in der Welt gehabt. In keinem Lande ist der Bankrott eben dieser Organisationen und ihrer Politik so vollkommen zutage getreten wie in Deutschland. Es ist daher nur natürlich, daß man mit besonderem Interesse die augenblicklichen Ansätze einer Neuorientierung und -gruppierung verfolgt und die eventuelle Auswirkung auf die Arbeiterschaft Deutschlands mit Spannung erwartet.
Die Neuausrichtungstendenz, die jetzt in den, durch die Verluste der Verfolgungen stark reduzierten Gruppen der Linken vor sich geht, ist durchaus nicht eine ausschließliche Angelegenheit dieser Gruppen, die sich abseits von den Reflexionen und der Stellungnahme der großen Masse vollzieht, obgleich bei oberflächlicher Betrachtung weder ein unmittelbarer Zusammenhang noch Wechselwirkungen zu bestehen scheinen. Dennoch reflektieren die Diskussionen der Gruppen die kritischen Argumente der Masse. Gelingt es den Gruppen, sich grundsätzlich auf einen freiheitlichen Nenner zu verständigen und eine gemeinsame Basis für alle Revolutionäre zu finden von der aus sich gemeinschaftlich operieren läßt; kristallisiert sich aus der augenblicklichen Gärung eine Synthese, die mit den elementarsten Gedankengängen und Aspirationen der fortschrittlichen Schichten der Masse harmonieren, so wird das Ergebnis notwendigerweise eine Massenbewegung sein, deren Intensivität von ungewöhnlicher Durchschlagskraft sein muß.
Es ist natürlich, daß jede Gruppe nach einer Formulierung ringt, die demrevolutionären Geist der militanten Schichten am nahesten entspricht und zugleich am ehesten die latenten revolutionären Kräfte in der breiten Masse zu entzünden fähig sein wird. Jedoch, mit bloßen Formulierungen und Proklamationen allein ist nichts getan. Nach allen bisherigen Profanierungen und Diskreditionen genügen jetzt weder Erklärungen, Definitionen noch Direktiven. Was heute notwendig ist, ist die Präsentation von unwiderleglich überzeugenden Tat-Sachen. Die formelle Adoption von Losungsworten wie »freiheitlich«, die Veröffentlichung von revolutionären Thesen allein, bleibt angesichts der totalen Deflationierung der Begriffe sinnlos, wenn der allein geltungsgebende Faktor der übereinstimmenden Haltung und Tat ausbleibt. Das herrschende Mißtrauen der Masse und die Aversion der deutschen Jugend gegen die Politiker aller Schattierungen läßt sich nicht mit Worten überbrücken, solange die Kluft zwischen den verkündeten Idealen und den tatsächlich vorhandenen Qualitäten der Verkünder im Widerspruch zueinander stehen. Das gilt nicht nur für diejenigen, deren politische Vergangenheit eine endlose Kette von nachweislicher Unfähigkeit, Irrtum, Verrat und Verbrechen darstellt.
Die im deutschen Spartakusbund zusammengetretenen Gruppen haben ein moralisches Guthaben von nicht zu unterschätzendem Wert. Sie haben weder in der Weimarer Republik, noch in Hitler-Deutschland ihre revolutionäre Tradition aufgegeben. Mehr noch — sie haben, unter ungeheuren Opfern, ihre antireformistische, antiimperialistische, Antikriegs- und Rätepropaganda allen Widerständen zum Trotz aufrechterhalten. Und — sie haben nicht mit den Besatzungsmächten und ihren politischen Handlangern paktiert.
Der deutsche Spartakusbund präsentiert sich auf den ersten Blick als ein Konglomerat der verschiedensten Richtungen, die auf den beiden letzten Kongressen auftraten, und in gegenseitiger Toleranz ihre spezifistischen Positionen vertraten. Damit steht der Spartakusbund dort, wo er ursprünglich begann, als im März 1917 sich die deutschen Linksradikalen im Spartakusbund zusammengeschlossen. Dennoch handelt es sich nicht um eine Wiederbelebung des alten Spartakusbundes und schon gar nicht um eine Wiederaufnahme der Parolen »Rätestaat und Diktatur des Proletariats«, noch um zentralistische und parlamentarische Tendenzen. Wohl sind einige Traditionalisten und Konservative vorhanden, die, blind für die Lehren der Wirklichkeit, sich in Konzeptionen des politischen Bolschewismus festgebissen haben; solche, die den Stalinismus im Namen des reinen Bolschewismus ablehnen, jedoch sind sie in der verschwindenden Minderheit und die Entwicklung geht über die Stagnierten hinweg zur Tagesordnung über. Die in der deutschen Arbeiterschaft immer weiter um sich greifende Strömung kehrt sich von dem Politikantentum, dem Parlamentarismus und Etatismus ab und es zeigt sich, daß gerade die in 1918/19 verdrängte Opposition innerhalb des deutschen Spartakusbundes führend geworden ist, nämlich die KAPD mit ihren ausgesprochenen Antiparlamentarismus und Antigewerkschaftstum und die Anarchisten mit ihren antiautoritären Lehren. Sie geben dem heutigen Spartakusbund in Deutschland das freiheitliche Gepräge. Die Mängel der alten Arbeiterorganisationen und der alten Spartakusbewegung werden von allen erkannt und die bisherigen Ansätze zur Auffindung neuer, wirksamerer Wege, versprechen eine durchgreifende Erneuerung, durch die eine schließliche Überwindung aller reformistischen, opportunistischen, zentralistischen und autoritären Tendenzen gewährleistet zu sein scheint.
Wenn die allgemeine freiheitlich tendierte Strömung innerhalb der deutschen Arbeiterschaft und der deutschen Jugend bisher nicht spontan in die vorhandenen anarchistischen Organisationen einmündet, so muß dafür ein Grund vorhanden sein, der nicht unbedingt erklärt zu werden braucht mit der Unkenntnis und Unreife der Masse. Es ist ein alter anarchistischer Grundsatz, daß die Masse im allgemeinen, und ihre militanten Schichten im besonderen, kein Abstraktum ist, sondern sich zusammensetzt aus denkenden und empfinden Einzelwesen, die, in allen revolutionären Situationen mehr Initiative, und in ihren Aktionen weit gesünderen politischen Instinkt gezeigt haben, als ihre Manager. Der Schluß liegt daher nahe, daß nicht nur die alten autoritären, sondern auch die antiautoritären Organisationen negative Symptome aufweisen, die das Mißtrauen der Massen stärken.
Wir wollen an dieser Stelle nicht auf den Reformismus der Pseudoanarchisten der FFS und der Leute von der »Freie Arbeiterstimme« eingehen, noch auf die zentralistischen Tendenzen der AFB und der hinter dieser stehenden spanischen Pro-kriegs-Anarchisten in England. Es genügt, daß wir feststellen, daß es Anarchisten und Halbanarchisten gibt, die eine spontane Massenaktion, d. h. die Anarchie wie sie Bakunin verstand, im Grunde genauso ablehnen, wie es die alte Sozialdemokratie tat und sie in sogenannten revolutionären Massenorganisationen auffangen und dirigieren möchte.
Von diesen Leuten wird Spartakus als eine Neuauflage des Bolschewismus und die rein räteanarchistischen Gruppen und Genossen, als verkappte Autoritäre und Marxisten verschrien.
Es liegt auf der Hand, daß die revolutionären Elemente der Masse und vor allen Dingen der Jugend kein Vertrauen haben kann zu angeblichen Anarchisten, die eine Beteiligung an Gewerkschaftsunternehmungen und für die Bildung von Genossenschaftskomitees und wohlbestallten Sekretariaten sind, und das um so weniger, als gerade aus diesem Lager sich diejenigen rekrutierten, die in der Vergangenheit für Beteiligung an Regierungen und am Kriege waren.
Wohl haben die echten Anarchisten sich von diesen Leuten zu distanzieren versucht; sie haben jedoch nicht verhindern können, daß im Bewußtsein der kritischen Masse die Tatsache vermerkt wurde, daß der ursprüngliche, grundrevolutionäre und integrale Anarchismus infektioniert wurde, und zwar von derselben Seuche bürgerlicher Herkunft, an die der ursprüngliche Sozialismus und Kommunismus eingingen. Der insurgente Anarchismus wurde in die Verteidigung gedrängt und fand es nötig, seine radikale Position zu rechtfertigen, anstatt sie immer und überall rücksichtslos zu verfechten. Die Tolerierung des schöngeistigen Pazifismus in seiner modernen »Linken« Aufmachung war der erste Schritt zur schließlichen Paralysierung des revolutionären Geistes in der deutschen sozialistischen Bewegung, und seine schleichende Verbreitung innerhalb der anarchistischen Bewegung, droht auch ihr der Akzent der konsequenten Rebellion zu nehmen. In den Spartakusgruppen ist der insurgente Geist dominierend. Die Tradition des Spartakus ist eine Tradition der Rebellion. Im Gegensatz zu allen anderen Bewegungen zeigt Spartakus eine aufsteigende Kurve in seiner Entwicklung gerade zu derjenigen Revolutionskonzeption Bakunins, von der sich die Anarchisten immer mehr zu entfernen scheinen. Spartakus will die gründlichste Zerstörung der bestehenden Systeme mit allen ihren bürokratischen Einrichtungen, um an ihre Stelle völlig neue revolutionäre Organe der menschlichen Beziehungen zu setzen, Organe, die nichts mit den parlamentaristischen Institutionen der bürgerlichen Revolution zu tun haben, noch mit deren Abklatsch, den Parteien, Gewerkschaften und kapitalistisch verseuchten Genossenschaften.
Gerade weil Spartakus eindeutig und unmißverständlich insurgent ist, werden die zur Empörung herangereiften Massen seine Botschaft hören und ihre Nutzanwendung verstehen, nämlich, daß die Befreiung nur ihr eigenes Werk sein kann und nur dann Erfolg haben wird, wenn sie die einmal ergriffene Initiative sich von keiner Seite aus der Hand nehmen lassen.
Es sollte zu denken geben, daß gerade diejenigen jungen Spartakisten, die sich vom autoritären Sozialismus mit seinem Integrantentum und bürokratischen Winkelzügen abwandten, heute am entschiedensten jede verschleierte Hierarchie und bürokratischen Zentralismus, wo immer sie ihn spüren, bekämpfen. Selbstredend werden im Spartakus wahrscheinlichkeitsberechnende politische Spekulanten auftauchen, um sich an hervorragender Stelle einzuschalten. Sicher werden sich Agenten einschleichen, um eine Zersetzung zu versuchen. Maniebesessene Pathologen, intigrierende Quertreiber, Geltungssüchtige und Geschäftemacher haben noch ihren Weg in jede Organisation hineingefunden. Sie können jedoch nur dort ungehindert agieren, wo bereits ein Nährboden Ausbeutung, Cliquengeist und -herrschaft und Korruption vorhanden ist. Wo aber der antiautoritäre Geist, das Prinzip der Gleichberechtigung tatsächlich vorhanden sind; wo die Identifizierung eines jeden mit der Bewegung sich in permanenter aktiver Anteilnahme und stets wacher Kontrolle äußert, da nützen die bloßen Lippenbekenntnisse der Ambitionierten, der macht- und führungslüsternen Dialektiker und Taktiker nichts, da sich, früher oder später, ihre Handlungen in offenem Widerspruch zur freiheitlichen Auffassung und allgemein gültigen Praxis der Bewegung offenbaren werden. Das Recht, ja, die Pflicht zur Kritik, ist der sicherste Garant dafür, daß die Grundsätze nicht entwürdigt werden. Entartung ist nur dort möglich, wo es an einer stets gegenwärtigen Kontrolle und Kritik aller über alle fehlt.
Durch die Abwürgung der Kritik degeneriert die Sozialdemokratie. Durch die Liquidation der Opposition wurde es erst möglich, daß sich die Kommunistische Partei zu ihrer gegenwärtigen Monströsität entwickeln konnte.
Sich aus Prestigegründen der allgemeinen Kritik oder gar der ebenso notwendigen Selbstkritik zu enthalten, ist nicht nur unweise, sondern auch gefährlich. Man kann immer nur gewinnen durch unbestechliche Offenheit.
Die Räteanarchisten im deutschen Spartakusbund, in dem sie, im Gegensatz zu den Spartakusgruppen im Ausland eine Minderheit sind, tolerieren die abweichenden Einstellungen der revolutionären Auffassungen der nichtanarchistischen Genossen unter dem natürlichen Vorbehalt der Vertretung ihrer eigenen Position. Wenn sie deshalb von Anarchisten als verkappte Marxisten, Autoritäre und Politiker hingestellt und des Opportunismus bezichtigt werden, weil sie zusammen mit ihren spartakistischen Genossen Wege zur Erneuerung und zwar: der revolutionären Erneuerung suchen und eine Synthese für die spartakistischen und anarchistischen Revolutionäre —, dann deutet die Kritik auf eine bedauerliche Unkenntnis der Kritiker. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen der Zusammenarbeit mit Revolutionären, von denen die meisten sich nur durch geringfügige Abweichungen von den Räteanarchisten unterscheiden und von denen manche im Wesentlichen anarchistischer denken und handeln als gewisse Leute, die sich je nach Situation Anarchisten nennen jedoch wo immer ihnen Gelegenheit geboten wird, mit Staats-, Partei- und Gewerkschaftspolitikern übelster Sorte zusammenwirken.

*) Hinweis: Olday spricht hier nicht vom ursprünglichen Spartakusbund Rosa Luxemburgs, sondern von seinem eigenen. (Der Herausgeber)


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"ihr aber werdet die soziale Frage wissenschaftlich lösen, d.h. mit euerm grossen Maule. Der brutalen Herrschaft gegenüber seid ihr fein, d.h. ihr seid selber mehr oder weniger Bourgeois. Nur weiter, ihr anständigen Leute, die soziale Frage aber wird brutal gelöst werden; der Racheruf der Unterdrückten wird brutal ertönen" - Der Communist, N°17, 1893
29. August 2013, 21:08 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Zitat:
Wir wollen an dieser Stelle nicht auf den Reformismus der Pseudoanarchisten der FFS und der Leute von der »Freie Arbeiterstimme« eingehen, noch auf die zentralistischen Tendenzen der AFB und der hinter dieser stehenden spanischen Pro-kriegs-Anarchisten in England. Es genügt, daß wir feststellen, daß es Anarchisten und Halbanarchisten gibt, die eine spontane Massenaktion, d. h. die Anarchie wie sie Bakunin verstand, im Grunde genauso ablehnen, wie es die alte Sozialdemokratie tat und sie in sogenannten revolutionären Massenorganisationen auffangen und dirigieren möchte.
Von diesen Leuten wird Spartakus als eine Neuauflage des Bolschewismus und die rein räteanarchistischen Gruppen und Genossen, als verkappte Autoritäre und Marxisten verschrien.
Es liegt auf der Hand, daß die revolutionären Elemente der Masse und vor allen Dingen der Jugend kein Vertrauen haben kann zu angeblichen Anarchisten, die eine Beteiligung an Gewerkschaftsunternehmungen und für die Bildung von Genossenschaftskomitees und wohlbestallten Sekretariaten sind, und das um so weniger, als gerade aus diesem Lager sich diejenigen rekrutierten, die in der Vergangenheit für Beteiligung an Regierungen und am Kriege waren.


Ich glaube, dass in dieser Passage die Gemeinsamkeit von Revolutionären aus dem kommunistischen und anarchistischen Lager klar aufgezeigt wird. Entgegen kriegstreibenden, angeblichen Oppositionellen wie die Trotzkisten, die auf die eine oder andere Art, z.B. bis vor kurzem in Syrien von einer revolutionären Bewegung sprachen, oder auch Anarchisten wie die "First of May Anarchist" (siehe Libcom), die auch auf die eine oder andere Art aufrufen, sich am Krieg zu beteiligen (um nur gerade aktuelle Beispiele zu nennen...), so ist Olday in dieser Sache klar, indem er die "pro-Kriegs-Fraktionen" der Anarchisten anprangert.

Um die Differenzen nicht zu kaschieren, will ich nicht verheimlichen, dass ich Bakunin nicht als das Mass aller Dinge ansehen kann wie Olday, und auch dass der Zentralismus ein Hauptfaktor der degenerierung des Spartakusbundes gewesen sei, finde ich falsch. Zu verstehen gilt es in diesem Zusammenhang, was der Zentralismus von unten ist. M.E. formuliert er einige Grundgedanken im nächsten zitierten Abschnitt recht gut, auch wenn ich es anders sagen würde:

Zitat:
Wo aber der antiautoritäre Geist, das Prinzip der Gleichberechtigung tatsächlich vorhanden sind; wo die Identifizierung eines jeden mit der Bewegung sich in permanenter aktiver Anteilnahme und stets wacher Kontrolle äußert, da nützen die bloßen Lippenbekenntnisse der Ambitionierten, der macht- und führungslüsternen Dialektiker und Taktiker nichts, da sich, früher oder später, ihre Handlungen in offenem Widerspruch zur freiheitlichen Auffassung und allgemein gültigen Praxis der Bewegung offenbaren werden. Das Recht, ja, die Pflicht zur Kritik, ist der sicherste Garant dafür, daß die Grundsätze nicht entwürdigt werden. Entartung ist nur dort möglich, wo es an einer stets gegenwärtigen Kontrolle und Kritik aller über alle fehlt.


Die von mir herausgehobene Stellen, bedeuten für mich Zentralismus von unten. Schliesslich müssen wir gegen einen mächtigen Gegner kämpfen, dem man nur geeint entgegentreten kann. Da trägt jeder und jede Genossin die Verantwortung den Kampf in assoziierter Diskussion den proletarischen Standpunkt voranzubringen.
10. September 2013, 08:39 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Kritik des Anarchismus Antworten mit Zitat
Eine ziemlich treffende Kritik des Anarchismus: http://www.ruthlesscriticism.com/anarchism.htm

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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
21. Mai 2014, 18:52 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Ist keine wirkliche Neuentdeckung, sondern die Version eines hundert Jahre alten Textes der Gegenstandpünktler-Gruppe 'Junge Linke': https://gegen-kapital-und-nation.org/kritik-am-anarchismus

*würg*

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Zuletzt bearbeitet von Raskolnikow am 21. Mai 2014, 19:42, insgesamt einmal bearbeitet
21. Mai 2014, 19:04 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Raskolnikow



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Beitrag Antworten mit Zitat
Zitat:
It should be noted that something like a communisation thesis was arrived at independently by Alfredo Bonanno and other ‘insurrectionary anarchists’ in the 1980s.

http://endnotes.org.uk/texts/endnotes_1/introduction.xhtml

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21. Mai 2014, 19:11 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag GSP und so Antworten mit Zitat
Ja, das habe ich gemerkt, dass die ein bisschen die GSP-Filiale in den USA, vielleicht ist der Text sogar die Übersetzung des von Dir zitierten Texts. Doch trotz der pädagogischen Tendenz, welcher typisch für den GSP ist, finde ich mehrere Punkte ziemlich treffend. Und den von Dir zitierten Text von Endnotes gibt's übrigens auch auf Deutsch und die Passage über Bonnano geht danach noch weiter:

Zitat:
Es sollte erwähnt werden, dass Alfredo Bonnano und andere „aufständische Anarchisten“ unabhängig davon auch zu etwas ähnlichem wie der These der Kommunisierung kamen. Doch sie verstanden es als Lektion, die auf jeden Kampf angewendet werden musste. Wie es Debord vom Anarchismus allgemein sagt, „verlässt“ eine derart idealistische und normative Methodik „das historische Terrain“, indem sie annimmt, alle angemessenen Praktiken seien schon entdeckt (Debord, Gesellschaft des Spektakels, § 93). Wie eine kaputte Uhr ist ein solcher Anarchismus immer fähig, die richtige Zeit anzugeben, doch nur während einem einzigen Augenblick und wenn dieser endlich da ist, ist es nicht mehr wirklich von Bedeutung, dass er letztendlich Recht hatte.

http://kommunisierung.net/spip.php?article16


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21. Mai 2014, 21:15 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Auf zur Rettung der Welt! Antworten mit Zitat
Hilfe! Der Guardian findet, der Anarchismus könne die Welt retten:

Zitat:
It is no surprise that anarchist sages and prophets should be so fashionable, both then and now. In Europe before the first world war, those varieties of socialism that placed their faith in state-led social reform – social democracy and Marxism-Leninism – had not yet begun to eclipse their anarchist competitor. But now that era of statist optimism is over, a left reinvigorated by the current crisis of globalised capitalism is searching for alternatives more suited to our individualistic era.

http://www.theguardian.com/books/2015/jul/03/anarchism-could-help-save-the-world


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
08. Juli 2015, 18:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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Beitrag Insurrektionalismus in Spanien Antworten mit Zitat
Ein interessanter Text über die Entstehung des aufständischen Anarchismus in Spanien:

Zitat:
Originalversion:

Desde hace tiempo, algunos compañeros sentimos la necesidad de hacer balance de la experiencia acumulada en el Estado español por sectores de militantes anarquistas, comunistas y autónomos, que durante un cierto tiempo confluyeron en torno a una cierta idea «insurreccional». Esta necesidad nace de dos circunstancias. La primera de ellas es la evidencia de que se ha cerrado una etapa. No estamos en el mismo punto que hace diez años -ni siquiera cinco-, y queremos sacar las conclusiones pertinentes para afrontar mejor batallas que no están en un futuro brumoso, sino que ya se nos están echando encima. Para ello es imprescindible abrir un debate, o al menos provocar una reflexión.

https://reflexionrevuelta.wordpress.com/2011/01/08/los-tigres-de-sutullena-la-epidemia-de-rabia-en-espana-1996-2007/


Französische Übersetzung:

Zitat:
Depuis quelques temps, nous ressentons le besoin, entre camarades, de dresser le bilan de l’expérience militante accumulée en Espagne parmi les anarchistes, les communistes et les autonomes qui gravitent autour de l’idée « d’insurrection ». Pour deux raisons. La première, c’est le constat qu’une page a été tournée. La situation, dix ans après – et même cinq ans après –, n’est plus la même, et nous voulons en tirer d’utiles enseignements pour mieux affronter les batailles qui s’annoncent, non dans un hypothétique avenir, mais au coin de la rue. Pour cette raison, il est absolument nécessaire d’ouvrir un débat, ou au moins de provoquer une réflexion.

https://paris-luttes.info/l-epidemie-de-rage-en-espagne-1996


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"Die kommunistische Theorie kann nichts anderes sein als gebunden an die gesellschaftliche Praxis der proletarischen Bewegung, sie ist weder 'marxistisch' noch 'anarchistisch'." Jean-Yves Bériou, 1975.
21. Oktober 2015, 00:22 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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