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"Tanz dich frei" @ Bern 2.6.
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"Tanz dich frei" @ Bern 2.6.
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minino
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Beitrag "Tanz dich frei" @ Bern 2.6. Antworten mit Zitat
Communiqué zum Tanz dich Frei 2.0 vom 2.Juni 2012



Gestern haben sich ca.18000 Menschen in der Stadt Bern versammelt und sind dem Aufruf des Tanz dich Frei gefolgt. Um 00.00 Uhr waren Bundesplatz wie auch Bärenplatz komplett mit Tanzenden gefüllt, gleichzeitig hielten sich bei der Heiliggeistkirche weitere Soundmobile mit hunderten Partygänger_innen auf.
12 Wagen starteten auf dem Vorplatz der Reitschule und der Schützenmatte. Die riesige Menschenmenge setzte sich gegen 21:00 Uhr in Bewegung Richtung Bahnhofplatz. Die Strassen wurden komplett von Tanzenden in Beschlag genommen.
Auf dem ganzen Weg bis zum Bundesplatz fanden diversen Livekonzerte statt, zwischendurch verstummte die Musik zugunsten einer politischen Rede. Auf dem Baldachin wurden Transparente mit Bezug auf politische Gefangene und die Tanz dich Frei Bewegung aufgehängt.
Auf dem Bundesplatz wurde ein längerer Halt gemacht und die Leute feierten ausgelassen, zu verschiedenen Musikstilen – Von Goa über Techno, Punk, Electro, Dubstep, Rock bis Hip-Hop waren alle Stilrichtungen vertreten. Zu später Stunde zogen sich die Wagen auf die Schützenmatte zurück, wo Patent Ochsner noch ein spontanes Konzert gaben.

Mit der Veranstaltung wurde auf die Stadtentwicklung aufmerksam gemacht:
Das Kernanliegen der aktuellen Stadtentwicklung ist es der Entstehung einer A-Stadt entgegenzuwirken. Das heisst eine Stadt mit einem übermässigen Anteil an Armen, Alten, Arbeitslosen, Autonomen, Ausländer_innen, Asozialen und Anderen zu vermeiden.
Niemand fragt uns, ob diese Politik unseren Vorstellungen entspricht. Denn das tut sie nicht!
UNSER Problem ist, das IHRE Aufwertungspolitik sich einzig und allein an den Bedürfnissen eines kleinen, wohlhabenden Bevölkerungsteils orientiert, denn nur Menschen mit Geld bringen die erwünschten Profite. All jene, die nicht zu dieser Schicht gehören, bleiben einmal mehr auf der Strecke. Obwohl der Nutzen nur einigen Wenigen vorbehalten ist, wirkt sich diese Politik im Alltag von uns allen aus. Die Nutzung des öffentlichen Raums wird grundsätzlich eingeschränkt, unliebsame Personengruppen aus diesem weggewiesen. In privaten Geschäften und immer mehr auch auf öffentlichen Plätzen werden wir von Kameras überwacht. Das (Nacht-)leben wird zusehends eingeschränkt. Politische Aktionen werden nicht toleriert und im Keim erstickt um eine möglichst hohe Abschreckung zu erreichen. Und dies sind nur einige Beispiele.

Auch wir wollen eine A-Stadt verhindern. Diese besteht für uns aber aus Aufwertungspolitik, Ausgrenzung und Ausbeutung. Wir wollen uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen, sondern selber bestimmen, wo und wann wir tanzen!

Wir sind enttäuscht von den Vereinnahmungsversuchen der politischen Parteien, die sich jetzt mit fremden Federn schmücken wollen und die Tanz dich Frei Veranstaltung für ihren Wahlkampf missbrauchen!
Die Organisator_innen der Veranstaltungen sind in einem basisdemokratischen, ausserparlamentarischen Bündnis zusammengeschlossen und gehören zu den sogenannten Linksaktivisten. Es ist absurd wie die CVP zu behaupten, linksalternative Kreise würden das Strassenfest mit antikapitalistischen Anliegen vereinnahmen – wir organisieren es desshalb!

Wir begrüssen die Eigeninitiative von anderen, die jetzt erneut zu einem Tdf 2.1 aufrufen, möchten jedoch betonen, dass wir mit der Organisation dieses Anlasses nichts zu tun haben, sondern unglücklicherweise den selben Namen dazu verwendet wird.

Herzlichen Dank allen Teilnehmer_innen!
http://ch.indymedia.org/de/2012/06/86597.shtml

Video:
http://www.facebook.com/photo.php?v=145758512225559

Fotos:
http://www.bilder.sf.tv/Tagesschau/Tanz-dich-frei-Strassenparty-in-Bern#
http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/Sprayereien--Schlaegereien-und-20-Tonnen-Muell-17743532

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Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!


Zuletzt bearbeitet von minino am 03. Juni 2012, 22:30, insgesamt 3-mal bearbeitet
03. Juni 2012, 22:47 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
Admin-Dog


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Fände es noch spannend zu diskutieren, was diese "Bewegung" eigentlich ist, die so schnell 18'000 Leute auf die Strasse bringt.

Ich fand es sehr eindrücklich, wie die Polizei einfach machtlos war, irgendwie einzugreifen. Jede Intervention hätte es wohl ausarten lassen - und das wussten sie auch. Ich weiss nicht, wann es das letzte Mal möglich war, das Bundeshaus anzusprayen. Und Securitys tatenlos neben Leuten vorbeigingen, die gerade ans Bundeshaus pissen. börks Es waren sicher viele Leute da, die bloss Party machen wollten, aber ich frage mich, ob nicht auch bei denen etwas bewirkt wird.

Gibt es emanzipatorische Tendenzen, die aus solchen Sachen hervorgehen können, auch wenn der grossteil der Leute eigentlich Bürgis sind und bloss "für mehr Party" auf die Strasse gehn.

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03. Juni 2012, 22:33 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Marcos



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Zum einen wurde die Demo extrem gehypt von Medien, Parteien usw.

Es wurde praktisch allen Bands aus der Region eine Plattform gegeben (zumindest beim Hip Hop wagen) und damit auch der nächste Punkt, den ich als extrem stören empfunden habe. Ich habe mich schon lange nicht mehr mit soviel Sexismus, Homophobie usw. konfrontiert gesehen. Hier wurde von den OrganisatorInnen ganz klar auf politische Inhalte verzichtet um mehr leute zu erreichen.

Ausserdem ist so eine Tanzdemo ein riesen Spektakel und nahm zumindest in Bern einen Streetparade charakter an.

Ausserdem wurde die Demo irgendwie zum selbstläufer, meiner Meinung nach ist sowas ziemlich schwehr zu erklähren aber wenn du einmal 2000-3000 TeilnehmerInnen hast, dann ist der Schritt zu 18000 auch nicht mehr so gross.

Ich denke, dass du das erst etwa bei Tdf 5.0 analysieren kannst, diesmal hat einfach alles gepasst.

Noch einen Punkt, der doch als emanzipatorisch bezeichnet werden kann ist, zumindest nach meiner Auffassung, dass "die Jugend" wieder etwas "rebellischer" wird.
Mein grösstes Hobby ist es den Erwachsenen auf die Nerven zu gehen.




So, einige persönliche Auffassungen und Anstösse von mir

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"Alles was kapputt geht wird in der Reithalle organisiert"

"Es gibt halt relativ viel geistig verwirrte hier und damit muss man als Politiker rechnen"

"extreme Sportchaoten"
04. Juni 2012, 06:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Danger Mines!!



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http://switzerland.indymedia.org/de/2012/06/86602.shtml

war ja grad was los an diesem wochenende...

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Und wie die antiken Staaten an der Sklaverei zugrunde gegangen sind, so werden auch die modernen Staaten am Proletariat zugrunde gehn. M.B.
04. Juni 2012, 07:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Red_Eyes



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Also von Bewegung würd ich hier auch nicht Reden. So waren es doch einige (un-)glückliche Umstände die zu diesem grossen Auflauf führten. Hätte es diese Reitschul-Diskussion nicht gegeben, die sponatane RTS von ein paar Wochen it auch schon tausenden Menschen und dann vor allem noch der mediale Hype in den letzten Tagen, wären es wohl etwa wieder bei den gleichen 700 wie letztes Jahr geblieben.

Für die TDF-Orga war das natürlich sehr schwierig. Einerseits ist es ja toll, dass viele Leute (ankündigen zu) kommen. Anderseits ist es halt weniger toll, dass viele von denen wohl nicht sehr viell vom politischen Hintergrund des Anlasses wissen. War es für die ersten Tausend-Facbook-Anmelder noch eine Strassenparty für das Bernernachtleben, so war es dann für die nächsten Tausend wohl grösstenteils nur ein riesen Event, den man nicht verpassen will. Wobei die genauen Hintergründe wohl sekundär sind. Und wenn überall nur von Nachtleben die Rede ist, kann man sich ja schnell für dieses Anliegen begeistern. Das ganze mit der Stadtentwicklung, dem Kapitalismus etc muss dann ja auch nicht verstanden werden. Wie man den angekündigten 10000 Besucher_innen, denn solche Botschaften mitgeben wird, ist dann halt auch sehr schwer (das gleiche gilt wohl auch für evtuelles sexistische oder homophobe Verhalten). Wäre der Anlass aber im vorfeld schon von Anfang an als antikapitalistische RTS angekündigt worden, wäre es wohl weniger zu diesem Hype gekommen (oder?!).

Wobei es ja auch durchaus mal schön ist, dass ein Anlass aus dem «radikal Linken» Umfeld so eine riessen Massen an Leute mobilisieren kann. Wobei ich denke für einige dieser über 10000 war nicht im geringsten klar, dass diese Veranstaltung aus einem «radikal Linken» Umfeld kommt. Das zeigen einerseits Medienberichte, die gewiessen Kreisen vorwerfen, das Strassenfest für ihre politischen Anliegen zu missbrauchen, aber auch viele Facebook-Kommentare gehen in diese Richtung (Hoffentlich bleieben die Vermummten, Chaiten und Krawaltouristen zu Hause; Wieso ist es plötzlich eine antikapitalische Strassenparty? Ich fühl mich so Hintergnagen; etc…).

Das die Partygänger_innen durch einen solchen Anlass politisiert werden, glaube ich aber weniger. Denn einersit hatte in Bern das «unpolitische» Partyvolk die Überhand zu jenen mit politischen Ansichten und Hintergründe (wäre es Umgekehr wäre z.B. sexistisches/homophobes Verhalten sofort angesprochen/unterbunden worden). Wäre das Verhältnis etwas ausgewogener hätte sicherlich, der eine oder die andere etwas mitbekommen, auch wenn dies keine vertiefte Kapitalismuskritik gewesen wäre, aber zumindest ein paar D.I.Y.-Ansetze oder änliches.

So, richtig Intressant wird es wohl erst jetzt. Es gibt ja nun schon Aufrufe zu einem TDF 2.1 bzw 3.0, welche nicht von den gleichen Leuten kommt, sondern wohl eher von «Normalos», die so was wiederholen möchte. Ob und wie das kommen wird, werden wir noch sehen. Momentan denke ich, hat das Ganze noch einen änlichen Reiz, wie z.B. die Unruhen letztes Jahr in Zürich. Man hat gemarkt, dass man einfach durch Bern ziehen kann, dass viele Leute kommen und das es viel Spas macht. Wenn sich das gleiche aber so ein paar Mal wiederholen sollte (in der gleichen Art und Weise) wird dieser Reiz aber wohl früher oder später wieder verschwinden. Richtig Intressant könnte es meines Erachtes aber werden, wenn es zu einem «unpolitischen TDF 2.1» kommt und dieses dann evt mal von der Polizei aufgelöst wird und man es schafft, zumindest gewisse politische Grundsätze/Ideen/Hinetrgründe bei den Partygänger_innen zu verbreiten.[/url]

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Und wenn die Welt untergeht, werd ich sagen: «Ich war es nicht. Es war der Typ hinter mir.»
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04. Juni 2012, 12:32 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



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ich muss gestehen: ich sehe im vergangenen samstag doch ein grösseres ereignis, als nur eine lahme unpolitische tanzveranstaltung; denn es wurde ein bisheriger rahmen gesprengt, ich habe keine ahnung, wie lange es schon keine so grosse demo in bern mehr gegeben hat, aber schon nur die quantität der anwesenden war erdrückend.
klar: es ist und war eine tanzveranstaltung. sonst wären auch nicht halb so viele leute da erschienen. die reaktionen der offiziellen schweiz (bullen, politiker, medien) lassen aber eindeutig den schluss ziehen: die offizielle schweiz hat angst. dass sich keine der bürgimedien getraut, eine auch nur halbwegs wahre schätzung über die demozahl zu veröffentlichen, dass niemand über den historischen gehalt von fast 20'000 jungen in der berner altstadt spricht, dass sich niemand so richtig mit der bewegung anlegen will zeigt, dass wir ziemlich mächtig sind (oder sein können). niemand spricht offen über die möglichkeit der politischen emanzipation der heutigen jugend, weil alle wissen, wie das herauskommen kann. wir haben auf den strassen berns eine art gegenmacht demonstriert, die ohne sich im plenum abzusprechen oder einer strengen doktrin folgend, alle friedlich auf der strasse präsenz markiert haben.
die rede (ich kann sie im netz grad nicht finden), die ca. um halb zwölf auf dem bundesplatz von einem der wagen vorgelesen wurde, war die absolut beste rede, die ich - seit ich lebe- je auf einer demo gehört habe.
dass die ganze sache aber nicht einfach als startschuss der sozialen revolution gehandhabt werden kann, zeigt der verlauf des weiteren abends: ab 11uhr abends konnte kein revolutionäres bier mehr gekauft werden, die letzten züge gen zivilisation fuhren um 01.00 in richtung osten. die, die blieben, schossen sich vollends ab oder verhökerten ihr geld an die schikki-mikki-restaurants der berner altstadt, die die nacht wohl auch noch für ihre profithascherei ausnutzten.
dementsprechend muss ich ein durchzogenes fazit ziehen. 1. waren wohl alle teilnehmenden ab der unglaublichen zahl der teilnehmerinnen erschlagen, 2. war's halt nur eine alternative tanzveranstaltung, bei welcher der politische charakter ein wenig flöten ging.

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04. Juni 2012, 12:13 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
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Als Bewegung würd ichs auch nicht bezeichnen, deshalb auch die Anführungszeichen.

Hmm, meint ihr, es hat nicht jeder gemerkt dass das eine unbewilligte Party war? Ich habe mir halt überlegt, dass es wohl für alle noch ein tolles Gefühl ist, dass man halt wenn soviele Leute auf einen Haufen sind, quasi alles machen kann was man will, und keine staatlichen Instanzen mehr was dagegen tun können ...
Dass so viele nach einer Wiederholung schreien, liegt meiner Meinung nach in der "Exklusivität", der Grösse, aber vielleicht auch bisschen dem "Wilden" des Anlasses.

Und dass es völlig einmalig und überraschend riesig und doch irgendwie alles geklappt hat ohne dass gross organisiert und koordiniert wurde - das bleibt den Leuten doch auch im Kopf.

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Nein, nein, wir wollen nicht eure Welt, wir wollen nicht eure Macht, und wir wollen nicht euer Geld,
wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hören, wir wollen euren Schwindel zerstören!
04. Juni 2012, 12:59 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
ratatoskr



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Kurz meine Einschätzung (ohne zuviel zu verraten, weiteres können wir ja mal bei einem Bier besprechen).

Ein wichtiger Faktor war sicher, dass es in Bern eine gut funktionierende Politinfrastruktur gibt. Gruppen und Einzelpersonen die über technisches Know-how, Erfahrung mit der Organisation von grösseren und kleineren Anlässen, gute Netzwerke und genügend Geld verfügen. Daneben waren unheimlich viele Leute - unter den Kulturschaffenden natürlich nicht wenige vorallem der Party, dem Fame oder dem eigenen Club wegen - bereit, Mengen an Zeit, Geld und Freiwilligenarbeit zu investieren. Ohne diese Unterstützung wäre in gehabten Grössenordnung garnichts gegangen!

Der Funke war schliesslich sicher der (erneute) Beschuss der Reitschule und ihrer Vorplatzbar, die mittlerweile für viele Jungen einen festen Wert im Ausgang darstellt. Aber der Unmut war schon vorher spürbar, etwa als der Leistungsvertrag der Reitschule nur für 1 Jahr und schliesslich nicht mehr verlängert wurde. Und weil diverse Clubs schliessen mussten. Kampagnen wie "Figg di Frou Müller" waren den Grossdemos schon vorausgegangen. Nach Lerchs Entscheid wurde dann aus der Reitschule (Polit- und Kulturkuchen) erste Aktionen organisiert. Die Tdf war schon länger geplant, wurde aber aufgrund der Lage zum Selbstläufer. Die Party wurde aber lange nicht so unpolitisch wahrgenommen, wie es jetzt allethalben heisst. Sogar bürgerliche Medien wollten nicht verschweigen, dass da neben den Statement für Reitschule und Nachtleben auch antikapitalistische Inhalte vertreten wurden...

Ob sich vom Partyvolk noch Leute radikalisieren lassen und wie oder ob das Ganze gespalten werden kann oder verpufft und was dagegen unternommen werden sollte, würd ich wie gesagt nicht hier besprechen wollen.

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Das ist die Verrücktheit einer Gesellschaft, die sich von einem Sachzwang bestimmen lässt, der nur existiert, weil ihn die einen selbst praktizieren und die anderen sich ihn aufherrschen lassen.
04. Juni 2012, 12:44 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
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Zitat:
die rede (ich kann sie im netz grad nicht finden), die ca. um halb zwölf auf dem bundesplatz von einem der wagen vorgelesen wurde, war die absolut beste rede, die ich - seit ich lebe- je auf einer demo gehört habe.


Kannst du die mal auftreiben, hast noch erwähnt dass die super war, aber hab sie leider verpasst.

Ich finde es auch ein wenig gespenstisch, wie wenig in den Medien darüber geschrieben wird. Daraus lässt sich schliessen, dass die entweder völlig überrascht sind und nicht wissen wie reagieren. Oder die waren schlicht nicht da (schau mal wie viele Leser-Reporter-Bilder), haben das von aussen völlig anders und verzerrt wahrgenommen.

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04. Juni 2012, 12:37 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Red_Eyes



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minino hat Folgendes geschrieben:
Ich finde es auch ein wenig gespenstisch, wie wenig in den Medien darüber geschrieben wird. Daraus lässt sich schliessen, dass die entweder völlig überrascht sind und nicht wissen wie reagieren. Oder die waren schlicht nicht da (schau mal wie viele Leser-Reporter-Bilder), haben das von aussen völlig anders und verzerrt wahrgenommen.

Um 17 Uhr ist ja schliesslich Feierabend ;) Aber ist tatsächlich wurde (im Nachhinein) nicht sehr gross darüber berichtet (die lokalen Berner Medien kann ich jetzt mal nicht beurteilen).

minino hat Folgendes geschrieben:
Hmm, meint ihr, es hat nicht jeder gemerkt dass das eine unbewilligte Party war? Ich habe mir halt überlegt, dass es wohl für alle noch ein tolles Gefühl ist, dass man halt wenn soviele Leute auf einen Haufen sind, quasi alles machen kann was man will, und keine staatlichen Instanzen mehr was dagegen tun können ...

Für dieses Gefühl war doch wohl aber nicht entscheident ob jetzt der Anlass offiziel bewillgt ist oder ilalgal und eifach tolleriert. Da macht doch die Spontanität udnd as Eiegnleben eines solchen Anlasses mehr aus… Oder hättest du das Gefühl, dass es bei einer bewilligten Strassenparty gross anders gewesen wäre?!

P.s. War am Samstag nicht in Bern. Daher meine Gedanke/Ansichten mehr aus der Aussenperspektive…

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04. Juni 2012, 13:27 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mr. Bobby



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Rede Bundesplatz

An alle Tanzende, Protestierende, Wütende, Revolutionäre, Zivilpolizisten, Müllers, Lerchs und Nauses und an alle zufällig Anwesenden!

Das Tanz dich Frei ist mehr, viel mehr als nur eine Party und ein simpler Protest gegen Müllers und Lerchs!
Wie letztes Jahr sind wir auch dieses Mal - als Tanz dich Frei 2.0 - auf der Strasse, um unseren Protest lautstark zu verbreiten!

Wir sind wütend - und das zurecht!
Wir finden keinen Wohnraum. Denn Wohnungen, Sanierungen und Neubauten gibt es nur für Reiche - wir werden verdrängt! Die Stadtpolitik ist einzig und allein daran interessiert, ein zahlungskräftiges Publikum anzuziehen - denn diese Leute füllen die Stadtkassen.
Eine Stadt funktioniert wie ein Unternehmen: profitorientiert!

Wir sind wütend!
Die Lärmbeschwerden einzelner Personen scheinen wichtiger als das Bedürfnis nach Freiraum. Heute sind wir x-tausend Leute, welche dieses Bedürfnis teilen. Zum Vergleich: die Reitschule hat innerhalb eines ganzen Jahres 81 Lärmklagen von etwa 15 Leuten erhalten, weswegen der Vorplatz nun um 00:30 geschlossen werden soll. Was geschieht aber mit all den Leuten? Was geschieht mit der allseits beliebten Piratenbar, die Wochenende für Wochenende für hunderte von Leuten für gute Stimmung und Musik sorgt?

Wir sind wütend!
Es existieren kaum Orte, die nicht überwacht werden, wo wir sein können, uns ausleben dürfen ohne Geld ausgeben zu müssen. Der öffentliche Raum wir zunehmend für Büros, Geschäfte - also allgemein um Geld zu machen gebraucht. Wer nicht in den Rahmen passt wird weggejagt. Von Polizei, Sicherheitskräften und Überwachungssystemen, dem Gewaltmonopol des Staates, welcher uns alle in ein System reinzwingt. Ein System, welches alle Menschen unterdrückt!

Wir sind wütend!
Friedliche Demonstrationen, Strassenpartys, politische Veranstaltungen werden verboten, kriminalisiert, eingekesselt - die Teilnehmenden geschlagen, eingesperrt und mit überrissenen Massnahmen gestraft.
Wir lassen und unsere Meinung und Politik weder durch Gewalt noch sonstwie verbieten!

Wir sind wütend!
Es kann doch nicht sein, dass unser Leben in den 5 Wochen Ferien und zwischen den Arbeitszeiten stattfindet. Nach der Arbeit sind wir zu müde, um das zu machen, was wir wirklich möchten.

Jeder Augenblick, den du im Jetzt verschwendest, ist verloren - für immer!

Wir wollen arbeiten - jedoch nicht für Gewinn und Profit. Nicht für Chefs und sinnlose Überproduktion. Wir wollen eine Wirtschaft, die produziert, was die Menschen benötigen, nicht was profitfähig ist!

Wir sind wütend!
Weil wir Gesetzen gehorchen sollen, die für uns keinen Sinn ergeben. Die, welche uns "demokratisch vertreten", vertreten nicht unsere Bedürfnisse - sondern die von Lobbyisten, die des Kapitals oder ihre eigenen.
Die Polizei, welche sich hier plötzlich als Ansprechsperson ausgibt, steht nicht auf unserer Seite, sondern auf der des Kapitals und des Staates! Nur wir selbst können für unsere Bedürfnisse einstehen. Wir wählen und geben unsere Stimme ab, aber dann ist sie weg und wir haben keinen Einfluss mehr darauf, was geschieht.
Ohne Geld ist es in diesem System unmöglich, politisch relevanten Einfluss zu haben. So ein System lehnen wir ab!
Wir brauchen keine Repräsentanten und Repräsentantinnen! Diese Demokratie dient dem Wohl einiger weniger und gibt den anderen das Gefühl, sie könnten über ihr Leben bestimmen. Wir wollen ein System, in dem niemand über andere herrschen kann. Den Kapitalismus, welcher uns alles in eine Konkurrenz zwingt, wollen wir mit Solidarität aus den Fugen heben!
Wir fordern ein System, welches unsere Bedürfnisse wirklich befriedigt!
Wir wollen nicht tagtäglich 8 Stunden, 5 Tage die Woche für den Profit einiger weniger arbeiten.
Wir wollen produzieren, was wir brauchen!

Wir sind wütend - und tragen diese Wut auf die Strasse!
Es darf jedoch nicht bei diesen Strassenpartys bleiben. Wir wollen wirkliche Veränderungen, nicht vor der Realität flüchten und unseren Kopf mit Alkohol und Feiern betäuben.
Werdet aktiv! Organisiert euch, widersetzt euch! Veranstaltet selbst solche und andere Proteste!

Schweigt nicht, wenn ihr schreien wollt!

Für die Autonomie und Selbstbestimmung - gegen Konkurrenz und Spaltung!

Quelle: http://ch.indymedia.org/de/2012/06/86597.shtml

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"Rebellion ist wie dieser Schmetterling, der auf das Meer ohne Insel oder Felsen zuhält. Er weiß, dass er keinen Platz zum landen hat. Doch zögert er nicht zu fliegen. Und nein, weder der Schmetterling noch die Rebellion sind dumm oder selbstmörderisch. Es ist nur so, dass sie wissen, dass sie doch etwas haben werden, wo sie landen können, weil es in dieser Richtung eine kleine Insel gibt, die noch kein Satellit entdeckt hat." - Subcomandante I. Marcos, La Lucha sigue
04. Juni 2012, 16:25 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Marcos



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Auch ein Interessanter Ansatz, den ich irgendwo gelesen habe:

Die Jugend ist so apathisch, dass sie sogar an einer antikapitalistischen Demo mitlaufen, wenn die Party gut ist. alcoholic

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04. Juni 2012, 16:55 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
minino
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Zitat:
Für dieses Gefühl war doch wohl aber nicht entscheident ob jetzt der Anlass offiziel bewillgt ist oder ilalgal und eifach tolleriert. Da macht doch die Spontanität udnd as Eiegnleben eines solchen Anlasses mehr aus… Oder hättest du das Gefühl, dass es bei einer bewilligten Strassenparty gross anders gewesen wäre?!

P.s. War am Samstag nicht in Bern. Daher meine Gedanke/Ansichten mehr aus der Aussenperspektive…


Ich finde es spielt schon ein wenig eine Rolle, ob es jetzt eine unbewilligte Strassenparty oder eine bewilligte Strassenparty wie z.B. Streetparade ist. Im Vorfeld wurde ja - gerade auch auf Facebook von einigen Bürgis - recht Stimmung gemacht, dass es ausarten könnte usw. Deshalb denke ich, dass schon eine andere Grundstimmung da war als an einer Streetparade o.ä.: "was passiert wohl?", "was macht die Polizei?" ... Und wenn man dann so sieht, dass doch viel gesprayt und gebosget wird - aber die Polizei schlichtweg nichts machen kann, ist das schon eine ungewohnte Situation für die meisten, die sie so noch nie erfahren haben.

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04. Juni 2012, 16:23 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
fräulein else



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danke mr. bobby!

doch, minino, ich denke es hat eine ziemliche rolle gespielt (vielleicht nicht bei den volldrauffen ravern) dass die party illegal war, und vor samstag, 20:00 niemand so genau wusste, was geschehen würde. ich verstehe das ganze - auch wenn's so manchen zu wenig zur sache ging - als "massegschpüüre", sich in einer riesigen, anonymen masse wiederzufinden und zu erkennen, dass alle irgendwie aus der selben motivation dahin gefunden haben. und genau das war so geil an dem ganzen.

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05. Juni 2012, 00:06 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Red_Eyes



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http://www.tvprogramm.sf.tv/details/9049f3aa-979b-44a9-8070-3667fd856c04

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06. Juni 2012, 08:29 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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