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ÖV: Was tun gegenüber den kriegerischen Konflikten?

 
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ÖV: Was tun gegenüber den kriegerischen Konflikten?
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baerenpfote



Anmeldedatum: 29.12.2010
Beiträge: 9

Beitrag ÖV: Was tun gegenüber den kriegerischen Konflikten? Antworten mit Zitat
Massaker in Syrien, Bombardierungen von Israel und dem Gazastreifen, Spannungen mit Iran, Kriege im Kongo, Zerfall und Krieg in Mali usw.

Welche Haltung gegenüber den kriegerischen Konflikten einnehmen ?

Wir laden am 8. Dezember ein, über die Bedrohung der Zerstörung der Menschheit zu diskutieren und was für Wege es gibt, die kapitalistische Barbarei zu überwinden.

Wann: Samstag, 8. Dezember 2012, 13.00 Uhr
Wo: Zentrum Karl der Grosse, Kirchgasse 14, Zürich

www.de.internationalism.org
schweiz@internationalism.org
Postfach 2216, 8026 Zürich
28. November 2012, 01:05 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rulfo



Anmeldedatum: 05.02.2011
Beiträge: 41

Beitrag Antworten mit Zitat
Hier einige Ideen, über die wir am Samstag gerne diskutieren werden (alles unter dem Vorbehalt der nachträglichen Verbesserung ...):

Thesen zum Krieg (Ende 2012):

1. „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Dieser Satz galt schon in früheren Klassengesellschaften, aber im Unterschied dazu sind Krieg und Militarismus im dekadenten Kapitalismus (seit dem I. WK) zu einer Lebensform sämtlicher Nationalstaaten geworden. Es gibt ständig Dutzende von bewaffneten Konflikten auf der Welt, unter denen vor allem die Zivilbevölkerung (das Proletariat) leidet. Der Unterschied zwischen Friedens- und Kriegszeiten hat jeden Sinn verloren.

2. Seit dem Zusammenbruch der beiden grossen militärischen Blöcke nach 1989 haben die kriegerischen Auseinandersetzungen ihren Charakter verändert. Während zur Zeit der Blockkonstellation ein weltweiter atomarer Holocaust, ein Atomkrieg zwischen USA und SU, die Bedrohung der Menschheit darstellte, sind es heute unzählige Kleinkriege v.a. in der Peripherie der kapitalistischen Akkumulation, welche den Menschen ein „normales“ Leben verunmöglichen und sie zur Flucht in die Zentren zwingen. Während die konventionellen Kriege vor 1989 in der Regel Stellvertreterkriege im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen den zwei Blöcken waren, sind die heutigen Kriege von ständig wechselnden Interessen und Allianzen geprägt – die vorherrschende Tendenz ist das Gesetz des Zerfalls: Jeder gegen Jeden.

3. „Die kommunistische Revolution wird niemals einem Gemetzel gleichen: nicht wegen eines Prinzips der Gewaltfreiheit, sondern weil sie nur dann eine Revolution ist, wenn sie die professionellen Militärs eher zersetzt, als dass sie sie vernichtet. (…) Im Dienste des Staates wird aus dem Arbeiter-„milizionär“ unausweichlich ein „Soldat“.“ (Gilles Dauvé, Wenn die Aufstände sterben)
Für das Proletariat im Allgemeinen und seine Revolutionäre im Besonderen ist die Frage des Krieges im dekadenten Kapitalismus zur Schicksalsfrage geworden. In einer Welt, in der sich die Arbeiter_innenklasse als Ganzes für eine neue, solidarische Gesellschaft der freien Assoziation zusammenschliessen sollten, ist der Krieg das grösste Hindernis, um zur nötigen Einheit und dem entsprechenden Bewusstsein zu gelangen.

4. Aufgrund des vordergründig weniger klar imperialistischen Charakters der heutigen Kriege des Zerfalls haben viele Proletarier_innen grösste Mühe, sich angesichts dieser Konflikte in der gleich unnachgiebigen Art zu positionieren, wie dies noch in der Zeit des Kalten Krieges oder bei direkt unter US-amerikanischen Kommando stehenden Feldzügen wie 2001 in Afghanistan oder 2003 im Irak der Fall gewesen ist.

5. Losungen wie „Den Feind im eigenen Land bekämpfen!“ oder „Desertion!“ bleiben auf dem halben Weg stecken, weil sie letztlich nur partielle (oder sogar individuelle) Aspekte hervorstreichen, die in der Konsequenz die verschiedenen Proletarier_innen in den verschiedenen Lebensumständen zu sich widersprechenden Handlungen aufrufen. Was es braucht, sind Losungen, die die Proletarier_innen aller Länder zusammenführen: „Proletarische Solidarität!“ und „Fraternisierung“ über alle Grenzen hinweg.

6. Es gibt heute im Milieu, das sich als revolutionär versteht, kaum Befürworter der "alten" Logik des Verteidigungskrieges wie im I. WK. Im Gegenteil gibt eine starke Tendenz in diesem Milieu, die klassische Logik des "geringeren Übels", so wie sie im II. WK dominierte, zu hinterfragen, wenn nicht gar klar zu verwerfen.
Heute liegt das Problem woanders! Durch eine (an sich korrekte) Anerkennung der Aufstände in Nordafrika als Ausdruck der Arbeiterklasse wird blind die Illusion vertreten, dass diese proletarische Dynamik auch dann noch weiterlebt, wenn alles eine Wende zu einer bewaffneten Auseinandersetzung nimmt und in einen Krieg mündet wie in Libyen oder Syrien. Es wird nicht verstanden, dass der Klassenkampf und der Krieg Antipoden sind und wie sich das konkret manifestiert!

7. Die Frage stellt sich, wie wir uns Klarheit darüber verschaffen können, das Proletariat sowohl in den betroffenen Kriegsgebieten wie auch hier vor der Kriegspropaganda und den Auswirkungen des Krieges zu wappnen. Die Westmächte sind schon überall involviert und rüsten zurzeit an der Grenze von Syrien mit Patriotraketen auf. Frankreich schwingt seinerseits auch in Mali schon die Humanitätskeule, um in seinen alten Jagdgebieten direkt militärisch zu intervenieren. Das bringt natürlich auch die jeweilige Gegenseite dazu, noch brutaler gegen die eigenen Bevölkerungen vorzugehen.

Wege anzudenken, um aus dieser Sackgasse herauszukommen, sollte Gegenstand der Diskussion sein.
06. Dezember 2012, 22:03 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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